"Nicht wirtschaftlich": DAB+ in DK wird weiter ausgedünnt


#1
Nachdem ja schon in Dänemark die Schließung einiger DR Kanäle über DAB angekündigt wurde hat jetzt auch der Zeitungsverlag "Extra Bladet" zum Jahres-Wechsel den Stecker gezogen. Der gleichnamige Sender mit nur dänischer Musik wurde abgeschaltet. Zitat sinngemäß: "Die Wirtschaftlichkeit stimmte nicht".

„Wir haben erkannt, dass unsere Reichweite auf dem Markt zu gering ist, um eine wirtschaftlich tragfähige Basis für den weiteren Ausbau des Kanals zu haben. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass derzeit im DAB-Rundfunknetz nicht genügend Hörer vorhanden sind - und, was noch wichtiger ist, die Perspektive ist auch nicht wirklich gegeben, weil die Schließung von FM auf unbestimmte Zeit verschoben wurde “, sagt Chefredakteur Ole Sloth
https://mediawatch.dk/secure/Medienyt/Radio/article11091465.ece
https://www.recordere.dk/2018/12/ekstra-bladet-lukker-radiokanal/
 
#2
Ich habe es gestern in einer WhatsApp-Gruppe geschrieben: "Ich halte DAB+ mittlerweile für eine Brückentechnologie. Aber das Internet hat ihr schon jetzt den Rang abgelaufen. Und es gibt immer noch zu viele Gegenden, in denen es DAB+ noch gar nicht gibt. Von daher wird es kein weltweiter Standard werden."

Mal im Ernst: Abgesehen von einigen Ländern Europas und noch weniger Ländern in der übrigen Welt ist die Übertragung (noch) gar nicht präsent. Umgekehrt gibt es viele Gegenden, in denen der "Vorläufer" Mittelwelle noch immer gut funktioniert - gerade auf dem amerikanischen Kontinent, in Südeuropa oder Afrika. Und zum ersten Mal gibt es in Europa private Mitentscheider, die natürlich an ein Ausbremsen neuer Technologien interessiert sind, da sie verstärkte Konkurrenz fördern. Gleichzeitig werden Breitbandnetze streckenweise schnell ausgebaut. Von daher wird das Netz DAB+ schneller überholen, als dass sich letzteres Band etabliert hat.
 
#3
DAB war immer ein Ding der Politik, der Medienanstalten und der ARD (wobei es in deren Reihen auch zahlreiche Kritiker gibt). Der private Hörfunk wollte diesen Standard nie und will ihn auch heute noch nicht. UKW reicht als Grundlage noch jahrelang aus, das Internet sorgt für den Rest.
 
#4
DAB(+) ist leider ein Rohrkrepierer, da bisher nie ein echter Wille aller Beteiligten vorhanden war, dieses Projekt voran zu treiben. Dazu hätte man schon vor 5 Jahren z. B. einen Verkaufsstop rein analoger Geräte und auch den Zwangseinbau von DAB-Radios in Neuwagen fordern müssen. Dazu ein definitiver Abschalttermin von UKW - und das Ganze hätte funktionieren können, denn die Technik ist seit dem auch marktreif und günstig verfügbar.

Dass UKW Uralttechnik und für Mobilempfang eigentlich ungeeignet ist (und nie dafür gedacht war!), DAB dafür aber perfekt darauf angepasst wurde mit allen Vorteilen, kommt noch dazu. Alles spräche für DAB und sorry, das Internet ist kein Ersatz für broadcasting.
 
#5
Man sollte aber nicht immer alles miteinander vermischen.

Es mag ja sein, dass DAB+ nicht in dem Maße erfolgreich ist, wie manche es gerne hätten, und das mag auch Hauptgrund für die Einstellung von Extra Bladet sein, aber dass z.B. Danmarks Radio einige seiner Kanäle einstellen musste, liegt weniger am fehlenden Erfolg von DAB+ als an einer Regierung, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk alles andere als freundlich gegenübersteht. Zur Erinnerung: in Dänemark wurden die Rundfunkgebühren abgeschafft und durch eine Steuerfinanzierung ersetzt, bei der jetzt jeder Cent zweimal umgedreht werden muss. Da kann DAB+ nur sehr bedingt was dafür, die Einstellung der Programme wäre genauso gekommen, wären diese Programme auf x weiteren UKW-Senderketten ausgestrahlt worden.
 
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