• Wie aus den radioforen.de-Nutzungsbedingungen hervorgeht, darf kein urheberrechtlich geschütztes Material veröffentlicht werden. Zur Identifizierung von Interpret und Titel (o.ä.) können jedoch Hörproben bis zu 30 Sekunden angehängt werden. Was darüber hinausgeht, können wir nicht tolerieren.

"Gottschalks Rock Classics"-CDs gegen die Wand gefahren, wozu?


#1
Der lange Schatten des LOUDNESS WAR:


Folgende Grafik zeigt die Loudness und die Amplitudenspitzen (TP) der aufgerüsteten Musiktitel:

  • maximale Loudness (I): +15.5 LU
  • maximaler True Peak: plus 1.93 dBTP (über Clipping Level !)
Die I-Louddness wurde hier drastisch angehoben. Wie konnte das erreicht werden?

Das TP-Recovering erfolgte mittels 4-fach-Oversampling aus den Wave-Signalen und lässt zunächst auf massives Clipping schliessen.
Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass im Wave keine clip-typischen Amplitudenbegrenzungen sichtbar sind. Folglich wurde das Tonsignal verm. so verwurstelt, dass hohe Amplituden abgebaut und in Lücken des Amplitudenverlaufs gekippt wurden. Knackige Transienten wurden weggebügelt. Solche "Phasenschweinereien" können m.E. nicht ohne qualitative Beeinträchtigungen geschehen. es entstehen auf jeden Fall Verzerrungen.

Im folgenen Bild habe ich die Wellenformen des gleichen Musikstückes aus zwei Produktionsjahren (1990/2019) gegenübergestellt:

Wie zu Beginn gut zu erkennen ist wurden hier die Pegel um 10 dB, also die Lautheit auf den doppelten ursprünglichen Wert angehoben. Bemerkenswerterweise wird die Loudness Range dabei kaum weniger. Sie ist als Qualitätskriterium also kaum geeignet. Die Sample Peaks liegen bei beiden im Bereich knapp unterm Clipping Level.

Frage: Gibt es einen vernünftigen Grund für diese Loudness-Aufrüstung ? -

Am Rausch-/Störabstand kann es ja nicht liegen. Der wird durch die Verzerrungen eher schlechter.

Frohe Ostern und viel Spass beim "Osterrätsel".
mfg. @TB

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P.S.: Dieser "Krieg" begann in der CD-Produktion vor 23 Jahren und es ist leider kein Ende in Sicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
#2
Die blöden Leute sollen sich beim Hören halt sofort zu Hause fühlen und sich nicht fragen, warum die Musik von CD so viel besser klingt. Das könnte am Ende ja noch zu Kritik am BR führen, und das muss ja nun wirklich nicht sein.
 
#4
Liebes @Raumschiff, ich danke Dir für Deine tröstlichen Worte.
Den UKW-Senderbetreibern scheint das Vorplätten ja gelegen zu kommen. Obwohl die ja noch die Originalversionen hätten.

@Velbert, es werden doch nicht nur diese "tausend Mal" gehörten Titel so behandelt. Ich frage nur warum die eigentlich so vergewaltigt werden, obwohl sie im Original besser klingen? Doch nicht zugunsten von UKW?
 
#6
Da Pic-Upload.de offenbar an Inkontinenz leidet hier nochmal die verlorengegangen Grafiken zum Thema:
Gottschalks-Rock-Classics-CD-2018.gif
Gottschalks-Rock-Classics-CD-Analyse.gif
JethroTull_-_LocomotiveBreath_waves.gif

Habe bisher keine sinnvolle Erklärung erhalten warum müssen CDs laut sein müssen wenn der Klang darunter leidet. :rolleyes:
 
#7
Traurig. Viele haben wohl inzwischen beigebracht bekommen "LAUT ist besser!" – die TV-Werbung macht’s ja vor. Die Hintergründe verstehen die Handy-/Notebook-geschädigten Streaming-Youngster auch nur noch seltenst.

Es gibt glücklicherweise noch Ausnahmen – drei davon lerne ich gerade an. :)

Leider wird es auch immer schwieriger, noch »nicht-Loudness-War-geschädigte« CDs zu bekommen. Ich habe mir heute erstmal wieder Mary Blacks »No Frontiers« von 1989 zu Gemüte geführt (nachdem sie als Beispiel für mein loudgain herhalten musste) – ein Genuss!

Und heute trudelte von reBuy Paul Simons »Graceland« von 1986 ein, die wird gleich erstmal als FLAC gerippt und »ge-loudgain-et« :)

Man sollte ein Gütesiegel »EBU R128 Radio« (-23 LUFS) oder im Internetbereich vielleicht ein »-18 LUFS-Radio« einführen … denke ich manchmal in Nächten wie dieser.

Lasst uns auch weiter daran glauben: »QUALITÄT ist besser!« …
 
Zuletzt bearbeitet:
#9
@DelToro ,

die Analyse erfolgte nicht mit "irgendeiner bunten Software" sondern mit einem im Hörfunk anerkannten, nach EBU R128 standardisierten Algorithmus: Die Tools "BS1770gain " und das "DIGICheck 5.92" von RME lieferten übereinstimmende Ergebnisse. Für Jeden nachvollziehbar (siehe auch < dort >). Dargestellt habe ich die Messergebnisse praktischerweise anschaulich mit MS Excel.

Die Loudness an sich kann ich ja mit dem Fader ausgleichen. Aber, wenn ich einige aufgeblasene Titel mit verfügbaren Originalen vergleiche klingen die aufgeblasenen Werke unangenehm "crunchy". Gottis Scheibe ist zum Anhören weiterhin im Handel verfügbar.

P.S.: @Moonbase, ich werde gelegentlich mal "loudgain" testen.
 
#10
Auch ohne Hörbeispiel - und obwohl Tontechnik kein optisches Handwerk ist - lässt sich anhand der beiden Wellenformdarstellungen ja wohl eine Aussage darüber machen, dass der Jethro Tull Titel auf der Gottschalk-CD hemmungslos kaputtlimitiert ist.
Ich persönlich will dann auch garkein Hörbeispiel mehr...
 
#13
Auch ohne Hörbeispiel [..] lässt sich anhand der beiden Wellenformdarstellungen ja wohl eine Aussage darüber machen, dass der Jethro Tull Titel auf der Gottschalk-CD hemmungslos kaputtlimitiert ist.
Ja, stimmt. Wie ein neues Bier schmeckt, liest man ja schon auf dem Etikett.^^

@Tonband
Wie lautete denn eigentlich die Antwort von Sony Music auf deine Beschwerde? Was sagt das Presswerk, die BILD und Audio?
Und der BR hat doch sicher auch längst Stellung bezogen, oder?
 
#19
Wenn Du richtig Glück hast, wird die CD mal On Air beworben und eine Hörprobe gespielt - von ebenjener Scheibe und justamente durch's Soundprocessing...
Da mag ich mit Nichtwissen widersprechen. Für eine On-Air-Werbung eines Albums in hauseigener Eigenproduktion werden mit Sicherheit die Titel aus dem BR-Archiv herangezogen und nicht wird auf die Anliefrung dieser CD aus dem Presswerk gewartet.

Den Schuhkarton der CD hat ganz sicher der "Mastering-Ingenieur" des Labels zu verantworten. Sollte allerdings das Label Sony den Werbespot produziert haben, dann könnte Karton plus BR1-Soundprozessing passieren. Guten Appetit.
 
#20
Das Ganze soll vielleicht TG's Hörgeräte-Werbung unterstützen...
Oh, diese Werbung habe ich jetzt erst mitbekommen: TG: "Die Kamera sieht alles, aber nicht wie gut ich höre." und >audio-info<

Wie aber könnte das Plattmastern seine Werbung unterstützen? :rolleyes: Scheint mir eher kontraproduktiv, da Schwerhörigen bekanntermassen klare Klänge mit deutlichen Pausen nützen, während mit Verzerrungen verschmierte Klänge als unangenehme Belastung empfunden werden. Daran können auch die derzeitigen Hörgeräte m.E. kaum etwas verbessern. Die tun sich im Wesentlichen damit hervor, die mittleren Sprachfrequenzen zu überhöhen und einen blechernen Klang zu erzeugen. Für's Musikhören wohl eher grauslig. - Ausserdem sitzen die Mikrofone ungünstigerweise hinter der Ohrmuschel; wie sollte das "in anstrengenden Hörsituationen", also mit Umgebungsgeräuschen oder Durcheinandergequatsche ein "gutes Hören" erzeugen? Meines Erachtens bleiben diese Teile "Geh-Hilfen" (vulgo: Krücken). Vielleicht schaffen die neuen IN-EAR-Geräte ja mal eine akzeptable Verbesserung.

Zurück zum Thema.
@Tonband Wie lautete denn eigentlich die Antwort von Sony Music auf deine Beschwerde? Was sagt das Presswerk, die BILD und Audio? Und der BR hat doch sicher auch längst Stellung bezogen, oder?
@DelToro , nach meiner Erkenntnis (siehe auch dort) wurde der Auftrag von der Bayerischen Rundfunkwerbung (jetzt: "BRmedia Service") an "Sony Music Entertainment" in Auftag gegeben. Vom Music Entertainment bekam ich noch keine Erklärung. Ausser einer "Klangverbesserungstheorie" erwarte ich da auch nichts.

Ganz offensichtlich werden für das "UKW-Digitalradio" lieber die vorgeplätteten Titel gespielt, weil die sich besser in den +5-LU-Radiokanal einschieben lassen. (Genau genommen ist der +5-LU-Kanal nach dem UKW-Processing ein mindestens +10-LU-Kanal [Referenz = -13 LUFS].)
Man muss wahrscheinlich froh sein, dass nicht auch noch das Bayern 1-Soundprocessing drauf gelegt wurde.
eben. Und TG muss sich auch nicht anhören was er über den Sender schickt. ;)
 
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