HR1: Für Stadt und Land


#1
Ich kenne diese Sendung aus den 70ern. Heiner, Philip und Babette - so die Pseudonyme der Sprecher - plauderten im südhessischen Dialekt über dies und das.
Ich meine mich zu erinnern, daß die Sendung sonntags um 10 (oder 5?) vor 12 kam, weiß es aber nicht mehr genau.
Es ist im Internet nicht zu erfahren, wer die Sprecher waren. Angeblich soll Botho Jung ("The Voice") mal mit von der Partie gewesen sein, aber immer, wenn ich Rolf Schmitz im Fernsehen sah - und hörte! -, mußte ich an "Stadt und Land" denken.
Die Sendung soll eingestellt worden sein, weil die Sprecher zu alt geworden waren - aber waren es über all die Jahre stets dieselben gewesen?
Weiß jemand mehr über "Für Stadt und Land?"

Und wo ich gerade bei HR1 in den 70ern bin:
damals wurde samstags um kurz vor 19 Uhr der Sonntag eingeläutet - mit Glockengeläut hessischer Kirchen.
Nur mal so angemerkt...
 
#2
Ja, ja … *schmacht*

Damals wußte ich nicht, ob ich diese Störung beim sonntäglichen Mittagessen gut oder schlecht finden sollte. Immerhin kam die Dreiviertelstunde vorher „Gern gehört“, mit beliebten Filmmelodien. Oder so. Und dann das!

Philipp: „Unn isch habb jetz’ mei G’raanje eneigehoolt, weil ’s ja jetz’ im Novemmer ’s all’s källder werd.”

Babett: „Jaaah, so Gerahnie wolle frieh inns waahme, sonns sinnse im Friiehjaahr blooß noch Zunder!“

Heiner: „Hehe, ja! Un’ desshalb komme bei mir in de Ballkongkaste nur noch Tullbe enei un sonns nix.“

Heinz Erle, („Heiner“) Urgestein im Sendebetrieb des Hessischen Rundfunks, um den sich bis heute legendäre Anekdoten ranken. Und, ja, die Sprecher wurden alt, mit allen kollateralen Effekten, die sich dabei einstellen.

Im verflossenen Rundfunkwiki, seligen Angedenkens, war folgendes zu finden:

Für Stadt und Land war eine der ältesten Hörfunksendungen des Hessischen Rundfunks (zuvor Radio Frankfurt). Die Gesprächssendung des Landfunks widmete sich seit Mai 1946 allen Themen der Landwirtschaft und wurde zunächst täglich, auch samstags und sonntags, um 11:45 Uhr ausgestrahlt. Die Erkennungsmelodie wurde in der ersten Zeit tagtäglich live von einem Pianisten eingespielt (Quelle: Botho Jung).
Im Studio unterhielten sich die Kunstfiguren Heiner, Philipp und Babett (ursprünglich nur Heiner und Philipp) in lockerer Weise und mit unüberhörbarem südhessischen Dialekt über Rübenaussaat, Bonsai-Zucht oder Schweinepest, über Kartoffelkäfer und Pferdefrisuren – nachdem sie sich gegenseitig mit einem herzlichen „Mahlzeit, Heiner“, „Mahlzeit, Philipp“, „Mahlzeit, Babett“ begrüßt hatten.
Da die 10 Minuten Trialog (später) immer sonntags zur Mittagszeit ausgestrahlt wurden, war „Für Stadt und Land“ über Generationen ein Begleiter der hessischen Hörer beim sonntäglichen Mittagessen.
Hinter den Kunstfiguren steckten Radioredakteure und Sprecher:
  • Heiner: Ab Mai 1946 zunächst der Schauspieler und Operettensänger Hermann Hantschmann, nach dessen frühem Tod dann bis zur Einstellung der Sendung Heinz Erle, damals Leiter vom Dienst im Sendebetrieb
  • Philipp: in den Anfangsjahren gesprochen von Botho Jung, später von Otto Kunkel, Landfunkredakteur
  • Babett: Lieselotte Siener-Perne, Redakteurin
„Für Stadt und Land“ wurde in den 90er Jahren wegen hörbarer Altersbeschwerden der Protagonisten eingestellt...

Der Sonntag wurde noch mindestens bis Ende 2003 eingeläutet, inzwischen im vierten Programm abends, vor achtzehn oder neunzehn Uhr. Immer durch den Moderator angesagt: „Und nun, liebe Hörerinnen und Hörer, läuten die Glocken der evangelischen Wehrkirche zu Strinz-Trinitatis den Sonntag ein. Die Kirche wurde errichtet im Jahre … [bla, bla, abgebrannt, wiederaufgebaut, im deißigjährigen Krieg, undsoweiter, undsoweiter …]. (Langsam den Regler aufziehen) Ihr Geläut erklingt jetzt in den Tönen fis, des und as.“

Ein Kollege erfand damals das Wort vom „Nudelgeläut“: Drei Glocken.
 
Zuletzt bearbeitet:
#3
Solche Sendungen waren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk der 70er und frühen 80er-Jahre noch überall Usus. Auch beim Süddeutschen Rundfunk läuteten die Glocken den Sonntag ein. Heute gibt es das Glockengeläut noch jeden Mittag um 12 bei den ORF-Landesprogrammen. Gartentipps und "Winke für die Hausfrau" gab es natürlich auch in den Vormittagsprogrammen und dialektgefärbte Sendungen ebenfalls. Als kleiner Steppke fand ich sowas damals bestenfalls amüsant, später dann piefig. Heute würde ich es mir manchmal zurückwünschen...es fühlte sich hörernäher und "wärmer" an als die heutigen durchgestylten Programme.
 
#4
Ich verneige mich vor all dem geballten Wissen und freue mich, ein paar Brocken mehr in meine Erinnerungen einbauen zu können. Ja, natürlich, plaudern über Geranien, Saisongemüse und Kartoffelsupp' im Röhrenradio bei Schweinebraten, Rotkohl und Knödeln halb und halb. Selige Zeiten, wo seid ihr geblieben?
 
#5
Ich meine mich zu erinnern, daß die Sendung sonntags um 10 (oder 5?) vor 12 kam, weiß es aber nicht mehr genau.
Mitte der 80er lief «Für Stadt und Land» sonntags von 12:45 bis 12:55 Uhr (gefolgt von der «Rundschau aus dem Hessenland»). Ende 1989 wurde sie auf 13:05 Uhr verlegt. Nach dem von der hr-Publizistik veröffentlichten Programmschema lief diese Sendung dann bis 13:55 Uhr, aber das kann auch ein Layoutfehler sein.
Philipp: „Unn isch habb jetz’ mei G’raanje eneigehoolt, weil ’s ja jetz’ im Novemmer ’s all’s källder werd.” ...
Ja, genau so, danke für die Erinnerung! :)
 
#7
Bevor die "Drei-Glocken"-Sendung nach hr4 wanderte, hatte sie ihren Sendeplatz in der hr1-Hessenrundschau samstags um 18.50 Uhr. Zu dem Behufe waren die eigentlichen Meldungen der Sendung nur 7 Minuten lang, damit wir (nach textlicher Einführung zu Kirche und Geläut) "bimmeln" konnten. Die Tonbänder mit den Glockenaufnahmen waren zum Teil 40 Jahre alt und lösten sich fast schon auf. Aber der liebe Herrgott hat nie eins in der Sendung reißen lassen ;)
 
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