Lesenswert: Martin Liss und die Zukunft des Radios


#1
http://www.radiowoche.de/martin-liss-radio-wird-sterben-es-lebe-das-radio/

Der gute Martin Liss hat so recht. "Es gibt nur ein erfolgreiches Geschäftsmodell beim Radio" tönt es immer noch aus den Senderflurs. Gemeint ist die UKW-Verbreitung. Bis auf wenige Ausnahmen suhlt sich die deutsche Radiolandschaft weiter in aller Seelenruhe auf den ultrakurzen, analogen Frequenzen und bemerkt nicht, dass sie schon bald rechts überholt werden kann. Es läuft ja so gut, das Radio ist doch sooooo gesund. Da kann man doch weiter die Hörer mit den grausamsten Hits der letzten drei Jahrzehnte, den Gewinnspielen, die inzwischen jeder kennt und Phrasendreschern am Mikrofon quälen. Ist der kleine Nils eigentlich noch irgendwo aktiv? Und gibt es eigentlich einen Sender, auf dem sich Enrico Ostendorf noch nicht austoben darf?

Ja, ich hoffe so sehr, daß Amazon bald die besten 30 Radiomoderatoren einkauft. Diese träge und lustluse Szene mit ihren Gesellschaftern, die weiter versucht mit absoluter Schmalspur und Innovationsverweigerung (kostet ja Geld) eine Gewinnmaximierung zu erreichen, hat es nicht anders verdient. Audio wird leben, Radio wie es heute läuft muß dagegen sterben. Es ist eine Zumutung und Folter für Hörer die nun so langsam Audio-Alternativen im Netz entdecken. Es wird schon bald neue Player im Markt geben mit attraktiven Ideen. Gott sei Dank! Radio ist ein tolles Medium. So wie es in Deutschland an die Hörer transportiert wird ist es dagegen eine Mischung aus Guantanamo und Krätze.
 
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#2
@Gegenstromanlage

Also, nicht ärgern, es kommt nicht darauf an, dass Gesellschafter noch ein paar hunderttausend Euro aus den Sender rauspressen. Die Stationen in seit Jahren unterinvestiert und es fehlt eine wirklich handlungsfähige Radiogruppe. Genaugenommen gehts dem Radio wie einem Bauer der sein eigenes Saatgetreide verspeist und sich freut, dass das Mehl so reichlich ist.

Ich kenne nun wirklich mehr als eine Handvoll von Onlinern, was die an einem Montagvormittag entscheiden und voranbringen, schaffen Radiosender nicht einmal in einem Vierteljahr.

Es wird auch in 20 Jahren noch UKW Radio geben, nur all diese kleinen Sender, mit den jahrzehntelang Wettwerber blockiert wurden, auch die kleinen Stadtradios etc., für die wird es verdammt eng werden. Wer braucht denn diese durchautomatisierten gevoicetrackten Stationen, mit immer der gleichen Musikrotation, Stationliner- Moderation und News von Stange?

Radioland wird schneller abgebrannt sein, als es sich die "Radiomacher" vorstellen können. Zumal, in den frühen Jahren gab es echte Unternehmer, Gründer, Macher - was gibt es denn heute? Mehr oder weniger Leichtmatrosen, die einen auf Kapitän mimen.
 
#3
Zunächst mal sprichst du UKW an. UKW ist für mich einer der Hinderungsgründe, warum das Radio so innovationsfaul ist. Sicher, drei Viertel hören Radio über UKW. Zumindest oberflächlich betrachtet wäre es Harakiri sich von diesem Weg zu trennen, da er im Moment halt die "Cash Cow" ist. Aber, UKW ist auch verdammt teuer. Und jetzt, nach der Liberalisierung und diesem ganzen Antennen-Heckmeck nochmal teurer geworden. So teuer, daß man sich in den meisten Funkhäusern keine digitalen Innovationen leisten kann, weil man die horrenden Verbreitungskosten für UKW aufbringen muß.

Von nicht wollen kann keine Rede sein, da wird genug zurechtgesponnen. Vom Personal Radio bis hin zu Podcasts ist die ganze Bandbreite vorhanden. Die bange Frage: Was würde passieren, wenn man sich mittelfristig von UKW trennt? DAB und Web für linear sind günstiger, das wurde uns oft genug vorgerechnet. Aber kann man alle Hörer mitnehmen? In Norwegen hat es wohl mit Ach und Krach und harten Blessuren geklappt.

Es kommt halt auch darauf an, ob es wirklich notwendig ist krampfhaft etwas wie Spotify oder Amazon selbst aufzubauen. Das weiß heute keiner. Spotify hat Millionen Nutzer und trotzdem hat das Radio bisher kaum an Hörerzahlen verloren, zumindest nicht laut der (freilich auch sehr antiquierten) MA. Aber, und da hat Martin Liss wieder recht: Stillstand ist der Tod. Radio könnte in 10 Jahren nicht mehr das Radio sein, was wir kennen. Ich persönlich sehe Funkhäuser immer stärker als Audio-Contentlieferanten für die digitale Welt. Radio bekommt Bilder, Radio erzählt spannende Geschichten, Radio wird erfolgreich mit Gott und der Welt kooperieren, bald könnte es zum Beispiel völlig selbstverständlich sein, daß John Ment morgens in deinem persönlichen Spotify-Stream auftaucht, wenn sich die Sender auf solche Koops einlassen.

Ich sehe im Moment bei der Hörerschaft mehrere Grundbedürfnisse: Man will mehr selbst entscheiden, was man hören möchte. Man will das wegskippen, was man nicht hören möchte. Man will sich auch mal etwas (musik)journalistisches anhören, aber den Zeitpunkt dafür selbst wählen und nicht bis 23 Uhr warten. Diesen Herausforderungen müssen sich Radioanbieter stellen, bevor es andere machen, und das müssen nicht zwangsläufig nur die Amazons sein. Doch dafür muß das teure UKW weg, auch wenn man es noch so mag und daran klebt.
 
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#4
ich persönlich sehe Funkhäuser immer stärker als Audio-Contentlieferanten für die digitale Welt. Radio bekommt Bilder, Radio erzählt spannende Geschichten, Radio wird erfolgreich mit Gott und der Welt kooperieren, bald könnte es zum Beispiel völlig selbstverständlich sein, daß John Ment morgens in deinem persönlichen Spotify-Stream auftaucht, wenn sich die Sender auf solche Koops einlassen.
Hier lebt jemand in seiner eigenen Welt - sorry. Was sollen diese Leute an 'Content' liefern? Musik ansagen? Zeit ansagen?

Welcher von den sog. Top Moderatoren im Privatfunk kann denn mehr als ein paar Sekunden am Stück sprechen und die Leute faszinieren? Geschichten erzählen? Bilder im Kopf erzeugen oder polarisieren?
 
#5
UKW ist genau so ein linearer Verbreitungsweg wie alle anderen auch. Er hat nur den Vorteil, dass er mit Millionen und Abermillionen vorhandener Geräte mit geringstem technischen Aufwand so gut wie überall anonym und ohne weitere Kosten empfangen werden kann.

Was darüber für Inhalte verbreitet werden, ist eine andere Frage. Die kann und sollte diskutiert werden. Aber erst einmal UKW abschalten und dann weitersehen kann wohl kaum die Lösung sein.
 

iro

Benutzer
#6
Aber erst einmal UKW abschalten und dann weitersehen kann wohl kaum die Lösung sein.
Wer will denn hier UKW abschalten? Es geht doch darum, daß das, was das bekannte UKW-Dudelradio (ganz unabhängig vom Übertragungsweg) bietet, keine Zukunft mehr hat in dieser festgefahrenen Form.
Bzw. für meinen Teil ist das sogar bereits seit 10 Jahren Vergangenheit, UKW höre ich quasi nur noch im Vorbeigehen, wenn irgendwo ein entsprechendes Radio läuft, dem nicht auszuweichen ist.
Ansonsten ist es nur noch pure vorhersehbare Langeweile in Musik und Moderation, die dort tagtäglich von Moderationsrobotern präsentiert wird.
Ganz selten schalte ich auch mal direkt zu einem fest plazierten Programmpunkt ein (Wetter, Verkehr oder Regionales), bin aber nicht bereit, die davor/danach laufende Schrottmusik zu ertragen.
Ansonsten stelle ich mir "mein" Programm seit Jahren selber aus diversen Quellen zusammen und habe je eine Playlist @home, @work und @auto. Jeweils passend bestückt, @work möglichst moderationsfrei.
 
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#7
Welcher von den sog. Top Moderatoren im Privatfunk kann denn mehr als ein paar Sekunden am Stück sprechen und die Leute faszinieren? Geschichten erzählen? Bilder im Kopf erzeugen oder polarisieren?
Daher: Kooperationen. Daher: Neue Talente suchen oder bekannte Gesichter ins Radio holen. Warum ist Barbara Schöneberger beim Radio gelandet? Weil Regiocast hier als eines der wenigen Unternehmen alles richtig macht und zumindest so halbwegs "Digital" als Sprache verstanden hat. Warum nicht mal ein Podcast mit einem bekannten Youtuber? Oder Udo Lindenberg? Oder wem auch immer.
 
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#8
Die Einlassung von Martin Liss ist mal wieder typisches Beraterblabla. Warum? Nun, weil die ganzen "Weisheiten" natürlich keine Neuigkeiten sind, sondern überwiegend bekannt sind.

Beispiel?

"Hören Sie auf, Ihren Sender ausschließlich wie eine Cash Cow zu managen"

Die Radiosender sind für die Gesellschafter nun mal Cash Cows. Der Betriebsmitteleinsatz ist gering, die Rendite, wenn man es richtig macht und in einem halbwegs gesunden Markt unterwegs ist, top. Gerne kann man mal versuchen, Gesellschaftern, in der Regel alternde Verleger, die in ihren Häusern ganz andere Probleme haben und nur das Geld aus den noch funktionierenden Töchtern ziehen wollen, von Reinvests zu überzeugen. Viel Glück auf der Reise!

Insofern hat Martin Liss - oberflächlich betrachtet - natürlich recht. Und liegt genauso daneben. Denn wenn man in die Tiefe geht, meist ein Problem von Beratern, da sie sich nicht mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen müssen, geht es ein wenig am Thema vorbei. Und dann wären da noch ein paar "Details", die Liss schlicht übersieht.

Die Frage ist doch, was ist die digitale Transformation von Audio? Das Internet zeichnet sich durch Personalisierung aus, die Radiosender haben seit Jahren versucht ihr lineares Produkt eins zu eins über das Internet zu verbreiten. Sie haben das Internet als Marketingplattform und als Verbreitungsweg begriffen, aber nie als eigenständiges Medium. Und so haben andere Unternehmen die digitale Transformation im Audiobereich vollzogen: Streaminganbieter, Podcastanbieter u.s.w..

Klar kann ich den Laden wie ein Start-Up führen, bzw. nur den Digitalbereich. Dadurch wird der Laden aber nicht digital transformiert, sondern es laufen lauter dynamische Typen durch die Gegend im Buzz-Word-Sprech. Schon mal geschaut, wie hoch die Budgets für Digitales sind? Da laufen auch in den landesweiten Sendern drei oder vier Leute rum, die irgendwie irgendwann mal was mit "digital" zu tun hatten oder das Wort fehlerfrei schreiben konnten. Oder weil der GF die Person für einen echten Nerd hielt. Es ist genauso wie der weise Chinese sagt: Da schafft so manche Digitalklitsche mehr als die gesamte Radiobranche.

Insofern machen die Sender zur Zeit das, was sie gut können. Digitale Stories erzählen und den analogen Gaul zu Tode reiten. Sie dürfen den eigenen Niedergang gestalten. Lineares Radio wird es in 10 Jahren noch geben, aber mit signifikant reduzierter Relevanz.

Festhalten kann man aber heute schon, dass es Eigenverschulden war. Man hat seinerzeit Radio.de machen lassen, anstatt es zu kaufen oder selbst aufzuziehen. Der Radioplayer kam zu spät. Zumindest hat man es in der Aggregatorenproblematik noch erkannt. Damit will ich nicht GFs oder PDs die Schuld zuweisen, sondern letztlich waren sie nur so gut wie ihre Gesellschafter.

Digitalangebote hat man in den Sendern immer nur als Marketingplattform begriffen. PDs werden halt an ihrem (MA-)Erfolg gemessen. Deshalb setzen sie alle Kräfte dazu ein, dass am Ende die Quote (und die Tantieme) stimmt. Unabhängig davon wissen die wenigsten PDs, wie die digitale Welt eigentlich funktioniert. Man hat die Marken digital nie zu eigenständigen Marken entwickelt, so wie z.B. bild.de sich von dem Printprodukt eigenständig sehr weit vom analogen Produkt entsprechend der Gesetzmäßigkeiten der digitalen Welt entwickelt hat und neue Geschäftsprozesse abbildet, die nichts mehr mit der Bild Zeitung zu tun haben. Schaut man in die IVW oder AGOF: Die Reichweiten von Onlineangeboten von Radiosendern spielen im Vergleich mit den relevanten Angeboten selbst addiert keinerlei Rolle mehr.

Und Online Audio? Absolut betrachtet viele Sessions, ja, aber mal ganz ehrlich: Was ist das denn im Verhältnis zum Bewegtbild einzelner Plattform. Richtig, eine Lachnummer. Selbst Sender mit 5 Mio. Sessions generieren nicht einmal einen sechststelligen Betrag p.a. an nationalen Erlösen. Man nenne mir einen Sender, dessen Digitalerlöse mehr als 3% (ungeschönt) ausmachen.

Anders formuliert: Die Sender haben das digitale Thema vollständig an sich vorüberziehen lassen. Andere machen heute das, was im Digitalen eine Audioperspektive bietet (und für Radiosender einmal bot). Vor 20 Jahren hätten die Sender gemeinsam eine Einheit formieren müssen, um hierin zu investieren. Das sieht auch Liss so, nur dass er davon naiverweise davon ausgeht, dass man jetzt noch Allianzen schmieden könne. Dann möge er sich mal auf dem digitalen Markt umschauen, da ist man halt etwas spät dran. Möglicherweise würde eine solche Unit heute das machen, was Radio.de macht oder Deezer oder Spotify. Oder Audible. Oder was auch immer. Jetzt gibt es das halt schon. Dumm gelaufen. Hätte, hätte Fahrradkette.

Allein waren die Sender immer zu kleinteilig, zu umsatzschwach. Selbst wenn mittlere landesweite Sender mit 10-25 Mio. Umsatz eine gute Rendite abwerfen, könnten sie nur viel zu wenig investieren, um überhaupt digital in der großen Liga mitspielen zu können.

Deshalb hat Liss in einigen Punkten recht. Aber ebenso nicht. Im Ergebnis ist es für die Radiosender zu spät.
 
#9
Wer will denn hier UKW abschalten?
Na Gegenstromanlage zum Beispiel.

Es geht doch darum, daß das, was das bekannte UKW-Dudelradio (ganz unabhängig vom Übertragungsweg) bietet, keine Zukunft mehr hat in dieser festgefahrenen Form.
In welcher finsteren Gegend fristest Du Dein trauriges Dasein? Hier gibt es auf UKW zwei DLF-Programme, drei Kulturwellen und ein eher wortbetontes Programm. Das würde ich nicht unbedingt als Dudelradio bezeichnen wollen.

Ansonsten stelle ich mir "mein" Programm seit Jahren selber aus diversen Quellen zusammen...
Mit Nachrichten, Kommentaren, Hintergründen, Kultur und allem Drum und Dran? Donnerwetter, das muss aber schon ein Vollzeitjob für sich sein.
 
#10
Podcast ist sicherlich ein nettes Zusatzprodukt. Wer aber live gut unterhalten will, verzichtet langfristig auch auf die Podcasts. Ob ein Programm nun über UKW oder DAB ausgestrahlt wird, ist dabei eher egal. Wenn die Radiomacher also jetzt nicht endlich aufwachen, steht bald bei Wikipedia: Hörfunk war mal ein Medienproduktion. Oder so ähnlich. Die Denkweise, alles nur noch digital oder per Podcast zu machen ist der falsche Weg.
 
#11
@Wanderdüne
Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen, es sei denn, man neigt zum Besserwissen und das Letzte Wort Haben wollen.

Nur einmal ein kleine Anmerkungen zu Web-Reichweiten von Radiosendern. In einer großen Metropole hat eine City-Webseite (übrigens von einem ehemaliger Radioguy) alle Ortssender mehr als eindeutig getoppt. Da man sich in der Stadt gut kannte, gab es immer wieder auf Events etc. Kontakte und Gespräche mit den GFs etc. Die fanden die Erfolge der Seite immer toll. Aber keiner kam auf die Idee: "Hey - den kaufen wir auf und machen es größer zumal wir dann auch noch Cross-Promotion haben."

Die Marktführer haben nicht nur Digital fast alles verschlafen. Es gibt nicht einmal ein sinnvolles, flächendeckendes Formatangebot. Nein, man hat zusammen mit den Medienanstalten und der Politik Märkte dicht gemacht und Wettbewerber nicht selten mit ziemlich unschönen Tricks aus dem Geschäft gedrängt.

Jetzt beherrscht man zwar den Markt mit Oligopolen und Monopolen, nur das nutzt wenig, denn via Web kann ich ziel- und zielgruppengenau selbst kleinste Märkte bzw. Zielgruppen erreichen. Hier liegt der Sprengstoff und 5g wird die Mutter aller Trägerwaffen.
 
#12
Mit Nachrichten, Kommentaren, Hintergründen, Kultur und allem Drum und Dran? Donnerwetter, das muss aber schon ein Vollzeitjob für sich sein.
fast Vollzeitjob :D
Ansonsten: kommt ja auf die Bedürfnisse an. Kultur: ja, meine Kultur, nicht was irgendwelche Theaterfritzen verzapfen. Immerhin hat der NDR etwas zur "Fusion" gebracht... "Nachrichten, Kommentaren, Hintergründen" - hol ich mir ab, wenn ich da einen Bedarf sehe oder habe. Ansonsten gehe ich davon aus, daß eine *wichtige* Nachricht mich auch auf jeden Fall erreicht. Das übliche "Grundrauschen" ist mir mittlerweile sowas von egal. Ich bin kein Nachrichtenjunkie und mir reicht es auch, eine 2 Tage alte Zeitung zu lesen. Ich will die "Tendenz" sehen. Dazu muss ich mir nicht jeden einzelnen Pups von Andrea Nahles, AKK & Kevin anhören. Ich gucke mir dafür genauer an, wer was aus Kevins Pups macht und warum er das macht.
 
#14
@Dr. Fu Man Chu:

In der Tat ist der digitale Zug abgefahren. Und dann wird man plötzlich wach und fragt sich. Hoppla, jetzt muss ich was machen. Wir haben zwar kein Ziel und keine darauf aufbauende Strategie, aber wir machen dann einmal! Der Aktionismus ist ausgebrochen.

Beste Beispiele sind die Datensammelbuden der Radiosender. Jetzt auch noch die Kartellrechtsanmeldung von ABY und Radio NRW mit Quantyoo. Aber mit von WAS wollen die denn Daten sammeln???

Beispiel?

Antenne Bayern als reichweitenstärkster Sender kommt online auf rund 4,2 Mio. Visits im Monat. bild.de auf 482 Mio. (!!!) Visits. Selbst eine Regionalpostille wie die RP-Online kommt auf 38 Mio. Visits. Eingangsportale wie T-Online Content kommen auf knapp 400 Mio. Visits. Und wir reden hier nicht einmal von den "echten" Datenkraken wie Google oder Facebook, die über ganz andere Reichweiten verfügen. Und da bauen die regionalen Sender eigene Datenbuden auf, obwohl sie weder über Know-How verfügen ("...ja, da müssen wir mal ran und gute Leute einkaufen und Know-How aufbauen..."). Und dann nicht einmal als Gattung, sondern auch noch die Regiocast mit RPR und big.fm hier, ABY und Radio NRW da und die RMS macht auch noch ein wenig. Putzig.

Anderes Beispiel?

FFH kam im Q 4/18 auf rund 6 Mio. Sessions mit seinem Kreuzer Hit-Radio FFH. Kling viel. In barer Münze macht das im Jahr deutlich weniger als 100 TEUR an Umsätzen aus. Also im Promillebereich des Gesamtumsatzes.

I love Radio eine "Ein-Mann-Klitsche" (Geschätzter Jan-Christian Zeller, nicht persönlich gemeint, sondern nur auf die Größe der privaten Sender bezogen ;)) macht mal eben schlappe 2,6 Mio. Sessions mit seinem I love Radio. Finde den Fehler...

Und Spotify mit 119 Mio. Sessions erst einmal. Ups, und die haben die Daten ja schon...

Nach der RMSinteractiv, mit der die Radiobranche um die Jahrtausendwende so richtig baden gegangen ist, hat man das Thema personalisiertes Radio verpennt und sogar das Thema Aggregatoren anderen überlassen. Bei den Apps stieg man ein, halbherzig und mit geringen Budgets (wäre übrigens der Einstieg in das Datenthema gewesen, aber dazu waren die Apps zu billlig und die Weitsicht nicht vorhanden) und entwickelte es nicht weiter. Im Webbereich hat man keine Positionierungsstrategie für die digitalen Produkte gehabt - das Feld ist nun von anderen (besser) besetzt. Die Digitalangebote gammeln als Marketingplattform für das Programm vor sich hin. Im besten Fall versprühen sie den Charme eines General-Interest-Angebotes von vor 5-10 Jahren. Der Online Audio Hype geht zurück und einher mit stagnierenden Reichweiten und sinkenden TKPs. Und nun wird die nächste Sau, die digitale Datensau durchs virtuelle Dorf getrieben. Schon jetzt zum Scheitern verurteilt, da die eigentliche Grundlage, nämlich eine relevante Reichweite in allen Digitalangeboten fehlt. Und der Mut, das zusammen zu schmeißen, was man denn gemeinsam an Reichweite hätte.

Und dazu kaufen? Ja, wäre der richtige Weg gewesen. Einige haben es ja gemacht. NWZ/FOM z.B. mit Raute. Aber eher ein Produkt aus der linearen Welt und was seinen Zenit schon zum Zeitpunkt des Kaufes überschritten hatte. Aber das verstanden die neuen Gesellschafter. Also das mit dem linear, da es wie Radio war. Und mit dem Zenit überschreiten kannten sie es vom Verlag ;). Ansonsten war man eher immer dabei, dass man es doch selber viel besser könne. Und zu geizig, einem - womöglich ehemaligen oder noch Mitarbeiter - Geld hinterherzuwerfen.
 
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#15
@Wanderdüne

Es ist so irre, dass man es nicht kommentieren kann. Aber ganz ehrlich, was willst Du von den Radionasen erwarten, wenn schon diese unsere Kanzlerin im Jahr 2005 (!) erklärt hat, dass die Digitalisierung wichtig ist und Priorität in der Politik hat.

Ich bin gestern ICE gefahren. Nettes Gespräch mit einem Rentnerehepaar. Der Mann meinte nur trocken, zu Hause aufm Dorf haben wir so 6 Mbit/s , wenn die Sonne scheint und Westwind weht. Im Herbst hatten wir eine Sommerhus in Dänemark, da waren es mindestens 50 Mbit/s... Und das Albanien ein besseres Mobilfunknetz als Deutschland hat ist ja auch reiner Zufall...

Der Fürst von Turn und Taxis hat mal gesagt, ein großes Vermögen kann man nicht versaufen oder verhuren, man kann es nur verdummen. Verdammt wahre Worte, die Radioleute verdummen es seit zig Jahren. Gäbe es nicht die RMS mit ihrem exzellenten Gattungsmarketing und ner guten Verkaufstruppe (ich will nicht immer meckern), dann würden viele Senderkassen sichtbar leer sein.

Wenn wenigstens das Hauptprodukt besser werden würde. Aber, da ist auch kein Land in Sicht. Wo sind denn Programminnovationen oder Sendungen über die man spricht? Wenn das Web die Zahal ist, dann ist das Deutsche Radio - die Bundeswehr, eine Trachtengruppe - die solange den Feind zum Lachen bringt, bis richtige Soldaten kommen - einfach nicht effektiv. Wenn denn mal das Deutsche Radioland abgebrannt ist, sollte bitteschön keiner sagen, damit konnte man nicht rechnen bzw. wir wurden im November vor Moskau vom Winter überrascht.
 
#16
Warum hat eigentlich jetzt erst kürzlich das ZDF die Sendezeit am Sonntag für das Heute-Journal verlängert, wenn man langweilige Nachrichten nur noch ausschließlich digital konsumiert? Schlechte Quoten beim ZDF für jung und alt? Irre! Bei meiner nächsten ICE- Fahrt werde ich mal nachfragen. Bei jung und alt natürlich.
 
#17
Das bessere Radio (oder Audio) machen längst andere:

http://www.radiowoche.de/maschallah...Hke9ecmWDNNY2QxLiu_AR0_iffA2u2zKPlux0go4B96n8

Ich würde mich auch freuen, wenn sich die Radiomacher, anstatt nun in puren Aktionismus mit Digitaltöchtern und Datenanalysefirmen en masse zu stürzen, auf ihr Kernprodukt konzentrieren würden. Der andere Zug ist abgefahren, den hat man verschlafen. Man hat jahrelang davon geredet, die Zukunft des Radios liege im Internet. Aber man hatte das nur gemacht, um die Ablehnung gegenüber DAB zu zelebrieren (weil man UKW in Gefahr sah bzw. die eigene Marktposition durch neue Konkurrenten). Und im Nu waren es andere, die innovativ wurden und die man gar nicht auf dem Radar hatte. Und die das Radio nun als gesamte Gattung bedrohen.

Die kann man nur noch mit einem schlagen: Mit überragendem Radioprogramm. Aber wer soll das machen? Vielleicht ist es tatsächlich ein guter Ansatz, Promis ans Mikro zu holen - Mola Adebisi und Barbara Schöneberger machen es vor. Dazu müssen Youtuber und die beliebtesten Podcaster live ans Mikro. Nur mit exzellentem Content und Personality kann Radio noch gegen Spotify und Co. bestehen. Das allerdümmste sind Festplatten-Dudler. Genauso dumm sind Sender, die täglich um 18 Uhr und am gesamten Wochenende aufhören Radio zu machen und nur noch Musik dudeln.
 
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#18
Und darum geht es. Der Chinese mit seiner albernen ZG nervt allerdings. Auch beim Berliner Rundfunk ist vorzeitig Feierabend. Viel Spaß beim nächsten Rentnergespräch. Ein 90 jahrer alter Opi wird sicher nicht sein Rechner oder Handy anmachen. Deshalb ist es wichtig, echtes Programm zu machen. Und zwar für alle. Die Anzahl der Wellen haben wir (noch). Einfach nur mit den Schultern zu zucken....und zu sagen....jetzt ist eh zu spät.....ein gravierender Fehler. Man kann sich immer verbessern. Das gilt nicht nur für das Radio.
 
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#19
Der gute Martin Liss hat so recht. "Es gibt nur ein erfolgreiches Geschäftsmodell beim Radio" tönt es immer noch aus den Senderflurs. Gemeint ist die UKW-Verbreitung. Bis auf wenige Ausnahmen suhlt sich die deutsche Radiolandschaft weiter in aller Seelenruhe auf den ultrakurzen, analogen Frequenzen und bemerkt nicht, dass sie schon bald rechts überholt werden kann.
So hat Martin Liss das aber weder gesagt, noch gemeint. Er bezog sich auf die Inhalte und auf die crossmediale Vernetzung, aber keineswegs auf UKW ja oder nein.
Radio könnte in 10 Jahren nicht mehr das Radio sein, was wir kennen.
Hoffentlich!
 
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#20
@Berlinerradio

Was sind denn meine albernen ZGs? Jeder Programmmacher sollte schon wissen für wen er Programm macht. Auch wenns früher mit der ZG alle ziemlich einfach war, die Zeiten sind vorbei. Anders rum wird ein Schuh daraus, gerade weil das Web selbst klitzekleine ZGs möglich macht, kann man sie mit Angeboten zu wirtschaftlichen Konditionen als Macher erreichen bzw. als Werbekunde sie ansprechen.

Hier liegt genau die Chance und viele Youtuber zeigen, wie es geht. Gut wer weiter auf lineares analoges setzt, der wird in Zukunft immer weniger Programm, oder zu abwegigen Sendezeiten, bekommen.

@Gegenstromanlage
Wer automatisiert macht sich austauschbar.
 
#21
etwas zu einfach gedacht: wer investiert, wird auch langfristig belohnt. Das ist jedenfalls meine Meinung. Und zu abwegigen Sendezeiten? Na Danke. Wie soll das funktionieren, wenn bei einigen bereits um 18 Uhr Feierabend ist? Die ZG sind am Ende alle, je nach Welle. Ich bin jedenfalls Jahrgang 86 und höre eher neuere Musik und wähle mir dann entsprechende Stationen. Einige von früher zählen inzwischen nicht mehr dazu. Aus genannten Gründen.
 
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#22
Warum ist Barbara Schöneberger beim Radio gelandet? Weil Regiocast hier als eines der wenigen Unternehmen alles richtig macht und zumindest so halbwegs "Digital" als Sprache verstanden hat. Warum nicht mal ein Podcast mit einem bekannten Youtuber? Oder Udo Lindenberg? Oder wem auch immer.
Das sehe ich als Bestätigung. Alle genannten Namen sind doch keine Radiogewächse. Die Contentwüste im Privatradio ist riesengroß - wenn man vielleicht mal von einigen Exoten wie zB Rahbari oder einigen wenigen anderen absieht, die mehr als nur als einen Claim rauskriegen oder mehr als 3 ungescriptete Sätze sagen können. Aber alle großen Anbieter machen scheinbar um solche Leute einen großen Bogen. Content heißt halt auch Meinung mit Ecken und Kanten.
 
#23
Die Weisheiten des Chinesen sind einer der Hauptgründe, weshalb ich noch hier bin. Und auch die Gegenstromanlage habe ich über die Jahre zu schätzen gelernt...
 
#25
@Radiocat
Ich such noch willige Groupies:cool:

Ansonsten, gutes Radio ist ganz einfach: Sex, Rockn Roll und einfach viel Spaß. (das mit dem Drogen hat mich nie fasziniert, außerdem will ich immer Herr meiner Sinne + des Versandes sein). Will sagen das Rezept ist einfach sehr einfach, sogar verdammt einfach. Auch nichtlineare Medien müssen genau nach dem Rezept angerührt werden. Wer's schafft gewinnt.

Ich kann jeden jungen oder älteren Creativen verstehen, auf Youtube kann er schnell und mittelbar seine Show mit geringen Aufwand machen. Oliver Kalkhofes erste Sendungen bei Premiere wurden exakt so produziert. Egal ob analog oder digital, linear oder unlinear - es ist immer der stupid Content!

Eines muss man dem Privatradio lassen, den echten Spaß, die Lust, das Schräge, Verrückte und Leidenschaft haben sie erfolgreich aus ihren Programmen eliminiert. Sprich, eigentlich (fast) alles was ein Programm hörenswert macht.

Sorry - All diese Berater, Web-Spezialisten, sogenannten Programm- und sonstigen Direktoren - zu 80% reden da Blinde von der Farbe, bzw. kommen mir wie Köche vor, die Konservendosen öffnen und TK-Gerichte warm machen. Ich lach mich auch regelmäßig tot, wenn uralte Promos aus den USA, die alle in meinen Radiohandbüchern in den 1990er Jahren beschrieben worden sind, als heiße Promo-/Programmideen verkauft werden. Leute seid doch wenigstens mal ehrlich...

Wenn jemand fast seine ganze Zeit in Schnellrestaurants verbracht hat und Direktiven aus dem Ausland entgenommen & umgesetzt hat, der soll für Qualitätsküche, Service, Individualität, Innovation und Einzigartigkeit stehen? Ich geh mal zum Lachen in den Keller...
 
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