NDR info, NDR info spezial und NDR Blue


#1
Die Programmstruktur ist wirklich einmalig... unübersichtlich. Damit meine ich jetzt nicht das Stundenschema und auch nicht die nervigen und altbackenen Jingles. Ich finde die Abendschiene vor allem im Musikbereich äußerst unglücklich gestaltet.

Das Hauptprogramm sendet ab 20.00 und die ganze Nacht über UKW und DAB+ ein ambitioniertes Musikprogramm, das ist gut - aber in meinen Augen auf einem Info-Sender völlig deplaziert.

Dann gibt es das Beiboot NDR info spezial, welches von 20 bis 22 Uhr auch das Musikprogramm vom Mutterschiff übernimmt, dann die Nachrichten und den Seewetterbericht und ab ca. 22.20 die ARD-Infonacht übernimmt. Problem: die senden "nur" über DAB+. D.h. der Hörer im Norden hat auf dem UKW-Infosender ab 20.00 keine Informationen mehr.

Zu allem Überfluss wird das Musikprogramm auch noch auf NDR Blue parallel über DAB+ ausgestrahlt.

Kann mir jemand den tieferen Sinn hinter dieser Sache erklären? So sendet man doch an allen Zielgruppen konsequent vorbei...
 
#2
Das Hauptprogramm sendet ab 20.00 und die ganze Nacht über UKW und DAB+ ein ambitioniertes Musikprogramm, das ist gut - aber in meinen Augen auf einem Info-Sender völlig deplaziert.
Das ist halt historisch so gewachsen und ich bin sehr froh, daß es wenigstens diese Lösung gibt. Die "Alternative" wäre: dieses Musikprogramm - das kulturelle Filetstück des NDR - gäbe es nicht. Auf den verdudelten Landeswellen fände es ebensowenig Platz wie auf dem verdudelten NDR 2. Die Popkultur stammt ja letztlich aus der Redaktion von Klaus Wellershaus und war einst auf NDR 2 zu Hause, als man sich noch nicht mit der 24-Stunden-"Durchhörbarkeit" für nicht-Zuhörer abmühen musste. Am ehesten wäre vom Anspruch her noch NDR Kultur geeignet, diese Musiksendungen zu beinhalten, aber da kommt der Konflikt mit der nicht-Popkultur.

Ich bin froh darüber, daß es die Lösung gibt, die es gibt. Und "auf dem UKW-Infosender ab 20.00 keine Informationen mehr" stimmt so auch nicht. Es gibt stündlich Nachrichten, auch während der Musiksendungen. Es gibt um 20 Uhr den Ton der Tagesschau (was ich noch am ehesten "schräg" finde), es gibt danach das "Zeitzeichen", es gibt Forum und Kommentare. Die pop- und Jazz-Kultur geht erst um 22 Uhr los. Und es gibt nach wie vor die "Berichte von heute", eingeschoben in das Musikprogramm, von 23:30 bis 24 Uhr. Braucht man wirklich im 15-Minuten-Takt die ganze Nacht durch die aufgewärmten "Aktualitäten" des abgelaufenen Tages?

Zumindest an der Zielgruppe der Popkultur-Hörer sendet man auf dem praktizierten Wege am wenigsten vorbei, sie haben ein unverwässertes Angebot auch auf UKW - wohl außer an der Küste, ich vermute, daß der mitternächtliche Seewetterbericht dort immer noch auf UKW läuft und die Nachtclb-Ausgaben um 15 Minuten erleichtert. NDR Blue zähle ich genau wie NDR Info spezial dank der nach wie vor geringen Verbreitung von DAB als nicht relevant, sondern als nette Zugabe.
 
#3
Zuletzt bearbeitet:
#4
Dann gibt es das Beiboot NDR info spezial, welches von 20 bis 22 Uhr auch das Musikprogramm vom Mutterschiff übernimmt, dann die Nachrichten und den Seewetterbericht und ab ca. 22.20 die ARD-Infonacht übernimmt. Problem: die senden "nur" über DAB+.
Leider nein, die ARD Infonacht kommt erst - zumindest am Samstag - ab Mitternacht. Man hat auch Pech, wenn man Samstags Abends in HH auf DAB+ angewiesen ist, wie ich... Wortprogramm leider Fehlanzeige...
 
#5
Ich glaube die meisten menschen wollen am Sonnabend abends alles hören nur kein langatmiges, politisches Gelaber.
Sondern entweder feiert man gemeinsam mit Freunden, geht aus oder (der Nachwuchs) bereitet sich auf die Party vor.
Wer doch unbedingt am Sonnabend abends (!) auf hochtrabendes Gequatsche nicht verzichten will hört Deutschland-Funk.
 
#6
Ich glaube die meisten menschen wollen am Sonnabend abends alles hören nur kein langatmiges, politisches Gelaber.
Sondern entweder feiert man gemeinsam mit Freunden, geht aus oder (der Nachwuchs) bereitet sich auf die Party vor.
Wer doch unbedingt am Sonnabend abends (!) auf hochtrabendes Gequatsche nicht verzichten will hört Deutschland-Funk.
Das ist mir zu hochtrabend... So ein paar dahinplätschernde Nachrichtenhäppchen wären schon was...

Aber im Ernst: So richtig erschlossen, warum man auf NDR Info Spezial fast das gleiche wie bei NDR Info laufen lässt, habe ich noch nicht.
 
#8
Das ist halt historisch so gewachsen und ich bin sehr froh, daß es wenigstens diese Lösung gibt. Die "Alternative" wäre: dieses Musikprogramm - das kulturelle Filetstück des NDR - gäbe es nicht. Auf den verdudelten Landeswellen fände es ebensowenig Platz wie auf dem verdudelten NDR 2. Die Popkultur stammt ja letztlich aus der Redaktion von Klaus Wellershaus und war einst auf NDR 2 zu Hause, als man sich noch nicht mit der 24-Stunden-"Durchhörbarkeit" für nicht-Zuhörer abmühen musste. Am ehesten wäre vom Anspruch her noch NDR Kultur geeignet, diese Musiksendungen zu beinhalten, aber da kommt der Konflikt mit der nicht-Popkultur.
Persönlich hasse ich das Jazzgedudel auf NDR-Info, allerdings ist das eine gute Werbung für die abwechslungsreichen Popsendungen auf NDR2 zwischen 21 Uhr und Mitternacht. Und dauerhaft verliert NDR Info durch die Musiksendung bestimmt keine Hörer, spätetens wenn morgens früh auf NDR2 die erste Werbung läuft, ist das Radio wieder auf NDR-Info...

Die Idee, dass Sender 24 Stunden durchhörbar sein sollen, ist sowieso der Sargnagel des Radios.

Aber im Ernst: So richtig erschlossen, warum man auf NDR Info Spezial fast das gleiche wie bei NDR Info laufen lässt, habe ich noch nicht.
Weil das die frühere NDR-Info Mittelwelle ist. Da war es erforderlich, das NDR-Info Programm tagsüber zu senden, weil NDR-Info in Schleswig-Holstein nicht überall vernünftig auf UKW empfangbar ist, gerade im Norden. Jetzt wo das nicht mehr der Fall ist, ist der Sender eine Resterampe, die möglichst billig gefüllt werden muss. Da der NDR weiterhin einen Ausspielkanal für Bundestagsdebatten, Fussballspiele in voller Länge und Seewetterberichte halten möchte, ist es einfacher, das alte Konzept bezubehalten anstatt ein neues Konzept zu machen, dass Geld kosten würde.
 
#9
Die Idee, dass Sender 24 Stunden durchhörbar sein sollen, ist sowieso der Sargnagel des Radios.
... Jetzt ... ist der Sender eine Resterampe, die möglichst billig gefüllt werden muss.
Von einer Durchhörbarkeit sind NDR Info und NDR Info spezial ziemlich weit entfernt, finde ich. Einige Themen wiederholen sich so häufig, dass ich schnell die Lust verliere, da noch zuzuhören.
Eine Resterampe billig füllen - von mir aus. Aber bitte auch sinnvoll füllen. Was die Musiksendungen von Cosmo am Nachmittag auf einem Infosender zu suchen haben, verstehe ich zum Beispiel nicht. Zumal die Übernahme auf NDR Info Spezial genau dann endet, wenn auf Cosmo die Info-/Magazinsendungen beginnen. Die Übernahme von bspw. WDR 5 böte tagsüber wohl einen größeren Mehrwert als ein fünftes Popprogramm auf einer NDR-Welle. Da den Sender sowieso fast niemand wahrnimmt, ist es vielleicht aber auch egal...
 
#10
NDR Info Spezial ist nach wie vor immer noch eine "Baustelle" wo alles ausgelagert wurde, was woanders keinen Platz mehr hat. Außerdem hält man sich diese Welle für Debatten und Sportsendungen frei, daher gibt es kein richtiges Sendeschema und keine vernünftige Senderbezeichnung.
Das COSMO Programm könnte man auch bundesweit 24 h über DAB+ verbreiten und den Seewetterbericht würde ich ganz dezent in das laufende NDR Info Programm integrieren.
 
#11
Die ARD verfügt historisch bedingt nicht über die Kompetenz, bundesweit ausgerichtete Programme zu betreiben, das wird ein bürokratisches und rechtliches Gezanke ergeben.

Und wie man den 20-minütigen, furztrockenen Seewetterbericht "ganz dezent" ins NDR-Info-Hauptprogramm integrieren will, find ich auch spannend.
 
#13
Dann könnten sie die Sendungen auch gleich einstellen. Auch im Jahre 2017 ist ein Radioprogramm, das nicht auf UKW existiert, so gut wie nicht existent. NDR Blue ist auch weder analog noch digital bei Vodafone im Netz. DAB ist in Meck-Pomm z.B. weiterhin nur mager ausgebaut. Insgesamt wäre das ein großer Verlust.
 
#14
NDR Blue kann man auch problemlos europaweit über Satellit hören, was man z.B. von Radio Bremen - NEXT nicht behaupten kann!
In Mecklenburg, einer traditionell ländlich geprägten Region mit seit jeher schlechter UKW Versorgung haben 80% eine Satschüssel.
Wo ist das Problem? Kabelfernsehen gehört zu einer aussterbenden Generation, genauso wie Videorecorder oder Fernsehzeitungen.

Übrigens: NDR 4 (Info) hat sogar bis vor wenigen Jahren noch den ARD Nacht-Express und den Radiowecker nachts übernommen.
 
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#15
Der NDR bot bis Mitte/Ende der 1980er-Jahre ja auf allen Wellen einen kunterbunten Gemischtladen, in dem sich kaum einer so recht wiederfinden konnte. Durch die Einführung des Privatfunks war man dann gezwungen zu reagieren. So baute man NDR2 zu einer durchhörbaren Popwelle um und die Landesprogramme wendeten sich an die ältere Generation, das dritte Programm wurde der Kulturkanal. Auf das neu eingeführte vierte Programm kam dann alles, was in keines der anderen Programme mehr passte, ich nannte NDR4 damals den "Lumpensammler". In den 90ern wurde dann irgendwann dieses recht definitionsarme vierte Programm in eine Infowelle umgestrickt. Das, was da abends und nachts zu hören sind, sind Relikte aus dem alten 4er-Programm sowie Reststücke, die aus den anderen Programmen im Zuge der weiteren Durchformatierung entsorgt wurden. Das, was NDR Blue sendet, wäre eigentlich Aufgabe des zweiten Programmes, zumindest abends und am Wochenende.
 
#16
NDR Blue kann man auch problemlos europaweit über Satellit hören, was man z.B. von Radio Bremen - NEXT nicht behaupten kann!
Erzähle das mal den Leuten, die in einer Stadt wohnen und Kabelanschluss haben. Bei Vodafone ist NDR Blue ja nichtmal digital dabei. Und warum sollten eigentlich die relevanten Inhalte ausgerechnet auf dem Verbreitungsweg nicht laufen, der immer noch der relevanteste ist?

Kabelfernsehen gehört zu einer aussterbenden Generation
Das kann ich im städtischen Raum absolut nicht erkennen. Dort sind (Zwangs)kabelanschlüsse nach wie vor der Standard und werden inzwischen auch weitgehend akzeptiert, da sie oft das schnellste Internet mitbringen. Klar, dann könnte man auch die Sendungen via Stream hören - mit "fabelhaften" 128 kbps MP3: http://www.ndr.de/service/Die-Radio-Livestream-Links,livestreams101.html

Dennoch: sollten die hier abgedruckten Schätzungen der Hörer-Anteilnahme einzelner Nachtsendungen auch nur annähernd zutreffend sein, ohne UKW wäre das nicht einmal ansatzweise möglich, vermute ich,
 
#17
heute war ich baff, sowohl auf NDR info als auch auf NDR info spezial lief um 20.30 "Schabat schalom", ein Magazin zu jüdischen Themen. 15 Minuten Infos, 15 Minuten Erläuterungen der Tora (ähnlich dem "Wort zum Sonntag"). Es läuft wohl wöchentlich und war durchaus interessant. Eine Programmfarbe, die ich im deutschen Radio zum ersten Mal wahrgenommen habe. Habe mir aber gerade angelesen, das es weitere jüdische Radiosendungen im ör Rundfunk gibt. Ich bleibe aber dabei: NDR info und NDR info spezial sind große Gemischtwarenläden - und das ist in diesem Fall nach meiner Ansicht kontraproduktiv.
 
#18
Eine gebührenfinanzierte Anstalt sollte aber wenigstens einen Gemischtwarenladen haben, in dem solche Sparten bedient werden, egal ob in musikalischer Hinsicht oder bezüglich Wortsendungen. Dies mit einem 24h-Nachrichtenprogramm zu mischen, ist etwas problematisch. Der NDR hätte auch seine Kulturwelle zum Gemischtwarenladen machen und dafür digital einen Nur-Klassikkanal ergänzend anbieten können.
 
#19
@Radiocat: das wäre auch aus meiner Sicht die bessere Variante gewesen. Dann hätte man die Popkultur- Sendungen eventuell auch nicht erst nach Mitternacht verstecken müssen. Das ist eine Zumutung, aber immerhin sind sie vorhanden.

Andererseits halte ich das nicht-Anbieten einer lückenlose Nachtversorgung mit nonstop-Nachrichten auf UKW auch nicht für allzu tragisch. Auf DAB ist sie ja immerhin ab 0:25 Uhr gegeben. Somit passt es für mich so, wie es derzeit läuft, auch.
 
#20
heute war ich baff, sowohl auf NDR info als auch auf NDR info spezial lief um 20.30 "Schabat schalom", ein Magazin zu jüdischen Themen. 15 Minuten Infos, 15 Minuten Erläuterungen der Tora (ähnlich dem "Wort zum Sonntag"). Es läuft wohl wöchentlich und war durchaus interessant. Eine Programmfarbe, die ich im deutschen Radio zum ersten Mal wahrgenommen habe. Habe mir aber gerade angelesen, das es weitere jüdische Radiosendungen im ör Rundfunk gibt. Ich bleibe aber dabei: NDR info und NDR info spezial sind große Gemischtwarenläden - und das ist in diesem Fall nach meiner Ansicht kontraproduktiv.
Mit der Sendung wird schon seit Jahren bei mir der Schabat eingeläutet. Bin dem NDR auch sehr dankbar dafür!
 
#22
Meiner Meinung nach ist die Musik für eine Kabine, die sich in einem Schacht auf- und abbewegt und Personen von einem Stockwerk zum anderen transportiert auf einer Infowelle fehl am Platz. "Infogedudel" bis 20.00 Uhr, danach bis 22.30 / 23.00 tiefgehendere Features oder Gesprächsrunden (mit Hörerbeteiligung) und im Anschluss wieder "Infogedudel" wäre der bessere Weg. Ich schalte das Radio oftmals zur Fahrstuhlmusikzeit ein um mir aktuelle Infos zu holen. Oftmals dauert es keine drei Sekunden und ich lande bei MDR aktuell (in der Hoffnung dass dort kein Fussball läuft). Von einer Radiostation, die das Label INFO trägt, erwarte ich auch INFOs. Und das 24/7. Wenn der MDR das kann, könnte der NDR das vmtl. auch. Oder er klinkt sich einfach in das Programm aus Halle. "Norddeutschland kompakt" (das ist ja wohl das Hauptargument warum man in Hamburg das Programm aus Halle nicht übernehmen möchte) könnte man per Fernwirkbefehl aus der Konserve abfeuern. Da sich die Themen regelmäßig wiederholen, sollten drei Blöcke ausreichen. Die Musiksendungen würde ich konsequent auf Blue durchziehen oder sogar auf die Einser-Wellen schieben (mit dem Hinweis "Du wollen Schlager, Du kaufen DAB-Radio" - wobei`: laufen da überhaupt noch Schlager?).

Und damit keine Mißverständniss entstehen: ich mag das "Infogedudel". Meine durchschnittliche Verweildauer bei NDR Info liegt irgendwo zwischen 30 und 45 Minuten. Damit dürfte ich zum oberen Drittel gehören. Ob sich die Inhalte danach wiederholen interessiert mich herzlich wenig. Und alle 15 Minuten Nachrichten: top. Gerade an einem Tag wie gestern. Das Handy meldet sich per Push-Bericht das irgendwas passiert ist, ich lese es aus dem Augenwinkel, Radio an, max. 15 Minuten warten und schon werde ich informiert. NDR Info ist für mich das beste NDR-Programm - außer nach 22.00 Uhr und am Sonntag.
 
#23
NDR Info ist für mich das beste NDR-Programm
Für mich auch - weit vor NDR Kultur.

Ich ginge so weit mit, die "Fahrstuhlmusik" nach 2 Uhr durch die Infonacht zu ersetzen. Die moderierten Musiksendungen vor und nach Mitternacht halte ich hingegen für das musikkulturelle Filetstück des NDR. Gerne auf NDR Kultur damit, aber das ließe sich kaum durchsetzen, auch die Klassikhörer haben ein Recht darauf, zur PrimeTime was angeboten zu bekommen.
 
#24
Komischerweise beschweren sich meistens nur Leute von außerhalb des eigentlichen NDR-Sendegebiets (z.B. Springfield/USA) über die Tatsache, daß NDR Info ein Gemischwarenladen ist. Den Leuten im Sendegebiet des NDR ist das bekannt und sie nutzen den Sender als das, was er ist: Einschaltradio mit einem Sendeplan abseits "Von Morgens bis Mittags" "Am Mittag" "Am (Tageszeit bitte einsetzen)".
 
#25
man kennt es ja innerhalb des NDR-Sendegebietes nicht anders. Ich verstehe ehrlich gesagt aber nicht, warum man diesen Mischmasch auf DAB+ noch auf die Spitze treiben muss....
 
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