Helmut Kohl gestorben


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#26
Kohl wurde seinerzeit von den Medien, keineswegs misszuverstehen als Anspielung auf seine einstmals wuchtige körperliche Konstitution, ein "Elefantengedächtnis" nachgesagt. Wer ihm gute Dienste erwies konnte lebenslänglich mit seiner Dankbarkeit und Förderung rechnen, wer ihm in den Rücken fiel hatte es sich für alle Zeiten mit ihm verscherzt. Den Medien gegenüber hatte Kohl eine sehr ambivalente Haltung; Spiegel und kritische Fernsehmagazine wurden vor laufender Kamera gerüffelt und heruntergeputzt, Hofschranzen der von ihm begünstigten Kirch-Sender, wie etwa Heinz-Klaus Mertes, mit Freundlichkeiten und warmen Worten bedacht. Dieses Verhalten gilt in antipatriarchalischen Zeiten wie diesen als hochgradig anmaßend und unprofessionell und trug kurz vor der Jahrtausendwende maßgeblich zur Wahlniederlage gegen den umgänglicheren, aber dennoch überaus dominant wirkenden Herausforderer Gerhard Schröder bei.

Kohl galt andererseits als Arbeitstier und Mann des Ausgleichs, der immer darum bemüht war Konzerinteressen und soziale Anliegen unter einen Hut zu bringen. Seine Interventionen zu Gunsten befreundeter Unternehmer sind zwar legendär, im Zweifelsfall begünstigte das Beamtenkind jedoch die Herz-Jesu-Sozialisten um Norbert Blüm, was unter anderem den jahrelangen Reformstau erklärt, der erst mit den Hartz-Reformen ein jähes Ende fand. Der Einfluss der FDP auf die Regierungsgeschäfte galt als gering, was Marktradikale wie Graf Lambsdorff dennoch in der Koalition hielt waren vor allem die Pfründe und Futterkrippen der Parteifunktionäre, die unangefochtene Machtstellung des Übervaters Genscher im Außenamt und die starke Abneigung gegen die Vogel-Lafontaine-SPD, die sich anschickte mit den "grünen Chaoten" zu paktieren.

In der Kohl-Ära lautete das Synonym für die Bonner Republik noch "Bundesrepublik". Man lebte in der Bundesrepublik, von Deutschland war nur die Rede wenn man auf kulturelle und historische Belange abhob oder gesamtdeutsche Anliegen zur Sprache brachte.
 
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#29
Also wenn du danach gehst, wieviele Entscheidungen hat Kohl gegen seine eigene Fraktion, seine Partei und auch gegen das eigene Wahlvolk getroffen? Da gab es einige. So wahnsinnig begeistert wie man immer tut, war man im Westen von der Einheit letzten Endes auch nicht.
 
#33
Deswegen begreifen es die meisten ja nicht und diejenigen, die es begreifen, wissen kein Gegenmittel.
Bzw. deren Meinungen sind nach den gängigen "demokratischen" Spielregeln nicht mehrheitsfähig. Weil Mehrheitsmeinungen nur durch sehr große Anhäufigungen von Finanzmitteln festgelegt werden. [anderenfalls sind es Korruption, Fakenews oder wird schlicht weg nicht wahrgenommen]

1998 schien es mit Absriss-Birne hierzulande einen kleinen Aufbruch zu geben - was kam? ...
Und seit ca. 2011/2013/2014 brechen alle Dämme, mit denen sich die westl. Wohlstandsgesellschaften abzuschotten versuchen und lassen das System Demokratie zu Makulatur verkommen. Dieser Rückfall ins Archaische ist nicht Kohls Schuld.

Was aber geworden wäre, wenn 1989 nicht Kohl, sondern Lafontaine oder Rau dran gewesen wären, ist spekulativ. Aber irgeneine Form von Konförderation z.B. mit "Volksaktien" für noch funktionierende Betriebe und langwierige Annäherung wäre sicher besser gewesen. Dann wäre ein Solizuschlag sicher nicht solange notwendig aber es hätten sich wahrscheinlich weniger westdeutsche Firmen gesund sanierien können und manches vielleicht echte Konkurrenz.
Ein Großteil der ostdeutschen Wirtschaft war allerdings deshalb von heut auf morgen nicht mehr konkurrenzfähig, weil auch die "Märkte" im Osten sofort weg waren und die Firmen von heut auf morgen den geänderten Situationen ausgesetzt waren. War selbst 1990 zum Berufseinstieg auf "Kurzarbeit 0 Stunden". Ein gigantischer Ettikettenschwindel um zu Verschleiern dass die Arbeitslosikeit von heut auf morgen exponentiell gestiegen ist - mit Blick auf die Wahl...
 
#36
Ein unwürdiges Schmierentheater im Familienkreis von Helmut Kohl, noch
vor dessen Beisetzung. Respekt und Zurückhaltung wären angebracht,
auch von Kohls´zweiter Frau.
 
#37
Maike Kohl-Richter hat ihren Mann offensichtlich abgöttisch geliebt und wie einen Helden verehrt, ein bei Frauen nicht selten anzutreffendes Verhalten, das bis zur Selbstaufopferung geht und bei zunehmender Gebrechlichkeit des Partners mit einem starken Beschützer- und Bemutterungsdrang einhergeht. Offenbar wollte sie jede Form von Ungemach von ihrem Mann fernhalten, packte ihn förmlich in Watte und schottete ihn von allen Menschen und Situationen ab, die die Idylle ihres exklusiven Verhältnisss hätten stören können.

Maike Kohl trat mit ihrem starken Anlehnungs- und Fürsorgebedürfnis ganz zwangsläufig in Konkurrenz zu Kohls leiblicher Familie, die sie von Anfang an so weit wie möglich auf Distanz hielt. Seitdem ihr Mann fast völlig von ihr abhängig war, war es ein Leichtes ihn in ihrem Sinne zu beeinflussen und jeden Kontakt zu den Söhnen zu unterbinden. Dass Walter Kohl sein privates Verhältnis zum Vater öffentlich breittrat und detailreich in Büchern und Talkshows auswalzte vertiefte die Gräben noch mehr, schließlich kann man dem Altkanzler nachfühlen, dass er in diesem Verhalten einen schweren Vertrauensbruch sah.
 
#38
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#39
Dieser schmierige Dieckmann und die für mein Empfinden narzisstische Maike Richter sind für mich mehr als suspekt, vor allem in Verbindung mit Kohls Erbe.

Kaum war diese Frau in Kohls Leben getreten, wurde alles versucht und arrangiert, ihn von seinem Umfeld abzuschirmen. Freunde und Söhne wurden abgewiesen und ausgebootet, obwohl alle inklusive der Öffentlichkeit zusahen, welches Spiel diese Frau trieb. Sie benutzte Kohl wie ein Eigentum, bis sich alle Weggefährten fernhielten. Da wunderte man sich auch nicht mehr, dass Maike Richter Helmut Kohl nur 3 Monate seit seinem schweren Sturz und der darauf folgenden körperlichen und geistigen Einschränkungen vor den Traualtar zerrte. Seine Söhne waren nicht eingeladen, dafür standen Dieckmann und Leo Kirch als Trauzeugen bereit. Umgekehrt war Kohl Trauzeuge bei der Trauung Dieckmanns mit Katja Kessler. Das zum Thema journalistische Unabhängigkeit Dieckmanns und der "Bild"...

Da passte zu Glanzzeiten Kohls auch die Tatsache, dass er die Spiegel-Journalisten verachtete und der "Bild" zuträglich war. Ich mutmaße, das Schmierblatt unter der Führung Dieckmanns hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass Kohl politisch so erfolgreich war.

Somit pass(t)en Kohl, Richter, Dieckmann und die "Bild" prima zueinander: vertuschen, lügen, Tatsachenverdrehung, darin sind/waren alle gut.

Ich würde mich nicht über folgende exklusive "Bild"-Schlagzeile in naher Zukunft wundern: "Kai Dieckmann und Kohl-Witwe bekennen sich öffentlich zu ihrer Liebe"

Alles in allem hat Maike Richter zwar vermutlich länger als gedacht auf Kohls Erbe (Vermögen) warten müssen, aber jetzt kann sie sich an seinen Millionen bedienen und sein geistiges Erbe gewinnbringend verschachern. Vermutlich mithilfe des umtriebigen Dieckmanns.

Genug Stoff also, eine Filmposse zu drehen.
 
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#40
Leo Kirch war ein Duz-Freund Helmut Kohls und wurde von ihm schon gegen Ende der 80er-Jahre beim Aufbau seiner Fernsehkanäle PKS/Sat1 und Eureka/Pro7 nach Kräften protegiert, denn Kohl wollte mit dem von Kirch und Bertelsmann beherrschten Privatfernsehen nicht zuletzt einen politischen Gegenpol zum, wie er unterstellte "linkslastigen" öffentlich-rechtlichen Rundfunk schaffen, dessen investigative Polit-Magazine ihm das Leben schwer machten.

Zuletzt hielt Kirch beim ohnehin schon Kohl-freundlichen Springer-Verlag 40% der Aktien, da leuchtet es ein dass bei der BILD-Zeitung über kurz oder lang nur noch Kohl-Günstlinge und Speichellecker den Ton angaben.
 
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#41
Das Tempo war nur dem Umstand geschuldet, das man den 41. Jahrestag der DDR verhindern wollte. Gebracht hat es allerdings nichts, denn auch nach der Vereinigung zog es Hunderttausende weiter gen Westen.
Ja solche Legenden erzählen sich die offenen und heimlichen DDR-Fans, SED-PDS-Wähler (oder wie der Laden heute heißen mag), die immer noch nicht begriffen haben, dass ihr tolles, nur mit Bespitzelung und Schießbefehl zusammengehaltenes Land endgültig am Ende war.

Das Gezerre um den Beitrittstermin hätte am generellen Tempo der Einheit nichts geändert, es ging hier lediglich um Tage. Es mag unbestritten sein, dass so einige sowohl in Volk und Politik in West, aber auch Ost gerne auf diesen Jahrestag verzichten wollten. Hätte er stattgefunden, dann nur als Formalie und Randnotiz, am Tempo, auch an Fehlern und Problemen der Einheit hätte ein 14. Oktober oder 1. Dezember gar nichts geändert.

Du widersprichst der These im nächsten Satz auch selbst: Die Flucht in den wirtschaftlich attraktiveren Teil Deutschlands hätte ohne Einheit und Währungsunion nicht aufgehört, das Land war durch die Grenzöffnung am Rande des Zusammenbruchs.

Ein mindestens so wichtiger Grund war die große Skepsis bis Ablehnung eines vereinigten Deutschlands in nahezu allen wichtigen Ländern der Welt, keiner wollte das. Hier liegt Kohls tatsächlicher großer Verdienst, die Gunst der Stunde genutzt und die Welt von Vorhaben überzeugt zu haben. Ein Demagoge und Dummkopf wie Lafontaine, dem du huldigst, hätte das kaum zustande gebracht, was soll's, er wäre und wurde auch nie Kanzler. (Dein Beitrag #23 hierzu ist auch falsch, im Falle von Deutschland hatten die Besatzungsmächte ein wichtiges Wort mitzureden. Die 2+4 Verhandlungen waren nicht nur zum Spaß.)

Die Frage, die ich auch hier stellte, wie denn so ein nicht vereinigtes Ostdeutschland hätte aussehen sollen, konnte oder wollte niemand beantworten. Vielleicht weil es ein Luftschloss wäre, ein Fremdkörper im vereinigten Europa. Apropos Europa: Lustig, dass gerade in den politischen Lagern, in denen Kohl, der Architekt der heutigen EU, verspottet und verhöhnt wird, geradezu phrasenhaft 'Europa' gehuldigt wird.
 
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#42
Ja solche Legenden erzählen sich die offenen und heimlichen DDR-Fans, SED-PDS-Wähler (oder wie der Laden heute heißen mag) (...)
Ach ja, die Ewig-Gestrigen, die noch immer nicht begriffen haben, dass die, denen sie unterstellen eine DDR2 gründen zu wollen, inzwischen, wie sie selbst, bereits in einer weiteren DDR leben. Wie, das glaubst Du nicht? Lies doch selbst die jüngste Entscheidung der CDU/SPD vom Mittwoch. Und das ist nicht die erste der Entscheidungen, die getroffen wurde, die in diese Richtung geht. Nehmen wir doch nur die weiteren Fälle der Überwachungen. Gab es nicht? Ganz richtig! Zumindest, wenn es nach Pofalla gegangen wäre. Und auch Merkel, auf die Kohl so viel gesetzt hatte, wusste hier "von nichts" oder konnte sich "nicht erinnern". Weshalb kommen mir, nicht mehr ganz so jung, diese Formulierungen nur aus Zeiten Kohls und Strauß so bekannt vor? Vermutlich deshalb, weil eben die beiden sich auch nicht mehr erinnern konnten, als sie auf verschwundene Gelder oder fragwürdige Deals und Entscheidungen angesprochen wurden.
 
#43
Ja solche Legenden erzählen sich die offenen und heimlichen DDR-Fans, SED-PDS-Wähler
Mitnichten. Das ist eine Aussage die Hans-Dietrich Genscher Jahre später mal öffentlich gemacht hat, NDR-Talkshow oder 3 nach 9, eine von den beiden. Und damit hatte er Recht, denn objektiv gabs nach der Währungsunion keinen ernsthaften Zwang mehr die Einheit in diesem Tempo zu vollziehen.

Die Frage, die ich auch hier stellte, wie denn so ein nicht vereinigtes Ostdeutschland hätte aussehen sollen, konnte oder wollte niemand beantworten.
Stimmt so nicht. Es gab Überlegungen einer Konförderation mit einer langsamen und überlegten Einheit. Es ging nie darum, dass es keine Einheit geben soll. Es ging lediglich um das wie.

Ein Demagoge und Dummkopf wie Lafontaine, dem du huldigst,
Du hast eine merkwürdige Auffassung von "huldigen"...
 
#44
Die Frage, die ich auch hier stellte, wie denn so ein nicht vereinigtes Ostdeutschland hätte aussehen sollen, konnte oder wollte niemand beantworten.
Dr. Helmut Kohl, Zehn-Punkte-Programm.

Das war die langsame und überlegte Einheit, wie sie hätte passieren können, inklusive der Möglichkeit, zwei Staaten, die gemeinsame Sache machen, über einen längeren Zeitraum nebeneinander bestehen zu lassen. Dieses Programm war zwar schon kurz nach der Verkündigung reine Makulatur, weil der Druck von anderen Stellen größer wurde, aber - das war die langfristige Strategie eines intelligenten Mannes namens Helmut Kohl. Der dann später exakt diese Ideen opferte, weil er einsehen mußte, daß ihm anderenfalls die Felle davongeschwommen wären. Und der in diesem Zusammenhang auch noch sein ursprüngliches Veto gegen den Euro gleich noch mit opferte, obwohl er und einige andere sehr (!) genau wußten, daß es ohne eine gemeinsame europaweite Finanzpolitik zu genau den Problemen kommen könnte, die dann später tatsächlich eintraten. Im Grunde hat Kohl mit seinem Vorantreiben der deutschen Einheit, teilweise mit Entscheidungen wider besseres Wissen, alles geopfert, wofür er gearbeitet hatte, nämlich ein stabiles Europa, und das hastig umgesetzt, wogegen er gearbeitet hatte, nämlich die deutsche Einheit, um denen, die die Einheit forderte, ihren Willen zu geben und andererseits selbst in die Geschichtsbücher einzugehen.

Gruß
Skywise
 
#49
Spätestens hier wird dein Statement zur Lachnummer. Jeder weiß heute - und es wird nicht einmal von der CDU bestritten -, dass Lafontaine mit seinen wirtschaftspolitischen Analysen und Vorhersagen deutlich richtiger lag als Helmut Kohl und seine damalige Entourage.
Wieso spätestens? Lafontaine hatte darauf hingewiesen, dass die damalige Kohl-Regierung die zu erwartenden Kosten der Einheit kleinredete. Damit hat er seinen Job als Opposition gemacht, aber auch die SPD klar gegen die deutsche Einheit positioniert. Das ändert nichts an meiner Meinung, dass Lafontaine, obwohl Physiker, von Wirtschaft keine Ahnung hatte, sondern abstruse Theorien vertrat und er ein großer Demagoge war.
 
#50
Mitnichten. Das ist eine Aussage die Hans-Dietrich Genscher Jahre später mal öffentlich gemacht hat, NDR-Talkshow oder 3 nach 9, eine von den beiden. Und damit hatte er Recht, denn objektiv gabs nach der Währungsunion keinen ernsthaften Zwang mehr die Einheit in diesem Tempo zu vollziehen.


Stimmt so nicht. Es gab Überlegungen einer Konförderation mit einer langsamen und überlegten Einheit. Es ging nie darum, dass es keine Einheit geben soll. Es ging lediglich um das wie.


Du hast eine merkwürdige Auffassung von "huldigen"...
Wenn's denn der Genscher gesagt hat ... Ich sage ja auch nicht, dass nicht viel Arroganz und Überheblichkeit im Spiel war von westlicher Seite, in der großen Politik wie auch von Mensch zu Mensch.

Ja, ich erinnere mich an das Gerede von Konförderation, während jeder im Osten, der zwei Hände und einen Kopf aber wenig Heimatbindung hatte, die Koffer packte. Aber so funktionieren Geschichte und große Politik nicht. Kohl hatte die historische Chance wahrgenommen und umgesetzt, das ist sein großer Verdienst. Da kann man schlecht gegen argumentieren, denn die Einheit ist Tatsache, hat funktioniert.

Für Kohl sprechen nicht die Spendenaffäre und die bleiernen 90er Jahre seiner späten Ära. Das war die Zeit, in der sich zeigte, dass die starke Bundesrepublik in die Jahre gekommen und zum kranken Mann Europas wurde. Die bittere Medizin verabreichte dann Schröder, dessen Finanzminister Lafontaine daraufhin das Handtuch warf. Womit wir wieder beim Saarländer währen. Der konnte nur Krawallopposition, nichts gestalten wie Kohl. Seine Ideen von festen Wechselkursen und niedrigen Zinsen sind heute im Euroraum Realität, mal sehen, wann das Ding auseinanderfliegt.

Apropos Saarländer. Da ist heute wieder einer im Kabinett, der wirklich ein paar DDR 2.0 Ambitionen hat und auch umsetzt.
 
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