Die Sprachlotterei treibt neue Blüten


Oder, wenn es ganz nah an der Ausgangsformulierung bleiben soll, völlig simpel:

Gehört Michael Meyer doch zu meinen Lieblingsmoderatoren.

Ich hatte das hier aufgenommen, weil man ähnlichen Unsinn in letzter Zeit auch öfter in unseren tollen Qualitätsmedien hört und liest. Dann meistens nach folgendem Schema:

Einer der ersten Autos mit ABS wurde damals vorgestellt.

Eine der bliebtesten Professoren wurde nun ausgezeichnet.
 
Leider sind die alten Diskussionen über die Aussprache von Ortsnamen inzwischen geschlossen, daher muss das jetzt hier rein.

Wenigstens beim Kulturredakteur/-moderator sollte man doch meinen, dass er sich ein klein wenig in der Welt auskennt.
Bei den lagen WDR3-Hörspielen besteht/bestand die Absage meist aus dem gleichen Voicetrack. In diesem Fall gab es allerdings eine individuelle Absage, in der der Ortsname noch einmal auf die gleiche Weise ausgesprochen wurde.
 

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Mit fremden Namen tun sich deutsche Moderatoren und Reporter seit je schwer.
Für Gerhard Delling hieß der ungarische Olympia-Goldmedaillengewinner Szilágyi (spr.: Ssiladji) lapidar "Schiggilaggi".

Und RB Leipzig-Torhüter Gulácsi (spr.: Gulatschi) wird trotz freundlichen Hinweises als "Gulaschi" verhöhnt.
 
Heute ging es in den Nachrichten im Hörfunk mal wieder um Carlos Ghosn. Der Name wurde so ausgesprochen, wie er geschrieben wird. Was sagt eigentlich die ADB zur Aussprache des Nachnamens? Im Englischen kenne ich die Aussprache ohne hörbares s, und auch die englische Wikipedia gib es so an: siehe hier. Zur Bestätigung kann ich noch folgendes Zitat anbieten (Quelle):
Zitat von New York Times:
By the early 2000s, Mr. Ghosn was head of the Renault-Nissan alliance and the first person to simultaneously serve as chief executive of two Fortune Global 500 companies, the type of chief executive who even if you didn’t know how to pronounce his name (rhymes with phone), you’d know his products.
 
Die ADB nennt es "Go:sn", läßt als Alternative aber auch "Go:n" zu. 1.Variante (und damit die verbindliche) ist "Go:sn"
Vielen Dank fürs Nachsehen! Nun wäre meine nächste Frage aber, warum im Deutschen die 1. Variante als verbindliche gewählt wurde, wenn doch (zumindest im englischen und auch im französischen Sprachraum) Konsens zu sein scheint, das s nicht zu sprechen. Betrachtet man es als Germanisierung eines seltenen Namens und gibt der Verständlichkeit höhere Priorität?
 
Da kann man nur raten. Möglicherweise ist das mit dem "s" die 1.Variante, weil der Mann aus dem Elsaß kommt und er deutsche Vorfahren hatte. Beim Schauspieler Louis de Funes wird das s auch gesprochen. Bei Paris (siehe unten) nicht. Es ist bei den Aussprachen mal so und mal so. Zum Beispiel wird der Smartphone-Hersteller Huawei ja auch "Hu:a-wäi" ausgesprochen. Weil es viele hier so machen. Paris heißt ja auch "Pa'ri:s" und nicht "Pa'ri". Bei Montreal entsprechend. Die verbindliche Aussprache wird mal festgelegt, wenn es Varianten gibt.

Lustiges Beispiel aus Frankfurt: Die "Miquelallee" müßte eigentlich "Mi'käll-a'le:" ausgesprochen werden. Was schert's die Frankforter - die sagen "'Mikwäll-a'le:"...
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein nicht mitgesprochenes S vor M oder N gibt es in franzosischen Familien- und Ortsnamen gar nicht so selten. Z. B. die Kleinstadt Saints-Geosmes nahe der Marne-Quelle oder Augustin Jean Fresnel, in diesem Kreis sicher via Fresnelzone geläufig. In der französischen Ortographie sind solche S im Laufe der Zeit getilgt worden, dies ist oft durch einen Accent circonflexe auf dem vorhergehenden Vokal kenntlich. Wäre also «Saints-Geômes» oder «Frênelzone». Oder eben «Carlos Ghôn».
Bei Louis de Funès verhält es sich anders, weil das S am Wortende steht und ihm ein E mit Accent grave vorhergeht. Von Muttersprachlern habe ich sowohl "Fü'nä" als auch "Fü'näs" vernommen, letzteres etwas häufiger.

;) Was sagt die ADB eigentlich zu Auxerre: "Ok'sär" oder "O'sär"? Und Bruxelles: "Brük'sel" oder "Brü'sel"? :wow:
 
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