Schlampig gemachtes Radio


#1
„Das versendet sich.“ Ist zwar ein sehr schöner Satz, wenn im Radiostudio mal was daneben geht, er ist aber keine Entschuldigung, wenn von vornherein die Grundhaltung herrscht, dass doch eh alles egal ist.
Dass der Dudelfunk nur noch heruntergerotzt wird, weil die Musik sowieso immer die gleiche ist, die Zwischenansagen inzwischen auch, ist wohl der Lauf der Zeit.
Dass in der Infowelle nicht mehr auf den guten Ton geachtet wird und mit Headsets, die sich durch falschen Gebrauch deutlich und sehr unangenehm hörbar machen, statt mit richtigen Mikrofonen gearbeiten werden muss, ist dann schon sehr viel weniger zu entschuldigen.

Aber auch im Hörspielstudio scheint man sich schon zu denken, dass einfach alles egal ist und man an bestimmten Stellen schon keinen Unterschied hören wird. Weit gefehlt! In der angehängten Szene ist deutlich zu hören, dass statt dem Schlag ins Gesicht, um den es sich handeln soll, einfach nur jemand in die Hände geklatscht hat.

Und bevor auch hier der erste Kommentar dazu lautet: „Ist doch egal.“
Da sind ausgebildete Schauspieler am Werk, die es berufsmäßig gewohnt sind, dass ihnen bei Aufführungen am Theater bei entsprechenden Szenen wochenlang allabendlich richtig ins Gesicht geschlagen wird. Da wird man das im Studio für die einmalige Aufnahme doch wohl auch hinbekommen. (Und wenn nicht, sollte man wenigstens ein entsprechendes und glaubwürdiges Geräusch aus dem Archiv zaubern können.)
 

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#4
Ich habe mal auf einem "Teamfindungsseminar" einer aufstrebenden Kraft, die sich selbst als "Manager" begriff, gesagt: "Sogar an die Nachrichten muss man mit Emotion rangehen, sonst ist man fehl am Platz!". In seiner Managerhaftigkeit hat er überhaupt nicht gerafft, was ich meinte - nämlich nicht das betroffene Säuseln bei Todesmeldungen, das Happy-Go-Lucky-Gegrinse bei Lotto-Jackpot-Nachrichten - sondern die LIEBE ZUM RADIO, die ACHTUNG VOR DEN HÖRERN und das permantente FEILEN an der QUALITÄT DES PRODUKTS. Das ist für mich grundlegend für die Arbeit im Radio. Als ich merkte, dass er "begriffsstutzte", wusste ich, dass meine Zeit endgültig vorüber ist... Insofern, Mannis Fan, Du hast (mal wieder) Recht! Is doch egal...
 
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#5
Ach, bei euch auch... ich kenne das aus der Industrie, teils in obskurer Ausprägung. Wurde als Maßnahme dann verordnet, wenn das Management einen funktionierenden Laden ruiniert hatte und die Mitarbeiter offen verweigerten. Wie man sowas schafft? Beispielsweise dadurch, daß man in einem schnell wachsenden Unternehmen die Schichtleiter, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet hatten und alles von der Pike auf kannten, durch per Assessmentcenter gecastete, fach- und firmenfremde Schichtleiter ersetzte, weil die nunmal gemäß der lemminghaft zu befolgenden Glaubensanweisung Nr. 08/15-4711 aufgrund des Assessment-Centers die besseren Schichtleiter sein müssen.

Ergebnis: die Arbeiter haben den neuen Schichtleiten den Gehorsam verweigert und folgten weiterhin den nun degradierten einstigen Schichtleitern. Dann begannen die Veranstaltungen, die wir (im unteren und mittleren Management) spöttisch "Menschwerdungsseminare" nannten.

Als die Firma - auch branchenüblich - 3 Jahre später zur Hölle fuhr, durfte die gleiche HR-Bude (nein, nicht Hässlicher Rundfunk, sondern Human Ressources), die einst die Retorten-Schichtleiter gecastet hatte, nun die Europäischer-Sozialfonds-finanzierte Bespaßung der abzuwickelnden Hundertschaften übernehmen. Selbst einfachste Schichtarbeiter sind abe rnicht blöde. Die konnten sich sehr genau erinnern, was diese Bude einst verbockt hatte - es wurde teils sehr unterhaltsam und amüsant laut.

wusste ich, dass meine Zeit endgültig vorüber ist
Willkommen im Club! Ich bin zwar noch nicht so alt, als daß ich im Fauchschaben-Keller in Formalin eingelegt ins Regal gehörte, aber diese Erkenntnis scheint altersunabhängig zu sein. Ich lernte und lerne, seitdem ich dafür sensibilisiert bin, zunehmend mehr Menschen jeglichen Alters kennen, die keinerlei Ambitionen mehr haben, sich in diesen kranken Zirkus der Powerpoint-Lemminge und Bilanz-Fetischisten, der seelenlosen Job-Zombies und innerlich Gekündigten einzugliedern. Manche haben ihren Frieden mit Hartz 4 gefunden und es ist ihnen scheißegal, was noch kommen möge (kenne ich z.B. von Schauspielern, Kunst-Studierten etc.), andere sind noch ratlos und auf der Suche nach einer sinnvollen und dennoch ausreichend bezahlten Beschäftigung (kenne ich von promovierten Biologen, gleich mehrere), andere haben ihren gesamten vorherigen Bildungsweg abgehakt und vernichtet und wollen es als Biobauer versuchen (worauf auch niemand wartet, schon gar nicht mit Gehalt).

Das ganze System, die ganze Gesellschaft ist krank. Leidenschaft für den Job wird sogar als "unprofessionell" verfolgt und bestraft ("diszipliniert"), solange, bis die Mitarbeiter auch "egal" sagen und nur noch "egal" handeln.

So ist der Rundfunk also auch hier wieder nur Spiegel der Gesellschaft.
 
#6
...nicht das betroffene Säuseln bei Todesmeldungen, das Happy-Go-Lucky-Gegrinse bei Lotto-Jackpot-Nachrichten - sondern die LIEBE ZUM RADIO, die ACHTUNG VOR DEN HÖRERN und das permantente FEILEN an der QUALITÄT DES PRODUKTS. Das ist für mich grundlegend für die Arbeit im Radio.
Zu einem Teil kann man selbst in der Redaktion dazu beitragen und dieses Feilen an der Qualität des Produkts vorleben, in der Art, seine eigene Arbeit ständig zu reflektieren oder im Umgang mit Kollegen und dem Feedback, das man ihnen gibt.
 
#7
Zu einem Teil kann man selbst in der Redaktion dazu beitragen und dieses Feilen an der Qualität des Produkts vorleben
Diese Art Idealismus kann man aber im Arbeitsalltag nicht lange aurfrecht halten. Es ist ja nicht so, dass die Zeit, die nicht mehr für das Füllen des Programms mit Inhalten benötigt wird, nun zur freien Verfügung stünde. Statt dessen müssen Computerprogramme und Facebookseiten während der Sendung mit Blitzermeldungen gefüllt werden, Hörer offAir bespaßt werden, Mails an den Nachrichtenzulieferer geschrieben werden, dass sie gerade Unsinn erzählen und die Nachricht doch bitte richtigstellen, die Sendeautomation gepflegt werden, Gewinnspielformulare ausgefüllt werden, Promobeiträge geplant werden und die Senderstrategie in jedem Break (ein wiederlicher Begriff) rübergebracht werden und und und. Und selbst wenn man das Glück hat einen im Vergleich dazu fast entspannten Redakteursposten innezuhaben, wird man für zu gründliches Feilen an Formilierungen betsenfalls milde belächelt, schlechestenfalls als übertriebener Idealist und Unruhestifter angesehen, wird womöglich gar als inkompetent betrachtet, weil man einen Beitrag nicht auf Kosten des Inhalts mal eben so in 30 Minuten hinrotzen will.
Belohnt wird das Engagement keinesfalls. Gegen die Selbstdarsteller und Karrieristen ist man mit Bescheidenheit und selbstkritischem Verbesserugswillen aufgeschmissen.
 
#8
Ah ja, das stimmt. Das ist ein ein bedauerliches Schicksal. Ich hab immer Nachrichten gemacht, da hatte ich mit Gewinnspielformularen und Promoplanung zum Glück weniger zu tun.
 
#15
Ja. :D

Dann bleibts bei knapp. Andernfalls will das Rätsel gelöst werden. Mit dem Nachsatz komme ich auf das Jahr 1955 oder früher für das Teamfindungsseminar. 1955 passt aber wiederum gar nicht zum Alter, auf das ich Onkel Otto - anhand seines Portraits - schätze. :confused:
 
#18
Entschuldigung, wenn es etwas ausfallend wird, aber ich ärgere mich nun schon seit Wochen.
Was ist das bitte für eine ... [weibliches Schimpfwort einfügen] ..., die bei SWR2 ständig am Ende der Lesung während die Sendung in den letzten Zügen liegt, das Mikrofon viel zu früh aufmacht und dann gut hörbar im Studio rumort und gelegentlich auch schon mal genüsslich ins Mikrofon schmatzt, während eigentlich noch von jemand anderem der Text vorgetragen wird?
Kann man den Leuten dort bitte mal beibringen, dass man so eine Sendung auch mal zwei Sekunden ausklingen lassen kann und nicht alles wie bei einer Popwelle bündig aneinandergefahren werden muss? Danke.
 
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#19
Hauptsache die MA-Zahlen stimmen. Scheiß auf das Programm. Hat mir mal die Malak gesagt.
Genau das ist der absolut falsche Weg. Ein Programm muss mit Liebe zum Detail gemacht sein. Es muss authentisch und von Hochwertiger Qualität sein (auch in der Klangqualität über DAB+)

Ich versteh absolut die Grundeinstellung dieser Leute nicht die sowas behaupten.

Dann macht doch was anderes wenn ihr beim Radio angeblich nix könnt. Vielleicht hat die Presse nebenan ja noch ne Stelle frei.( 《《《 An die Dudelfunker, MA-Leute und an diese völlig verpönte und geldgeile REGIOCAST)
 
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#20
@Musikminister immerhin wissen die, das es den Sender gibt :thumbsup:
Es wir noch besser: mittlerweile scheint die "Morningshow" (DAS!!!!1111EINSELF Zugpferd) nur noch aus Voicetracking zu bestehen. Wäre es gut gerne aber es ist schlecht. Fällt mir beim gelegentlichen "Mal hören wer da überhaupt Werbung schaltet"-Hören auf. Hätte die NLM Ahnung von dem was sie da tun wäre der Sender vmtl schon lange off air...
 
#21
Leider muss ich nochmal auf #18 zurückkommen. Von wegen "die lesen hier alle mit". Es hat sich leider nichts geändert.
Nach wie vor schmatzt die entsprechende Dame lustig vor sich hin, während die letzten Sätze des Audios laufen. Kann die mal bitte jemand aus dem Studio entfernen?

Die männlichen Kollegen schaffen es hingegen allesamt, das Mikro erst aufzumachen, wenn die Anzeige der Software auf 00:00,0 geschnurrt ist. Vielen Dank dafür.
 
#24
@OnkelOtto : Es ist mir selbst unangenehm, dass ich die Unterscheidung auf diese Art beschreiben muss, aber ich kenne die Namen der dort arbeitenden Personen nicht und würde sie hier auch nicht nennen wollen, um das Shaming nicht zu persönlich zu machen.
Aber es ist schon auffallend, dass bei den dort regelmäßig zu hörenden Ansager(innen) bei den Damen immer das Mikrofon sehr deutlich rauscht, bei den Männern hingegen nicht. Keine Ahnung, mit welchen Mitteln, die da arbeiten, dass das zustande kommt.

Und zur betreffenden Dame: Vor zwei Wochen habe ich die Aufnahmen einer Lesung aus dem Jahr 2016 gehört. Da hat sie es sogar geschafft, sich laut zu räuspern, während die Lesung noch lief. Sie hat dann das Mikrofon vor Schreck wieder zugezogen und auch erst sehr viel später wieder aufzumachen. Seltsamerweise rauscht das Mikro bei ihr sehr viel stärker als bei allen anderen Sprechern und man hört überdeutlich, wann es auf und zu geht.
 
#25
Die Menschen in den Sendern und Senderinnen denken (und hier endet jegliche Ironie) eben schon lange nicht mehr in der klanglichen Qualität des Gesamtprogramms. Keiner fragt sich mehr "Wie klingt mein Produkt" draußen, beim Hörer. Binnensicht. Diese kleinen Dinge, die Du benennst, Grasdackel, die sind es, die mir grüne Punkte auf meine Radioseele ätzen. Und jene Reglermalträtiererin hat wahrscheinlich nicht mal ein schlechtes Gewissen, in die letzten Töne der Lesung reingepoltert zu sein. Hauptsache kein Sendeloch. Kleine Pause zum Nachdenken über das Gehörte? Einen solchen Horizont darfst Du bei den meisten heutigen Pult-Heroen wirklich nicht mehr erwarten. Und, andererseits, wahrscheinlich bist Du einer der Wenigen, denen eine solche Schluderei überhaupt auffällt...
 
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