kleines Honorar-Rätsel (JUMP)


Status
Nicht offen für weitere Antworten.
#26
In einem anderen Thread beschweren sich die Leute, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Mitarbeitern den A**** vergoldet.

Jetzt geht der MDR runter dem Honoror, und dann ist es auch nicht recht?

Diskussionen um die Öffis waren schon immer schizophren.
 
#27
Original geschrieben von Makeitso


Zur Abführung der USt verpflichtet ist stets der Empfänger einer Zahlung, in diesem Fall des Honorars, also der Freie Mitarbeiter. Der kann die USt umlegen, das heißt, auf den Auftraggeber, also den Sender, abwälzen, und sie auf seine Rechnung draufschlagen.

Zumindest kann er es, sofern der Sender das mitmacht. Natürlich kann es sein, daß dieser aber sagt, "Dein Honorar ist schon hoch genug, da zahlen wir Dir nicht auch noch die Umsatzsteuer". Dann ist der Zahlungsempfänger gekniffen, muß von der erhaltenen Summe 13,79% (bei einem USt-Satz von 16%) abziehen und diesen Betrag brav ans Finanzamt überweisen - abzüglich seiner Vorsteuer, also der von ihm bei Käufen bereits gezahlten Umsatzsteuer.
Das verstehe ich, ehrlich gesagt nicht.
Nach meinen ( laienhaften ) Kenntnissen hat man keine Entscheidungsfreiheit, Umsatzsteuer umzulegen oder nicht.
Wenn man umsatzsteuerpflichtig ist, muss man sie in der Rechnung ausweisen - und der Rechnungsempfänger sie zahlen. Diese Umsatzsteuer muss man abführen ( abzüglich der berühmt-berüchtigen Vorsteuer ).

Eine Wahlfreiheit gibt es IMHO weder für Honorarempfänger, noch für den -zahler.

Es mag höchstens sein, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten aufgrund ihres besonderen Status keine Umsatzsteuer zahlen müssen ( dann müssen/können die Mitarbeiter allerdings auch keine ausweisen und somit abführen).

Falls ich daneben liege: klärt mich auf ! :)
 
#28
Klar mußt Du die USt in der Rechnung ausweisen. Die Frage ist nur, auf welcher Basis.

Angenommen, wir vereinbaren, daß Du mir ein Honorar von 100 Euro zahlst, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder versteht sich dieser Betrag zzgl. USt (die mir angenehmere Variante), oder inclusive der Steuer (Deine Lieblingsversion).

Im ersten Fall berechne ich Dir 100 Euro zzgl. 16% =116 Euro.
Im zweiten Fall berechne ich Dir 86,21 Euro zzgl. 16% = 100 Euro.

Im übrigen bin ich nur verpflichtet, die USt auszuweisen (und natürlich ans Finanzamt zu überweisen), nicht aber, sie auch von Dir zu kassieren. Das ist einzig mein Problem.
 
#29
Honorare werden meiner Erfahrung nach immer Netto ausgehandelt, ich stelle meine Rechnungen immer mit 16 Prozent Mehrwertsteuer aufs Nettohonorar.
Der MDR ist der einzige Sender, der (mir) nur sieben Prozent zahlt.
(Das hat wohl irgendwas mit "künstlerischen Bereichen" zu tun, in denen sowas üblich ist)

Meinem Steuerberater ists egal. Mir auch.

Ich kenne allerdings keinen anderen Sender mit einem derart aufgeblasenen Verwaltungsapparat (Vertrag zur Unterschrift nach Magdeburg, dann nach Halle, dann nach Leipzig, zurück nach Magdeburg, dann wieder nach Halle -wenn ich allein an das Porto denke ...)

Abgesehen davon: Natürlich wird der MDR im "nicht künstlerischen Bereich" genauso seine Mehrwertsteuer abdrücken wie jeder andere auch. Wenn Onkel S. sich einen neuen Hüpfball kauft, dann mit 16 Prozent.
 
#30
..gar nicht mal viel geld, was da hängen bleibt, wenn es denn mdr-jump sein soll. dafür lohnt es sich tatsächlich nicht, nach halle zu ziehen und dort am ende noch zweitwohnung etc. zu unterhalten, um dann und wann mal rangelassen zu werden, so zum einstieg mit dem einsteigersatz.. oder sind die 130 tacken gedacht für jungs und mädels, die dann auch jeden tag dran sind?
 
#31
Beispielrechnung (grob!:D): 22 Einsätze pro Monat = 2860 brutto - USt abführen, bleiben ca. 2680 - Einkommenssteuern und Sozialabgaben abführen (mal vorsichtig gerechnet 30%) - bleiben 1876 netto. Dann noch diverse Versicherungen usw. - da müssen Erst- und Zweitwohnung aber schon ein bisschen kleiner ausfallen, wenn noch was übrig bleiben soll.

Nicht zu vergessen die neue Zahnersatz-Versicherung, die ja demnächst kommt - soll besonders für Moderatoren wichtig sein, sonst pfeifts irgendwann beim Sprechen:D
 
#33
Es wird immer absurder!

Findet Ihr es wirklich dramatisch, wenn man sich von seinem Honorar keine Zweitwohnung leisten kann?

Findet Ihr 130 Euro wirklich dramatisch? Ich kenne eine Menge Leute, die selbst bei großen Sendern für weniger arbeiten.
 
#34
Also ich nicht - hätte vielleicht oben den Ironiemodus deutlicher kennzeichnen sollen. Auf dem Arbeits(losen)markt sind sicherlich genügend Leute, die froh sind, so einen Job zu bekommen. Und jeder, der sich irgendwann mal für die Branche entschieden hat, wusste doch von vorn herein, dass man auch gelegentlich umziehen muss. Ob man dann einen alten Wohnsitz behält, muss man für sich selbst entscheiden.

Abwerben kann man mit dem Angebot aber wahrscheinlich niemanden, der in einer vergleichbaren Position in Lohn und Brot steht.
 
#35
Ust-Steuer ÖR

Hier wurde über die Ust. diskutiert, tatsächlich haben die ÖR hier oftmals eine einige vorgehensweise. Die Honorarempfehlung wird ausgezahlt, ist man nicht Ust.-pflichtig wird der Betrag z. B. 100,- Euro komplett ausgezahlt, ist man Ust.-pflichtig erhält man den Betrag von 100,- Euro inkl. der Mwst.
Ob 7 % oder 16 % Ust. hängt normalerweise vom dem verwendeten Steuersatz des jeweiligen Mitarbeiters ab. Diese Regel kenne ich aus meinen eigenen Abrechnung vom hr, swr, mdr und wdr. Diese Abrechnung wird durch die erstellten Honorarabrechnungen vollzogen, d. h. der Mitarbeiter erstellt keine Rechnung sondern erhält eine entsprechende Abrechnung.

(Hallo Ludwig - muss man zwischenzeitlich dem MDR tatsächlich schon Rechnungen schreiben???)

Dies bedeutet zwar eine Verringerung des Honorars für Ust.Steuerpflichtige, erhöht jedoch die Möglichkeit der Abzugsfähigkeit von Kosten - dieser Nachteil kann somit bei entsprechend guter Beratung zum Vorteil gewendet werden.
 
#36
Möchte die Diskussion über Steuern, Abzugsfähigkeit etc. nicht abbrechen - im Gegenteil, hoch interessant, weiter machen! Zwischen durch aber ein Zitat aus einer Schrift des DJV über Honorare und Vertragsbedingungen 2002 zur Höhe von Honoraren...

"Kleine regionale Hörfunksender zahlen für eine Moderation in Extremfällen einen Tagessatz von lediglich 150 Euro, während bundesweite Sender umgekehrt weit über 500 Euro bieten."

... ich versuche zu lächeln, doch es gelingt mir nicht.
 
#37
Nun gut, lieber Polla,

in meinem Falle mag es etwas anders aussehn. Der (in unserem Beispiel) MDR bekommt von mir ein fertig produziertes Produkt -sprich sendefähige CD.

Nun könnte man darüber streiten, ab man Produktionskosten abrechnet oder ein Honorar.

In diesem Falle gibt es einen Honorarvertrag, in dem die Produktionskosten enthalten sind.
 
#38
@ HeinzSchenk:

Niemand wird darüber klagen, wenn die Öffis vernünftige Honorare zahlen. Verschwendung sieht dort anders aus: Heute war ich auf einer Hoteleröffnung, nichts Superdolles, ein Ramada Plaza zwar, aber nicht gerade das Adlon. Der RBB (SFB) war mit zwei EB-Teams dort, zusammen acht Leuten. Braucht's die wirklich? Ich zweifle...

Den Vogel abgeschossen hat man vor einigen Wochen bei der Präsentation des Effenberg-Buches: Da gab es den RBB noch nicht und so war der SFB mit einem Team anwesend, der ORB desgleichen und dann, als Sahnehäubchen, noch ein Team des ARD-Hauptstadtstudios. Und dann mehr Kohle haben wollen - ja, spinnen die?
 
#39
@ polla

Bei meinen Arbeitgebern ist es so, dass ich auf die Rechnung den vereinbarten Satz schreibe und zzgl. die Steuer verlange. Das führe ich dann ab und alles ist ok. Wir haben das aber extra so ausgehandelt.

Ich möchte darauf verweisen, dass es sich bei den 130 Euro um ein Einstiegshonorar handelt. D.h. dass es irgendwann noch steigt. Je nach können, wird der Moderator irgendwann weniger auswechselbar. Wir müssen uns nur mal daran gewöhnen, dass die ganz fetten Jahre vorbei sind- und uns mal selbst ein bißchen kümmern. Erzählt mal einem Bauarbeiter, der 8 Stunden in der Sonne rackert, von der Diskussion. Oder einer Verkäuferin, die 38 Stunden in der Woche arbeitet und einen Grundlohn von 1500 Euro bekommt. Oder einem Reporter, der noch nicht mal auf diesen Satz kommt. Die Frage ist jetzt, wer den anspruchsvolleren Job macht. Ich bin mir da nicht so sicher...
 
#40
radiohexe: Oder einem Reporter, der noch nicht mal auf diesen Satz kommt.
Ja genau!:D:D

Makeitso: so war der SFB mit einem Team anwesend, der ORB desgleichen und dann, als Sahnehäubchen, noch ein Team des ARD-Hauptstadtstudios
Du hast den Hörfunkreporter von 88,8 vergessen, den vom Inforadio und den von Antenne Brandenburg auch. Denn schließlich kann man ja nicht verlangen, dass jemand, der einen 1´50er macht, aus demselben Thema auch noch einen 2´30er machen kann. Und selbstverständlich kann niemand für einen anderen Sender aus demselben Haus einen Nachrichtenaufsager machen - und der Fernsehreporter schon gar nicht. :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:
 
#41
Ihr alten Pfennigfuchser (Centkojoter)!

Liebe Fremdleser, die Ihr mit Radio nichts zu tun habt! Diese "Journalisten" (untauglicher aber leider gültiger Oberbegriff für diese Ansammlung hier) bekommen bei Quelle 10 Prozent, bei Mercedes 16, bei Sony 20-25, bei Ferienfliegern 50 Prozent Rabatt, fahren schwarz Straßenbahn, zahlen keine Knöllchen (und drohen im Zweifel mit einer Schmutzkampagne gegen die örtlichen Behörden), machen Samstag Abend Disko bei der Silberhochzeit von Schulzes, wo sie sich kostenlos den Bauch vollschlagen und am Ende einen großen Extraschein von Oma Schulze in die Hemdtasche stopfen. Außerdem rauchen sie die Zigaretten von besserverdienenden Kollegen und besuchen sogenannte Pressekonferenzen, wo sie das Abendbrot in eine Serviette wickeln.

Könnt Ihr bitte im Forum Sozialhilfe weiter weinen!
:mad:
 
#42
Sehr geehrter Herr Ata,

wenn Sie schon diesen Namen tragen, dann säubern Sie mit ihm doch bitte Ihren Kopf und anschließend Ihre Sprache.
Was mich angeht, darf ich mich ruhig lächelnd von Ihrer Beschreibung eines Journalisten ausgrenzen, da sie als nicht zutreffend klassifiziert werden muss.

Es verbleibt mit freundlichem Gruß,
der beobachter
 
#43
Aaahhhh, nachdem ich jetzt endlich meine Umsatzsteuervoranmeldung fertig habe, gönne ich mir ein gepflegtes Pils - warum gibts dafür eigentlich keinen Presserabatt?

Und für Ata? Rabatt? Gibts das Zeug überhaupt noch?
 
#44
hab nicht gemosert...

nur noch mal zur erinnerung: ich hab eingangs nicht über dieses einstiegshonorar gemosert, sondern wollte nur mal zeigen wie sich auch bei der 'schlanken anstalt' die zeiten ändern.
ist ja ne schöne diskussion daraus geworden.

das beispiel mit den bauarbeitern ist schön, aber schleisslich sind wir in unserer branche solange verwöhnt worden, dass es viele schwer haben auf dieses level zurückzuschalten. wozu haben die meisten studiert, volontiert und sonstwas?
vielleicht würde meine branchenwahl heute etwas anders ausfallen, aber damals ist eben nicht heute :)
 
#45
Re: hab nicht gemosert...

OPTIMOD: das beispiel mit den bauarbeitern ist schön, aber schleisslich sind wir in unserer branche solange verwöhnt worden, dass es viele schwer haben auf dieses level zurückzuschalten. wozu haben die meisten studiert, volontiert und sonstwas?
Da hast Du völlig recht, das ist schwer. Aber der Markt hat sich nun mal ähnlich wie auf dem Bau entwickelt. Anfangs gab es viele neue Sender, aber wenig Ausgebildete = Honorar hoch. Jetzt gibt es mehr Ausgebildete, aber weniger Plätze = Honorar runter. Zudem wird auf den meisten Arbeitsplätzen Studium oder fundierte Ausbildung nicht mehr gebraucht, weil es nur noch ums Reglerschieben (wenn überhaupt) geht und auch die Moderation längst nicht mehr dieselben Fähigkeiten fordert = Honorar noch weiter runter.

Studium? Wozu soll das dort erworbene Wissen noch dienen? Höchstens noch als Zugangsvorraussetzung für ÖRR. Volontariat? Keine Ausbildung mehr, (zumindest bei den Privaten) sondern Angestelltenverhältnis zum reduzierten Preis.
Radio ist zum großen Teil ein Handwerksberuf geworden - das "Künstlerische" ist nur noch beim Bauen der Verpackung gefragt - und das "Journalistische" tritt auch mehr und mehr in den Hintergrund.

Auf dem Bau zahle ich einem Hilfs-Schubkarrenschieber doch auch nicht mehr, nur weil er Sozialpädagogik studiert hat.....
 
#47
Gibt's denn noch so viele Studierte bei den Privaten?
Ich habe zwar eines Tages mal ein hochqualifiziertes Examenszeugnis in die Hand gedrückt bekommen, sehe mich mit dieser Qualifikation allerdings eher alleine, wenn ich so meine bisherigen + derzeitigen Kollegen anschaue. Abgebrochene gibt's ja wie Sand am Meer, aber Abgeschlossene...?
 
#48
schau dich nicht um

es ist so, dass heute leute ohne abschluss rumrennen. allerdings behaupte ich nicht, dass man den braucht. macher sind gefragt, nicht akademiker. ich gehöre auch zu den machern - es war nur ein beispiel...
 
#50
?

bsp.: 30jähriger beendet studium der politikwissenschaft und steht als volo im radiosender. 28jähriger mit 5 jahren berufserfahrung zeigt ihm, wie man was macht.
praxis und allgemeinbildung halte ich für wichtiger als theorie.

ist ja nicht bös gemeint...
 
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