FDP Niedersachsen will Aus für DAB+


Für 112kbps nimmt man kein HE-AAC mehr. LC AAC ist vollkommen in Ordnung.
Der MDR hat MDR Klassik mit 112 kbps LC-AAC laufen - bei 32 kHz Samplerate. Für meine Ohren, wenn ich mal im Sendegebiet bin, das einzige qualitativ brauchbare Programm des MDR auf DAB. Somit hast Du Recht: das kann ordentlich klingen - und mit den Artefakten von HE-AAC habe ich auch meine ganz besonderen Probleme.

Aber: da sind ja noch genug Empfangsgeräte im Einsatz, die unterhalb 128 kbps bei LC-AAC grauenvoll mies klingen, eher wie 32 kbps oder irgendwas in diesem Bereich. Und die Besitzer dieser Geräte will man ja auch nicht unbedingt komplett vergraulen. Also ist recht häufig bei 112 kbps noch HE-AAC im Einsatz: DLF Kultur (war einst kurzzeitig auf LC-AAC), 89.0RTL, 89.0RTL InTheMix, SWR BaWü. Im Saarland sind laut UKWTV-Datenbank sogar 120 kbps HE-AAC in Nutzung.

Bei der Gelegenheit gerade gesehen: der hr hat offenbar aufgebohrt und bietet jetzt auch bei den Popwellen 136 kbps LC-AAC an. Das ist ja unglaublich. Da zeigt eine Anstalt, was geht - wenn man den Platz dafür hat.

Was z. B. bedeutet "112kbps"? - Signal digital kastriert, qualitativ schlechter als UKW-analog?
DAB ist immer "digital kastriert", genau wie MP3, wie der Ton des digitalen Fernsehens, wie (fast) alle Livestreams, die man im Internet findet - und oft auch wie die Tonzuführung vom Rundfunkstudio zum analogen UKW-Sender. Auch im Funkhaus wird noch immer oft "digital kastriert" gespeichert - außer im Langzeitarchiv.

Die Frage ist immer mit welchem Verfahren "kastriert" wird und mit welcher Datenrate. Ein MPEG 1 Layer II mit 384 kbps (rundfunkintern oft im Speicher, aus dem das Programm (Musik, vorproduzierte Beiträge) gefahren wird, ist wie gehört nahezu "unauffällig". Man nennt das "transparent" - die prinzipbedingt vorhandenen Kollateralschäden sind so gering, dass es nichtmal Profis auffällt, auch unter guten Abhörbedingungen nicht.

Die 320 kbps MPEG 1 Layer II bei der ARD via Satellit und in nicht-Vodafone-Kabelnetzen sind auch letztlich transparent. Die 256 kbps Layer II vom DLF auf Satellit sind normalerweise auch nicht bis kaum als "kastriert" erkennbar. 192 kbps Layer II können bereits deutlich erkennbar sein, müssen es aber nicht. Hängt vom Codec (das Gerät oder die Software, die die "Kastration" vornimmt ab), hängt vom gesendeten Programminhalt ab. 160 kbps Layer II sind oft sofort deutlich zu erkennen, 128 kbps erst recht. Unterhalb ist es in Stereo nur noch "Körperverletzung".

DAB alt (ohne "+") hatte MPEG 1 Layer II. Von der angegebenen Bitrate (ursprünglich 192 kbps) ging noch ein kleinwenig für die Textanzeige etc. drauf, es blieben dann so 190 kbps - also fast genausoviel für den Ton. Hätte man damals Slideshows übertragen, wäre deren Bitrate (2 kbps, 4 kbps oder vielleicht höchstens 8 kbps) auch noch davon abzuziehen gewesen. Geblieben wären vielleicht 185 kbps reine Audiodaten - ok.

Bei MP3 - im Rundfunk nur für Streams gebräuchlich und wenn nichts anderes vorhanden als Codec in Reportergeräten - ist etwas besser und schafft mit gutem Codec eine "unhörbare Kastration" auch teils noch bei 192 kbps. Bayern 2 hat einzelne Sendungen als 224er MP3 - die halte ich für vergleichbar mit den 320 kbps Layer II von DVB.

DAB+ läuft mit dem effizienteren Codec AAC. Im DAB-Standard sind LC-AAC und HE-AAC erlaubt, letzteres auch noch mit Tricksereien bei Stereo ("PS") für niedrigere Bitraten.

LC-AAC mit 112 kbps würde z.B. heißen Bruttodatenrate ist 112 kBit/s. Da da bei DAB+ nochmals eine zweite Stufe Fehlerkorrektur drauf sitzt für stabileren Empfang, bleiben an Nettodaten dann ca. 101 kbps übrig. Davon gehen heute durch die Slideshows gerne mal noch ca. 6-8 kbps ab, manchmal sogar mehr. Reine Audio-Nettodaten hat man damit bei ca. 92-95 kbps. Und das ist auch für den AAC-Codec schon recht grenzwertig, zumal er nicht optimal arbeiten kann, da sein Daten-Output in das "Datenkorsett" von DAB gespresst werden muss.

Für Bitraten unter 100 kbps brutto wird es für LC-AAC dann endgültig zu knapp. Die Codecs reduzieren dann die Höhen, übertragen also nur noch bis vielleicht 12 kHz - es wird hörbar dumpf. Damit vermeiden sie andere noch lästigere Kollateralschäden. Deshalb nimmt man unter 100 kbps brutto gerne HE-AAC. Dabei werden die Höhen eisekalt "gefaked". Spätestens ab 1/4 der Abtastrate (meist beträgt diese 48 kHz, also spätestens ab knapp 12 kHz) sind die Höhen im Empfänger ausgerechnet aus dem Frequenzspektrum unterhalb dieser Grenze. Dafür nimmt man sich bestimmte Eigenschaften der meisten Klänge zu Nutze. Da das natürlich nicht der Wahrheit entspricht, wird eine Art "Korrektursignal" mit übertragen, in dem die Abweichungen zum Original irgendwie signalisiert werden. Das Korrektursignal braucht weniger Bitrate als es die Übertragung des vollwertigen Signals bräuchte.

HE-AAC erlaubt auch bei Bitraten bis 64 oder gar 56 kbps brutto (nach Abzug von allem dann ca. 50 - 42 kbps netto) einen vollen Frequenzgang - es klingt also nicht dumpf. Dafür sind die Kollateralschäden grausig: ein rauher, kratziger, Sound mit völlig unnatürlichen Höhen. Sprache klingt dann irgendwie nach Sprachsynthese.

Und leider ist DAB+ meist eher so und eben nicht gut. Durchgängig 112 kbps LC-AAC bei wenig Slideshow-Datenrate und ausschließlich Empfangsgeräten, die das fehlerfrei wiedergeben können, wäre vermutlich in vielen Situationen besser als UKW, denn UKW würde das unvermeidliche analoge Rauschen zeigen zumindest bei Kulturwellen an leisen Stellen.

Gegen perfekten UKW-Empfang (gute UKW-Antenne auf den sehr gut empfangbaren Sender gerichtet, keine Störungen durch Nachbarsender, Signalstärke perfekt auf den verwendeten Tuner angepasst, guter UKW-Tuner) braucht es schon bei heutigen Slideshow-Datenraten von mindestens 128 kbps, um klanglich gegen UKW antreten zu können. Das UKW-Rauschen bekommt man unter den genannten Bedingungen auf einen Wert, der im Alltag irrelevant ist. Sobald der UKW-Empfang nicht perfekt ist und deutliche Beeinträchtigungen (Rauschen, Zwitschern, ...) aufweist, gewinnt DAB+ auch bei etwas niedrigeren Bitraten, vielleicht bis zu 112 kbps LC-AAC, zur Not noch bis 96 kbps HE-AAC. HE-AAC bei noch niedrigeren Bitraten hat gegen UKW nur dann eine Chance, wenn der UKW-Empfang wirklich beeinträchtigt ist. Dann überwiegt das störende UKW-Rauschen die ekligen Unnatürlichkeiten von HE-AAC.

Besonders kritisch sind Hintereinanderschaltungen mehrere "Kastrationen". Man nennt das "kaskadieren". Da kommt der Reporter ins Funkhaus zurück und hatte das Aufnahmegerät draußen wieder mal mit 128 kbps stereo MP3 laufen - klingt schon nicht gut. Dann wird das damit eingefangene Material bearbeitet und geschnitten und der Beitrag (mit den Störungen drin) im Speicher für die Sendung als 384er Layer II abgelegt. Das macht das Signal prinzipbedingt schlechter, allerdings dank der hohen Bitrate nicht wirklich bemerkbar schlechter. Dann geht es durchs Mischpult und danach wird es möglicherweise ein weiteres mal datenreduziert für DAB+ mit niedriger Bitrate. Sowas macht es dann deutlich schlechter.

Diese Datenreduktionen sind psychoakustisch und damit sehr von der Wahrnehmung des einzelnen Menschen abhängig. Genau wie der eine sich miese Youtube-Sounds anhören kann, ohne auch nur irgendwas bewusst zu bemerken und der andere dabei sofort Unbehagen verspürt, ist das auch bei DAB+ und UKW. Lass mal 10 Leute reale Situationen vergleichen - du bekommst vermutlich 10 unterschiedliche Einstufungen.
 
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Dank für die Erklärung!
Diese Datenreduktionen sind psychoakustisch und damit sehr von der Wahrnehmung des einzelnen Menschen abhängig. Genau wie der eine sich miese Youtube-Sounds anhören kann, ohne auch nur irgendwas bewusst zu bemerken und der andere dabei sofort Unbehagen verspürt, ist das auch bei DAB+ und UKW.
In mehreren Forums-Fäden wird diskutiert: "Was kommt nach UKW?" - DAB+ überzeugt nicht so richtig: Übergangstechnologie? - Besser gleich switchen zu Internet-Radio???
FAKT IST die Unsicherheit: "Wann wird der Radio-Ausspielweg via analoge UKW-Ausstrahlung abgeschaltet?"
 
In mehreren Forums-Fäden wird diskutiert: "Was kommt nach UKW?" - DAB+ überzeugt nicht so richtig: Übergangstechnologie? - Besser gleich switchen zu Internet-Radio???
Dann nimm mal Dein Smartphone, wähle den Stream Deines Lieblings-Radioprogramms, und dann ab mit dem Auto durchs Land. Unterschied zu UKW und DAB+: es gibt keine regionalen Grenzen mehr. Antenne Bayern läuft so auch auf der Insel Rügen und die Ostseewelle im Saarland. Aber: wieviel Datenvolumen pro Monat hast Du und wieviel zahlst Du dafür? Ein 128er MP3-Stream (fast alle Öffis) braucht pro Stunde etwa 60 MByte. 2 Stunden Radio am Tag, 30 Tage im Monat sind dann schon 3,6 GByte Daten. Nur fürs Radio. Und: wie stabil ist der Mobilfunkempfang entlang der von Dir gefahrenen Auto-/Bahnstrecken?

Mindestens eines der beiden Kriterien (Datenmenge / Kosten oder Netzabdeckung) schlagen fast überall zu Buche.

Was anderes ist es zu Hause mit DSL-Flat am Draht. Da kommts dann nicht mehr drauf an. Und Streams wie WDR 3 in 320 kbps MP3 oder SWR 2 in 256 kbps MP3 sind von der reinen Übertragungsstrecke her sehr gut. Da kommt kein DAB+ ran, nur BR Klassik mit seinen 144 kbps LC-AAC brutto kommt dem vermutlich nahe. Müsste ich wirklich mal vergleichen. Bin aber nicht im Sendegebiet von BR-DAB. Und hier in Berlin hats als Gast im RBB-Paket nur 96 kbps HE-AAC.

Die anderen ARD-Wellen haben aber nur 128 kbps MP3 als Stream. Kommt gesparter Bandbreite zugute, ist klanglich aber dafür nicht unbedingt was fürs Wohnzimmer.

"Übergangstechnologie" war Mittelwelle auch. Und UKW war / ist es auch - sonst gäbe es ja keinen Nachfolger. Wer ewig nach der "endgültigen" Technologie sucht, darf sich nie für etwas entscheiden.

FAKT IST die Unsicherheit: "Wann wird der Radio-Ausspielweg via analoge UKW-Ausstrahlung abgeschaltet?"
Wenn es nach Niedersachsen geht, ja solange nicht, wie die Mehrheit der Hörer... Wenn es nach der KEF geht, bei den Öffis so schnell wie möglich. Mal sehen, wie sie die Quadratur des Kreises hinbekommen.
 
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Merke: DAB+ verschlimmert laut FDP weiter die Situation der Privatsender, weil darüber (ähnlich der UKW-Abstrahlung) nur eine begrenzte Anzahl von Sendern übertragen werden kann. Mit dem nun favorisierten 5G kann man dagegen faktisch unbegrenzt viele Streams übertragen, welches die Situation der Privatsender dann selbstverständlich verbessert... :wall: Schöne, skurille Welt der FDP....
Das ist das, was mich wirklich ärgert an der Sache, dass die FDP - wie sie oft - nicht mit offenem Visier agiert, sondern andere Gründe vorgibt als die, die sie wirklich leiten.

Wenn DAB+ jetzt doch noch abgewürgt werden sollte, würden davon kurzfristig Privatsender profitieren - aber eben nicht die neuen, die für neuen Schwung und Wettbewerb sorgen, und denen Mal so eben die Geschäftsgrundlage entzogen werden würde - sondern die traditionellen UKW-Platzhirsche. Mit 5G hat das ganze gar nichts zu tun.

Man stärkt die Großen auf Kosten der Kleinen und schwächt hierfür sogar die öffentliche, frei zugängliche Infrastruktur. Für die FDP mag das ihr Markenkern sein - für den Rest der Parteien ist es eine Schande.
 
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wähle den Stream Deines Lieblings-Radioprogramms, und dann ab mit dem Auto durchs Land. Unterschied zu UKW und DAB+: es gibt keine regionalen Grenzen mehr.
Das setzt voraus, dass es wirklich ein "Lieblings-Radioprogramm" gibt. Die Realität jedoch sieht so aus, dass es völlig wurscht ist, welchen Sender man in welchem Bundesland empfängt, weil alle mehr oder weniger das Gleiche spielen.
 
Qualitätsarbeit von Markus Weidner. Der weiß ja auch nicht nur seit Anbeginn, worum es geht. Der hat auch die nötige Erfahrung als Intensivnutzer aller Rundfunk-Empfangswege. Und die Mobiltelefonsammlung (alle aktiv mit SIM!), die er dereinst mal bei einem Stammtisch in einem Lokal unterhalb der S-Bahn nahe Bellevue abends auf dem Tisch ausbreitete, war für mich nahezu beängstigend. Auch da weiß er, was läuft. Kann mir nicht vorstellen, dass sich das in der Zwischenzeit geändert haben sollte. Hättense in NDS vielleicht mal solche Profis ranlassen sollen anstelle der "Profis" der FDP.

Profis? FDP? Hatten wir das nicht letztens schonmal?
 
Das setzt voraus, dass es wirklich ein "Lieblings-Radioprogramm" gibt. Die Realität jedoch sieht so aus, dass es völlig wurscht ist, welchen Sender man in welchem Bundesland empfängt, weil alle mehr oder weniger das Gleiche spielen.
Kannst ja gerade beim Internetradio alle auf FDP-Rückenwind und "UKW only" hoffenden Privatradios durch Missachtung strafen und souverän irgendwas anderes wählen. Sowas vielleicht: https://www.kexp.org oder https://www.byte.fm oder https://detektor.fm oder https://fm4shoutcast.sf.apa.at oder ... was von hier vielleicht https://www.wqxr.org/streams/ oder ... (ich bin da nicht allzu fit, was Streams angeht). Hier http://dg-br-http-fra-dtag-cdn.cast.addradio.de/br/br2/sued/mp3/128/stream.mp3 ist PeterLicht gerade auf dem Sonnendeck. Und nun ein zumindest für mich hochinteressanter langer Beitrag über die ökologischen Folgen von Wasserkraftanlagen in "radiowissen".

Das Problem der Netzabdeckung bleibt aber.
 
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Man stärkt die Großen auf Kosten der Kleinen und schwächt hierfür sogar die öffentliche, frei zugängliche Infrastruktur. Für die FDP mag das ihr Markenkern sein - für den Rest der Parteien ist es eine Schande.
Fehlt eigentlich nur noch eine von der FDP initiierte Steuersenkung für Privatsender. Dafür gibt es dann eine ordentliche Parteispende und alle sind zufrieden.
 
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Wir sollten uns nichts vormachen, DAB+ hat Schwächen und ein paar Stärken - so wie jeder Empfangsweg. Die Anmutung von DAB+ für Durchschnittshörer ist abschreckend. Es ist eben nicht das "Überall-Radio", als das es mal beworben wurde. Mein Beispiel ist die Bahnverbindung Berlin - Eberswalde. In vielen RE3 kommt DAB+ gar nicht durch, das liegt auch an der Bauweise der Züge. Hier mal die Hitliste der Empfangsschwächen auf dieser Strecke (ca. 60km ab Berlin Hbf): DAB+ hat als erstes Aussetzer, oft noch innerhalb Berlins. UKW zischelt ab Bernau. Mobil: zwei kleinere Aussetzer um Biesenthal und Melchow.
Mein mobiles DAB+-Gerät liegt meistens unbenutzt herum.

Meine DAB+-Euphorie von vor ein paar Jahren weicht einer immer größer werdenden Ernüchterung, weil die Kinderkrankheiten langsam ins Alter der Pubertät kommen.
Habe es gestern wieder genossen, aussetzerfrei von Teltow bis zum Prenzlauer Berg Angel Radio zu hören - und das bei reduziertem Datenvolumen auf einer S-Bahn-Strecke, die größtenteils im Tunnel verläuft. http://t24k.mooo.com/index.php und die App dazu - und schon kann man alles hören, was das Internet so bietet. Selbst getestet, es funktioniert auch bei 2G - und die Klangqualität erachte ich immer noch als brauchbar.

In gewisser Weise verstehe ich das Ansinnen der FDP, auch wenn es für die Entwicklung von echter Vielfalt im terrestrischen Radio kontraproduktiv ist.
 
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Es ist doch schön, wenn die Rundfunkverbände einer Meinung sind. Oder auch nicht. Punkt.

Pressemitteilung der APR:

Stellungnahme zum einem Beschluss des niedersächsischen Landtages.

21. Juni 2019

Die Zukunft des Hörfunks liegt darin, dass er für das Publikum attraktive Angebote auf allen technischen Wegen anbietet, mit denen er seine Zielgruppe erreicht. Mit dieser Feststellung reagiert der Geschäftsführer der APR, Stephan Ory, auf die Diskussion im Anschluss an den Beschluss des niedersächsischen Landtages vom 20. Juni 2019. Darin wird die Landesregierung in Hannover unter anderem aufgefordert, sich innerhalb des Systems von Rundfunkauftrag und -finanzierung für eine Beendigung von DAB+ zugunsten des Aufbaus zukunftsoffener Technologien, wie z. B. des 5-G-Standards, einzusetzen.

Soweit damit die Verwendung des Rundfunkbeitrags angesprochen wird, ist das das eine. Soweit damit eine Stellungnahme zu einer Medientechnologie für eine digitale Radiozukunft beider Teile des dualen Hörfunks bezweckt ist, weist die APR darauf hin, dass Mitglieder des Verbandes in den zurückliegenden Jahren in DAB+ investiert haben und neue Programme auf diesem Vertriebsweg anbieten. "Es steht dem Gesetzgeber nicht zu, für diese Programme den Vertriebsweg abzuschalten", so Ory. Damit knüpft er an ein Argument an, dass die APR bislang und auch in Zukunft in gleicher Weise für UKW verwendet. "Ein Verband hat die Aufgabe, technologieneutral alle Vertriebswege offenzuhalten, auf denen einzelne seiner Mitglieder im inhaltlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb zueinander eine Weiterentwicklung ihrer Angebote für richtig halten. Auf welche Technologie ein einzelnes Unternehmen für sich setzt, wird weder vom Verband vorgegeben, noch ist das Aufgabe der Politik", resümiert der APR-Geschäftsführer.

"Die Verantwortlichen in den Stationen denken ausgehend von inhaltlichen Angeboten und dem Rezeptionsverhalten ihrer Hörer über die Zukunft des Radios und den Mix von zur Verfügung stehenden Vertriebswegen sehr viel differenzierter nach, als das von der Politik wahrgenommen wird", so der APR-Geschäftsführer abschließend.

Die APR vertritt die Interessen von Anbietern elektronischer Medien aus dem Bereich Radio, Telemedien und Lokal-TV. Sie wurde 1990 gegründet und vertritt 290 Unternehmen.
 
Bleibt zu hoffen, dass das Vorpreschen von Niedersachsen bundesweit zum Gegenteil führt: massiver Ausbau von DAB+, verbindliche Mindeststandards für die Datenraten, mehr Bedeckungen als bislang (es sind weitaus mehr einst koordiniert worden meines Wissens nach), konsequente Nutzung regionaler Muxe zum Abbilden der Regionalisierung sowohl der Privaten als auch mancher Öffis, wo es sinnvoll ist Nutzung gemeinsamer Muxe für Private und Öffis statt sinnlosem aneinander-vorbei-koordinieren (Mitteldeutschland!) mit massiver CU-Verschwendung durch parallel laufende Regios. Dafür auch verpflichtend mit allen regional von UKW bekannten Programmen - und auch weiterhin entsprechender finanzieller Abfederung der Betriebskosten.

Die Aktivitäten in Niedersachsen sollten endlich der "Arschtritt" sein, dass sich mal was qualitativ und quantitativ in die richtige Richtung bewegt. Die Finanzierung sollte nicht unter dem Aspekt der öffentlich-rechtlichen Gebühren gesehen werden, sondern unabhängig vom Programmanbieter-Status als Finanzierung in ein robustes, nicht rückkanal-bedürftiges Rundfunksystem. Die Beibehaltung der UKW-Ausstrahlung sollte nicht an ein Datum, sondern an eine Geräteausstattung gekoppelt werden. DAB-Empfänger stehen jetzt in jedem Elektromarkt reihenweise, erst jetzt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Neukäufe fast automatisch DAB-tauglich sind.

Ja - alles unausgegorene Vorschläge. Und damit auf einem Niveau wie vieles in "Phase null" von Entwicklungen.
 
OK, rein formal ist das kein Widerspruch, denn der zitierte Artikel betrifft die lizenzrechtliche Zuweisung, der Beschluss des niedersächsischen Landtags die Finanzierung durch Rundfunkgebühren. Das heißt, im hypothetischen Fall, dass der niedersächsische Beschluss geltendes Recht werden sollte, wäre das Deutschlandradio - unter Umständen - gezwungen, sich aus dem Bundesmux ganz oder teilweise zurückzuziehen, die Plätze gingen dann an den Privatfunk.

Wäre extremst schade um die Deutschlandradios, aber eine lustige Ironie, wenn die FDP auf diese Weise den UKW-Platzhirschen, die sie ja über Bande schützen möchte, auf diese Weise zusätzliche Konkurrenz beschert.
 
Die FDP soll sich mal um andere politische Themen kümmern. Nur weil ein paar Politiker in Niedersachsen anscheinend kein anderes Thema finden soll das gesamte DAB+ Projekt beendet werden, Frechheit!!!!
Das Thema DAB+sollen die mal besser den Profis überlassen, würde ich sagen;)
 
Dank für die Erklärung!

In mehreren Forums-Fäden wird diskutiert: "Was kommt nach UKW?" - DAB+ überzeugt nicht so richtig: Übergangstechnologie? - Besser gleich switchen zu Internet-Radio???
FAKT IST die Unsicherheit: "Wann wird der Radio-Ausspielweg via analoge UKW-Ausstrahlung abgeschaltet?"
Es wird vermutlich so laufen, wer richtiges Radio hören will, tut dies via IP (quasi analog zu Netflix und Konsorten im Film/Serien/TV-Bereich) und wer sich bedudeln lassen will, bleibt bei UKW, das sicher noch lange existieren wird.
 
wäre das Deutschlandradio - unter Umständen - gezwungen, sich aus dem Bundesmux ganz oder teilweise zurückzuziehen, die Plätze gingen dann an den
Da haben aber die anderen 15 Bunsesländer deren Gesamtfläche viel grösser ist sicher noch Mitspracherecht. Gerade in Bayern sind beide DLFs nur unzureichend auf UKW versorgt. Mit DAB+ kann man sie mittlerweile zu 95 im Freistaat flächendeckend empfangen. Und da der DLF sehr an DAB+ festhält wird es da denk ich mal auch keinen Ausstieg geben.
 
Unabhängig von DAB+ zeigt diese Geschichte doch nur, wie korrumpierbar Politik in Deutschland ist. Selbst die Grünen und die AfD. Erbärmlich. Und es zeigt, wenn man tiefer blickt in die Szenerie (also die Verbindung bestimmter GFs, bestimmter Politiker und einen bestimmten Personen im Verbandsbereich- damit meine ich nicht den VAUNET, sondern einen Landesverband...), dass man um die Region Hannover nur einen großen Bogen machen sollte. Es sind genau diese Verhältnisse und Seilschaften des Establishments, die unsere Demokratie zerstören. Widerlich. Wie gesagt, völlig unabhängig von DAB+.
 
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Unabhängig von DAB+ zeigt diese Geschichte doch nur, wie korrumpierbar Politik in Deutschland ist.
Nein, das zeigt es nicht. Es zeigt aber, daß sich Abgeordnete oft kein bisschen mit dem jeweiligen Gegenstand der Abstimmung beschäftigt haben bzw. überhaupt dazu in der Lage sind (es geht ja oft um hunderte Seiten Papier, die eigentlich gelesen und verstanden werden müssten). Da folgt der Abgeordnete dann der Einfachheit halber einer Empfehlung der Vorturner.
Das gilt ausdrücklich *nicht* für die FDP: die ist eine korrumpierbare Klientelpartei, siehe Mövenpick.
Und die ganzen genannten Einwände beweisen sehr klar, daß die Anti-DAB-Lobby gute Lobbyarbeit geleistet hat und die Pro-DAB-Lobby komplett gepennt hat - sofern es eine solche in Niedersachsen überhaupt gibt.
 
wer richtiges Radio hören will, tut dies via IP (quasi analog zu Netflix und Konsorten im Film/Serien/TV-Bereich) und wer sich bedudeln lassen will, bleibt bei UKW, das sicher noch lange existieren wird.
So streng getrennt ist das bislang nicht. Wo es empfangstechnisch gut möglich ist, bietet auch UKW teils ordentliches Programm jenseits von Dudel - und das oft in besser Audioquaöität, als es derzeit die meisten Streams ermöglichen würden. Programme wie Bayern 2, BR Klassik, SWR 2, WDR 3, WDR 5, hr2, NDR Info, die ARD-Infowellen etc. sind ja nun nicht unbedingt "Dudel", aber im jeweiligen Sendegebiet glücklicherweise auf UKW.

@iro: ich möchte da widersprechen. Ich halte fast jeden Menschen für korrumpierbar. Die "Anreizschwelle" und die Art des Anreizes mögen hochgradig unterschiedlich sein, aber Verlockungen sind für fast jeden Menschen verlockend. Da muss man schon psychisch seine Hausaufgaben sehr gut gemacht haben, um davon frei zu sein.

Aber ich stimme Dir zu: das große Abnicken im Parlament beruht vermutlich auf Ahnungslosigkeit gepaart mit Erleichterung, dass andere schon fachlich das Thema gut aufbereitet haben mögen und man damit was revolutionäres entscheiden kann, ohne sich selbst um Ansinnen und Konsequenzen kümmern zu müssen.
 
Irgendwie wird man außerhalb Bayerns mit DAB+ nicht wirklich warm.

Wenn ich die A9 entlang von Nord- nach Südbayern fahre, was öfter vorkommt, habe ich nach meiner Beobachtung nur zwei Stellen, an denen mein Autoradio für ca. eine halbe Minute automatisiert auf UKW umschalten muss, da das DAB+ Signal verloren geht. Das finde ich hervorragend, und wenn man bedenkt, dass der BR sein Netz noch weiter ausbauen will, kann es nicht mehr lange dauern, bis eine solche Umschaltung gar nicht mehr nötig ist.

Dann jedoch bin ich letzte Woche einmal quer durch Deutschland gefahren (von Nürnberg nach Hamburg).
Ich verlasse also Bayern, und: Abgründe tun sich auf!
Während bei hr3 gefühlt alle 5 Minuten auf UKW ausgewichen werden muss, was aufgrund der guten Programmierung meines Radios kaum hörbar ist, funktioniert beim NDR die automatische Umschaltung nicht einmal. Wird das DAB+ Signal zu schwach, herrscht einfach Stille. Wenn man manuell auf UKW umschaltet, hat man störungsfreien Empfang. Ich weiß nicht, ob hier ein Problem bei der Regionalisierung von NDR 2 vorliegt (NDR2-NDS gegenüber NDR2-HH) und das einen Konflikt zwischen UKW und DAB+ ergibt, aber beim BR funktioniert das mit Bayern 1 doch auch. Dort kann ich sogar in München das abgespeicherte DAB+ Programm "Bayern1 Franken" auswählen und es wird binnen Sekunden automatisch auf "Bayern 1 Oberbayern" umgeschaltet, oder eben direkt auf UKW, auch wenn dort gerade, z.B. zwischen 12:00Uhr und 13:00Uhr, die Regionalisierung stattfindet.
Beim NDR war das DAB+ Signal jedenfalls entlang der A7 über weite Strecken "mehr weg, als da".
Daher habe ich irgendwann genervt dauerhaft UKW gewählt.

Ich glaube, dass, wenn der Ausbau im restlichen Teil Deutschlands so vorangetrieben würde, wie in Bayern, DAB+ auch dort eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung hätte.
Niedersachsen ist hierbei leider ein großes Negativbeispiel. Nicht nur wegen der mangelhaften Verbreitung des NDR, sondern auch weil große landesweite private Programme (ffn, Antenne) auf DAB+ ganz fehlen.

In Bayern werben sogar die Privatprogramme seit der Einführung von DAB+ nachdrücklich dafür.
Und ich kenne jetzt kein Programm, dessen Sendegebiet sich durch ausschließliche Verbreitung über DAB+ verkleinern würde. Gerade die kleinen lokalen und regionalen Stationen profitieren davon.

Wenn sich also in Niedersachsen die privaten Anbieter völlig sträuben, und der NDR den Ausbau nur halbherzig durchführt oder sogar vernachlässigt, dann braucht man sich nicht wundern, dass irgendwann die Existenzberechtigung von DAB+ infrage gestellt wird.

Ich sehe hier klar die Veranstalter, sowohl den NDR, als auch private, in der Pflicht, auf den DAB-Zug aufzuspringen, anstatt rückwärts gewandt an UKW festzuhalten.
Denn eines ist klar: Wenn jetzt einzelne Länder aus der DAB+ Verbreitung aussteigen, während andere daran festhalten, und dazu vielleicht auch noch UKW abschalten, ergibt das einen großen Flickenteppich, bei dem am Ende niemand mehr durchblickt.

Der eine Verbreitungsweg kann nicht neben dem anderen bestehen. Die Kosten für diesen Simulcast sind auf Dauer viel zu hoch.
Welcher Weg das am Ende sein wird, ist mir persönlich ziemlich egal. Beide System habe ihre Vor- und Nachteile.
Aber früher oder später wird man sich entscheiden müssen. Und ich hoffe: Bundesweit!
 
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