SDTV-Abschaltung der ARD über Satellit beginnt noch 2020


s.matze

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Verschiedene Portale haben in dieser Woche angekündigt, dass die ARD zum Jahresende oder noch davor damit anfangen will, die Parallelabstrahlung von SD und HD Fernsehen auf Satellit (Astra) zu gunsten hochauflösendem TV einzustellen. Noch nicht ganz klar ist der genaue Zeitplan und auch die Anzahl der Programme die ohne HD als erstes dunkel wird ist in den Artikeln widersprüchlich. Mal ist von allen die Rede, dann wieder nur von den Gemeinschaftsprogrammen (aber ohne Arte). Die Zukunft der über 50 Radiosender ist aktuell völlig ungewiss. Anhand der Transponderbelegung kann man nicht zweifelsfrei darauf schließen, welche Sender gehen und welche evtl. vorerst noch bleiben oder ob es Umbelegungen gibt, damit einzelne Transponder komplett eingespart werden können. Die Vorlaufsfrist ist daher sehr gering, ohne dass man konkrete Angaben macht. Wenn es dumm läuft, kocht jede Länderanstalt ihr eigenes Süppchen mit eigenen Abschaltterminen ihrer Dritten. Hat die KeF eigentlich schon zugestimmt oder könnte die mit einem Veto die Deadline noch hinauszögern oder sogar ganz kippen? Der MDR wird sicher länger bleiben, dafür haben die zuviele ältere Zuschauer aus ganz Deutschland, die das Programm dann nicht mehr empfangen könnten.

Mich würden mal aktuelle Zahlen (Stand Dezember 2019 oder Januar 2020) interessieren über die Verbreitung von SD -Empfangsgeräten (Sat oder Kombituner in TV Geräten + reine SD Satreceiver nur FTA und mit CI Slot) gegenüber HD Sat / DVB-S 2 Receivern. Kennt da jemand gute Daten? Ich finde da nur sehr grobe Daten zur Nutzung der verschiedenen Empfangswege.
Ich glaube nämlich nicht, dass es nur noch ein paar Tausend Haushalte sind, wie es von Seiten der ARD immer wieder dargestellt wird. Das dürten schon noch rund 2 bis 6 Millionen Bundesbürger sein oder liege ich da falsch? Beim analogen Kabel hatte ich zum Schluss etwas von 1,5 Millionen Nutzern gelesen. Und dann wird es für etliche Zuschauer die Sat als Primärquelle anzapfen eine böse Überraschung geben.

Im Übrigen ist das eine ziemlich verquere Denkweise von den Verantwortlichen wenn die glauben, die Leute kaufen sich auf Zuruf schon wieder neue Receiver:
1.5. 2012 - Astra-Analogabschaltung
2014/2015 - Ende des Mittelwellenrundfunks in D
29.3.2017 - DVB-T alt Abschaltung
31.3.2017 - Hotbird Abschaltung DasErste
31.12.2017 - Hotbird Abschaltung ZDF
Juli 2018 ... März 2019 - Kabel Analogabschaltung
2020 - Astra-SDTV Abschaltung???

Alle paar Jahre wandern Millionen Geräte auf den Müll. Den aktuellen Tatort und die Tagesschau gibt es auch in der Mediathek.

Spannend wird ja vor allem wie die abnehmenden Kabelanbieter darauf reagieren, falls die ARD-Radios über Satellit ersatzlos verschwinden sollten.

Das Argument für die Abschaltung, angeblicher Kostendruck, ist weit hergeholt wenn man sich zeitgleich weiterhin zum Luxus-Milliardengrab Saarländischer Rundfunk und zu Radio Bremen mit seinen 4 Popmusikwellen bekennt, von denen ein paar Zehntausend Menschen profitieren, dafür aber auf wichtige Sport-Ereignisse für ein Millionenpublikum verzichten will. Die Gebühren bleiben natürlich trotz angeblicher Einsparungen gleich oder werden nach 2021 trotzdem erhöht.

Vielmehr macht sich die ARD zur Geißel der Industrie. Leider kommen solche Aktionen zu spät für die heimischen Gerätehersteller wie Loewe oder Metz. Davon profitieren ausschließlich die Billighersteller aus Fernost wie Samsung und Co.

Klar ist: Irgendwann muss man umschalten. Aber dann sollte das rechtzeitig, mit genügend Vorlauf und einem exakten Zeitplan kommuniziert werden.

Was steckt also wirklich dahinter dass man nun plötzlich Hals-über-Kopf soviele, vor allem ältere, Beitragszahler vom Programm ausschließen möchte? Das Programm im Ersten und vor allem in den Dritten wird dadurch natürlich auch nicht besser.
 
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freiwild

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1.5. 2012 - Astra-Analogabschaltung
29.3.2017 - DVB-T alt Abschaltung
31.3.2017 - Hotbird Abschaltung DasErste
31.12.2017 - Hotbird Abschaltung ZDF
Juli 2018 ... März 2019 - Kabel Analogabschaltung
2020 - Astra-SDTV Abschaltung???

Naja, da war ja schon jedesmal eine andere Klientel betroffen.

Noch nicht ganz klar ist der genaue Zeitplan und auch die Anzahl der Programme die ohne HD als erstes dunkel wird ist in den Artikeln widersprüchlich. Mal ist von allen die Rede, dann wieder nur von den Gemeinschaftsprogrammen (aber ohne Arte).

Gestern war ARD-Intendantenkonferenz, und dort wurde die Abschaltung der vier ARD-Gemeinschaftsprogramme (Das Erste, one, tagesschau24, alpha) beschlossen. Für den Rest gilt dieser Beschluss formal nicht, aber es ist kaum anzunehmen, dass der Rest danach in SD weitersendet. Ich gehe mal davon aus, dass alle SD-Programme (also auch die vom ZDF) zum Jahreswechsel abgeschaltet werden. Die einzige Ausnahme, die ich mir vorstellen könnte, ist die der WDR-Lokalzeiten, die, wenn ich richtig informiert bin, bis heute nur in SD auf Sat senden.

Die Zukunft der über 50 Radiosender ist aktuell völlig ungewiss.
Das ist in der Tat die spannendste Frage in der Rechnung. Wegfall des Radiotransponders, weil ja eh alle inzwischen eine Livestream haben? Ich hoffe nicht.
 

s.matze

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Naja, da war ja schon jedesmal eine andere Klientel betroffen.

Nö. Hauptgerät, Küche und Kinderzimmer in SD auf Astra 19,2 Grad Ost - Zweitgerät im 1. Stock und Drittgerät im Hobbykeller auf Hotbird 13 wegen der Musik- und Pornosender, Gartenhaus und Wochenendhaus auf DVB-T alt, Mittelwellenradio im Bienenschuppen, Bastelwerkstatt (wegen Stahlbeton) und auf dem Boot, analoges Kabel bei der Geliebten und in der vermieteten Eigentumswohnung in der 12 km entfernten Stadt... da kommt einiges zusammen an Kosten und Elektroschrott in den letzten 5-8 JAhren. Und die Lebenswirklichkeit der Deutschen sieht auch in Zeiten des TV-Sterbens so aus dass die wenigstens nur ein oder zwei Geräte haben.
 
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Radiokult

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Also ich kenne inzwischen niemanden mehr der noch analog schaut, da das rein technisch (theoretisch) gar nicht mehr möglich ist. Bekanntlich haben zumindest die großen Kabelanbieter ihre analogen Ausstrahlungen zum Jahresende 2019 eingestellt.
Was die SD-Verbreitung angeht, so wird da schon seit letzten Sommer über eine Abschaltung spekuliert. Ich persönlich finde sie nicht verkehrt, denn diese Doppel-Ausstrahlung kostet zum einen nur unnötig Gebührengeld und zum anderen dürfte die Zahl der SD-Zuschauer tatsächlich überschaubar sein. Heutige TV-Geräte haben in der Regel Triple-Tuner für alle drei Empfangsarten, sprich Kabel, Sat und DVB-T. Und natürlich können die auch alle HD bzw. inzwischen auch schon 4K. Seit gefühlt mindestens 10 Jahren können ausnahmslos alle neu verkauften Flachbildfernseher HD. Insofern liegt das meistens eher am Kunden bzw. am Bediener des Gerätes und nicht an den Sendern. Ich gebe allerdings gerne zu, dass es zum Teil mittlerweile eine Wissenschaft ist, neuere TV-Geräte "einfach" zu bedienen, da das Wirrwarr von Apps und Zusatzdiensten manchen dann doch verwirren könnte. Vor allem bei den älteren Nutzern stellt das durchaus ein Problem dar.
Extra Receiver braucht im Grunde keiner mehr, ausser man will in der berühmt-berüchtigten Grauzone ein wenig hantieren. Aber selbst da ist mittlerweile kein extra Receiver mehr unbedingt nötig, denn diverse Streams verschiedenster Sender können auch (manipulierte) Amazon- oder Google-Sticks problemlos auf den Bildschirm zaubern. Und was die Kosten angeht, wenn es dann unbedingt ein Receiver sein muss, die gibts ab 20 Euro aufwärts. Eine Mega-Investition wäre das also auch nicht.
Die große Frage bleibt am Ende tatsächlich, was mit dem Radiotransponder der ARD wird. Konkrete Aussagen dazu gibt es bisher keine.
Die Privaten haben übrigens ihre SD-Ausstrahlung erst im Januar bis 2024 verlängert. Offenbar hat man Schiss vor einer massenhaften Zuschauerflucht, denn HD+ ist bekanntlich nicht unbedingt der größte Renner. Gesendet wird dabei weiter im prähistorischen mpg2. Ein Umswitchen auf das qualitativ hochwertigere H.264, sprich mp4, welches selbstverständlich auch in SD versendet werden könnte, ist nicht in Sicht.
 
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iro

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Deren Abschaltung betrifft mich dann auch, bei den Privaten (sowieso erst 2024) würde ich eine SD-Abschaltung gar nicht erst bemerken... Leider kann ich nicht einfach einen Receiver für 20€ kaufen und an den (gar nicht vorhandenen) Fernseher anschließen. Ich müsste für einen, noch nicht einmal adäquaten, Ersatz >1000€ auf den Tisch legen und hätte anschließend trotzdem weniger Komfort als bislang. Aber ein besseres Bild - welches ich überhaupt nicht benötige (aber die Augen dafür hätte ich schon gerne...). Werde ich nicht machen für die paar Stunden, die ich das TV wöchentlich nutze. So habe ich das gestern für mich beschlossen nach der Meldung.

Für Das Erste und One ist zum Jahresende bei mir dann linearer Sendeschluss für immer, ich werde mich per mediathekwebview per Download aus der mediathek versorgen. Die ländlichen Internetleitungen lassen leider kein ruckelfreies Zuschauen zu (selbst in der geringsten Qualitätsstufe), daher geht es nur vorherigem Download.

Richtig blöd finde ich an der Geschichte vor allem, daß ich dann bei "Ereignissen von Relevanz" nur noch n-tv und weltN24 in Echtzeit nutzen kann und von den ö.-r. Angeboten nicht mehr versorgt werde... (wenn tagesschau24 in der Vergangenheit da keinesfalls glänzen konnte - aber da habe ich Hoffung, daß die ARD das zukünftig besser hinbekommt als bei Notre Dame).
 

s.matze

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Laut einem heute erschienenen Beitrag in der Infosat verschwindet das deutsche Arte (mit Tonspur in Deutsch und Französisch) auch. Der eigentlich interessante Programmplatz mit dem französischen Arte (Tonspuren: 1=Französisch, 2=Originalton!) ist ja schon seit Jahren abgeschaltet und damit ist für mich Arte völlig unbedeutend geworden. Da kocht also jeder in Sachen "Wie und wann trete ich damit an die Öffentlichkeit um möglichst nicht viel Aufsehen zu erregen" sein eigenes Süppchen. Die im Bericht versprochene gemeinsame Flottenstrategie zur Kommunikation des HD-Umstiegs wird, wenn sie denn im Frühjahr 2020 anläuft und die ersten Sender im Herbst das Zeitliche segnen, reichlich spät kommen. Wenn sich das ZDF nicht raushält und weiter in SD sendet.

denn diese Doppel-Ausstrahlung kostet zum einen nur unnötig Gebührengeld

Mag sein. Aber durch das Ende der Redundanz und den kompletten Wegfall aller SD-Kapazitäten werden die Gebühren um 0,00 Euro gesenkt! Es kann doch nicht ernsthaft Menschen geben, die glauben, nach dem Ende der SD-Ausstrahlung würden die Gebühren gesenkt. Das Gegenteil wird der Fall sein, wenn man an UHD-Lösungen tüftelt. Spätestens 2021 wird man wieder nach einer Anhebung des Beitrags schreien.

Wieviel Millionen jährlich wurden denn seit der Astra-Analogabschaltung 2012 eingespart und wo ist dieser Überschuss versenkt worden? Das muss ja ein gigantischer Betrag gewesen sein, wenn man sich anschaut, wieviele analoge Transponder die ARD auf Astra (und Hotbird) angemietet hatte und wieviele es heute in SD auf DVB-S sind. Von dieser Summe wurde nich ein Cent an den Gebührenzahler durchgereicht, was die Frage aufwirft, was mit diesen Geldern geschehen ist.

Wenn die ARD unbedingt sparen will oder muss, wäre das eine gute Gelegenheit gewesen, den SR und Radio Bremen abzuschaffen und die regionalen Programmelemente in ein eigenes Fenster bei NDR und SWR einzugliedern. So ist das nicht vermittelbar, dass man einerseits ganze Haushalte in die (buchstäbliche) Röhre schauen lässt, sich aber andererseits das Prestige der früheren Besatzungszonen Bremen und Saarland weiterhin leistet.

und zum anderen dürfte die Zahl der SD-Zuschauer tatsächlich überschaubar sein.

Dazu hätte ich, wie gesagt, gerne einmal konkrete und aktuelle Zahlen gelesen. Ansonsten kann man viel schätzen und mutmaßen. Ich behaupte: Es sind etliche Millionen Stand Januar 2020.

Die Privaten haben übrigens ihre SD-Ausstrahlung erst im Januar bis 2024 verlängert.

Salopp gesagt sind RTL-Group und Pro7Sat1 auf jeden Cent angewiesen als kommerzielle Unternehmen. Würden die diesen Schritt gehen, wenn, wie du schreibst, " die Zahl der SD-Zuschauer tatsächlich überschaubar" ist???

Die Art und Weise wie schwamming und wenig konkret die ARD und ihre Partnersender damit umgehen, zeigt, dass man keinen Plan hat und sich bewusst ist, dass man damit viele Zuschauer vor den Kopf stoßen wird.

Es wird immer schwieriger, die Existenz der ARD noch zu rechtfertigen.
 
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Grasdackel

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Salopp gesagt sind RTL-Group und Pro7Sat1 auf jeden Cent angewiesen als kommerzielle Unternehmen. Würden die diesen Schritt gehen, wenn, wie du schreibst, " die Zahl der SD-Zuschauer tatsächlich überschaubar" ist?
Die Privaten haben sich in ihrer Geldgier mit HD+ selbst in die Sackgasse manövriert. In einem Artikel bei DWDL vom vergangenen Jahr steht, dass zu dem Zeitpunkt die HD-Nutzung bei ARD/ZDF bei 80 % lag, bei den Privatsendern jedoch nur bei 20 %. Die Privatsender können SD nicht einfach so abschalten, ohne dass sie massiv an Reichweite verlieren. Eine Mehrzahl der Zuschauer ist einfach nicht bereit, für den Mist, den die Privatsender da verbreiten, auch nur einen müden Euro zu bezahlen.
Die KEF hat schon weit davor die Abschaltung der SD-Sender verlangt, um Geld zu sparen. Das ZDF ist dem in der Vergangenheit jedoch mit Verweis auf die noch hohen Nutzerzahlen nicht nachgekommen.

Und zum Thema Arte mit Originalton empfehle ich dringend einen Blick in die dortige Mediathek. Wie bei der linearen Verbreitung setzen die Franzosen dort sehr stark auf Originalton, daher gibt es viele Videos in der Variante Originalton mit französischen Untertiteln.
 

s.matze

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dass zu dem Zeitpunkt die HD-Nutzung bei ARD/ZDF bei 80 % lag, bei den Privatsendern jedoch nur bei 20 %.

Bedeutet im Umkehrschluss, 2019 schauten 20 Prozent der Menschen ARD/ZDF/Dritte in SD, also aktuell vielleicht noch 10 bis 15 Prozent wenn man optimistisch ist. Wenn ich mich nicht verrechnet habe müssten 20 Prozent von 83 Millionen Bundesbürgern etwas mehr als 16einhalb Millionen Menschen sein. Das sind weit mehr als die von mir geschätzten 2 bis 6 Millionen die noch SD TV konsumieren.

Nehmen wir mal an, die HD-Nutzung ist weiter vorangeschritten, dann wären das dem Trend entsprechend heute grob geschätzt 10 Millionen Menschen, die noch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in SD (also überwiegend Sat, ein verschwindend geringer Teil über private noch nicht umgestellte Analogkabelnetze).

Die ARD kann demnach gerne umstellen, müsste dann aber fairerweise auf die Gebühreneinahmen dieser 10 Millionen Menschen verzichten. Welcher Summe entspricht das jährlich? Sicherlich nur einem Bruchteil von dem, was die doppelte Verwaltung von Radio Bremen und Saarländischem Rundfunk jedes Jahr verursachen, obwohl NDR bzw. SWR ebenfalls empfangbar sind mit einem nahezu identisch(schlecht)en Programmangebot.

Es gibt genug Menschen, die die ARD kritisch sehen und der Meinung sind, diese Einrichtung würde zuviel Geld verschlingen. Wenn die ARD so weiter macht, 10 oder 15 Prozent aller Bürger den Zugang zum linearen TV abzudrehen darf sie sich 1. nicht über eine abnehmende Nutzung des Direkt-TV beschweren und muss sich 2. fragen lassen ob sie noch die Rundfunkanstalt aller Deutschen ist oder ob sie sich nicht ebenfalls immer mehr ins Abseits einer Elite manövriert.
 
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Radiokult

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Laut einem heute erschienenen Beitrag in der Infosat verschwindet das deutsche Arte (mit Tonspur in Deutsch und Französisch) auch. Der eigentlich interessante Programmplatz mit dem französischen Arte (Tonspuren: 1=Französisch, 2=Originalton!) ist ja schon seit Jahren abgeschaltet und damit ist für mich Arte völlig unbedeutend geworden.
Oxymoron? Wo genau war der Unterschied zwischen dem deutschen und dem französischen arte? Es gab keinen, ausser das beim deutschen arte die dt. Tonspur auf der 1 und franz. auf der 2 war. Beim franz. arte war bzw. ist es genau andersrum. Ansonsten ist das Programm inhaltlich komplett gleich. Was sollte also an dem franz. arte interessanter gewesen sein als an dem deutschen?

Das Ganze nennt man übrigens technischen Fortschritt, nicht mehr und nicht weniger. arte war eines der ersten Programme, das überhaupt in HD sendete und davon abgesehen im vergangenen Jahr auch schon einen Testbetrieb in UHD vollzogen hat, was von der allgemeinen Öffentlichkeit allerdings leider weitestgehend unbemerkt blieb.
Vielleicht sollte man mal einen Blick in die Schweiz werfen. Dort geht 2021 der SRG in den UHD-Regelbetrieb. Und wir diskutieren hier immer noch ernsthaft über die SD-Abschaltung....

Mag sein. Aber durch das Ende der Redundanz und den kompletten Wegfall aller SD-Kapazitäten werden die Gebühren um 0,00 Euro gesenkt! Es kann doch nicht ernsthaft Menschen geben, die glauben, nach dem Ende der SD-Ausstrahlung würden die Gebühren gesenkt.
Das hat auch kein Mensch behauptet. Man kann nur das Geld für die Parallelausstrahlung sehr viel sinnvoller verwenden. Programminhalte in die mal dringend investiert werden sollte, gibt es reichlich. Da braucht man sich nur einen Großteil der ÖR-Rundfunkprogramme anhören.

Wieviel Millionen jährlich wurden denn seit der Astra-Analogabschaltung 2012 eingespart und wo ist dieser Überschuss versenkt worden? Das muss ja ein gigantischer Betrag gewesen sein, wenn man sich anschaut, wieviele analoge Transponder die ARD auf Astra (und Hotbird) angemietet hatte und wieviele es heute in SD auf DVB-S sind.
Eine kleine Summe war es nicht. Konkrete Zahlen wirst du allerdings keine finden, da Astra bis heute gerne individuelle Verträge mit seinen Kunden macht. Und Vertragsinhalte sind nunmal nur selten für die Öffentlichkeit bestimmt.

Von dieser Summe wurde nich ein Cent an den Gebührenzahler durchgereicht, was die Frage aufwirft, was mit diesen Geldern geschehen ist.
Dir ist aber schon klar, dass auch die ARD als solches der allgemeinen Kostensteigerung unterliegt. Gestiegene Stromkosten, Wasserkosten, allgemeine Teuerungsrate, Lizenzkosten, die viel zu teuren Pensionskosten die man leider nicht los wird...

Wenn die ARD unbedingt sparen will oder muss, wäre das eine gute Gelegenheit gewesen, den SR und Radio Bremen abzuschaffen und die regionalen Programmelemente in ein eigenes Fenster bei NDR und SWR einzugliedern.
So einfach ist das leider nicht. Rundfunk ist noch immer Ländersache und Radio Bremen bzw. der SR werden sich kaum freiwillig selbst abschaffen. Vielleicht ist es dir gar nicht bewußt, aber die ARD ist nur eine Arbeitsgemeinschaft, welche aus den einzelnen, im Grunde völlig eigenständigen Landesrundfunkanstalten, besteht. Das Erste ist lediglich ein gemeinsam veranstaltetes Programm, mehr nicht.

Dazu hätte ich, wie gesagt, gerne einmal konkrete und aktuelle Zahlen gelesen.
Da wird man sich vermutlich tatsächlich nur auf Schätzungen verlassen können. Wie will man das auch konkret zählen?

Salopp gesagt sind RTL-Group und Pro7Sat1 auf jeden Cent angewiesen als kommerzielle Unternehmen. Würden die diesen Schritt gehen, wenn, wie du schreibst, " die Zahl der SD-Zuschauer tatsächlich überschaubar" ist???
Sie würden ihn gehen, wenn man sich nicht auf das Pleitemodell HD+ eingelassen hätte, was es in der Form übrigens nur in Deutschland gibt. Spätestens wenn die SD-Versionen abgeschaltet werden, bekommen die Privaten ohnehin ein Problem, denn sie sind alle als FreeTV-Programme lizensiert. Und wenn man die lediglich in SD frei empfangbaren Programme abschaltet, ist dieses FreeTV nicht mehr gegeben.

Die ARD kann demnach gerne umstellen, müsste dann aber fairerweise auf die Gebühreneinahmen dieser 10 Millionen Menschen verzichten.
Müßte sie nicht, denn die Inhalte der ARD sind mittlerweile mit jedem handelsüblichen Smartphone problemlos abrufbar. Dafür genügt eine schnöde Internetverbindung.

Es gibt genug Menschen, die die ARD kritisch sehen und der Meinung sind, diese Einrichtung würde zuviel Geld verschlingen. Wenn die ARD so weiter macht, 10 oder 15 Prozent aller Bürger den Zugang zum linearen TV abzudrehen darf sie sich 1. nicht über eine abnehmende Nutzung des Direkt-TV beschweren und muss sich 2. fragen lassen ob sie noch die Rundfunkanstalt aller Deutschen ist oder ob sie sich nicht ebenfalls immer mehr ins Abseits einer Elite manövriert.
Ich formuliere es mal sehr direkt. Ihr müßtet euch dann mal entscheiden. Wollt ihr den ÖR abschaffen, weil nach eurer Überzeugung den Programmen ohnehin keiner mehr zuschaut. Oder wollt ihr sie abschaffen, weil man mit der SD-Abschaltung angeblich 15% aller Bürger den Zugang zu den Programmen verweigert?
Nur um es nochmal zu erwähnen: Um Inhalte der ÖR zu konsumieren, braucht man schon seit geraumer Zeit nicht mehr zwingend ein Fernsehgerät. Und das ist auch gut so.

Aber um auch das noch einmal deutlich zu erwähnen: Natürlich gibt es von all dem unabhängig jede Menge Baustellen bei den ÖR, wo dringend was passieren muss. Ob das nun Inhalte betrifft oder der Umgang mit der oft durchaus berechtigten Kritik. Da liegt manches im Argen, worum man sich endlich mal anfangen sollte ernsthaft zu kümmern. Aus meiner Sicht liegt das größere Problem noch immer bei den viel zu aufgeblähten Verwaltungsapparaten, welche sinnfrei Unsummen verschlingen, die als Investitionen ins Programm sehr viel sinnvoller angelegt wären.
 
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Tweety

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Nehmen wir mal an, die HD-Nutzung ist weiter vorangeschritten, dann wären das dem Trend entsprechend heute grob geschätzt 10 Millionen Menschen, die noch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in SD (also überwiegend Sat, ein verschwindend geringer Teil über private noch nicht umgestellte Analogkabelnetze).

Hier muss man aber unterscheiden, ob die das in SD sehen oder nicht empfangen können. Ich vermute mal, dass viele aus reiner Bequemlichkeit die SD Programme schauen, obwohl sie auch in HD gucken könnten. Vermutlich sind dabei aber viel "Techniklaien" denen eine Umstellung zu kompliziert ist. Von daher dürfte die Zahl deren, die sich wirklich neue Geräte anschaffen müssten, wohl deutlich geringer sein. Ist aber eben mit vielen technischen Dingen so. Kein Standard bleibt ewig und in der heutigen Zeit geht die technische Entwicklung sowieso immer schneller voran. Von daher muss man das einfach mal so akzeptieren und davon wird die Welt nicht untergehen. Es bleibt ja immer noch das ZDF und die Privaten in SD und wem die 20-30 EUR für einen neuen Receiver wirklich zu viel Geld sind, dem ist eh nicht mehr zu helfen.
 
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Grasdackel

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Wo genau war der Unterschied zwischen dem deutschen und dem französischen arte? Es gab keinen, ausser das beim deutschen arte die dt. Tonspur auf der 1 und franz. auf der 2 war. Beim franz. arte war bzw. ist es genau andersrum. Ansonsten ist das Programm inhaltlich komplett gleich. Was sollte also an dem franz. arte interessanter gewesen sein als an dem deutschen?
Bei der französichen Arte-Version gab es eine zusätzliche Tonspur, über die englischsprachige Spielfilme in der Regel(!) mit Originalton ausgestrahlt wurde. Das machte die französische Version des Senders wesentlich attraktiver als die über den ARD-Transponder verbreitete Version, auch wenn es bei der französischen Version die im Abendprogramm erheblich anderen Anfangszeiten der Sendungen gab.
Die ARD zickt beim Originalton ja schon immer wegen angeblicher rechtlicher Probleme und wegen der fehlenden Verschlüsselung immer noch rum, auch wenn es in den letzten Monaten ein paar Lichtblicke gerade bei ONE gab. Und beim ZDF lässt man sich auch langsam dazu herab, Spielfilme mit Originalton zu senden, auch wenn sie in den Programmübersichten nur sehr schwer zu finden sind.
 
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Radiokult

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Bei der französichen Arte-Version gab es eine zusätzliche Tonspur, über die englischsprachige Spielfilme in der Regel(!) mit Originalton ausgestrahlt wurde. Das machte die französische Version des Senders wesentlich attraktiver als die über den ARD-Transponder verbreitete Version, auch wenn es bei der französischen Version die im Abendprogramm erheblich anderen Anfangszeiten der Sendungen gab.
Gut ok, das wußte ich nicht.
 

s.matze

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Wo genau war der Unterschied zwischen dem deutschen und dem französischen arte? Es gab keinen, ausser das beim deutschen arte die dt. Tonspur auf der 1 und franz. auf der 2 war. Beim franz. arte war bzw. ist es genau andersrum.

Das entspricht nicht der Wahrheit. Es gab zwei Arte auf Satellit: "arte" und "ARTE". Das französische hatte eben keinen deutschen Zweikanalton (wozu auch?) sondern hat zu 95% auf der 2. Tonspur den Originalton (Englisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch....) ausgestrahlt, außer wenn dies rechtlich überhaupt nicht möglich war. Denn ARTE Frankreich wurde unverschlüsselt europaweit über Astra angeboten. (Nachtrag: Das wurde ja schon geklärt, daher ist dieser Absatz eig. überflüssig).

Das Ganze nennt man übrigens technischen Fortschritt, nicht mehr und nicht weniger.

Neu ist nicht immer automatisch besser, siehe DAB. Und sicher nicht wenn damit die Radiovielfalt über Astra verschwindet. Man sollte den Menschen selber überlassen, welche Angebote sie nutzen. Wenn man es ihnen schon nicht überlässt, ob sie dafür zahlen möchten oder nicht. Ich wäre dafür dass der technische Fortschritt endlich mal beim ARD Webradio Einzug hält, damit diese elendig matschigen 128er Streams mindestens auf 192, besser auf 256 aufgebohrt werden, wenn man schon die 320er Programme vom Astra abklemmen will. Das ist nämlich wirklich vorsinntflutlich. 128 kb Streams stammen aus einer Zeit um die Jahrtausendwende!

Dafür, um zu sehen dass das Arte Logo hochkant steht, braucht es kein Full HD.

Man kann nur das Geld für die Parallelausstrahlung sehr viel sinnvoller verwenden.

Wenn es denn so wäre, aber das wird nicht passieren. Siehe gleichzeitig eingefrorenes Sportrechtbudget. Das Geld fließt nur in die Selbstverwaltung und in den Abbau von Pensionsansprüchen.

Programminhalte in die mal dringend investiert werden sollte, gibt es reichlich. Da braucht man sich nur einen Großteil der ÖR-Rundfunkprogramme anhören.

Völlig richtig, aber da wird kein einziger durch die SD Abschaltung eingesparter Cent reinfließen! Sonst müsste ja nach der Astra Analogabschaltung das Programm der Öffis qualitativ durch die Decke gegangen sein. Das Gegenteil ist der Fall: Die Radios werden seit etwa 10 bis 15 Jahren immer dümmer und primitiver, das TV (v.a. die Dritten) bestehen zu einem Großteil an Recyclingmaterial des Ersten oder anderer Dritter. Die Inhalte nehmen immer weiter an Relevanz ab. Meine Frage danach, was mit dem Geld, das 2012 durch die Aufgabe der vielen Analogen Transponder auf Astra passiert ist, bleibt offen.

Somit ist das Argument, durch die SD Abschaltung würde das Programm inhaltlich qualitativ aufgewertet, weil mehr Geld zur Verfügung steht, eine Scheindebatte. Das Geld versickert im Wasserkopf, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Weil es 2012 auch so war. Und genauso als das Bezahlmodell von der mehr oder weniger freiwilligen GEZ auf die Zwangs-Subventionierung (u.a. auch durch diverse ausl. Mitbürger in Wohnheimen oder Arbeiterwohnungen mitgetragen, die kein Wort von dem verstehen was auf tagesschau.de steht!!!) umgestellt wurde. Da gab es einen Milliardenüberschuss. Ob das Programm dadurch besser geworden ist, kannst du dir ja selbst beantworten.

Gestiegene Stromkosten, Wasserkosten, allgemeine Teuerungsrate, Lizenzkosten, die viel zu teuren Pensionskosten die man leider nicht los wird...

Könnte man reduzieren wenn man anstatt den bei dieser Konferenz getroffenen Entscheidungen, Radio Bremen und den SR eingestellt und die regionalen Inhalte in den SWR bzw. NDR überführt hätte.

Das will man offenbar nicht. Lieber lebt man also weiter auf großem Fuß mit doppelter Verwaltung, doppelter Intendanz, doppelter Programmleitung in Hamburg und Bremen. Mit welcher Rechtfertigung muss es Jahrzehnte nach Kriegsende immer noch eine eigene Rundfunkanstalt für die chronisch klammen und kleinsten Bundesländer geben? Selbst Berlin als Bundeshauptstadt hat seit 2003 keinen eigenen Runfunk mehr (wohl aber noch einen eigenen Standort). Damit ließe sich ja auch ein eigener Rundfunksender für Sachsen rechtfertigen, dieses Bundesland hätte das wahrscheinlich sehr viel nötiger als das kleine Saarland oder der Stadtstaat Bremen incl. Bremerhaven.

Die Inhalte der ARD sind mittlerweile mit jedem handelsüblichen Smartphone problemlos abrufbar

Das erklärst du denn den Omis und Opis zwischen 75 und 103 Jahren, die den Röhrenfernseher und den per Scart-Kabel daran angeschlossenen DVB-S Receiver der ersten Generation nur für ihre halbe Stunde Lokalzeit oder HalloNiedersachsen haben...

Man mag es nicht glauben, aber es gibt in Deutschland (immer mehr) steinalte Menschen, die nicht mit Technik umgehen können, aber trotzdem einen Anspruch auf aktuelle Information haben. Sonst muss man eben die, die es nachweislich nicht bedienen können (das wären zunächst alle mit einem Schwerbeschädigtenausweis und einer Pflegestufe), von der Gebühr befreien. Und zwar zu 100 Prozent. Sogar bettlegrige Menschen, Krebspatienten und Erblindete zahlen heute (teilweise voll, teilweise reduzierten Satz) für ein Angebot, das sie nachweislich nicht nutzen können (die Pflegegutachten des MDK sollten dazu herangezogen werden).

Wollt ihr den ÖR abschaffen, weil nach eurer Überzeugung den Programmen ohnehin keiner mehr zuschaut. Oder wollt ihr sie abschaffen, weil man mit der SD-Abschaltung angeblich 15% aller Bürger den Zugang zu den Programmen verweigert?

Andersrum: Der ö.-r. Rundfunk macht sich mit solchen Aktionen selbst überflüssig, weil er sein Publikum ganz bewusst vor den Kopf stößt und ausschließt. Kann man so machen, dann muss sich die ARD aber Kritik an ihrer Arroganz gefallen lassen und darf sich bitte auch niemand wundern, wenn Leute sagen: "Brauche ich nicht" (HD-Receiver zum Empfang der Öffis, wenn das geliebte RTL weiter in SD sendet).

Ich vermute mal, dass viele aus reiner Bequemlichkeit die SD Programme schauen, obwohl sie auch in HD gucken könnten.

Wenn HD doch so toll ist (Zusatzdienste, bessere Bildqualität) leuchtet das nicht ein. Warum sollten Menschen, die technisch dazu in der Lage sind und den Unterschied kennen, freiwillig auf HD verzichten und SD schauen? Fährst du mit dem Taxi zur Arbeit obwohl du einen AMG auf dem Hof stehen hast?

Vermutlich sind dabei aber viel "Techniklaien" denen eine Umstellung zu kompliziert ist.

Und an diese Generation 80plus oder 90plus denkt kein Mensch bei der ganzen Debatte. Die haben ihr Leben lang GEZ und jetzt Rundfunkbeitrag bezahlt und als Dank dafür werden sie vor die Tür gesetzt, dürfen aber weiter blechen. Hätte man das GEZ Modell nicht abgeschafft, hätte man genug Personal in Form der GEZ-Prüfer die in den Haushalten bei der Umstellung behilflich sein könnten. Aber schon damals hat die ARD gemerkt, dass ihre Bedeutung langsam dahingleitet und die Leute sich andere Kanäle suchen, über die sie sich informieren. Man sah die Fälle wegschwimmen.

Also bevor über Ultra 4K Fernsehen diskutiert wird sollte die ARD bitte erst mal ihre lausig klingenden Uralt-Webradio-Coder in zeitgemäße 192 oder 256 er Livestreams umwandeln. Dann können wir weiter über technischen Fortschritt reden.
 
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iro

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Dafür genügt eine schnöde Internetverbindung.
Wäre schön, wenn Du mir auch so eine schnöde Internetverbindung legen könntest. ;) Mit meiner leitungsgebundenen ist nicht einmal die geringstmögliche Auflösung aus den ÖR-Mediatheken ruckelfrei abrufbar. Und diese Leitung wird auch in 20 Jahren nicht durch Glasfaser ersetzt werden... Mit Mobilfunk brauchst Du auch gar nicht erst zu kommen, hier ist sogar per 2G/EDGE keine stabile Telefon-Verbindung gegeben... Bliebe als Alternative nur teures Internet via Satellit.
 

CosmicKaizer

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@s.matze Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als landkreisweise Hilfskräfte des THW ausgerückt sind, um bei der Umstellung von Schellack auf Vinyl zu helfen. Und auch die beliebten Volkshochschulkurse bei der Umstellung vom Wählscheiben- zum Tastentelefon, gerne mit Zusatzqualifikation ABB: Anrufbeantworter bedienen, das war gut, das es die gab. Ich bin mir sicher, die ARD wird mit ihren Fantastillarden Teams zusammenstellen, die jede Hallig, jeden Bergbauernhof persönlich unterstützen. Bisher haben solche Umstellungen ohne Hilfe ja auch nie funktioniert.
 
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Tweety

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Wenn HD doch so toll ist (Zusatzdienste, bessere Bildqualität) leuchtet das nicht ein. Warum sollten Menschen, die technisch dazu in der Lage sind und den Unterschied kennen, freiwillig auf HD verzichten und SD schauen? Fährst du mit dem Taxi zur Arbeit obwohl du einen AMG auf dem Hof stehen hast?

Und an diese Generation 80plus oder 90plus denkt kein Mensch bei der ganzen Debatte. Die haben ihr Leben lang GEZ und jetzt Rundfunkbeitrag bezahlt und als Dank dafür werden sie vor die Tür gesetzt, dürfen aber weiter blechen. Hätte man das GEZ Modell nicht abgeschafft, hätte man genug Personal in Form der GEZ-Prüfer die in den Haushalten bei der Umstellung behilflich sein könnten.

Ganz einfach, weil insbesondere alte Leute Veränderungen im technischen Bereich nicht gerade lieben. Viele haben einfach Angst, dass dann gar nichts mehr funktioniert oder alles "strubbelig" wird und daher belassen sie es lieber bei SD. Du kennst sicherlich den Spruch "never change a winning team". Solange alles läuft, warum soll man es ändern? Das trifft hier voll und ganz zu. Natürlich sind viele alte Leute mit einer Umstellung überfordert, aber wieviele 80 und 90 jährigen leben denn noch allein zu hause? Die meisten sind doch sicherlich schon in Pflegheimen oder im betreuten Wohnen. Die paar die noch alleine leben, haben aber bestimmt Kinder oder Enkel, die denen das in wenigen Minuten umstellen können. Ansonsten gibt es auch viele Fachhändler die gegen eine geringe Gebühr auch nach Hause kommen und das erledigen. Wenn man bei denen ein neues Gerät kauft, meist sogar dann noch umsonst als Serviceleistung. Ist zumindest bei uns im Ort so. Du kannst nicht allen Ernstes als Argument gegen die SD-Abschaltung vorbringen, dass alte Leute damit überfordert sind. Dann hätte man Sat-Analog und DVB-T alt auch nicht abschalten dürfen. Komischerweise ist da aber der große Aufschrei ausgeblieben. Ach nee, halt. Ich erinnere mich an die zehntausende von Rentnern die vor dem Reichstag gegen die Abschaltung demonstriert haben.
 
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Radiokult

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Wäre schön, wenn Du mir auch so eine schnöde Internetverbindung legen könntest. ;) Mit meiner leitungsgebundenen ist nicht einmal die geringstmögliche Auflösung aus den ÖR-Mediatheken ruckelfrei abrufbar.
Dafür können aber die ÖR-Sender ausnahmsweise mal nichts. Da liegt das Problem woanders. ;)

Und sicher nicht wenn damit die Radiovielfalt über Astra verschwindet. Man sollte den Menschen selber überlassen, welche Angebote sie nutzen.
Also zum einen ist ja noch gar nicht klar, ob die Radiosender tatsächlich vom Astra verschwinden. Insofern sollte man vielleicht erstmal abwarten.
Andersrum betrachtet hat abgesehen von den ortsüblichen Sendern aber auch niemand einen Rechtsanspruch darauf, dass man zum Beispiel in Bayern die Programme des NDR empfangen kann. Insofern ist dein Gedankengang etwas konfus. Ich glaube inzwischen das du wenig Wissen hast darüber, was die ÖR sind, wofür sie da sind und wie sie funktionieren. Deine Rundfunkgebühr entrichtest du in dem Bundesland wo du wohnst für das dortige Landesprogramm. Der allgemeine Glauben das man beispielsweise in Bayern auch für den NDR Rundfunkgebühren zahlt, ist nämlicher ziemlicher Unsinn. Ja, so wie es auf der politischen Ebene einen Länderfinanzausgleich gibt, so gibt es den auch innerhalb der ÖR-Anstalten. Den kann man aber erstmal vernachlässigen. Der WDR ist zum Beispiel nur deshalb die reichste Anstalt, weils halt das bevölkerungsreichste Land ist. Daher greifen die dort auch die meisten Gebührengelder ab.

Ich wäre dafür dass der technische Fortschritt endlich mal beim ARD Webradio Einzug hält, damit diese elendig matschigen 128er Streams mindestens auf 192, besser auf 256 aufgebohrt werden
Da wäre ich voll und ganz bei dir.

Wenn es denn so wäre, aber das wird nicht passieren.
Kannst du hellsehen?

Siehe gleichzeitig eingefrorenes Sportrechtbudget.
Ich erspare mir jetzt die Mühe herauszusuchen, um wieviele Prozent alleine die Kosten für die Fußballrechte seit 2012 gestiegen sind. Und damit ist noch nicht mal die Bundesliga gemeint. Alleine was die EM- und WM-Rechte angeht, ist man mittlerweile bei Summen angekommen, die man durchaus als unverschämt betiteln könnte.

Völlig richtig, aber da wird kein einziger durch die SD Abschaltung eingesparter Cent reinfließen! Sonst müsste ja nach der Astra Analogabschaltung das Programm der Öffis qualitativ durch die Decke gegangen sein. Das Gegenteil ist der Fall: Die Radios werden seit etwa 10 bis 15 Jahren immer dümmer und primitiver,
Also bei allem Respekt, aber gerade bei den ÖR-Programmen finde ich noch jede Menge Anspruch. Zugegeben, von Anstalt zu Anstalt ist der Unterschied teils erheblich. Aber so pauschal ist deine Aussage nicht haltbar. Noch gibt es anspruchsvolles Radio bei den deutschen ÖRs.
Was die TV-Programme angeht und da insbesondere die Dritten, bin ich durchaus bei dir.

Das Geld versickert im Wasserkopf, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Du machst es dir aber schön einfach. Ich erwähne es gerne nochmal, dass seit 2012 ausnahmslos alles teurer geworden ist. Das ist in deinem ganz privaten Umfeld auch nicht anders als im beruflichen. Und diese Kostensteigerungen müssen ja irgendwie aufgefangen werden. Dazu kommt, dass es in den letzten Jahren keinerlei Erhöhung des Rundfunkbeitrages gab. Er ist ganz im Gegenteil einmal sogar gesenkt worden. Natürlich fließt zuviel der Kohle in den Verwaltungs-Wasserkopf. Da sind wir uns vermutlich sogar einig. Aber einen Weg aus dem Dilemma, beispielsweise bei den Pensionskosten ehemaliger Mitarbeiter, gibt es nicht. Die Kosten hat man an der Backe bis die Leute das Zeitliche gesegnet haben, ob man das nun will oder nicht. Diese Relikte aus früheren Jahren kann man ja nicht einfach streichen.

Könnte man reduzieren wenn man anstatt den bei dieser Konferenz getroffenen Entscheidungen, Radio Bremen und den SR eingestellt und die regionalen Inhalte in den SWR bzw. NDR überführt hätte.
Grundsätzlich wäre ich durchaus bei dir, wenns darum geht die Zahl der ARD-Anstalten zu verringern. Allerdings isses nunmal so einfach nicht. Diese Konferenz spricht Empfehlungen aus, weiter nichts. Um Radio Bremen in den NDR zu integrieren, brauchts unter anderem die Zustimmung der Bremer Bürgerschaft. Und das möchte ich gerne sehen, wie du denen erklärst, dass ihr geliebtes Radio Bremen jetzt nicht mehr gebraucht wird. Das hätte was von sozialistischem Zwang. Die ÖRs sind keine Privatunternehmen die man nach Belieben zusammenlegen kann, das sind Anstalten des öffentlichen Rechts. Da ist das etwas komplizierter.
Ausserdem könnte man es auch mal ganz konkret machen: Radio Bremen veranstaltet insgesamt 4 Rundfunkprogramme und ist an einem 5. Rundfunkprogramm ("Cosmo") inhaltlich beteiligt. Im Bereich TV hat man lediglich ein tägliches 30-Minutenfenster im Programm des NDR zu verantworten. Und bei allem Respekt, die Megasummen verursacht das nunmal auch wieder nicht.

Selbst Berlin als Bundeshauptstadt hat seit 2003 keinen eigenen Runfunk mehr (wohl aber noch einen eigenen Standort).
Und weiter? Man hat die alten SFB-Standorte übernommen, was unter anderem daran liegt, dass der SFB und der damalige ORB zum rbb fusionierten. Das ist etwas völlig anderes als beispielsweise die komplette Integration von Radio Bremen in den NDR.

Damit ließe sich ja auch ein eigener Rundfunksender für Sachsen rechtfertigen
Den gibt es doch. Dir scheint entgangen zu sein, dass der mdr drei erste Programme betreibt, welche jeweils komplett eigenständige Sender sind.

Man mag es nicht glauben, aber es gibt in Deutschland (immer mehr) steinalte Menschen, die nicht mit Technik umgehen können, aber trotzdem einen Anspruch auf aktuelle Information haben.
Dazu haben Tweety und CosmicKaizer bereits alles gesagt.

Warum sollten Menschen, die technisch dazu in der Lage sind und den Unterschied kennen, freiwillig auf HD verzichten und SD schauen?
Weil ihnen das technische Verständnis fehlt, siehe deine Ausführungen zur älteren Generation...
 
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lg74

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Leider kann ich nicht einfach einen Receiver für 20€ kaufen und an den (gar nicht vorhandenen) Fernseher anschließen. Ich müsste für einen, noch nicht einmal adäquaten, Ersatz >1000€ auf den Tisch legen und hätte anschließend trotzdem weniger Komfort als bislang.
Das habe ich irgendwie immer noch nicht so richtig begriffen. Schildere bitte nochmal Deine Situation.

Aber durch das Ende der Redundanz und den kompletten Wegfall aller SD-Kapazitäten werden die Gebühren um 0,00 Euro gesenkt!
Es wird ja auch alles andere teurer. Vor allem das massive Streaming, das die ARD finanziell auch belastet. Letztlich wird umgeschaufelt in die künftigen Verbreitungswege.

Es wird immer schwieriger, die Existenz der ARD noch zu rechtfertigen.
Für mich hat vieles bei der ARD absolut keine Existenzberechtigung. Auf den Kern des öffentlich-rechtlichen Systems möchte ich aber keinesfalls verzichten. Selbst dann nicht, wenn ich nichtmal nen Fernseher besitze. Ich bekomme ja tagtäglich draußen in der Öffentlichkeit indirekt auch die Folgen des individuellen Medienkonsums der Bevölkerung ab.

Bedeutet im Umkehrschluss, 2019 schauten 20 Prozent der Menschen ARD/ZDF/Dritte in SD, also aktuell vielleicht noch 10 bis 15 Prozent wenn man optimistisch ist.
Zum Beispiel Verwandte von mir - auf einem aktuellen TV mit integriertem Triple-Tuner. Und nein, ich durfte das nicht korrigieren. Ich kann sowas ja nicht, ich habe von sowas ja keine Ahnung, ich mach immer nur alles kaputt. Sowas macht ihr Schwiegersohn (KFZ-Mechaniker), der kann sowas und der hat das auch alles richtig eingestellt.

Oder mein Nachbar - partiell nur, aber auf 60 oder 65 Zoll. Solange er den integrierten Kabeltuner (Vodafone "Plattformstandard", also schlechter als alt-DVB-T!) nutzte, war es ihm wurscht, welche Versionen zufällig "vorne" lagen und welche nicht. "Ach du immer mit deinem HD..." Inzwischen läuft da die Vodafone-4-Tuner-Box, sieht so aus, als wäre es nun ordentlich sortiert.

Oder die Dame um die 80, zu der ich einst geschickt wurde, weil sie an der Hotline des kleinen lokalen Kabelnetzbetreibers so merkwürdige Fehlerberichte gab. Ihr TV konnte Empfangswege im Speicher mixen. Und so hatte sie nicht nur manches in DVB-C-HD und anderes in DVB-C-SD drin, sondern auch das in diesem Netz teilweise vorhandene DVB-T-Rumpfangebot für Altgeräte, das nach Abschaltung des terrestrischen DVB-T umkonfiguriert wurde (eigene Erstellung aus Sat-SD) und damit Löcher in der Programmliste brachte. War freilich alles auf HD umstellbar.

Oder das Paar Mitte/Ende 50 aus dem heißesten Teil Kreuzbergs, die ich von gemeinsamen Freizeitaktivitäten kenne. Beide bettelarm, aber glücklich (Kreuzberg halt, solang was zum Kiffen da ist, ist die Welt in Ordnung). Sie invalidisiert, er inzwischen endlich wieder mit einem bezahlten Job. "Fernseher geht nicht mehr, seit dieser Analogabschaltung." Da war also gar nichts digital. Sie bräuchten jetzt wohl "so einen Receiver". Ich stoppte das erstmal und bin paar Tage später hin. Der völlig versiffte 32er Sony-LCD mit riesigem Kratzer im dennoch funktionierenden Display ("ist uns ein Messer runtergefallen") hatte eine "Netflix"-Taste auf der Fernbedienung. Na wenn er so neu ist, dann hat er auch... es war sogar Werksreset nötig, um die Kiste zur Mitarbeit zu zwingen. Aber dann las er brav alles digitale ausm PYUR-Kabel ein. Und der Mann war glücklich "endlich wieder meine Außerirdischen auf Tele 5". Die natürlich weiterhin in SD, blöd sind die beiden ja nicht...

Die Dame (Ende 50) aus meinem entfernteren Berliner Bekanntenkreis, bei der ich vor etwa 4 Jahren einen steinalten Grundig-LCD mit ausschließlich Analogtuner fand - so herrlich übersteuert mit Fischgrätenmuster und Geisterbildern - bekam damals einen HD-Receiver via HDMI (immerhin einer vorhanden, wenn auch mit laut knallendem Ton beim Abschalten des Zuspielgerätes) präsentiert, geriet in Extase ob der Bildqualität und der Rückkehr ihres geliebten hessischen Heimatfernsehens - und bestellte noch während meiner Anwesenheit unter meiner Anleitung einen baugleichen Receiver für 35 EUR bei eBay. Den richtete ich dann beim nächsten Besuch ein. Und fertig.

Von denen, die bislang nur SD nutzen, dürften viele formal HD-taugliche Geräte haben. Wenn am Ende vielleicht 5 bis 10 prozent tatsächlich reine SD-Besitzer übrigbleiben, ist das in etwa die Größenordnung von DVB-T (alt). Das ist für jeden einzelnen freilich auch unschön, aber immerhin danach mit deutlich besserer Qualität verbunden. Manch einer dürfte sich sogar ärgern, nicht schon viel eher...

Es gibt genug Menschen, die die ARD kritisch sehen und der Meinung sind, diese Einrichtung würde zuviel Geld verschlingen.
Denen ist aber auch jeder vermeintliche Grund dafür recht. Und sie haben selbstverständlich ganz häufig "alternative" Quellen, u.a. Sky (in HD freilich) oder Netflix (wenn über TV, dann wieder über HD-taugliche Geräte). Natürlich kommt nun ein weiteres "Argument" dazu aufgrund der SD-Abschaltung. Ich vermute jedoch, dass die "einseitige" Berichterstattung (also Faschisten beispielsweise "Faschisten" zu nennen) weit mehr Empörungspotential aufweist.

Programminhalte in die mal dringend investiert werden sollte, gibt es reichlich. Da braucht man sich nur einen Großteil der ÖR-Rundfunkprogramme anhören.
Wobei es bei denen ja kaum an Armut, sondern an "soll genau so sein!" liegt. Wie war das mit den Kosten für eine Sendeminute MDR Jump vs. RBB Radio Eins?

Im Falle des BR fallen mir aber 2 Sendungen ein, die aufgrund der finanziellen Situation entfallen sein sollen: "taktlos" (BR Klassik) und "Weitwinkel" (Bayern 2). Um beide ist es sehr schade. Im Falle von "taktlos" hat es aber ein Geschmäckle, weil der Kooperationspartner, die NMZ, sehr berechtigt gegen die einst geplante Abschaltung der UKW-Frequenzen von BR Klassik kämpfte.

Ich wäre dafür dass der technische Fortschritt endlich mal beim ARD Webradio Einzug hält, damit diese elendig matschigen 128er Streams mindestens auf 192, besser auf 256 aufgebohrt werden, wenn man schon die 320er Programme vom Astra abklemmen will.
Die Webstreams werden wohl auf absehbare Zeit nicht qualitativ angehoben werden. Wegen der ausufernden Kosten. Kosten spart hingegen die Beendigung der SD-Ausstrahlung des Fernsehens, ohne dass den Zuschauern dadurch qualitative Nachteile entstehen würden, im Gegenteil.

Das Geld fließt nur in die Selbstverwaltung und in den Abbau von Pensionsansprüchen.
Auch außerhalb der ARD wäre niemand erfreut, wenn ihm am Ende eines Berufslebens die Pensionszahlung, die er sich ein ganzes Brufsleben lang perspektivisch ausrechnen konnte, vorenthalten oder gekürzt wird. Wir sehen beim Thema "Pensionszahlung" nur das gleiche wie überall im Schneeballsystem "Rente". Große Versprechungen gemacht und dann ändern sich einfach so die Realitäten bei den Einzahlenden...

Das erklärst du denn den Omis und Opis zwischen 75 und 103 Jahren, die den Röhrenfernseher und den per Scart-Kabel daran angeschlossenen DVB-S Receiver der ersten Generation nur für ihre halbe Stunde Lokalzeit oder HalloNiedersachsen haben...
Die 87- bis 93-jährigen, mit denen ich zu tun habe, sind medial erstaunlich gut ausgestattet. Wovon sie keine Ahnung haben, das lassen sie sich von jüngeren Verwandten oder auch vom Mediamarkt-Lieferteam halbwegs hinbiegen. Ansonsten gibt es zum Glück auch noch hier und da Nachbarschaftshilfe - ich versuche, HDMI-CEC geradezubiegen, dafür gießt die Nachbarin meine Grünpflanzen, wenn ich wieder wochenlang unterwegs bin. Und der 87-jährige hat 2 (zwei) Telekom-Mediareceiver und knechtet zwei Windows-10-Rechner. Der Mann ist Single - eine Frau würde ihn wohl vermutlich auch nicht aushalten. Vor 2 Wochen waren wir gemeinsam im Kino. "Mal sehen, ob die hier eine Hörschleife haben ... ahhh ja.... naja, klanglich wirklich nicht gut. Aber für meine neuen Hörgeräte muss ich mir jetzt ein Apple-Gerät kaufen. Es gibt keine Android-App für die Feineinstellung, ist alles Apple..." 87 ist der Mann!

Hilflosigkeit in technischen Dingen habe ich auch schon bei jungen Familien erlebt - vor allem da, wo generelle Hilflosigkeit gegenüber der Welt besteht. Gern ist das mit heftiger Armut gekoppelt und teils mit Kindern, die im Alter von 3 Jahren kaum sprechen können.

Man mag es nicht glauben, aber es gibt in Deutschland (immer mehr) steinalte Menschen, die nicht mit Technik umgehen können, aber trotzdem einen Anspruch auf aktuelle Information haben. Sonst muss man eben die, die es nachweislich nicht bedienen können (das wären zunächst alle mit einem Schwerbeschädigtenausweis und einer Pflegestufe), von der Gebühr befreien. Und zwar zu 100 Prozent. Sogar bettlegrige Menschen, Krebspatienten und Erblindete zahlen heute (teilweise voll, teilweise reduzierten Satz) für ein Angebot, das sie nachweislich nicht nutzen können (die Pflegegutachten des MDK sollten dazu herangezogen werden).
Mein Vater war schwerhörig und gegen Ende seines Lebens auch zunehmend am Erblinden. Meine Eltern haben jahrelang einen deutlich reduzierten Gebührensatz gehabt. Das sich-darum-kümmern dürfte da das entscheidende Problem sein. Und natürlich das sich-darum-kümmern-können.

Wer thematisiert eigentlich das Problemfeld "heutige Geräte sind viel zu kompliziert"? Da müsste man auch die Industrie angehen. Allein wenn ich Samsung-Fernbedienungen und Philips-Menüs sehe, ...

Aber auch hier hilft Nachbarschaftshilfe. Es ist doch generell grausig, wenn alte Menschen alleine vor sich hinexistieren müssen. Da, wo intakte Nachbarschaften vorhanden sind, sollte sich auch das gemessen an anderen Dingen nahezu lächerliche Fernsehthema lösen lassen. Günstigstenfalls dadurch, dass die Leute nebenan noch einen nicht mehr benötigten Receiver herumstehen haben.

Andersrum: Der ö.-r. Rundfunk macht sich mit solchen Aktionen selbst überflüssig, weil er sein Publikum ganz bewusst vor den Kopf stößt und ausschließt.
Ich erinnere mich an Leute, die die Gebühren in Frage stellten, weil die Öffis nur in 720p statt in 1080i senden... es ist letztlich egal, welchen Tod die Öffis sterben, wenn die Bevölkerung sie sterben lassen will.

Wenn HD doch so toll ist (Zusatzdienste, bessere Bildqualität) leuchtet das nicht ein. Warum sollten Menschen, die technisch dazu in der Lage sind und den Unterschied kennen, freiwillig auf HD verzichten und SD schauen?
Zum Beispiel aus Bequemlichkeit und zur vermeintlichen Stressvermeidung ("nicht schon wieder was rumfummeln"). Für manche ist das halt "nur Fernsehen". Andere können sich den Unterschied nicht vorstellen. Auch schon erlebt.

Die gleichen Leute können aber die neuesten Smartphones haben und sich mit von jüngeren Verwandten (Kinder, Enkel) aufgespielten Apps in teils heikle Situationen bringen. Es gibt u.a. Senioren-Dating-Apps.

Und auch die beliebten Volkshochschulkurse bei der Umstellung vom Wählscheiben- zum Tastentelefon
Das ist nicht lustig: https://www.otz.de/leben/vermischte...s-kurs-zum-fahrschein-erwerb-id219150241.html (mehr als die Überschrift sieht man zwar nicht, aber soweit ist es in Teilen dieser Republik schon gekommen.

Huch, anderswo auch: https://rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/vhs-kurs-zum-fahrkarten-kauf_aid-12418055

Natürlich sind viele alte Leute mit einer Umstellung überfordert, aber wieviele 80 und 90 jährigen leben denn noch allein zu hause? Die meisten sind doch sicherlich schon in Pflegheimen oder im betreuten Wohnen.
Zum Glück nicht. Es gibt so fitte Senioren. Gerade in Berlin habe ich zahlreiche kennengelernt, was mich schon wundert, denn dieser Moloch laugt einen doch eigentlich aus. Er scheint aber auch geistig beweglich zu halten.

Ich habe einen 90-jährigen kennengelernt, der noch aktiv mit dem Auto unterwegs war und Vorträge hielt zu seinem einstigen Arbeitsgebiet. Der Mann hat daheim die beste Technik inkl. 5.1-Abhöre. Eine 93-jährige arbeitet gerade die Korrekturen in die nächste Auflage des mit ebenjenem ex-Kollegen erschienenen Buches ein und will ein Ergänzungskapitel anfügen. Mein 87-jähriger Patenonkel stieg bei der Geburtstagsfeier mit "das mach ich, ich kann das, ich gehe ja zum Sport" auf die Leiter und wechselte eine Filamentbirne aus.

Deutlich jünger, aber auch Mitte 70 - ein weiterer Bekannter hilft gerade seinem Sohn beim Ausbau eines Ferienhauses, macht Elektro- und Maurerarbeiten. 10 Jahre jünger (mindestens!) hätte ich ihn geschätzt. BVG-Tickets kauft er in der App. Ist übrigens jemand vom Rundfunk. Mein nun 80-jähriger ex-Vorgesetzter meinte letztens zu mir, die jährlichen Urlaubsreisen auf südliche Inseln wollen sie dann doch künftig bleiben lassen. Mein Vater ist noch bis zu seinem 81. Lebensjahr im Sommer per Bahn in den Rügen-Urlaub gefahren und dort weite Strecken gelaufen. Mit 83, nach vermeintlich überstandener Krebs-OP, kaufte er 3 lange Mauerwerks-Durchbruchbohrer und kloppte wieder wie irre mit der Schlagbohrmaschine in seinem Anwesen herum. Ein halbes Jahr später war er tot - Krebs.


Also zum einen ist ja noch gar nicht klar, ob die Radiosender tatsächlich vom Astra verschwinden. Insofern sollte man vielleicht erstmal abwarten.
Sieht derzeit nicht so aus. Wird in der ARD wohl im zweiten Halbjahr diskutiert.
 
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iro

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Das habe ich irgendwie immer noch nicht so richtig begriffen. Schildere bitte nochmal Deine Situation.
Ich habe eine Multimedialösung samt Audio-Verteilung, bei der Sat-SD-TV (TV-Karte), Sat-Radio, Internetradio, Audio+Video-Schnitt, mpg-Videokonserven, mp3s, CDs, Vinyl und "weitere Arbeitsumgebung" alles über einen seit 17 Jahren 24/7 durchgehend und stabil laufenden XP SP3-Rechner läuft. Etwa alle 80 Tage wird der mal runtergefahren und neu gestartet. Das ist meine "Zentrale", über die ALLES audiovisuelle läuft.
Wenn ich da jetzt einfach eine HD-Karte einbauen könnte und brauchbare-Gratis-Schnittprogramme für mpeg4 zur Verfügung ständen, wäre das alles machbar. Nur bräuchte ich eine TV-Karte mit XP-Treibern. Wenn ich die hätte, ist leider keinesfalls sicher, daß die Rechenleistung für HD ausreichend ist... Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß sie nicht ausreicht.

Es wäre also Zeit für einen neuen, wieder individuell konfigurierten Rechner, der mehr Leistung mitbringt (ausreichend dimensioniert für die nächsten 15 Jahre, daher auch >1000€ Kosten), leider aber auch ein neues Betriebssystem (dann wohl Win 10). Und Win 10 wäre dann mein nächstes Problem, da es mir überhaupt keine Möglichkeit mehr bietet, meine (sehr ausgefeilte) Arbeitsumgebung irgendwie nachzubauen... Bei XP durfte/konnte man noch sehr vieles, was bei Win10 schon im Unterbau gar nicht mehr vorgesehen ist... ganz abgesehen von Microsofts Updatepolitik (immerhin schön: jetzt kann man die Datenrate der Updates begrenzen und Updates maximal 35 Tage pausieren lassen - was schonmal für einen Urlaub ausreichend ist). Bliebe noch Linuxgefrickel, was ich nicht möchte, da ich mir die Ahnung davon erstmal grundsätzlich erarbeiten müsste.

Abgesehen von den Kosten hätte ich auch erstmal einen Riesenaufwand, alles neu zu konfigurieren und brauchbare "workarounds" für die nicht mehr nachzubauenden Dinge zu finden. Die Zeit habe ich nicht.

Lösung bei mir nach der SD-Abschaltung wird wohl sein: Weiterbetrieb der komfortablen Umgebung, kompletter Verzicht auf lineares ÖR-TV, Verzicht auf den EPG, Stammkunde bei mediathekwebview.de werden, und die Hoffnung auf den Weiterbetrieb des Hörfunktransponders in DVB-S mit mp2.

Meine Zusatzprobleme sind dann noch: Land-DSL4000 (geteilt durch 3...), kein Mobilfunk (2G, 3G, 4G, egal welches Netz), keine Aussicht auf Glasfaser selbst in den kommenden 50 Jahren (das wären 3km Leitung für 4 Häuser, absolut unwirtschaftlich und leider verständlich...). Aber immerhin reicht das für Webradio - und das ist mir auch deutlich wichtiger als Fernsehen. ;)

Und: separater standalone HD-Receiver wurde mir schon vorgeschlagen als Lösung... bis jetzt war noch keine brauchbare Idee dabei, wie man diesen in das ganze einbinden könnte - vor allem bei Verwendung (Platzgründe) nur eines Bildschirms. Und gleichzeitiger Möglichkeit Daten zwischen Receiverfestplatte und Rechner hin und her zu schieben und der Möglichkeit vom Rechner aus auf Daten der Receiverfestplatte zuzugreifen, während eine Aufnahme noch läuft.
 

Radiokult

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Und: separater standalone HD-Receiver wurde mir schon vorgeschlagen als Lösung... bis jetzt war noch keine brauchbare Idee dabei, wie man diesen in das ganze einbinden könnte - vor allem bei Verwendung (Platzgründe) nur eines Bildschirms.
Zumindest der Teil des Problems wäre recht einfach zu lösen. Dafür bräuchte es nur einen TV, der die Größe deines Monitores hat. Da heutige TV-Geräte im Grunde nichts anderes sind als PC-Monitore, würde das reichen zum Betreiben. TV kannst du dann ganz normal schauen per Receiver. Und den PC kannst du daran ebenfalls betreiben, müßtest dir allerdings eine Adapterlösung vom Grafikartenausgang zu HDMI besorgen. Ob die allerdings mit deinem etwas betagten XP funktioniert, wäre die Frage.
Was die eventuelle TV-Karte angeht, sollte die reichen um auch an diesem betagten PC HD-Programme zu schauen, weil die TV-Karte selbst das Bild "emuliert", sprich unabhängig vom Tempo des Rechners ist. Das Problem dabei ist, dass es sowas kaum noch gibt, weil neuere PCs schnell genug sind für sowas. Die meisten TV-Karten sind ja nur noch simple USB-Sticks mit integriertem Tuner.
 
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lg74

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Ich habe eine Multimedialösung samt Audio-Verteilung, bei der Sat-SD-TV (TV-Karte), Sat-Radio, Internetradio, Audio+Video-Schnitt, mpg-Videokonserven, mp3s, CDs, Vinyl und "weitere Arbeitsumgebung" alles über einen seit 17 Jahren 24/7 durchgehend und stabil laufenden XP SP3-Rechner läuft.
Oh, das ist viel auf einmal. Und in dieser Form wohl wirklich kaum leicht umzurüsten.

Standalone-Receiver kann man heute via IP einbinden - da müssen aber die Linux-Receiver-Leute was dazu sagen, da bin ich ahnungslos. Computermonitore haben manchmal DVI und HDMI-Eingänge - die Wahrscheinlichkeit, gerade zufällig so einen zu haben, ist freilich gering.

Windows 10 wirst Du kaum 15 Jahre laufen haben, weil Dir Microsoft ständig Updates verpassen wird, nach denen dieses und jenes wieder komplett anders ist. Geht meinem Patenonkel so mit seinen auch sehr speziellen Audio-PC-Lösungen.

Ich bin inzwischen so faul, das bissl TV nachträglich aus der Mediathek zu ziehen, als es selbst au dem linearen Programm aufzunehmen. Außer beim RBB ist die Qualität ja gut bis bestens - beim SWR sogar teils 1080. Und wenn was interessantes kam, erfahre ichs eh meist erst hinterher.

Schnitt fällt damit meist auch weg - ist ja in der Mediathek bereits filetiert.

H.264-Schnitt kann ich auch nicht richtig. ProjectX unterstützt es nicht, XMediaRecode trifft die gewählten Schnitt-Punkte nicht präzise. Der rote VLC-"Aufnahme"button hat erhebliches Delay in seiner Wirkung und es wäre nur Echtzeit. Das geht für nen 3-Minüter, aber nach 90 Minuten zu merken, dass der Anfang vermurkst ist, ist nicht schön.

Dafür bräuchte es nur einen TV, der die Größe deines Monitores hat. Da heutige TV-Geräte im Grunde nichts anderes sind als PC-Monitore, würde das reichen zum Betreiben. TV kannst du dann ganz normal schauen per Receiver.
Nö - gleich mit diesem TV. Hat ja eingebaute Tuner. Ist übrigens eine tolle Idee, sowas für "normale" Menschen naheliegendes in dieser Spezialanwendung zu nutzen. Nur käme da ja kaum etwas >24" in Frage. Gibt es da eigentlich brauchbare TV?
 

Radiokult

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Der rote VLC-"Aufnahme"button hat erhebliches Delay in seiner Wirkung und es wäre nur Echtzeit. Das geht für nen 3-Minüter, aber nach 90 Minuten zu merken, dass der Anfang vermurkst ist, ist nicht schön.
Schon deshalb würde ich einen Receiver nutzen, der mir per angehängter Festplatte das Ganze zeitgenau aufzeichnet. "Zuschneidung" im Nachgang falls nötig per PC versteht sich von selbst. Für den H.264-Cut brauchts allerdings einen recht flotten PC und eine entsprechende Software. Wirklich taugliche Freeware ist mir dafür auch noch nicht begegnet. Diverse Profi- bzw. Semiprofi-Anwendungen kriegen das aber problemlos hin.
 

s.matze

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Ich kann mich erinnern wie groß der Aufschrei war als die Telekom damit anfing alle Hausanschlüsse von ISDN / DSL auf VoiceOverIp umzustellen. Da haben sich etliche Menschen beschwert, dass sie dann nicht mehr ihre Tastentelefone oder Wählschreibentelefone (die es zb in Werkstätten und Hobbykeller noch gibt!) ohne weiteres nutzen können und extra einen Adapter brauchen. Und ich muss zugeben ich verstehe das Ärgernis, denn vorher konnte ein alter Mensch über die mittlere Telefonbuxe einfach ein analoges Telefon einschalten und den Notruf wählen wenn zb nachts der Strom ausgefallen ist. Dadurch dass die neuartigen DECT Telefone und die zwingend benötigten Router für VoiceOverIp alle auch am Strom hängen, ist im Falle eines Stromausfalls oder Sturm auch die Telefonleitung automatisch nicht mehr mit nuztbar, auch wenn diese eigentlich gar nicht tot ist.

Zurück zum Fernsehen: Daran wird sich auch nichts ändern mit der SD Abschaltung! Die ARD Sender über Satellit, die jetzt eingestellt werden senden ja als Ersatz nicht mal in echtem 1080-i.Full HD Auflösung sondern nur in dem von dir angesprochenene reduziertem 720-p. 720-p ist das was man üblicherweise als HDready kennt! Das ist kein echtes Full HD. Den Leuten wird aber jetzt vorgegaukelt, wenn sie sich Geräte holen die echtes Full HD können, hätten sie die bestmögliche Bildqualität. Dabei sind die Sendungen nur hochskaliert oder teilweise die Inhalte trotz HD Logo noch in SD ! Wieviele Flachbildschirme der ersten Generation (Plasma, teilweise noch 4:3 Format) können nur HDready und haben dann wenn tatsächlich irgendwann einmal von 720-p auf 1080-i.Full HD umgestellt wird auch wieder Probleme.

Dazu passt die Meldung dass Freenet HD über Sat und Kartinka TV über Astra ein codiertes Angebot für Russischstämmige in Europa gestrichen wird, weil es kaum jemand haben wollte. Waren beides Meldungen die letzte Woche, dass diese HD Satellit Anbieter verschwinden und Freenet künftig nur noch DVB-T2 macht und Kartinka nur noch Online TV.
 
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