Gerichtsentscheidung: Facebook muss Konto toter Tochter nicht für Eltern freigeben


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#2
Wieso? Fernmeldegeheimnis und Persönlichkeitsrechte gelten auch für Chatpartner Verstorbener. Wenn Du sterben solltest, können Deine Eltern auch keine Briefe und Postkarten erfolgreich zurückfordern, die Du zu Lebzeiten an Dritte verschickt hast.
 
#3
Das Urteil hat irgndwie was shizophrenes. Ausgerechnet Facebook, was ja bekanntlich ausserordentlich sorgsam mit Persönlichkeitsrechten und Datenschutz umgeht... Das ist ein regelrechter Witz.
Davon ab kann man sich in dem speziellen Fall durchaus streiten. Es geht ja letztlich nur darum, ob es nun ein Suizid war oder nicht. Und diese quälende Ungewissheit, die die Einsicht in die Chatverläufe bei Facebook unter Umständen beenden könnte, wünsche ich niemanden auf der Welt. Dass das eigene Kind vor einem stirbt, dürfte mit Abstand das schlimmste sein was einem überhaupt passieren kann.
 
#4
Entschuldige mal, Knulti... Natürlich ist es grundsätzlich sehr schlimm, Angehörige zu verlieren. Es kann aber nicht Aufgabe oder gar Recht von Hinterbliebenen sein, unter Inanspruchnahme hoheitlicher Befugnisse (hier: Außerkraftsetzung des Fernmeldegeheimnisses Dritter) einen etwaigen Suizid nachzuweisen. Das müssen schon die zuständigen Behörden machen; was auch immer man von denen halten mag.
 
#5
Wenn es darum ginge, das Profil der Tochter auf Mobbing-Kommentare zu durchsuchen (was die Eltern wollen), wäre die Polizei eher der richtige Ansprechpartner. Zudem gehe ich davon aus, dass entsprechende Hasskommentare schon längst von den Verfassern gelöscht wurden.
 
#6
Es ging ja auch nicht um "Hass-Kommentare" (da haben wir wieder so ein Schlagwort, dass einem aus allen Richtungen um die Ohren fliegt), sondern um etwaige Hinweise aus Formulierungen der TOCHTER, die auf Suizidabsicht hätten hinweisen können. Obwohl mit einem positiven Gerichtsentscheid niemandem in diesem Fall WIRKLICH geholfen worden wäre, zeigt der Fall doch Gesetzeslücken(Auslegungsweiten auf, die es zu schließen gilt.
 
#8
Die Eltern der Toten vermuten Mobbing auf deren Facebook-Profil und den daraus hervorgerufenen Suizid. Da sieht man wieder die 2 Gesichter dieses großen Konzerns: rechtsradikales Geseier lässt man trotz Protesten stehen, zuviel Brüste werden umgehend gelöscht, öffentliche Bedrohungen oder Mobbing gegen andere werden geduldet, aber das Profil der Tochter den Eltern "vererben", das will man bei Facebook nicht zulassen! (alle sonstigen Besitztümer von Kindern und Jugendlichen gehen laut Erbfolge im Normalfall die Eltern, bzw. Erziehungsberechtigten).

Ein eigenartiger Verein ist das...
 
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#9
Das hier mal anschauen, Raumschiff, damit klar wird um was es geht. Das Fernmeldegeheimnis ist in dem speziellen Fall absolut zu vernachlässigen. Es hat ohnehin was von Treppenwitz, dass in einer Zeit wo auf Vorrat Daten aus einem reinen Verdacht heraus gespeichert und ohne Wissen des Betroffenen ausgewertet werden können, noch sowas wie das Fernmeldegeheimnis überhaupt eine Bedeutung hat.


Im übrigen ist der Verweis auf das Fernmeldegeheimnis ziemlicher Kokolores. Im Fall eines Todes gehen sämtliche Unterlagen eines Toten, incl. sämtlicher Schriftverkehr, völlig gleich welcher Art und mit wem, an den Erben über. Ob der den dann liest oder nicht, ist letztlich Sache des Erben.
 
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#10
Im übrigen ist der Verweis auf das Fernmeldegeheimnis ziemlicher Kokolores. Im Fall eines Todes gehen sämtliche Unterlagen eines Toten, incl. sämtlicher Schriftverkehr, völlig gleich welcher Art und mit wem, an den Erben über.
Das ist schon deshalb kein Kokolores, weil Du leider nur eine Seite des Kommunikationsverhältnisses betrachtest. Briefe/Nachrichten, welche ein Verstorbener erhalten hat, gehen selbstverständlich auf die Erben über. Nachrichten, die er aber verschickt hat, gehen ausschließlich die Empfänger etwas an - auch nach dem Tode des Absenders, und zwar so lange, bis ein Gericht etwas Gegenteiliges verfügt. Nun enthalten Onlinechats dummerweise, abweichend vom klassischen Briefverkehr, immer Verschicktes und Erhaltenes. Eine Freigabe solcher Chats berührt also immer auch die Rechte der damaligen Chatpartner.
 
#11
Das ist schon richtig. Aber hier geht es ganz offensichtlich auch um einen deutlichen Anfangsverdacht einer Straftat, der zumindest die Ermittlungsbehörden etwas angehen sollte. Insofern ist das pauschale Nein zumindest zu hinterfragen.
 
#12
Ich halte zwar auch GAR nichts von Facebook, dennoch können Facebook und Hinterbliebene von Verstorbenen nicht Entscheidungen treffen, die hierzulande von Gerichten zu treffen sind. Die Weigerung von Facebook, das Profil inkl. aller gespeicherten Kommunikationsaktivitäten für die Hinterbliebenen freizuschalten, finde ich deswegen vom Grundsatz her erst mal richtig.
 
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