Die „Umweltsau“ war nicht genug: Coronavirus soll „die Alten dahinraffen“


Skywise

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Eine gute Tradition der politischen Satire ist das Aufbegehren gegen das politische Establishment.
Wie man's nimmt. Die Stoßrichtung der Satire ist immer: gegen die Macht. Das kann man machen, indem man das politische Establishment aufs Korn nimmt, man kann aber auch den Souverän, meint: das Volk, aufs Korn nehmen. Wenn man diesen bei seiner Satire beiseite läßt, spricht man ihm praktisch die Souveränität ab. Weshalb Loriot sich auch immer gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt hat, kein politischer Satiriker zu sein, auch wenn er eher gegen den deutschen Michel und damit auch gegen die "kleinen Leute" geschossen hat als gegen seine/ihre Repräsentanten.

Satire, also beißender Humor gegen die kleinen normalen Leute, so was hatte sich seinerzeit nicht mal die SED-Schranzen getraut, weil sie dafür vom Volk (noch mehr) verachtet worden wären.
... aber Ernst Busch durfte lange Zeit noch seine Tucholsky- oder Kästner-Verse schmettern, wenn ich daran erinnern dürfte; sogar noch, nachdem Buschs "Lied der Zeit" im VEB Deutsche Schallplatten aufgegangen war. Auch bei denen kommt das Volk an sich nicht immer ungeschoren weg.

Gruß
Skywise
 

Grenzwelle

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@Skywise Ich würde aus der Neuzeit noch Wischmeyer erwähnen, der die Marotten der Deutschen Normalbürger bissig aufs Korn nimmt. Aber bei ihm hatte ich bisher noch nicht das Gefühl, dass er genau mit an dem Rad in dieselbe Richtung dreht, an dem schon die meisten politischen Parteien und viele NGOs drehen. Im Gegenteil, fast legendär finde ich seine Clips beispielsweise zu Merkel, Wowereit und Steinmeier. Dann verliert er auch nie den kritischen und hämischen Blick auf das ( wahrscheinlich linksalternativ intellektuelle) Milieu, aus dem er selber kommt. Aber auch das ist nur meine persönliche Meinung und mein Geschmack.
 

Skywise

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@Grenzwelle:
Na ja, aber man muß sich ja nicht unbedingt gegen politische Parteien oder NGOs wenden, wenn man Satire macht. Hier sehe ich "Der Herr Karl" von Helmut Qualtinger/Carl Merz als eine gute Referenz. Das Stück war ein Nierentritt mit Stahlkappenschuhen in die Gesellschaft, aber nicht unbedingt gegen die Politik, weil - den Dialog, den das Stück gefordert hat, gab's im Vorfeld nicht, auch nicht auf politischer Ebene.
Und ich wüßte auch nicht, ob es einen Kabarettisten glaubwürdiger macht, wenn er nach einem Machtwechsel plötzlich ins entgegengesetzte Horn stieße. Georg Kreisler hat seinerzeit mal beobachtet und kommentiert (Lied "Das Kabarett ist tot"), daß die ganzen Kabarettisten, die mehr oder weniger direkt einen Willy Brandt an der Macht gefordert haben, sich plötzlich gezwungen sahen, die Politik Willy Brandts kritiklos hinzunehmen. Aber nur, weil sie letzten Endes doch wieder anfingen, schärferes Kabarett zu machen, hat das nichts an ihrer grundsätzlichen Haltung zur Sozialdemokratie geändert. Warum hätten sie die Stoßrichtung ändern sollen?
Gruß
Skywise
 

Grenzwelle

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man muß sich ja nicht unbedingt gegen politische Parteien oder NGOs wenden, wenn man Satire macht.
Ich habe neulich einen Clip von so nem jungen Youtuber gesehen, der auf einer FFF-Demo die Leute unter anderem fragte, was CO2 ist. Ob das noch Satire ist, weiss ich nicht, denn das war ja real. Aber es war extrem lustig und entlarvend, so wie Satire meiner Meinung nach sein sollte.

aß die ganzen Kabarettisten, die mehr oder weniger direkt einen Willy Brandt an der Macht gefordert haben, sich plötzlich gezwungen sahen, die Politik Willy Brandts kritiklos hinzunehmen. Aber nur, weil sie letzten Endes doch wieder anfingen, schärferes Kabarett zu machen, hat das nichts an ihrer grundsätzlichen Haltung zur Sozialdemokratie geändert. Warum hätten sie die Stoßrichtung ändern sollen?
Tja mit Ikonen ist das immer so eine Sache. Willy Brandt war vor meiner Zeit, aber ein Politiker in der Opposition ist unter Umstaenden anders als wenn er an die Regierung kommt. Mit Gerhard Schroeder gab es besagtes Problem ja nicht :D, und auch nicht mit der derzeitigen SPD-Spitze. Wobei die ist so desolat, da hat man fast Mitleid und moechte die nicht satirisch aufs Korn nehmen. Was wiederum bedeutet, gute Satire kann fuer die Zielperson auch ein Adelsschlag sein.
 

Philieb

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Den FUNK schaut wirklich kein Mensch. Und erst recht nicht die Ab-14jährigen Teens für die das ganze ja gemacht sein soll. So wie kaum ein 10-12jähriger den KiKa schaut (sondern Disney, Super RTL, Nickelodeon usw. obwohl es da Werbung gibt).

Die Wahrnehmungsschwelle vom FUNK ist gleich Null. Welche Jugendlichen kennt ihr die dieses Portal schon mal besucht haben? Die jungen Leute holen sich ihre Inhalte an anderer Stelle (Netflix, Amazon, Youtube). Funk ist in der Tat Geldverschwendung, wenn man das dafür eingestellte Einsplus dagegenrechnet. Genauso unnötig wie One. Da wird ja noch mehr ZDF Neo geschaut.

Der Name FUNK ist schon mehr als dämlich für ein Webportal. Wie die ganzen Internetradios die alle unbedingt ein FM im Namen haben müssen.

Der FUNK ist einfach ein hervoragendes Beispiel dafür wie "jung, angesagt und cool" aus der Sicht von irgendwelchen 40-Jährigen aussieht. Völlig weltfremd und fernab der Lebenswirklichkeit einer Zielgruppe die im Zehngeschosser mit Deutschrap und Nachbarskindern von denen 60 Prozent Migrationshintergrund haben, aufwächst. Der FUNK bietet ja nicht mal türkische Untertitelung.

Matze, tut mir leid für die späte Antwort, scrolle mich gerade erst durch diesen Faden, aber die einzelnen Funk-Formate haben Abrufzahlen von teils Hunderttausenden bis Millionen und fast jedes Video tausende Kommentare. Und YouTube ist zwar der populärste, aber nicht der einzige Ausspielweg.
Viele Grüße
 
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