RTE stellt DAB ein: Digitalradio in Irland (Republik) vorerst vom Tisch


#1
Das dürften die DAB_Fanboys nicht so gern hören, deshalb wurde darüber auch bisher kaum berichtet: Der Digitalradiostandard DAB (alt) kann in der Republik Irland als gescheitert betrachtet werden. Durch massive Einsparungen steht der nationale Anbieter RTE mit dem Rücken zur Wand.

Rund 60 Mio. Euro (umgerechnet) soll die öffentliche Anstalt in den kommenden Jahren einsparen! Als ein erster Schritt wurde (neben Entlassungen) das Aus vom DAB-Ensemble bestätigt, das in Kürze den Sendebetrieb einstellen wird. Damit werden auch die digital only-Kanäle Radio One Extra, Radio 2FM XFM, Gold, Pulse und Junior ersatzlos gestrichen.

Das ist besonders Schade für den Hörer, weil es durchaus Interesse von Privaten Anbietern (NOVA 100FM) an Digitalradio DAB in der Republik Irland gibt. Nur werden diese wohl kaum alleine die Verbreitungskosten tragen können und wollen. Auch LyricFM, das dritte Landesweite Programm von RTE, stand zunächst komplett auf dem Prüfstand. Nachdem dieser Station für Kultur das Aus drohte und es Proteste gegen eine Einstellung gab, soll nun zumindest das Programm ausgedünnt und die Redaktion an andere Standorter verlagert werden.

Kurios: Die historische Langwelle 252 kHz läuft vorerst (open end) weiter! Dort gab es erst vor Kurzem umfangreiche Wartungs- und Modernisierungsarbeiten. :D

http://www.radiowoche.de/irland-verabschiedet-sich-von-dab/
https://www.radioeins.de/programm/sendungen/medienmagazin/radio_news/beitraege/2019/irland.html
http://www.hildegarde.ie/longwave-radio-to-continue-for-the-benefit-of-diaspora-naughton/
 
#4
Hintergrund ist aber weniger dass "DAB gescheitert" ist, sondern dass RTÉ massive Einsparungen vornehmen muss, wird ein Neuntel der Belegschaft entlassen und Studios geschlossen. Sämtliche digitalen Hörfunkprogramme werden eingestellt.
 
#5
Jaja, so wird die Wahrheit zu Recht gebogen. :eek:
Diesen Nebensatz hast du wohl überlesen?

"vor einiger Zeit hatten sich bereits die kommerziellen Sender komplett zurückgezogen"

Was ist mit denen? Auch alle pleite? Werden die auch alle eingestellt? :D
 
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#6
Da wird nix zurechtgebogen. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun, es gibt auf privater Seite sogar Interesse an der Übernahme des DAB-Sendernetzes, und die Langwelle läuft noch, weil sie die Iren nebenan in GB erreichen soll.
 
#8
Das DAB+ Sendernetz in Irland ist mehr als löchrig, Ein Sender in Cork, ein Sender in Dublin, einer irgendwo dazwischen, und das wars. Irlandweite Abdeckung gibt es bis heute keine und die Anzahl der DAB+ Hörer dürfte noch geringer als selbst in Österreich sein. Grund dafür ist, dass in Irland, besonders im Raum Dublin die Auswahl im Radio auf UKW schon recht gut ist. Schade ist es nur um die Spartenprogramme des RTE die nun terrestrisch nichtmehr empfangbar sein werden.

Nordirland hat DAB Abdeckung, nicht DAB+, und das Angebot ähnelt dem in UK.
 
#9
Schade ist es nur um die Spartenprogramme des RTE die nun terrestrisch nichtmehr empfangbar sein werden.
Die werden auch sonst nicht mehr empfangbar sein, denn sie werden komplett eingestellt. Das ist ja die eigentliche Sparmaßnahme.

Und für die drei Hauptprogramme RTÉ1, 2 und lyric fm allein macht DAB wenig Sinn, denn in den paar Ballungsgebieten, wo es überhaupt ausgestrahlt wurde, dürfte auch die UKW-Versorgung reichen. Damit ist die DAB-Abschaltung nur logisch.

In den Knimmel gepiffen sind nur diejenigen, die sich eigens wegen der Zusatzprogramme ein DAB-Radio angeschafft hatten.
 
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#10
https://www.businesspost.ie/news/rte-continue-spending-e250k-year-longwave-radio-service-axed-457245

RTÉ is going to spend €250,000 per year transmitting its Radio One station to the Irish diaspora in Britain – while closing down all its digital stations.



The station is shutting down RTÉ Gold, RTE Junior, RTÉ 2XM, RTÉ Pulse and RTÉ Radio 1 Extra, but would not specify how much this will save.



However, it has confirmed that it is going to continue its Longwave radio service to the Irish diaspora in Britain up to 2022.
 
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#11
Dieser Schritt erscheint selbst mir als bekennendem Radio - Nostalgiker etwas zu radikal. Man hätte einen Mittelweg finden können: Langwelle nur noch stundenweise (vielleicht acht Stunden täglich), dafür eines oder zwei der Spartenprogramme nicht einstellen, sondern auf UKW ausstrahlen?
 
#12
Die LW nur stundenweise zu betreiben macht sie nicht wesentlich günstiger. Aber zwei der Spartenprogramme weiterzubetreiben und sie dann auch noch auf UKW zu senden, macht den Spaß teurer, als er bis jetzt war.
 
#13
Ich stimme auch zu, eine LW stundenweise ergibt keinen Sinn: Der Vorteil ist gerade, daß es zwischen Tag- und Nachtzeit kaum spürbare Ausbreitungsänderungen für den Hörer gibt, von der Tonqualität abgesehen ist LW daher von der Versorgungssicherheit UKW gleichzusetzen.

73 de Bert
 
#14
Das Argument für den Weiterbetrieb der Langwelle ist, dass damit die Iren in Großbritannien erreicht werden sollen, die oft einkommensschwach und älter seien und nicht über das Internet erreicht werden können.

Das wird zumindest in verschiedenen deutschsprachigen Medien genannt, nachdem offenbar RTE die LW-Verbreitung längst eingestellt haben wollte.

Dass jetzt DAB (alt) dran glauben wird, ist auch nicht weiter problematisch, denn längst ist DAB+ Standard in Europa. Da ein DAB+-Mux mehr Platz hat, können die Kosten auf mehrere Schultern verteilt werden. Auch RTE könnte seine drei Programme zur Verfügung stellen oder zumindest für einen Bruchteil der Kosten verbreiten. Dann aber sind private Anbieter der Schlüssel, und dann muss sich DAB+ am Markt beweisen können.

Jedenfalls können die im deutschen Sprachraum so beliebten DAB-Verschwörungstheorien ("Eine aus Düsseldorf und Hannover gesteuerte Dunkle Macht will unbedingt verhindern, dass DAB+ eingeführt wird") jetzt nicht greifen.

Letztlich zeigt sich: Das Marktsegment ist zwischen UKW und Audio-on-demand bzw. Streaming relativ klein. Es ist aber nicht so klein, dass es sich nicht lohnen würde -- allerdings erfordert es die Lust und den Willen der Anbieter.

Ein technisches System mit Zwang am "grünen Tisch" einführen zu wollen, führt offenbar nicht zum Erfolg (oder man wählt die nukleare Option wie Norwegen).

Es würde mich aber nicht wundern, wenn man demnächst von Plänen für ein irisches DAB+-Projekt lesen wird.
 
#15
DAB Plus setzt sich deshalb nicht durch in der Republik Irland, weil das System technisch nicht ausgereift ist, erhebliche Mängel in der täglichen Anwendung aufweist, die auf Empfängerseite auch durch den Einsatz von viel Geld und hochwertiger Technik nicht kompensiert werden können (Sound, Aussetzer in Gebäuden und bestimmten geografischen Beschaffenheiten) und die Markteinführung seit Jahren schleppend und träge daherkommt. DAB Plus ist für die Anbieter bei überschaubarem Mehrwert und kaum Erweiterung des Hörerkreises teuer und behäbig und stellt ein Risiko für die Jahresbilanz dar! Am Ende fehlt ein fünfstelliger Eurobetrag, aber Hörer kommen vermutlich nicht mehr als 500 bis 2000 dazu.

Gerade das Nachbarland UK zeigt ja sehr eindrucksvoll wie man mit miesem Matschklang möglichst viele Stationen in einen Kanal pressen kann, worunter die Qualität leidet. Auch die zischelnden S-Laute beim Gesang sind einfach nur störend.

DAB mit oder ohne Plus wird sich nur überall dort durchsetzen, wo dies per Zwang von übergeordneter Stelle angewiesen wird (Norwegen, Schweiz - beides nicht EU, was für ein Zufall). Wobei durchsetzen relativ ist, wenn dann viele Leute ganz auf Radio verzichten und ihr Gerät lieber aus lassen oder nur noch streamen.

Beim "Gerätezwang" in Deutschland liest man derzeit auch wieder Lügen: Es betrifft nur Autoradios in Neuwagen, sonst nichts! Billige Koffer- oder Baustellenradios, Ghetto Blast und CD Kombis usw. sind davon überhaupt nicht involviert und werden auch weiterhin ganz ohne DAB auskommen können. Es gibt sogar Unterbauradios für die Küche (ich glaube von AEG) nur mit FM und sogar mit RDS, aber ohne DAB! Wer braucht nun in der Küche RDS, womöglich noch mit RT, Verkehrs- und Alternativfrequenz-Funktion?
 
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#16
Beim "Gerätezwang" in Deutschland liest man derzeit auch wieder Lügen: Es betrifft nur Autoradios in Neuwagen, sonst nichts! Billige Koffer- oder Baustellenradios, Ghetto Blast und CD Kombis usw. sind davon überhaupt nicht involviert und werden auch weiterhin ganz ohne DAB auskommen können.
Das stimmt so auch nicht ganz. 'Billig' ist in diesem Zusammenhang kein Unterscheidungskriterium. Wenn die 'billigen' Koffer- oder Baustellenradios etc. pp. RDS haben und auf einem Display den Sendernamen anzeigen, dann müssen auch die wahlweise DAB+ oder (im Unterschied zu Autoradios) Internetradio empfangen können.

Steht so im Gesetz und ist hier auch schon mehrfach in diversen Diskussionen zitiert worden.
 
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#17
müssen auch die wahlweise DAB+ oder (im Unterschied zu Autoradios) Internetradio empfangen können.
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Ja aber eben genau darin liegt doch der Hase im Pfeffer begraben!!! Meine Aussage war, sie werden auch weiterhin ohne DAB auskommen können.

Durch das oder, lässt der Gesetzgeber den Herstellern die Wahl. Und man findet derzeit durchaus etliche Geräte im unteren und mittleren Preissegment die zwar FM mit RDS und WLAN / WIFI Radio haben, aber eben KEIN DAB Plus. Ein Blick in die Norma Werbung lohnt da jede Woche :D

Wenn ich als Hersteller die Wahl habe, baue ich natürlich einen W-LAN Chipsatz ein, mit dem meine Kunden im Idealfall an ein Portal gebunden sind, bei dessen Abschaltung neu kaufen müssen und andernfalls Millionen Sender empfangen können.

Bei DAB Plus muss ich mit Leuten rechnen, die mir aufs Dach steigen weil sie "keinen Empfang" haben oder nur 9 Sender, aber nicht ihren landesweiten Lieblingsdudler Radio PSR, Antenne Niedersachsen oder Radio Köln. Da wäre ich doch dumm, hier fällt die Wahl wirklich leicht bei vergleichbaren Kosten für den Chipsatz. Und ich bin dann nicht nur damit beschäftigt negative Bewertungen und Rücksendungen ab zuwickeln.

Also wie soll sich DAB Plus jemals durchsetzen mit solchen Wischi-Waschi Regelungen? Es geht nur per Zwang (was ich ablehne), siehe Norwegen mit einem Hard Switch off / over. Und dann springen eben die Hörer ab.

Von Millionen FM only Geräten in Gebrauchtwagen, Mietwagen, Taxis, Linienbussen usw. zu schweigen.
 
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#18
Im unteren Preissegment haben DAB+ Radios preislich die Nase vorn. WLAN-Radios gibt es erst so ab 89 EUR bei Norma, also praktisch gar kein Angebot für das untere Preissegment. Die Produktion von WLAN-Radios ist offenbar teurer als DAB+- Radios, da diese durchweg überall mehr kosten als DAB+Radios.
 
#19
Das Zeug im "unteren Preissegment" taugt auch wenig. Die Empfangsleistungen sind theoretisch noch ganz gut, da fast überall dieselben Chips verbaut werden, aber dann geht es los:
- Chinaschrottnetzteile, die den Empfang wieder zunichte machen
- hanebüchene und maximal nutzerunfreundliche Menüführungen, mitunter ständige Abstürze
- klapprige Verarbeitung
- Scheppersound
Wer nix zahlt, der kriegt auch nix.
Nach meinem Geschmack fehlt es im Bereich Digitalradios eher an Geräten in der Hifi-Klasse. Das Technisat Digitradio140 ist eine löbliche Ausnahme und stellt das "Rundum-Sorglos-Paket" dar.
Ich rate sowieso zu Aussenantennen, um einen stabilen Empfang zu erzielen, da indoor der Störpegel mittlerweile fröhliche Urstände mit 30-50dBµV/m Grundrauschen feiert.
Der Billigkram ist eher dazu geeignet, das Radio vollends in die Bedeutungslosigkeit zu versenken. Denn wer fast nix reinbekommt, schmeißt das Zeug frustriert in die Ecke.
 
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