Marktanteil von 3FM sinkt erneut


#2
Hab mal im Netz gestöbert, dort laufen viele Kommentare darauf hinaus, dass die Musik nicht mainstreamig genug sei und 538 und QMusic interessantere DJs hätten.
 
#3
3FM wollte sich radikal verjüngen und hat sämtliche Flaggschiffe (Gerard Ekdom, Giel Beelen, Rob Stenders) ziehen lassen. Bei den jungen Kräften a la Domien Verschuuren oder Frank van der Lende scheiden sich bei mir die Geister. Sie geben einerseits vor, sich zu bemühen, was ich ihnen durchaus abnehme. Andererseits hat keiner einen richtigen Pioniergeist, tatsächlich etwas verändern zu wollen. "Augen und zu durch - die Hörerzahlen steigen auch bald wieder", heißt wohl momentan die Devise. Das Gegenteil ist der Fall. Ein/zwei Zugpferde hätte 3FM behalten sollen, schließlich sind bei allen quotenträchtigen Sendern ehemalige Namen von 3FM am Start. Soviel zur Personalpolitik meinerseits.

In Sachen Musik ist 3FM momentan leider weder Fisch, noch Fleisch. Man versucht verzweifelt, einen Spagat zwischen Mainstream, Urban und alternativem Pop hinzubekommen. Das hat 2013 allerdings besser geklappt. Vielleicht täte eine Rückbesinnung ganz gut. Zudem verstehe ich nicht, warum man keine Sondersendungen in progressiveren Gewässern als Ergänzung zu NPO Radio 2 fährt. Ein Stil Marke Villa 65 , Dansen met Delsing oder Umma Gumma täte dem Sender bestimmt nicht schaden. Kurzum: Es gibt viel zu tun beim dritten Programm des NPO.
 
#4
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass durch den landweiten Ausbau von DAB+ man sich quasi selbst Konkurrenz macht. Ich vermute mal, dass einige Hörer auch in die Programme 3FM Alternative oder vor allem KX Radio abgewandert sind. Letzteres finde ich sogar deutlich besser als das Hauptprogramm.
 
#5
Wenn das so weitergeht, liegen sie bald hinter Radio 4. :D
Tja, da hat man die Zielgruppe vergessen und komplett vergrault. Die ist fast komplett zu Radio2 abgewandert und jene, die eher auf alternativere Sounds stehen, haben in NL gar keine Heimat mehr (die von Tweety genannten Spartenkanäle dürften eher vernachlässigbar sein bei den Hörerzahlen). Auch alle anderen Programme, die fast ausschließlich auf aktuelle Musik machen, haben verloren: Skyradio dümpelt vor sich hin (wären sie mal bei ihrem Soft-AC geblieben), Q-Music sinkt auch kontinuierlich leicht, SLAM dümpelt dahin und selbst Veronica mit seinem relativ langweiligen 80/90-Mix kriegt trotz Giel den Hintern nicht hoch. Sieger sind Radio2, Radio1 und Radio 10. Und natürlich 538. Also jene Programme, die entweder den höchsten Wortanteil haben oder einen sehr breiten Musikmix spielen auch mit älteren Titeln. 538 ist für ein Hitradio ja auch relativ breit aufgestellt. Und vor allem: Personality!
 
#6
Radiocat hat völlig Recht. Meine 50 Cents zu den einzelnen Sendern:

538 ist trotz Hitradio-Status breit aufgestellt. Sie vertreten vor allem einen positive Ansicht aktueller Musik, eine Eigenschaft, die in der heutigen Zeit mit den vielen langsamen, in Moll produzierten Stücken, gut tut. Hinzu kommt die Personality (Evers, Coen, Sander, Eigengewächse) und die Sondersendungen der elektronischen Musik am Wochenende. In Sachen Personality kann auch NPO Radio 2 punkten, die geschickterweise auch in leicht ältere Fahrwasser schwimmen, um nicht unmittelbarer Konkurrent zu 538 zu sein. Diese beiden Sender sind die Platzhirsche. Alle anderen folgen danach und haben (bis auf Radio 10 möglicherweise) in absehbarer Zeit keine Chance, weiter zu steigen. Zu den Followern:
Der Anstieg von Radio 1 ist bemerkenswert, wohl aber auch der Folge des weiteren Booms von Streamingdiensten geschuldet. In Zeiten, wo man Musik nahezu überall hören und skippen kann, ist das Wort eine absolute Stärke des Mediums Radio. Und hier profitieren die Wortwellen weltweit, also auch Radio 1. BNR hinkt wegen der mangelnden Sportberichterstattung ein bisschen hinterher, schreibt aber trotz der geringen Reichweite schwarze Zahlen.
Q-music leidet unter dem Zusammenbrechen des Morgenteams "Mattie & Wietze" und hat diesen Verlust bis heute nicht kompensiert. Alleinstellungsmerkmal ist allerdings die "Foute uur" und die Tatsache, dass der Sender mit eigenem Nachwuchs (Q-College) diese Zahlen geschafft hat. SLAM! hat weniger moderierte Stunden, allerdings noch den Mixmarathon. Veronica hat gehofft, mit Giel Beelen wieder stabilere Luistercijfers zu erreichen. Laut radiofreak.nl allerdings verliert die Morgenschiene weiter an Boden. Giel scheint seinen Zenit erreicht zu haben.
Und Radio 10 ist der große Gewinner der letzten Jahre. Seit der Aufschaltung auf der A7-Kette besticht der Sender durch Stabilität, einem Mix für jung und alt und dem Hinzuziehen bekannter Größen. Bin mal gespannt, inwieweit sich die Zahlen noch entwickeln, wenn Gerard Ekdom zu Radio 10 stößt.

Als Radio-Nicht-Profi ;) fallen mir zwei Dinge auf:

Musik auf Alter zu begrenzen funktioniert nicht mehr. Selbst die Jungerwachsenen kennen mittlerweile viele 70er und 80er und hören diese auch. Sie werden nicht nur mit aktueller Musik, sondern auch mit Evergreens früherer Zeiten sozialisiert. Daher sind Sender mit einer breiten Ausrichtung besser aufgestellt. Sparten können funktionieren, wenn man sie nach Genres und nicht nach Alter einteilt.

Wort ist wichtiger geworden - gerade im Bezug auf die Konkurrenz aus dem Internet. Ich zitiere nur mal die Platzierungen der Morgenschiene in NL, welche, wie in Deutschland die Prime Time im Radio darstellt:
1. Radio 538 Evers Staat Op (17.1%)
2. Radio 1 NOS Morgenjournaal (13.8%)
3. Radio 2 Ekdom in de ochtend (13.6%)
4. Q-music (Mattie, Fien & Ingmar) (7.7%)
5. Radio 10 (Lex Gaarthuis) (6.8% und damit 2% als der übrige Marktanteil)
Radio 1 als Wort- und Informationssender stellt die zweithöchsten Zahlen nach Evers. Das will was heißen. Auch Ekdom und Evers halten nicht gerade mit wenig Talk hinterm Berg. Dagegen sind SLAM! und 3FM, die auf viel Musik setzen, weit abgeschlagen (3FM nur noch bei 4.7%).

Das niederländische Radio scheint sich bei den meisten Sendern auf seine Stärken zu besinnen und somit auch Impulse zu setzen, dieses Medium weiter zu nutzen. Schauen wir mal, was sich noch ändert, wenn Ekdom zu Radio 10 wechselt und Evers aufhört (ist ja Ende diesen Jahres soweit).
 
#7
Gute Einschätzung des niederländischen Marktes von NurzumSpassda79. Ergänzend erwähne ich noch, dass ein Teil der Misere von 3FM der Omroep-Politik der NPO geschuldet ist. Bei 3FM dominiert absolut BNN/Vara, ein Sender, der auch politisch ist und nicht nur dynamisch und jung rüber kommt. Andere Sender, wie z.B. Avro/Tros sind bei 3FM nicht so präsent. Und dass war "früher" noch anders. Da hatte fast jeder A-Omroep einen eigenen Tag und Vara am Dienstag wurde nicht so viel gehört, wie z.B. Avro, Tros oder Veronica, die alle mit einer unbeschwerten, lockeren und kommerziellen Anmutung und mit viel viel Drive daherkamen. Und diese Abwechslung fehlt 3FM irgendwie, da kommt immer so ein wenig zu viel BNN/Vara rüber. Das alte Radio 3 / Hilversum 3 - zumindest an bestimmten festen Omropep-Tagen - ist heute noch am ehesten mit dem heutigen 538 zu vergleichen.

Bei Radio 2 ist BNN/Vara aber auch mittlerweile fast zu dominant (z.B. am Nachmittag Rob Stenders, der von Avro gewechselt ist und bis dato wieder für BNN/Vara sendet und Tros weniger Sendezeit für Annemieke Schollaardt zur Verfügung hat, die ja bei 3FM nur am Wochenende wegen fehlender Slots unter der Woche senden konnte). Mal sehen, wie das alles weiter geht, wenn bekannte Namen wegen der Obergrenze beim Verdienst bei der NPO zu den Privaten wechseln...
 
Zuletzt bearbeitet:
#8
Wenn man bedenkt, dass es BNN erst zwanzig Jahre gibt (1998 durchbrachen sie den VPRO-Sonntag-Nachmittag auf 3FM - erste Sendung war übrigens... Ruud de Wild!), ist es erstaunlich, wie dominant diese Omroep gerade beim dritten Programm geworden ist. Und mit dieser Organisation fing auch die alternative Ausrichtung von 3FM an, die nebenbei das letzte bisschen vertikale Programmierung verschwinden ließ und die bis dahin vorhandene leichte Dominanz von TROS und AVRO nach und nach auflöste. Heute haben fast alle Omroeps gegenüber BNN(VARA) deutlich an Sendezeit einbüßen müssen - mit Ausnahme der VPRO, welche sich ihr "3voor12 Radio" in voller Länge, wenn auch mit mittlerweile gezogenen Zähnen, erhalten konnte.
 
#11
Ich verstehe vor allem nicht, warum man nicht reagiert. Die NPO sitzt es einfach aus und investiert sämtliche Kräfte in Radio 2. Momentan habe ich den Eindruck, man lässt den Sender freiwillig oder unfreiwillig sterben.
 
#13
... was aber lt. "De Telegraaf" NICHT bedeutet, dass R 5 (das bislang nur via http://radioplayer.npo.nl/radio5, Kabel und DAB+ zu empfangen ist, obwohl es sich an die über 50jährigen richtet)
jetzt einfach mit 3FM die Frequenzen "tauscht" - denn die Jugend ist immer noch Hauptzielgruppe der Werbetreibenden! Hoe dan ook, er is verandering nodig.
 
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