Eifeler Radiotage 2019


#27
Um mich nochmal einzuklinken...

Schalte per 128kbps AAC-LC Mono, vermutlich 48 kHz... da sollte man eigentlich keine schmirgelnden Artefakte in den Höhen hören. Nahezu jedes Ausladsstudio der ARD fährt Korrespondentengespräche so - oder in der Variante AAC-LD bei identischen Parametern, die geringfügig „schlampiger“ codiert, aber eine noch geringere Latenz hat.

Erfahrungswerte (stets bei 48 kHz Abtastrate) sind:
- bei 192 kbps (Mono) ist Mpeg4-AAC in seiner qualitativen Sättigung, mehr Datenrate bringt keinen wahrnehmbaren Qualitätsgewinn
- AAC-LD ist ab 128 kbps Mono akzeptabel, darunter nicht (keine SBR, aber deutliche Artefakte)
- AAC-LC ist bei 128 Mono für Sprache „sauber“, ab 96 kbps akzeptabel, bei 64 kbps noch brauchbar mit Abstrichen (hörbare Artefakte)
- auf AAC-HE (also mit SBR) würde ich nur zurückgreifen, wenn es gar nicht anders geht. Beispiele wären einerseits der MDR, der gerne mal auf diesen Algorithmus besteht - und dann behauptet, es wäre „ARD-Standard“; wenn nur ein „schmaler Kanal“ zur Verfügung steht und man oberhalb 48 kbps gar nicht rauskommt. Dann würde ich das mit 32 oder 24 kHz in 48 kbps AAC-HE rüberprügeln, immer noch besser als Telefon.

Für Stereo-Übertragungen, Ziel UKW-Ausstrahlung empfand ich immer apt-X in 256 kbps bei 32 kHz angenehmer als alle AAC-Varianten, dass macht dann 15 kHz Audiobandbreite. Bei 320 kbps auch 20 kHz Audio.
Ist man im CN unterwegs haben wir‘s übrigens auch mal gerne, wenn die richtigen Freaks an den richtigen Stellen sitzen, zwischen Ausland und Mutterhaus einfach in PCM gemacht - die ARD betreibt dorthin ja häufig auch dedizierte Glasfaserverbindungen. Geht gegenüber dem VBR codierten Bild 1080i/50 und dem restlichen getunnelten Netzwerktraffic im „Grundrauschen“ unter.

Um mal den Schwenk aufs oben erwähnte Fernsehen zu machen, da ja die „LiveU“ erwähnt wurde: Latenzen von 1,2 bis 1,4 Sekunden sind da für Liveübertragungen üblich, wir reden ja auch von 1080i-Bild, also HD, das in üblicherweise 8000-9000 kbps gepresst wird, H.264 oder H.265 encodiert.
Da freut man sich beim Ton über das bisschen Bandbreite, mit dem man schon auskommen kann.
Rückton geht bei so „Fernsehschalten“ übrigens üblicherweise über die gute alte Kombi ANG im Studio —> GSM-Telefon —> Kopfhörerverstärker —> Ohrhörer :)
Das gibt es - samt Akkuspeisung alles in schönen, professionellen Geräten... notfalls kann man aber auch so ein gutes, altes Nokia aus den 90ern und einen externen Kopfhörerverstärker nehmen, den man dann an den Headset-Abschluss des Telefons asymmetrisch anschließt und den Mikrofonpin freilässt. Hat den Vorteil, dass die Mobiltelefone von damals noch knapp ne Woche mit einer Akkuladung gehalten haben.

Irgendwelche Codecs fernab von G711 für den Rückton zu verwenden ist wenig sinnvoll, es sei denn, man hat sowieso eine Videorückleitung mit entsprechend vielen eingebetteten Tonspuren, dann kann man auch eine davon nutzen. Es geht ja schlicht darum Sprache verständlich auf einem möglichst „unsichtbaren“ Ohrhörer mit dadurch meist bescheidenem Wirkungsgrad (und gerne viel „dämpfendem Schmalz“ drin) zu übertragen. Dafür reichen knapp 8 kHz Audiobandbreite und man muss sich nicht freiwillig weitere Fehlerquellen aufhalsen...
 
#28
Da kann ich mich @Ralle_Köln mit meinen Erfahrungswerten anschließen - und erkenne meinerseits einen gewissen Freak-Faktor ;)
AAC-HE ist oft Mittel der Wahl wenn per MuPro (also Smartphone-App via WLAN/LTE/3G) geschaltet wird, um nicht zu sehr auf Kante zu nähen wenn die Mobilfunk-Datenrate nicht über Kellerniveau kommt. Dann geht auch unterhalb von 3G noch was.
Der selige 4SB-ADPCM Codec stirbt leider konsequent aus, der hinsichtlich Latenz und Audioqualität eine sichere Bank ist. Ausgerechnet die Prontonet-Geräte, die inzwischen weit verbreitet sind und ansonsten mit allem und jedem sich verbinden, können den nicht.

Und noch kurz zum mobilen Buntfernsehen: wir haben zwei LiveU Varianten im Einsatz, die eine komplett mobil(funkend) als Rucksack, die andere in einem HF+FS-Sat-Reporterwagen der via LTE und KA-Sat (Media Broadcast Newsspotter, Datenfunk) senden kann. Letzteres ohne die prinzipbedingten Nachteile von LTE.
Als Delay via LTE hat sich ein Wert zwischen 1,8 und 3 Sekunden als optimal erwiesen, niedrigere Zeiten haben verlässlich zu Bildartefakten und Abbrüchen geführt. Via KA-Sat gehts kürzer.
Rückton mobil N-1 -> ANG -> Reporterhandy; beim Sat-Reporterwagen entweder GSM-Bordtelefon oder SIP-Codec via LTE, beides über das Tonpult und eine Sennheiser-Funkstrecke zum Reporter.
 
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