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Der ultimative "Lange schon bei Spotify, nach Monaten erst im Radio"-Thread


#1
Das Radio ist schon lange kein musikalischer Trendsetter mehr. Neue Musik gibt es heute oft Monate vor dem ersten Radio-Airplay bei Spotify oder YouTube. In diesem Faden dürft ihr nun ab sofort die Radiosender an den Pranger stellen. Was war bei Spotify bereits ein Hit, bevor es nach aufwendigen Musiktests erstmals im Radio lief. Ich mache mal den Anfang:


Dance Monkey war für die Streamer ein fröhlicher Sommerhit. Schon seit Anfang Mai war er bei Spotify vertreten. Im Radio habe ich ihn erst nach Monaten gehört.
 
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#2
Und das sollen wir uns jetzt alle anhören? Danke, gerade ausgemacht...

Ich finde das auf Spotify bestens aufgehoben.
 
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#4
Das Radio dudelt sein Ding, Ein paar Millionen Klicks ändern da gar nichts.
Und wenn das Genre nicht ins Schublädle passt - erst recht keine Chance.
93 Millionen Mal aufgerufen seit 2013 "Rose Tattoo" von der amerikanisch-
irischen Band Dropkick Murphys.

 
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#5
Da könntest du auch Nightwish oder Arcade Fire nehmen. Zwei Bands, die mit fast allen Alben Nr. 1 der Charts sind, aber vom Radio ignoriert werden. Hier eher, weil es zu stark polarisiert. Das trifft auch auf die Dropkick Murphys zu.

Aber im Beitrag von Gegenstromanlage geht es eher um Mainstream-tauglich Songs, die viel zu spät im Radio laufen, lange nachdem sie auf den Spotify-Playlists sind. Da gibt es hunderte Beispiele. Das hier ist ein Prominentes:


Wurde bereits Mitte 2018 releast, schaffte aber erst Anfang 2019 den Sprung ins deutsche Radio, nachdem fast jede 16-jährige Göre den Track schon seit Monaten auf ihrer Spotify-Playlist hatte.

Das Radio kann aber auch Vorreiter sein. Die ARD-Jugendradios haben fast alle Sendungen, in denen sie zumeist in den Abendstunden neue Tracks vorstellen, die soeben erst releast wurden. In unserem Sendegebiet ist es die Sendung DASDING PLAY (fast täglich von 20 bis 22 Uhr). ich finde es nur schade, dass man die Tagesplaylists von solchen Entdeckungen unberührt lässt, hier laufen tatsächlich nru die "best getesteten" Songs, die für Spotify-User längst alte Hüte sind.
 
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#6
Neue Musik gibt es heute oft Monate vor dem ersten Radio-Airplay bei Spotify oder YouTube.
Na ja, ...
Ich weiß nicht, ob ich die Frage schon einmal gestellt habe, aber: jetzt mal abseits sämtlicher Klickzahlen - hat mal irgendwer erforscht, ob die Lala auf Spotify oder auf youtube wirklich gehört wird oder aus welchem Grund diese Klicks generiert werden? Bei youtube dürften die meisten Klickzahlen eher auf Mund-zu-Mund- oder Twitter-zu-Instagram-zu-Facebook-zu-Forum-zu-Mund-zu-sonstnmedium-Propaganda zurückzuführen sein als auf youtube selbst und oft genug denke ich mir angesichts der Klickzahlen, daß hier irgendwelche anderen Faktoren eine Rolle spielen als "würde ich gerne hören". Klickzahlen heimsen auf youtube auch Videos ein, bei denen der eigene Intellekt oder das eigene ästhetische Empfinden verschämt oder entsetzt Deckung suchen oder Material, das halt mit abgedudelt wird, weil irgendeiner gemeint hat, das in einer Playlist noch unterbringen zu müssen. Insofern bin ich eigentlich ganz froh drum, daß nicht jeder Hype seinen Stammplatz in anderen Medien sicher hat. Jetzt mal abgesehen davon, daß ich auch nicht glaube, daß eine Menge von dem, was auf youtube Klicks einheimst, im Radio wirklich funktionieren würde.
Spotify - ich bin kein Streaming-Nutzer, aber auch hier bin ich mir nicht ganz im Klaren darüber, welche Aussagekraft Klickzahlen haben.

Ich habe nichts dagegen, übers Radio neue Musik zu entdecken, aber ich glaube, im Zeitalter des Internets ist es schwer, von Musikredakteuren zu verlagen, hier halbwegs den Überblick zu behalten oder vorherzusagen, aus welcher Richtung der nächste heiße Scheiß kommt. Es ist ja schon ein Ding der Unmöglichkeit, den Musikmarkt der Eingeborenen mit all seinen umtriebigen Künstlern, die mittlerweile auf allen möglichen Wegen ihren Krempel veröffentlichen, im Blick zu behalten. Und damit meine ich auch und gerade die Sachen, die beispielsweise auf Spotify gar nicht vertreten sind oder noch nicht mal die Chance haben, dort groß Klicks einzuheimsen. Meint: ist es wirklich ein Kritikpunkt, daß das Radio nicht noch zusätzlich auf die Leute aufmerksam macht, die die Aufmerksamkeit des Internets bereits haben ...?

Gruß
Skywise
 
#7
Es gibt durchaus auch Sender und Sendungen, in denen Neues vorgestellt wird oder einfach so im Programm mitläuft. Dass man sowas nicht bei Radio Hümpelskirchen, die größten Hits aller Zeiten vorwärts und rückwärts erwarten kann, sollte klar sein.
 
#8
Warum müssen die Radiosender neue Titel gleichzeitig oder zeitnah mit Spotify ins Programm nehmen? Dann gäbe es doch noch weniger Gründe, das Radio einzuschalten, wenn dort die gleiche Musik läuft wie die Musik, die in Spotify gerade gehypt wird. Verschiedene Ausstrahlungswege mit immer der gleichen Musik braucht doch kein Mensch.
 
#9
Dass man sowas nicht bei Radio Hümpelskirchen, die größten Hits aller Zeiten vorwärts und rückwärts erwarten kann, sollte klar sein.
Nein, das ist mir überhaupt nicht klar. Von einem ÖR-Sender würde ich schon
erwarten, dass er mehr bietet als immer dieselben "Klassiker" und "Größte Hits".
Verschiedene Ausstrahlungswege mit immer der gleichen Musik braucht doch kein Mensch.
Bei einem Angebot von mehreren Millionen Titeln wie z.B. auf Spotify, hat der
Nutzer durchaus eine Wahl, er muss nicht immer das Gleiche anhören.
 
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#11
Bei einem Angebot von mehreren Millionen Titeln wie z.B. auf Spotify, hat der
Nutzer durchaus eine Wahl, er muss nicht immer das Gleiche anhören.
Ist schon klar, aber hier geht es um die Neuvorstellungen, die bei Spotify besonders häufig aufgerufen werden. Diese müssen dann nicht auch noch, zeitnah, in den Radiosendungen platziert werden. Das ist dann der Überdruss des ewig Gleichen.
 
#12
@Gegenstromanlage:
Du hörst den falschen Seeeen-der!
Schalte mal auf BR Puls um! Da habe ich in den letzten zwei Tagen mindestens zehn für mich komplett neue Sachen kennengelernt, teilweise bin ich vom Tisch aufgesprungen, um auf die Titelanzeige zu schauen und hab mir das dann bei Spotify gesucht! Post Malone z.B. oder Ilgen-Nur, letztere eine Sängerin, die ganz aus meiner Nähe stammt...
 
#13
@Radiotor: Aracade Fire lief übrigens in NL und BEL rauf und runter, auch bei Mainstream-Sendern, übrigens auch gerne bei BBC Radio2! Nur in Mutlosdudelland deutscher Provinz kommt sowas nicht an...nicht, weil es den Menschen nicht gefallen würde, sondern weil irgendwelche selbsternannten Experten Angst haben, dass ein Lied Frau Müller-Lüdenscheid aus Hüppelskirchen beim Pfannkuchen brutzeln stören könnte...
 
Zuletzt bearbeitet:

ohrenweide

Gesperrter Benutzer
#14
Schalte mal auf BR Puls um! Da habe ich in den letzten zwei Tagen mindestens zehn für mich komplett neue Sachen kennengelernt, teilweise bin ich vom Tisch aufgesprungen, um auf die Titelanzeige zu schauen und hab mir das dann bei Spotify gesucht!
Tipp:
Die komplette Musik von br PULS (inkl. Post Malone und Ilgen-Nur) gibt's auch als automagische Spotify-Playliste
 
Zuletzt bearbeitet:
#15
Die ganze Geschichte geht auch andersherum: Im Juni hörte ich auf SLAM!FM in einem DJ-Set den Titel "Tell Me A Lie" von Jonas Aden. Auf Spotify gab es den Titel nicht, auch in den darauffolgenden Wochen/Monaten nicht. Erst seit vermutlich letzter Woche ist der Titel auf Spotify verfügbar.
 
#16
Warum müssen die Radiosender neue Titel gleichzeitig oder zeitnah mit Spotify ins Programm nehmen? Dann gäbe es doch noch weniger Gründe, das Radio einzuschalten, wenn dort die gleiche Musik läuft wie die Musik, die in Spotify gerade gehypt wird. Verschiedene Ausstrahlungswege mit immer der gleichen Musik braucht doch kein Mensch.
Nein es gäbe dann überhaupt mal wieder Gründe das Radio einzuschalten. Die Lieder laufen ja nicht nur auf Spotify rauf und runter sondern z.B. auch bei Apple Streaming, Deezer etc. Es ist auf Dauer fatal die Lieder einfach zu ignorieren die momentan einfach am meisten gestreamt werden (was die Währung "Downloads" ablöst, die wiederum davor die Maxi-Single CD abgelöst hat um zu ermitteln was in Deutschland gerade am erfolgreichsten ist). Gerade das ist ja das was ich im Radio vermisse: Es werden einfach nicht die Hits gespielt sondern das was die Computer in der Rotation vorgeben und die Rotation ist leider extrem begrenzt und schließt zu viel aus an Genres und Subgenres der letzten Jahre.
 
#17
Nein es gäbe dann überhaupt mal wieder Gründe das Radio einzuschalten. Die Lieder laufen ja nicht nur auf Spotify rauf und runter sondern z.B. auch bei Apple Streaming, Deezer etc.
Ich verstehe offen gestanden nicht, warum das ein Grund sein sollte, das Radio einzuschalten. Gewinnt man neue User, wenn man die jüngere Generation, die sich ohnehin den Scheiß online über diese Playlisten reinzerrt, jetzt auch mit demselben Scheiß übers Radio bedudelt, den sie sich quasi unverändert auch online reinzerren können?

Es ist auf Dauer fatal die Lieder einfach zu ignorieren die momentan einfach am meisten gestreamt werden
Weiß ich nicht ... ich durfte mich vor einigen Wochen mal so unglücklich schätzen, einige HipHop-Geschichten jüngeren Datums probezuschmecken. Keine Ahnung, ob jede ältere Erziehungsberechtigte so dringend Wert darauf legt zu erfahren, von wem sie in der nächsten Zeit alles flachgelegt werden wird, oder ob es wirklich sinnvoll ist, die ganzen Beefs jetzt endlich auch am Radio verfolgen zu können ... ich find's halt nicht unbedingt spannend, irgendeine Seifenoper auf Kanalisationsniveau mitzuverfolgen.
Ja, ich hab' auch einige gehaltvollere HipHop-Sachen zu Gehör bekommen. Aber ich hab' den Eindruck, die werden deutlich weniger gestreamt. Weil halt auch gehaltvoller und nicht so sehr auf Bambule aus.

Gerade das ist ja das was ich im Radio vermisse: Es werden einfach nicht die Hits gespielt sondern das was die Computer in der Rotation vorgeben und die Rotation ist leider extrem begrenzt und schließt zu viel aus an Genres und Subgenres der letzten Jahre.
Na ja, wo will man die Grenze ziehen? Ich bin vor drei Stunden mit einer ganzen Reihe Empfehlungen in der Tasche von einem international besetzten Dialogforum heimgekommen. Viele Empfehlungen aus Ghana, Bolivien, Kenia, Südafrika, Argentinien, Brasilien, São Paolo, Sierra Leone, Uganda, ... da gibt's auch so einige Genres und Subgenres in den letzten Jahren. Werden vielleicht hierzulande nicht so oft über Apple, Spotify, Deezer etc. gestreamt, aber trotzdem ausgeklammert *schulterzuck*

Gruß
Skywise
 
#18
Ich verstehe offen gestanden nicht, warum das ein Grund sein sollte, das Radio einzuschalten. Gewinnt man neue User, wenn man die jüngere Generation, die sich ohnehin den Scheiß online über diese Playlisten reinzerrt, jetzt auch mit demselben Scheiß übers Radio bedudelt, den sie sich quasi unverändert auch online reinzerren können?
Weil das Radio damit eine riesige Chance verspielt und auf Dauer in der Versenkung verschwindet wenn eine ältere Generation nicht mehr da ist. Den Fehler haben auch schon Musiksender ab Mitte der 2000er gemacht als sie dachten, dass doch YouTube eine Konkurrenz ist und man sich lieber dagegen gewehrt hat statt miteianander zu kooperieren und am Ende verschwand dann VIVA in der Versenkung (und wurde sogar eingestellt letztes Jahr an Silvester) und auch MTV hat keine Bedeutung mehr in der heutigen Zeit. Man kann ein komplettes Genre, das so erfolgreich ist nicht einfach toschweigen und ignorieren gerade auch mit Blick in die Zukunft. So wie es jetzt ist ist es absoluter "Stillstand" und jeder "Stillstand" führt früher oder später dazu, dass etwas verschwindet weil man sich nicht für neue Dinge öffnet.

Weiß ich nicht ... ich durfte mich vor einigen Wochen mal so unglücklich schätzen, einige HipHop-Geschichten jüngeren Datums probezuschmecken. Keine Ahnung, ob jede ältere Erziehungsberechtigte so dringend Wert darauf legt zu erfahren, von wem sie in der nächsten Zeit alles flachgelegt werden wird, oder ob es wirklich sinnvoll ist, die ganzen Beefs jetzt endlich auch am Radio verfolgen zu können ... ich find's halt nicht unbedingt spannend, irgendeine Seifenoper auf Kanalisationsniveau mitzuverfolgen.
Ja, ich hab' auch einige gehaltvollere HipHop-Sachen zu Gehör bekommen. Aber ich hab' den Eindruck, die werden deutlich weniger gestreamt. Weil halt auch gehaltvoller und nicht so sehr auf Bambule aus.
Das was du da erzählst macht die Musik nicht aus und ich höre es auch nicht weil jemand flach gelegt wird oder jemand Beef hat (und ich bin schon über 30 aber zum Glück noch offen für neue Musik). Das Spektrum ist deutlich größer und darauf sollte man es auch nicht reduzieren. Aus dem Bereich gibt es viel was man spielen könnte wenn die Verantwortlichen der Sender offener wären und nicht stur nach Schema F ihr Radioprogramm zusammenstellen. Es geht alles zu sehr in eine viel zu konsernvative Richtung und ich weiß nicht ob das gut ist wenn man auf Dauer am Geschmack der Leute vorbeisendet und sich nur an dem orientiert was "früher" funktioniert hat.

Na ja, wo will man die Grenze ziehen? Ich bin vor drei Stunden mit einer ganzen Reihe Empfehlungen in der Tasche von einem international besetzten Dialogforum heimgekommen. Viele Empfehlungen aus Ghana, Bolivien, Kenia, Südafrika, Argentinien, Brasilien, São Paolo, Sierra Leone, Uganda, ... da gibt's auch so einige Genres und Subgenres in den letzten Jahren. Werden vielleicht hierzulande nicht so oft über Apple, Spotify, Deezer etc. gestreamt, aber trotzdem ausgeklammert *schulterzuck*
Von einem kleinen Spartensender kann ich nicht erwarten, dass er alles abdeckt weil er sich eben auch auf eine Sparte spezialisiert aber gerade bei den großen Sendern und vorallem auch Sender der öffentlich rechtlichen kann man das erwarten, dass sie wenigstens zum größeren Teil das abdecken was auch wirklich gehört werden wird von den Menschen und nicht nur das spielen was den durchschnittlichsten Durchschnittshörer nicht beim Bügeln oder Renovieren stört. Die haben ja auch einen Bildungsauftrag und wie oben erwähnt wird z.B. Musik, die bei den meisten unter 40 Jährigen gut ankommt zum großen Teil komplett ignoriert und daneben fallen auch andere erfolgreiche Künstler z.B. aus dem Rockbereich einfach weg weil auch die "anecken" könnten oder jemanden "erschrecken". Selbst aus dem Schlagerbereich gibt es durchaus gute Musik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hörer zum großen Teil so anspruchslos sein können, dass sie sich mit so wenig Vielfalt zufrieden geben. Das ist doch wie als wenn ich jeden Tag Pizza essen würde. Was aknn es nur sein? Extreme Bequemlichkeit? Routinen, die man nicht ändern möchte? Fehlende Offenheit? Kein Wille über den eigenen Tellerrand zu blicken? Wahrscheinlich ein Mix aus allen Dingen.
 
#19
Weil das Radio damit eine riesige Chance verspielt und auf Dauer in der Versenkung verschwindet wenn eine ältere Generation nicht mehr da ist.
Also machen wir lieber gleich Nägel mit Köpfen und vergraulen die ältere, internet-freie Generation mit irgendwas, dessen Hype sie teilweise nicht nachvollziehen kann, und verlieren dann noch die jüngere Generation, die sich den Mist trotzdem lieber on demand anhört ...?
Ich war eigentlich der Meinung, daß Radio so viel mehr sein sollte als irgendwelche Playlisten und vor allem irgendein Hinter-Trends-Herhechel-Geschichte.

Den Fehler haben auch schon Musiksender ab Mitte der 2000er gemacht als sie dachten, dass doch YouTube eine Konkurrenz ist und man sich lieber dagegen gewehrt hat statt miteianander zu kooperieren und am Ende verschwand dann VIVA in der Versenkung (und wurde sogar eingestellt letztes Jahr an Silvester) und auch MTV hat keine Bedeutung mehr in der heutigen Zeit. Man kann ein komplettes Genre, das so erfolgreich ist nicht einfach toschweigen und ignorieren gerade auch mit Blick in die Zukunft.
Ich gestehe, daß ich gar nicht mitbekommen habe, daß MTV oder VIVA youtube als Konkurrenz angesehen haben, erst recht nicht von Anfang an oder so ...

So wie es jetzt ist ist es absoluter "Stillstand" und jeder "Stillstand" führt früher oder später dazu, dass etwas verschwindet weil man sich nicht für neue Dinge öffnet.
Einverstanden. Nur - "ich spiel' immer nur den letzten heißen Mist, den ihr auch von den Internet-Playlisten kennt" kann doch auch nicht der Wahrheit letzter Schluß sein.

Das was du da erzählst macht die Musik nicht aus und ich höre es auch nicht weil jemand flach gelegt wird oder jemand Beef hat (und ich bin schon über 30 aber zum Glück noch offen für neue Musik). Das Spektrum ist deutlich größer und darauf sollte man es auch nicht reduzieren.
Mir ist schon klar, daß Muttis-Vögeln oder andere Leute runterziehen den HipHop nicht ausmacht. Ich bin alt genug, um aus den Anfangszeiten von HipHop noch die soziale und die humorvolle Komponente mitbekommen zu haben ;) Das Gewicht meiner Aussage sollte eher auf dem Satz liegen "ich hab' den Eindruck, die werden deutlich weniger gestreamt".

Aus dem Bereich gibt es viel was man spielen könnte wenn die Verantwortlichen der Sender offener wären und nicht stur nach Schema F ihr Radioprogramm zusammenstellen.
Wenn mein Eindruck stimmen sollte und die niveauvolleren Sachen seltener gestreamt werden sollten als die eher simpel gestrickten - hebelst Du nicht mit einem solchen Satz Deine eigene Forderung aus?

Es geht alles zu sehr in eine viel zu konsernvative Richtung und ich weiß nicht ob das gut ist wenn man auf Dauer am Geschmack der Leute vorbeisendet und sich nur an dem orientiert was "früher" funktioniert hat.
Na ja, holt man sich Hörer ins Haus, wenn man die Listen sendet, die die Leute über Playlisten abrufen können? Das ist zu wenig. Also müßte man das auch noch redaktionell begleiten. Nur glaube ich, das wäre ebenfalls zu wenig. Zumal in vielen Bereichen des HipHop das Image leider wichtiger ist als die Qualität des Materials. Wenn jemand ein urig geiles Video über youtube veröffentlicht, geht der Mist auch in den Audio-Playlisten nach oben ... vermittel' das mal übers Radio ... ich würd' mir das nicht zutrauen, wenn ich ehrlich bin.

Die haben ja auch einen Bildungsauftrag und wie oben erwähnt wird z.B. Musik, die bei den meisten unter 40 Jährigen gut ankommt zum großen Teil komplett ignoriert und daneben fallen auch andere erfolgreiche Künstler z.B. aus dem Rockbereich einfach weg weil auch die "anecken" könnten oder jemanden "erschrecken".
Klar. Kann ich aber auch mitunter verstehen.
"Und wir kommen zu einem weiteren Highlight der aktuellen HipHop-Szene, liebe Hörer. 'Gummo' von Daniel Hernandez, der sich 6ix9ine nennt. Hier bekommen alle Niggas ihr Fett weg, hier laufen sämtliche Niggas mit geladenen Waffen durch die Gegend, hier bekommt eine Frau vom Interpreten unter permanentem Nigga-Gebrüll den Schwanz hinten reingeschoben, hier wird jeder, der einem Nigga zuhört, darüber aufgeklärt, daß so eine Nigga-Kanone 50 Schuß hat und die Nigga-Fotze gefickt werden muß. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Hören und hoffen, unserem Bildungsauftrag hiermit nachgekommen zu sein. Ihr Niggas."
Wird nicht passieren. Egal, wie erfolgreich der Song auch immer war.

Selbst aus dem Schlagerbereich gibt es durchaus gute Musik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hörer zum großen Teil so anspruchslos sein können, dass sie sich mit so wenig Vielfalt zufrieden geben. Das ist doch wie als wenn ich jeden Tag Pizza essen würde. Was aknn es nur sein? Extreme Bequemlichkeit? Routinen, die man nicht ändern möchte? Fehlende Offenheit? Kein Wille über den eigenen Tellerrand zu blicken? Wahrscheinlich ein Mix aus allen Dingen.
Auch hier: wenn's geklickt wird und in den Playlisten auftaucht, soll's doch nach Deinem Willen ins Programm aufgenommen werden, Qualität wurscht, Inhalt wurscht, Stil wurscht, Grund für das Vorhandensein in der Playlist wurscht ...?

Gruß
Skywise
 
#20
Also machen wir lieber gleich Nägel mit Köpfen und vergraulen die ältere, internet-freie Generation mit irgendwas, dessen Hype sie teilweise nicht nachvollziehen kann, und verlieren dann noch die jüngere Generation, die sich den Mist trotzdem lieber on demand anhört ...?
Ich war eigentlich der Meinung, daß Radio so viel mehr sein sollte als irgendwelche Playlisten und vor allem irgendein Hinter-Trends-Herhechel-Geschichte.

Auch hier: wenn's geklickt wird und in den Playlisten auftaucht, soll's doch nach Deinem Willen ins Programm aufgenommen werden, Qualität wurscht, Inhalt wurscht, Stil wurscht, Grund für das Vorhandensein in der Playlist wurscht ...?

Gruß
Skywise
Mir geht es nicht darum eine 180 Grad Drehung zu vollziehen aber der Status Quo so wie er aktuell ist kann auch keine Lösung sein. Ältere Hörer leben beim Radio im Stillstand und lernen kaum noch etwas neues kennen und jüngere Menschen werden überhaupt nicht mehr abgeholt vom Radio. Ich bin auch der Meinung, dass Radio so viel mehr sein sollte aber so wie es die letzten Jahre ist ist es ein sehr sehr beschränktes Medium. Es gibt aber einen riesigen Spielraum zwischen blind alles was vorne in den Charts ist zu spielen bzw. jeden Trend mitzugehen und gar nichts zu verändern. Da gibt es immer noch eine goldene Mitte, die man idealersweise treffen sollte. Millionen von Streams sind keine Garantie für ein Qualitätsmerkmal aber zumindest eine leichte Orientierung was denn gut ankommen könnte. Mir geht es ja vorallem darum Vielfalt wiederzuspiegeln und du kannst mir nicht erzählen, dass es Vielfalt ist in Dauerschleife Sachen wie "ooooh wie ein Feuerwerk", "oooh lass es Musik sein" , "oooh einer von 80 Millionen" , "Und die Chöre singen für dich ohhh oooh" oder 0815-EDM-Dancepop im Radio ertragen zu müssen. Wenn es ein paar solcher Lieder gäbe - ok aber die großen Sender spielen nur das und was spricht dagegen die Klingfarbe etwas zu erweitern?

Ich gestehe, daß ich gar nicht mitbekommen habe, daß MTV oder VIVA youtube als Konkurrenz angesehen haben, erst recht nicht von Anfang an oder so ...
Anfangs war es keine Konkurrenz. Das hat sich mit der Zeit entwickelt als immer mehr Musikvideos auf YouTube verfügbar waren und das Musikfernsehen immer mehr obsolet wurde und heutzutage kann man ja mit einem Klick die Musikvideos von YouTube jederzeit auf seinem Fernseher anschauen. Da braucht es kein Musikfernsehen mehr.



Mir ist schon klar, daß Muttis-Vögeln oder andere Leute runterziehen den HipHop nicht ausmacht. Ich bin alt genug, um aus den Anfangszeiten von HipHop noch die soziale und die humorvolle Komponente mitbekommen zu haben ;) Das Gewicht meiner Aussage sollte eher auf dem Satz liegen "ich hab' den Eindruck, die werden deutlich weniger gestreamt".
Also aktuell gibt es einen Rapper, der sich "Apache 207" nennt und der gehört zu den meistgestreamten Künstlern zur Zeit (über 4,5 Millionen monatliche Hörer alleine nur auf Spotify) und der ist aktuell auch mit mehreren seiner Singles vorne platziert in den Charts. Er hat alles was einen guten Künstler ausmacht und eine große Zukunft wenn er sich nicht verbiegen lässt. Trettmann ist auch sehr erfolgreich und sehr sozialkritisch (zuletzt auch ein Lied über die "Stolpersteine" gemacht ), Kummer ist gut (hat auch sehr viele nachdenkliche Songs auf seinem neuen Album "Kiox") , Summer Cem und RAF Camora haben durchaus auch sehr gute Songs. "Hash Hash" von SSIO fand ich auch sehr selbstironisch und und und. Also da gibt es genug. Es ist nur die Frage wie offen man dafür ist.
 
#21
Wenn es ein paar solcher Lieder gäbe - ok aber die großen Sender spielen nur das und was spricht dagegen die Klingfarbe etwas zu erweitern?
Nichts. Aber das muß nicht zwangsläufig mit dem Material der Playlisten passieren, die man überall abrufen kann.

Anfangs war es keine Konkurrenz. Das hat sich mit der Zeit entwickelt als immer mehr Musikvideos auf YouTube verfügbar waren und das Musikfernsehen immer mehr obsolet wurde und heutzutage kann man ja mit einem Klick die Musikvideos von YouTube jederzeit auf seinem Fernseher anschauen. Da braucht es kein Musikfernsehen mehr.
Schon, aber auf MTV gab es seinerzeit auch mal die Möglichkeit, Musikvideos anzusehen, sogar bedeutend weniger bröckelig als auf youtube, da aus legaler Quelle. Darüber hinaus hat sich MTV auch glücksstrahlend ins PayTV zurückgezogen und hat nochmal darüber hinaus so intensiv sein eigenes Programmkonzept umgestellt, daß der Sender am Ende gar nicht mehr als *M*TV auszumachen war.

Also aktuell gibt es einen Rapper, der sich "Apache 207" nennt und der gehört zu den meistgestreamten Künstlern zur Zeit (über 4,5 Millionen monatliche Hörer alleine nur auf Spotify) und der ist aktuell auch mit mehreren seiner Singles vorne platziert in den Charts. Er hat alles was einen guten Künstler ausmacht und eine große Zukunft wenn er sich nicht verbiegen lässt.
Och bitte, ja? Dieses Quarkhirn? Ehrlich? Da war ich letzten Monat schon so fürchterlich erschrocken darüber, was sich heutzutage hinter dem Mikro alles so straffrei aufhalten darf.
"14 Uhr, ich wach' auf
Hotelzimmer, Sasan ruft mich an
'Oh Bruder, bitte komm raus
Session, Session, du mußt representen
Neben mir liegt 'ne Frau
Ich muß jetzt los und sie guckt mich an
Oh, guck nicht so, ich weiß auch
Abgefuckt, du mußt selbst beenden
Späti Weißwein ich sipp'
auf dem Beifahrersitz
Bitch an Ampel, ich wink'
Bro, mein Kopf ist gefickt
Zu jung, hab' keine Weitsicht
Was ist richtig, was nicht?


Sonnenbrille an, fahr' durch meine Stadt
Ich geb' kein' Fick, 200 km/h
Für alles was ich sag,
alles was ich mach'
Kann ich später mal nicht bar bezahl'n
Ich hab' die Sonnenbrille an, fahr durch meine Stadt
Ich geb' kein' Fick, 200 km/h
Für alles was ich sag', alles was ich mach'
Kann ich später mal nicht bar bezahl'n"
Ganz ehrlich - "Atemlos" ist da inhaltlich keinen einzigen Deut schlechter, aber grammatikalisch bedeutend höherwertiger. Und ich finde "Atemlos" wirklich keine Glanzleistung deutscher Urheberschaft.
Ich sehe bei Apache 207 zumindest nach drei, vier gehörten Titeln keinen Grund, auf den Bildungsauftrag zu pochen.

Gruß
Skywise
 
Zuletzt bearbeitet:
#22
Nichts. Aber das muß nicht zwangsläufig mit dem Material der Playlisten passieren, die man überall abrufen kann.


Schon, aber auf MTV gab es seinerzeit auch mal die Möglichkeit, Musikvideos anzusehen, sogar bedeutend weniger bröckelig als auf youtube, da aus legaler Quelle. Darüber hinaus hat sich MTV auch glücksstrahlend ins PayTV zurückgezogen und hat nochmal darüber hinaus so intensiv sein eigenes Programmkonzept umgestellt, daß der Sender am Ende gar nicht mehr als *M*TV auszumachen war.
Auf YouTube waren es anfangs Videos, die größtenteils selbst von einfachen Usern hochgeladen wurden aber mit der Zeit haben die Künstler und Labels ihren offiziellen Content auch selbst hochgeladen. Ja, ok noch dazu kommt natürlich, dass im Laufe der Jahre auf VIVA und MTV immer weniger Musik lief. Damit haben sie sich ein riesigen Eigentor geschossen. VIVA lief irgendwann nur noch halbtags und Jugendliche und die meisten arbeitenden Menschen waren vormittags eben nicht zu Hause - und auf MTV liefen die dämlichen Reality-Soaps.

Och bitte, ja? Dieses Quarkhirn? Ehrlich? Da war ich letzten Monat schon so fürchterlich erschrocken darüber, was sich heutzutage hinter dem Mikro alles so straffrei aufhalten darf.

Ganz ehrlich - "Atemlos" ist da inhaltlich keinen einzigen Deut schlechter, aber grammatikalisch bedeutend höherwertiger. Und ich finde "Atemlos" wirklich keine Glanzleistung deutscher Urheberschaft.
Ich sehe bei Apache 207 zumindest nach drei, vier gehörten Titeln keinen Grund, auf den Bildungsauftrag zu pochen.
Das finde ich schade, dass du ihn zu unrecht in irgendeine Ecke schiebst in der er absolut nicht reinpasst. Man sollte einfach offen dafür sein. Es bringt auch nichts einfach völllig zusammenhanglos irgendwelche Zeilen zu posten. Es erinnert mich stark an Beiträge aus anderen Foren in denen man einfach mal einen Satz genommen hat und jemanden dann als hirnverbrannt hingestellt hat nur weil fehlende Bereitschaft bei der Person vorhanden war sich ernsthaft mit dem Künstler auseinander zu setzen. Als Außenstehender ist es vielleicht etwas schwierig aber wenn man sich wirklich damit befasst (reinhören alleine reicht nicht aus) wird man die Kunst dahinter verstehen wenn man offen genug dafür ist. Mir sind solche Musiker wirklich deutlich lieber als das was man momentan im Radio zu hören bekommt.
 
#23
Das finde ich schade, dass du ihn zu unrecht in irgendeine Ecke schiebst in der er absolut nicht reinpasst. Man sollte einfach offen dafür sein. Es bringt auch nichts einfach völllig zusammenhanglos irgendwelche Zeilen zu posten. Es erinnert mich stark an Beiträge aus anderen Foren in denen man einfach mal einen Satz genommen hat und jemanden dann als hirnverbrannt hingestellt hat nur weil fehlende Bereitschaft bei der Person vorhanden war sich ernsthaft mit dem Künstler auseinander zu setzen.
Ich werde versuchen, den Zusammenhang wieder herzustellen, indem ich den Rest des Textes poste, der die Botschaft eindeutiger nach außen kehrt:
Vier Uhr morgens, ich rauch'
Zu viel Gedanken, muß mich ablenken
Babe, wieso bist du auf?
Muß hustlen, keiner wird mir was schenken
Babe, es liegt nicht an dir
Arbeit, Arbeit, kein Schlaf, wenig Zeit
Sie bleibt dennoch bei mir
Ich denke mal, sie muß taub und blind sein
Hundert Kilo, halbe Mio, schwerer Junge
Narben im Gesicht, denn vieles lief nicht, wie es sollte
Apache
Jetzt wendet sich das Blatt, heut hab'n meine Schuhe denselben Preis
Der Miete, den Mama nicht zahlen konnte
Versace

Sonnenbrille an, fahr' durch meine Stadt
Ich geb' kein' Fick, 200 km/h
Für alles was ich sag', alles was ich mach'
Kann ich später mal nicht bar bezahl'n
Ich hab' die Sonnenbrille an, fahr' durch meine Stadt
Ich geb' kein' Fick, 200 km/h
Für alles was ich sag', alles, was ich mach'
Kann ich später mal nicht bar bezahl'n"
Als Außenstehender ist es vielleicht etwas schwierig aber wenn man sich wirklich damit befasst (reinhören alleine reicht nicht aus) wird man die Kunst dahinter verstehen wenn man offen genug dafür ist. Mir sind solche Musiker wirklich deutlich lieber als das was man momentan im Radio zu hören bekommt.
Ich glaube, mir fehlt die Energie dazu, bei irgendwelchen Titeln, die doch wieder nur das eigene Image bedienen sollen, nach so etwas wie Kunst zu suchen. Mir ist so ein Inhalt zu flach. Und da ist es mir völlig wumpe, ob er von seinem Geschwindigkeitsrausch bei 200 km/h singt, von seinen tollen Haaren und seinen Nike-Schuhen ("Nicht wie du"), von seiner weiblichen Matraze ("2 Minuten" (nutten)), von seiner Mama ("Brot nach Hause") ... oder überhaupt ir-gend-et-was von seiner ganzen überflüssigen Existenz. Christof Stählin selig hat mal sinngemäß gesagt "Es ist interessant, wie vielen Leuten die Inspiration für ein Lied ausbleibt, wenn man fordert, daß sie über sich selbst hinausdenken, also einen Liedtext ohne Worte wie 'ich' oder 'wir' schreiben sollen". Unterschreib' ich. Wohl wissend, daß es HipHopper gibt, die solche Texte hinkriegen.

Gruß
Skywise
 
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