M-Net speist 16 DAB+-Hörfunk-Programme in seine Kabelnetze ein


#2
Solange M-Net nicht DVB-Radio rausnimmt, können sie doch gerne DAB+ anbieten. Wenn das so laufen sollte, wie man heute DAB(+) plant, ists Diktiergerätequalität, also völlig sinnlos im Kabelnetz. Kabel Baumann hatte 25 Services in einem Mux, was ca. 34 CU je Service ermöglicht und günstigstenfalls im EEP 4-B auf 64 kbps brutto je Service führt, wenn alle Services die gleiche Datenrate haben sollen. Im Test bei Baumann hatte man 23 Services zu je 72 kbps und 2 Services zu je 32 kbps mono (!): https://www.blm.de/files/pdf2/whitepaper-dab-im-kabel.pdf

Auch bei 72 kbps gilt: das kann man gleich bleiben lassen, das ist Lichtjahre von UKW-Kabelqualität entfernt. Und okkupiert das 6- bis 9-fache an Bandbreite verglichen mit DVB-C gleicher Datenrate.

Wenn man DAB+ im Kabel anbieten will, dann könnte man das brauchbar mit 12 Services zu je 128 kbps und 2 Services zu je 144 kbps in einem Mux. Das füllt im EEP 4-B bzw. EEP 4-A den Mux komplett. Oder man hat - wennschon, dennschon - den Platz, das ganze im DAB classic (Layer II) aufzuziehen, nimmt PL5 und packt z.B. 9 Services zu je 192 kbps oder 8 Services (3 x 256 kbps, 5 x 192 kbps) in einen Mux. Man hätte ordentliche Qualität und die hochwertigen Altgeräte, die bis Ende 2018 noch wenigstens über ihre UKW-Empfangsteile verwendbar waren, hätten eine Zukunft. Und da gab es phantastische Geräte von Sony, Pioneer, Denon, Harman, Technics, ...

Bei teltarif kann man noch lesen "Im Rahmen der Veranstaltung sollen auch Empfangsgeräte gezeigt werden, die für den DAB+-Empfang im Kabelnetz geeignet sind." (https://www.teltarif.de/m-net-dab-plus-kabelnetz/news/78294.html) Das riecht für mich nach Verschiebung der DAB-Blöcke gemäß Schweizer Vorbild und dementsprechend nach proprietären Empfangsgeräten. Hätte die M-Net doch gar nicht nötig, da sie FTTH anbietet? Oder läuft es bei denen doch auf den letzten Metern auf Koax?

An die M-Net-Kunden hier: habt ihr Kabel-Internetrouter oder Glasfaser-Router?
 
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#3
Als ungeeignet werden bei Teltarif die vielen DAB+ Radios beschrieben, die keine Antennenbuchse besitzen. Daraus würde ich jetzt keine verschobenen Kabelfrequenzen lesen, die proprietäre Geräte erfordern.

Zur Bandbreite: sinnvoll wäre es, das originale Signal, inklusive originaler Bandbreite im Kabel zu verbreiten.

Schade, dass in den DAB+ Speziikationen keine Kabelbetriebsart, mit wenig "overhad" vorgesehen ist
 
#4
Zur Bandbreite: sinnvoll wäre es, das originale Signal, inklusive originaler Bandbreite im Kabel zu verbreiten.
Was meinst Du damit? Im Kabel die Qualität, die das gleiche Programm in der terrestrischen DAB-Verbreitung hat? Das könnte bei dem Bayerischen Projekt durchaus so geschehen. Man hantierte da mit Abnahme der Originalpakete, teils wohl auch von Sat, wo sie komplett als ETI-Stream übertragen werden.

Als sinnvoll betrachte ich im Kabel eine deutlich höhere Bitrate, also eine Neu-Generierung aus einer sauberen Quelle. Man kann den Fehlerschutz auf das niedrigstmögliche Niveau zurückfahren, man kann sogar in Layer II arbeiten und die teils hervorragenden Altgeräte (die gerade an Kabelanschlüssen noch auf UKW laufen durften) weiterhin versorgen. 8 Blöcke zu je 8 Services in 192 - 256 kbps Layer II wäre eine Maßnahme, UKW durch was ebenbürtiges mit deutlich größerer Auswahl zu ersetzen. Wird bloß nicht kommen.

Schade, dass in den DAB+ Speziikationen keine Kabelbetriebsart, mit wenig "overhad" vorgesehen ist
Du meinst, mit noch geringerem Fehlerschutz? War alt nie vorgesehen im DAB-Konzept. Die ganze Modulation ist auf Mehrwegeempfang mit bewegtem Empfänger abgstimmt und frisst deswegen viel Bandbreite, um das stabil hinzubekommen. Fürs Kabel gibt es halt DVB-C. Dass es nie richtig gute wohnzimmertaugliche Radio-Empfänger dafür gab und bis heute nur 2 Beistelldecoder gibt, ist schon traurig.
 
#6
Es gibt genau zwei bezahlbare Geräte: den von Dir genannten TechniSat Cablestar 100 und den Vistron VT855(-N). Beide sind formal gleichwertig und funktionieren prinzipiell gut. Beim TechniSat brennt das schicke OLED aus: Dots, die länger genutzt werden (für die sinnfreie Anzeige von "OFF" beispielsweise), werden nach einigen Monaten spürbar dunkler. Der Vistron zeigt dafür keinen Radiotext an. Beide können nur 9 (TechniSat) bzw. 8 (Vistron) Favoriten speichern. Alle weiteren Programme liegen unverrückbar in der Hauptliste, angesichts von teils mehr als 100 DVB-C-Radioprogrammen eine Zumutung. Für "Normalhörer" mit zwei, drei Programmen sind beide gut, für engagierte Radiohörer ein massiver Rückschritt.

Wann bekamen UKW-.Tuner gleich nochmal mehr als 8 Speicherplätze? Richtig, Mitte der 1980er Jahre. Mein Pioneer F-717 aus dieser Zeit verwaltet 2 mal 8 Plätze. Und hat ein wertiges 42er Metallgehäuse. Da tun sich schon Unterschiede auf...

Jeder DAB+-Empfänger, der in ein halbwegs anständiges HiFi-Gerät eingebaut ist (heute in viele aktuelle AVR, teils auch in Netzwerkplayer) bietet eine wertigere Anfassqualität als die beiden DVB-C-Seifendosen. Die wiederum bieten den deutlich besseren Klang (prinzipbedingt) zumindest bei den DVB-C-Angeboten von ARD, D-Radio und SRF, wenn nicht seitens des Netzbetreibers recodiert wird. Schade, dass es nichts wertiges bzw. integriertes auf DVB-C-Basis gibt.
 
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#8
Besten Dank für die Information!

Der für mich wichtigste Satz ist allerdings "Darüber hinaus steht den Kunden in den Kabelnetzen von M-net unverändert auch das volle Angebot der ortsüblichen sowie weiterer Hörfunkprogramme im digitalen Kabelstandard DVB-C zur Verfügung. "

Was für Spielereien neben der DVB-C-"Pflicht" ansonsten gemacht werden, ist für ambitionierte Radiohörer ohnehin weitgehend uninteressant. Egal, wie sehr man das DAB+ datentechnisch aufbohren würde. Bliebe nur der Vorteil besserer Bedienbarkeit bei DAB+.

16 Programme. Was könnte man da gemacht haben? Bei gleicher Aufteilung der CU ergeben sich 54 CU je Service.

Im niedrigsten Fehlerschutz EEB 4-B will das nicht passen. Da gibt es 30 CU für 64 kbps oder 45 CU für 96 kbps oder 60 CU für 128 kbps.

Im Fehlerschutz EEP 4-A passt es auch nicht. Im terrestrisch bei anspruchsloserem Gelände üblichen EEP 3-A passt es: 54 CU sind 72 kbps brutto. Ich hoffe doch nicht... da wäre der Kabelkunde besser bedient, wenn er nen Draht hinten ans Gerät ansteckt und den Bayern-Mux direkt empfängt.

Warten wir also die detaillierte Belegung ab.

Nachtrag: richtig tragisch ist der letzte Absatz in der Meldung.

"Vom Keller der Gebäude erfolgt die Versorgung der einzelnen Wohnungen im Unterschied zu herkömmlichen Kabelnetzbetreibern oder Telekommunikationsanbietern über zwei getrennte Infrastrukturen: Internet und Telefon über die Telefon- oder Glasfaserleitung, Fernsehen und Hörfunk über das Koaxialkabel. "

Damit hätte es nie einer UKW-Kabelabschaltung bei der M-Net gebraucht, da klassischer Rundfunk und IP-Dienste nicht kollidieren. Wieder eim Fall von regulierungswütiger, fachlich aber völlig ahnungsloser Politik, die den Menschen die Grundversorgung entzieht, sie zu Mehraufwand, eigentlich unnötiger Investitionen und teils schlechterer Qualität nötigt, ohne auf dem Gebiet, auf dem sie was zu erreichen erhofft, prinzipbedingt überhaupt irgendetwas ausrichten zu können. Ich sage immer wieder, die Politik soll ihre Finger von Dingen lassen, von denen sie keine Ahnung hat.
 
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#10
Meine Haltung zu diesem Thema steht oben. Solange wir die Parameter nicht kennen, ist keine Aussage zur Sinnhaftigkeit möglich. Verglichen mit DVB-C bleibt es aber so oder so eine Spielerei - qualitativ und quantitativ.

In Sachsen speisen inzwischen einige Kleinkabler 1:1 die lokal empfangbaren terrestrischen Pakete ein bzw. kündigen DAB+ im Kabel an. Teiweise wären diese Programmpakete aufgrund der Topographie nichtmal in den jeweiligen Orten inhouse problemlos terrestrisch zu empfangen.

In Thüringen gibt es ja auch ein Kleinkabelnetz, in dem 5 Pakete terrestrisch 1:1 übernommen werden (Bundesmux, MDR Thüringen, Bayern, Oberfranken, Sachsen-Anhalt privat). Sind ohne Regionalisierungs-Doubletten ca. 50 Programme. Ist halt nur keine neu generierte Einspeisung, sondern 1:1-Übernahme von Terrestrik, die dort inhouse nur 2 der 5 Pakete bieten würde mit magerer Auswahl. Dazu gibt es aber noch >100 DVB-C-Radioprogramme (ARD, DRadio, deutsche Private, ORF, SRF, Franzosen, Spanier, Polen, ...) und 44 UKW-Programme.
 
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#11
@lg74 :
Ich habe erst gestern davon erfahren, das die bei M-Net nun tatsächlich DAB+ ins Kabel gebracht haben, vorher waren es wohl eher Gerüchte.

Ich hatte hier im Forum für DE nach M-Net und DAB+ im Kabel gesucht, aber nix gefunden. Dann hatte ich einen neuen Fred hier einstellen wollen, der muß wohl die selbe Überschrift gehabt haben, wie der vom User radneuerfinder vom 12.10.'19 (Ich habe einfach die Überschrift von den SatelliFax News genommen), und Doppel Freds gibt's hier ja nicht, zumindest nicht mit selbiger Überschrift. Oder einer der Moderatoren hat meine Frage in diesen älteren Fred kopiert und meinen neuen Fred gelöscht ?
Ist natürlich klar, das sich meine Frage im Prinzip erübrigt hat, da es diesen Fred schon gab, ich ihn aber nicht kannte. Und im Ösi und Schweizer Forum hier, verirre ich mich eigentlich nie, da ich die nur via Internet empfangen könnte, und die Sender die ich von denen bisher gehört habe, sagt mir nix zu.
 
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#12
Im niedrigsten Fehlerschutz EEB 4-B will das nicht passen. Da gibt es 30 CU für 64 kbps oder 45 CU für 96 kbps oder 60 CU für 128 kbps.
Gibt es denn wirklich nicht sowas wie EEP-5A was dann bei 128kbps nur 30 CU fressen würde?

Ich finde die ganzen B Fehlerschutze falsch konfiguriert die sind entweder nur möglich wenn zu viel Bitrate da ist oder zu wenig. Z B. bei 112kbps sollten statt 84 und 56 CU doch auch z. B 72 oder 60 oder 48 CU möglich sein. Ebenso sollten EEP-4B 3B und 2B auch für Bitraten zwischen 64 und 96, sowie 96 und 128 kbps funktionieren, da die B Varianten CU mässig in einem guten Verhältnis wären, der auf DAB auch Qualität bei hoher Programmanzahl ermöglichen würde. Sprich also 80 kbps mit weniger als 30 CU
 
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#13
Gibt es denn wirklich nicht sowas wie EEP-5A was dann bei 128kbps nur 30 CU fressen würde?
EEP-5A gibt's nicht. Allerdings ist in den mir bekannten Umrechnungstabellen oft noch ein EEP-0 aufgeführt, welches tatsächlich weniger CUs als EEP-4B verbraucht. Allerdings weiß ich nicht, ob dieses mysteriöse EEP-0 auch praktisch umsetzbar ist.

Ebenso sollten EEP-4B 3B und 2B auch für Bitraten zwischen 64 und 96, sowie 96 und 128 kbps funktionieren
Funktioniert aber nicht, da man sonst Bruchteile von CUs rausbekommen würde. 1 CU ist eine festgelegte Einheit, die sich nicht teilen lässt.
Zur Veranschaulichung hier mal ein Rechenbeispiel für EEP-2B. Die Umrechnungszahl ist 21/32 bzw. 0,65625.

32 kBit/s * 0,65625 = 21
40 kBit/s * 0,65625 = 26,25
48 kBit/s * 0,65625 = 31,5
56 kBit/s * 0,65625 = 36,75
64 kBit/s * 0,65625 = 42
72 kBit/s * 0,65625 = 47,25
80 kBit/s * 0,65625 = 52,5
88 kBit/s * 0,65625 = 57,75
96 kBit/s * 0,65625 = 63
104 kBit/s * 0,65625 = 68,25
112 kBit/s * 0,65625 = 73,5
120 kBit/s * 0,65625 = 78,75
128 kBit/s * 0,65625 = 84
136 kBit/s * 0,65625 = 89,25
144 kBit/s * 0,65625 = 94,5
152 kBit/s * 0,65625 = 99,75
160 kBit/s * 0,65625 = 105

Die fett markierten funktionieren, da eine ganze Zahl als CU-Wert rauskommt.
 
#14
@Holzohr
Alles gut. Hier sind einfach die Einträge im Schweizer UPC-Thread von der Forenmoderation korrekt umgehängt und dafür behutsam angepasst worden. Danke dafür!

Gibt es denn wirklich nicht sowas wie EEP-5A was dann bei 128kbps nur 30 CU fressen würde?
Ist nicht drin im Standard, zumindest meines Wissens nach. Was es gibt, ist im Anhang zusammengefasst. Was neues "dazuzuerfinden" würde wieder alle Empfangsgeräte wertlos machen, zumindest für neue Modi.

DAB(+) ist für den Empfang terrestrischer Sender mit bewegtem Empfänger (Auto) konzipiert, dazu sollten auch noch Gleichwellennetze möglich sein. Die dabei auftretenden Widrigkeiten (Mehrwegeempfang, Laufzeitunterschiede, Fading, Dopplereffekt) angemessen zu berücksichtigen erfordert nunmal eine gewisse Robustheit des Signals. Wir sehen ja, dass manche Anbieter sogar auf EEP 2-A (die 3 Haupt-Audiodienste des Deutschlandradios, DokDeb und die Datendienste sind hingegen nur EEP 3-A) oder EEP 1-B (alle 96er und 128er Dienste des BR) oder EEP 2-A (BR Klassik) gehen, um stabilen Empfang zu gewährleisten. Man ist also in der Realität, wenn man es sich leisten kann, eher noch "unter 3" im Fehlerschutz.

Für Kabel war DAB(+) nie vorgesehen. Entsprechend gibt es keine Modi mit noch niedrigerem Fehlerschutz. Die ganze Modulation ist dafür nicht passend.

Schau Dir mal die spektrale Effizienz an. Bei DAB+ mit AAC ist das bissl Schummelei, denn das, was seitens der Modulation als "Nettodatenrate" rauskommt, ist nicht die Netto-Audiodatenrate, da AAC nochmal ca. 10% durch einen integrierten zweiten Fehlerschutz verbraucht. 96 kbps brutto DAB+ ergeben beispielsweise 86,467 kbps Audiodatenrate inkl. PAD. Aus 144 kbps brutto werden so 130,467 kbps netto. Worauf bezieht man nun die spektrale Effizienz? Ich beziehe sie mal auf die kleineren Werte, weil die wirklich real verfügbar sind.

864 CU (ein kompletter DAB-Mux) sind im "mittleren" Fehlerschutz EEP 3-A mit seinen 6 CU für 8 kbps brutto in Summe 1152 kbps. Der Mux wird über 1536 Einzelträger mit je 1 kHz Abstand rausgehauen, belegt also 1,536 MHz Bandbreite. 4 Muxe passen mit "Randstreifen" in einen 7-MHz-Kanal im Band III. Also hat jeder Mux letztlich 7/4 = 1,75 MHz Platz. Das ergibt eine spektrale Effizienz (vor Reed-Solomon in den AAC-Datenströmen) von 1152 kbps / 1,75 MHz = 658 kbps je MHz. Real werden noch ca. 10% davon für die zweite Fehlerschutz-Stufe in den AAC-Datenströmen aufgezehrt, so dass wir auf etwa 600 kbps je MHz Bandbreite kommen, die tatsächlich für Nettodaten im EEP 3-A zur Verfügung stehen.

Der niedrigste Fehlerschutz EEP 4-B kommt auf etwa 1843 kbps Bruttodatenrate je Mux und damit auf ca. 1053 kbps brutto je MHz Bandbreite. Netto sind es dann ca. 940 kbps je MHz Bandbreite bei AAC.

Und nun vergleiche mit DVB-C in 256QAM: da sind es etwa 50 MBit/s netto, die zur Verfügung stehen für Nutzdaten - in einem 8-MHz-Kanal. Also ca. 6250 kbps je MHz (je nachdem ob man "Kilo" mit 10^3 oder mit 2^10 rechnet) und damit 6,6 mal effizienter als EEP 4-B bei eingerechnetem AAC-Fehlerschutz bzw. sogar 10,4 mal effizienter als EEP 3-A.

Fazit: wer DAB(+) im Kabel macht, macht das nicht aus technischen Gründen, sondern aus Komfortgründen für die Kunden, die "versehentlich" DAB-Empfangsteile in ihren "human" bedienbaren Stereoanlagen haben. Für DVB-C gibt es bislang ja nur 2 bezahlbare extra-Plastedosen. Sie sind klanglich besser als DAB+, aber auch hässlicher und eben nicht in vorhandene Anlagen eingebaut.

Technisch spricht alles für DVB-C. Bei Faktor 6,6 bis 10,4 kann ich selbst bei 320 kbps noch Bandbreite sparen verglichen zu 72 kbps brutto in DAB+. Dass wir es hier mit 2 unterschiedlichen COdecs (MPEG Layer II gegen AAC) zu tun haben, macht es noch unübersichtlicher. Die Zahlenverhältnisse verschieben sich, wenn man statt Datenraten je MHz z.B. "Services je MHz" zählt und dabei z.B. 136 kbps LC-AAC mit 192 kbps Layer II gleichsetzt. Aber so dramatisch anders wird es nicht. Der Claim "halbe Bitrate - gleiche Audioqualität" ist ja nur Promo-Lüge. Im EBU-Hörtest kamen 128 kbps brutto LC-AAC ohne Slideshow (!) nicht an 192 kbps Layer II ran. Und 96 kbps brutto HE-AAC erreichte ca. 68% Qualitäts-Score bei den Audio-Profis, 192 kbps Layer II erreichte ca. 88%.

Wer Platz hat und bewusst DAB anbieten will, kann, so er nicht wegen DOCSIS 3.1 nur die Blöcke im K13 nutzen kann, deshalb auch gleich konsequent noch verschwenderischer herangehen und in klassischem DAB mit MPEG Layer II übertragen. Da bekommt man in einen PL5-Mux 5 mal 192 kbps für "Allerweltsprogramme" und 3 mal 256 kbps für "gehobene Programme", also insgesamt 8 Services. Macht mit 8 Muxen, die man im Band III verteilt (sinnvollerweise auf Blöcken, die nicht terrestrisch mit DAB+ belegt sind wegen beiderseitiger Störungsgefahr) immerhin 64 Services bis 72 Services, wenn man nur 192 kbps macht (9 Services je Mux im PL5). Vorteil: es hätte weniger Kollateralschäden beim Recodieren aus MPEG-Quellen verglichen zu AAC und es würde hochwertige Altgeräte erneut ertüchtigen. Sowas hier:






Das sind alles hochwertige (bzw. mindestens haptisch hochwertige) UKW/DAB-Tuner, die bislang am Kabel als UKW-Tuner betrieben werden konnten und nun nichtmal mehr das. Man hätte solche Geräte durch Kabel-Ausstrahlung von DAB-alt wieder sinnvoll zum Leben erwecken können.
 

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#17
Das ist dann wohl der Irrweg vom Irrweg, oder? Kabelanschluss heisst ja heute auch Breitband-Internetanschluss, von kleinen Netzen vielleicht abgesehen. Dort hat man irgendwas um die 100Mbit/s oder mehr und selbst wenn der Anbieter den Mund zu voll nimmt, reicht es locker für Radioempfang in guter Qualität je nach Stream. Als Empfangsgerät kommt dann so ziemlich alles in Frage, was WLAN und einen Web-Browser hat, also jedes ausgediente Smartphone oder Tablet. Hochwertigere Lösungen gibt es auch.

Die Zeiten, wo man 43cm breite Blechkisten stapelt (Ja, ich hatte das auch mit Leidenschaft gemacht), sind doch ziemlich 90er, oder?

Apropos: Eine dieser noch existierenden Blechkisten (Yamaha TX-670) steht im Hobbykeller bei meinen Eltern in Thüringen. Die 20-teilige Feldstärke Anzeige gab aber letztens so gar nicht viel her, und das bei Antenne Thüringen. Es stellte sich heraus, dass die UKW-Antenne bei Sanierungsarbeiten abmontiert wurde. Das Wiederanbringen war irgendwie nicht auf der Agenda, denn der Inselsberg strahlt irgendwie in alle Geräte oder Koaxkabel, und den 'Hessischen' hört man auch dort schon lange nicht mehr. Das ist sicher nur ein Einzelfall im Hause eines einzelnen Rentnerehepaars, aber ich stelle mal die These auf, dass so oder ähnlich in Mehrheit Radio empfangen wird 2019 in Deutschland.

DAB+ im Kabel ist noch sinnloser als früher DVB-C-Radio, was schon kaum jemand nutzte (wie hier oft kolportiert). Wer soll sich heute dafür interessieren? Rentner? 20jährige, die kaum noch wissen, was Radio ist?

Viele jüngere, sagen wir 40minus, abonnieren beim Kabel nur noch das Internet, gar nicht mehr den klassischen TV/Rundfunk-Teil. Hier in den USA sowieso, aber ich kenne das auch aus Deutschland. Und diese Zielgruppe muss attraktiv sein, man schaue auf die Internetseiten von Unitymedia und Co, da wird das sogenannte 2-Play prominent beworben. Die 2 (Internet+Telefon=2) kommt daher, dass in Deutschland Festnetz-Telefon im Privatbereich eine Rolle spielt, hier hat kein Mensch mehr Festnetz. Ich würde mich nicht wundern, wenn die großen Kabelanbieter in ein paar Jahren bei ihren Kunden die Set-Top-Boxen gegen IP-Boxen austauschen und auf DVB-C komplett verzichten.

Das sind die Realitäten und die Tendenz geht eher weiter weg von dem, was mal klassisches Radio war. Einige Radioleute (Macher und/oder Fans) sollten mal vorsichtig aus ihrer Filterblase rausgucken. Sonst hat Radio irgendwann ein Image wie Modellbahn, liebenswert, krude, für ein paar Freaks.
 
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#18
Dort hat man irgendwas um die 100Mbit/s oder mehr und selbst wenn der Anbieter den Mund zu voll nimmt, reicht es locker für Radioempfang in guter Qualität je nach Stream.
Aber nicht bei den deutschen Öffis. :D

Die Zeiten, wo man 43cm breite Blechkisten stapelt (Ja, ich hatte das auch mit Leidenschaft gemacht), sind doch ziemlich 90er, oder?
Zugegeben, ich habe meine Blechkisten noch, ich schätze ihre Haptik und das stressfreie Funktionieren ohne Updates und Booten und ich nutze sie teils auch noch, aber sehr selten. Die in der letzten Zeit intensivste Nutzung betraf das Umkopieren DAT auf File für @DigiAndi. Ziel: Blechkisten perspektivisch nicht mehr zu brauchen. Und die Aufnahmen sicher wissen (und nicht bei mir als Klotz am Bein, hehe).

DAB+ im Kabel ist noch sinnloser als früher DVB-C-Radio, was schon kaum jemand nutzte (wie hier oft kolportiert). Wer soll sich heute dafür interessieren? Rentner? 20jährige, die kaum noch wissen, was Radio ist?
Die 20-jährigen mehrheitlich definitv nicht. Aber bei Musikliebhabern ab sagen wir mal 45+ fand ich erstaunlich vieles Radios am Kabel. Teils auch wegen spezieller Programme. Könnten sie freilich auch über Internet hören, wenn sie keine höheren Qualitätsanforderungen haben.

Ich würde mich nicht wundern, wenn die großen Kabelanbieter in ein paar Jahren bei ihren Kunden die Set-Top-Boxen gegen IP-Boxen austauschen und auf DVB-C komplett verzichten.
Da wird es sowieso hinlaufen. Wenn bis dahin die entsprechenden Portalfunktionen nicht in Fernseher integriert sind, wirds wieder vom Handling her ätzend. Diese ganzen Boxen nerven mich tierisch. Der Nachbar hier hat die große 4-Tuner-Kiste von Vodafone. Warum? Weil sie nur wneige EUR monatlich mehr kostete. Seitdem quält er sich im CEC-Bermudadreieck zwischen Box, Fernseher und Soundbar. Grauenvolle, nicht schlüssige Verkoppelung und Bedienung. Aber hey, er kann mehrere Sendungen gleichzeitig aufnehmen. Dabei schaut er doch schon mindestens 3-4 Stunden täglich lineares Programm. Wann er das Zeugs auf der Festplatte schauen will, weiß ich beim besten Willen nicht.
 
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#19
Hier muss ich der Grenzwelle mal ausnahmslos Recht geben. Es ist zwar eine nette Idee DAB+ ins Kabel umzusetzen, aber dessen Sinnhaftigkeit darf dann doch erheblich angezweifelt werden. Zum einen haben die meisten handelsüblichen DAB+-Empfangsgeräte keinen externen Antennenanschluss. Und zum anderen haben die, die dann etwas kostspieliger sind zumeist auch einen Triple-"Tuner" für UKW, DAB+ und WLAN. Und wenn ich die Wahl zwischen DAB und WLAN habe, würde ich dann doch das WLAN vorziehen.

Für DVB-C gibt es bislang ja nur 2 bezahlbare extra-Plastedosen. Sie sind klanglich besser als DAB+, aber auch hässlicher und eben nicht in vorhandene Anlagen eingebaut.
Nun ja... Da Flachbildfernseher in der Regel aufgrund des fehlenden Resonanzvolumens der Boxen ohnehin fast alle furchtbar klingen, hängen selbige in der Regel des Klanges wegen oft an irgendwelchen Receivern oder Verstärkern. DVB-C-Radiosender eingeschaltet und über den Eco-Modus den Bildschirm abgeschaltet, fertig. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten die das so handhaben. Dafür brauchts keine extra "Blechkisten".
 
#20
Und wenn ich die Wahl zwischen DAB und WLAN habe, würde ich dann doch das WLAN vorziehen.
Oder beides. BR Klassik und hr besser über DAB (aber das terrestrische Original-DAB). MDR besser über IP. Nur: wen interessiert das noch?

DVB-C-Radiosender eingeschaltet und über den Eco-Modus den Bildschirm abgeschaltet, fertig. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten die das so handhaben. Dafür brauchts keine extra "Blechkisten".
Habe ich auch schon so eingerichtet und wird auch genutzt. Ist halt sehr vom Bedienkonzept des TVs abhängig, ob das angenehm ist. Ein Blindflug ists aber immer. Und dieses ewige Warten bei den heutigen Fernsehern, bis da mal was passiert. Da war man vor 2 Jahrzehnten aber deutlich weiter...
 
#25
Die Frage, die ich mir dabei stelle: Ob M-net für alle Standorte eigene regionale DAB+-Multiplexe zusammenstellt, oder überall das gleiche über DAB+ verbreitet? Also ob dann in München auch RT1 Augsburg mit im Netz ist, oder in Augsburg auch Energy München ausgestrahlt wird.
 
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