Gendern im Radio


Wie wir letzte Woche lesen konnten, wird bei über 20% der Kinder in diesem Alter zuhause kein Deutsch gesprochen. Das ist natürlich ganz schlecht und ein großes Problem
Allerdings ist das komischerweise nur ein Problem wenn die Kinder Mohamed oder Ali heißen, bei James oder Chloé ist das vorbildliche bilinguale Erziehung...
Aber wir kommen vom Thema ab.
 
Guter Einwand. In der Meldung auf tagesschau.de (und auch anderswo) ist jedenfalls nur von "Jedes fünfte Kita-Kind spricht zu Hause eine andere Sprache als Deutsch" die Rede.

https://www.tagesschau.de/inland/kinder-sprache-kita-101.html

Ich denke, damit sind auch nicht die Kinder gemeint, die eine "vorbildliche bilinguale Erziehung" genossen haben. Denn auch Ali oder Mohamed werden durchaus für einen Dienst bei der Polizei gesucht. Wir reden hier wohl eher von den Hardcore-Fällen, die praktisch kaum ein Wort Deutsch sprechen. Schade, ich finde jetzt diese Meldung nicht mehr im Forum, aber es gab ja mal einen Schuldirektor in Berlin, der deutschen Eltern empfohlen hat, ihre Kinder nicht in seiner Schule einschulen zu lassen, weil dort der Anteil von Kindern mit "Migrationshintergrund" so hoch war, sodas man praktisch nicht von normalen Unterricht sprechen kann.

Aber wir kommen vom Thema ab.
 
Danke für die Links!

In ihren Radiobeiträgen sind ihr Gender-Gaps schon mehrfach rausredigiert worden. Seit neuestem gibt es beim WDR die Ansage, dass Sprechen mit Gap unerwünscht ist, da es als zu irritierend empfunden werde.“

Mmh, interessant und fragwürdig.
 
Dazu habe ich gleich mal eine Frage an Christian W. Find von Radioeins (RBB):
Was sind eigentlich Zwangsarbeiter innen?
Und gibt es auch Zwangsarbeiter draußen ?

Was soll so ein falsch gesprochenes Deutsch?
Das verzerrt ja total den Inhalt! Mind the gap!!! :thumbsdown:

Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt es richtig:
"ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter "
https://www.bpb.de/geschichte/natio...rbeit/227273/der-lange-weg-zur-entschaedigung
 

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Als Medium kann man nicht einfach die Regeln der deutschen Sprache neu erfinden. Ich finde es richtig, beim Sprechen auf Shortcut-Konstruktionen zu verzichten, da sie nur in Schrift funktionieren. Meine Meinung: In Schrift gerne mit Sternchen oder anderen Abkürzungen arbeiten (mit einheitlicher Linie!), on air aber korrekte Grammatik verwenden. Es wird schon genug mit "wegen + Dativ" oder "weil + Hauptsatz" geschludert.
 
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Meine Meinung: In Schrift gerne mit Sternchen oder anderen Abkürzungen arbeiten (mit einheitlicher Linie!), on air aber korrekte Grammatik verwenden. Es wird schon genug mit "wegen + Dativ" oder "weil + Hauptsatz" geschludert.
Mit welcher Begründung sollte man "unkorrekte" Grammatik beim Schreiben verwenden (also zum Beispiel in PMs, auf der Homepage etc.), aber ausgerechnet auf dem Sender soll die Grammatik dann korrekt verwendet werden?

Ich finde es schon sehr fragwürdig, wenn der MDR "Reporterinnen (m/w/d)" sucht. Aber jeder soll seine Spielwiese haben, wenn er meint.
 
Zitat:
"...Die Empfehlungen setzen dabei nicht allein auf die Nennung der Geschlechter, sondern vor allem auf Lust und Kreativität beim Formulieren..."
/Zitat
Quelle:
https://www.deutschlandradio.de/index.media.88a3b3350e3d0b3f5d2173f69cd3f753
Oder Erzeugung von Unlustgefühlen bei den Hörern.
Goethe würde sich im Grabe herumdrehen.
Gerade sogenannter Konservatismus hat das Deutsche überhaupt über die Jahrhunderte gerettet. Dass Deutsch eine Minderheitensprache ist, braucht nicht extra betont zu werden. Englisch ist unbestreitbar die Weltsprache, und Kontakt mit nur dieses "Esperanto" beherrschende Konversation über Kontinente hinweg führt dazu, dass Deutsch mehr und mehr durch Anglizismen durchsetzt wird oder sogar gänzlich zum "Denglisch" in der Sprache der CEOs. Und jetzt noch eine Zertrümmerung der letzten Gepflogenheiten durch interessanterweise ein englisch geprägtes Wort "Gendern".
Warum sagt man nicht "Geschlechtern"? Klänge das in den Ohren der Sprachexperimentatoren zu "urdeutsch"? Wenn wir schon beim Entrümpeln der Sprache sind: Da gibt es gewiss mehr zu tun. Aber an jene "grammatischen Knoten" wagt sich keiner heran. Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
An einem schönen Sommerabend.
Am schönen Sommerabend. An schönem Sommerabend. Am hellen, gemütlichen Sommerabend.
An hellem, gemütlichen Sommerabend. Und nicht etwa: An hellem, gemütlichem Sommerabend.
Und die Lust auf Kreativität beim Formulieren ließe sich noch ins Unermessliche steigern. Nicht etwa liesse sich ins Unermeßliche steigern. Mal sz mal nicht ? Hmm?
Das sind viel wichtigere Baustellen.
 
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Und die Lust auf Kreativität beim Formulieren ließe sich noch ins Unermessliche steigern. Nicht etwa liesse sich ins Unermeßliche steigern. Mal sz mal nicht ? Hmm?
Die Verwendung von ß und ss folgt seit der Rechtschreibreform von 1996 einer bestechenden Logik: Wird der vorige Laut kurz gesprochen, schreibt man mit ss einen doppelten Konsonanten. Wird er hingegen lang gesprochen, schreibt man mit ß einen einfachen Konsonanten. Damit hat man die Verwedung von ss/ß an die allgemeine Regel für kurz/lang gesprochene Vokale angepasst.
 
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Die Rechtschreibreform sagt aber afaik (as far as I know ..."herrliches Denglisch") nichts über diese Verstümmelungsformen mit * aus. Warum sagt man nicht, "liebe Hörer und Hörerinnen", oder "Hörerinnen und Hörer", nein, es muss auf Biegen und Brechen bis zum (Er)brechen unbedingt gesagt werden "liebe Hörer*innen".
Dafür hat die deutsche Sprache ihrerseits noch einen Begriff in der hochmittelalterlichen Schatztruhe
(oder Denglisch "Thesaurus"):
"Verballhornung". https://de.wikipedia.org/wiki/Verballhornung
 
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Mit welcher Begründung sollte man "unkorrekte" Grammatik beim Schreiben verwenden (also zum Beispiel in PMs, auf der Homepage etc.), aber ausgerechnet auf dem Sender soll die Grammatik dann korrekt verwendet werden?
Beim Schreiben verwendet man doch häufig Abkürzungen, die nicht gesprochen werden, sondern nur dem kompakteren Schriftbild dienen. So sehe ich das auch mit Gendersternchen - und das vergleichbare Binnen-I gibt es sogar schon viel länger. Man kann natürlich darüber diskutieren, was passiert, wenn diese Abkürzungen dazu führen, dass die Grammatik des einbettenden Satzes zwangsläufig falsch wird, da sie nicht mehr eindeutig einem grammatischen Geschlecht folgen kann. Aber das Problem ist nicht neu und taucht schon auf, wenn man den Plural von (sogar gesprochenen) Abkürzungen wie "LKW" bilden möchte.
 
Wo ist jetzt Dein Problem? Sprache entwickelt sich und im Moment wird halt eine neue Sprachform etabliert. Keiner muß, jeder darf.
Hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit in einem binären System lehnt die Gesellschaft für deutsche Sprache folgende "Gender-Möglichkeiten" ab:

Binnenmajuskel
Gendergap
Gendersternchen
Generisches Femininum
X-Endung
Punkt
Doppelpunkt
Mediopunkt/Punkt auf Mittelhöhe
Sternchen statt Punkt über dem i

Diese Möglichkeiten haben sich nicht aus der Sprache heraus entwickelt, sondern es wird versucht, diese Konstruktionen der Sprachgemeinschaft aus politisch-ideologischen Gründen aufzuzwingen.
 
Um die Legitimation für die Position des Gleichstellungsbeauftragen abzuliefern, wurde der Intendant überredet. Es geht also durchaus nicht nur um die Hörer, sondern auch und wohl anzunehmenderweise nicht zuletzt um die Posten und Pöstchen beim Brötchengeber DLF. Das Argument, dass sich Sprache gezielt in Richtung "Gendern" verändere, kann ich in sofern nicht teilen, weil das nicht aus dem täglichen Sprachgebrauch kommt.
Langue et parole. Dialekt und Soziolekt.
Zitat:
"...Zugleich ist die parole aber in ihrer sozialen Dimension der Ort der dialogischen Hervorbringung neuen sprachlichen Sinnes, also der Ort der Genesis und Veränderung der langue. .."
/Zitat
Quelle: https://www.psyalpha.net/de/biograf...angue-parole-signifikant-signifikat-bedeutung
Diese soziale Situationsbedingung sehe ich nicht.
Und weiter unten im zitierten Text heißt es:
"...Es gibt keine im Zeichen selbst liegende Qualität, die eine bestimmte Bedeutung rechtfertigen könnte. Dieses von Saussure sogenannte Prinzip der Arbitrarität sprachlicher Zeichen wird im Deutschen unglücklich mit Beliebigkeit bzw. Willkür übersetzt. Das Arbitraritätsprinzip meint aber gerade nicht eine freie Wählbarkeit des Zeichens im Hinblick auf eine bestimmte bezeichnende Funktion..."
 
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