Diskussion im DLF: Radio nur noch Begleitmedium?


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#1
#2
Den ö.-r. Qualitätsanspruch im Tagesprogramm kann man knicken. Die ÖR-Intendanten geben vor, die Musikauswahl auf Einschaltquoten zu 'optimieren'.
Was ich nun wiederum sehr interessant finde, denn ein munterer Meinungsaustausch an anderer Stelle brachte eigentlich das Ergebnis, daß der Wunsch der Hörer in eine völlig andere Richtung geht.

Gruß
Skywise
 
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#5
Zitat von deutschlandfunk.de:
Gesprächsgäste:

  • Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Direktorin der Abteilung Musik am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt/M.
  • Anja Caspary, Musik-Chefin von rbb radio eins
  • Tom Petersen, stellv. Musik-Chef von WDR 4
  • Jörg Heidemann, Geschäftsführer des Verbandes unabhängiger Musikunternehmen (VUT)
  • Nicolas Ruth, wiss. Mitarbeiter am Institut Mensch-Computer-Medien an der Universität Würzburg
Tom Petersen, so so... :rolleyes:
 
#6
Wie prägt Radio den Musikgeschmack? Kernaussage der Radiomacher: Radio ist Begleitmedium. Den ö.-r. Qualitätsanspruch im Tagesprogramm kann man knicken. Die ÖR-Intendanten geben vor, die Musikauswahl auf Einschaltquoten zu 'optimieren'. - Raus kommen Kopien der Privatfunker.
Dieser Expertendiskussion hätte es eigentlich nicht bedurft. Es hätte gereicht, mal die letzten zwei oder drei Jahre der Diskussionen hier in den Radiuoforen zu exzerpieren. Dann wäre man zu den gleichen Schlussfolgerungen gekommen.
 
#7
Ich habe die Sendung nun in der Mediathek nachgehört und der Erkenntnisgewinn war eher gering.
Es wurden eher Vorurteile bestätigt. Mein Fazit:

Frau Caspary von radioeins wirkte auf mich jedenfalls wie eine Radiofrau, die viel Liebe für Musik außerhalb der Charts in sich trägt.
Herr Petersen wirkte auf mich wie ein Verwalter der Hot Rotation und Hörerumfragen, ohne jede Emotion für Musik.
Die beiden "Wissenschaftler" waren für die Diskussion so überflüssig wie David Guetta .
 
#10
Und die Kinder von Anja Caspary - beide im Jugendradio-Alter - hören kein Radio, sondern nutzen Streaming-Dienste, Youtube etc. Da haben die "langen Rillen zum Stillen" zumindest keinen direkten Zugang vermitteln können...
 
#15
Anja Caspary: "Wir suchen die Musik anhand unseres persönlichen Geschmacks aus.". Darauf Tom Petersen: "Das würde ich auch gerne!". Anja Caspary: "Warum machen Sie's dann nicht?".
natürlich - weil Tom genau das nicht darf

... denn schließlich möchte Jochen Rausch auf jeder der Popularwellen "seine" Lieblingshits hören - deshalb müssen auf 1Live + WDR 2 + WDR 4 immer die selben Lieblingshits laufen
 
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#16
Kurzzeit-Begleitmedium höchstens. Der "Homo Multimediensis" hat so viele Ablenkungs- und Informationsmöglichkeiten, da ist die deutsche UKW-Einöde nur noch ein Anhängsel.
 
#17
Also ist der Hörfunk in DE nicht mehr reformierbar? Ausweglos? Klappe zu, Affe tot?

Das mag für die Dudelsender gelten, um die es hier ja geht. Dagegen sehe ich in neuerer Zeit bei den Kulturwellen zunehmend Bewegung bei der Verbindung von laufendem („linearem“) Programm mit Online. Nehmen wir das Hörspiel- und Feature-Angebot: Fast jeder Sender bietet mittlerweile seine Sendungen zum Download an, teils sogar mit einem umfangreichen Archiv – am meisten beim BR im Hörspielpool, aber sogar der SR hat das jetzt im Angebot, nur beim hr ist derzeit insofern (noch?) Fehlanzeige. Das ist eine willkommene Abkehr vom Depublizieren, die wohl gerne geduldet wird, weil es kein kommerzielles Konkurrenzprogramm gibt. Sehr, sehr gut. Da ginge noch mehr. Das Radio-Festival steht je wieder bevor. Mal sehen.
 
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#18
Das Radiofestival? Och nö, geht das auch schon wieder los. Habe ich bislang wohl erfolgreich verdrängt. :thumbsdown:

Sicher wird es dort auch wieder manch interessante Produktion zu hören geben. Das egalisiert mir dennoch nicht die acht Wochen lang zwangsverordnete Abstinenz von manch lieb gewonnener Abendsendung in den Kulturprogrammen der ARD.
 
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#19
Da hast du wahr, Redakteur - das nervt mich schon lange. Dafür geht wieder manche Spartensendung den Bach runter, wie der Jazz auf WDR 3. Gut, es wird ja auch wieder September...
 
#20
Also ist der Hörfunk in DE nicht mehr reformierbar? Ausweglos? Klappe zu, Affe tot?

Das mag für die Dudelsender gelten, um die es hier ja geht. Dagegen sehe ich in neuerer Zeit bei den Kulturwellen zunehmend Bewegung bei der Verbindung von laufendem („linearem“) Programm mit Online.
Das mag ja nett sein, aber welche Relevanz haben diese (Hoch-)Kulturwellen? Wen erreichen diese Programme denn wirklich?

Nein, der Hörfunk en gros ist in Deutschland (und nicht nur dort) mausetot. Punkt.
 
#21
Das mag ja nett sein, aber welche Relevanz haben diese (Hoch-)Kulturwellen? Wen erreichen diese Programme denn wirklich?
Eine kleine Elite. Und das ist ein selbst gemachtes Problem; meines Erachtens genau der Fehler, den die öffentlich-rechtlichen Anstalten seit Aufkommen der Privaten gemacht haben: Premiuminhalte sind in Spartenkanäle ausgelagert worden, wo sie ausschließlich die ohnehin interessierte Hörerschaft erreichen, während die anderen Wellen in ein munteres Wettrennen um Quoten und Niveautiefpunkte eingestiegen sind. Wie Radiowaves schon an der ein oder anderen Stelle mit Blick auf den Osten Deutschlands betonte, auch meiner Meinung nach mit eine Ursache für grassierenden Politikverdruss in Deutschland. Um viele Hörer- und Zuschauerschichten zu erreichen, sollten öffentlich-rechtliche Programme eigentlich Brücken schlagen zwischen Kultur, Politik und Unterhaltung. Diese Aufgabe ist zugegebenermaßen nicht einfach, aber verdammte Pflicht für Sender, die im Dienste der Demokratie und der Gesellschaft stehen.
 
#22
Da stimmt ein klassisches Einschaltprogramm in der Chor derjenigen ein, die Einschaltprogramme seit Jahren tot sagen.
Außen vor bleiben die Qualität der Nutzung und die Chancen der hybriden, z.T. zeitversetzten, aber dem Grunde nach fast linearen Nutzung.
Es ist sicherlich zutreffend, dass rein statistisch schätzungsweise 100 mal so viele Leute das Radio als Begleitmedium nutzen. Aber mit dem einen Prozent, das gezielt zuhört (das viele als "Elite" abtuen), erreicht man mit den Inhalten IMHO mehr Gehirne, als über das Begleitmedium.
 
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#23
Um viele Hörer- und Zuschauerschichten zu erreichen, sollten öffentlich-rechtliche Programme eigentlich Brücken schlagen zwischen Kultur, Politik und Unterhaltung. Diese Aufgabe ist zugegebenermaßen nicht einfach, aber verdammte Pflicht für Sender, die im Dienste der Demokratie und der Gesellschaft stehen.
Volle Zustimmung, aber leider ist seit ein paar Jahren ein genau gegenteiliger Trend zu beobachten, nämlich zu separieren, wo es nur geht, und neben den Alibi-Kulturprogrammen ausschließlich auf die Quotenmasse zu schielen und in diesem Zusammenhang die Programme von allen Inhalten zu befreien, die die Hörer auch nur minimalst intellektuell fordern.
 
#25
Ach, was könnte man für luftige, interessante, überraschende Programme machen. Das Potenzial ist doch da. Die Leut', die Themen, die Musik, bis hin zu den Ideen für wirklich gelungene und nicht protzig-überladene Layouts- und: (nanu?) sogar die Hörer...
Und was machen wir? Wir schlabbern uns zu Tode an einer miefig-durchgequirlten Plastik-Einheitssoße quer über die Frequenzskala. So viele könnten es besser, aber wir brechen uns beim Kotau vor dem Format sämtliche Rückenwirbel. So traurig!
 
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