1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Helmut Kohl gestorben

Dieses Thema im Forum "Auszeit" wurde erstellt von Terhorst151, 16. Juni 2017.

  1. Terhorst151

    Terhorst151 Benutzer

  2. Radiokid71

    Radiokid71 Benutzer

    Dem hat meine Familie zu verdanken, dass wir unsere Verwandten im Raum Dresden ab 1990 ohne Zwangsumtausch und Grenzschikanen besuchen konnten.
    Was er vollbracht hat, daran können sich andere ein Beispiel nehmen. Helmu Kohl - er hat zusammen mit H.D. Genscher* Deutsche Geschichte geschrieben.
    Diese friedliche Wiedervereinigung, wer hätte das gedacht?
    Wenn man bedenkt: ein falsches Wort und die Demos im Herbst 1989 in den DDR-Großstädten wären zum Blutbad á la Peking geworden...

    *) Genscher Herbst 1989 in Prag: "Liebe Landsleute, wir sind gekommen..." - mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich das sehe / höre.
     
  3. Zwerg#8

    Zwerg#8 Benutzer

    Zum Tod des "Kanzlers der Einheit", was er ja zweifelfrei war, hätte ich hier schon mehr Reaktionen erwartet, egal wie man zu seiner Politik steht.

    Gut, aus den versprochenen "blühenden Landschaften" sind bisher nur Oasen in den Ballungsgebieten geworden, aber wenn man beispielsweise an Infrastruktur und Telekommunikation denkt, und die Verhältnisse im Osten vor 1989 kennt, dann kommt man nicht umhin anzuerkennen, daß die Wiedervereinigung Deutschlands ein "Glücksfall der Geschichte" war. Und damit verbunden sind natürlich die handelnden Politiker von damals.
     
    Bend It und rockon gefällt das.
  4. doglife

    doglife Benutzer

    Was von Birne bleibt: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt."
     
  5. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Mehr gibt es zu Kohl nicht zu sagen...!




    Kohl war zufällig (!!!) zu dem Zeitpunkt Kanzler, als sich das Nachbarland anschickte sich selbst aufzulösen. Mehr aber auch nicht. Die Nachwehen seiner überhasteten Einheit sind vielerorts bis heute zu spüren, insbesondere je ländlicher es wird, übrigens hüben wie drüben. Er sah seine Chance auf ewig in den Geschichtsbüchern zu stehen und hat sie (verständlicherweise) auch genutzt. Deshalb hat er auch soviel von "blühenden Landschaften" schwadroniert, statt klar zu sagen das der ganze Spaß reichlich teuer werden wird. Das hat man damals lieber Lafontaine überlassen, den man dann dafür als Nestbeschmutzer und Artverwandtes niederbrüllte. Heute weiß man das Lafontaine, damals noch SPD, Recht hatte. Außerdem darf ernsthaft bezweifelt werden, dass Kohl Kanzler geblieben wäre, wäre nicht der Mauerfall dazwischen gekommen. Demoskopische Aufzeichnungen der damaligen Zeit dürften das belegen.
    Kohl hat zweifellos große Verdienste in Sachen Europäisches Haus, keine Frage. Da hat er manches bewegt, was ihm auch keiner mehr nehmen kann. Aber sonst? Kohl war der Kanzler, der mit kritischen Journalisten nicht zimperlich umging. Kohl war derjenige, der seine eigene Partei um Haaresbreite in einen SuperGau geführt hätte. Kohl war derjenige, welcher in diesem Lande geltendes Recht bis zum Schluß mit Füßen trat. Und es war Kohl, der Gorbatschow einst mit Goebbels verglich. Insbesondere zum Ende seiner Kanzlerschaft war er ein selbstgerechter alternder Mann, mehr aber auch nicht.
    Wenn ich mir die ganze Nachruf-Maschinerie so anschaue, die seit gestern Abend (verständlicherweise) läuft, wird mir stellenweise durchaus übel. Ein ehemaliger Kanzler dieser Republik ist gestorben und nicht der liebe Gott!
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2017
    grün, Funker, olliver_55 und 3 anderen gefällt das.
  6. Raumschiff

    Raumschiff Benutzer

    Diesen Vergleich hat er übrigens selber direkt im Anschluss mit einem Satz kommentiert, der insgesamt auch sehr gut zu Knultis Statement passt.
     
  7. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    "Man muss doch die Dinge auf den Punkt bringen", soll er im Anschluß zu dem Vergleich gesagt haben.

    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13520479.html

    Die wenigen Sätze die Walter Kohl gestern zum Ableben seines Vaters äußerte, sagen unendlich viel mehr aus über die Person Helmut Kohl als alle Nachrufe zusammen. Leider!
     
    olliver_55 gefällt das.
  8. WilliWinzich

    WilliWinzich Benutzer

    Eins muss man ihm lassen, strategisch denkend und agierender Machtpolitiker war er, der den Gegnern soviel Raum ließ, dass diese in der Niederlage noch ihr Gesicht wahren konnten, ohne dass es zu Gemezel kam - wie andernorts und auch später und gegenwärtig immer wieder bei den Konfliktschauplätzen dieser Tage zu beobachten.
    Möglicherweise war sogar dieser Göbbelsvergleich taktisches Kalkül, um den rechten Rand hinter sich zu schaaren.

    Dass nun nach dem Mauerfall ein Großteil der Ostdeutschen sich dann von ihm kaufen lies - nun ja, seinerzeit hat's mich befremdet, dass etliche ehemalige Kader und SED-Karrieristen plötzlich für die CDU/Alianz für Deutschland warben. Mit heutigem Kenntnisstand und vermuteten Abläufen zu vorangegangenen Machtspielchen im Hintergrund war das vielleicht nicht das Verkehrteste - sonst hätten wir vielleicht z.B. in Leipzig einen Platz des himmlichen Friedens erlebt.

    Wie sagte einmal so schön Egon Bahr (der eigentliche Vorarbeiter für eine deutsche Einheit - die dann mit Kohl etwas anders kam): "In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt." [1]

    In diesem Sinne wundert man sich auch nicht mehr über die aktuellen Verwerfungen der Weltpolitik oder über Kohls "Vermächtsnisse" (nicht offenbarte Spenden).
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2017
    ricochet gefällt das.
  9. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Helmut Kohl hat bei seinem Amtsantritt eine "geistig moralische Wende" versprochen und er hat sein Versprechen eingehalten, sogar persönlich, durch schwarze Kassen, gerichtliche Blackouts und Spendenpraxis. In seinen Amtsjahren wurden die gesellschaftspolitischen Weichen so gestellt, dass wir heute vor einem geistig-moralischen Scherbenhaufen stehen, der uns solche Errungenschaften wie Pegida, Dudelfunk, AFD, Bezahlfernsehen, Dschungelcamp, Vorstandsgehälter und Abgasskandal beschert. Von der politischen Elite, die uns heute in Bund und Land regiert, will ich erst gar nicht reden, auch sie eine Erbschaft der "geistig-moralischen Wende".
     
    grün, chapri und Tweety gefällt das.
  10. HeavyRotation25

    HeavyRotation25 Benutzer

    Franz-Josef Strauß stand Kohl in Sachen Schwarzkonten in nichts nach. Ich sage nur Amigo-Affäre.

    Aber Kohl hat das Rennen in der Kanzlerschaft gemacht und seinen Gegner Strauß ausgebootet. Er förderte seine Gönner, er stürzte seine Gegner.

    Kohl dürfte der bekannteste deutsche Kanzler sein, gefolgt von Merkel als erste Frau im Amt.
     
  11. rockon

    rockon Benutzer

    Das lässt nur einen Schluss zu: AfD wählen - Merkel muss weg :D.
    So einfach ist es wohl doch nicht mit der Politik und so einfach sollte
    es sich niemand machen!
     
  12. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Es ist sogar ausgesprochen kompliziert. Deswegen begreifen es die meisten ja nicht und diejenigen, die es begreifen, wissen kein Gegenmittel.
     
    icecube919, WilliWinzich und Tweety gefällt das.
  13. Tweety

    Tweety Benutzer

    Kohl hat als Kanzler polarisiert wie kein anderer. Seine Verdienste um die Einheit sind sicherlich unbestritten. Beim Euro sieht die Sache schon wieder ein bisschen anders aus. Das mit der Einführung vom Euro doch erhebliche Probleme entstanden sind, ist aus heutiger Sicht auch unbestritten. Ob der EURo auch so eine Erfolgsgeschichte wird, wie die D-Mark muss sich erst zeigen.

    Klar ist aber auch, dass Kohl ein eiskalter Machtpolitiker war, der notfalls auch über Leichen ging. Sowohl politisch als auch Privat. Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm aber sicher, aufgrund seiner wirklich überzeugenden Verhandlungen mit den Siegermächten, wo am Ende der 2+4 Vetrag und damit letztendlich auch die Wiedervereinigung stand. Kohl hatte damals erkannt, dass die Zeichen der Zeit günstig wie nie standen und die Gunst der Stunde genutzt. Hierbei erwies sich KOhl als Glücksfall. Ein anderer Kanzler zu dieser Zeit hätte wohl einen ähnlichen Erfolg nicht zustande bringen können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2017
    rockon gefällt das.
  14. Funker

    Funker Benutzer

    Hierzu sei noch erwähnt, dass sich Kohl 1990 die Blockpartei Ost-CDU inkl. deren gesamtem Vermögen handstreichartig einverleibte. Und dass er im Vorfeld der BT-Wahlen 1990 ständig davon sprach, die Wiedervereinigung sei ohne Steuererhöhungen zu stemmen - wobei die wirtschaftlichen Fakten längst bekannt waren. Beides dürfte nicht ganz unwesentlich zum fulminanten CDU-Wahlsieg beigetragen haben.
     
  15. Funker

    Funker Benutzer

    Und um hier noch den Medienbezug herzustellen: Dass Kohl während seiner Regentschaft sämtliche Interviewanfragen von ZEIT und SPIEGEL ablehnte und die ARD politisch bekämpfte - geschenkt.
    Aber auch im Springer-Verlag ließ er unliebsame Journalisten seine Macht spüren. An dieser Stelle sei ein Artikel des damaligen BamS-Chefredakteurs Michael Spreng empfohlen:

    http://www.sprengsatz.de/?p=3696

    "Im Herbst 1997 rief mich ein Teilnehmer einer CSU-Klausurtagung mit Helmut Kohl an und berichtete, dass Kohl dort im kleinen Kreis gesagt habe, für die Wahl 1998 gebe es zwei Probleme: die ARD und Springer. Bei der ARD könne er nichts machen, aber „das Problem Springer werde ich lösen“. Dies teilte ich dem damaligen Springer-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Richter schriftlich mit und fügte hinzu, der Zeuge habe Kohls Ankündigung so verstanden, dass es um meinen und Richters Kopf gehe. Denn auch Richter war bei Kirch und Kohl in Ungnade gefallen, weil er sich vehement gegen Kirchs Machtanspruch bei Springer und Kohls Instrumentalisierungsanspruch gegenüber den Springer-Medien stemmte."
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2017
  16. Skywise

    Skywise Benutzer

    Wie man's nimmt. Also, eigentlich: doch. Die sind umstritten. Äußerst umstritten sogar.
    Kohl selbst legte nach seiner Wahl ein Verhalten an den Tag, das eher darauf schließen läßt, daß er die Einheit vermeiden wollte. FJ Strauß durfte ja seinen Milliardenkredit an die DDR loswerden, um genau das zu vermeiden, was zynischerweise die Folge unter anderem dieser Kredite war: die zunehmende wirtschaftliche Destabilisierung der DDR.
    Aber dann kamen ja die "Wir sind das Volk"-Rufe und öffneten Helmut Kohl, der irgendwie darauf reagieren mußte, die Tür.
    Jetzt noch einen Schritt differenzierter: auch der Ablauf der Einheit war so von Helmut Kohl absolut nicht gewollt, wie man seinem Zehn-Punkte-Programm entnehmen kann, das er im November '89 im Bundestag abgelesen hat. Das Zehn-Punkte-Programm war sicher ein ehrenwerter Versuch, aber erstens war es bereits ein paar Tage später Makulatur und zweitens ging es von falschen Voraussetzungen aus; wie abgewirtschaftet die DDR war, konnte sich wohl selbst ein Helmut Kohl nicht vorstellen. Letzten Endes kam es zu einer sehr überstürzten Einheit, in deren Folge Kohl noch einige seiner Kollegen vor den Kopf stieß und Entscheidungen traf, die alles Andere als vernünftig waren.

    Kohl war gegen eine gemeinsame Währung. Aber er sah sich gezwungen, sein Nein zu opfern, um die Deutsche Einheit voranzutreiben. Wenn man so will, war er damals ein armes Birnchen, das eher Marionette des Volkes oder vermutlich eher seines eigenen Geltungsbedürfnisses war als ein überzeugt handelnder Stratege.

    Nun gut, das läßt sich weder be- noch widerlegen. Sagen wir mal: unter einem anderen Kanzler hätte das Ergebnis ganz bestimmt anders ausgesehen. Ich bin mir aber leider nicht sicher, ob das Ergebnis unter einem anderen Kanzler nicht vielleicht sogar deutlich besser ausgesehen hätte, denn viele seiner Vorgänger hätten wahrscheinlich eher auf die Bremse getreten. Klar - das wäre unpopulär gewesen. Aber wahrscheinlich wäre vieles strukturierter und auch fairer abgelaufen. Nicht falsch verstehen: die Wiedervereinigung war 'ne tolle Sache, und ich bin mir der historischen Tragweite auch absolut bewußt. Aber es gab zu viele Mißverständnisse, zu viele falsche Entwicklungen, zu viele clevere Geschäftsleute auf Wessi-Seite, zu viel Naivität auf Ossi-Seite, und extrem vieles aus der DDR kam völlig unberechtigt unter die Räder. Ich hatte stellenweise das Gefühl, daß da nicht etwas zusammenwuchs, sondern daß da etwas einverleibt wurde. Und das kreide ich vor allem der damaligen Bundesregierung und ihrem Chef an.

    Gruß
    Skywise
     
    prinz gefällt das.
  17. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Darüber läßt sich endlos streiten, denn es läßt sich ja nunmal nicht belegen. Man kann nicht etwas als wissend darstellen, was gar nicht gewußt werden kann.


    Das halte ich nach wie vor für eine Legende. Man wußte im Westen sehr genau wie es wirtschaftlich um die DDR stand. Es existierten ja nicht umsonst ungezählte enge Verflechtungen wirtschaftlicher Art, über die man aber öffentlich aus gutem Grund kaum ein Wort verlor. Die großen Versandhauskataloge Quelle und Neckermann waren voll mit in der DDR produzierten Artikeln. Selbst Ikea ließ bekanntlich in der DDR produzieren. Die DDR war das willkommene Billiglohnland, mehr nicht. Das die Wirtschaftskraft nicht mal im Ansatz der des Westens entsprach, war hinglänglich bekannt. Davon abgesehen gab es seit spätestestens den 70er Jahren immer wieder enge Gespräche zwischen Ost und West, Egon Bahr und Co. seien da mal angeführt, welche unter Kohl eifrig fortgeführt wurden, siehe Strauß-Kredit etc. Die DDR war bis zu ihrem Ende in Bezug auf alle Verbindlichkeiten Richtung Westen liquide. Das ist inzwischen mehrfach belegt worden.

    Es war Kohls Egomanie welche zur überstützten Einheit führte. Nach der Währungsunion ein paar Monate vor der Einheit, welche ja quasi einer Wirtschaftsunion gleichkam, hätte man erst einmal in Ruhe über einen Fahrplan in Sachen Einheit nachdenken sollen. Das hätte manchen wahrscheinlich manches erspart, im Osten und im Westen. Das Tempo war nur dem Umstand geschuldet, das man den 41. Jahrestag der DDR verhindern wollte. Gebracht hat es allerdings nichts, denn auch nach der Vereinigung zog es Hunderttausende weiter gen Westen.
     
  18. Tweety

    Tweety Benutzer

    Glaubst du das ein Oskar Lafontaine oder Johannes Rau die Wiedervereinigung so schnell hinbekommen hätte bzw. gewollt hätte? Ich glaube eher nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2017
    rockon gefällt das.
  19. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Wäre denn (aus heutiger Sicht!) die Wiedervereinigung in dem Tempo wirklich so sinnvoll gewesen?
    Ich sag es nochmal: Mit der Einführung der D-Mark war eine quasi Wirtschaftsunion vollzogen. Damit galten wirtschaftlich überall die gleichen Bedingungen. Ab da hätte man über einen Fahrplan in Sachen Vereinigung/Angliederung nachdenken sollen mit allem Pro und Contras und deren Folgen . Man hätte so sicher manchen Fehler vermeiden können und auch manchen späteren Unmut der Leute in West und Ost minimieren können. Ob das mit Lafontaine als Kanzler besser abgelaufen wäre, kann ich nicht beantworten. Es gäbe Aspekte die dafür sprächen, aber auch einige die eher auf ein Nein schließen würden. Zugegeben, es gab nun keinerlei geschichtliches Vorbild bzw. kein ähnlich gelagertes Ereignis, wo man sich eventuell ein paar Sachen hätte abgucken können. Insofern war das schon eine ziemliche Leistung in der Zeit von nicht mal einem Jahr. Hinterher ist man zudem immer schlauer und hätte manches anders und besser machen können. Jetzt ist es so wie es ist und das ist auch nicht mehr zu ändern.
     
  20. Skywise

    Skywise Benutzer

    Okay, einverstanden. Dann bleibt also praktisch nur noch die Möglichkeit, daß Helmut Kohl diesen Punkt im Zehn-Punkte-Programm bewußt heruntergespielt hat. Wirft auch kein gutes Licht auf ihn, andererseits - aufgrund der damals anstehenden Haushaltsdebatten war das vielleicht auch der einzige Weg, einem unwilligen Aufschrei sämtlicher Fraktionen (und Medien) aus dem Weg zu gehen.

    Das hätte man schon vor der Währungsunion tun sollen. Gut, die DDR-Wirtschaft war so oder so am Ende, aber die Wirtschaftsunion hat den Laden noch schneller hochgehen lassen und wahrscheinlich auch viele DDR-Bürger hoffnungslos überfordert. Mit der Währungsunion war der wesentliche erste Schritt getan, dem dringend weitere folgen mußten; man hat dadurch nur den eigenen Druck nochmal erhöht, viel mehr hat es nicht gennutzt. Eher im Gegenteil.

    Gruß
    Skywise
     
  21. Mannis Fan

    Mannis Fan Benutzer

    Wie unglaublich gut die deutsche Wiedervereinigung gelungen ist sieht man schon daran, dass es heute, nach 27 Jahren, noch immer den Solidaritätszuschlag gibt.
     
  22. Tweety

    Tweety Benutzer

    Eindeutig JA !!!! Man darf das nicht nur immer unter wirtschaftspolitischen Überlegungen sehen, sondern vor allem unter den POLITISCHEN. Damals war die geopolitische Lage so günstig für eine Wiedervereinigung wie niemals zuvor und auch später wäre das wohl nicht (mehr) möglich gewesen. Das Zeitfenster für die Verhandlungen war damals nicht so gross, da man nicht wusste wie es insbesondere mit der Lage in der damaligen Sowjetunion weitergehen würde. Die politischen Zustände waren dort damals extrem instabil und nicht mit der heutigen autokratischen Herrschaft Putins zu vergleichen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2017
    Beyme und rockon gefällt das.
  23. Radiokult

    Radiokult Benutzer

    Ich wäre mir mit dem Ja gar nicht so sicher. ich reite nicht umsonst auf dem Zeitpunkt der D-Mark-Einführung so herum. Das hätte man so oder so nicht rückgängig machen können ohne das es auf dem Ex-DDR-Gebiet einen erneuten Aufstand gegeben hätte. Insofern war ab genau diesem Zeitpunkt auch für den Rest der Welt klar, dass die DDR zum Teil der Bundesrepublik werden wird. Geopolitisch betrachtet war der gesamte Ostblock im Grunde am Zerfallen. Und das Kettenrasseln des Westens, nun ja. Was will man unternehmen, wenn ein bis dahin souveränes Land sich dazu entschließt einem benachbarten Land beizutreten? Da könnte man natürlich protestieren dagegen, was Frankreich und vor allem England ja auch getan haben. Aber ganz ehrlich, in irgendeiner Form verhindern können hätten sie es nicht. Wie denn auch? Wenn zwei Länder fusionieren geht das in erster Linie nur die beiden Länder etwas an, zumal in diesem speziellen Fall die beiden Länder bis 1949 schonmal ein Land waren.
     
  24. rockon

    rockon Benutzer

    Kohl, Genscher und die meisten Deutschen haben die Probleme, die
    die Wiedervereinigung mit sich bringen würde, fraglos unterschätzt.
    Wäre er auf alle Bedenken aus dem In - und Ausland gegen die Wiedervereinigung
    eingegangen - ein schier endloses Herumgeeiere hätte das zur Folge gehabt.
    Und das gerade wollten die Ostdeutschen nicht. Sie hatten die Schnauze voll
    von ihrer DDR. Kohl handelte alternativlos.
     
    Grenzwelle und Tweety gefällt das.
  25. Skywise

    Skywise Benutzer

    Schon, aber das ist keine Entschuldigung dafür, praktisch sämtliche Bedenken in den Wind zu schlagen, zumal es auch schon einige berechtigte Bedenken gab, und ihm sehr wohl bewußt war, da von ihm selbst mit vorangetrieben, daß der Europäische Binnenmarkt ebenfalls unmittelbar bevor stand.

    Och, die meisten Westdeutschen, vor allem die älteren, hatten sicher auch nichts gegen die Wiedervereinigung. Der Graben, der durch 40 äußerst unterschiedliche Jahre in der Gesellschaft gebuddelt wurde, war allerdings deutlich tiefer als vermutet. Zeigt sich ja auch bis heute.
    Ob Kohl alternativlos handelte - na ja. Er hätte Alternativen gehabt, da bin ich mir sehr sicher, allerdings wäre wahrscheinlich so ziemlich jede Variante gleichbedeutend mit seinem Ende bei den nächsten Wahlen '91 gewesen, denn so richtig sauber war seine Weste schon anno '88 nicht mehr und sein Zögern hätte das Faß zum Überlaufen gebracht.

    Gruß
    Skywise
     
    Radiokult gefällt das.

Diese Seite empfehlen