hr2 wird zur Klassikwelle


#27
Das ist ja mal ein mutiger Schritt. Der hr hat den Zeitgeist verstanden und lebt künftig Digitalisierung, während andere nur davon reden. Lineares Radio wird es weiter geben, aber nur noch als Low Budget Hintergrundberieselung. Das klassische lineare Einschaltradio funktioniert heute nicht mehr oder kommt wieder, je nachdem, wie man es sieht. Keiner wartet heute mehr bis 22 Uhr, bis ein Hörspiel oder Feature kommt, wenn er es jederzeit per Podcast geliefert bekommt. Insgesamt bietet die Digitalisierung hier sogar Chancen, Altbekanntes wieder neu zu schaffen. Das macht auch das ZDF derzeit still, heimlich und leise mit ZDFkultur. Offenbar hat's der Vaunet noch nicht bemerkt, dass es die wieder gibt :).

hr2: Nur Klassik als Musikfarbe finde ich etwas schwach, das Segment ist durch Klassik Radio inzwischen auch gut abgedeckt. Ich hätte tatsächlich ein kulturorientiertes Tagesbegleitprogramm angeboten mit unterschiedlichen Musikstilen. Mit Schwerpunkt Popkultur könnte man die Jüngeren wohl eher erreichen, wobei dieser Sektor inzwischen mit DLF Kultur äußerst gut besetzt ist.

Der Umbau von You FM zur Multimedia-Marke ist ebenfalls konsequent. Mittelfristig werden die ARD-Jugendradios wohl ihre linearen Programme zurückfahren und stattdessen primär Contentliferanten in Audio, Video und Bild werden. Das Smartphone ist hier Dreh- und Angelpunkt. Man müsste noch Möglichkeiten finden, den Audio-Content in personalisierte Musik einzubetten. Nur so kann man die Jungen wieder an das Medium Radio binden, das dann freilich kein Radio mehr im alten Stil ist.
 
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#28
Du bist halt ein alter UKW-Hörer.
Die sterben weg.
Es gibt sie kaum noch.
Die Zukunft ist eine andere. Nein, DAB+ ist sie auch nicht.
Der Intendant weiß es besser als Du (er wird auch dafür bezahlt).
Genau. Man kann es auch so sagen: Die Digitalisierung frisst neben UKW auch das "Digitalradio" auf. DAB war immer analoges Radio auf digitalem Verbreitungsweg. Es wird genauso durch die digitale Disruption zerstört wie alles andere.

Und nochmal: Der hr dünnt sein Programm nicht aus! Er verlagert es nur ins Internet und bietet mehr non-linearen Content an. Im Endeffekt wird er sogar mehr Audio anbieten als heute. Probiert es einfach mal aus. Es macht doch sehr viel mehr Sinn, die Lesung oder das Hörspiel zum vom Nutzer festgelegten Zeitpunkt zu starten.
 
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#29
Ich bin dafür, dass das ZDF sein Programm aufgrund der Digitalisierung komplett einstellt und sich ausschließlich auf das Internet konzentriert. Die ZDF-Zuschauer (60+) werden sich freuen. Auch bin ich dafür, dass alle lineare Hörfunk-Programme eingestellt werden. Weil Musik ohne Inhalt kann ich mir auch selbst zusammenstellen. Den Zwangsbeitrag kann dann jeder bezahlen, der Podcast, Alexa oder was auch immer konsumiert.

Gute Nacht, TV- und Radiofreunde.

Nur um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: Ich bin natürlich nicht dafür. Aber das lineare Produkte komplett vernachlässigt werden, nur um online aufzufallen, geht gar nicht. Dann stellt gefälligst mehr Mitarbeiter ein. Das weniger lineares Radio gehört wird, liegt am fehlenden Inhalt. Aber das kapieren die Radiomacher nicht. Jetzt soll online alles besser werden? Haha. Viel Glück.
 
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#30
Keiner wartet heute mehr bis 22 Uhr, bis ein Hörspiel oder Feature kommt, wenn er es jederzeit per Podcast geliefert bekommt.
Falsch. Wenn es nur noch per Podcast kommt, nehmen es viele gar nicht mehr wahr, es kommt ja nicht "im Radio". Radio ist weiterhin das akustische Medium mit der niedrigsten Zugangshürde.

Und der Podcast konkurriert dann mit Millionen anderen Online-Zeitvertreibsmöglichkeiten.

Was der hr hier macht, verdient meiner Ansicht nach nun endgültig die Diskussion um die Existenzberechtigung gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ohne linearen Ausspielweg ist es für mich keine Versorgung mehr, die eine besondere Finanzierung durch die Gesellschaft erfordern würde.

Ich kenne genug Leute, die an den Kulturwellen "kleben", aber keinen Onlinezugang haben oder die Technik nicht, darüber in der gewohnten Qualität "hören" zu können. Das sind nicht nur Senioren. Die Realgesellschaft hat weitaus mehr Gesichter als nur die, dass jeder Mensch ab 10 Jahren 100 MBit/s in unlimitierter Menge zur Verfügung hat. Wenn das klassische Radio auf UKW nichts mehr brauchbares bringt, wird halt kein Radio mehr gehört.

Das Maß ist voll. Wenn der hr seinem Auftrag nicht mehr nachkommen kann oder will, dann soll er halt weg. Dann sollten die UKW-Frequenzen halt abgeschaltet werden, statt sie mit Ersatzgeräusch aus der Dudelschleife zu belegen. Was hier läuft, ist ein Schlag ins Gesicht der Zivilbevölkerung. Man spielt damit unbewusst denen zu, die die Barbarei ohnehin auf anderem Wege erreichen wollen.

Auch bin ich dafür, dass alle lineare Hörfunk-Programme eingestellt werden.
Sparvorschlag an den hr: die Manuskripte der künftig ggf. noch zu erwartenden Kultur-Schlagzeilen gar nicht erst vertonen lassen, sondern als Kopie an ein schwarzes Brett am Hintereingang des Funkhauses am Dornbusch anpinnen. Wer so altmodisch ist, dass er sich für kulturinteressiert hält, kann ja dort vorbeikommen und es lesen. Luther hat das mit seinen 95 Prothesen schließlich ähnlich gemacht. Heute sinds halt Protools-Thesen.
 
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#31
@Newsroom Blitz: Nein, weiß er nicht. Und von mir kriegt er kein Geld. Vermutlich würde ich es doch besser machen...ich habe ja dargelegt, wo sein Denkfehler ist. Wenn Du das nicht verstehst, kann ich nichts dafür. Dann musst Du es halt noch mal lesen. ;)

Wenn er der Ansicht ist, dass die jüngeren Menschen immer weniger lineare Angebote nutzen (was sicher richtig ist), dann muss er die Angebote, die sich an jene richten, von den linearen Ausspielwegen nehmen, nämlich zuvorderst You FM. Und durchformatierte Musikdudelwellen sind am obsoletesten von allem. Für Musikberieselung nutze ich eh schon kaum mehr Radio, und schon gar keine öffentlich-rechtlichen Wellen, sondern allfällig Spezialprogramme, die ich irgendwo per Internet bekomme. Sonst meist Spotify. UKW höre ich so gut wie gar nicht mehr. Somit wäre auch Deine Vor-dem-Morgenkaffee-rausgerülpste Einstiegsthese "alter UKW-Hörer" widerlegt.
Über die Grundversorgung gehört die gesamte Bandbreite dessen, was zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört. Wäre der Herr ein wenig schlauer, würde er vielleicht darüber nachdenken, ein oder zwei analoge UKW-Ketten einzusparen und hier auf drei bis vier Programme zu reduzieren: Ein informationslastiges Programm, ein kulturlastiges Programm und ein Programm mit starker Regionalisierung. Eventuell noch ein viertes mit Popkultur. Der Rest kann weg oder ins Netz...

Übrigens ist es ein Irrweg, alles auf die Karte "Internet" zu setzen. Denn dann begeben wir uns in die Totalabhängigkeit der Telekommunikationskonzerne, die hier als "Gatekeeper" fungieren. Ohne Mobilfunkvertrag keine mobile Mediennutzung mehr? Nein, das ist NICHT die Zukunft, allfällig eine äußerst dystopische.
Manche haben das anscheinend noch nicht verstanden...die brauchen dann erst mal einen 48h-Blackout der Mobilfunknetze (wenn ich könnte, würde ich einen solchen sofort herbeiführen, um mal das Exempel zu statuieren, vielleicht sollte ich mich mit ein paar Hackern zusammentun...), dann verstehen sie auch, warum.
 
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#32
Du bist halt ein alter UKW-Hörer.
Die sterben weg.
Es gibt sie kaum noch.
Echt?? Was macht dann der Privatfunk in NRW? Dann wird der ja kaum noch gehört?

hr2: Nur Klassik als Musikfarbe finde ich etwas schwach, das Segment ist durch Klassik Radio inzwischen auch gut abgedeckt. Ich hätte tatsächlich ein kulturorientiertes Tagesbegleitprogramm angeboten mit unterschiedlichen Musikstilen. Mit Schwerpunkt Popkultur könnte man die Jüngeren wohl eher erreichen, wobei dieser Sektor inzwischen mit DLF Kultur äußerst gut besetzt ist.
Ich hoffe, dass DLF Kultur seinen UKW-Funzel-Teppich im Rhein Main Gebiet nicht abschaltet, und als Gewinner aus der ganzen Aktion hervorgehen wird.

Und nochmal: Der hr dünnt sein Programm nicht aus! Er verlagert es nur ins Internet und bietet mehr non-linearen Content an. Im Endeffekt wird er sogar mehr Audio anbieten als heute. Probiert es einfach mal aus. Es macht doch sehr viel mehr Sinn, die Lesung oder das Hörspiel zum vom Nutzer festgelegten Zeitpunkt zu starten.
Mehr Audio im Internet gibt es schon heute. Das Angebot ist mittlerweile so gross, dass es schwierig ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ähnlich wie Youtube, wo jede Nase sich selbst darstellen kann. Von daher lautet für mich die Devise bei Podcasts: was linear lief, spricht für Qualität - und kann zeitversetzt nachgehört werden. Wenn etwas nicht mehr linear im Äther ausgestrahlt wird, hat es keine grosse Bedeutung mehr und existiert nur noch unter ferner liefen. Es sei denn, es ist eine so traditionsreiche Sendung wie "Der Tag". Aber auch hier gilt: auf UKW im Radio sehr gerne, z.B. im Auto oder abends zu Hause, aber sich jetzt die Mühe machen, sich das als Podcast herauszusuchen, wohl eher nicht.
 
#33
macht Manfred Krupp seinem Haus klar und stimmt darauf ein, dass der lineare Bereich zunehmend an Bedeutung verliert“


Es ist ja logisch, wenn man das Produkt vorsorglich unattraktiv macht, werden die Leute auch nicht mehr einschalten.

Von welchen Investitionen bei hr1 spricht der Mann? Die Gema-Gebühren der ‚Best of 80s‘-Playlist? Die Beiträge, die auch auf der Cash-Cow hr3 laufen. Apropos, wozu benötigt der öffi eine Cash-Cow?
hr3 ist doch schon längst ausgebludet.

Das mit hr2 wäre ja nicht so schlimm, wenn die Programme 1,3,(4) und 5 nicht schon so langweilige, inhaltsarme Balladenspieler wären.
Im Internet werden seine Inhalte verloren gehen.
 
#34
Es ist richtig, dass "junge" Leute (also U40) viel weniger über lineare Audioangebote erreicht werden können, sehr wohl aber On-Demand nutzen und wertschätzen, wenn man ihnen hier etwas richtiges anbietet. Inhalte können hier sogar profitieren und reüssieren, wenn sie nicht mehr gezwungen sind, sich ins lineare Korsett einzufügen. Inwiefern das "Format" ein Korsett des Linearen darstellt, sei dahingestellt; lineares muss keineswegs zwangläufig gleichförmig klingen, genausowenig wie On Demand per se Vielfalt ermöglicht. Nur: was hat das ganze mit der hr2-Reform zu tun?

Wenn überhaupt, müsste die Konsequenz dieser Logik dann sein, das lineare Programm von YouFM zugunsten eines vielfältigen On-Demand-Angebots für die Jugend einzustellen. Stattdessen stellt man hr2 ein und ersetzt es durch einen kostengünstigen Klassikdudler mit (vermutlich) gleichem Namen und gleichen Frequenzen. Dabei ist es eigentlich offensichtlich: Es gibt ein Bedürfnis nach anspruchsvollen Inhalten*, diese werden von älteren Hörern vor allen linear und von jüngeren Hörern vor allem on demand genutzt, also müsste es darum gehen, die Produktion dieser Inhalte so zu gestalten, dass beide Gruppen etwas davon haben, linear die älteren, on demand die Jüngeren. Stattdessen streicht man die v.a. von älteren genutzten linearen Programme zusammen, aber möchte die an die Jüngeren gerichteten linearen Programme stärken, gleichzeitig aber in der Produktion nur noch Online First denken. Man fasst sich an den Kopf.

Im übrigen glaube ich, dass es für ein lineares, jüngeres kulturelles Angebot eine Hörerschaft gäbe. So etwas wie das selige "Eins Live Kunst". Das würde sowohl inhaltlich als auch für die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks etwas leisten. Und früher hätte man so etwas auch dem hr zugetraut. Aber diesem hr, im 17. Jahr nach Reitze? Hoffnungslos!

*abgesehen von deren Relevanz für eine demokratisch-ausgeklärte Gesellschaft und die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an sich.
 
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#35
Ehrlich gesagt, die Nachricht, die diesen Thread bestimmt, war für mich ein großer Schock. Ich habe fast 40 Jahre lang auch intensiv für hr2 gearbeitet und die Programminhalte (fast) immer genossen. Wie dies alles (alles???) in hr-iNFO eingebaut werden soll, ist mir ein großes, großes Rätsel.

Das Kulturprogramm ist doch eine fulminante Wundertüte: Da geht es in den Sendungen um Vergleiche zwischen den verschiedenen Aufnahmeversionen eines Werkes, um zeithistorische Entwicklungen in der Aufführungspraxis, um eine akustische Hilfe im Dschungel der unendlichen Neuerscheinungen, um Liveübertragungen von Konzerten mit dem eigenen oder mit fremden Sinfonieorchestern, um Musikkritiken am aktuellen Beispiel, kurz: um Dinge, für die eine aufwändige, redaktionelle Vorarbeit, große Fachpersonalressourcen und kenntnisreiche Auswahl der Materie benötigt werden. Wer leistet das sonst?

Die Zeitungsfeuilletons z.B. können in ihren Kritiken und Besprechungen nur bedingt via Internet-Link auf tönende Beispiele hinweisen. Allein das Radio kann gleichzeitig besprechen und das Besprochene akustisch vorstellen. (Zugegeben, mittlerweile beherrschen das auch einige fundierte Liebhaber-Blogs im Netz)

Dann ist da das weite, weite Feld des Wortes. Das Kulturradio liest mir das Tagebuch der Anne Frank vor oder Edgar Allan Poe oder Daniel Kehlmann oder Durs Grünbein. Es unterhält mich mit spannenden Radio-Tatorten, mit experimentellen Hörspielen in innovativer Wiedergabetechnik, es lässt mich an politischen Diskussionen teilhaben, an Gesprächen über Gott und die Welt, an Literaturpreisverleihungen, ich darf schmunzeln über kluges und süffisantes Kabarett jenseits schenkelklopfenden Comedian-Gag-Dauerfeuers. Ich darf mich als Hörer an Sendungen beteiligen und meine Meinung zu ethischen, gesellschaftlichen Debatten sagen. Ich darf Autoren oder Komponisten erraten – in anspruchsvollen und gleichzeitig unterhaltenden Ratesendungen.

Oder es gibt tagesaktuelle, zeitkritische Hintergrundsendungen, an deren Entstehung mehrere Redaktionen gleichzeitig beteiligt sind – wie zum Beispiel beim hr2-(Noch)Flaggschiff „Der Tag“.
Ich erfahre Interessantes in Livesendungen von den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Ich werde aktuell und analytisch über das Welt- und Kulturgeschehen informiert. Meine wunderbare Welle schafft es im besten Fall sogar, mir Dinge, die eigentlich fürs Auge gedacht sind, als „Kino im Kopf“ näherzubringen - durch plastische Beschreibung und detailreiche Kritik zu Gemäldeausstellungen oder aktuellen Spielfilmen.

Und morgens habe ich meine ganz persönliche „Morning Show“, allerdings ohne die auf „hyperwach“ getunten Kichermoderatörchen. Ich höre ausgeruhte, angenehme Stimmen, die wissen, von was sie reden und die mich feuilletonistisch mit anspruchsvollem, aber unterhaltsamem Wort- und Musikprogramm in den Tag begleiten.
All das bietet mir das Kulturradio. In seiner Gänze ist es ein Edelstein.

Ich will gewiss nicht illoyal gegenüber meinem Arbeitgeber sein, aber diese Entscheidung, hr2 zu hr-Klassik zu machen, das 2005 ja schon mal eingestampft wurde, verstehe ich nicht und kann die Beweggründe nicht nachvollziehen...
 
#36
Onkelchen, da hast Du zweifellos Recht und ich unterschreibe alles.

Aber wenn man die Entwicklung des HR so verfolgt, war es der letzte Schritt zum endgültigen 08/15-Hörfunk. HR3 dudelt vor sich hin, HR1 mit seiner Schmalspurplaylist aus den "Best-Testern" der letzten 50 Jahre auch, HR4 mit seinem 50:50-Mix aus Oldies und Schlagern mittlerweile auch. Irgendwann entsorgt man die Schlager aus HR4 auch und dann hat man dann vier vor sich hindudelnde Wellen!

Und was die Klassik anbetrifft, so glaube ich, dass das heute nicht mehr zeitgemäß ist. Ich habe wirklich noch keinen gesehen in meinem Leben, der Klassiksender einschaltet.

Da wäre doch eher die Überlegung, ob man die ursprünglichen Klassikwellen zu einem Rock- und Pop-Format umbaut mit Musik abseits des Mainstreams. RadioEins vom RBB macht das, Bremen Zwei, die frühere Klassikwelle, mittlerweile auch. Und es hat sich noch nie einer beschwert.
 
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#38
Das Maß ist voll. Wenn der hr seinem Auftrag nicht mehr nachkommen kann oder will, dann soll er halt weg. Dann sollten die UKW-Frequenzen halt abgeschaltet werden, statt sie mit Ersatzgeräusch aus der Dudelschleife zu belegen
Also ich würde die Ketten+ den DAB Mux entweder SWR, WDR oder MDR überlassen, die hätten dann halt ein Bundesland mehr.
 
#40
Danke an Onkel Otto, für seine briliante und absolut treffende Zusammenfassung / Beschreibung des Kulturradios. Genau so habe ich hr2 die letzten Jahre empfunden. Es war wirklich eine Perle in der Radiolandschaft.

Wenn überhaupt, müsste die Konsequenz dieser Logik dann sein, das lineare Programm von YouFM zugunsten eines vielfältigen On-Demand-Angebots für die Jugend einzustellen.
Genau!

Stattdessen stellt man hr2 ein und ersetzt es durch einen kostengünstigen Klassikdudler mit (vermutlich) gleichem Namen und gleichen Frequenzen. Dabei ist es eigentlich offensichtlich: Es gibt ein Bedürfnis nach anspruchsvollen Inhalten*, diese werden von älteren Hörern vor allen linear und von jüngeren Hörern vor allem on demand genutzt, also müsste es darum gehen, die Produktion dieser Inhalte so zu gestalten, dass beide Gruppen etwas davon haben, linear die älteren, on demand die Jüngeren. Stattdessen streicht man die v.a. von älteren genutzten linearen Programme zusammen, aber möchte die an die Jüngeren gerichteten linearen Programme stärken, gleichzeitig aber in der Produktion nur noch Online First denken. Man fasst sich an den Kopf.
Absolut unverständlich.

Man kann ja gerne die digitalen bzw. Online-Angebote stärken. hr2 hat schon heute eine optisch sehr ansprechende Webseite, wie ich finde.

Gerne kann man weitere Wort-Inhalte als Podcasts hinzufügen. Aber weshalb muss das lineare Programm formatiert und durchhörbar gestaltet werden?

Es gibt schon heute einfach zu findende Klassik-Strecken, von 10:00 bis 12:00 Uhr, von 13:00 bis 16:00 Uhr und ab 20:00 Uhr.

Lasst uns jungen Kultur-Hörern, und dazu zähle ich mich mit U50 noch, die zudem nicht primär auf klassische Musik stehen sondern auch für andere Musikrichtungen offen sind und das kulturelle Wort mögen, doch bitte die Flächen von 06:00 bis 10:00 Uhr für ein angenehmes in den Tag Kommen, wie Onkel Otto es beschrieben hat, und die Fläche von 16:00 bis 20:00 um auf dem Weg nach Hause und in den Feierabend eine angenehme akustische Begleitung zu haben.

Es gibt keinen Grund und keine Rechtfertigung, dieses lineare, existierende Programm einzustellen. Digitale Zusatzangebote für die junge Generation - gerne. Die junge Generation ist durchaus interessiert an Kultur: Hörbücher werden konsumiert, Theater und Ausstellungen werden besucht - man sollte versuchen, diese Generation zu erreichen. Podcasts sind der richtige Weg. Aber warum sollte sich diese Generation durch einen linearen Klassikdudler angesprochen fühlen? Der Schuss wird doch nach hinten losgehen, lieber Hessischer Rundfunk.
 
#41
Ich habe wirklich noch keinen gesehen in meinem Leben, der Klassiksender einschaltet.
Alleine mir fallen spontan 9 Personen zwischen 30 und 90 Jahren ein, die ausschließlich "Klassiksender" im Hörfunk nutzen. Einige von ihnen sind seit Jahren zunehmend frustriert über die Modernisierungen, die doch meist nur getarnte Demontagen sind.

Sollte ich meine Satschüssel mal wieder aufbauen können, dann komm vorbei und ich zeige Dir, wie ich einen "Klassiksender" einschalte. Freiwillig. Vielleicht zappe ich gleich weiter, vielleicht bleibe ich ergriffen ein paar Minuten drauf, vielleicht eine ganze Stunde oder länger.

Meine erste (und bis heute allerdings fast einzige) Klassik-CD im Regal - zwischen Punk, Indierock und 80er Wave - hatte ihren Ursprung im Radio: ich zappte "versehentlich" rein, wurde heftig "ergriffen" - und musste die CD dann kaufen. Und zwar Jahre später, als ich, mich immer wieder an dieses Stück erinnnernd, dann endlich mal auf die Suche ging, was das denn gewesen sein könnte.

Warum dann doch so wenig Klassik-CDs? Aus dem gleichen Grund, aus dem ich die "Klassiksender" in Anführungszeichen gesetzt habe. Die meisten "Klassiksender" sind, wenn sie was taugen, ja nicht nur Klassiksender, sondern meist zumindest etwas breiter gefächerte Kulturwellen.

Da lief beispielsweise auf WDR 3 ein grandioser Konzertmitschnitt mit Günter Baby Sommer, der, während er sein Schlagzeug umbaute, brüllkomische Stories zum besten gab (WDR Jazzfest Köln 2013).

Coco Schumann berichtete auf BR Klassik, wie er im KZ Swing gespielt hat, um zu überleben ("Was kann denn die Musik dafür...?!" - Künstler im Ghetto Theresienstadt. Von Dorothee Binding.).

Auf DRadio Kultur wurde 2015 ein Konzert aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin übertragen, bei dem Instrumente zum Einsatz kamen, die einst Musikern gehörten, die Opfer des Holocaust wurden.

Oder Features und Hörspiele! Laufen nunmal nicht im 15-Minuten-durchgetakteten Inforadio und nicht zwischen Werbeblock und Staumeldungen auf der Popdudelwelle, sondern auf der Kulturwelle. Also da, wo auch ein Geisterfahrer nicht für eine Unterbrechung des Programms sorgt.

Da berichtet Gerhard Steinke dann über die Entwicklung eines elektronischen Klangerzeugers in der DDR ("Das Subharchord". Feature von Angelika Perl. Deutschlandradio Kultur 2006) oder Helmut Kopetzky geht ins Bandarchiv, sucht wertvolle Mitschnitte aus den Jahrzehnten der Magnetbandtechnik heraus und kramt zusammen mit seinen Tontechniker- und Tonmeisterkollegen bei offenem Mikrofon in den Erinnerungen ("DAS RADIO ALS WELTERZÄHLER - Ein Nachruf auf die Magnetbandzeit". Von Helmut Kopetzky. Deutschlandfunk / Saarländischer Rundfunk 2009).

Oder so etwas aktuelles, wie hier auf WDR 3 und WDR 5: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/sacred-activism-102.html ?

In Hessen ist hr2 das einzige verbliebene Programm, auf dem das noch möglich wäre - und weiterhin möglich sein muss. Mit dem Umbau von hr2 zu einem Klassik-"Begleitprogramm" wäre es damit vorbei. Schon heute hat hr2 da auffallend wenig Substanz, nun soll sie komplett entfernt werden.

Der BR hat ja die glückliche Situation, wertvolles Programm sogar auf 2 Wellen aufteilen zu können. So war es Bayern 2 und nicht BR Klassik, auf dem diese Produktionen liefen: https://die-quellen-sprechen.de/ - auch das ist heute Programm, das nur noch auf Kulturwellen laufen kann. Vor einigen Jahrzehnten wäre so etwas einfach "im Radio" gelaufen. Heute muss man das präzisieren.

Und es hat sich noch nie einer beschwert.
Dann hast Du nicht gut genug hingehört. Das Ende von Radio Brandenburg (zugunsten von Radio Eins) hat 1997 für sehr viel Unmut gesorgt. Man findet nur nicht mehr viel davon, es ist zu lange her und die Datenkrake hat damals noch nicht soviel gesammelt.

Manche Aktivitäten und Inititativen waren sogar temporär teilweise erfolgreich, wie beispielsweise https://web.archive.org/web/20050204062643/http://www.rettedeinradio.de/, die sich für "Der Tag" einsetzte, damals auf hr1. Jetzt ist es wieder soweit - nun auf hr2.

Oder schon das hier vergessen https://www.nmz.de/artikel/kurzsichtige-kulturzerstoerung ?

Also ich würde die Ketten+ den DAB Mux entweder SWR, WDR oder MDR überlassen, die hätten dann halt ein Bundesland mehr.
Ich bin für Bayern 2, BR Klassik und PULS. Zusammen ein starkes Team!

Und wer die "Vollversion" zu den angefügten Schnipseln irgendwo in einer Kulturwelle finden sollte: es lohnt sich. Zuhören, bevor es zu spät ist!
 

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#42
Die Hoffnung meinerseits wäre immer gewesen hr2 in eine Art Bayern2 zu überführen und die dem hr noch zustehende DAB-Welle durch eine schlichte 100%-Übernahme von BR-Klassik zu füllen. War wohl nur ein frommer Wunsch meinerseits.
@ RadioHead: Warten wir mal ab wie es ausgeht wenn die Wirtschaft eine Talfahrt einschlägt. Ewig kann das nicht so ganz oben weitergehen. Dann wird der Druck weiter steigen und wir werden Fussionen erleben. Vielleicht gar auch neue Länderzuschnitte in der Republik. Wo man Hessen unterbringt dürfte interessant werden. Thüringen wäre jedenfalls der eigentliche Erbhof wo es hingehört. Dennoch würde ich niemanden dort einen mdr wünschen. Einen SWR übrigens auch nicht.
 
#44
@lg74, OnkelOtto, kwegener, freiwild, grün etc.. Danke. Und ich finde, größerer Protest als ein Thread in einem Fachforum ist nötig! Was hier alles aus einem öffentlich-rechtlichen Angebot (Grundversorgung!) wegfällt. Wo bleibt das Feature, das Hörspiel, die politische Debatte, der Kommentar, die Satire? Schon jetzt wird vieles am kulturellen Leben in Hessen nicht im HR-Angebot widergespiegelt. Wo finden Musikstile statt von Punk, Metal, NewWave, Funk, Soul, Blues über elektronische Musik bis hin zu Folk, Country, Liedermacher oder Volksmusik? Was ist mit Mundart? All das taucht im HR-Hörfunk kaum irgendwo auf.
Und die "Durchformatierung" der Wellen hat nicht einmal zu einem Erfolg in streitbarem Fokus auf streitbare Zahlen einer streitbaren Media-Analyse geführt. Selbst da kämpft HR4 mit rückläufigen Zahlen, nachdem die Regionalangebote ausgedünnt und die Spartensendungen fast vollkommen abgeschafft wurden. Auch HR3 und HR1 bleiben hinter der privaten Konkurrenz zurück. Und wie "performen" die Programme, die als Klassikdudler fungieren? Ferner liefen...weitaus bessere Zahlen fahren dagegen die wortbasierten Kultur-und Informationswellen ein. In der Tagesreichweite liegt der recht sperrige Deutschlandfunk in einigen Regionen schon unter den Top 5. Nachvollziehbar...denn zur Hintergrundberieslung mit angloamerikanischer Einheitspopularmusik braucht es keinen Rundfunk mehr, einen gebührenfinanzierten schon gleich dreimal nicht.
 
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#46
Wo man Hessen unterbringt dürfte interessant werden. Thüringen wäre jedenfalls der eigentliche Erbhof wo es hingehört.
Schaut man sich die Roots des hr an (Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG SÜWRAG) und vergleicht das Wellenportfolio SWR / hr, ist der SWR die einzige Anstalt, die den hr problemlos schlucken könnte. SWF, SDR und hr waren von der Wellenaufteilung her schon immer identisch. Aus hr1 würde SWR1 Hessen aus Frankfurt mit dem Nachtprogramm aus Stuttgart, hr2-kultur würde zu SWR2, hr3 zu SWR3, hr4 würde seine alten Regionalzuschnitte zurückbekommen (Radio Frankfurt, Radio Bergstraße usw.) und wieder aus Frankfurt senden, You FM würde in DASDING aufgehen, SWR Aktuell in hr-iNFO (die einzige Welle, wo der hr mehr zu bieten hat). Der MDR ist programmlich ganz anders aufgebaut, orientiert sich wellentechnisch an NDR und SFB/RBB und hat seine Roots in der Mitteldeutschen Rundfunk AG MIRAG. Die 40 Jahre deutsche Teilung tun ihr übrigens, die Unterschiede zwischen Hessen und Thüringen sind aus meiner Sicht heute viel zu groß. Von daher gibt es für mich keinen Zweifel: Wenn, dann SWR. Könnte man den SR, der mit dem hr ja auch geschichtlich verbunden ist (Kooperation hr2/SR2 1990-1995) und außerdem seit Jahren diverse Mitarbeiter teilt, gleich mitnehmen. Wobei die Wellenaufteilung da natürlich eine andere ist und eher der von RB entspricht. SR1 würde zu SWR3, SR2 zu SWR2, SR3 zu SWR1 und SWR4 (hier würde man dann vielleicht merken, dass das garnicht geht) und UnserDing zu DASDING.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hessischer_Rundfunk
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutscher_Rundfunk#Geschichte
 
#48
Ich möchte bitten, die Spektulationen, was die Folgen von Folgen von Folgen von einer theoretisch hypothetisch fiktiv vielleicht möglichen SWR-HR-Fusion wären, zurückzustellen*. Jetzt muss es erst einmal darum gehen, hr2 zu retten. Die hessischen Qualitätshörer haben ja schon 2004 bewiesen, dass sie sich organisieren können, dass muss JETZT wieder passieren. Auch wenn die Reform erst im April in Kraft treten soll - wenn es erst einmal Winter ist, ist es zu spät.

* das Thema hatten wir vor einigen Jahren hier und hier und hier und hier schon einmal. Wer jetzt dazu diskutieren möchte, möge das in diesem Thread machen - der ist noch offen.
 
#49
die wortbasierten Kultur-und Informationswellen
Aber die kosten. Und eine solche Welle kann und will sich offenbar der hr nicht mehr leisten.
Und wenn es schon so weit ist, sollten sie eher darüber nachdenken einen ihrer vier Popmusikdudler einzustellen, als ihren Programmauftrag so völlig zu vernachlässigen.

Zitat von hr-Gesetz:
II. Auftrag
§ 2
(1) Der Hessische Rundfunk hat den Auftrag, durch Rundfunkprogramme (Hörfunk- und Fernsehprogramme) und Telemedienangebote als Medium und Faktor freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Er hat in seinen Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben und soll hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Seine Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Der Hessische Rundfunk hat Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.
Auf gleich 5 Wellen "Auch" zu betreiben und dem Nachrichtendudler, der wirklich noch 50 Cent mehr kosten darf, die komplette Aufgabe der Information aufzubürden, ist wohl nicht im Sinne des Gesetzgebers. Da hätte dann auch mal der Jammer-VPRT einen Grund zur Klage.
 
Zuletzt bearbeitet:
#50
So ist es. Das meine ich mit "kommt seinem Programmauftrag nicht mehr nach". Und wer Gebühren bezahlt, hat ein Recht, für seine Zwangsgebühren auch etwa zu bekommen! Daher wäre eine Klage der Gebührenzahler der richtige Weg.
 
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