Privater HÖrfunk In Der Krise


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Tom2000

Gesperrter Benutzer
#29
Wir können natürlich auch einen Teil der Gebühren an BBC oder an den ör Rundfunk in den NL abführen. Die zweckentfremden die Mittel wenigstens nicht in dem Masse wie die ARD.
 
#31
@ Tom2000

Meinst du etwa, eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach dem Vorbild der BBC würde das Privatradio in Deutschland stärken? Die gute alte Tante BBC ist seit dem broadcasting act von 1996 auch auf dem Weg der Kommerzialisierung, hat aber die drohende Privatisierung gerade noch abgewendet.

nachzulesen unter:
http://www.mediastudies-wel.com/mamaku/_sites/uk.htm#phaeraderkonvergenz

Leicht abgeschweift von der Krise des privaten Hörfunks, ok, aber auf der Suche nach Antworten ... ;)

Gruß postit


Die BBC _ immer noch Vorbild ?
Die Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist kein typisch deutsches Phänomen. Nach der Einführung dualer Ordnungen in den meisten Staaten Europas kämpfen die Veranstalter mit zurückgehenden Einschaltquoten, denn ein Teil des Publikums wandert zu den privat-kommerziellen Sendern ab. Außerdem nimmt der politische Druck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu, mit stärker am Publikum orientierten Sendungen die Rundfunkgebühr zu rechtfertigen. Von der BBC forderte man vor allem betriebliche Rationalisierungen. Die ihr noch von Margaret Thatcher verordnete Schrumpfkur hat sie zwischenzeitlich hinter sich: Mehr als 8000 Stellen wurden eingespart, und mittlerweile wird der BBC auch von privaten Kostenrechnern ein effizientes Management bescheinigt. Grundsätzlich wurde der Fortbestand der BBC als zentrale, vorrangig gebührenfinanzierte Rundfunkanstalt bis weit über das Jahr 2000 hinaus garantiert. Es sollen aber verstärkte Anstrengungen unternommen werden, durch die Vermarktung des Programmvermögens, die Erschließung neuer Verbreitungswege und vielfältige Kooperationen mit dem privaten Sektor mittelfristig zu einer stärkeren Unabhängigkeit von den Gebühreneinnahmen zu kommen. Gelegentlich scheint aber auch die BBC nicht vor Irrwegen gefeit. Der Versuch, mit »Sonne, Sangria und Sex« verlorengegangene Publikumsschichten zurückzugewinnen, steht für die Konkurrenzstrategie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie sie auch in Deutschland gelegentlich zu beobachten ist.
Die BBC hat trotz politischen Drucks (Stichworte: Modernisierung, Wettbewerbsfähigkeit) diesen Weg der Selbstkommerzialisierung jedoch zumindest im Programmbereich nicht weiter beschritten, sondern neben den Stellenkürzungen im allgemeinen Apparat sowohl neue Programmschwerpunkte geschaffen als auch freien Produzenten mehr Raum gegeben: 25 Prozent der Sendungen müssen inzwischen außer Haus produziert werden. Gerade diese als producers' choice bezeichnete Änderung verdeutlicht aber auch die Zwiespältigkeit des Modernisierungsprozesses. Während sich die Redakteure von Nachrichtensendungen lobend über die neue Flexibilität äußern, beklagen die entlassenen bzw. dieses Schicksal fürchtenden Techniker die leeren Studios. Entscheidend aber für das neue Selbstverständnis der BBC ist ihre Öffnung für den privaten Sektor, charakterisiert durch Kooperationen u. a. mit Rupert Murdoch, neue Pay-TV-Programme und sogar die maßvolle Einführung von Werbung im World Service, dem renommierten Radioprogramm der BBC. Die neue Regierung beobachtet diese Reformen mit Wohlwollen, der zuständige Minister hat aber vor einer »exzessiven« Kommerzialisierung gewarnt.
Das Resümee: Die BBC hat sich dem politischen Druck gebeugt und mit maßvollen Reformen eine Revolution verhindert. Sie hat eine Zukunft, wenn sie sich _ wie offensichtlich geschehen _ auf ihre Stärken besinnt. Die Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind seine Vielfalt und seine Unabhängigkeit vom alltäglichen Kampf um die Einschaltquote. Dies ist ein Vorteil, den die BBC gegenüber ihren deutschen Pendants hat. Sie finanziert sich im Gegensatz zu diesen schließlich nur aus Gebühren, deren Höhe an einen Preisindex gekoppelt worden ist. Regelmäßige moderate Steigerungen sind damit garantiert.
Dies ist in Deutschland bekanntlich anders. Aber auch bei uns gibt es ja zwischenzeitlich ernstzunehmende Stimmen aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die sich eine Übernahme dieses britischen Finanzierungsmodells vorstellen könnten. Denn man mag es drehen und wenden, wie man will: Sobald die Einschaltquote über die Einnahmen bestimmt, verliert das Programm an Vielfalt und Qualität. Konkurrenz bei den Programmen ist gut, bei einer Konkurrenz um die gleichen Einnahmen kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur verlieren. [...]
Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die zentrale Aufgabe, über seine deutende, sinnstiftende Funktion die Einheit der Nation zu bewahren. Auch wenn die Stimmen oft widersprüchlich sind, bietet er den Rahmen, innerhalb dessen Verständigung möglich ist. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mithin als Institution einer nationalen politischen Kultur? Von Verteidigern der BBC wird genau dieses Argument genannt, wenn nach der zukünftigen Berechtigung eines öffentlich-rechtlichen Systems gefragt wird.
 
#32
und mittlerweile wird der BBC auch von privaten Kostenrechnern ein effizientes Management bescheinigt
Man darf wohl stark bezweifeln, daß das Ergebnis in den ARD-Anstalten ebenso positiv ausfiele...
Sobald die Einschaltquote über die Einnahmen bestimmt, verliert das Programm an Vielfalt und Qualität. Konkurrenz bei den Programmen ist gut, bei einer Konkurrenz um die gleichen Einnahmen kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur verlieren.
Sic! Insofern verstehe ich Dein Posting nicht, postit, denn der Artikel bestärkt doch Alle, die von der Mischfinanzierung der Öffis weg wollen, während Du offensichtlich, so jedenfalls habe ich deine Einleitung verstanden, diese erhalten wissen möchtest, ihrer zumindest kein Positivum für die Privaten abgewinnen kannst.
 
#33
@ Makeitso

Ich denke, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu kostenintensiv - um nicht zu sagen verschwenderisch - arbeitet. (Was die Verwaltung betrifft, am Programm sollte bitteschön nicht gespart werden). Die BBC hat radikal entschlackt, was allerdings zu Arbeitsplatzverlust geführt hat. Das geschah auch durch die Androhung der Privatisierung. Und eine zunehmende Kommerzialisierung wird befürwortet. "Es sollen aber verstärkte Anstrengungen unternommen werden, durch die Vermarktung des Programmvermögens, die Erschließung neuer Verbreitungswege und vielfältige Kooperationen mit dem privaten Sektor mittelfristig zu einer stärkeren Unabhängigkeit von den Gebühreneinnahmen zu kommen."

Der Artikel stammt übrigens nicht von mir (das hat vielleicht zu Mißverständnissen geführt), sondern ist ein Auszug aus einem längeren Referat - nachzulesen unter dem angeführten Link. Wenn das nicht deutlich genug war - sorry.

Ich befinde mich zur Zeit noch in einem "Meinungsumbildungsprozess", deshalb manchmal eine leichte Widersprüchlichkeit. Bis vor einigen Wochen war ich noch ein glühender Verfechter der Mischfinanzierung. Dass da Zweifel aufgekommen sind, ist zum Teil auch deinen Postings zuzuschreiben. :)

Die Krux des privaten Radios liegt für mich in der Abhängigkeit von der Werbung - und dem Konkurrenzdenken zwischen Öfre und Privat. Die Systeme arbeiten gegen einander, statt sich zu ergänzen.

Gruß postit
 

Tom2000

Gesperrter Benutzer
#34
"(Die BBC) hat eine Zukunft, wenn sie sich _ wie offensichtlich geschehen _ auf ihre Stärken besinnt. Die Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind seine Vielfalt und seine Unabhängigkeit vom alltäglichen Kampf um die Einschaltquote. Dies ist ein Vorteil, den die BBC gegenüber ihren deutschen Pendants hat. ...Sobald die Einschaltquote über die Einnahmen bestimmt, verliert das Programm an Vielfalt und Qualität. Konkurrenz bei den Programmen ist gut, bei einer Konkurrenz um die gleichen Einnahmen kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur verlieren. [...]
Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die zentrale Aufgabe, über seine deutende, sinnstiftende Funktion die Einheit der Nation zu bewahren."

Hervorragend! Wer bringt das jetzt den Hiesigen bei?
 

Ernie

Gesperrter Benutzer
#35
@ Tom2000

>>>Lösung:

Gebt den Privaten einen Anteil aus der Hörfunkgebühr in Höhe des Anteils der ör Radios am Werbeaufkommen.

Dann hätten wir einen Schritt in Richtung Waffengleichheit getan.
<<<<


Und wer kontrolliert die PDs und Gesellschafter, daß sie diese Gebühren auch wirklich fürs Programm ausgeben und nicht weiter einen Sparkurs fahren und die wenigen Moderatoren ausbeuten und das Geld nicht einfach so in die eigene Tasche stecken !
 

Tom2000

Gesperrter Benutzer
#36
Genauso wenig, wie die ARD-Oberen bei der Vernichtung von Gebühren-Milliarden durch kommerzielle Projekte oder durch Misswirtschaft und Verschwendung kontrolliert werden.
Oder hat bspw. der ZDF-Verwaltungsrat verhindert, dass das ZDF die dümmliche Casting Show von RTL kopiert hat?
 
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