Die Zukunft des IRT


#1
Nachdem das ZDF im Dezember 2019 seine Beteiligung am IRT gekündigt hat, haben die übrigen Gesellschafter nun nachgezogen, berichtet der NDR:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Auch-ARD-kuendigt-dem-Forschungsinstitut-IRT,irt120.html
Das war völlig an mir vorbeigegangen, und ich verstehe die Entscheidung des ZDF nicht, zumindest aus technischer Sicht ist man als Einzelkämpfer bestimmt nicht besser unterwegs, wenn gemeinsame einheitliche Standards elementar für die Programmverbreitung der Zukunft sind.
 
#2
Das ZDF argumentiert, Innovationen kämen inzwischen aus der reinen IT-Ecke.
In Sachen 5G mögen die Mainzelmännchen recht haben,
aber ihr Rückzug (bereits Anfang Dezember angekündigt) wird rein rundfunktechnische Forschung künftig behindern. Daher ist unverständlich, warum die ARD-Anstalten jetzt nachziehen...
 
#7
Der Rückzug vom IRT ist Folge von Entscheidungen, die durch Abteilungsleiter mit reduzierter Sach- u. Fachkompetenz gefällt werden.
Grund: Auch im ÖRR werden Leitungsposten immer mehr mit Personen besetzt, die in ihren Arbeits- bzw. Anstellungsverträgen in €uro definierte Einsparungen als Ziel vorgegeben bekommen. Damit diese Ziele erreicht werden können, sind Qualifikationen aus dem Ingenieurwesen nur noch gefragt, wenn Wirtschaft bzw. BWL Schwerpunkt des Studiums waren.
Anspruchsvolle Qualität in Bild- u. Ton können die technischen Abteilungen nur noch bereitstellen, wenn die Einkäufer ein glückliches Händchen bei der Vergabe von Projektaufträgen an möglichst kompetente Systemhäuser haben. Mit überwiegend wirtschaftlich orientierten technischen Direktoren bei den ÖR werden solche Auftragsvergaben immer seltener.
Dass IRT-Studien u. -Regelwerke schon seit Jahren an Bedeutung verlieren ist u.a. auch der Globalisierung und der damit verbundenen Aufwertung von Spezifikatioen der SMPTE und anderer int. Organisationen geschuldet.
 
Zuletzt bearbeitet:
#12
Entspricht doch auch der Realität. Alles Netzwerk, alles "trimedial", klassischen Rundfunk künftig bitte am besten nur noch via IP ausliefern. Dazu dann Rechenzentrums-Manager ohne Radioseele in rundfunktechnischen Abteilungsleiterposten.
Naja, dass sich die Technik immer mehr in Richtung IP und Netzwerk entwickelt, ist ja erstmal nichts Schlimmes, schließlich hat man in früheren Zeiten die Audioaufzeichnung auf Stahldraht oder in Wachsschichten auch irgendwann überwunden. Insofern ist es ja naheliegend, dass geschaut wird, in welcher Form neue Technologien im Broadcastumfeld genutzt werden können.
Und gerade hier wäre nach meiner Auffassung das IRT dingend notwendig, um den Wildwuchs unterschiedlichster Ansätze einzudämmen und Erfahrungen gemeinsam nutzbar zu machen. So hatte ich deren Aufgabe bislang auch immer interpretiert.
Gerade im derzeit viel propagierten ARD Strukturreformprozess könnte man somit endlich mal glaubhaft beginnen, Workflows und technische Prozesse von vornherein zu vereinheitlichen. Als Geldgeber könnte man konkrete Forschungsaufgaben auch vorgeben, anstatt Dinge zu finanzieren, die eher akademisch sind. Aber scheinbar ist die Generalaussage der ARD: "Wir sind Eins", zumindest diesbezüglich eine Worthülse, schade!

Wem es wichtig erscheint:
https://weact.campact.de/petitions/das-institut-fur-rundfunktechnik-muss-erhalten-bleiben

Beste Grüße, Björn
 
Oben