Der nächste US-Präsident


Obamacare ist verhasst, weil es ein bürokratisches Monster ist, das die Krankenversicherung für normale Leute extrem verteuert hat. Die entstandenen Arbeitsplätze sind pure Bürokratie, die die Wirtschaft und Bilanzen belasten und nicht entlasten.
Normale Leute? Definiere mir das mal konkreter! In den USA ist es eben nicht normal, überhaupt krankenversichert zu sein. Natürlich ist das Ganze ein Stück weit auch ein bürokratisches Monster. Bei den hiesigen Krankenversicherungen ist das ja nicht viel anders. Das ändert aber trotzdem nichts daran das die entstandenen Arbeitsplätze gern und oft genutzt werden, um die Trumpsche Statistik zu schönen.
Auch eingefleischte Demokraten sehen die zwei Obama-Amtszeiten als vertane Jahre.
Nun ja, Sichtweisen fernab der Fakten sind bei (Berufs-)Politikern ja keine Seltenheit. Das gibt es hier auch. Fakt ist, das unter Obama die Arbeitslosigkeit in den USA ganz erheblich bis unter 5% gesunken ist. 14 Mio. neu geschaffene Arbeitsplätze gehen auf Obamas Politik zurück.
Trump schwadronierte im Wahlkampf was von 25 Mio. Jobs, die er schaffen wolle. Er schwadronierte das insbesondere in den Bereichen, wo er halt bisher kläglich versagt hat. Der Autoindustrie geht es genauso mies wie vorher. Die Landwirtschaft macht er durch seine skurille Zölle-Politik kaputt. Und der Bergbau ist faktisch nur noch ein Schatten seiner selbst. Das sind die Tatsachen. Diese drei Bereiche hat er im Wahlkampf immer wieder "great again" machen wollen.
Entstanden sind unter Trump vor allem Jobs im Dienstleistungsgewerbe. Das sind aber zu großen Teilen die am schlechtesten bezahlten Jobs überhaupt. Und da man in den USA ja meistens 2 oder 3 Jobs braucht, um überhaupt halbwegs über die Runden zu kommen, ist das alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Der Anteil der Zweit- und Drittjobs steigt jedenfalls ganz rapide an.

Na du musst es ja wissen. Das durchschnittliche US Haushaltseinkommen ist von 2014 bis 2019 um 20% (!) gestiegen. Ich will nicht behaupten, dass das durch Trumps Politik passiert ist, aber man sollte mit so Phrasen ('ging es nicht besser') vorsichtig sein.
Die Gesamtberechnung des Haushaltseinkommens ist eine Phrase und ich wette, dass du das selbst sehr genau weißt. Nehmen wir mal alle Einkommen zusammen und errechnen daraus einen Mittelwert. Das ergibt eine schöne Zahl, sagt aber wenig über die Realitäten aus, da die wenigen Vielverdiener natürlich die Gesamtzahl nach oben drücken. Nimm doch mal diese aufgedröselten Statistik hier, da sieht das dann schon etwas anders aus. Die schwarze, afroamerikanische Bevölkerung der USA verdient im Schnitt weniger als die Hälfte der Weißen.

Auf die Erklarung dieser Kausalität wäre ich gespannt.
Die Kausalität ist recht einfach, auch wenn sie dir vermutlich als Erklärung nicht reichen wird. Hätte dieses Land einen Präsidenten der nicht nur spaltet und augenscheinlich seinen ganz persönlichen Narzissmus über das Wohl aller seiner "Untertanen" stellt, wäre diese skurille Aktion mit dem Film wohl gar nicht erst nötig gewesen. Trump heizt durch sein merkwürdig unbeholfen wirkendes Agieren in der Rassismus-Debatte selbigen nur an, anstatt deeskalierend auf beide Seiten einzuwirken. Und eben dieses Befeuern des ganz gewöhnlichen Rassismus führte letztlich auch dazu, dass HBO den Film abgesetzt hat. Direkt verantwortlich machen kann man Trump dafür logischerweise nicht, indirekt aber durchaus.
 
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@Radiokult Da muss ich mich erstmal zusammennehmen und überlegen, ob ich Lust habe, zum hundersten Mal auf die gängigen aber falschen Allgemeinplätze zu antworten, an denen sich die einschlägigen Diskussionszirkel in Deutschland offenbar immer noch laben. Echt schwach, dass du das widerkäust.

In den USA ist es eben nicht normal, überhaupt krankenversichert zu sein.
2018 waren über 90% krankenversichert. Hier können wir schon aufhören, es sei denn das ist fuer dich 'nicht normal'.

Zu den vertanen Obama-Jahren schreibst du nicht, was er denn (richtig) gemacht, sondern was Trump gemacht/nicht gemacht hat. Ok.

Entstanden sind unter Trump vor allem Jobs im Dienstleistungsgewerbe. Das sind aber zu großen Teilen die am schlechtesten bezahlten Jobs überhaupt. Und da man in den USA ja meistens 2 oder 3 Jobs braucht, um überhaupt halbwegs über die Runden zu kommen,
Irgendwer muss die durchaus gewachsenen Dienstleistungen ja anfordern?

Und ich weiss, in Deutschland träumen einige immer noch von der gewerkschaftlich organisierten 33 Stunden Woche mit Kündigungsschutz bis zur Rente. Hier ist das eben nicht so. Ich kenne hier viele Leute mit mehreren Jobs, ich selber mache gelegentlich was nebenher und - du wirst es nicht glauben - man macht es gerne, aus den verschiedensten Gründen. Dass das am untersten Ende der Skala eher ein Überlebenskampf ist, bestreite ich nicht. Aber wo auf der Welt ist das anders? in Deutschland etwa?

da die wenigen Vielverdiener natürlich die Gesamtzahl nach oben drücken.
Ja, auch wieder so eine Legende. Die Arithmetik sollte dir schon sagen, dass man einen Schnitt nicht um 20% nach oben kriegt mit nur ein paar Vielverdienern. Hier kannst du dir angucken, wie die Einkommen verteilt sind. Dass etwa die Schwarzen weniger verdienen, weil sie im Schnitt geringer qualifiziert und gebildet sind, bestreitet gar niemand. Das ist ja Teil der gegenwärtigen Diskussion. Wir hatten und haben eine ähnliche Diskussion in Deutschland über unsere Migranten.
Direkt verantwortlich machen kann man Trump dafür logischerweise nicht, indirekt aber durchaus.
Indirekt kann man sicher auch den Papst für den Klimawandel verantwortlich machen. Wofür sind solche Diskussionen gut?

Explizit noch mal, ich bin kein Fan von Trump. Aber er offenbart gewollt oder ungewollt so drastisch die Leere im linksliberalen politischen Lager. Ausser auf Trump zeigen, keine Ideen. Hier in den USA, in den Sand gesetztes Impeachment, ein alter weisser Mann wird nun DFL Kandidat. In Deutschland und Europa sieht es nicht besser aus, es ist derzeit nur nicht so offensichtlich. Das wird sich aber ändern, wenn die wirtschaftlichen Schäden durch Covid-19 sichtbar werden.
 
Ja @chapri und Wiki wissen alles und noch viel mehr.
Ich war hier vier Jahre angestellt bei einer kleinen Firma (20 Mitarbeiter maximal), wir hatten einen super Gruppenvertrag bei BlueCross mit 'zig Optionen was man drin haben will, variabler Selbstbehalt, etc. Mit Eintreten von Obamacare musste wir wechseln, weil die BlueCross Beiträge sich fast verdoppelt hätten.

Private KV sind wiederum teuer und wählerisch
Ja das stimmt. Ich sehne mich nach Deutschland, wo die PKV spottbillig ist, auch für Rentner mit Diabetes und Raucherlunge.

Auch hier: Ich will das US-System gar nicht loben, aber es ist einfach unglaublich, was für schlicht falscher Müll in Deutschland erzählt und offenbar auch geglaubt wird.
 
Ich habe nie behauptet, dass ich oder Wiki alles wissen - ich behaupte nur, dass Du auf hohem Niveau klagst.
Der Sinn von 'Obamacare' war, KV für Geringverdiener erschwinglich zu machen. Versicherer haben die Prämien zunächst in manchen Fällen erhöht, weil Neubeurteilungen wegen der geänderten Leistungstabelle erforderlich wurden - letztlich aber auch, weil Verunsicherungen durch die fortwährenden Rep.-Einsprüche entstanden.
 
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Dass die Sünder unbeschadet davonkommen, heißt aber noch nicht, dass sie keine Sünder sind.
Das ist sicher richtig. Aber geholfen hat es den Demokraten nicht, auf den Sünder zu zeigen (und sonst eigentlich nichts zu tun ausser Vorwahlen, bei denen Biden rauskommt, immerhin nicht Bernie).

ich behaupte nur, dass Du auf hohem Niveau klagst
Das gebe ich gerne zu. Ich versuche aber, den Blick nach woanders hin (auch nach unten) nicht zu verlieren.

zunächst in manchen Fällen erhöht
Es hat so ziemlich jeden getroffen, den ich kenne, und das zunächst dauert mittlerweile schon recht lange. Aber gut, man wird sehen. Danke fuer den Link.
 
2018 waren über 90% krankenversichert.
Herzlich willkommen bei Obamacare. Das allein ist nämlich der Grund, warum die Zahl der Versicherten mittlerweile bei rund 90% liegt. Das war vorher nicht so.

Zu den vertanen Obama-Jahren schreibst du nicht, was er denn (richtig) gemacht, sondern was Trump gemacht/nicht gemacht hat. Ok.
Was soll ich denn dazu schreiben? Auch bei Obama lief nicht alles rund. Vor allem in der zweiten Amtszeit ging da manches daneben. Das ist ja nun kein Geheimnis. Obama ist kein Heiliger! Es geht auch nur bedingt darum was beide gemacht haben, sondern eher darum wie sie es gemacht haben bzw. im Falle Trump noch immer tun. Der Zweck heiligt nunmal nicht immer die Mittel. Wer u.a. Armeen gegen sein eigenes, zu Recht protestierende Volk einsetzen will... sorry, aber das erinnert dann irgendwie an eine Zeit vor 30 Jahren. Ob man dafür die damaligen Ereignisse in Peking oder die auf dem Gebiet der Ex-DDR bemüht, überlasse ich jedem selbst. Und ja, das taugt selbstverständlich ein Stück weit als drastischer Vergleich, auch wenn die Umstände selbstverständlich andere waren.

Und ich weiss, in Deutschland träumen einige immer noch von der gewerkschaftlich organisierten 33 Stunden Woche mit Kündigungsschutz bis zur Rente.
So ein Quatsch. Die Zeiten sind doch lange vorbei. Die Digitalisierung hat vor allem die Arbeitswelt komplett auf den Kopf gestellt und wird dieses auch noch weiter tun. Wir sind da noch lange nicht am Ende angekommen. Diese starren Arbeitszeitenpläne, wie sie manchen Gewerkschaften noch immer vorschweben, sind doch Relikte von vorgestern. Davon ab überschätzt du ein wenig die Bedeutung der Gewerkschaften. Die ist längst nicht mehr so hoch wie in den 80er Jahren.

ich selber mache gelegentlich was nebenher und - du wirst es nicht glauben - man macht es gerne, aus den verschiedensten Gründen. Dass das am untersten Ende der Skala eher ein Überlebenskampf ist, bestreite ich nicht. Aber wo auf der Welt ist das anders? in Deutschland etwa?
Nein, natürlich nicht. Und es ist doch auch völlig in Ordnung, wenn du damit glücklich bist. Der Punkt wäre hier aus meiner Sicht der, dass die Vergleiche der US-Arbeitswelt mit der deutschen nur bedingt möglich sind. Hier frißt zum Beispiel der immer mehr zunehmende Bürokratie-Irrsinn insbesondere kleinere Unternehmen mehr und mehr auf. In den USA kann man da wesentlich freier agieren, was sich letztlich natürlich auch auf die Jobs auswirkt.

Aber er offenbart gewollt oder ungewollt so drastisch die Leere im linksliberalen politischen Lager. Ausser auf Trump zeigen, keine Ideen.
In dem Punkt sind wir ein Stück weit sogar einer Meinung. Aber vermutlich liegt hier der tatsächliche Grund ähnlich gelagert wie in Deutschland. Falls Trump die Wahlen doch gewinnen sollte, ist sein politischer Gegner schlichtweg verbrannt. Der kann dann abtreten. Und abgesehen von ein paar alten weißen Männern, die unterm Strich nichts mehr zu verlieren haben, will sich das halt niemand antun. Ein ganzes Stück weit ist das ja sogar nachvollziehbar, aber es ist halt für das Land eine mittlere Katastrophe.

In Deutschland und Europa sieht es nicht besser aus, es ist derzeit nur nicht so offensichtlich. Das wird sich aber ändern, wenn die wirtschaftlichen Schäden durch Covid-19 sichtbar werden.
Da wäre ich mir noch gar nicht so sicher, denn nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.

Ich will das US-System gar nicht loben, aber es ist einfach unglaublich, was für schlicht falscher Müll in Deutschland erzählt und offenbar auch geglaubt wird.
Nun ja, würfeln wir da jetzt nicht auch ein wenig die persönlichen politischen Überzeugungen zusammen und schmeißen sie in Form eines skurill wirkenden Propaganda-Happens in Richtung Andersdenkender?
Weil angeblich nur aufgrund von Obamacare dein Versicherer die Gebühren erhöhen mußte, ist das natürlich alles sofort böse. In anderen Zusammenhängen würdest du vermutlich lapidar antworten, dass das halt so ist in der Marktwirtschaft. Nur wenns einen dann halt mal selbst betrifft, ist es natürlich was ganz anderes.
Ich meine das übrigens ausdrücklich nicht böse oder als persönlichen Angriff. Es ist nur der (vielleicht mißglückte) Versuch in irgendeiner Form das hohe Ross auf dem du mitunter sitzt, ein wenig tiefer zu hängen.
 
@Radiokult Danke fuer die wie meistens :D ausführliche Antwort. Ich lese da einiges an Konsens heraus. Ausser vielleicht im letzten Absatz:

Nun ja, würfeln wir da jetzt nicht auch ein wenig die persönlichen politischen Überzeugungen zusammen und schmeißen sie in Form eines skurill wirkenden Propaganda-Happens in Richtung Andersdenkender?
Weil angeblich nur aufgrund von Obamacare dein Versicherer die Gebühren erhöhen mußte, ist das natürlich alles sofort böse.
Natürlich wertet und argumentiert jeder zunächst aus seiner sozialen Blase. Die Blase des gut ausgebildeten und verdienenden mit intakten Sozialkontakten lässt einen recht komfortabel leben in den USA. Fällt man aus der Blase, dann fällt man sicher tiefer und härter als in Deutschland, keine Frage. Aber es doch ist keine Propaganda, wenn ich auf Dinge hinweise, die so einfach nicht stimmen oder extrem verallgemeinert sind. Im Gegenteil, das ist Arbeit gegen die Propaganda.

Zu Obamacare: Das war der durchaus richtige Versuch, den Einkommensschwachen den Zugang zur Krankenversicherung zu ermöglichen. Nun ist eine Reform des Gesundheitssystems nicht nur in den USA faktisch unmöglich, da milliardenschwere Interessen und Gruppen dagegen stehen. Das ist ein wichtiger Grund, warum das Ergebnis nicht optimal ist. Mit Marktwirtschaft hat das hiesige Gesundheitssystem auch nicht mehr so viel zu tun. Es ist extrem reguliert und war auch schon vor Obamacare bürokratisch bis zum Anschlag. Das nur mal zur Einordnung. Was aber leider bleibt, ist noch mehr Bürokratie und steigende Beiträge. Ich denke, die Mehrheit der Mittelschicht (auch ich) hier akzeptiert es aber letztens, des oben genannten Ziels wegen.

Jetzt muss ich aber packen und mal in Deutschland nach dem rechten sehen.
 
Oder es wird einen "amerikanischen Frühling" geben:
"Wir können nicht länger mit ansehen, wie dieser verrückte Diktator mit erschreckender Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorgeht und die Rechte friedlicher Demonstranten mit Füßen tritt" (..) "Solange es eine Chance gibt werden wir den amerikanischen Frühling unterstützen."
(Quelle)
 
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