Rundfunkgebühren


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Nicht offen für weitere Antworten.
#1
Ein Auszug aus einem Kommentar der heutigen "Welt":
Expansion in alle Richtungen statt Konzentration auf die Grundversorgung lautete das Motto bei ARD und ZDF in den vergangenen 20 Jahren. 1980 sendeten die beiden Anstalten zusammen sieben Fernseh- und 32 Rundfunkprogramme. 23 Jahre später sind es elf TV-Programme, sechs ausschließlich digitale Zusatzprogramme, vier Gemeinschaftsprogramme (Phoenix, 3Sat, Arte, Kinderkanal), 61 (!) Radioprogramme und diverse Online-Auftritte. Der Finanzbedarf stieg in der gleichen Zeit von 1,61 Milliarden Euro auf sagenhafte 6,62 Milliarden. Dabei verhält es sich mit den Programmen wie mit den staatlichen Subventionen: Viele sind längst lieb gewonnen und werden von jeweils anderen Teilen der Bevölkerung für unverzichtbar erklärt. Am Ende zahlen aber alle dafür immer mehr, während gleichzeitig die Entwicklung des privaten Steuer zahlenden Fernsehbereichs behindert wird. Mit unternehmerischem Denken hat das dann nichts mehr zu tun - vermutlich hilft auch hier nur noch der Rasenmäher.
Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Ihr?

P.S.: Den vollständigen Kommentar findet Ihr hier
 
#3
Ergänzend hier noch was aus der Süddeutschen:
Kleine ganz groß

In der ARD sparen Bremen, Saarbrücken und Berlin gut

Die Berichte der Gebührenkommission sind nüchtern formuliert, aber trotzdem spannend. Im neuesten Report der Kommission mit dem Kürzel KEF, die im Auftrag der Länder den Finanzbedarf von ARD und ZDF prüft und daraus einen Gebührenvorschlag ableitet, finden sich wieder viele lesenswerte Passagen. Die Kontrolleure kommen zu der Erkenntnis, dass bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten erst „finanzieller Druck“ zu neuen Strukturen führt, ohne dass der Programmauftrag gefährdet wäre. Das belegten die drei kleinsten ARD-Sender, also Radio Bremen, der Saarländische Rundfunk (SR) und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).

Diese drei erhalten nach und nach weniger Finanzhilfen von den großen Häusern wie BR oder WDR. Also haben die Intendanten in Bremen, Saarbrücken und Berlin notgedrungen „erhebliche Rationalisierung in Angriff genommen“, lobt die KEF. Viele Maßnahmen sind notiert, etwa eine verbesserte Kooperation zwischen den Ressorts und Programmen oder die Zusammenlegung von Direktionen (Radio und Fernsehen, Betrieb und Verwaltung). Der RBB wolle von 2005 bis 2008 immerhin 180 Millionen Euro sparen, schreibt die KEF und vermerkt, dieser Betrag liege auf der „gleichen Höhe“ wie bei den großen Anstalten. Dabei sind deren Etats ungleich höher, also könnte mehr gespart werden.

So will es jedenfalls die Kommission. Sie fordert die großen ARD-Sender auf, dem Beispiel der kleinen Anstalten zu folgen und deren Spaßmaßnahmen „zügig umzusetzen“. Es sei zwar einiges in Bewegung gekommen; in Anbetracht der Lage der Bürger, auf die zusätzliche Lasten zukämen, könne aber mehr erwartet werden. „Alle Möglichkeiten der Einsparung“, diese Worte sind Fett gedruckt, seien auszuschöpfen.

Die KEF schlägt selbst vieles vor: So sollten die Gemeinschaftskanäle von ARD und ZDF wie Phoenix mit weniger Chefs auskommen. Teilweise sind die Spitzenposten dort doppelt besetzt – damit jede der beiden Anstalten auf der obersten Ebene vertreten ist.

o.k.
 

Tom2000

Gesperrter Benutzer
#4
Der Spiegel hatte diese Woche auch einen alarmierenden Artikel zum Thema.
Danach bezeichnet ZDF-Chef Schächter es als massive Einsparung, dass die (ZDF-) Pensionäre längst nicht mehr besser verdienen würden als die Aktiven".
Muss man sich mal wegtun. Wer beim ZDF nix mehr machte, verdiente mehr, als die eigentlich Arbeitenden. Was für ein verkommenes System.
 
#5
@Tom2000:

Och, das ist nicht nur bei öffentlichen Arbeitgebern so. Bin zuletzt hinten über gefallen, als ich mal gesehen hab, was meiner Oma (früher einfache Arbeiterin und Hausfrau) jeden Monat an Rente aufs Konto überwiesen werde. Meine Schwester, jetzt im Beruf mit Uni-Diplom, 40 Stunden-Woche plus täglichen 2 x 75 km Fahrt kommt netto auf auf etwas weniger.

Ich selbst bin zum Glück dabei, Beamter zu werden und schätze mal, dass selbst dort die goldenen Zeiten vorbei sein werden.

Aber um mal auf die örAs zurückzukommen, es fragt sich wirklich, ob diese vom Geld der Allgemeinheit finanzierten Unternehmen nicht wirtschaftlicher mit dem Geld umgehen sollten. Das erste, was mir einfiele, wären Einsparungen bei den Sesselfurzern.

Die beste Methode wäre die Einschaltung eines unabhängigen Instituts -- etwa einer Wirtschaftsberatungsfirma -- welche die Produktivität besonders derer misst, die am meisten verdienen bei ARD und ZDF. Dann ist es relativ offensichtlich, wo gespart werden muss.

Aber was rede ich hier eigentlich für einen Schwachsinn, weiß doch jeder, dass Jobs bei den örAs politische Ruhekissen sind...
 

WDR2FREAK

Gesperrter Benutzer
#7
Tom, sowas krankes gibt es auch in der Industrie. Ich war mehrere Jahre dort. Rentner, die zuvor im Angestelltenverhältnis geführt worden waren, bekamen gleich so eine unglaubliche Werksrente obendrauf, daß sie zu DM-Zeiten nen Tausender netto mehr hatten als beim letzten normalen "Aktiv-Gehalt". Und selbst die normalen Löhne für Arbeiter sind in diesem Bereich sehr nett. Heute geht genau dieser Industriezweig am Stock und schmeißt serienweise Leute raus und macht Standorte dicht. Gut, daß ich früh genug den Abflug gemacht habe.

Aber hierzu, wenn auch etwas OT, sei auf die gestrige Monitor-Ausgabe verwiesen. Da konnte man mal wieder von den klitzekleinen Übergangsgeldern unserer Politiker erfahren. Interessant, wie die Parole "alle müssen sich Einschnitte gefallen lassen" dort interpretiert wird - mit einer hammermäßigen Nullrunde. Wie erschreckend!

Guten Abend.
 
#10
...sei auf die gestrige Monitor-Ausgabe verwiesen. Da konnte man mal wieder von den klitzekleinen Übergangsgeldern unserer Politiker erfahren. Interessant, wie die Parole "alle müssen sich Einschnitte gefallen lassen" dort interpretiert wird - mit einer hammermäßigen Nullrunde. Wie erschreckend!
Das ist blödsinnige Schwarz-Weiß-Theorie, und das weißt Du auch.
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\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Off topic \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/


Und ich finde diese Diäten-Debatten mit der populistischen Forderung "Schluss mit den Riiiiiiesenbezügen der Politiker" als schwarz-weiß. Wer gute ("gut" jetzt mal ganz unabhängig von der politischen Richtung, sondern im Sinne von intelligent, umsichtig, zielstrebig, kompetent, moralisch, vernünftig, ehrlich, diskret, seriös, nicht-korrumpierbar) Politiker will, der muss auch gutes Geld zahlen. Sonst gehen solche High-Potentials in andere Bereiche, die mehr Ruhm, Geld, Spaß versprechen. Der Job des Berufs-Politikers ist nämlich richtig mies im Vergleich zu mancher netten Managertätigkeit, die mehr Geld bringt und weniger Nerven kostet.

Gleiches gilt für die Parteinfinanzierung, die auch gerne an Stammtischen angegriffen wird. Die Alternative heißt: Nur noch Reiche, die sich Wahlkampf usw. selbst finanzieren können. Das Ergebnis kann man sich in den USA ansehen, betont die Jasemine und schaltet den Off topic-Modus wieder ab....

/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Off topic \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\
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...und fährt fort: gleiches gilt natürlich auch für öffentlich-rechtliche Journalisten. Will ich dort unabhängiges und kompetentes Personal, dann muss ich auch Ressourcen dafür bereitstellen und entsprechende Strukturen bieten. Die gibt es auch und die müssen erhalten werden. Dafür kann kein Geld der Welt zu schade sein. Das Geld wird an anderer Stelle verschwendet (hallo Übertragungsrechte!).

Allerdings entstehen völlig verzerrte Bilder. Während der mdr Millionen bei Währungsspekulationen in Südamerika verballert, der WDR mehr als doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigt wie CNN weltweit und die Fusion von SDR+SWF nicht dazu führte, dass der gemeinsame SWR-Etat kleiner wurde als die Addition der beiden Einzelhaushalte, gibt es auch ARD-Anstalten die WIRKLICH gespart haben, Synergien nutzen und sinnvolles Programm anbieten. Aber wie immer sieht man nur die Extreme, die man sehen will und ignoriert das lauwarme Wasser zwischen den Polen, verkündet lächelnd die Jasemine und läßt sich ein Bad ein (HEISS!).
 

WDR2FREAK

Gesperrter Benutzer
#11
Liebe Jasemine,

von schwarz-weiß kann nicht die Rede sein, wenn vernünftige und allgemein gerechte Lösungen aktueller Probleme gefordert werden. Schwarz-weiß-Denken ist in meinen Augen entweder "alles so belassen" oder "alles abrasieren", wenn wir von horrenden Zahlungen sprechen, die nicht immer ganz berechtigt erscheinen - erst recht, wenn zuvor in Einzelfällen nur Mist gebaut wurde. Wie so oft, liegt die Wahrheit nämlich irgendwo dazwischen, in zahlreichen Grautönen. Ebenso unsinnig, und daher von mir zu Beginn mit "schwarz-weiß" tituliert, ist dieses unerträgliche "Öffis komplett abschaffen" im Kontrast zu "Öffis sind alle supertoll und nötig".

Und damit sei auch bei mir genannter Modus für heute beendet.
 

Tom2000

Gesperrter Benutzer
#12
Hier wurde das Stichwort "Öffis abschaffen" genannt. Ich denke das ging in meine Richtung. Daher möchte ich mal präzisieren. Ich hatte seinerzeit vom "Schlachten der ARD" gesprochen. Daran hatte sich damals der Streit entzündet, infolgedessen ich als ARD-Feind galt. "Schlachten" meinte aber nicht die Abschaffung, sondern eine radikale Reform im Sinne von Ausschlachten. ("Richtiges" wie DLF bewahren, Privatradio-Kopie "N-Joy" abschaffen.)
Mir leuchtet ja der Sinn von inhaltsreichen Programmen wie WDR 2 ein, auch wenn ich die Nähe zu einer bestimmten politischen Richtung sehr bedauere.
Geschichten wie die um die "dicke" Pension ist deshalb so skandalös, lieber W2Freak, weil es sich nicht um ein privates "Industrie-" Unternehmen handelt, sondern um ein dem einzelnen per Zwang auferlegtes, von der Allgemeinheit finanziertes.
 
#14
Noch mal -kurz- zur Erinnerung: Daran hier stört sich die "Welt" im oben zitierten Kommentar

1980 sendeten die beiden Anstalten zusammen sieben Fernseh- und 32 Rundfunkprogramme. 23 Jahre später sind es elf TV-Programme, sechs ausschließlich digitale Zusatzprogramme, vier Gemeinschaftsprogramme (Phoenix, 3Sat, Arte, Kinderkanal), 61 (!) Radioprogramme und diverse Online-Auftritte.
Klar - da kommt dann wieder das Argument: Öffis abschaffen! So ne Verschwendung. Aber mal langsam, Leute. Zwar gibt es annähernd doppelt so viele ö.-r. Radioprogramme, wie vor 20 Jahren. Aber es gibt zum einen seitdem mehr Bundesländer und -viel entscheidender- mehr Musikstile und -richtungen. In meiner Radiojugend waren die Beatles aktueller, als es heute die meisten 80er-Titel sind, die noch dauerrotieren dürfen. Das musikindustriell rausgepumpte Repertoire ist eben um ein vielfaches gewachsen. Wenn denn ö.-r. Sender von allen bezahlt werden, dann sollen sie auch für alle senden. Dann gibt's eben ne Oldiewelle, Info, Kultur/Klassik, Mainstream, Jugendmucke - es werden automatisch mehr Sender. Was ist daran schlimm? Ich zahle die GEZ und -jetzt mach ich mal richtig beliebt -: ich tu's noch gerne. Hand auf's Herz: Wessen Honorar hier im Forum ist so übel, dass die paar Euro nicht auch noch drin sind? Wen von uns würde ein Euro fuffzuig mehr umbringen? Das Geld sind mir hr XXL, SWR3, Kika und arte aber hallo wert! Alle niveauvoller, als die privaten Alternativen. Ich kann mir nicht ausschließlich kleinsten gemeinsamen Nenner antun.
 
#15
Laune,

Du willst uns doch nicht erzählen, die ARD hätte das ehrenwerte Ziel, für jede Musikrichtung und jeden Geschmack ein eigenes Programm zu veranstalten? Zum einen gibt es dafür nicht genug Frequenzen (nichtmal für die ARD :D ), zum anderen wäre das finanziell überhaupt nicht machbar.

Was die Musik angeht, stürzt sich die ARD zunehmend auf die Quote versprechenden Formate. Alles was da nicht reinpasst, wird in den Kultur-Mülleimer ausgelagert. Der hr leistet sich zum Ausgleich dafür noch einen eigenen Klassik-Dudler.

Selbst Musikrichtungen, die noch halbwegs populär sind, bleiben bei der ARD zunehmend auf der Strecke. Ich nenne da mal Jazz, Schlager, Modern/Alternative Rock und Techno als Beispiele. In den Sendegebieten, in denen ich mich auskenne (hr, mdr, SWR) steht die Präsenz dieser Musikrichtungen in keiner Relation zu ihrer Popularität. Die Jugendwellen der ARD z.B. dudeln das was, derzeit in ist, also R&B und Hiphop, der Rest wird weitgehend ignoeriert. Spezialsendungen wie z.B. auf XXL oder hr3, erfahren über die Jahre hinweg wundersame Verschlankungen von 2 auf eine Stunde, sowie ebenso wundersame Wanderungen von 21 auf 23 Uhr Startzeit.

Mein Fazit: Die Kanäle mehren sich zwar, die musikalische Vielfalt nimmt jedoch ab bei der ARD.
 
#16
Die ARD sind weder abzuschaffen noch reformfreudig. Wenn man ganz realistisch ist, sollte man mit aller Kraft das Gute verteidigen, was es dort noch gibt. Schleppen wir sie halt durch, die Sesselfurzer. Wenn es eine Hauptabteilung Unterhaltendes Wort braucht, um eine Welle wie WDR 5 hinzulegen, dann bitteschön.

Die Grundversorgung ist politisch nicht aus dem Auftrag für die örAs wegzubekommen. Bis auf die FDP wird sich dafür real keine Partei interessieren. Und so lange diese Grundversorgung da Schwarz auf Weiß steht, kann auch JUMP gerechtfertigt werden.

Allerdings: Wenn ich mir so andere Länder wie zum Beispiel Italien anschaue, dann ist es besser wenn die ARD nicht angetastet wird. In Italien, wo die Berlusconi-Getreuen auch die RAI übernommen hat, wird der staatliche Sender systematisch ausgeblutet, inhaltlich wie finanziell. Kritisch engagierte Journalisten bekommen einen Maulkorb, und ich wette mal, dass Sendungen, die gute Quoten erreichen würden, nicht mehr in der RAI konzeptioniert werden können, damit die Mediaset-Sender von Berlusconi nicht beschädigt werden.

So etwas kann auch hier passieren, wenn man mit dem Brecheisen an die ARD herangehen würde. Diese Gelegenheit würden so manchen wohl reizen. Dafür sollte man schon bereit sein, die ganzen Nachteile in Kauf zu nehmen, inklusive der Tatsache, dass sich private Unternehmen im Bereich des Rundfunks einer massiv aus öffentlichen Geldern subventionierten Institution ausgesetzt sehen, die einen großen Teil des Marktes auffrisst.

Der Preis für einen massiven Eingriff in das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre wohl auch das Ende der qualitativen Elemente.

Deutlich zu sehen ist dies übrigens bei dem TV-Sender Arte. 1993 als Gemeinschaftsunternehmen zwischen Frankreich und Deutschland, genauer gesagt zwischen Mitterand und Kohl ausgehandelt, sendet es mit extrem hohen Anspruch und ebenso extrem niedriger Quote. Und ich behaupte mal, das gute Image hat der Sender nur, weil ihn so wenige sehen. Arte ist in weiten Teilen seines Programms schlicht banal und uninteressant und geht brennenden Problemen und interessanten Themen konsequent aus dem Weg. Im Großen und Ganzen ist der Sender nutzlos und könnte ersatzlos gestrichen werden, ohne das dadurch ein größerer Schaden in der Rundfunklandschaft entstehen würde.

So etwas kommt dabei heraus, wenn sich Politiker einen quasi idealen öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen. Mitterand war Sozialist und Staatsgläubig, Kohl war Konservativer und glaubte an die Macht des Geldes, und beide steckten ihre Köpfe zusammen und schickten ihre Getreuen los und heraus kam ein großer Haufen Nichts.

Daher hoffe ich eher auf eine Einsicht der Verantwortlichen bei der ARD. Beim WDR und BR scheint dies besser zu funktionieren als beim MDR. Beim HR wird gerade fleißig abgebaut, besonders gut bei HR 1 hörbar. Auch hier wird eine Anstalt auf politischen Druck hin umgemodelt. Das Problem ist wohl hier eher nicht, dass Koch den HR von Rot auf Schwarz umfärben will, sondern dass Koch in erster Linie einen braven und harmlosen Sender haben will -- noch braver und harmloser, als die ARD ohnehin schon ist.

Der frühere SWF und jetzige SWR ist hierfür ein sehr gutes Beispiel, der MDR sowieso, der NDR und neuerdings der HR auf dem besten Weg dorthin. Bleiben noch der WDR, BR, der RBB als unsicherer Kandidat, sowie Radio Bremen und der SR. Radio Bremen ist traditionell äußerst frech und kritisch orientiert, hoffentlich können sie das beibehalten. Der SR macht auf mich eher einen farblosen Eindruck, also auch eher harmlos, dazu winzig klein und damit uninteressant.

Das duale System in Deutschland soll Teil der demokratischen Meinungsbildung sein. Dazu sollen sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender beitragen. Die privaten Versagen hier auf der ganzen Linie, sie denken nur ans Geschäft. Die ARD versteckt sich hinter ihrem Grundversorgungsauftrag, um gegen die kommerziellen zu feuern. Qualität ist hier nur noch insulär zu finden. Dennoch, aus oben beschriebenen Gründen: Hände weg von der ARD.
 
#17
Radio Bremen ist traditionell äußerst frech und kritisch orientiert, hoffentlich können sie das beibehalten.
Sorry, ich kenne Radio Bremen nicht, aber schon aus finanzieller Sicht gehört der Sender schnellstens abgeschafft. Es kann doch wohl nicht sein, daß Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, nicht eben arm an Bevölkerung, mit einem gemeinsamen Sender auskommen und im Falle des NDR sich gleich vier Bundesländer einen Sender teilen, während das kleinste Bundesland sich eine eigene Landesrundfukanstalt leistet. Völliger Irrsinn, das!

RB sollte in den NDR eingegliedert werden, wobei bewährte Konzepte dort durchaus einfließen können (ich las hier, glaube ich, daß die RB-Kulturwelle ziemlich gut sein soll). Ansonsten sind die Bremer eh schon von den NDR-Wellen umzingelt und brauchen nun wirklich keine eigene Anstalt. Allein die Existenz dieses Senders ist ein Hohn gegenüber den Gebührenzahlern!
 
#19
''Das duale System in Deutschland soll Teil der demokratischen Meinungsbildung sein. Dazu sollen sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender beitragen. Die privaten Versagen hier auf der ganzen Linie, sie denken nur ans Geschäft. Die ARD versteckt sich hinter ihrem Grundversorgungsauftrag, um gegen die kommerziellen zu feuern. Qualität ist hier nur noch insulär zu finden. Dennoch, aus oben beschriebenen Gründen: Hände weg von der ARD.''

alqazar,

Du schreibst doch selbst, dass eigentlich keine Rechtfertigung mehr besteht, NICHT Hand an die ARD zu legen. Wofür willst Du sie noch schützen?

Vior 5 Jahren hätte ich Dir noch zugestimmt, inzwischen nicht mehr. Ich höre zwar tendenziell immer noch mehr ARD-Radio, aber die offensive Verblödung mit Zwangsgebühren baut in mir inzwischen doch einige Aversionen auf. Ich sehe keinen Grund mehr, diesen Moloch zu schützen. Und selbst wenn es dann nur noch privaten Doofenfunk gäbe (was ich nicht glaube), gut informieren kann man sich auch anders als über's Radio.
 
#20
alqaszar: Die privaten Versagen hier auf der ganzen Linie, sie denken nur ans Geschäft.
Was sollen sie denn sonst tun? Sie haben nur einzig und allein die Aufgabe, ans Geschäft zu denken - also im Sinne der Allgemeinheit möglichst viel Steuern zu bezahlen. Versagen würden sie nur, wenn sie nicht ans Geschäft dächten. Das Problem liegt doch darin, dass die ÖR ihnen massiv Konkurrenz zu machen versuchen und dabei eben von den Gebühren subventioniert werden. Der Bürger muss ständig höhere Gebühren zahlen, die wiederum dafür genutzt werden, den Gewinn der Privaten zu schmälern und somit das Steueraufkommen zu reduzieren. Das ist für mich die eigentliche Crux: Der Bürger zahlt am Ende doppelt. Rundfunkgebühren sind richtig und wichtig, öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wichtig. Aber der Missbrauch der Pflichtabgaben ist nicht nur gesamtwirtschaftlich schwachsinnig, sondern eben auch frustrierend für den Zahler. Berlin-Brandenburg zeigt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Der RBB bietet zumindest im Hörfunk ein Progamm an, das die Privaten nicht machen wollen. Und dennoch werden die Sender gehört - und das nicht gerade von wenigen Menschen.
 
#21
Groteske Situation

Hallo in die Runde!

Habe mal wieder ein Zitat gefunden. Zwei veritable Professoren haben da die Kritik an den Öfre’s zusammengefasst, um später zu resümieren: Kein Verstoß gegen den Grundversorgungsauftrag, kein Verstoß gegen den Programmauftrag, keine Unvereinbarkeit mit dem Integrationsauftrag, keine umfassende Programmkonvergenz, keine Unvereinbarkeit mit den Grundsätzen der Rundfunkfinanzierung, kein Verbot der Frequenzzuweisung, keine Unvereinbarkeit der Frequenzzuweisung. Sie erteilen der ARD also ein umfassendes Plazet.
Möge es erhellend wirken (man beachte besonders die strategisch gesetzten Gänsefüßchen), mich hat es eher amüsiert nachzuschauen, in welcher Reihe diese Studie erschienen ist: Beiträge zum Rundfunkrecht. Und ganz klein: herausgegeben im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland

Gruß postit



Kritik an der Programmstrategie der ARD-Anstalten

Die Programmstrategie, mit der die ARD-Anstalten auf die Veränderungen der Rundfunklandschaft (und der Gesellschaft) zu reagieren versuchen, ist nun seit geraumer Zeit scharfer Kritik ausgesetzt, und zwar einer Kritik, die eher auf rundfunkrechtlicher als auf rundfunkpolitischer Ebene geführt wird. Die Diskussion hat zwar auch rundfunkpolitische Komponenten, etwa wenn der ARD vorgeworfen wird, sie betreibe durch die Entwicklung immer neuer Zielgruppenformate eine „Selbstkommerzialisierung“ unterhalb der programmlichen Anforderungen, eine „uferlose Programmausweitung“ bzw. „gebührenfinanzierte Marktverdrängungsstrategie“. Dieser politische Vorwurf kulminiert jedoch in dem inzwischen mehrfach erhobenen juristischen Vorwurf, daß die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich von ihren eigentlichen gesetzlichen Programmbindungen befreit hätten, während die kommerziellen Radios immer häufiger die Grundversorgungsfunktion der öffentlich-rechtlichen Veranstalter übernehmen müßten bzw. bereits übernommen hätten. Letztlich laufe die Programmpolitik der ARD also auf eine „groteske Situation“ hinaus: Während die kommerziellen Radios versuchen müßten, möglichst viele Zielgruppen zu erreichen und damit integrativ wirkten, fördere die ARD-Politik die mediale Zersplitterung der Gesellschaft. „Viele öffentlich-rechtliche Veranstalter“, heißt es dazu in einer neueren Untersuchung zu Formatradio [damit ist Goldhammer gemeint], „sind mit vier oder fünf landesweiten UKW-Senderketten ausgestattet und betreiben innerhalb ihrer Wellen eine klare Segmentierung der inhaltlichen Angebote. Dagegen sind die Privatsender, wegen des bisher bestehenden Zwanges, massenattraktive Programme auf einer einzigen Senderkette zu produzieren, oftmals in die Position des ‚Grundversorgers‘ gerückt. Die noch immer knappen Frequenz-Ressourcen bringen so nicht nur eine inhaltliche Konvergenz der Programme, sondern tendenziell eine Umkehrung der rechtlich vorgesehenen Situation: Die Privatsender produzieren ein breit angelegtes Radioprogramm, das von möglichst vielen Zuhörern eingeschaltet werden soll, mithin eine Art ‚Grundversorgung‘ übernimmt, wohingegen die öffentlich-rechtlichen immer stärker ihre Programme differenzieren, dafür aber - wie zum Beispiel in Berlin - von immer weniger Menschen gehört werden.“

(Bernd Holznagel und Thomas Vesting: Sparten- und Zielgruppenprogramme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere im Hörfunk. Baden-Baden 1999, S. 37f.)
 
#23
Und hier der neueste Beitrag von Herrn Beck ("Die Welt" von heute):
Beck: Sportkanal wird kommen

Für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) steht der Start eines eigenen Sportkanals bei den Öffentlich-Rechtlichen bevor. "Wir werden in einigen Jahren Erfolg haben. Bis dahin müssen die dritten Programme der ARD diese Lücke so gut wie möglich füllen", sagte Beck. "Es geht um die Existenz der kleinen Sportarten."
Klar geht es um deren Existenz, nachdem ARD und ZDF unter Sport nur noch Fußball und Boxen verstehen. Das ist dieselbe verlogene Taktik, wie beim Kinderkanal: Zuerst wurden die Kindersendungen am Nachmittag gestrichen, um dann zu lamntieren, man brauche einen Kinderkanal, damit die Kleinen "nicht mit dem Programm der Privaten alleingelassen" würden.

Im übrigen würde mich interessieren, wen Beck eigentlich meint, wenn er sagt, "WIR werden in einigen Jahren Erfolg haben". Habe ich da was verpaßt, ist er noch Ministerpräsident oder doch, so scheint es ja, bereits ARD-Vorsitzender?
 
#24
Kurt Beck fühlt sich doch seit eh und je als Gönner und Schirmherr der ÖRAs. Die Entwicklung ist doch folgerichtig: Mit "KIKA" hat man ja damals auch "Nickelodeon" kleingekriegt, ein (natürlich werbefreier) "Sportkanal" macht dann "Eurosport" oder "DSF" den Garaus, zumindest in einigen Kabelnetzen. Fehlt noch ein "Magazinkanal", dann kann man auf den frei gewordenen Plätzen von "Monitor" &Co. endlich vernünftige Doku-Soaps oder B-Movies plazieren.
 
#25
Original geschrieben von berlinreporter
Faszinierend, wie man den Begriff "Grundversorgung" vergewaltigen kann - und das auch noch wahrscheinlich für ein Honorar, dass wiederum letztlich vom Gebührenzahler getragen wurde:mad:
Jaja, da hast du schon recht. Gutachten werden häufig im Sinne des Auftraggebers erstellt. Die Wissenschaft ist auch lange nicht mehr so unabhängig wie sie mal war (oder vorgab zu sein). Deshalb ist es wichtig, immer sehr quellenkritisch vorzugehen. Es gibt drei Arten von Hörfunkforschung:

1.) Studien der Sender, die aber aus Wettbewerbsgründen zumeist nicht veröffentlicht werden.
2.) Auftragsstudien (zu denen übrigens auch die MA und der Löwenanteil der Progammforschung der LMAs zählen).
3.) Studien der akademischen Hörfunkforschung.

Unabhängige, akademische Forschungsprojekte sind allerdings sehr rar gesät, da das Medium Fernsehen in der Medienforschung im Vordergrund steht und allgemein die Finanzmittel knapp bemessen sind (das wird immer schlimmer). Das führt auch zur verstärkten Auftragsforschung, die mit inhaltlichen Einschränkungen und Abhängigkeiten einhergeht. Aber das öffentliche Ansehen akademischer Forschung ist immer noch sehr hoch. Damit kann man Lobbyarbeit leisten.

Ich stelle allerdings im Moment fest, dass einem ziemlich viel Mißtrauen entgegenschlägt, wenn man UNABHÄNGIG forschen möchte. Schade, dass jemandem, der sich um größtmögliche Objektivität und methodische Korrektheit bemüht, Steine in den Weg gelegt werden.

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben (noch) das Geld, Projekte zu vergeben. Ein privater Sender kann das alleine nicht leisten. Wie wäre es mit einem Zusammenschluss, der Medienforschung unterstützt? Bei der MA geht das doch auch. Ich denke, dass privates Radio an seinem Image arbeiten muss. Diese Öffentlichkeitsarbeit kann wertvoll in Bezug auf Seriosität, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz sein und privates Radio ein wenig aus der (bitte verzeiht mir!) Schmuddelecke holen.

Gruß postit
 
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