Mal was anderes: Bundesliga für China


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Auch das ist Radio - und mit traumhaften Klickraten
Peking - Für Xiao Wang ist es eine Premiere. Der 31-jährige Pekinger Fußballfan will seinen Helden Jiayi Shao vom Derby der «Löwen» gegen die Bayern aus dem Münchner Olympiastadion hören. Mit einem Mausklick öffnet sich das Fenster mit dem Live Audio Stream. Er wählt den Media Player - Wiedergabe, Zwischenspeicherung, 100 Prozent.

Plötzlich erklingt die Stimme aus dem Computer-Lautsprecher: «Ein Spiel der Willenskraft» kündigt Jiayi Shao, der 23 Jahre alte «Löwen»-Spieler aus Peking an. Jenseits der Großen Mauer ist es 22.25 Uhr, in Deutschland 15.25 Uhr - Bundesligazeit.

Unter www.german-football.cn bietet die Deutsche Welle seit dieser Saison jeden Samstag Live-Übertragungen von der Bundesliga in chinesischer Sprache an. Es gibt einen Textticker, und wöchentlich Interviews und persönliche Berichte von Jiayi Shao. Seit Anfang des Jahres spielt der Freistoßexperte als einziger chinesischer Spitzenfußballer in der Bundesliga bei 1860 München. Wegen eines Kreuzbandrisses muss der 23-Jährige seit August pausieren. So kann er für seine Fans das Schlagerspiel kommentieren.

«Das ist besser als Fernsehen, weil sie Jiayi Shao haben», freut sich Xiao Wang. Dennoch sucht er am Fernseher alle Kanäle ab, denn jeden Samstag wird ein Bundesligaspiel live übertragen. Auf dem Staatssender CCTV 5 wird er fündig. «Ich bin sicher, dass Bayern gewinnt», sagt Xiao Wang, nimmt einen Schluck Bier, greift in die Tüte mit Kartoffelchips. Er dreht den Ton des Fernsehers ab, um die Kommentierung aus dem Internet zu hören. 100 000 Zugriffe zählt die Deutsche Welle pro Spieltag: «Tendenz steigend.»

Die Begeisterung im Reich der Mitte vor allem für den europäischen Fußball kennt keine Grenzen. «Deutscher Fußball ist sehr beliebt», weiß Xiao Wang. Das liege vielleicht ein bisschen am früheren Trainer von Waldhof Mannheim, Klaus Schlappner, der in den 90er Jahren Chinas Nationalmannschaft trainierte. Damals war Deutsche Welle in der Volksrepublik nur rauschend über Kurzwelle im Radio zu hören.

Die Stimme von Fußballkommentator Yuelei Hu stockt gelegentlich. Internetverbindungen in China sind leider noch zu langsam. Es gibt Pausen bis zu 30 Sekunden. Die erste Chance der tapfer kämpfenden Löwen in der 32. Minute, als «Ka'en» (Oliver Kahn) einen Schuss von «Luo Te» (Benjamin Lauth) hält, bleibt deswegen unkommentiert. Dann köpft «Ma Kai» (Roy Makaay) den Ball zum 1:0 ins Tor der Sechziger. «Den Starken fällt der Sieg immer leicht», philosophiert Xiao Wangs Freundin, die sich nicht für Fußball begeistert.

«Hey, da ist Jiayi Shao», ruft plötzlich ihr Mann. Das Fernsehen zeigt Chinas Star auf der Zuschauertribüne. «Ich finde, wir spielen besser als die Bayern», kommentiert Jiayi Shao wenig später. «Alle kämpfen hart.» Doch die zweite Halbzeit bleibt torlos. «Bairen Munihei» gewinnt nach 90 Minuten glücklich gegen «Munihei Yibaliuling».

Jiayi Shao rät den anderen Fußballstars in seiner Heimat, auch in ausländischen Clubs zu spielen. So wie früher Cheng Yang bei Eintracht Frankfurt oder heute Jihai Sun bei Manchester City. Chinas Nationalteam könne davon nur profitieren. Doch weiß er: «Als ausländischer Spieler muss du bessere Leistungen zeigen als andere, sonst wollen sie dich nicht.» (dpa)
 
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