Paukenschlag in Hamburg: alsterradio macht zum Jahresende 2017 dicht


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Wenn die Rockantenne wirklich das beste Rockprogramm Deutschlands sein sollte, heißt das imeiner Meinung nach nicht viel, da man mittlerweile auch dort zum größten Teil auf ausgelutschte Klassiker setzt. Es wird mal Zeit für ein Programm abseits der Standardrotation aus AC/DC, KISS, Bon Jovi und Bryan Adams.
Ganz genau das meinte ich mit meinem Beitrag etwas weiter oben. Ich will mich auch nicht gegen das Genre selbst aussprechen, aber Rock ist groß. Rock ist vor allem größer als immer die selben Gruppen. Rock besteht aus älteren und neueren Stücken. Rock ist für Ü und U 40/50 hörbar. "Highway to Hell" ist ausgelutscht, "I was made for loving you" hängt mir aus den Ohren raus. Ähnliches gilt auch für "It's my life" oder "Summer of 69". Ich kann es nicht mehr hören. Dabei möchte ich klar herausstellen, dass ich alle diese Künster/ Bands (gut, B.A. aus Schnulzengründen mit starken Abstrichen) schätzte. Aber alle haben sooooo viele Songs herausgebracht. Und neben diesen Künstlern/ Bands gibt es noch soooo viele andere Rocker. Da müsste doch etwas zu machen sein.

Ich habe mal aus Spaß auf die Website geschaut. Erster Treffer: Gerade läuft Tom Petty and the Heartbreakers (You got lucky). Schnarch. Ernsthaft jetzt?

Ich verstehe, dass das aus Quotengründen wohl so sein muss, dass immer nur die selben Songs gespielt werden. Aber ich persönlich hätte gerne einen Rocksender, den man aufdrehen kann, der Drive hat, der richtig abgeht. und zwar jeden Tag. und immer etwas neu und anders. Einen Sender, auf den man sich freuen kann. In allen anderen Fällen hilft auch eine Doppel-CD oder eine Spotify-Playlist.
 
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1) Die wirtschaftlich relevante Messeinheit für den Erfolg eines Radiosenders ist die in der MA ausgewiesene Stundenhörer-Zahl, da sich an dieser die erzielbaren Werbeerlöse orientieren. Im Radiomarkt "Grossraum Hamburg" (Hamburg und anliegende Landkreise) liegt das Gesamtpotential für die Messeinheit "Stundenhörer" bei 550.000 bis 600.000, wenn man die Hörer der nicht werbetragenden Programme mit einbezieht, für die keine Stundenhörer-Zahlen ausgewiesen werden. Davon entfallen jeweils etwa die Hälfte auf die öffentlich-rechtlichen und privaten Programme.
2) Der Radiomarkt "Grossraum Hamburg" ist hinsichtlich der dominanten Player seit Jahrzehnten relativ stabil: Knapp 200.000 Stundenhörer entfallen auf Radio Hamburg, 100.000 auf NDR 2, geschätzte 80.000 auf 90,3. Die restlichen Sender streiten sich um die verbleibenden 170.000 - 220.000 Stundenhörer.
3) Das Potential für einen zweiten Hamburger Privatsender liegt - legt man die Historie von Radio107/Alsterradio zugrunde - bei maximal 85.000 - 90.000, im Normalfall bei 60.000 - 80.000 Stundenhörern. Diese Werte hat Alsterradio sowohl als Schlagersender wie auch als Rock'n Pop-Format erreicht.
4) Gemessen daran ist Alsterradio seit Jahren ein Underperformer; zieht man in Betracht, dass in der MA Alsterradio und 917xfm gemeinsam ausgewiesen sind, dürfte das Alsterradio-Rock-Format aktuell eher bei etwas mehr als 30.000 Stundenhörern liegen.
5) Diese Situation ist - wie schon des öfteren auf der Frequenz 106,8 (man denke an den B-Seiten-Sender Radio 107 oder an das Nonstop Music-Fiasko) - weitestgehend selbstverschuldet. In den Jahren 2010 - 2012 bestand die Möglichkeit, Alsterradio - aufgrund musikprogrammlicher Verschiebungen bei Radio Hamburg und NDR 2 (ein verstärkter Fokus auf Chart-Hits) - als Rock-based AC mit einem expliziten Alt/Neu-Mix stärker in die Mitte des Marktes zu verschieben und damit dauerhaft in der 60.000-80.000-Kategorie zu verankern, was die MA-Ergebnisse vom Sommer 2012 eindeutig belegen.
6) Statt konsequent an dieser Entwicklungsmöglichkeit weiterzuarbeiten, fiel die Führung des Gesellschafters NWZ (namentlich Christopher Franzen und Ulrich Gathmann) ein weiteres Mal der schon beim Nonstop Music-Fiasko gescheiterten Idee zum Opfer, mit geringstmöglichem finanziellem und damit natürlich auch programmlichem/personellem sowie werblichem Aufwand den etablierten Marktführern quasi im Vorbeigehen Marktanteile und damit auch Stundenhörer abnehmen zu können.
7) Das Ergebnis dieses Manövers sollte Platz finden in jedem Lehrbuch für Markenführung: Als Beispiel dafür, wie man in wenigen Monaten eine über mehrere Jahre aufgebaute Radio-Marke durch Zerstörung ihrer Identität und Glaubwürdigkeit zugrunde richten kann. Von diesem Akt mutwilliger Zerstörung - in der MA 2013 ging es für Alsterradio runter von 64.000 auf 31.000 Stundenhörer - hat der Sender sich nie wieder erholt.
8) Vielleicht hätte es eine Möglichkeit gegeben, dass der Sender (der ja schon mehrere Tiefs überwunden hatte) sich noch einmal erholen würde. Aber da war (aus schwer erfindlichen Gründen) der Gesellschafter NWZ davor: Zu einem Zeitpunkt, als die Alsterradio-Mannschaft versuchte, den Sender als Alt/Neu-Mix zu repositionieren (wie erfolgversprechend das auch gewesen sein mag), stimmte Christopher Franzen, der neben seiner Tätigkeit als NWZ-Radio-Geschäftsführer ja auch noch als Geschäftsführer der "Frank Otto Medien" die Mehrheit auf der Freqeunz 95,0 hält, der Umformatierung von Oldie 95 in das direkte Konkurrenzformat Hamburg 2 zu, wenig später - jetzt sollte Alsterradio ein Rock-Sender sein - ließ er als NWZ-Vertreter in der Regiocast die Umwandlung von Radio NORA in das ebenfalls direkt konkurrierende Rock-Programm BOB zu. Und das alles, während der eigene Sender Alsterradio langsam, aber sicher zu Tode gespart wurde.
9) Vor diesem Hintergrund erscheint die Entscheidung, sich mit einem potenten und nachgewiesen erfolgreichen Programmanbieter wie Antenne Bayern/Rock Antenne zusammen zu tun, als die erste sinnvolle Gesellschafter-Entscheidung seit mehreren Jahren - zumindest dann, wenn die Herren Franzen und Gathmann aus dem Bisherigen die richtige Erkenntnis gezogen haben, dass sie am besten Andere machen lassen.
10) Ob der Name Rock-Antenne dafür der richtige ist, würde ich hinterfragen, schliesslich gibt es in Hamburg nicht den positiven Quer-Bezug zur erfolgreichen Antenne Bayern. Rock als Format hat aber meines Erachtens auch in Hamburg als potentiell altersgruppenübergreifender Musikstil das größte Potential, wenn man mit realistischen Erwartungen an die Sache rangeht: Die oben beschriebenen 60.000 Stundenhörer sollten möglich sein, wenn man es richtig macht, und nicht wieder grössenwahnsinnigen Marktführer-Träumereien à la Gathmann/Franzen nachhängt.
 
Aber ich persönlich hätte gerne einen Rocksender, den man aufdrehen kann, der Drive hat, der richtig abgeht. und zwar jeden Tag. und immer etwas neu und anders.
So wie das Kommerzradio in Deutschland organisiert ist geht das nicht. Jeder Künstler, jeder Hit, der im deutschen Radio promotet wird, muss auch im Rahmen von Tourneen und Konzerten gehypt werden, um eine allfällige Fanbase aufzubauen und zu bedienen, die ihrerseits das Radiogeschäft beflügeln soll. Da Radio in Deutschland sehr zentralistisch organisiert ist (MA/Print) und der finanzielle Spielraum eng ist, werden quasi alle Marketinganstrengungen stark gebündelt und koordiniert, was man schon allein daran erkennt, dass sich die von den Radioholdings der großen Zeitungsverleger vermarkteten Sender nur in Nuancen unterscheiden (Scheinwettbewerb). Abweichungen von der starren Formatformel können sich nur diejenigen erlauben, die finanziell weitestgehend unabhängig sind. Doch so etwas gibt es bekanntlich nur auf DAB oder im Internet.
 
@Erwin Zimmer
Betrachtet man die Geschichte der 106.8 Frequenz dann ist es eine Reihe von Pleiten, Pech, Hybris, Verzagtheit, Kostensenkungswahn, Nischendenkens und immer eine ständige Angst vor Radio HH. In den letzten Jahren konnte sich der Sender nicht erholen. Wirklich nichts gegen Franzen, aber ein Controller versteht nun einmal nichts von Programming. Wenn in der Industrie Unternehmen von Controllern geführt werden, dann sind entweder im Übergang (Krise) oder sollen verkauft werden. Nur in Kostenstrukturen zu denken und zu handeln geht schon mal kurzfristig, langfristig killt es Unternehmen.

Reitmann wirbelte als Verkäufer durch Hamburg und fährt bei der Sendezeitenauslastung im Spitzenfeld, nur das nutzt wenig, denn im nationalen Markt wird zu wenig Geld verdient (ist halt TKPxReichweite). Mit anderen Worten, seit einigen Jahren ist der Umsatz zu gering. Für Investitionen im Programm sind wenig Mittel vorhanden. Reitmann ist eben auch nicht der Typ der als GF programmliche Akzente kann (will).

Über die Managementqualitäten der FOM schreibe ich lieber nicht.

Wenn es in Deutschland einen funktionierenden Radiomarkt geben würde, dann wäre solches rumwursteln über zig Jahre niemals gut gegangen. Das es in Kiel noch schlimmer ist, ist auch kein Trost.
 
Für einen funktionierenden Radiomarkt müsste man zunächst eine öffentlich-rechtliche Krake namens NDR beschneiden. Wenn ich mich nicht verzählt habe, lassen sich in Hamburg sieben öffentlich-rechtliche Programme in bester UKW-Ortssender-Qualität empfangen. Dass der NDR, wenn er denn will, die Privatsender ziemlich alt aussehen lassen kann, ist seit dem Start von N-JOY im Jahr 1994 kein Geheimnis. Und selbst Radio Hamburg muss sich immer wärmer anziehen, da sich 90,3 in die musikalische Mitte bewegt und redaktionell um Welten mehr zu bieten hat als der private Marktführer.

Kritisieren kann so einfach sein. Nur wie besser machen? Mit wessen Geld und mit welchen Mitarbeitern? In Zeiten, in denen die Relevanz des Antennenradios abnimmt, wird es zusehends schwieriger, Gesellschaftern ans Portemonnaie zu gehen und wirkliche Radio-Persönlichkeiten für einen Sender zu begeistern. Wer gut ist, geht zu den Öffentlich-Rechtlichen oder seilt sich zu einem privaten Dickschiff ab.
 
Auch wenn es damals vielleicht auf den ersten Blick richtig erschien: Die Schlagersparte zu verlassen und mit Pop zu beginnen war der größte Kopfschuss am Rödingsmarkt. Zwar sank der Umsatz, aber nicht die Quoten. Die Quoten haben die Gesellschafter dann 90,3 überlassen.
Dann kam der 50/50 Mix und dann Nonstop Musik. Zwei Rik DeLisle-Projekte die gnadenlos an die Wand fuhren.
Rock 'n Pop brachte dann etwas Erholung, auch weil Nische. Bis dieses Format erneut von der Geschäftsleitung verwässert wurde. Immer inkonsequent. Es gab nervige Patronate für jeden Furz und permanent Kompensationen, die aber kein Cash brachten. Ergebnis: Wieder Krise mit der x-ten Entlassungswelle und 20% Gehaltskürzung für den Rest der Belegschaft.
OK Radio/FOM hat vorgemacht wie sich eine Station selbst in die Pleite reißt. Alster Radio hat es konsequent nachgeahmt - Glückwunsch.
Die Antenne-Lösung hätte die 106,8 schon früher haben können, als die NWZ Alster Radio im Funkhaus der Spitalerstr. integrieren wollte.
Dagegen hat sich Herr B. erfolgreich gewehrt. Warum das Herr G. zuließ kann ich nicht nachvollziehen.
Ich kann der 106,8 nur wünschen, dass sie sich als Rockantenne bei gesunden 40 - 50k/Stunde einpendelt und viel Mantel übernimmt. Den Hamburgern wird es wurscht sein. Die hören ohnehin 90,3 - RHH - NDR2.

Grüße
 
Für einen funktionierenden Radiomarkt müsste man zunächst eine öffentlich-rechtliche Krake namens NDR beschneiden.
Vor allem müsste der öffentlich-rechtliche Rundfunk erstmal wieder nach öffentlich-rechtlichem Rundfunk klingen. Wenn man Öffis hat die nach Privatfunk klingen ist eben eines von beiden überflüssig.

Nur wie besser machen? Mit wessen Geld und mit welchen Mitarbeitern?
Wie wäre es, wenn man erstmal anfängt normal zu moderieren, anstatt nur rumzublödeln?
 
Ich kann der 106,8 nur wünschen, dass sie sich als Rockantenne bei gesunden 40 - 50k/Stunde einpendelt und viel Mantel übernimmt. Den Hamburgern wird es wurscht sein. Die hören ohnehin 90,3 - RHH - NDR2.

Grüße
Ich hätte Hr. L. nicht einmal als Berater fürs in- and out going-management engagiert. Das trifft auch auf eine gewisse Frau M. zu. Aber mir ist es immer noch schleierhaft, wer die beauftragt.

Zum kompensieren gehören immer zwei, ein Verkaufsleiter der es macht und ein GF, der es zulässt. Kompi-Geschäfte bringen in drei von fünf Fällen kaum etwas, machen jede Menge Arbeit. Wenn senderseitig mit falschen Versprechen (sehr beliebt) gearbeitet wird, dann wird auch noch Porzellan, das mir als Chinesen sehr am Herzen liegt, zerschlagen. Besonders nervig sind die Auto-Kompis (gern für den GF). Kleiner Tipp, da wird gern jährlich gewechselt und schön verbrannte Erde hinterlassen. Ich sage nur Rückgabe der Verkäufer-Autos...

Übrigens, mal ein kleiner Hinweis an alle Schmalspur Controller, die das Forum lesen. Über Kompis und Coops werden gern Deals, die nicht gerade sind, gemacht wenn der VKL nicht ganz doof ist.

Das die FOM OK Radio gegen die Wand gefahren hat, weiß nun wirklich jedes Kind in Hamburg. Herrlich, wer dort alles GF (und wie gespielt) hat. Diese Typen hätte Franks Vater nicht mal als Büroboten angeheuert. Aber, das ist eine ganz andere Geschichte...

Funkhauslösung, da hat B. sich zurecht widersetzt. 90,3 macht ein gutes Stadtradio und ist vor allem wirklich stabil auf Terminen und in der Stadt präsent. Richtig organisiert könnte es auch ein kleiner Privater, man muss nur wollen und ein paar (simple) Einfälle haben. Macht aber keiner.

Ich nehme an, von der Rockantenne kommt das Format/Musik und einige Sendungen. Mo-Show, Tag und Drivetimes werden in Hamburg gemacht/moderiert werden. Genug Praktis + Volos für O-Töne haben sie ja. Das Lebensgefühl Bayern/München ist schon was anderes und ein Mod, der in Show erzählt Samstag fährt er schnell nach Tirol zum wedeln, würde in Hamburg auf Unverständnis stoßen. Mehr oder weniger tummeln sich drei rockige Formate dann im Norden. Wobei ist Bob ein Format oder der Beweis das mittlerweile in Deutschland jeder Mist gesendet werden kann?

Mike gesund ist ab 60K, denn bis 40K. wechselt man mehr oder weniger Geld. Ein Vermarkter arbeitet nicht gratis. Optimal sind 80K+. Das wäre in Hamburg machbar. Allerdings darf man dann keine Gurkentruppe haben.
 
Ich habe mich in den zurückliegenden Jahren ganz bewußt gegen eine Kommentierung der Entwicklung bei Alsterradio seit meinem Ausscheiden entschieden (auch wenn es mich manchmal gejuckt hat), davon möchte ich auch jetzt nicht abweichen. Woran mir aber liegt, ist eine richtige Darstellung der Zeit, in der ich dort Verantwortung getragen habe. Deswegen ein paar kleinere Korrekturen an der Darstellung von Mike Schneider: Der 1999 erfolgte Wechsel aus dem Schlagerformat war kein Fehler, wie die MA-Ergebnisse der Folgejahre zeigen: Die MA 99 (die letzte, die das Schlagerformat abbildete) wies 83.000 Stundenhörer aus, die MA 00 und 01 (Format: Superstars und Classic Hits) waren mit 82.000/80.000 nur unwesentlich schwächer. Ein Fehler war dann sicher der Schritt zum Fifty-Fifty-Mix mit dem Ziel einer schnellen Verjüngung der Hörerschaft: Den muss ich aber schon auf meine Kappe nehmen, damit hatte Rik de Lisle nichts zu tun (MA 02: 53.000). Der hat uns dann in der Tat die Nonstop Music-Katastrophe eingebrockt (MA 03: 35.000). Daraus haben wir uns dann mit dem Rock'n Pop-Format mühsam wieder befreit (MA 04:48.000 - MA 05: 35.000 - MA 06: 57.000). In dieser Zeit musste ich - da hat Mike Schneider recht - eine Lösung abwehren, den Sender als leere Hülle bei Radio Hamburg zu parken (der Begriff "Funkhauslösung" wäre für diese Idee noch zu hoch gegriffen). In den Jahren/MA's 07 - 12 (zum Jahreswechsel 11/12 bin ich bekanntlich ausgeschieden) war Alsterradio stabil und profitabel als private Nummer 2 (07: 74.000 - 08: 71.000 - 09: 73.000 - 10: 76.000 - 11: 57.000 - 12: 67.000). Bis dann - diesen einen Kommentar möchte ich mir gestatten - den Gesellschafter der Hafer stach, das Ergebnis ist bekannt: 31.000 Stundenhörer im Sommer 2013. Was meine ich damit, dass den Gesellschafter der Hafer gestochen hat: Es ging mal wieder - wie schon bei der Nonstop Music-Idee - darum, dass die stabile Nummer 2-Position nicht genug war. Dabei hätte man bei etwas gründlicherer Betrachtung der deutschen Radiomärkte schnell feststellen können, dass es zweitgestarteten Privat-Sendern nur dann gelungen ist, den Marktführer ernsthaft zu gefährden, wenn dieser gravierende Fehler macht. Entsprechende Beispiele gibt es, sie sind aber rar: 100,6 in Berlin, Antenne MV in Meck-Pomm ... habe ich wen vergessen? rs 2 hat es mit einem hohen Investitionsaufwand mal geschafft, 104.6 zu überholen, konnte diese Position aber nicht halten. Und - Hamburger werden sich erinnern - OK-Radio hat 1990/91 Radio Hamburg mal ins Schwitzen gebracht, auch weil die sich damals zu sicher gefühlt haben. Aber seitdem hat Radio Hamburg - sehr zu meinem Leidwesen - eben diese gravierenden Fehler, die es für einen erfolgreichen Angriff durch die Nummer 2 braucht, nicht gemacht. Insofern, Dr. Fu Man Chu, war es keine ständige Angst von Radio Hamburg, aus der ich für eine Konsolidierung der Nummer 2-Position votiert habe, sondern die aus meiner Sicht realistische Einschätzung, dass a) der Gesellschafter die für einen Angriff auf die Marktführerschaft erforderlichen Mittel nicht bereitstellen würde und b) ein solches Vorhaben aufgrund der erforderlichen Investititionen, der ungewissen Erfolgsaussichten und eines bestenfalls über sehr viele Jahre erzielbaren Return on Investment wirtschaftlich wenig sinnvoll gewesen wäre. Dass so etwas als Billig-Lösung zwingend scheitern muss, wurde ja in der Geschichte von Alsterradio sogar 2 x bewiesen. Abschliessend zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit: Bei etwa 45.000 Stundenhörern lag zu meiner Zeit der Breakeven, ab 60.000 wurde es wirtschaftlich interessant, ein Potential sehe ich bis etwa 80.000 - das lässt sich ja auch aus der Vergangenheit ableiten. Es hätte also nicht so weit kommen müssen, wie es jetzt kommt. Das finde ich ich aus verschiedenen Gründen traurig: natürlich ganz persönlich, weil damit ja auch ein Teil meines früheren Lebens betroffen ist, dann für die Mitarbeiter, die unter diesen ganzen Fehlentscheidungen zu leiden hatten/haben, und vor allem auch, weil diejenigen, die für die falschen Weichenstellungen verantwortlich sind, ganz offenbar ungeschoren davon kommen - das verstehe, wer will.
 
a) der Gesellschafter die für einen Angriff auf die Marktführerschaft erforderlichen Mittel nicht bereitstellen würde...
Drücken wir es anders aus: Die Nordwest-Zeitung hat Alsterradio infolge zahlreicher schwerer Fehlentscheidungen an die Wand gefahren. Die neuen Alsterradio-Mitgesellschafter von "Antenne Bayern" haben das Ruder herumgerissen und wollen ihre Rockantenne auf nordisch trimmen, schließlich halten sie fast die Hälfte der Anteile. Und der Springer-Verlag, der auch bei "Radio Hamburg" mitmischt, steht offenbar hinter der Neuausrichtung.
 
Bei RHH muss eigentlich nur noch Phillip Kolanghis weg, dann ist der Sender das Langweiligste in Sachen Moderation, dessen Niedergang ich seit Anfang der 2000er miterleben musste. Kein Drive, kein Witz, monoton usw...einfach ohne Seele, sehr schade! Da hatte Alsterradio zumindest die besseren Moderatoren...
Im Übrigen hat RHH auch bereits einige Änderungen der musikalischen Ausrichtung hinter sich: von anfangs der ´60, ´70, ´80, ´90 und dem blablabla, wird mittlerweile Dance und etwas Pop gespielt im Rahmen der 2000er und dem blablabla, was den Quoten nichts Negatives beschert hat. Das nenn ich mal Vielfalt..*gähn. Der Hörer drückt eh nur auf den On/Off-Knopf seiner Anlage...welcher Sender da nun grad gespielt wird, ist Nebensache.
Viel Glück für die Zukunft Alsterradio/Antenne Rock :)
 
Dr. Fu Man Chu, war es keine ständige Angst von Radio Hamburg, aus der ich für eine Konsolidierung der Nummer 2-Position votiert habe, sondern die aus meiner Sicht realistische Einschätzung, dass a) der Gesellschafter die für einen Angriff auf die Marktführerschaft erforderlichen Mittel nicht bereitstellen würde und b) ein solches Vorhaben aufgrund der erforderlichen Investititionen, der ungewissen Erfolgsaussichten und eines bestenfalls über sehr viele Jahre erzielbaren Return on Investment wirtschaftlich wenig sinnvoll gewesen wäre. Dass so etwas als Billig-Lösung zwingend scheitern muss, wurde ja in der Geschichte von Alsterradio sogar 2 x bewiesen. Abschliessend zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit: Bei etwa 45.000 Stundenhörern lag zu meiner Zeit der Breakeven, ab 60.000 wurde es wirtschaftlich interessant, ein Potential sehe ich bis etwa 80.000 - das lässt sich ja auch aus der Vergangenheit ableiten. Es hätte also nicht so weit kommen müssen, wie es jetzt kommt. Das finde ich ich aus verschiedenen Gründen traurig: natürlich ganz persönlich, weil damit ja auch ein Teil meines früheren Lebens betroffen ist, dann für die Mitarbeiter, die unter diesen ganzen Fehlentscheidungen zu leiden hatten/haben, und vor allem auch, weil diejenigen, die für die falschen Weichenstellungen verantwortlich sind, ganz offenbar ungeschoren davon kommen - das verstehe, wer will.
Lieber Uli, Du kennst natürlich die Fakten aus der GF- und Gesellschafterebene unverstellt.
Vollkommen richtig, ein Sender ist ab 40k Hörern tragfähig. Bayern ist anders gelagert, da reichen weniger. Das Problem ist, unter 40k sind die nationalen Netto-Erlöse einfach viel zu gering. In einer Stadt wie Hamburg mit seinem guten Lokalmarkt kann man das zwar kompensieren, aber das ist ein hartes Brot.

Hinzu kommt eines was meist senderseitig nicht richtig gesehen wird. Unter 40k haben Sender einfach zu wenig Impact. Simpel gesagt, der Kunde merkt relativ wenig. Ich weiß, dass da Legionen von Verkäufern aufheulen. Ich habe aber das Privileg auf Sender-, Kunden- und Agenturseite verantwortlich gearbeitet zu haben und kann es deshalb beurteilen. Das ist sowieso eine fast durchgehende Schwäche von regionalen Medien, sie beschäftigen sich jenseits von Behauptungen viel zu wenig mit ihrem Werbewert, sprich den Werbekundennutzen. Der nationale Markt unterliegt da ganz anderen Gesetzmäßigkeiten und die RMS/ASS machen eine wirklich exzellentes Gattungsmarketing seit zig Jahren. Nur, das nutzt im Regionalmarkt kaum etwas.

Uli, Du hast vollkommen recht, wenn man angreifen will, dann müssen genügend Mittel über eine längere Zeit bereit gestellt werden. Das ist eigentlich eine Binse und wird beim Militär seit hunderten Jahren gelehrt. Besonders schlaue Strategen kommen regelmäßig auf die Idee mit unzureichenden Mitteln (da meine ich nicht nur die Finanzen) anzugreifen. Das Ergebnis ist fast immer ein komplettes Debakel.

Es ist gekommen, wie es gekommen ist. Ein großer Teil ist den total verschrubbelten deutschen Radiostrukturen samt Medienanstalten und -gesetzen geschuldet. Alster teilt das Schicksal von delta, Nora was es aber auch nicht besser macht.

Was sich nicht lohnt ist eine Diskussion á la "hätte hätte - Fahrradkette".

Meine These ist, dass sich über kurz oder lang einiges ändern muss und wir echten Wettbewerb in den Märkten brauchen. Dem Medium kann man es nur wünschen. Vielen Gesellschaftern würde ich nicht eine Träne nachweinen. Eine (Sumpfblüte wie die) Regiocast in der heutigen Form wäre dann auch nicht mehr wettbewerbsfähig. Nicht nur weil ihre VT-Programme einfach handwerklich schlecht sind. In bald 20 Jahren hat es die Regiocast nicht geschafft eine starke Vermarktungsmarke zu entwickeln. Alles was einmal mit viel PR-Tamtam als neue Geschäftsfelder ihr eingeführt wurde, ist bereits seit einiger Zeit klammheimlich abgewickelt worden. Eine Flopquote von fast 100%.
 
Das ist sowieso eine fast durchgehende Schwäche von regionalen Medien, sie beschäftigen sich jenseits von Behauptungen viel zu wenig mit ihrem Werbewert, sprich den Werbekundennutzen.
Und allzu gerne lügen sie sich auch noch mit Hilfe der MA-Zahlen in die eigene Tasche. Das kann man nicht oft genug wiederholen: MA-Hörer sind noch lange kein Beweis für Werbekundennutzen.
 
Sorry Manni, das ist leider Unsinn. Ich kenne nun wirklich die Stärken sowie Schwächen der MA und auf eine MA-Diskussion habe ich hier keine Lust mehr. Werbeerfolg ist setzt sich zusammen aus: relevante Botschaft, relevantes Angebot, richtige Umsetzung (Spot), genügend großes Budget und Schalt-Strategie.

Ich habe Kampagnen erlebt, die haben nicht richtig funktioniert. Obwohl eigentlich alles 'richtig' gemacht wurde. Dann kamen später die MA-Ergebnisse und genau in dieser Welle hat der Sender massiv verloren. Umgekehrt war es ebenso - super Erfolg. Radio ist eine Massenmedium und braucht eine bestimmte Reichweite (ob gesamt oder Zielgruppe).

Hier liegt genau die Gefahr, noch ist Radio ein Medium mit Massenreichweite. Die Tageszeitung hat es schon teilweise verloren und kann keinen relevanten Mediadruck mehr aufbauen. Das merken irgendwann die Kunden/Agenturen und dann wird es mehr als eng an der Verkaufsfront.

Heutzutage kann ein Kunde via Webseite, Facebook, Youtube, Instagram einen großen Teil seiner Kommunikation selbst steuern und Medien auf jeden Fall teilweise substituieren. Wenn Medien darauf keine Antworten finden, dann wird es eng. Daher sehe ich all die Berater-Erfolgsrezepte aus den 90er und 2000er Jahre mehr als kritisch, denn sie sind einfach stehengeblieben. Wir machen heute ja auch kein Radio wie in den 60er oder 70er Jahren mehr.
 
Sorry Manni, das ist leider Unsinn
Du hast mich nicht verstanden. Wenn mir - aufgrund einer gelungenen Kampagne - die MA 100.000 Hörer ausweist, dann habe ich davon vielleicht 30.000 der Kampagne zu verdanken. Das sind keine echten Hörer, sondern Kampagnen-Erinnerer, die also einem Werbetreibenden in diesem Sender überhaupt nichts bringen. Wie sich die übrigen 70.000 zusammensetzen, wäre auch noch zu untersuchen. Kennen sie das Programm nur und sagen "ja", wenn sie gefragt werden, oder finden sie es gut? Oder schlecht? Oder egal? Das alles hat eine Relevanz für ihren Werbewert. Am Schluss bleiben vielleicht 35.000 ernstzunehmende Hörer übrig.
 
@Mannis Fan du stellst in deinem letzten Beitrag lauter Fragen, kommst aber dann zu der Erkenntnis:
Am Schluss bleiben vielleicht 35.000 ernstzunehmende Hörer übrig.

Was ist denn ein ernstzunehmender Hörer? Also ein ernstzunehmender Hörer ist für mich, wenn er die entsprechende nervende Station einfach nicht mehr hört und das so auch den MA-Heinis sagt. Ansonsten wird sich nie etwas ändern. Auch das hier oft gelobte Radio Eins macht Kampagne, indem sie regelmäßig "Und nur für Erwachsene" werben.....nicht nur die Privaten Hitdudler. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Also ein ernstzunehmender Hörer ist für mich, wenn er die entsprechende nervende Station einfach nicht mehr hört und das so auch den MA-Heinis sagt.
Ich befürchte, dass es da schon den einen oder anderen ernstzunehmenden Hörer gegeben hat, dessen Aussage die MA-Heinis aber "bereinigt", oder "überhört" haben.
Da ändert sich erst etwas wenn es wahrscheinlich schon zu spät ist.
 
In meinem Beitrag #117 meinte ich eigentlich den "ernstzunehmenden Hörer" im Sinne der Werbewirtschaft. Also auf welchen Hörer können Werbekunden im Radio setzen, wenn sie Sekunden buchen. Und da glaube ich eben, dass die MA-Zahlen ein völlig falsches Bild liefern. Das nehmen die Sender zwar gerne, um zu aquirieren, es entspricht aber mitnichten dem wirklichen (viel kleineren) Potenzial an Empfängern von bezahlten Werbebotschaften.
 
In meinem Beitrag #117 meinte ich eigentlich den "ernstzunehmenden Hörer" im Sinne der Werbewirtschaft. Also auf welchen Hörer können Werbekunden im Radio setzen, wenn sie Sekunden buchen. Und da glaube ich eben, dass die MA-Zahlen ein völlig falsches Bild liefern. Das nehmen die Sender zwar gerne, um zu aquirieren, es entspricht aber mitnichten dem wirklichen (viel kleineren) Potenzial an Empfängern von bezahlten Werbebotschaften.
Dann gibt es ja auch folgerichtig ernstzunehmende Leser, Zuschauer, Nutzer, Gäste etc. sorry, was ein ernstzunehmender Nutzer ist, ist ziemlich schwer zu definieren. Zumal wirklich etliche Wirkungsstudien in einigen Ländern ergeben, haben das Werbung fast immer wirkt und der Wirkungsgrad relativ gering schwankt.

Richtig reine Reichweite ist nur ein Indikator, viel wichtiger sind die Zielgruppen-Reichweiten bzw. Kauf- und Verwendungsabsichten.

Nur mal so ein Beispiel, nur 2-3% der Gesamt-Bevölkerung planen in den nächsten 2 Jahren einen Möbelkauf. Ergo sind weit über 90% Streuverluste. Egal in welchem Medium, einzelne Medien können da natürlich besser abschneiden.
Das macht jedoch Online-Werbung interessant, denn hier kann ein Werbetreibende gezielt nur die Menschen ansprechen, die sich für Möbel interessieren. Das vermindert die Streuverluste enorm und ist eine absolute Stärke des Mediums. Zusätzlich kann das ganze lokal und regional ausgesteuert werden. Das macht die Schwäche des Deutschen Radiomarkts noch deutlicher, den es gibt z.B. nur einen Flickenteppich von Lokalsendern. Per Web kein Prob, dito auch via Spotify, die mehr als 50% des Webradiomarktes beherrschen.

Guten Morgen liebe Mediengesetzgebung, das Web funktioniert nun einmal nicht nach Eurem politischen Lobbyismus für so wichtige Bundesländer wie Bremen, Saarland, Schleswig-Holstein etc. pp. Ich kann heute einfach und mit einem oder mehreren Anbieten wunderbar lokale und regionale bzw. national gewichtete Kampagnen planen. Im klassischen Radio ist das ein irre Aufwand, bzw. teilweise unmöglich.

Es ist wie mit dem Streichholz-Monopol, das war ziemlich wenig wert als das Einwegfeuerzeug von BIC erfunden wurde. Der Wettbewerber für Lokalradio ist gerade auch das Web. Nur das wollen viele Sender nicht wahrhaben und werden sich irgendwann schwer wundern...
 
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