Kritik an der MA generell


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#1
Moin @ all,

es wird hier im Forum immer wieder an der MA herumkritisiert. "MA fördert Dudelfunk", "MA bildet nicht wirklich Hörerzahlen ab" und tausenderlei ähnliche Statements sind hier oft zu lesen und werden nach Veröffentlichung der neuesten Zahlen sicher wieder wie Pilze aus dem Boden schießen. Diskutieren wir doch mal anders herum: Was sollte sich an der MA eurer Meinung nach ändern, damit sie die tatsächliche Situation auf dem Radiomarkt besser widerspiegeln kann? Wo sind die großen Schwachstellen? Was könnte mit vertretbarem Aufwand wie optimiert werden? Bin gespannt auf eure Meinungen.
 
#2
AW: Kritik an der MA generell

Simpel.

Ich habe selbst (ungewollt) an einer MA teilgenommen, als mich - 2002 oder 2003 - abends ein Interviewer zuhause angerufen und mir entsprechende Fragen gestellt hat. Na schön, ich habe mir halt den Spaß gemacht und mich nicht als Mitarbeiter eines Senders ausgegeben.

Was sollen diese doch eher allgemein gehaltenen Fragen? Was hat das mit irgendwelchen Hörerzahlen zu tun?

Das ist Kaffeesatzleserei en gros.

Um Hörerzahlen zu ermitteln müssen 10.000 Menschen in ihr Radio einen Chip eingebaut bekommen, der nachts automatisch an einen Server weiterleitet, welchen Sender wie lange der Radiobesitzer gehört hat. Punkt. Alles andere ist Quatsch.
 
#4
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von BlueScorpio1963:
Um Hörerzahlen zu ermitteln müssen 10.000 Menschen in ihr Radio einen Chip eingebaut bekommen, der nachts automatisch an einen Server weiterleitet, welchen Sender wie lange der Radiobesitzer gehört hat. Punkt. Alles andere ist Quatsch.
Also Messung statt Befragung. Machen ja die Schweizer so ähnlich mit ihren Uhren. Problem: Ob die Leute wirklich zuhören oder das Radio nebenbei dudelt kann man trotzdem nicht unterscheiden. Ganz abgesehen von ner Menge technischer Ungereimtheiten.
 
#5
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von AirwaveMHz:
Also Messung statt Befragung. Machen ja die Schweizer so ähnlich mit ihren Uhren. Problem: Ob die Leute wirklich zuhören oder das Radio nebenbei dudelt kann man trotzdem nicht unterscheiden. Ganz abgesehen von ner Menge technischer Ungereimtheiten.
Ich denke, anhand der Lautstärke kann man sehrwohl unterscheiden, ob jemand bewußt hinhört, oder ob das Radio nur im Hintergrund vor sich hindudelt
 
#7
AW: Kritik an der MA generell

Es könnte aber zumindest der eigestellte Sender tatsächlich ermittelt werden.
Ich denke aber mal, dass die deutschen Sender diese Meßmethode so stark scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Denn : wäre diese Methode schlecht (diese Uhr), dann könnte man sie in Deutschland ab sofort einfach ein Jahr parallel laufen lassen. Von einem anderen Umfrageinstitut als dem jetzigen, versteht sich. Kommen beide Umfragen zu fast gleichen Ergebnissen, dann kann man die alte Methode beibehalten. Das wäre also nur eine einmalige Testinvestition. Wenn jedoch die neue Methode eine ganz andere Medienanalyse hervorbringt, dann hätten sicher viele Werbetreibende schon den Telefonhörer in der Hand.
 
#8
AW: Kritik an der MA generell

Die derzeitige MA samt ihrer Erhebungsmethodik ist eine Krücke! Allerdings deswegen gerecht, weil alle gleich schlecht mir ihr gehen können bzw. müssen.

Grundsätzlich ist die Fallzahl zu niedrig. Es wird hochgerechnet auf Teufel komm raus, mit zum Teil sehr fragwürdigen Faktoren.
Weiter ermittelt die MA nur jene Hörer, die sich mehr oder weniger an die Claims erinnern können.
Es wird in keiner Weise Programminhalt oder gar Programmqualität abgefragt, demzufolge hat kein Sender primäres Interesse daran, sondern wird nur mit Ach und Krach die Vorgaben der jeweiligen Landesmedienanstalten erfüllen.
Weiterhin ist die Hörfunk MA nur eine Momentaufnahme. Viermal im Jahr werden Zahlen ermittelt, das wars. Deshalb ist der Erfolg oder Mißerfolg von Programmelementen, Musik oder Moderatoren kaum direkt ermittelbar. Es läßt sich nicht prüfen, was konkret am abgefragten Programm nun gut oder eben nicht so toll war. Dies öffnet der Fabuliererei diverser Beratergilden Tür und Tor.
Grundsätzlich ist die MA in ihrer jetzigen Form manipulierbar, bzw. wird bereits manipuliert. Da die Umfragezeiträume, die Art und Weise der Erhebung (derzeit CATI) und der Inhalt der Fragen hinlänglich bekannt sind, werden Formatprogramme auf den reinen MA Erfolg hin getunt.
D.h. Telefongewinnspiele immer hart in der jeweiligen Umfragewelle. Der Sender wird gnadenlos als Instrument der Eigenwerbung und des Eigenverkaufs verwendet. Claim und Positionierung werden extrem gepusht (penetriert) Dies soll dazu führen, dass der Hörer den Claim auswendig kann, und am Telefon auch aufsagen kann. Dazu kommt die Form des Gewinnspiels a la "Wenn sie jemand am Telefon fragt, welchen Sender hören Sie .... usw." oder die Frühsendung am Morgen die Leute anruft, und die sich sofort mit dem jeweiligen Claim melden sollen, weil das ja zigtausend Euro bringt .... dann ist das nur eine gewisse Konditionierung des Hörers auf den möglichen Fall, es ruft der AGMA Umfrage Mensch an.
Da Privatsender, und mittlerweile auch die ör, fast ausschließlich an der Hörerreichweite für die werberelevante Durchschnittstunde gemessen werden, hat dies unweigerlich das Programm geformt. Es sind fast nur Bekanntheitsgrad und Wiedererkennung relevant, da diese den "Erfolg" in der MA sichern können. Der Erfolgsdruck, also der Druck, gute Zahlen zu haben, ist zudem enorm gestiegen ... das läßt keine Abweichungen mehr zu.

Es gibt alternative MA Systeme, die Radio Watch ist nur eines davon. Man hätte dieses - übrigens sehr gute!!! - System auch in Deutschland einführen können. Dies ist von den zwei großen Vermarktern aber ziemlich gut verhindert worden. Eine Alternative ist aber auch das GfK System, welches im Fernsehbereich angewendet wird, damit könnten sich auch Radiosender abbilden lassen.
Übrigens, im Fernsehen wäre ein System wie im Hörfunk undenkbar, nur zweimal im Jahr Quoten für die Sendungen!!! Das wäre der Super GAU des Werbefernsehens!!

Grüße
 
#9
AW: Kritik an der MA generell

@ Nomos:

100 % Zustimmung !
Ich finde, Du hast es anschaulich und sachlich völlig zutreffend beschrieben, wie der MA-Hase so läuft und wie er vielleicht besser laufen könnte.

Wenn Du jetzt ( ich weiß, Du und andere werden mich dafür virtuell jetzt hassen ) statt..
Zitat von Nomos:
Hörfunk-MA

Zitat von Nomos:
MA-Erfolg

Zitat von Nomos:
AGMA Umfrage Mensch
AGMA-Umfragemensch/AGMA-Umfrage-Mensch

Zitat von Nomos:
MA-Systeme

Zitat von Nomos:
Gfk-System

schreibst: dann heirate ich Dich ;))
 
#10
AW: Kritik an der MA generell

Also Messung statt Befragung. Machen ja die Schweizer so ähnlich mit ihren Uhren. Problem: Ob die Leute wirklich zuhören oder das Radio nebenbei dudelt kann man trotzdem nicht unterscheiden. Ganz abgesehen von ner Menge technischer Ungereimtheiten.
Selten so gelacht

Ich denke, anhand der Lautstärke kann man sehrwohl unterscheiden, ob jemand bewußt hinhört, oder ob das Radio nur im Hintergrund vor sich hindudelt
Auch ein Comedy-Brüller


Ich habe in der Auswertung noch nie gelesen: Wird laut gehört, wird leise gehört. Und wer bitte hört Antenne XY während des Tages (Arbeit) bewußt?
Das war zu Zeiten des Volksempfängers!
Ihr habt zu viel DRESDEN gesehen... :wall:
 
#11
AW: Kritik an der MA generell

Ist schon OK, du röchelnde Kaffeemaschine! :) Journalisten sollten sich eigentlich eines korrekten Sprachbildes bemühen, insofern kann ich deine "Hinweise" nicht übelnehmen. Aber gestern hatte ich keine Lust mehr auf Korrekturen, vielleicht lass ich es heute mal meine Praktikantin machen :) wenn sie denn nicht gerade Radio hört oder andere "Sachen" anstellt ...

PS. Vom Heiraten, zumindest meiner Person, rate ich dir ab! Ich bin zwar blond und blauäugig, aber trotzdem zuweilen ein mieser Macho-Sack! ;)

Schönen Gruß an DIE Kafeemaschine
 
#12
AW: Kritik an der MA generell

Fakt ist leider: Solange die werbende Zunft mit dieser Art von Erhebung einverstanden ist, wird sich daran nichts Einschneidendes ändern. Vielleicht sollte denen mal jemand zeigen, wie man erfolgreicher werben könnte, wenn Radiosender einfach mal wieder ein wirklich gutes Programm machen würden und somit Hörer wirklich binden könnten. Immer weniger Menschen in Deutschland hören nämlich überhaupt Radio. Zu recht! Und somit gehen den Werbenden potentielle Kunden flöten. Aber ehe das bei den Sendern und in der Werbevermarktung mal jemand rafft, ist eh alles zu spät. Da wird zahlenmäßig nur geschönt, um alle Beteiligten zufrieden zu stellen. Und die, die daran am meisten verdienen, sind diese Pseudo-Berater. Die größten Verbrecher überhaupt! Warum - das verstehe ich nicht - gibt man denen so viel Macht und Vertrauen??? :wall: Statt Unmengen Geld in diese Menschen zu stecken, sollte man lieber kreatives Personal und gute Moderatoren einstellen! Aber - ich weiß - es geht nicht um gutes Radio, sondern nur um Zahlen. Denn nur damit können diese Bürohengste etwas anfangen. Von Radio haben die keinen blassen Schimmer!
 
#13
AW: Kritik an der MA generell

Besonders traurig finde ich an der MA übrigens, dass diejenigen, die tatsächlich am meisten Radio hören - nämlich die Berufskraftfahrer - überhaupt nicht zu Wort kommen.
Oder wird seit Neuestem auch auf dem Handy angerufen?:confused:

Wie dem auch sei:
Natürlich sind die Meß-Methoden bei der MA sehr fragwürdig - allerdings meine ich aber auch, dass die zahlen (ähnlich wie bei Wahl-Prognosen direkt nach Schließung der Wahllokale) doch recht genau sind....
 
#15
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von Wuffi:
Die aber sind mit Tariflöhnen von sechs - sieben Euro nicht sonderlich interessant für die Werbewirtschaft. Von ver.dis öffentlich-rechtlichen Buslenkern mal abgesehen.
Ach nein?
Ich zähle zu den Berufskraftfahrern nicht nur die Brummi-Fahrer, sondern auch alle anderen, die beruflich auf der Strasse unterwegs sind.
Also auch Taxi- und Busfahrer, Chauffeure, Viel- und Geschäftsreisende etc.
Und die haben meines Erachtens keine tariflöhne in Höhe von 6 bis 7 Euro....
 
#16
AW: Kritik an der MA generell

Hast recht.

Taxifahrer haben noch weniger (kenne einen). Die andern von Dir genannten mehr (habe ja obenb bereits darauf angespielt).

Aber Außendienstler und Geschäftsreisende lassen sich sicher ungern als "Berufskraftfahrer" bezeichnen, da das Herumfahren für sie nicht hauptsächlich ist, sondern notwendiges Übel.
 
#17
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von Wuffi:
Die aber sind mit Tariflöhnen von sechs - sieben Euro nicht sonderlich interessant für die Werbewirtschaft. Von ver.dis öffentlich-rechtlichen Buslenkern mal abgesehen.
Wenn wir hier jetzt auch noch anfangen zu diskutieren, wer ab welcher Einkommensstufe für die Werbewirtschaft interessant ist (und nur für diese wird dann Programm gemacht), begeben wir uns wirklich auf dünnes Eis.

Zumal das TV-Schrottprogramm am Nachmittag mit Talk-, Lebenshilfe- und Gerichtsshows sehr wohl für die Werbewirtschaft interessant ist. Immerhin werden die Sendungen von Werbung für Billigprodukte (Konfekt, Kaugummi) sowie Artikel für den Haushalt flankiert. Und ich zweifle ganz, ganz stark daß die Wirtschaft davon ausgeht, daß zu diesem Zeitpunkt Zuschauer mit einem Stundenlohn ab 13 Euro brutto aufwärts zusehen.
 
#18
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von träumer:
Natürlich sind die Meß-Methoden bei der MA sehr fragwürdig - allerdings meine ich aber auch, dass die zahlen (ähnlich wie bei Wahl-Prognosen direkt nach Schließung der Wahllokale) doch recht genau sind....

So genau, wie bei der letzten Bundestagswahl??:D
 
#20
AW: Kritik an der MA generell

@MA-Hasser: Selten so gelacht über einen derart konstruktiven Beitrag. Du meinst also, dass man gar nicht mehr unterscheiden muss zwischen bewusstem und unbewusstem Hören, weil eh keiner mehr bewusst hört, oder wie darf ich deine - nennen wir es mal Ausführungen - verstehen?
 
#22
AW: Kritik an der MA generell

Das Radio- und TV-Programm ist über den Tag doch gesetzlich verordnet so schlecht. Den Arbeitslosen soll ja schliesslich das Leben nicht noch versüßt werden ;)
 
#24
AW: Kritik an der MA generell

Zitat von Wuffi:
Programme wie Jump oder PSR werden bei längerem bewussten (Zu-)Hören zur Folter.
Genau darum wäre eine MA cool, die zwischen bewusstem und unbewusstem Hören unterscheiden könnte. Damit könnte auch die Werbewirtschaft viel anfangen, denn bei einem Programm, dem keiner zuhört, erreicht natürlich auch die Werbung nicht den gewünschten Erfolg. Und damit hängt auch die generelle Problematik zusammen, dass kommerzielle Radiomacher heute nicht mehr darauf zielen, dass Hörer ihr Programm hören, sondern nur darauf, dass Hörer in bestimmten Zeiträumen sagen, sie würden es hören. Daran muss sich was ändern, und das geht nur mit einer komplett anderen Methodik.

@ nomos - Ich stimme dir auch 100% zu, nur ist die Frage: Wie könnte es realistisch geändert werden? Fallzahl zu gering - OK. Aber wer soll eine drastische Aufstockung bezahlen? Die MA ist nur Momentaufnahme - OK. Gleiche Frage: Wer soll eine regelmäßige Beobachtung bezahlen? Es werden nur Claims und keine Programminhalte abgefragt - OK. Aber wie sollte die Abfrage von Programminhalten funktionieren? Dann müsste jeder Sender eine Liste der Inhalte der letzten Wochen und Monate machen, die dann irgendwie abgeglichen werden müsste bei oder nach den Interviews. Lässt sich das durchführen? So könnte man noch viele Punkte anführen, beispielsweise Handy-Befragung: Wäre toll, ist aber nicht durchführbar weil (a) um ein vielfaches teurer und (b) nicht regional möglich: 040 -> Hamburg. 0171 -> Berlin? München? Neuruppin? Es ist ein Dilemma: So wie die MA jetzt ist, ist sie indiskutabel. Aber es ist auch nicht so einfach, sie zu verbessern.

@nomos - Zwei Fragen noch zu deinen Ausführungen. Nummer 1: Wurde die Einführung der Watch in der ag.ma jemals ernsthaft diskutiert, und welche Vermarktungsketten haben wie was verhindert? Nummer 2: Ließe sich denn das GfK-Modell so einfach auf den Hörfunk in all seinen Facetten übertragen?
 
#25
AW: Kritik an der MA generell

Ich wüsste noch eine Methode, um zu zuverlässigen und exakten Hörerzahlen zu kommen: Wenn das Radiohören Geld kosten würde - ähnlich wie das Herunterladen von Handy-Klingeltönen. Dann könnte man messen, welches Programm von wie vielen Leuten wie oft "gekauft" wurde.
Ich warne aber vor der Vermutung, dass die Programme dann besser (im Sinne von niveauvoller) werden würden. Im Zeitungsgeschäft erleben wir ja auch das Phänomen, dass die Bild-Zeitung am häufigsten gekauft wird, obwohl ihr nicht gerade das höchste Niveau nachgesagt wird.
 
Status
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