DHD oder Axia oder...?


#1
Wenn ihr die Chance hättet, einen kleinen Radiosender mit neuer Studiotechnik auszustatten, ohne auf bestehendes Rücksicht nehmen zu müssen, dann eher Systeme von DHD oder von Axia? Oder gibt es noch weitere Empfehlungen. Einfach zu bedienen, robust, leicht erlernbar, praxissicher, ... Vielleicht noch mit dem einen oder anderen Pauschalargument, also keine Details wie "bei 15,49 kHz flattert der mittlere Hochtöner etwas". ;) Wer Preise kennt (Richtwerte reichen) gern als Argumemente mit einfließen lassen. Danke.
 
#2
Hallo Dirk,

wenn Du Beratung benötigst, um eine Auswahl zwischen zwei Broadcast Mixern zu treffen, ist es optimal sich an den Hersteller zu wenden.
DHD ist eine Firma mit Sitz in Deutschland, einfach anrufen und nach den Möglichkeiten der verschiedenen Pult Module fragen.
Denn DHD Pulte sind in einzelnen Moduln für den Bedarf zusammenzustellen. Es gibt keinen Einheitspreis, da DHD eine ganze Reihe von
Pulten mit verschiedenen Moduln bereithält. Brauchst Du 8 Fader nimmste 8 Fader, brauchst Du 12 nimmste 12, usw.

Axia baut komplette kleine Broadcast Pulte auf. Keine Module. Ein amerikanischer Hersteller.
Die Robustheit steht den DHD Pulten in nichts nach. Hier ist es mit der Beratung auch möglich erst mal zu schauen was gebraucht wird?

Ich rate zu DHD weil ich selber gute Erfahrungen damit mache und wir im Sender ein DHD 52/SX einsetzen.
Ein zweites Pult ist ein Barth D.MAX aus der ersten digital Generation, dazwischen liegen schon Welten.
Zu den Preisen kann man so aus der Hüfte nix sagen, aber rechne mal ab 8.000,- €, je nach Ausstattung bis 14.000,- € für eine kleine Radiostation.

Achso, bei den Pulten "flattert" nichts, das ist 24/7 Profi Equipment, läuft jahreland stabil im on air Betrieb.

Gruß Codo
 
Zuletzt bearbeitet:
#3
Moin,

auch ich würde DHD empfehlen, muss aber im gleichen Atemzug sagen dass ich Axia nicht kenne.
DHD ist unter den deutschen/europäischen Herstellern noch am preiswertesten, und wie @codo schrieb skalierbar - sowohl Hardware als auch DSP-Ausstattung nach Anforderung und Wünschen.
Mit der DHD Toolbox kannst Du auch als Anwender noch Änderungen an der Konfiguration vornehmen, das ist kein Hexenwerk und erlernbar wenn man sich einmal eingearbeitet hat. Die einzigen Grenzen setzen da Hardware und DSP-Leistung. DHD Pulte können auch jede Menge Schaltlogiken umsetzen, vom einfachen potentialfreien Relais bis serielle Schnittstelle.

Es lässt sich eine ganz einfach gehaltene und komfortabel bedienbare Oberfläche basteln, und trotzdem komplexes Routing, Processing und Logiken darunter an denen der Benutzer nicht "herumfummeln" kann. Vorteilhaft beim Betrieb ohne technisches Personal.
 
#4
Gibt es einen Grund, diese beiden Hersteller zu favorisieren? Was ist mit Lawo (und ggf. auch Studer = mittlerweile Harman international, Mandozzi)?
Wenn das alles finanziell in Frage kommt, ggf. erstmal auch freundlich bei Sendern anfragen, die Infrastruktur der unterschiedlichen Hersteller nutzen, ob man sich das nicht vor Ort mal anschauen kann.

Wenn das finanziell nicht in Frage kommt, mal bei D&R und Klotz schauen. Oder auf dem Gebrauchtmarkt (und im Hinterkopf behalten, dass professionelles Material meistens aufgrund der Ersatzteillage ausgemustert wird. Daran macht Man U. U. auch Abschreibungszeiträume fest). Gebraucht kaufen generell gerne, wenn Wissen und Bereitschaft zur Administration vorhanden ist. Falls nicht besser Komplettlösung über Studiobauer mit entsprechendem Support-Rahmenvertrag, erspart graue Haare und schlaflose Nächte.

Dann die Frage - was soll der Nutzer können dürfen - und welche Parameter darf er nie anfassen. Daraus resultiert dann auch, wie die einzelnen Michpultmodule (in Bezug auf Anzahl der Tasten, möglicher Softkeybelegung etc.) gestaltet sein sollen.

Wie komplex soll der Aufbau generell werden? Geht es um ein Studio oder um einen vollständigen „Sendekomplex“, wo neben NF auch Augenmerk auf netzwerkinterne Audiodistribution, GPIO, daraus resultierende Ablösungslogiken zwischen den Studios und dergleichen gelegt werden muss?

Am Besten schreibt man sich erstmal ein „Braunbuch“, Anforderungspapier, mit den Spezifikationen, die die Infrastruktur leisten muss und kontaktiert dann die Hersteller und Studiobauer, was das so lösen kann und welche Funktionen darüber hinaus noch an Bord sind.

Also... wie viele Studios, welche Quellen, welches Redaktions- und Ausspielsystem muss angesteuert werden, wie soll die Übergabe zwischen unterschiedlichen Studios (insofern vorhanden) gelöst werden, möchte man einen „Masterplatz“ auf dem die Studiomischpulte für schnellen Zugriff gespiegelt werden können, welche Zuspieler gibt es, wie viele Summen werden benötigt, n-1 mitgerechnet, bitte auch outboard-Effekte/Bearbeitung, die Wortsumme und Rückleitungen nicht vergessen, muss ja alles irgendwie beschickt werden; wie sind externe Geräte überhaupt angebunden, gibt es Haustakt? Wieviele externe Leitungen/Codecs müssen in welchem Standard verarbeitet werden (diverse Hersteller bieten durchaus eigene AoIP-Lösungen, ggf. kann dann auf Dritthardware verzichtet werden).
 
#5
Das Lawo Crystal ist "ping in de fott", wie Rheinländer sagt. Wenn Du dort mal Deine lokal gespeicherte Konfiguration verloren hast gibt es keine Möglichkeit, diese aus dem Pult auszulesen. Du fängst also von vorne an. Bei DHD kein Problem (seit 20 Jahren). Beim Crystal finde ich auch die haptik der Buttons auf der Konsole eher furchtbar.
Meine Empfehlung geht auch Richtung DHD. Nur mit der SX-Serie haben sie sich keinen Gefallen getan.

Mittlerweile ist Pacific Recorders & Engineering wieder über Wheatstone am Markt, aber ich das Pult was ich in den Händen hatte war verabreitungstechnisch eher Plaste-Fantaste und nicht mit den legendären Radiomixern zu vergleichen.
 
#6
Das Lawo Crystal ist "ping in de fott", wie Rheinländer sagt. Wenn Du dort mal Deine lokal gespeicherte Konfiguration verloren hast gibt es keine Möglichkeit, diese aus dem Pult auszulesen. Du fängst also von vorne an.
Jein. Mit ein bisschen Trickserei ist Auslesen möglich, bearbeiten des ausgelesenen aber nicht.
Wohl dem, der brav Backups erstellt, was man generell von Pultkonfigurationen machen sollte, speziell wie sie doch eher komplex zu schreiben sind wie beim Crystal. Dafür kann man es gut und umfangreich anpassen.

Beim Crystal finde ich auch die haptik der Buttons auf der Konsole eher furchtbar.
Ja und nein... zumindest lassen Sie sich (auch Aufgrund der Weichplastikkappen) völlig geräuschlos bedienen, auch, wenn man heftigst „draufdrischt“. Mich stören da eher andere Sachen, beispielsweise verflüchtigt sich der Weichmacher bei heftiger Benutzung der Drehpotis, die werden unansehnlich. Die OLED-Displays brennen bei 24/7-Betrieb langsam ein oder verabschieden sich irgendwann. Die Rackeinheit wird sehr warm und die Luftzirkulation wird an den Seiten benötigt, ein Problem in engen Geräteschränken.

Alles keine Probleme, die bei anderen Pulten nicht auch auftreten könnten, die Tischeinheit ist obendrein sehr servicefreundlich.

Vermutlich alles eine Frage der Gewohnheit.

P.S.: bei einem DHD RM 4200 kam mir bei (sanften!) Loslassen der Kommandotaste mal die Tasterabdeckung entgegen... irgendwas ist immer ;)
 
#7
Die OLED Displays bei DHD haben die gleichen Alterungserscheinungen bei Dauerbetrieb, lassen sich allerdings tauschen. Einbrenner hatten wir noch keine, aber sie werden dunkler.
Probleme hatten auch die Motorfader der frühen 52er Faderkassetten, die ausgetauschten laufen aber seit Jahren einwandfrei.

Was man bei DHD immer bedenken muss ist die Programmierung, da jedes Pult ein modulares Unikat ist muss es entsprechend konfiguriert werden. Es gibt keine fix-und-fertig Lösung.
Vorteil: man kann vielerlei Anwendungen realisieren und braucht für unterschiedliche Arbeitsplätze keine unnötigen Module verbauen.
Und eine Kommandomatrix lässt sich auch komplett pultintern aufbauen, abgesetzte Sprechstellen werden einfach per Netzwerkkabel angeschlossen.
 
#9
Danke erstmal für die Infos, ich war mal kurz ausgeknockt, deswegen die späte Reaktion.

@codo Sicher ist es richtig, dass es schwierig ist, konkrete Preise anzugeben. Die sind bei solch komplexen Aufgaben und Angeboten auch immer individuell und teilweise verhandelbar. Aber ich möchte trotzdem an das technische und preisliche Gefühl appellieren und bisherige Erfahrungen abfragen, ob man irgendwelche Aussagen (ganz grob) machen kann, dass bspw. DHD anderthalb mal so teuer ist wie Axio (NUR EIN BEISPIEL!) bei vergleichbaren Lösungen. Wobei ich von Neuware ausgehe.
Die D.Max Pulte kenne ich auch, wir haben hier drei im Einsatz ... Und EELA Audio. Das soll mittelfristig alles ersetzt werden.
 
#10
@codo Sicher ist es richtig, dass es schwierig ist, konkrete Preise anzugeben. Die sind bei solch komplexen Aufgaben und Angeboten auch immer individuell und teilweise verhandelbar. Aber ich möchte trotzdem an das technische und preisliche Gefühl appellieren und bisherige Erfahrungen abfragen, ob man irgendwelche Aussagen (ganz grob) machen kann, dass
Wie ich schon schrieb "rechne mal ab 8.000,- €, je nach Ausstattung bis 14.000,- € für eine kleine Radiostation."
Die Presie bei Axia, Lawo, DHD sind alle sehr nahe beieinander für ähnliche Ausstattung. Der Markt ist umkämpft, da bricht keiner aus.
Worauf es aber im Betrieb ankommt ist Support, Service und Ersatzteile. So ein Pult soll ja mehr als 10 Jahre zuverlässig laufen.
Nochmal mein Tipp, anrufen, fragen, beraten lassen. Kostet nichts. Aber bildet sehr schön weiter.
Auch die Vertriebe in Deutschland sind sehr hilfreich. Audioone und Thum & Mahr, BFE, fallen mir spontan ein.

Gruß Codo
 
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