Özils Rücktritt


#7
So komplex ist das doch gar nicht. Der Ausgangspunkt war ein Foto, zu dem er, ob nun aus Naivität oder nicht, behaarlich schwieg. Und je länger er dazu schwieg, umso egaler wurde was er dazu geäußert hätte, denn man hätte ihn so oder so in der Luft zerrissen. Kapitel 2 war dann das Debakel um das Aus in der Vorrunde der WM, was mancher hauptsächlich ihm anlastet, obwohl alleine die offizielle WM-Statistik was völlig anderes belegt. Verschiedenste "Experten" meldeten sich bis zum Aus zu Wort und bei so manchem Gesülze hätte einem fast schlecht werden können, unabhängig davon ob es nun gerade um Özil ging oder nicht. Wen interessieren schon Fakten, wenn man sich gemeinsam mit den Medien einen Sündenbock zurecht zimmern kann. Im Kapitel 3 zerrissen sich dann diverse Herren im Nachgang der WM das Maul über die deutsche Mannschaft und wieder war der Dreh- und Angelpunkt Özil. Manches davon erschien auch unabhängig von Özil reichlich suspekt und hatte wenig mit dem zu tun, was einen Mannschaftssport ausmacht.
Kapitel 4 - sein Abgang, per Twitter und Facebook verkündet in englischer Sprache. Und was soll man dazu nun sagen? In diesem Abgang hat er so ziemlich alles verhauen, was zu verhauen ging. Zum einen sind die Vorwürfe des Rassismus nicht so ganz falsch. Andererseits ist er aber nunmal eine Person der Öffentlichkeit und muss einen gewissen Grad an Kritik (in welcher Form auch immer) hinnehmen. Davon unabhängig ist er Deutscher, hier geboren und aufgewachsen. Alles was er in Sachen Fussball gelernt hat, was ihn da hin gebracht hat wo er heute ist, hat er diesem Land hier zu verdanken. Dazu kein einziges Wort, leider. Stattdessen verteidigt er weiter ein Foto, von dem er vorher hätten wissen müssen, dass vor allem der Zeitpunkt völlig daneben gewesen ist.
Kapitel 5, die teils an Widerlichkeit grenzenden Entgleisungen im Zuge von Özils Abgang, zum Beispiel aus Bayern. Da hat ein Vereinspräsident mal so richtig schön zur Schau getragen, dass er von dem Sport ganz offensichtlich keinerlei Ahnung hat. Andererseits paßt das aber zu den Bayern und zu diesem Verein. Die mediale Auiseinandersetzung mit der Thematik wird nun teils auf einem Niveau betrieben, das einem schon anders werden könnte. Letztlich geht es hier ja nur um einen Fußballer, weiter nichts. Dieses Land hat weißgott andere Sorgen als sich über Wochen um jemanden zu kümmern, der seine Lage ein Stück weit auch selbst zu verantworten hat. Der Mann hat unterm Strich in den letzten Jahren jede Menge Geld verdient und wird das auch noch ein paar Jahre weiter tun. Am Hungertuch nagen wir der also nicht. Warum machen wir dann also so eine Welle?
Kapitel 6 wird sein, wie die verbleibende Mannschaft, Löw und Bierhoff reagieren werden, denn die schweigen bisher erstaunlicherweise. Vor allem Bierhoff ist sich ja sonst nie zu schade, zu allem seinen Senf dazu geben zu müssen. Ebenso dürfte interessant sein, was sich innerhalb des DFB tun wird im Zuge dieser ganzen Geschichte. Wenn Özil zumindest eines erreicht hat, dann das man dort nun in ziemlichem Zugzwang ist, weil es zwischen Schein und Sein im DFB eine ganz erhebliche Diskrepanz zu geben scheint.
Ein Kapitel 7 in der ganzen Geschichte sollte dann wenn es vorbei ist, der Umgang der Medien mit der ganzen Geschichte sein, denn das grenzt teilweise schon an kaum mehr zu ertragenden Bullshit, übrigens auf beiden Seiten, denn Özils Berater hat ja wohl auch unnötigerweise nachgelegt. Einige Medien sollten sich dennoch wegen ihrer medialen Hexenjagd was schämen. Trotzdem: Das Özil das so lange schweigend hinnahm, erfordert eigentlich fast schon wieder ein wenig Respekt.
Özil war und ist ein hervorragender Fußballspieler. Das ist nunmal so, ob es einem paßt oder nicht. Punkt. Aus. Eine Migrations- bzw. Integrationsdebatte kann man über ihn nicht führen, auch wenn das manche (blauen) Kräfte jetzt gerne tun würden. Der Mann ist erstens Deutscher und zweitens schwinmt er im Geld, hat quasi schon jetzt für den Rest seines Labens ausgesorgt. Er hat also nichts mit gewöhnlichen Migranten gemein. Insofern taugt er weder als Vorzeigemigrant a la Cem Özdemir und Co, schon deshalb nicht weil er seit geraumer Zeit in England lebt und eben nicht in Deutschland, noch als besonders negatives Beispiel eines schlecht integrierten Zugezogenen.
 
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#8
Immerhin sieben Kapitel! Die ich alle unterschreibe. Ich würde mich gerne an Kapitel sieben aufhalten. Bei jenen Radiostationen, die ich beurteilen kann, habe ich von einer "medialen Hexenjagd" nichts gespürt. Im Gegenteil, eher den Versuch, Luft heraus zu lassen und insbesondere Özils Rolle sauber zu analysieren und zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Über die Bild-Zeitung müssen wir nicht sprechen. Das ist Hetze pur.
Im Übrigen bleibe ich bei meiner schon sehr früh formulierten Einschätzung, es wäre dies alles nicht passiert, wenn gleich nach dme Erdogan-Foto der DFB unter Berufung auf seine "Werte" dklare Kante gezeigt hätte und die beiden Fotomodels - trotz ihres sportlichen Werts - nicht nominiert hätte.
 
#9
Ich würde mich gerne an Kapitel sieben aufhalten. Bei jenen Radiostationen, die ich beurteilen kann, habe ich von einer "medialen Hexenjagd" nichts gespürt. Im Gegenteil, eher den Versuch, Luft heraus zu lassen und insbesondere Özils Rolle sauber zu analysieren und zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Über die Bild-Zeitung müssen wir nicht sprechen. Das ist Hetze pur.
Über die Radiostationen kann ich auch fast nichts Negatives sagen. Außer halt manch reißerischem Aufmacher, nachdem man gemerkt hat, wo die Sau steht, die man durchs Dorf treiben kann, aber das Ausmaß hielt sich meiner Einschätzung nach noch in Grenzen. Wirklich erschreckt hat mich aber der Hobby-Ku-Klux-Klan, der die Kommentarmöglichkeiten der Online-Angebote geentert hat. Dürfte ein neuer Höhepunkt gewesen sein. Der letzte verurteilte Kinderschänder ist vom Mob ja geradezu gekuschelt worden im Vergleich zu Mesut Özil. Zartbesaitetere Gemüter hätten sich sicher in die nächste Speicherecke gehängt.

Im Übrigen bleibe ich bei meiner schon sehr früh formulierten Einschätzung, es wäre dies alles nicht passiert, wenn gleich nach dme Erdogan-Foto der DFB unter Berufung auf seine "Werte" dklare Kante gezeigt hätte und die beiden Fotomodels - trotz ihres sportlichen Werts - nicht nominiert hätte.
Entweder so - oder aber es wäre nichts passiert, wenn man das Turnier so gespielt hätte wie ein amtierender Weltmeister.
Und meiner Einschätzung nach wäre auch deutlich weniger passiert, wenn da nicht von DFB-Seite in dieser Angelegenheit ein paar völlig falsche Entscheidungen gefallen wären. Und wenn einige Helden des Alltags aus diesen Kreisen nach vollendeten Tatsachen vor'm Sprechen ihr Hirn frequentiert hätten. Siehe Kapitel 5 und 6.

Gruß
Skywise
 
#11
Was für ein Blödsinn. Aber Uli kann es ja nicht wissen. Er war ja bekanntlich für einige Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Mögen wir sein Unwissen also verzeihen. Wobei: wie oft sollen wir den eigentlich noch verzeihen?
 
#12
Ich frage mich aber schon, wieviel die Vorgänge rund um die WM wirklich mit Rassismus zu tun hatten! Diese Keule ist immer recht leicht geschwungen, genauso wie die Antisemitismus-Keule, und damit kann man unglaublich gut von der eigenen Beteiligung an so einer Sache ablenken. Denn die Sache mit Erdogan war nun mal ein kleinerer Eklat, den es nicht gebraucht hätte. Und man kann sich als in der Öffentlichkeit stehender Superverdiener nicht drauf rausreden, dass solch eine Aktion mit einem höchst umstrittenen Politiker "unpolitisch" gewesen sein soll. Wenn man so etwas macht, muss man mit den Konsequenzen leben.
Dass man hinterher nahezu ausschließlich auf Özil rumgehackt hat, obwohl ja nahezu alle schlecht gespielt haben und der Trainer kein "Team" herausbilden konnte, war absolut unter der Gürtellinie. Man hat sich halt einen Sündenbock gesucht, aber ist das wirklich Rassismus?
Ansonsten gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen zur Qualität Özils. Manche bezeichnen ihn auch als "Schönwetterspieler" (wenn's gut läuft, spielt er gut, wenn's schlecht läuft, taucht er ab).

Da haben sich alle Beteiligten (inkl Özil) nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
 
#13
Dass man hinterher nahezu ausschließlich auf Özil rumgehackt hat, obwohl ja nahezu alle schlecht gespielt haben und der Trainer kein "Team" herausbilden konnte, war absolut unter der Gürtellinie. Man hat sich halt einen Sündenbock gesucht, aber ist das wirklich Rassismus?
Nicht automatisch. Aber dann gab's ja unter anderen einen gewissen Herrn Bierhoff, der die Geschichte von Anfang an entsprechend pikant gewürzt hat ("Man muß auch verstehen, wie Türken in dieser Sache ticken", 15. Mai).
Herr Bierhoff ist in dieser Geschichte auch abseits der gar nicht mal so unterschwellig rassistischen Prise von eben übrigens ohnehin eine bemerkenswerte Figur, bei deren Äußerung man sich die Frage stellen könnte, wie die Herrschaften rund um die Nationalmannschaft genau mit den beiden Delinquenten umgesprungen sind - oder wie der DFB bzw. Bierhoff selbst die Angelegenheit bewertet.

Es sind gute Jungs und ich stehe hinter ihnen: "Ich kenne beide Spieler schon seit Jahren und weiß, wie sehr sie sich mit der Nationalmannschaft und unseren Werten in Deutschland identifizieren. Mesut und Ilkay sind nicht nur aufgrund ihrer Entscheidung, für Deutschland spielen zu wollen, weiterhin gute Botschafter für Integration." (19. Mai)

Man braucht deren Fehlverhalten nicht überzubewerten
: "Mesut und Ilkay sind junge Menschen. Man muss sie nicht auf ewig verdammen. Es passiert auch hoch qualifizierten und erfahrenen Politikern, dass sie ins Fettnäpfchen treten, dass sie Fehler machen oder falsche Symbole aussenden - und danach geht's weiter. Für Fußballer sollten keine anderen Maßstäbe gelten." (2. Juni)

Ist aber alles Schnee von gestern: "Wir haben sehr viel gemacht, und jetzt reicht es auch. Wir haben den Spielern gesagt, daß sie das abhaken müssen. Jetzt schauen wir nach vorne und stehen zusammen." (7. Juni)

Reden wir nicht mehr drüber: "Ihr beendet es doch nicht. Ihr bringt es doch jeden Tag wieder, weil ihr keine Themen habt. Ihr könnt die Fragen aber auch stellen. Ihr müsst nur akzeptieren, wenn einer sagt: Darüber rede ich nicht mehr." (8. Juni)

Na gut, reden wir trotzdem nochmal drüber. So richtig in Ordnung isses ja nicht, was der kleine Racker so angestellt hat, aber er will es ja nicht anders
: "Das ist seine Aussage. Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht. Der Deutsche Fußball-Bund verlangt immer mündige Spieler. Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut. Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt und kennt er aus Erfahrung." (12. Juni)

Aber wir wollen ja nicht mehr drüber reden: "Ich sehe nicht die Notwendigkeit, das Thema hier noch mal aufzugreifen." (15. Juni)

Ich meine - klar, ihr habt ja Recht, aber das mit dem Rohrstock und den runtergezogenen Hosen muß doch echt nicht sein: "Der größte Teil der Kritik ist gerechtfertigt, aber ich finde es schade, wenn es unter die Gürtellinie geht wie bei Mesut Özil oder anderen Spielern, die sich um Deutschland verdient gemacht haben. Sie sollten hart und kritisch bewertet werden, aber man sollte nicht zu sehr in Häme gehen." (20. Juni)

Ich hab' ihm ja auch schon gesagt, daß er sich das nochmal überlegen soll, aber der Dickschädel wollte ja nicht. Eigentlich hätten wir ihn in die Wüste schicken müssen: "Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet." (5. Juli)

Nach Fingerspitzengefühl hört sich so etwas jedenfalls nicht an, aber umgekehrt - für solche Sachen ist Herr Bierhoff ja auch nicht bekannt.

Gruß
Skywise
 
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#14
Ich frage mich aber schon, wieviel die Vorgänge rund um die WM wirklich mit Rassismus zu tun hatten!
Aber das sagt doch Özil auch ganz klar. Er nennt als Beispiele "Ziegenficker" oder den Ratschlag, dass ein in Deutschland geborener Spieler nach Anatolien gehen soll.

Das ist klarer Rassismus. Und ich frage mich, wie man das bestreiten kann. Genau das tun aber diese Kommentatoren, die pauschal sagen, Özil versuche, "berechtigte Kritik an den Fotos mit der Rassismuskeule totzuschlagen" o.ä. Und solche Kommentare waren eben die letzten Wochen keine Einzelfälle in den sozialen Netzwerken.
 
#15
@Beyme:
Aber diesen Rassimus gab es schon immer, der begleitet uns tagtäglich und ist doch absolut nichts neues. Hätte man diese Rassismus-Debatte nicht spätestens schon dann führen müssen, als ein deutscher Politiker, der immer noch im Amt ist, öffentlich von sich gab, jemanden wie Boateng nicht zum Nachbarn haben zu wollen?

Ich halte die Diskussion ja grundsätzlich für richtig, aber rein vom Zeitpunkt her wirkt es auf mich wirklich wie eine Nebelkerze, die geworfen wird, um von eigenen Fehlern abzulenken. Kein Mensch spricht z.B. gerade von Gündogan, der sich m.E. noch zum richtigen Zeitpunkt zu dieser Angelegenheit geäußert hat, und damit die Sache, was ihn betrifft, einigermaßen bereinigt hat.
 
#16
Aber diesen Rassimus gab es schon immer, der begleitet uns tagtäglich und ist doch absolut nichts neues.
Das ist doch kein Grund, diesen Rassismus stillschweigend hinzunehmen. Man muss ihm jedesmal widersprechen, so wie das auch in dem Fall...

Hätte man diese Rassismus-Debatte nicht spätestens schon dann führen müssen, als ein deutscher Politiker, der immer noch im Amt ist, öffentlich von sich gab, jemanden wie Boateng nicht zum Nachbarn haben zu wollen?
...auch getan wurde. Diese Debatte wurde auch damals geführt. Dann war sie bloß schnell zu Ende.

Ich halte die Diskussion ja grundsätzlich für richtig, aber rein vom Zeitpunkt her wirkt es auf mich wirklich wie eine Nebelkerze, die geworfen wird, um von eigenen Fehlern abzulenken.
Aber man muss doch auch sehen, wie die Teams von Schweden und Brasilien mit Rassismus umgegangen sind, und wie Özil allein gelassen wurde. "Wir vom DFB halten die Fotos mit Erdogan für falsch. Aber Rassistische Rufe von den Zuschauertribünen und Kommentare in sozialen Netzwerken haben mit berechtigter Kritik nichts zu tun und wir verurteilen das." - das hätte dem DFB gut zu Gesicht gestanden. Meines Wissens hat Özil weder vom Verband noch von Mitspielern in dieser Art Solidarität erfahren. Ich stelle mir das schmerzhaft vor, und darum wäre ich vorsichtig damit, das als Nebelkerze kleinzureden.[/quote]
 
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#17
Der Rücktritt war überfällig und kam viel zu spät. Hoffentlich treten noch mehr zurück. Özil soll aufhören rumzujammern. Er hat sich selbst in diese Situation gebracht, weil der viel zu lange gschwiegen hat und damit die Gerüchteküche erst richtig angeheizt hat. Die Hauptschuldigen sind aber ganz klar der DFB, Löw, Grindel und Bierhoff, die die ganze Zeit rumgeeiert sind und sich nicht klar positioniert haben. Stattdessen wollte man die Sache kleinhalten und das wäre auch gelungen, wenn man erfolgreich im Turnier geblieben wäre. So hatte man aber gaaaanz viel Zeit das Thema wieder hochzukochen. Wenn Özil doch soviel an der Türkei und Erdogan liegt, dann soll der die deutsche Staatsbürgerschaft zurückgeben und wieder "echter" Türke werden. Das Thema jetzt als Rassismus zu bezeichnen ist aber völlig am Thema vorbei. Hat es immer gegeben und wird es immer wieder geben, aber bei dem Thema völlig unangebracht. Erdogan ist in Deutschland so bliebt wie Fußpilz und Özil wusste sicherlich was das Foto für Reaktionen auslösen würde. Er hat es billigend in Kauf genommen. Von daher hält sich mein Mitleid in Grenzen.
 
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#19
Doch natürlich, aber das hat jetzt nicht speziell was mit Özil zu tun. Das ist ein allgemeiner Trend in der Gesellschaft, dass die Toleranzschwelle immer weiter absinkt und im Internet lässt es sich ja auch so einfach anonym hetzen. Wenn das sogar der amerikanische Präsident ganz uverhohlen darf, dann ist doch klar, dass andere da auch mal richtig vom Leder ziehen. Die Leute die Özil jetzt beschimpfen haben das vorher auch schon gemacht, hat also nix mit dem Rücktritt zu tun. Bisher war es eher versteckt, aber jetzt wagen sich viele aus der Deckung.
 
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#20
Die Leute die Özil jetzt beschimpfen haben das vorher auch schon gemacht, hat also nix mit dem Rücktritt zu tun. Bisher war es eher versteckt, aber jetzt wagen sich viele aus der Deckung.
Özil hat lang und breit ausführt, dass dieser offen geäußerte Rassismus zu seinem Rücktritt beigetragen hat.
Das verstehe ich wirklich nicht, warum das so viele einfach beiseite schieben.

Nochmal: Özils Foto halte ich wirklich für einen Fehler, aber da sehe ich keinen Grund, offenen Rassismus schulterzuckend hinzunehmen, nur "weil es den ja immer schon gab". Özil hätte bei aller Kritik am Foto viel mehr öffentliche Solidarität gegen diese rassistischen Angriffe verdient.
 
#21
Özil hat das Pech, dass auf seine Person ziemlich viel krankes Deutschland symbolhaft projiziert werden kann. Zehn Stichworte dazu:
1. Ein Deutschtürke - der auch noch die Frechheit besitzt, Erdogan gut zu finden - das geht im Musterland der Meinungsfreiheit ja schon mal gar nicht
2. Ein Millionario - bisschen Neiddebatte muss sein
3. Blöde Körpersprache auf dem Platz (für große Fußballfachmänner wie Uli Hoeneß sieht das aus wie "Dreck gespielt" - die Statistiken sagen ein bisschen etwas anderes) - aber eine Nation voller Nationaltrainer kann da immer mitdiskutieren, da nehme ich mich selbst gar nicht aus. Auch ich bin (war) ein stetiger Özil-Nörgler, was seine Auftritte im Nationaltrikot angeht.
4. Rassismus-Debatte - blöd mitten hineingetappt. Was in Sachen Rassismus bei uns in Deutschland los ist, das haben ja nicht nur die Vorredner hier schon dargelegt, da müssen wir nur das Vokabular der rechten Hetzparteien AFD und CSU nehmen. Von den hasserfüllten Tiraden in den Social Media Kanälen ganz zu schweigen. Wer nicht nur Türke, Afrikaner, Asiate oder Araber ist, sondern auch noch so polarisiert wie Mesut Özil, der wird in dieser vergifteten und unchristlichen Diskussion zwangsläufig zur Zielscheibe.
5. DFB - hier stimmt ausnahmsweise die Hoeneß-Analyse: Amateure, die alles falsch machen, was man falsch machen kann, und die jetzt zur Rettung des eigenen Arschs feige abtauchen.
6. Übelster Kampagnenjournalismus einer von Schreibtischtätern kontaminierten Bild-Zeitung, die sich des offenen (und heimlichen) Beifalls ihrer dumpfen und/oder überforderten Leserschaft sicher sein kann. Nachahmungstäter in der restlichen Medienlandschaft.
7. Sündenbockdebatte für eine völlig verkorkste WM. Einer muss ja Schuld sein, da kommt der Özil gerade recht.
8. Beratermafia! Özil ist ein einfacher Junge, der kicken kann, sonst nichts. Aber er hat eine Entourage von Beratern und Strippenziehern um sich herum, die mit ihm Geld und Politik machen.
9. Das Schweigen der "selbstbewussten und ach so aufgeklärten Nationalspielergeneration". Wo ist der Mannschaftskapitän Neuer? Wo sind die Spieler aus dem Mannschaftsbeirat? Die Führungsspieler? Keiner will sich den Mund verbrennen oder die Karriere versauen. Also lieber nichts sagen.
10. Ablenkungsdebatte: Wir haben ja sonst keine Probleme im Land. Keine durch und durch mafiöse Autoindustrie, keine Rentenverlierer, keine Wohnungsnot, keine kollabierenden Verkehrssysteme, keine kriminelle Lebensmittel- und Tierzuchtbranche, keinen Klimawandel, keine Militarisierung etc., etc.
 
#22
Heutige Erklärung von Grindel - genau das meine ich: In dem Moment, als die berechtige Kritik am Foto umkippte und teils rassistisch gehetzt wurde, hätte der DFB sofort was machen müssen:

Wir leben unsere Werte. Deshalb haben wir als DFB das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan kritisch hinterfragt. Ich bedauere es sehr, dass dies für rassistische Parolen missbraucht wurde. Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar. Das galt im Fall Jerome Boateng, das gilt für Mesut Özil, das gilt auch für alle Spieler an der Basis, die einen Migrationshintergrund haben.
 
#23
1. Ein Deutschtürke - der auch noch die Frechheit besitzt, Erdogan gut zu finden - das geht im Musterland der Meinungsfreiheit ja schon mal gar nicht
Die deutsche Polit- und Wirtschaftselite besiegelt Milliardengeschäfte mit dem Diktator, ohne sich dabei fotografieren zu lassen, wie frech ist das denn?!

Das Problem mit Özil ist seine offenkundige Sympathie für "seinen Präsidenten", aber nirgends verliert er auch nur ein Wort über die zig Inhaftierten und politisch Verfolgten in "seiner geliebten Heimat". Denn politische oder gar gesellschaftskritische Statements gehen für einen Sportler normalerweise gar nicht.
 
#24
Es ist das gute Recht von Mesut Özil, den türkischen Präsidenten gut zu finden und sich mit ihm fotografieren zu lassen. Es wäre genauso das gute Recht des DFB gewesen, Özil deshalb aus dem WM Kader zu streichen, bzw. nicht zu nominieren. Das Argument wäre gewesen: Beim DFB gelten bestimmte Verhaltensregeln und Wertmaßstäbe. Auf ein solches Vorgehen hat der DFB verzichtet und damit den ganzen darauffolgenden Salat erst angerichtet. Es herrschte nämlich bei den DFB Oberen die selbstgewisse Überzeugung, man werde im WM-Turnier sportlich sehr weit kommen und dieser Erfolg werde den Özil/Gündogan-Ausrutscher dann schon irgendwie vergessen machen. Verkalkuliert, wie man heute weiß.
 
#25
Es ist das gute Recht von Mesut Özil, den türkischen Präsidenten gut zu finden und sich mit ihm fotografieren zu lassen. Es wäre genauso das gute Recht des DFB gewesen, Özil deshalb aus dem WM Kader zu streichen, bzw. nicht zu nominieren. Das Argument wäre gewesen: Beim DFB gelten bestimmte Verhaltensregeln und Wertmaßstäbe...
Genau: Ich möchte da nur an Herr Effenberg erinnern und an Uli Stein, der nach Hause geschickt wurde, weil er Kaiser Franz einen "Suppenkasper" nannte...
 
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