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Deutsche Schlager: Als fremdsprachige Version durchaus AC-tauglich; warum aber nicht im Radio?


Beobachter

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Die Gründe, warum dieser oder jener Titel ignoriert oder nicht gespielt wird, sind doch hinlänglich bekannt und werden hier schon seit 20 Jahren diskutiert. Die Antwort kannst du dir also (leider) selbst geben...
 

Nordi207

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Schlager bleibt schlager bleibt schlager.
Ob auf deutsch, in italiano o in inglese.
Dammi zwischen Dua Lipa und Bangles? A ch piace
 

Radiokult

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Nun ja, fremdsprachiger Pop wurde abgesehen von englischsprachigen Titeln spätestens Mitte der 90er überall aus dem Programm geworfen. Und an der Regel hält man halt fest, sinnfreierweise.
In Sachen Zarella sollte man ausserdem wissen, dass es seine Italo-Fassungen fast alle bereits einmal gab, in der Regel von den Originalkünstlern der Titel. Bis in die 90er hinein war es nämlich nicht so unüblich, das erfolgreiche deutschsprachige Titel auch in englich, italienisch und hin und wieder auch in französisch eingesungen wurden. Selbst von Grönemeyers "Männer" gibt es eine Version in holländisch von Grönemeyer.
Und weil wir einmal bei Gröhle-Herbert sind...

 

Diggy

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Einerseits kann ich an der Klangfarbe dieser Neuaufnahmen von Zarella jetzt nichts entdecken, was diese neuen Versionen sonderlich von aktuellem Chartpop oder deutsch gesungenem Schlager unterscheidet. Höre ich mir das nur mit einem halben Ohr an, dann ist für mich fast ausgeschlossen, dass ich selbst recherchiere ob gerade eben ein Titel von Alvaro Soler oder Giovanni Zarella gelaufen ist. Zum einen weil mich der Unterschied eben kaum interessieren würde, zum anderen eben wegen einem Höreindruck, der mir unauffällige Austauschbarkeit signalisiert.
Andererseits habe ich z.B. "Atemlos" oder "Ohne Dich" schon so oft gehört - den ersten passiv, den zweiten auch aktiv - , dass auch hier meine sämtlichen Lauschrezeptoren dem Überangebot an Beschallung und der Auswahl an Versionen maximalst übersättigt in den "Machs aus !" Modus drehen. Überpenetration erzeugt Überreizung und die wiederum erzeugt das "Es ist jetzt gut und langt einfach !", welches bei Ignoranz der Überreizung durch fortwährende Penetration in unflätigst schimpfenden und lautmalenden Hasstiraden und Verwünschungen endet.
Im Übrigen ist das nun wirklich nichts Neues und auch keine dem Schlager exklusiv anhaftende Masche. Eine bekannte Melodie mit einem anderen Text auszustatten, das kommt leider gerade wieder mehr und mehr in Mode und Methode. Beim Schlager fällt es halt mehr auf, weil sich der kaum noch die Mühe gibt den Charakter des Songs ändern zu wollen. Unser Gehirn verbindet damit automatisch den bekannten und gewohnten Höreindruck, assoziiert einen anderen Text und für einen Moment fallen wir dann wohl alle auf einen vermeintlichen Hauch von Exotik oder internationaler Tragweite herein. Da sich der als Eingangsbeispiel genannte Zarella ja nun auch generell und aktuell in der deutschen Medien- und Pressewelt bewegt, ist das nun auch etwas weniger überraschend oder originell, als eine Vicky Leandros, die (wie ebenfalls einen Post höher angefügt) irgendwann Grönemeyers "Männer" ins Griechische verlegt hat. Anders läuft es erst, wenn sich der Charakter des Titels mit verändert. Der Countryklassiker "Some Broken Hearts Never Mend" (Don Gibson oder Telly Savallas) erschien recht nah am Original von Peter Alexander ("Wenn auch die Jahre vergehen") - man erkennt das Original sofort. Nana Mouskouri brachte den Titel auch ("Dein zweiter Frühling") und alleine die Tatsache, dass sie ihn als Frau sang und der Song etwas poppiger klang, machen es uns schwerer das Cover überhaupt erst zu erkennen und die Verbindung herzustellen. Da kommen dann tatsächlich solche Sachen dabei heraus, dass Leute behaupten Michel Sardou "Comme d'habitude" und Sinatras "My Way" seien zwei verschiedene Songs.
Noch dreister in der Machart und etwas schwerer auf Anhieb zu entdecken sind die Nummern, die in der Sprache bleiben und einfach nur einen anderen Text bringen und ihren Charakter verändern. Die funktionieren im Radio auch besser. Aktuell fällt kaum jemandem auf, dass Nea "Some Say" nichts anderes ist als Eiffel 65 "Blue", nur eben 20 Jahre später, langsamer, in den Oberfrequenzen überreizt und relativ dünn. Fast schon Tradition hat Ava Max mit "Kings & Queens". Der existierte in den 80er Jahren schon direkt nebeneinander, einmal von Bonnie Tyler ("If You Were A Woman And I Was A Man") und von Bon Jovi ("You Give Love A Bad Name"). Das fiel damals schon kaum auf, ist heute noch besser getarnt aber nun mal nicht von der Hand zu weisen.
Falls noch wer ein Beispiel benötigt, wie die Umkehrung von Englisch auf Deutsch völlig entgleist, der darf gerne das Original von "Me and Bobby McGee" mit der deutschen Version von Renate Kern vergleichen. Da stehe ich absolut unentschlossen zwischen Lachflash und physischer Gewalt gegen den Lautsprecher aus dem es kommt.
Klartext: diese Zarella-Masche funktioniert hier sicher, würde woanders aber sicher besser funktionieren.
 
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count down

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Don Williams ;)

Es ist schon ein ungewöhnliches Phänomen, dass deutsche Schlager in hier italienischer Sprache funktionieren. Beim Publikum noch eher zu erklären als bei den Radioredakteuren, die - wie richtig angemerkt - seit Jahrenden romanische Sprache in Songs als "exotisch" einstufen und am liebsten davon die Finger lassen. Bei Zarrella wiegt allerdings sein extrem höher Sympathie-Faktor schwer, der die Musikredateure zur Aussage nötigt: "An dem kommt man ja nicht vorbei", was umgekehrt bedeutet: eigentlich wollten sie's lieber lassen.

Seit einiger Zeit wird allerdings der Musikmarkt mit unzähligen "Remakes" (hier meine ich gleichsprachige Nachproduktionen), zum großen Teil auch mit diversen Duetten überschwemmt, sowie auch mit "Cover-Versionen" (hier meine ich sprachunterschiedliche Versionen). Radioredakteure sind derzeit recht genervt von dieser Schwemme und nehmen solche Titel zurückhaltender ins Programm.
 
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Diggy

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Ja, war gerade etwas zu viel Don-erwetter

Seit einiger Zeit wird allerdings der Musikmarkt mit unzähligen "Remakes" (hier meine ich gleichsprachige Nachproduktionen), zum großen Teil auch mit diversen Duetten überschwemmt, sowie auch mit "Cover-Versionen" (hier meine ich sprachunterschiedliche Versionen). Radioredakteure sind derzeit recht genervt von dieser Schwemme und nehmen solche Titel zurückhaltender ins Programm.
Da beunruhigt mich sogar noch mehr, dass unsere heutige chartprägend relevante Zielgruppe ein Hörverhalten hat, das Titel zu einer Länge von unter 03:00 Minuten optimiert. Grund ist, dass sie weder die Aufmerksamkeit noch die Geduld länger als ca 02:30 aufbringen, um einen Titel zu hören, bevor sie ihn wegswipen. Wir nähern uns mehr und mehr den Anfängen, als der Rock'n'Roll mit 02:30 normal und mit 03:20 schon eine Maxi war.
 

UKW 100

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Da beunruhigt mich sogar noch mehr, dass unsere heutige chartprägend relevante Zielgruppe ein Hörverhalten hat, das Titel zu einer Länge von unter 03:00 Minuten optimiert. Grund ist, dass sie weder die Aufmerksamkeit noch die Geduld länger als ca 02:30 aufbringen, um einen Titel zu hören, bevor sie ihn wegswipen. Wir nähern uns mehr und mehr den Anfängen, als der Rock'n'Roll mit 02:30 normal und mit 03:20 schon eine Maxi war.

Die Frage ist, ob das tatsächlich auf schwindende Aufmerksamkeit zurück zu führen ist, oder ob es einfach ein Wechsel in der Mode ist. Zu Klassik-Zeiten waren lange Spieldauern von Titeln normal, mit dem Jazz wurden sie kürzer, dann kam die Rock'n'Roll- und Beat-Zeit mit Titen teils unter zwei Minuten (Buddy Holly "Rave On" oder Swinging Blue Jeans "Hippy Hippy Shake"). In den 70ern und 80ern wurden dann Radioversionen oft schon über 4 Minuten lang, die ersten Club-Mixe kamen auf. In der Eurodance-Zeit der 90er dominierten dann wieder schnellere Wechsel, in den 2000ern kamen Uplifting-Trance und House-Platten, die teils über zehn Minuten lang waren. In den letzten Jahren schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung. Aktueller Rekord: Der Dance-Remix von "Wellerman" mit nur 1:56 Lauflänge. Meine Prognose: Irgendwann demnächst werden die Tracks wieder lang.
 

s.matze

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Das Problem bei Giovanni Zarrella (ex Brosis) ist genau das selbe wie bei Ben Zucker, Vincent Groß, Julian Reim, Christin Stark oder meinetwegen auch den neuen "Werken" von Thomas Anders: Sie lassen sich über die Schlagerschiene vermarkten und treten beim Silver Iron auf. Obwohl sie nichts anderes machen als Deutschpop/Deutschrock. Aber allein dadurch, dass sie zwischen Semino Rossi und Andrea Berg rumhampeln, sind sie für die normalen Radiosender verbrannt. Schlechter als eine Lea oder Lotta oder Vincent Weiss sind sie auch nicht.
 
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Radiokult

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Kommt selten genug vor, aber das sehe ich dann ebenfalls so wie unser Mecker-Matze.
 
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Radiokid71

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Weiß nicht ob es hierher gehört: vor Jahren hörte ich mal Mireille Mathieu das Lied "Dich zu lieben" von Roland Kaiser auf Französisch singen. Ich finde französische Musik gut, aber DAS war grauenhaft 🤦‍♂️👎.
 
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