Freien-Honorare: Was ist fair?


#1
Mal abgesehen davon, dass Sender natürlich profitabel arbeiten wollen und der ein oder andere sich vielleicht eher schlecht als recht rechnet...

Was haltet ihr für ein faires Freien-Honorar für

- Beiträge
- Nachrichten (Tagessatz redaktionelle Arbeit + Präsentation)
- Moderation (Tagessatz mit redaktioneller Vorbereitung)

Natürlich wird bei den ÖRs mehr bezahlt, aber gehen wir mal vom schlechteren Fall, den Privaten aus. Was wäre die Schmerzgrenze?

Sollten die Honorare einheitlich sein, oder je nach Background (Alter & Erfahrung, Studienabschluss) individuell verhandelbar?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Gab es irgendwann nochmal nennenswerte Erhöhungen, oder ist die gefühlte Stagnation überall Realität und ein Indiz dafür, dass die Arbeit selbst gut ausgebildeter Journalisten durch den hohen Konkurrenzdruck immer weniger wert zu sein scheint?
 
#2
So, dass man bei Vollbeschäftigung gut davon leben und eine Familie ernähren kann. Ist natürlich je nach Region unterschiedlich. Ich sehe als Selbständiger so: Wenn Du pro Stunde unter 50€ brutto bist (du musst ja alles selbst absichern, Sozialversicherung, Krankengeld, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld kriegst auch keins!), fängt es schnell an, prekär zu werden, auch wenn sich das erst für einen Festangestellten unheimlich viel anhört.
 
#3
Schwierig. Das läßt sich, finde ich, so pauschal nicht beantworten. Natürlich spielen folgende Kriterien eine Rolle:

- Größe des Senders
- Größe des Sendegebiets
- Konkurrenz-/Marktsitaution des Senders
- Ausbildung des Mitarbeiters
- Vorerfahrung/Referenzen des Mitarbeiters
- genauer Arbeitsumfang/Arbeitsauftrag

Ein 20jähriger, der gerade mal sein Abi in der Tasche hat, aber weder Studium noch ernstnehmbares Volontariat, ist kein Moderator, kein Redakteur und erst recht kein Journalist. Klar muß jeder mal anfangen, aber da tut's aus meiner Sicht auch ein niedriges Honorar (wobei bitte jeder für sich selbst anhand der genannten Kriterien entscheiden möge, was "niedrig" bedeutet).
Ein 40jähriger, der außer Abi noch ein abgeschlossenes Studium und seriöses Volo mitbringt und eine Nachrichtensendung zu verantworten hat, darf meiner Ansicht nach gerne mehr als das Doppelte bekommen.

Ich selbst habe mal eine Weile bei einem mittelgroßen Privaten die Nachrichten gemacht. Mit allem: Redaktion, Recherche, Präsentation. Honorar: weniger als 14 EUR die Stunde. Das war eine arge Frechheit, und ich war dort auch keinen Tag länger als nötig. Als fair hätte ich in diesem Fall ein Honorar zwischen 40 und 60 EUR die Stunde betrachtet.

Von einem großen Privaten weiß ich, daß solche Nachrichtenschrichten (obwohl der Sender im Geld schwimmt!) ähnlich schlecht vergütet, damit genug für die Morningshow-Hasis übrig bleibt.

Kurzum: So einfach kann man das gar nicht sagen. Ich finde es gut, wenn es einen für alle einheitlichen und einsehbaren Honorarkatalog gibt, eine Art Preisliste. So kenne ich das von den ÖRs. Dann weiß jeder, was er kriegt und kann sich anhand des Katalog und des Dienstplans auch ausrechnen, was seine Kollegen kriegen. Dann gibt's auch keinen Futterneid, weil für alle sichtbar ist, welche Leistung wie vergütet wird. Im übrigen gibt es bei diesem Modell auch keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.
 
#4
@TeSS Dann sind wir ja nahe beieinander mit unserer Einschätzung. Zumal die meisten Medienbetriebe ja in Ballungsräumen mit hohen Lebenshaltungskosten positioniert sind. 14€/h sind ja selbst als sozialversicherungspflichtig Beschäftigter eine Frechheit.
 
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