Kultur - Deine oder meine?


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#1
Kultur. Bei JEDER Diskussion, egal um was es inzwischen geht, ob um AfD, Fremdenfeindlichkeit, Die Linke, Asylsuchende, US-Wahl, Klimawandel, Sommer, Winter, Fernsehprogramm, Radioprogramm, Essen, Trinken -, immer wieder werden die Worte "Kultur", "Kulturwandel" oder "Multikulti" ins Spiel gebracht.

Könnte mal bitte jemand endgültig die eine, geltende "Kultur" definieren?

Abgesehen von den Joghurtkulturen würden mir auf Anhieb mehrere weitere einfallen, die hierzulande - seit Jahren und Jahrzehnten - ihre Gültigkeit besitzen:
1.) Geiz ist Geil
2.) Wenn der Nachbar eine goldene Dachplatte hat, muss ich zwei haben!
3.) Mallorca ist ein deutsches Bundesland
(und das sind nur die harmlosesten)
 
#3
Du hast mich gerade an einen hervorragenden Artikel zur Leitkultur erinnert:

"Die Wahrheit über unsere Gesellschaft heißt: Es gibt keine faktisch leitende Kultur. Es gibt noch nicht einmal leitende Tischsitten. Deutsch ist es ebenso sehr, mit Fingern vom Pappteller zu essen wie mit Silberbesteck von Meißener Porzellan. Zu den Kulturen im engeren Sinne kommen die dramatisch verschiedenen Herkunfts- und Erziehungswelten. Gehört der Blazer zur Leitkultur oder die Jogginghose? Spricht man Dialekt oder Hochsprache? Steht man auf, wenn eine Dame an den Tisch tritt?"​

http://www.zeit.de/2016/40/afd-kulturelle-einheit-deutsche-lebensweise-bedrohung
 
#4
Das ist das typische Relativierungsgewäsch der "ZEIT". Zur Leitkultur zähle ich zum Beispiel, daß man über die Frage, ob Kinder verheiratet werden dürfen, ebensowenig diskutieren muß wie darüber, ob Frauen von ihren Männern eingesperrt und geschlagen werden müssen. Auch hat die Einhaltung sämtlicher sonstiger Gesetze diskussionslos für alle Menschen in diesem Land verbindlich zu sein, ohne Ansehen ihrer Religion oder Herkunft.
 
#5
Natürlich, aber dass Gesetze eingehalten werden, ist eine Selbstverständlichkeit und keine kulturelle Frage. Unsere Gesetze verbieten all das, was Du ansprichst. Daher erübrigt sich das Gerede von vermeintlichen Kulturdefinitionen.

Wer diese Gesetze verletzt, wird ungeachtet seiner Kultur bestraft.
 
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#6
Könnte mal bitte jemand endgültig die eine, geltende "Kultur" definieren?
Das schaffen ja selbst die Philosophen nicht. Von daher ist das so gut wie unmöglich. Da könnte man ganze Bücher drüber schreiben. Sowas lässt sich nicht mit ein paar Sätzen erklären.

Mal wieder vorbildlich erklärt wird die deutsche Leitkultur hier:

https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/leitkultur-102.html

Die zehn Minuten sollte man mal investieren und alle Klarheiten sind beseitigt. ;)
 
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#7
Vielleicht liegt es ja auch daran, dass es schlicht keine Definition für das Wort Kultur (in diesem Sinne) gibt. Kultur wird nämlich, gerade in Beziehung zu dem was Heinzgen anmerkte, viel zu oft mit Dingen verwechselt, die schlichte Selbstverständlichkeiten sind oder sein sollten. Wer sich in diesem Land bewegt, muss sich zwingend an die hier geltenden Gesetzlichkeiten halten über alle Relegionen und sonstige Pseudowissenschaften hinweg. Punkt!
Was die restlichen "Kulturen" angeht, sprich die Geiz-ist-geil-Kultur, die mit Kultur soviel zu tun hat wie eine Kuh mit dem Brauen von Bier, oder von mir aus auch die sogenannte Neidkultur, so sind das schlichte Unarten, die vor allem von den Medien viel zu häufig zu Kulturen erhoben werden, obwohl sie niemals eine waren und hoffentlich auch nie eine werden. Aus meiner persönlichen Sicht haben diese letztgenannten "Kulturen" eher was mit der Fähigkeit des selbstständigen Denkens, der Erziehung und dem sozialen Umfeld zu tun. Nur mit Kultur hat das in der Regel halt nichts zu tun. Diese "Kulturen" sind eher ein Fall für die Sprachlottereien!
 
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#8
@Radiokult
Vieles aus Deinem Posting kann ich mit gutem Gewissen unterschreiben.
Für mich hat der Begriff "Kultur" seit Jahren leider einen inflationären Fortschritt erlebt.
Kultur wird von jedem Menschen sicherlich anders empfunden und natürlich auch interpretiert und definiert.
Kultur ist keine physikalische Einheit und nicht in allgemeingültigen Formeln einsetzbar.
Das wird schon bei dem Begriff Weltkulturerbe deutlich.

Und dann auch noch Leitkultur, tststs. Wer soll denn bitte "geleitet" werden und wohin?
Zum Glück gibt es noch keine "politische Kultur", oder vielleicht doch und ich weiß nur nichts davon.

2Stain
 
#9
Und die dümmsten.

Wenn Dir sonst nichts einfällt, das dieses Land kulturell ausmacht, dann kann Dir hier vermutlich auch niemand helfen.
Aha? Was macht DEINE Kultur denn aus? Ich beschrieb "die Kultur", für die "die Deutschen" nunmal bekannt sind und die Kulturen, die sich "die Durchschnittsdeutschen" sogar selbst geben. Sei es aufgrund ihres Verhaltens, oder durch Antworten in Umfragen (nein, ich schaue und höre kein RTL & Co.).

Den Satz unterschreibe ich, @2Stain:
Kultur wird von jedem Menschen sicherlich anders empfunden und natürlich auch interpretiert und definiert.
 
#11
Und für mich ist "Kultur" inzwischen ein Verhalten der Menschheit, das ein Leben der Menschen sowie ein Leben aller anderen Wesenheiten auf diesem Planeten in Frieden, Gesundheit und letztlich "Liebe" (nein, nicht diese kitschige Hollywood-Liebe, mit der das gerne verwechselt wird) ermöglicht, fördert, bewahrt, verstärkt etc. Das geht bei Ressourcenschonung und Umweltschutz los, geht über individuelle körperliche Hygiene, gesundheitserhaltende oder -fördernde Lebensweise, die Wahl von Umfang und Mittel der individuellen Mobilität, die Wahl der Ernährung, die Wertschätzung von Qualität, die Achtung von und die Suche nach Wahrheit als hohem Gut (untrennbar verbunden mit dem Bedürfnis nach Bildung), Achtsamkeit, Intuition, Vermeidung von Projektionen, Authentizität im Ausdruck (auch im künstlerischen, der ja gerne allein als "Kultur" bezeichnet wird) etc. Kurz: alles, was wir zum Überleben (als Mindestanspruch) bzw. idealerweise zum nachhaltig gut leben brauchen.

In manchen Bereichen gehört da extrem konservatives Verhalten dazu, in anderen sehr progressives, teils revolutionäres - je nachdem, wo wir derzeit in diesem Bereich stehen und wo wir herkommen in den vergangenen vielleicht 150 Jahren (die ich als Zahl hernehme, um in etwa das Zeitalter der industrieellen Revolution zu kennzeichnen, also das Zeitalter, in dem es uns möglich wurde, wirklich extrem in die Entwicklung dieses Planeten einzugreifen).
 
#12
Die Summe aller Traditionen, Erfahrungen, Leiden und Freuden, welche die Summe aller in einer Gesellschaft zusammengefassten Individuen, sowie die in dieser Gesellschaft integrierten Subgesellschaften im Laufe von Generationen und Jahrhunderten des gemeinschaftlichen, organisierten Zusammenlebens angehäuft und als Erbmasse stetig verändert, ergänzt, neu gewichtet und stetig weitergegeben haben.
Könnt ihr gerne abschreiben und als eure Definition ausgeben (auch das gehört zur Kultur).
 
#13
@Mannis Fan: Kultur beschreibt also, wenn ich Deinen Beitrag so lese, ausschließlich Konservatives, weil sie lediglich
als Erbmasse stetig verändert, ergänzt, neu gewichtet und stetig weitergegeben
wurden. Was ist dann aber mit den Ausstellungen zu "moderner Kunst"? Mit neu geschaffenen Objekten? Zählen die nicht zu Kultur, Filme oder Fotos zum Beispiel? Erinnern wir uns nur an die Badewanne, die 2011 in einem Dortmunder Museum stand und "gereinigt" wurde. Direkt im Anschluss daran kannst Du noch eine kurze Meldung zu einem Werk von Banksy lesen.

Zählt das nicht bereits zu Kultur? Ist Kunst keine Kultur, bzw. zeugt von Kultur?
 
#14
Unsere Gesetze verbieten all das, was Du ansprichst. Daher erübrigt sich das Gerede von vermeintlichen Kulturdefinitionen.

Wer diese Gesetze verletzt, wird ungeachtet seiner Kultur bestraft.
:wow:

Liest Du gelegentlich Zeitungen...?
Ich beschrieb "die Kultur", für die "die Deutschen" nunmal bekannt sind
Ich bezweifle stark, daß das die kulturellen Errungenschaften sind, "für die die Deutschen" im Ausland bekannt sind.
 
#17
@Inselkobi

Wenn "moderne Kunst" oder völlig neuartige Ausstellungsobjekte entstehen, dann entstehen sie in der Regel durch Vorprägungen, die der Künstler mitbringt (vielleicht auch seine Auftraggeber). Wenn diese Vorprägung völlige Offenheit, Bereitschaft zu Neuem, Ausbruch aus der Tradition bedeutet, dann ist das alles kein Widerspruch zu meiner Definition. Im Übrigen scheinst Du einen stark eingeengten Kulturbegriff zu haben, wenn Du lediglich im Bereich der "Kunst" argumentierst. Kultur ist selbstverständlich viel mehr. Schon die Frage, ob wir in Internetforen Großschreibung gemäß Duden für nötig erachten oder nicht, sagt etwas über unseren kulturellen Zustand aus. Kultur beginnt schon mit unseren Klo-Gewohnheiten (definitiv pinkeln und sch.... wir in Deutschland anders als die Menschen in Asien, Afrika oder selbst in Italien und Frankreich), und meint unser gesamtes Denken, Handeln, Zusammenleben und Interagieren.
 
#18
Und für mich ist "Kultur" inzwischen ein Verhalten der Menschheit, das ein Leben der Menschen sowie ein Leben aller anderen Wesenheiten auf diesem Planeten in Frieden, Gesundheit und letztlich "Liebe"
Das kommt dem Sinn von Kultur wohl ziemlich nahe.
Schon die Frage, ob wir in Internetforen Großschreibung gemäß Duden für nötig erachten oder nicht, sagt etwas über unseren kulturellen Zustand aus.
Das gerade nicht. Schön für alle, die die Hochschulreife haben oder noch
mehr Bildung genießen durften. Das allein macht diese Personen nicht zu
besseren,humaneren Menschen. Wenn sich diese Einstellung mit
kulturellen Errungenschaften , "für die die Deutschen" im Ausland bekannt sind
trifft, den preußischen Tugenden, kann daraus nationaler Hochmut wachsen.
Nichts gegen Bildung, Ordnung und Disziplin. Aber für sich allein ist das zu wenig.
Geradezu erschreckend, wie schnell vor achtzig Jahren die meisten
Hochschullehrer einer Partei der Unkultur, der NSDAP, folgten.
Wenn es so etwas wie kulturelle Bildung gibt, dann muss sie den Anspruch
haben, dass sie sich nicht von ein wenig stinkender brauner oder roter
Farbe übermalen lässt.
 
#19
Schön für alle, die die Hochschulreife haben oder noch
mehr Bildung genießen durften. Das allein macht diese Personen nicht zu
besseren,humaneren Menschen.
Das hast Du aber komplett miss - oder nicht verstanden. Der Bildungsgrad spielt überhaupt keine Regel bei der Frage, ob ich mich in online-Foren an Rechtschreibregeln halten möchte oder nicht. Die Leute, die konsequent alles klein schreiben, tun dies ja nicht, weil sie die Regeln nicht beherrschen, sondern weil sie der Meinung sind, sie gelten für sie nicht. Und wenn diese Haltung um sich greift, dann ist sie ein Ausdruck unseres kulturellen Niveaus.
 
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