Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst


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#1
Der Interessenverband VPRT der deutschen Privatradios ist strikt gegen eine Deutsch-Quote im deutschen Radio. Zur Not droht er mit einer Verfassungsklage.

Hierzu eine PM von Radio Regenbogen:

Keine Musikdiktatur für´s Radio!

Wir meinen, Qualität setzt sich durch - egal, ob ein Titel aus Deutschland oder einem anderen Land dieser Erde kommt. Eine Musikdiktatur darf es nicht geben!
Das Radio ist das Medium Nr. 1, wenn es um Ihren Musikgeschmack geht. Deshalb investieren wir jedes Jahr sechsstellige Eurobeträge, um Ihren Musikgeschmack zu treffen. Wir führen regelmäßig so genannte Call-Outs durch, in denen Hörer gefragt werden, ob sie bestimmte Musiktitel schon einmal gehört haben und welche sie gerne hören. Aus diesen Umfragen werden die beliebtesten Titel zusammengestellt. Welcher Titel dann ins Programm kommt, entscheiden unsere Musikredakteure. Wir meinen, so soll es auch in Zukunft bleiben! Im Vorfeld der Popkomm 2004 haben sich jetzt mehrere hundert deutsche Künstler zu Wort gemeldet. Sie wollen erzwingen, dass ihre Musikproduktionen häufiger im Radio gespielt werden. Sie fordern eine gesetzlich vorgeschriebene Musikquote. Auch die Musikindustrie fordert eine Quote. Sie möchte durchsetzen, dass 50 Prozent der im Radio gespielten Produktionen aus Deutschland stammen - davon soll jeder zweite Titel auf Deutsch gesungen werden. Würden Sie dann noch Radio hören? Einige Politiker unterstützen die Künstler und die Musikindustrie in ihren Forderungen. Eine Bundestagsabgeordnete spricht sich für harte Sanktionen bis zum Abschalten des Radiosenders aus, wenn eine mögliche Quote nicht erfüllt wird. So weit darf es nicht kommen. Wir meinen, Qualität setzt sich durch - egal, ob ein Titel aus Deutschland oder einem anderen Land dieser Erde kommt. Eine Musikdiktatur darf es nicht geben! Dafür engagieren wir uns auch auf politischer Ebene über unseren Interessenverband VPRT. Wir wollen auch in Zukunft die Musik spielen, die Sie hören wollen. Deshalb: Keine Musikdiktatur für´s Radio! Qualität setzt sich durch.

Quelle: http://www.regenbogenweb.de/presse/pressemitteilung/2004_09_september/20040927_musikquote.html
 
#2
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Und die PM von Regiocast vom gestrigen Tage, wenngleich ohne konkrete Androhung der Rechtswegbeschreitung (falls ich beim querlesen nichts übersehen habe):

Chef der Radio-Holding REGIOCAST kritisiert Zwangsquote für deutsche Musik

Finger weg vom Radio! / Linnenbach: "Staatlicher Eingriff in die Freiheit der Kultur"

Pressemitteilung

Leipzig - Der Geschäftsführer der Radio-Holding REGIOCAST, Erwin Linnenbach, hat in einer aktuellen Stellungnahme zur Forderung nach einer Zwangsquote für deutschsprachige Musik im Radio vor einem staatlichen Eingriff in die Freiheit der Kultur gewarnt.

Mit Hinweis auf jüngste Forderungen der NPD in Sachsen, die unmittelbar nach ihrem Einzug in den Sächsischen Landtag eine Zwangsquote für deutschsprachiges Liedgut beim MDR, Mitteldeutscher Rundfunk, gefordert hatte, sprach Linnenbach von "naiv-absurden" und "verfassungswidrigen" Überlegungen. Er äußerte seine Besorgnis, dass die durch rot-grüne Bundespolitiker seit geraumer Zeit in der Diskussion befindliche Zwangsquote für deutschsprachige Musik im Radio von nationalistischen Kräften für "zweifelhafte Interessen" missbraucht werden könnte.

In Reaktion auf ein Interview der Grünen-Politikerin Vollmer bei SPIEGEL-online in der vergangenen Woche, in dessen Zusammenhang die NPD-Forderungen laut wurden, sagte Linnenbach, dass eine Instrumentalisierung derartiger Themen durch nationalistische Kräfte kaum zu vermeiden sei und teilweise bereits geschehe.

Zur Sache selbst stellte er fest: "Eine Musikquote im Radio heißt eine Musikquote in der Kultur." Artikel 5 des Grundgesetzes schütze die Freiheit der Kunst ebenso wie die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Radio in Deutschland, ob privat oder öffentlich-rechtlich, sei seit jeher Teil der Kultur, deren Autonomie durch das Grundgesetz geschützt werde: "Solche Quotenüberlegungen sind ein Angriff auf diese Autonomie. Wieso sollten sie vor anderen Kulturinstitutionen Halt machen? Müssen wir demnächst auf Mozart-Opern in italienischer Sprache verzichten, weil die Quote auch dort greift?"

Dass Frau Vollmer zudem mit Lizenzentzug für Radiosender drohe, die sich an solchen Quoten nicht ausrichten wollen, ist nach Ansicht Linnenbachs bezeichnend für die "Gedankenlosigkeit, mit der hier staatsinterventionistisch in grundlegende Freiheiten der Medien eingegriffen" werden solle: "Ich rate der Politik, die Finger von diesen Plänen zu lassen. Die reglementierte Verordnung von kulturellen Inhalten im Allgemeinen und in Radioprogrammen im Besonderen ist nicht und sollte nie wieder Aufgabe von Politikern sein."

Unter Hinweis auf die Kulturzuständigkeit der Bundesländer sprach Linnenbach außerdem von "zentralistischen Bestrebungen". Er hoffe, dass keines der eigentlich zuständigen Länder sich "den vorgehaltenen Zügel des Bundes" anlegen lasse.

Die Radio-Holding REGIOCAST, eine Allianz von regional verankerten Privatradiostationen, hält in Deutschland und Europa mehr als drei Dutzend Sender- und Unternehmensbeteiligungen und gehört so zu den größten Privatradioveranstaltern der Bundesrepublik Deutschland.

Programme mit REGIOCAST-Beteiligung sind schwerpunktmäßig in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin/Brandeburg, Thüringen, Mecklen-burg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, sowie in drei weiteren europäischen Staaten u.a. Tschechien und Polen zu empfangen und werden täglich von rund 10 Mio. Menschen gehört.

(REGIOCAST GmbH & Co. KG 16.30)
http://www.radioeins.de/_/sendungen/medienmagazin/ticker_review_jsp/key=info_130111.html
 
#3
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Amüsiert habe ich mich in diesem Zusammenhang schon gestern über die NPD in Sachsen, welche laut PM voll auf das Thema angesprungen ist. Wenn diese ach so deutschen Dumpfbacken (siehe "Wahlgeplänkel" am Abend der Landtagswahl) mir ernsthaft etwas über Musik erzählen wollen lache ich mich kaputt.

In der "20 Cent" von heute (Ja K6, manchmal lese ich auch "Wurstblätter" :D ) war zu lesen, das der größte aller "Deutschtümler" Herbert Grönemeyer gegen eine solche Quote ist, weil sich der Markt nun mal so oder so selbst reguliert.
Und damit hat er irgendwie Recht.

Es sind sich zwar fast alle Musikexperten einig, das der derzeitige Boom deutschsprachiger Rock- und Popmusik in spätestens 2 Jahren wieder abebbt (siehe NDW in den 80ern), dennoch sollte man diesen Befürwortern dieser Qoute mal vor Augen führen, das selten soviel deutschsprachiges im Radio lief wie heute !
Übrigens soll sich wohl laut "20 Cent" am Mittwoch auch der Bundestag mit der Quote befassen.
 
#6
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Noch ein paar Stimmen Contra Quote:
Zitat von Arno Müller:
Viele Songs, die im Radio nicht gespielt werden, werden doch zu Recht nicht gespielt, weil sie niemand hören will, ich weiß nicht, warum die Politik das ändern will.
Zitat von Carsten Hoyer:
Wir können doch nichts dafür, wenn unsere Hörer sagen, das wollen wir nicht hören, und das kommt bei deutschen Titeln leider häufig vor. Das trifft zum Beispiel auf Peter Maffay zu. Andererseits gehören gegenwärtig Lieder von Herbert Grönemeyer und den Söhnen Mannheims zu den meistgespielten Songs im Radio.
 
#7
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Auch beim RBB hält man nicht viel von einer Quote.
Zitat von Peter Radszuhn:
Bei uns laufen bis zu 25 Prozent deutsche Musik. Bei einer Quote von etwa 40 Prozent wären wir gezwungen, Titel ins Programm zu nehmen, die die Qualitätskriterien schlichtweg nicht erfüllen. Ich finde eine Quote gerade hier im Osten äußerst delikat. Schließlich wurde den Leuten in der DDR schon einmal vorgeschrieben, was sie zu hören haben.
 
#9
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Beim Lesen des verlinkten Tagesspiegel-Artikels fiel mir dieser Satz auf:

"Und während Sony früher 30 Acts „angefasst“ hat, von denen sich drei durchsetzten, kommen heute auf zehn Aufbauprojekte eines mit Erfolg."

Hat mal jemand einen Mathematiker zur Hand?
 
#10
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Aus Spiegel-online von heute Morgen:



"Die von zahlreichen Künstlern getragene Initiative für eine Quotierung deutscher Musik im Radio trifft bei den Privatsendern auf taube Ohren: Die Stationen wollen nicht für die Fehler der Musikindustrie in die Pflicht genommen werden und drohen notfalls mit dem Gang nach Karlsruhe.

Berlin - Mit der Drohung, Verfassungsklage gegen eine gesetzlich verankerte Musikquote für deutschsprachige oder deutsche Produktionen zu erheben, machte der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) am Montag deutlich, dass die priaten Hörfunksender sich nicht kampflos eine Quotierung aufoktroyieren lassen wollen.

Verbandsvizepräsident Hans-Jürgen Kratz warnte vor einem Eingriff in die Programmfreiheit. Die privaten Sender hätten durchaus Verständnis für Bemühungen der Politik, deutsche Künstler zu fördern. Dafür engagierten sich auch die privaten Sender seit langem. "Eine Quote würde aber die Musikindustrie aus ihrer Verantwortung gänzlich entlassen, würde unsere Hörer und Zuschauer bevormunden und unsere wirtschaftlichen Grundlagen bedrohen." Als Wirtschaftsunternehmen seien die privaten Sender anders als die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender dazu gezwungen, sich ausschließlich aus dem Markt zu finanzieren.

Der Bundestag plant am Mittwoch eine Anhörung zu der von zahlreichen Künstlern und Politikern geäußerten Forderung nach der Quote für deutsche Musik im Radio. Sollte die Quote tatsächlich kommen, würden die privaten Sender sofort ihre eigenen Förderprogramme für deutsche Nachwuchskünstler einstellen, sagte Ina Tenz vom niedersächsischen Radio ffn.

"Viele Songs, die im Radio nicht gespielt werden, werden doch zu Recht nicht gespielt, weil sie niemand hören will, ich weiß nicht, warum die Politik das ändern will", meinte Arno Müller vom Sender 104,6 RTL. "Wir können doch nichts dafür, wenn unsere Hörer sagen, das wollen wir nicht hören, und das kommt bei deutschen Titeln leider häufig vor", ergänzte Carsten Hoyer von radio NRW. Das treffe zum Beispiel auf Peter Maffay zu. Andererseits gehörten gegenwärtig Lieder von Herbert Grönemeyer und den Söhnen Mannheims zu den meistgespielten Songs im Radio. "Wir schließen doch von vornherein keine Sprache aus, erst recht nicht unsere eigene. Wir spielen, was die Hörer hören wollen, ob deutsch, chinesisch oder auf Kisuaheli."

Stephan Hampe vom Sender 94,3 r.s.2 sagte, seine Station habe zehn Wochen lang einen Test gemacht und einen deutschen Titel pro Stunde gespielt. "Die Zuhörerquote sank daraufhin um zehn Prozent." Alles, was eine gewisse Qualität habe, setze sich aber dennoch durch.

Die privaten Sender verweisen gleichzeitig auf die drastische Reduzierung nationaler Titel in der Plattenindustrie. "Wir sollen hier als Sündenböcke herhalten." Die Musiklabels hätten ihren Anteil an deutschen Künstlern teilweise dramatisch verringert und ihre Nachwuchsförderung fast gänzlich eingestellt, sagte Kartz. Das sehe bei den privaten Sendern ganz anders aus.

Die Initiative zur Schaffung einer Quote für deutsche Musik nach Vorbild der französischen Regelung, die 40 Prozent nationalen Inhalt vorschreibt, wird von Künstlern wie Peter Maffay, Xavier Naidoo und Inga Humpe unterstützt. Für die Quotierung sprachen sich unter anderem auch die Grünen-Politikerin Antje Vollmer und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) aus."

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,320164,00.html

Ich persönlich frage mich nach dem Sinn. Das Thema Musik als Programmpunkt für die nächsten großen Wahlen? Ich denke, wenn die Radiohörer die hier so hochstilisierte Änderung wirklich wollen würden, dann würden Sie die Foren und Gästebücher der Sender schon nutzen, um ihre Ansprüche durchzusetzen/fordern.
Auf der Anderen Seite: Wenn sich jetzt schon unsere Politiker als Musikchefs engagieren möchten, sollen sie doch mit ihrem eigenen Radio anfangen dem öffentlich rechtlichen/ARD. Das wäre vielleicht sogar, wenn die Hörer wirklich mehr deutsche Musik wollen, die beste Marketing-Stragie, sich gegenüber den Privaten zu positionieren.

REDMOD

PS: :cool: Jetzt könnte der Thierse-Tread auf die 2000 Klicks zugehen :cool:
 
#11
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Hallo Szene,

wenn die Hörfunk-Entscheidungsträger nicht alleine begreifen, dass es mehr als 200 spielbare Pop-Titel gibt, muss man es ihnen eben vorschreiben.

Würden alle Autofahrer in Wohngebieten verantwortungsbewusst fahren, bräuchten wir auch keine gesetzlichen Tempo-30-Zonen!

Was nützt - wie oben erwähnt - künstlerische Freiheit, wenn sie der breiten Masse nicht zugänglich gemacht wird...

Alle zitierten Musikredakteure argumentieren mit Wettbewerbsvorteilen durch (umstrittene) Musikresearches. Das ist doch kein Argument, wenn alle Sender diesen Deutschanteil spielen müßten. Wieviel deutschsprachige Titel sind denn in den call-outs? Und: Wenn alles getestet wird, warum können die Sender dann nicht auch "die besten deutschen Hits" testen und spielen ?

Den Ansatz der Politik halte ich für überlegenswert. Ich sehe ein anderes Problem: Wenn die Quote kommt, werden die besten 50 deutschen Hits totrotiert. Das wird den Maffays auch nicht helfen....

Gruß in die Runde

Dudelmoser
 
#12
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Einen kleinen Schönheitsfehler hat die "Angst" der Privaten:
Wenn die Quote kommt, kommt sie für alle. Daraus folgt, wenn ich den dt. "Mist" spielen muß, müßen es die anderen auch. Warum also sollten Hörer dann umschalten ? Meine Konkurrenzprogramme haben ja schließlich das gleiche Problem. Daher finde ich die Argumentation ziemlich albern.
 
#13
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

"aufoktroyieren" - auch der Spiegel darf sich einreihen...

Radiokult, die Frage für den Hörer könnte natürlich statt "warum sollte ich umschalten?" eines Tages auch lauten "warum sollte ich einschalten?" Dann haben bei einer Quote die Konkurrenzsender gewiss das gleiche Problem, aber ein anderes.

Und dann noch einmal die Frage nach einem Mathematiker (#9)!
 
#14
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Hey Deebee,

zunächst zu deiner Mathe-Frage: Das Ziel muss sein, dass sich von 50 Projekten 5 durchsetzen, eines von zehn ist da im Vergleich eindeutig zu wenig...

Was mich im Übrigen an dieser ganzen Debatte stört, ist im Grunde die Heuchelei mit der das Thema Quote instrumentalisiert wird:

1. Ein Aspekt dessen, warum Leute wie Maffay oder Mey nicht mehr gespielt werden, ist der, dass sie nicht mehr die Relevanz frühererer Tage haben. Dem Boykott-Vorwurf gegenüber Radiosendern steht eventuell ein Mangel an Selbsterkenntnis gegenüber, dass man es vielleicht nicht geschafft hat (wie z.B. ein Grönemeyer), den Erfolg früherer Tage zu konsolidieren. Dass Künstler wie Naidoo, Denalane, Humpe etc. bei dem Aufruf mitmachen, werte ich mal als Akt der Solidarität. Nett von ihnen, obwohl gerade die es wohl nicht nötig hätten.

2. Die Plattenfirmen versuchen sich auf ganz billige Art und Weise aus der Verantwortung zu stehlen. Fakt ist nämlich, dass bei den Labels die größten Versäumnisse in Sachen Nachwuchsarbeit auszumachen sind. Man bedenke mal, warum ein Tim Renner unter anderem gehen musste, nämlich weil er tatsächlich nationale Künstler fördern wollte, die Firmenpolitik aber ganz klar nur noch auf die grossen internationalen Namen abzielt. Interessanterweise kommt daher auch die Idee, keine Deutsch-Quote sondern eine für Newcomer einzuführen, weil die Plattenfirmen selbst wissen, dass sie eventuell gar nicht mehr genügend Qualität anbieten könnten, um eine Quote zu erfüllen. Die sitzen mitten im Glashaus und versuchen so viele Steine wie möglich zu werfen, damit niemand auf die Idee kommt, bei ihnen nachzugucken.

3. Vieles an der Argumentation von Müller, Tenz und Co ist absolut zutreffend. Faszinierend finde ich allerdings die nun aufkeimende Linie, die Quote auf die ÖRs abwälzen zu wollen. Sehr clever, denn so kann man aus einer schwachsinnigen politischen Idee noch einen Vorteil ziehen.

@Dudelmoser

Die Frage der Quote hat nichts mit 200er, 400er oder 1000er-Rotationen zu tun, oder glaubst Du ernsthaft, dass die Kollegen Maffay, Mey und Kunze bei den Sendern in den Positionen 201 bis 204 verharren?

Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass nicht mehr deutsche Titel gespielt werden sollten. Mir ist auch klar, dass es zahlreich Musikredaktionen gibt, die aus Prinzip keine deutschen Titel spielen, und bei einigen Sendern ein Umdenken einsetzen sollte. Eine Quote hielt ich allerdings für eine fatale Fehlentwicklung.
 
#15
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Zitat von Keek:
Faszinierend finde ich allerdings die nun aufkeimende Linie, die Quote auf die ÖRs abwälzen zu wollen.
Besonders, wenn es dazu hier heißt Wenn sich jetzt schon unsere Politiker als Musikchefs engagieren möchten, sollen sie doch mit ihrem eigenen Radio anfangen dem öffentlich rechtlichen/ARD :mad:

Haben Thierse und Vollmer eigentlich irgendwelche Ideen durchsickern lassen, mit welchen rechtlichen Mitteln sie ihre Quote umsetzen wollen? Der Gang nach Karlsruhe (Journalistenphrase No. 83) ist ja schon angedroht...
 
#16
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Ich glaube, das rechtliche Mittel zur Umsetzung wäre im Falle von Politikern, noch dazu im Falle von regierenden Politikern, die sogenannte "Gesetzgebung".
 
#17
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

hm, ich dachte immer, die ÖR-Sender seien "UNSER aller" Radio....
@keek
Ich denke, Maffay Mey und Co. machen sich gar keine Sorgen um ihre eigenen Schäfchen (die dürften sowas von staubtrocken sein), sondern tatsächlich die verquere Idee, daß mit solch einer Quote die hiesige Musik-Kultur aufkeimen sollte. Ein Mey denkt sich wahrscheinlich wirklich, daß dadurch der feine, nette deutschsprachige Chanson wieder Aufwind bekäme.
Von daher finde ich es fast schon rührend, wie viel dem Radio da zugetraut wird.
 
#18
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Diese Aussage finde ich schon aus technischen Gründen erstaunlich:

Stephan Hampe vom Sender 94,3 r.s.2 sagte, seine Station habe zehn Wochen lang einen Test gemacht und einen deutschen Titel pro Stunde gespielt. "Die Zuhörerquote sank daraufhin um zehn Prozent."
 
#19
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Diese Aussage vom Kollegen Hampe lässt sich nur als barer Unsinn werten.

Vielleicht hat er sich aber auch gedacht, dass man Populismus auch mit Populismus begegnen darf.

@Steinberg:

Dass Maffay, Mey und Co. sicherlich ausgesorgt haben und insofern nicht mehr auf GEMA oder sonstige Einnahmen angewiesen sein dürften, will ich auch gar nicht bezweifeln. Ich glaube auch nicht, dass die, was die Quotendebatte angeht, finanziell motiviert sind. Das hat sicherlich mehr mit (verständlicher) künstlerischer Eitelkeit zu tun. Denn wer mal ein grosser Star gewesen ist, lässt sich sicherlich ungerne sagen, dass ihre Musik bei "den Hörern" nicht mehr ankommt.

Das sind auch sicherlich alles Einzelaspekte, die zusammen genommen vermutlich ein Bild ergeben (ebenso wie der von Dir angeführte "Missioniarsgedanke"). Generell schätze ich auch gerade die Kollegen Kunze und Mey für ihren differenzierten und kritischen Umgang mit den deutschen Medien und der Musikkrise. Die Schlußfolgerung einer Quote als Lösung halte ich allerdings für schlichtweg falsch.
 
#20
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Herr Mey entgegnet Musikredakteuren bezüglich seiner eigenen Musik ohnehin mit den Worten, seine Musik komme bei den Hörern durchaus an, nur nicht, wenn sie im Radio gespielt werde. Und es juckt ihn nach eigener Aussage nicht im geringsten.

Was das BVerfG angeht. Natürlich würden regierende Politiker ein entsprechendes Gesetz basteln, aber das angekündigte Vorgehen der VPRT würde verhindern, dass es auch in Kraft tritt. Denn "Karlsruhe wird da nicht mitmachen". Da dürfen wir uns wohl ganz entspannt zurücklehnen.

Danke für die Mathenachhilfe, Keek. Ich hatte das 10:1-Verhältnis als allgemein-relatives Verhältnis verstanden und die zehn nicht als absoluten Wert, was ja so eindeutig aus dem Artikel auch nicht hervorgeht ("auf zehn ... eines").
 
#23
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Juhuuu, ich habe auch die Lösung für den deutschen Fußball (der hat ja ähnliche "Nachwuchsprobleme" wie die deutsche Musikindustrie): Ich bin für eine Gewinnquote im Fußball.
Von allen internationalen Spielen, die auf deutschem Boden statt finden, sollten deutsche Mannschaften in mindestens 90% der Fälle den Sieg zugesprochen bekommen, egal wie das Spiel verläuft. Damit stärkt man die deutschen Vereine und damit auch den Nachwuchs, weil ja dann alle automatisch besser spielen...

Oder so...
 
#24
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

@andreas w

Die Forderung nach einer Deutsch-Quote bzw. Ausländerbeschränkung in der Bundesliga ist ja nun beileibe auch nicht neu. Wobei ich die Gewinnquote für deutsche Mannschaften natürlich für sehr viel begrüssenswerter halte:)
 
#25
AW: Deutsch-Quote: Privatradios machen ernst

Ein Aspekt dessen, warum Leute wie Maffay oder Mey nicht mehr gespielt werden, ist der, dass sie nicht mehr die Relevanz frühererer Tage haben. Dem Boykott-Vorwurf gegenüber Radiosendern steht eventuell ein Mangel an Selbsterkenntnis gegenüber, dass man es vielleicht nicht geschafft hat (wie z.B. ein Grönemeyer), den Erfolg früherer Tage zu konsolidieren.
Zumindest für Reinhard Mey ist das ohne weiteres wiederlegbar !
Permanent ausverkaufte Häuser (und der spielt nach wie vor nicht gerade in kleinen Clubs), und die Verkaufszahlen seiner Alben sprechen eine andere Sprache.
 
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