„Der Wahrheit verpflichtet“? Ob den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu retten noch lohnt?

Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk für unsere Demokratie wichtig?

  • unbedingt

  • eigentlich schon

  • nein


Die Ergebnisse sind erst nach der Abstimmung einsehbar.

#2
Ich habe mir die Sendung komplett angesehen. Ich verstehe in Teilen Müllers Ärger zwar, finde aber, dass er die falschen Schlussfolgerungen zieht, beziehungsweise wirkt er auf mich schon ein bisschen paranoid. Ich kann für mich feststellen:
1. Die Journalistin Isabel Schayani, die für den ÖR stand, hat sich sehr wacker verkauft - auch viel davon erklärt und verständlich gemacht - was die ÖR tun und wie sie es tun - und Richtung Müller immer wieder Brücken gebaut, um mit ihm konstruktiv über seine Kritik zu sprechen. Er blieb aber lieber in der Rolle des einsamen Mahners, der sich von den etablierten Medien gebasht fühlt (da ist sicher auch was dran).
2. Müller hat Recht mit seiner Wahrnehmung, dass ÖR (und viele Printmedien) bei manchen Themen sehr einseitig und sehr zugunsten bestimmter Interessensgruppen berichten, seit Jahren. (Kauft Aktien! Private Altersvorsorge! Russland ist böse! Julian Assange hat Dreck am Stecken! Etc.) Gegenmeinungen in ÖR Nischenprogrammen haben da bestenfalls Alibicharakter. Müller hat sich aber darin verannt, dass er dahinter gezielte Kampagnen vermutet. Ich glaube, er läge richtiger, wenn er akzeptieren würde, dass es weniger mit Kampagnen, sondern mehr mit inneren Einstellungen der Medienschaffenden zu tun hat, mit der inneren Schere, mit der Not, im Meinungsmainstream dabei sein zu müssen, nicht durch Quer- und Andersmeinungen aufzufallen, um nicht aus der Wohlgemeinde der Einflussmedien ausgestoßen zu werden (wie es Müller mit den Nachdenkseiten widerfährt).
3. Thomas Schaaf hat scheiße moderiert. Er hat zielgenau die Diskussionsansätze im Keim erstickt, die die Chance geboten hätten, Müllers Vorwürfen tiefer auf den Grund zu gehen. Entweder war es Absicht - dann bedient er natürlich Müllers Vorurteile, oder es war mangelnde Souveränität (was ich vermute), weil Schaaf sich an seinem Lauf-, Themen- und Frageplan abarbeitete und nicht vorbereitet und in der Lage war, davon abzuweichen.
4. Die von Müller so angefeindete EPD-Redakteurin Roether war eigentlich harmlos und hat nicht viel Falsches gesagt, aber bei Müller das rote Tuch gezogen, als sie zwischendrin mal von gefährlichen Verschwörungstheorien sprach. Das hat Müller auf sich bezogen - obwohl es allgemein gemeint war - und daraus sein Skandälchen gemacht. Hier ist er sehr, sehr dünnhäutig, überempfindlich. Ich vermute, weil es immer wieder Versuche gibt, die Nachdenkseiten durch genau diese Zuweisung prinzipiell zu diskreditieren, damit man sich nicht mit ihren Themen auseinandersetzen muss.
5. Dennoch fand ich die ganze Diskussion erhellend, weil sie gezeigt hat, in welchen Schützengräben die Protagonisten sitzen, und wie wenig fähig und bereit sie sind, mal daraus hervorzukommen und sich von ihren Feindbildern frei zu machen.
6. Die eigentliche Frage der Sendung: Was macht Journalismus im Digital Zeitalter aus? ist leider überhaupt nicht beantwortet worden, nicht einmal im Ansatz.
 
#6
Ich hatte leider noch keine Zeit mir diese Diskussion anzuschauen oder anzuhören, möchte aber darauf hinweisen, dass das Video eine knappe Stunde lang ist. Der Audiopodcast ist gut 77 Minuten lang, wenn Winamp sich nicht verzählt hat.

Nicht, dass hier noch jemand "Zensur, Zensur!" ruft...
 
#7
Ihr müsst mal die zahlreichen Leserbriefe auf den Nachdenkseiten dazu lesen :
https://www.nachdenkseiten.de/?p=58254
Sehr guter Hinweis! Die Leserbriefe schildern in großer Mehrheit den Sendungsablauf äußerst zutreffend. Hier zwei Zitate:
9. Leserbrief: "Mit dem gewählten Titel der Sendung hatten Sie ” Messlatte ” schon sehr hoch gehängt und diese bei weitem nicht erreicht. Man musste den Eindruck bekommen, dass sich Frau Shayani durch konstruktive Kritik des Herrn Müller persönlich gekränkt gefühlt hat und der Moderator Schaaf selbst, diese Sendung eher gerne noch tendenziöser geleitet hätte."
15. Leserbrief: "Mir fiel auf, dass der Moderator der Sendung kein Moderator war, er diese Funktion nicht wahrgenommen, sondern er war ein parteilicher Kommentator. Er nannte die eigene Sendeanstalt an einer Stelle ein „klassisches Medium“ und bezeichnete die Nachdenkseiten als „Medien, wie Herr Müller sie vertritt“ (...) Der Auftritt der Angestellten des WDR erschien selbstgefällig, rechthaberisch und von oben herab."

Daraus ergibt sich für mich u.a. die Frage: Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine Moderatoren aus? Schaaf ist quasi ein Prototyp und die anderen WDR-5-"Moderatoren" reden ähnlich, wenngleich diese in der Regel ihre Polit-Agitation etwas feiner vortragen als der doch eher zum grobschlächtigen Lager neigende Schaaf.
 
#9
Was willst du damit sagen? Alles Blödmänner?
Absolut nicht. Aber mitunter habe ich schon den Eindruck, daß da einige Kommentatoren langfristige Konsumenten der Nachdenkseiten sind und gerne in ihrer eigenen Argumentation auf allgemeine Verschwörungstheorien oder doch wenigstens auf dieses Klischee "Wir da unten, die da oben" zurückgreifen. Das macht die Kommentatoren nicht automatisch zu Blödmännern, höchstens zu Schubladendenkern.

Gruß
Skywise
 
#10
... wie einen Autoren der NDS, der kürzlich noch kommentierte:
"Die Unterschiede zwischen CDU/CSU und FDP einerseits und der AfD andererseits sind sowieso nicht groß. "
 
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#16
Was mich bei vielen ARD-Wellen stört ist dass man dort meint, mittlerweile nicht mehr neutral berichten und aufklärend informieren zu müssen, sondern "Meinungs bildend" auf den Hörer in einer Form einwirken zu können, die einer plumpen und leicht durchschaubaren Holzhammermehtode gleichkommt. Dabei geht es gar nicht um den Pluralismus verschiedener Meinungen parallel neben ein ander, oder um Toleranz, sondern darum, das einzelne Personen meinen, ihre persönlichen Vorlieben einem möglichst großen Publikum unter die Nase zu reiben als wäre es ihr Musikgeschmack oder ihr Lieblingsessen. Und solche Spitzen in Richtung gewisser gesellschaftlicher und politischer Kreise hört man öfter. Wenn das häufiger passiert kann man es den Hörern nicht übel nehmen, dass da hinter ein System vermutet wird, was es gar nicht gibt. Wie gesagt, es sind Einzelfälle. Die sich aber häufen. Und steter Tropfen höhlt den Stein. Zur Wahrheit gehört auch dass ein Redakteur nichts dazu dichtet.

Zum Thema Niveau und Neutralität der ARD-Radios hier mal eine ganz aktuelle Aufnahme von heute früh (Radio Bremen). Was hat so eine - Entschuldigung! - DUMME und polemische Aussage in den Nachrichten einer öffentlich rechtl. Höfunkwelle verloren??? Auch wenn das witzig sein soll und sicher den Nerv vieler Hörer in diesem Moment trifft: Wer so etwas, als Person des öffentlichen Lebens, mitbezahlt von uns allen, nach dem Ertönen des Nachrichtenjingles von sich gibt verstößt nicht nur gegen das Neutralitätsgebot von Nachrichten sondern hat auch ein ganz gestörtes Demokratieverständnis und sägt sich den dünnen Ast ab auf dem er sitzt. So einen "informierenden" ARD Rundfunk braucht kein Mensch. Für Satire gibt es entsprechende Formate in Radio und TV. (Extra3, Anstalt, Intensivstation).
 

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#18
Auf den Punkt gebracht:
Was mich bei vielen ARD-Wellen stört ist dass man dort meint, mittlerweile nicht mehr neutral berichten und aufklärend informieren zu müssen, sondern "Meinungs bildend" auf den Hörer in einer Form einwirken zu können, die einer plumpen und leicht durchschaubaren Holzhammermehtode gleichkommt.
Die ARD-Granden sollten mal einen Blick auf die Farce werfen, die da gerade in Thüringen zur aktuellen MP-Wahl durch den Wolf läuft.

Ja, ich gestehe, als EX-SPD-Stammwähler, ich bin zum Protestwähler mutiert: "Die Linke, oder AfD?" - Ich denke, viele ÖR-Radio-Hörer haben ein ähnliches 'Problem': "Welche Zeitungen lesen, welche Hörfunk-Sende hören?" ...
 
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#19
Die Bemerkung ist witzig und erkennbar mit augenzwinkern - nichts in dem Tonbeispiel deutet darauf hin, dass dies irgendwie in Verbindung mit dem seriösen Nachrichtenblock steht.
Doch: Der Nachrichtenjingle davor!!! Danach erwarte ich eben keine "witzigen" Bemerkungen, sondern seriöse, gern auch locker präsentierte aber neutrale Information. Sonst hätte man die Nachrichten erst nach dem "Witz" beginnen müssen. Man stelle sich das selbe Szenario im Deutschlandfunk vor, was das für Wellen schlagen würde. Es macht aber keinen Unterschied: Nachrichten sind Nachrichten. Die Ansprechhaltung mag eine andere sein, der Inhalt ist gleich. Und nach einem Nachrichtenjingle erwarte ich Nachrichten aber keine Witze.
 
#20
Das würde ich in dem Fall aber ähnlich sehen wollen. Die Anmerkung des Sprechers ist zwar nicht weiter tragisch, aber Nachrichten sind Nachrichten und da kann man schon seriöse Informationen erwarten und nicht so ein Geschwafel. Solche Wertungen und Einordnungen kann man auch ausserhalb des Nachrichtenblocks tun, wenn man es denn unbedingt von sich geben muss.
Davon abgesehen ist die Anmerkung streng genommen auch schlicht falsch, denn die FDP hat noch nie irgendwo eine Wahl "gewonnen". Sie war immer nur der sich anbiedernde Juniorpartner in verschiedensten Regierungskonstellationen.
 
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#21
Das würde ich in dem Fall aber ähnlich sehen wollen. Die Anmerkung des Sprechers ist zwar nicht weiter tragisch, aber Nachrichten sind Nachrichten und da kann man schon seriöse Informationen erwarten und nicht so ein Geschwafel.
Ich hab im Jingle nicht verstanden, welcher Sender das ist und mich würde da genauer das Format interessieren. Der Aussschnitt ist leider so hart geschnitten. Wen hören wir überhaupt? Für mich klingt das wie der Moderator der Sendung, der im nächsten Moment - so meine Vermutung - abgibt an den Nachrichtenkollegen bzw die Nachrichtenkollegin. Das fände ich dann hinreichend abgegrenzt und die Bemerkung im Rahmen. Oder ist das die Stimme von demselben, der gleich die Nachrichten präsentiert?
 
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#23
Ich stimme Beyme zu. Ist das der Morgenmoderator, der sich ein klein wenig lustig macht über die FDP und dann an die Meldungen abgibt? Es wäre noch okay, sofern der Nachrichtensprecher dann seriös die Meldungen präsentiert. Der Ausschnitt ist für eine Beurteilung zu kurz. Ich hätte gerne die Nachrichten komplett gehört. Für mich klingt das eher wie einen Ankündigung/Überleitung.
Ich hab im Jingle nicht verstanden, welcher Sender das ist
Die Station Voice sagt "Vier-News". Vermutlich Bremen Vier.
 
#24
Also wieder ein ganzer Thread nebst 'Umfrage', damit unsere "bürgerlichen" User ihr Steckenpferdchen reiten und die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage stellen können.

Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.
 
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#25
Was ist aus dem Antrag des Wertkonservativen geworden, in Thüringen auf DAB+ ein Klassikprogramm senden zu dürfen? Ist wohl ein wenig aus dem Interesse hier geraten. Liegt vielleicht auch daran, weil sich die Antifa momentan verstärkt an einer Bergenser BlackMetal-Band namens Taake abarbeitet, die ihr ursprünglich in Rostock geplante Konzert in die tiefste Provinz von Vorpommern verlegen will, weil der Rostocker Veranstalter vor den Rotfaschisten eingeknickt ist.
 
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