Gendern im Radio


Gibt es eigentlich Streit zwischen den Redaktionen, die Texte formulieren, und Sprechern, die solche durchgegenderten Texte - manchmal gefühlt 'gequält' - 1:1 einsprechen müssen?
Theoretisch ist es so: Der Redakteur schreibt und der Sprecher hat buchstabengetreu zu verkünden. Theoretisch. Mal von offensichtlichen Fehlern im Manuskript abgesehen, die zu korrigieren der Sprecher bei Entdeckung die Pflicht hat, sollte in den Texten nichts verändert werden.
Mir ist zum Glück in meiner Laufbahn (vor drei Jahren pensioniert) nie ein zu sprechendes Gender-Sternchen untergekommen. Falls doch, hätte ich während des Vortrags die Beid-Nennung benutzt. Hätte ein gendersensibler Redakteur auf den Glottis-Schlag bestanden, wäre er entweder aus dem Fenster geflogen oder ich hätte ihn zu einem Bienenstich in die hr-Kantine eingeladen und diskutiert, bis die Sahne sauer geworden wäre. Im Ernst: Man kann mit den Schreibenden reden und auf Einsicht hoffen.
 
Das Wort kommt in meine große Sammlung. "Fahrspurende", besser noch als "Baumentaster", "Rotzeder", "Ostsumpflage", "Dunstesse" "Sichtestrich" und "Brauengel"...
Schade, schon drei Seiten nach hinten gerutscht. Sonst hätte ich noch die Däpfel vom Petersiler anzubieten (Petersilerdäpfel), die es in Österreich gerne als Beilage gibt. Oh, natürlich auch Däpfel von Petersilerinnen.
 
Mannnomann, es kann so einfach sein. Einfach die neutralen Wörter auch als solche benutzen und gut ist. Aber die Deutschen waren schon immer ein kompliziertes Volk. Da darf ja nichts zu einfach werden, sonst gehen die Argumente zum Aufregen aus. Ist doch so.
 
Theoretisch ist es so: Der Redakteur schreibt und der Sprecher hat buchstabengetreu zu verkünden.
Das Problem haben all jene Sender nicht (bei den Privaten die Mehrzahl), welche den Sprecher schon längst abgeschafft und stattdessen den Redakteur in Zweitfunktion ans Mikrofon befördert haben. (Das war zum Beispiel mein Schicksal, und ich konnte stets bestimmen, was ich sage, auch wenn ich niemals so gut geklungen habe, wie das ein gelernter Sprecher zweifelsohne tut. - Aber damals ging es ja auch noch um die inhaltliche Qualität und nicht so sehr um die akustische Verpackung.)
 
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Ich hatte heute früh die Lebenszeit im Deutschlandfunk gehört zum Thema vegane Ernährung. Eigentlich also eine potenzielle "Dschändä"-Zielgruppe. Übrigens eine in jeder Hinsicht sehr aufschlussreiche Sendung war das. Kann ich jedem mal empfehlen das nachzuhören, vor allem den Teil als es darum ging woher eigentlich das Soja kommt und unter welchen Bedingungen das Fleisch in den Lieblingsurlaubsländern der Deutschen verarbeitet wird...
Dabei fiel mir auf dass selbst innerhalb dieser 2 Stunden höchst unterschiedlich und überhaupt nicht einheitlich vorgegangen wurde.

So sprach die Moderatorin nur von "Mitarbeitern" bei Tönnies.
Der Nachrichtensprecher verwendete die Formulierung "Ärztinnen und Ärzte", im
selben Block aber (eine Meldung später) war dann beim selben Sprecher nur von "Soldaten" die Rede und die Soldatinnen fielen unter den Tisch.

Mein Eindruck: Bei "klassischen" Männerberufen oder Tätigkeiten, die in einem konservativen
Dunstkreis eher einer typisch männlichen Klientel zugeordnet werden wie Schlachthöfe, Kasernen
wurde nur die männliche Formulierung verwendet, bei Beruf(sgrupp)en mit mindestens 30-40 %
Frauenanteil (Medizin, Pflege) wird beides genutzt wobei grundsätzlich immer die Frau vorangestellt wird.

ALso ganz klar das Ziel "die Sichtbarmachung von Frauen in traditionellen Männerdomänen" verfehlt !? Oder Klischees bedient?
 
So sprach die Moderatorin nur von "Mitarbeitern" bei Tönnies.
Der Nachrichtensprecher verwendete die Formulierung "Ärztinnen und Ärzte", im
selben Block aber (eine Meldung später) war dann beim selben Sprecher nur von "Soldaten" die Rede und die Soldatinnen fielen unter den Tisch.
So ähnlich ging es mir mal mit den Nachrichten von DLF Kultur mit dem Wort Epidemie/Pandemie. In der 1. Meldung hat der Sprecher von der Corona Pandemie gesprochen, 30 Sekunden später in der nächsten Meldung jedoch von der Epidemie. Scheint wahrscheinlich Usus im DLF zu sein, manche Wörter als Synonyme anzusehen.
 
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Was mir eben aufgefallen ist: beim Artikel "Schluss mit dieser Sch... Technik! - Der lange Tod des Instituts für Rundfunktechnik" auf radioszene.de lässt sich das erkennen, was häufiger auffällt. Frauen sind in der Sprache nur sichtbar, wenn sie kritisiert werden. (Wobei bei diesem Artikel "Kritik" ein sehr weit gefasster Begriff wäre.)
Da sind die ach so tollen Ingenieure (in der Sprache alle männlich) die so tolle Arbeit geleistet haben und DAS INSTITUT aufgebaut haben. Und auf der anderen Seite: die dummen Frauen.
Zitat von Der Autor auf radioszene.de:
Deshalb war es zwar eine große Enttäuschung, aber nicht wirklich verwunderlich, als ich in einem Journalistenseminar von einer Gruppe ZDF-Volontärinnen dafür verachtet wurde, dass ich im Gegensatz zu ihnen weiß, wie ihr Medium funktioniert. Für sie waren dagegen Kameras, Mikrofone, Sender und Fernseher alles nur Sch… Technik.
Der Autor ist das allwissende Genie und die VolontärINNEN, wie können sie es wagen, nehmen ihn nicht als solches wahr.
Sowas passiert immer wieder. Warum werden Frauen ausgerechnet dann sichtbar, wenn man sich herablassend über sie äußert? Und zwar im besten Mario Barth Klischee.

Und noch zum Schluss: ich kenne den Autor nicht und möchte ihn auch nicht persönlich angreifen, deshalb habe ich hier den Namen auch nicht geschrieben. Aber von jemanden der sich beruflich:
Zitat von radioszene.de:
in (...), Fachjournalismus, PR und Marketing zu Hause
fühlt, kann man erwarten mit Sprache umgehen zu können, ohne Rollenbilder aus den 60er Jahren zu bedienen.

PS: Mir ist bewusst, dass er auch die "bösen Juristen" nicht gendert, aber die stellt er im Gegensatz zu den "Volontärinnen" nicht als inkompetent dar.
 
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"Klimaaktivistinnen geben sich mit dieser Aktion aber nicht zufrieden, soll doch nur 1/5 in den Klimaschutz investiert werden. Es brauche mehr als nur Forderungen für neue Gemeindeämter mit Wärmepumpe". (aus den Antenne Salzburg-Nachrichten)

Also demonstrieren nur Mädchen gegen das Klima! Ich habs doch immer gewusst dass die leichter zu beeinflussen sind! :eek::wow:
 
Zur Zeit hört man im ARD-Radio in Verbindung mit den bayerischen Testzentren häufig eine echte Stilblüte:
"Urlaubende" - häh!?

Jeder der die deutsche Sprache erlernt wird sagen: Das Urlaub-Ende ist doch das Ende vom Urlaub!

Außerdem impliziert das Partizip 1 eine aktive Handlung im Hier und Jetzt!
Das Partizip I bezieht sich auf die Gegenwart. Es macht aus einem Verb ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort.
Quelle: Deutsch als Fremdsprache / Sprachen Lernen 24

In dem Moment wo Leute schon zurück an der bayerischen Grenze sind, handelt es sich womöglich um Autofahrende und ganz sicher um Heimkehrende, aber keinesfalls mehr um Urlaubende, weil der Moment des Urlaubs zu diesem Zeitpunkt bereits längst abgeschlossen ist! Also falsche Verwendung eines Partizip 1.

Was ist eigentlich die Einzahl von "Urlaubenden"? Richtig, ein Urlaubender! DER Urlaubende... und die Urlaubende fühlt sich nicht angesprochen. :p

Klarer Fall von gewollt und nicht gekonnt! :thumbsdown:
 

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In dem Moment wo Leute schon zurück an der bayerischen Grenze sind, handelt es sich womöglich um Autofahrende und ganz sicher um Heimkehrende, aber keinesfalls mehr um Urlaubende, weil der Moment des Urlaubs zu diesem Zeitpunkt bereits längst abgeschlossen ist! Also falsche Verwendung eines Partizip 1.
Ja, finde ich auch, Rückreisende wären vielleicht auch treffend, für das Wort habe ich mich in den vergangenen Tagen öfter mal in der Redaktion entschieden..

Was ist eigentlich die Einzahl von "Urlaubenden"? Richtig, ein Urlaubender! DER Urlaubende... und die Urlaubende fühlt sich nicht angesprochen. :p

Klarer Fall von gewollt und nicht gekonnt! :thumbsdown:
Da hast Du aber selbst was nicht verstanden. Das Wort wird halt im Plural verwendet. Da musst Du Dir keine Gedanken um den hypothetischen Fall machen, wer sich angesprochen fühlen könnte, wenn es im Singular verwendet werden würde. Wenn Du Dir Gedanken darüber machst, wer sich bei den Alternativen "die Urlauber" und "die Urlaubenden" angesprochen fühlen kann, bist Du eher auf der richtigen Fährte, denke ich.
 
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Also tut mir Leid, "Urlaubende" habe ich bis auf die letzten paar Tage noch nie gehört. Dieses Unwort kannte ich bis vor Kurzem noch gar nicht. Da sprach man von "Urlauberinnen und Urlaubern" oder von "Reisenden".

Es heißt der oder die Urlaubende, Mehrzahl die Urlaubenden.
Und warum bleibt man dann nicht gleich im Singular bei "der Urlauber / die Urlauberin" anstatt solche Konstrukte zu bauen, die nicht nur für Deutschlernende (!) schwer verständlich sind (Urlaub-Ende) sondern auch faktisch falsch?

Denn: Jemand der bei der Einreise auf der A 93 oder A 8 steht ist eben kein Urlaubender / keine Urlaubende mehr. Und auch kein Urlauber / Urlauberin oder Urlaubsgast. Der Urlaub ist mit dem Verlassen des Urlaubsorts (also bei der Ausreise) beendet. Es wäre doch so einfach in dem Fall:
"Menschen, die aus dem Urlaub zurückkehren, können sich testen lassen...." :)

Urlaubende sind in dem Kontext (Einreise Deutschland) einfach Schwachsinn.
 
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