• Wie aus den radioforen.de-Nutzungsbedingungen hervorgeht, darf kein urheberrechtlich geschütztes Material veröffentlicht werden. Zur Identifizierung von Interpret und Titel (o.ä.) dürfen jedoch Hörproben bis zu 30 Sekunden angehängt werden. Was darüber hinausgeht, können wir nicht tolerieren.

Deutsche Schlager: Als fremdsprachige Version durchaus AC-tauglich; warum aber nicht im Radio?


UKW 100

Benutzer
Der klassische deutsche Schlager polarisiert ja extrem, wird oft als schmalzig bzw. schnulzig empfunden; dementsprechend mögen ihn viele Leute nicht. Im normalen AC-Radio hat der klassische Schlager i.d.R. keine Chance mehr. Die Melodien sind aber oft kompositorisch sehr gut, echte Ohrwürmer halt.
Viele deutsche Schlagertitel wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten teilweise von den Original-Künstlern, meist aber von jemand anderem als fremdsprachige Version rausgebracht, bei denen die Instrumentalbegleitung zudem nicht so seicht eingespielt wurde.
Das Ergebnis sind häufig echte Pop-Perlen, die durchaus auch im AC-Formatradio laufen könnten, dort aber bislang meist konsequent ignoriert werden.

Wie geil Schlagerklassiker klingen können, wenn man sie "auf international" trimmt, zeigen z. B. diese Songs:

- das tschechische Orignal von Karel Gott "Einmal um die ganze Welt"

- "Fiesta Mexicana" so wie es eigentlich klingen müsste

- "Die Gitarre und das Meer" von Freddy Quinn im spanischen Karibik-Sound

- "Sieben Fässer Wein" von Roland Kaiser als spanische Dance-Version

- der 80er-Klassiker "Lotosblume" von den Flippers

In jüngster Zeit hat der italienische Sänger Giovanni Zarrella bekannte deutsche Schlager als Italo-Pop-Version veröffentlicht - hier z. B. "Wahnsinn" von Wolfgang Petry:

https://www.youtube.com/watch?v=mmWIN18b1vM

M. E. klingen alle diese Versionen voll AC-tauglich und durchweg besser als die Originale. Die Melodien sind natürlich altbekannt. Eigentlich fragt man sich, woran das liegt, dass diese Songs nicht im Radio laufen?
 

Funkminister

Benutzer
Dazu kommt erschwerend der Umstand, dass der deutsche Text seine größtenteils eher abwesende inhaltliche Tiefe und lyrische Qualität nicht verbergen kann - anders als eine Fremdsprache.
Je nach Epoche und Interpret sind es dann aber auch die Produktionen, die klischeehaft und wenig anspruchsvoll klingen, als wären sie alle demselben Entertainer-Keyboard entsprungen und anschließend in Gnadenhall ertränkt worden.
 

Mannis Fan

Benutzer
Im normalen AC-Radio hat der klassische Schlager i.d.R. keine Chance mehr.
Wie kommst Du darauf? Was sind Max Giesinger, Lotte, Mark Forster, Clueso, Joris, Johannes Oerding, Revolverheld, Wincent Weis, Bosse und Co denn sonst, wenn nicht deutsche Schlagersänger. Und für sie trifft ausnahmslos auch zu, was Funkminister als Makel erkannt hat:
Dazu kommt erschwerend der Umstand, dass der deutsche Text seine größtenteils eher abwesende inhaltliche Tiefe und lyrische Qualität nicht verbergen kann
 

Funkminister

Benutzer
Da bin ich bei @Mannis Fan - das ist nichts anderes als Schlager mit zeitgemäß und (zum Teil) hochwertig produzierter Popmusik.
Das war Udo Jürgens in den späten 70ern/frühen 80ern auch, wenn man sich „Paris, einfach so nur zum Spaß“ als Beispiel anhört, lupenreiner 70er Discosound. Handwerklich mMn aus den oberen Regalreihen, hätte der Text ein anderes Thema, wäre daran gar nichts mehr schlagerverdächtig.
Wie dasselbe Thema bzw. dieselbe Handlung in amerikanischer Machart umgesetzt klingt, zeigt der „Piñacolada Song“ von Rupert Hines, ein Jahr zuvor veröffentlicht.
 

Radiokult

Benutzer
In jüngster Zeit hat der italienische Sänger Giovanni Zarrella bekannte deutsche Schlager als Italo-Pop-Version veröffentlicht
Hier muss man aber zwingend dazu sagen, das es gefühlte 70 bis 80% der dargebotenen Songs bereits vorher als italiensch-sprachige Versionen gab.
Und davon abgesehen finde ich mindestens die letzten beiden Links von dir ganz gruselig. Einem ollen Schlager einfach einen "modernen PC-Beat" verpassen ist weder kreativ, noch wird es dem Ursprungssong irgendwie gerecht, so einfallslos und banal das Original auch gewesen sein mag. Die Groove Coverage-Version des einstigen Flippers-Hits "Lotosblume" ist mindestens genauso peinlich wie der Flippers-Song selbst.
Übrigens gibt es auch nicht wenige deutschsprachige Schlagerschnulzen, die wir als urdeutschen Schmalz betrachten, die im Original aber gar keine deutschen Songs sind. "Der Junge mit der Mundharmonika" von Bernd Clüver oder Jonny Hills "Ruf Teddybär, Kanal 1-4" wären solche Beispiele.
 
Zuletzt bearbeitet:

Fall Guy

Benutzer
Übrigens gibt es auch nicht wenige deutschsprachige Schlagerschnulzen, die wir als urdeutschen Schmalz betrachten, die im Original aber gar keine deutschen Songs sind. "Der Junge mit der Mundharmonika" von Bernd Clüver oder Jonny Hills "Ruf Teddybär, Kanal 1-4" wären solche Beispiele.
Das als Beispiel in #1 aufgeführte "Sieben Fässer Wein" gehört auch zu diesen Titeln.
 

Skywise

Benutzer
Das als Beispiel in #1 aufgeführte "Sieben Fässer Wein" gehört auch zu diesen Titeln.
Wieso dieses? Der Song ist ur-deutsch, verfaßt von Wolfgang "Norman Ascot" Pliverits und Renate Meisel alias René Marcard. Sollte mal von Rex Gildo aufgenommen werden, gewissermaßen im Sinne von "Fiesta Mexicana".

Gruß
Skywise
 

Skywise

Benutzer
Warum mußt Du enttäuscht sein? Sieh es eher als kreativen Geniestreich denn als Plagiat. (Vgl. „Schöne Maid“.)
Och joh ...
Sagen wir mal: ich mag's, wenn Urheber so ehrlich sind, ihre Quellen offenzulegen, wenn es schon so was offensichtlich Geripptes ist. Bei Stücken von Udo Jürgens oder Christian Bruhn beispielsweise stand im Normalfall im Kleingedruckten immer so was dabei wie "u. Verw. e. Volksw." oder so. Auch wenn man das im Einzelfall auch nochmal hinterfragen kann, aber okay, damals war Shazam halt noch nicht so weit wie heute.

Gruß
Skywise
 

ricochet

Benutzer
Einer meiner Favoriten ist und bleibt Chris Roberts mit seinem Gute-Laune-Sound. Der passt in jedes Oldieformat, aber warum sollte man mit Gewalt Deutsch und Englisch miteinander verquirlen, wo doch genug Ausspielwege für etliche Spezialformate existieren? Im Gegensatz zu den 90ern gibt es heute ja zum Glück keine technischen Limitierungen mehr.

 
Zuletzt bearbeitet:

UKW 100

Benutzer
Hallo!

In jüngster Zeit ist bekanntlich der Deutsch-Italiener Giovanni Zarrella sehr erfolgreich mit der Masche, bekannte deutsche Schlager auf Italienisch zu singem und soundtechnisch etwas aufzumöbeln. Heraus kommt dabei stilistisch reinrassiger Italo-Pop, wie er in den 80ern von Al Bano & Romina Power oder Ricchi E Poveri sehr erfolgreich war.

Ich bin ja sonst auch eher nicht sooo der Schlager-Fan und kann die ablehnende Haltung vieler Leute über diese Musikrichtung verstehen - und ich persönlich finde diese ausländischen Versionen fast noch besser als die Originale.

M.E. sind die ausländischen Versionen durchaus AC-Radio-tauglich. Warum aber laufen sie dann dort nie? Reicht den zuständigen Redaktionen schon die Tatsache, dass die Melodie ursprünglich einem Schlager entnommen wurde? Stilistisch ist ja so ein Giovanni Zarrella nicht groß von Al Bano & Romina Power oder "Laura Non C'é" von Nek entfernt. Die Hot Banditoz liefern denselben Sound wie Loona oder Las Ketchup. Groove Coverage ist nicht weit von David Guetta oder Robin Schulz entfernt.

Was ist also der Grund für die Ignoranz dieser Titel im AC-Radio? Durch entsprechendes Airplay könnte man die an sich schönen Melodien auch denjenigen zugämglich machen, die mit Schlagern an sich nichts anfangen können....
 
Oben