SDTV-Abschaltung der ARD über Satellit beginnt noch 2020


#27
Und ich muss zugeben ich verstehe das Ärgernis, denn vorher konnte ein alter Mensch über die mittlere Telefonbuxe einfach ein analoges Telefon einschalten und den Notruf wählen wenn zb nachts der Strom ausgefallen ist.
Ich stamme aus einem OPAL-geschädigten Gebiet. Bei Stromausfall brach bei uns auch das "analoge" telefon (direkt mittlere Buchse der TAE) zusammen. Sehr eindrucksvoll bei einem Hochwasser, bei dem Stromversorgung und Telefonnetz wohl zeitgleich versagten. Da hat uns zwangs-VoIP also keine Verschlechterung gebracht.

Wo gab es das eigentlich noch? Kupfer-Telefonleitungen bis ins "Amt" und dort an einer Batterieanlage? Sind die Hauptvermittlungsstellen bis zuletzt gepuffert gewesen?

Den Leuten wird aber jetzt vorgegaukelt, wenn sie sich Geräte holen die echtes Full HD können, hätten sie die bestmögliche Bildqualität.
Macht das die ARD? Ja, sie bezeichnen 720p als "HD", aber mehr doch nicht. Und die Diskussion ist älter als die Aufschaltung der ersten ARD-Programme. Da hatte sich halt die Fraktion durchgesetzt, die Schwerpunkt auf schnell bewegte Szenen legt und bei interlaced auf Artefakte im Bewegungsablauf hinweist. Offenbar ist das aber nicht so kritisch. Habe mich nie gründicher damit befasst.

Dazu passt die Meldung dass Freenet HD über Sat und Kartinka TV über Astra ein codiertes Angebot für Russischstämmige in Europa gestrichen wird, weil es kaum jemand haben wollte.
Im Falle von Freenet verständlich. Das nahezu gleiche ngebot (sogar mit den gleichen Datenströmen) gibt es ja als HD+. Wer will, der hat. Wo sollte da jetzt plötzlich so viel neue Kundschaft herkommen? Im Herbst hat es doch schon Diveo mit dem gleichen Konzept erwischt. Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.

Und Kartina... die wollten mit Programmen Geld verdienen, die es vorher teils offen auf Astra gab. Dieser Nischenmarkt wird offenbar inzwischen weit besser und vielfältiger via IP bedient.

Der Witz an der Stelle ist sogar, dass über DVB-T2 inzwischen auch in 1080er-Qualität gesendet wird
Anfangs (und wohl auch jetzt noch bei manchen Anstalten) aber aus den 720p wieder hochskaliert. HEVC hat sich bei 1080p als besser erwiesen als bei 1080i. Aber wenn man mal vergleicht, sieht es nicht zwingend besser aus als 720p via Sat.

2016 sah das so aus:

720p via Satellit http://fs5.directupload.net/images/160623/raghaleb.png

1080i via DVB-T2 http://fs5.directupload.net/images/160623/6fraclna.png

Einfach mal das Sat-Bild auf 1080 skalieren und vergleichen, z.B. im Anzugstoff.
 
#28
Die Begriffe "HD ready" und "FullHD" sind schnöde Erfindungen der Werbeindustrie, weiter nichts. Die HD-Auflösung geht von 1280 x 720 Pixel (gemeinhin als "HD ready" betitelt) bis zu 1920 x 1080 Pixel (sogenanntes "FullHD"). Die Anzahl der Pixel ist allerdings nicht alleinig entscheidend, ob das HD-Bild gut aussieht oder nicht. Insbesondere bei Sport oder anderen schnellen Bewegungen im Bild ist das von den ÖRs verwendete 720p sichtbar im Vorteil gegenüber den von den Privaten verwendeten 1080i. Das liegt ganz einfach daran, das bei 720p Vollbilder versendet werden, während bei den 1080i nur Halbbilder zum Einsatz kommen. Dazu kommt die ebenfalls nicht ganz unwichtige Datenrate, sprich der Bildinhalt. Bei den Öffis liegen die je nach Programm zwischen 10 und 12 Mbit pro Sekunde, ZDF bei 14 MbIt. Die Privaten verwenden dagegen trotz des insgesamt größeren Bildes nur ca. 10 Mbit die Sekunde (RTL) bzw. nur etwa 5-7 Mbit bei Pro7/Sat1. Wer sich die Mühe macht, mal mit einem tatsächlich großen Bildschirm (ab 100 Zoll aufwärts) beide Bilder zu vergleichen, wird da sehr schnell ganz erhebliche Unterschiede zu Ungunsten der Privaten feststellen.
Letztlich ist das Ganze eine Geldfrage, denn für ein wirklich echtes HD brauchts eigentlich die nicht unerhebliche Datenrate von 1 bis etwa 3 Gbit/s. Und die schafft kein einziger Sat-Transponder. Viel Datenrate gleich viel nötiger Content. Kompromisse machen da ausnahmslos alle Programme. Dennoch senden alle in echtem HD, denn auch das sogenannte "HDready" ist per Definition echtes HD.
Bei UHD haben wir übrigens ein ähnliches Spielchen. Dort reicht die Pixelzahl von 3840 x 2160 bis zu 7680 x 4320. Bei letzterer sind Datenraten von rund 33 Gbit/s und eine Bildwiederholfrequenz von etwa 120 Vollbildern pro Sekunde nötig. Und das schafft derzeit ebenfalls kein einziger Sat-Transponder. Die UHD bzw. sogenannten 4K-Sender, welche auf Astra derzeit senden, sind alle mit der kleinsten UHD-Auflösung unterwegs, weils technisch derzeit gar nicht anders geht.
Übrigens mal zum Vergleich: SD hat eine Auflösung von 768 bzw. 720 x 576 Pixel mit einer Datenrate von ca. 3 bis 5 Mbit/s.
 
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#30
Wo gab es das eigentlich noch? Kupfer-Telefonleitungen bis ins "Amt" und dort an einer Batterieanlage? Sind die Hauptvermittlungsstellen bis zuletzt gepuffert gewesen?
Je nach größe mit Batterie oder Generator. Das dürfte es auch jetzt noch geben, damit ein Stromausfall am Standort des Amts entfernte Kunden nicht "totlegt".
Ich mutmaße mal Ostdeutschland, Ende der 90er Jahre. Die Vermittlungstechnik bis zum Ende der DDR-Post war sehr alt. Bei der Bundespost gibt es digitale Vermittlungstechnik schon seit den frühen 80ern (von einzelnen kleinen Ämtern in der Steppe oder verbliebenen Gruppenumschaltern mal abgesehen), auch wenn man das von außen nicht gemerkt hat. Die Post/Telekom da eine bemerkenswerte Kompatibilitätsspanne geschafft, an der Kupferdoppelader der letzten "echten" Analoganschlüsse funktionierten sowohl das Impulswahltelefon aus den 30ern als auch DSL mit 15MBit/s.

Dass der h.264 Codec so widerwillig in der Schnittbearbeitung ist liegt daran, dass er als Distributionscodec gebaut wurde, nicht für Kontribution und Bearbeitung.

Und nun zurück ins laufende Programm.

Wer über SD-Inhalt auf den HD-Verbreitungswegen nörgelt sollte bitte zwischen Inhalt und technischem Standard unterscheiden. Wenn das Originalmaterial von der optischen Auflösung nicht mehr als SD hergibt, und das trifft auf sämtliche (SD-)Magnetband-Produktionen der 50er bis 2010er Jahre zu, verbessert die Konvertierung nach HD den Bildeindruck nur marginal bis garnicht. Bei Ausschnittsvergrößerung um von 4:3 nach 16:9 bildfüllend zu kommen wird's sogar deutlich schlechter.
Bei Film auf Zelluloid ist das natürlich was anderes, da ist eine Neuabtastung der alten SD-Abtastung auf analogem Magnetband unbedingt überlegen.
 
#31
Bei Ausschnittsvergrößerung um von 4:3 nach 16:9 bildfüllend zu kommen wird's sogar deutlich schlechter.
Und zudem oft genug optisch gruselig, weil dann der Bildaufbau vorn und hinten nicht mehr paßt.

Bei Film auf Zelluloid ist das natürlich was anderes, da ist eine Neuabtastung der alten SD-Abtastung auf analogem Magnetband unbedingt überlegen.
Zum einen das und zum anderen deshalb, weil beispielsweise das alte 35 mm-Filmformat in etwa der HD-Auflösung entspricht. Deshalb sehen zum Beisiel die alten Winnetou-Filme aus den 60ern in HD und auf Blueray so brilliant aus.
 
#32
Das ist in der Tat die spannendste Frage in der Rechnung. Wegfall des Radiotransponders, weil ja eh alle inzwischen eine Livestream haben? Ich hoffe nicht.
Der Radiotransponder wird nicht abgeschaltet, habe in den letzten Monaten bei einigen ARD-Wellen bei der Hotline angefragt. Was das betrifft, das Thema ist vom Tisch, alles ruhig an der Front. Ich bin ja eh dafür, dass der Radio-Transponder erhalten bleibt.
 
#34
Warten wir es einfach ab....

Ich weiss natürlich auch, dass nur "Freaks" dieses "Exttra" nutzen, weil viele einfach nicht wissen, dass man über Satellit auch Radio hören kann.... Aber die Kosten für die Verbreitung von Radioprogrammen neben der HD-Verbreitung dürften sich doch wirklich in Grenzen halten.
 
#35
Ich weiss natürlich auch, dass nur "Freaks" dieses "Exttra" nutzen, weil viele einfach nicht wissen, dass man über Satellit auch Radio hören kann....
Die "Freaks", die wie vor 30 Jahren ihr Wohnzimmerradio am Kabelanschluss haben und teils immer noch UKW da rausziehen, sind u.U. auch Nutzer. Und die, die so ein neues "digitales Kabelradio" besitzen, nutzen oft auch unbewusst Satellit.


Die Kosten kann man nachlesen: https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/21._Bericht.pdf Seite 91. Demnach für die 4 Jahre von 2017-2020:

Hörfunk terrestrisch 77,1 Mio EUR
Hörfunk Satellit 17,6 Mio EUR

TV terrestrisch 194,5 Mio EUR
TV Satellit 157,7 Mio EUR

Da sieht man, wie derbe DVB-T2 ins Geld geht - angesichts der geringen Nutzerzahlen das mit Abstand teuerste System je Nutzer.

Was für die Kabelweiterleitungs-Wegelagerergebühren vereinbart wurde, weiß ich nicht. Steht in diesem Bericht ja noch nicht drin.

Interessant wären die Streamingkosten. Die sind wohl kaum vorab planbar gewesen. Seite 98 führt dazu etwas aus, ohne den Hörfunk getrennt zu nennen.

Sprengstoff hat für mich dieser Absatz:

Die ARD sieht keine Möglichkeit, die Kosten der klassischen Verbreitungswege als Folge der zunehmenden Nutzung des IP-Verbreitungswegs zu verringern, da sich diese Nutzung „völlig unabhängig von der Entwicklung der klassischen Verbreitungswege“ entwickle. „Erst wenn die Nutzung von IP-Angeboten derart flächendeckend in der Gesellschaft angekommen ist, dass der klassische Verbreitungsweg keine relevante Nutzung mehr erfährt, wird es zu Minderungen durch Abschaltung bei den klassischen Verbreitungskosten kommen.“

Es ist ja abzusehen, dass irgendwann die Öffis, so sie dann noch existieren sollten, nur noch durch Leitungen verbreitet werden, über die andere die Hoheit haben und über die protokolliert werden kann, wer was nutzt. Sehr hübsch...
 
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#36
Anderer Aspekt noch, nicht unbedingt ganz am Rand:
Die ARD sägt sich gerade die eigene Innovationsabteilung vom Stamm (siehe "Zukunft des IRT").
Also genau die Eierköpfe, die bei der Entwicklung neuer Übertragungswege und -formate gebraucht werden. Das kann man langsam nur noch mit Hirnamputation erklären.
Am Radiotransponder hängt der einzige Verbreitungsweg für mehrkanalige Produktionen (vulgo "5.1"), mit dessen Abschaltung alle bestehenden und zukünftigen Mehrkanalproduktionen nur noch für den Abschlusswiderstand sind. Wahnsinnig innovativ, yeah!

Ich setze Hoffnung in die Tatsache, dass der Radiotransponder eine kostengünstige, qualitativ hochwertige und einfach zu bewerkstelligende Havariezuführung zu Senderstandorten darstellt. Ein weiteres Argument pro Satellitenverbreitung der Radioprogramme.
 
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#37
Das liest sich etwas weniger entspannt:

„Wir beobachten die weitere Entwicklung der Nutzung und werden sorgfältig abwägen, wie Reichweite und Nutzungsverhalten den Kosten gegenüberstehen“, so die ARD-Sprecherin abschließend.
Das liest sich sehr entspannt. Aus dem verlinkten Artikel:

Die Ausstrahlung der Radioprogramme über den Astra Transponder 93 ist von der Entscheidung zur SD-Abschaltung für das Fernsehen nicht betroffen“, bestätigte eine ARD-Sprecherin auf Anfrage gegenüber InfoDigital

Damit dürft sich doch jegliche Diskussion bezüglich der Radioprogramme erledigt haben. Allerdings zeigen die Nutzerzahlen von nur 11%, dass Radiohören über Sat jetzt nicht unbedingt der Quotenrenner ist. Also nutzen wohl fast 90% den Empfangsweg nur zum fernsehen.
 
#38
Am Radiotransponder hängt der einzige Verbreitungsweg für mehrkanalige Produktionen (vulgo "5.1"), mit dessen Abschaltung alle bestehenden und zukünftigen Mehrkanalproduktionen nur noch für den Abschlusswiderstand sind. Wahnsinnig innovativ, yeah!
Ach, wieso? Kann man doch auch wie seit Januar beim ORF (Ö1) machen: via HbbTV in eAC3. Streamadresse unbekannt, also keine Nutzung mit anderen Endgeräten möglich. Begründung: Bandbreite via Satellit sparen. Dafür läuft bei denen aber noch Ö3 als sinnloser Standbild-Videostream mit ca. 1,5 MBit/s via Astra, das fasst interessanterweise keiner an.

Radio hats wirklich schon schwer. Kulturradio hats noch schwerer.

Führt eigentlich noch irgendwer in der ARD UKW-Standorte via TP93 zu? Der BR hat das angeblich einst mit einigen Kleinstandorten von BR Klassik so gemacht, der MDR hat das ganz massiv mit den Funzelfrequenzen von MDR Aktuell so gemacht und wohl auch mit Sputnik. Ob die auch Kleinstandorte abseits der Grundnetzsender heute via Disnet erreichen, weiß ich nicht.

Sonst noch wer, und sei es als Havarieweg?
 
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#39
Allerdings zeigen die Nutzerzahlen von nur 11%, dass Radiohören über Sat jetzt nicht unbedingt der Quotenrenner ist.
Und nochmal: die Kabelhörer wissen, nicht, das ssie z.B. bei der PYUR, in allen Stadtwerkenetzen, in letztlich fast allen regionalen Netzen und in allen Kleinkabelanlagen auch Radio via TP93 hören. Tun sie aber. Dort, wo noch UKW ausgekabelt wird und dabei nicht regional übliche ARD-Programme drin sind, auch auf diesem Weg. Die Zahl ist also viel größer.
 
#40
Anderer Aspekt noch, nicht unbedingt ganz am Rand:
Die ARD sägt sich gerade die eigene Innovationsabteilung vom Stamm (siehe "Zukunft des IRT").
Also genau die Eierköpfe, die bei der Entwicklung neuer Übertragungswege und -formate gebraucht werden. Das kann man langsam nur noch mit Hirnamputation erklären.
Die Liste der Innovationen aus diesem Hause sieht aber auch eher duerftig aus. Das Verpacken von Ton und Bild in MPEG-Container und deren terrestrisches Rausblasen ist ja 2020 wirklich nicht mehr der Hit, siecht ja auch mehr oder weniger dahin und waere ohne Gebuehrengeld vielleicht schon eingestellt.

Auf der IRT Homepage prangt ueberall 5G, aber wenn man den Links folgt, bekommt man den Eindruck, man will irgendwie mitreden, die Seiten sind aber seit Monater nicht gepflegt. Mein Bauchgefuehl sagt, da hat sich jemand zu lange an der Oeffi-Zitze genaehrt und ist darueber etwas traege geworden.

HD-SAT-Receiver gibt es neu schon ab 25 Euro, wow! Wenn ich mal vier Wochen das Kellerlicht nicht vergesse auszumachen, habe ich mir das bei den Strompreisen locker drin. HDMI-Ausgang. Mein Rubens hat aber nur einen 300 Ohm symmetrischen Meterwellen-Eingang. Die Schweine von Amazon haben dafuer natuerlich keinen Adapter. Meine Petition zur Wiedereinfuehrung des Nipkow 180-Zeilen-Fernsehens hat komischerweise auch kaum Resonanz. Dann eben kein Fernsehen mehr.
 
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#41
Wieviele Flachbildschirme der ersten Generation (Plasma, teilweise noch 4:3 Format) können nur HDready und haben dann wenn tatsächlich irgendwann einmal von 720-p auf 1080-i.Full HD umgestellt wird auch wieder Probleme.
Dazu hätte ich auch eine Anmerkung zu machen. In fast allen Fällen läßt sich dieses "Problem" per schnödem Firmware-Update lösen. Das betagtere Flachbildschirme zwar mit "HDready" aber nicht mit "FullHD" klarkommen, liegt nämlich nur selten am Gerät selbst. Die erste HD-Generation, sprich als die kleinste HD-Auflösung "HDready" der letzte Schrei war, wurde dieses nämlich oft noch per herkömmlichen mpg-Stream versendet. Beim sogenannten FullHD sind aber ausnahmslos mp4-Streams im Einsatz. Und diesen etwas älteren Geräten fehlt schlicht der entsprechende Codec, um dieses mp4 auch auf die Mattscheibe zaubern zu können. In der Regel erkennt man das daran, dass da zwar ein Ton kommt aber kein Bild.
Entsprechende Updates findet man in der Regel auf den Homepages der Gerätehersteller, nebst Anleitung. Meistens muss nur das Update-File auf einen USB-Stick kopiert werden, welcher dann in den TV gesteckt wird. Übers Menü läßt sich das Update dann einspielen. Im Zweifel macht das auch ein Fachhändler des Vertrauens.
 
#42
"Rundfunkbeitrag steigt auf 18,36 Euro und zwingt ARD zur Disziplin"

Man scheint ja wirklich ein Vermögen durch das Ende der SD-Abstrahlung einzusparen wenn man im selben Atemzug künftig 12x 18,36 Euro von allen Menschen verlangt, für ein Angebot, dass (egal ob Radio oder TV) an allen Ecken und Enden ohnehin durch massive Sparmaßnahmen aus dem letzten Loch pfeift. Es ist nur noch unverschämt wie hier Ursache und Wirkung verkannt werden. Je mehr gespart wird, um so schlechter wird das Programm und um so mehr steigen komischerweise die Gebühren! Zur Disziplin kann man das Fass ohne Boden ARD+ZDF nur zwingen, indem man die Gebühren SENKT! Dann muss man nämlich aufhören, über seine Verhältnisse zu leben (Bremen, SR). Wozu braucht es eigentlich das ZDF bzw. was gibt es da was DAS ERSTE nicht hat? Und weg mit der Werbung bei DAS ERSTE und allen ARD Hörfunkwellen. Das wäre ein Anfang!
 
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#43
Man scheint ja wirklich ein Vermögen durch das Ende der SD-Abstrahlung einzusparen wenn man im selben Atemzug künftig 12x 18,36 Euro von allen Menschen verlangt,
Die Abschaltung einiger Transponder reicht halt nicht, um die gestiegenen Kosten aus anderen Verpflichtungen zu kompensieren. Wenn um 86 Cent erhöht wird, sind das im Jahr je Haushalt 10,32 EUR und bei ca. 40 Mio Haushalten dann etwas mehr als 400 Mio EUR. Nur mal grob.

Die gesamte Sat-Verbreitung (Radio + TV) lag bei der ARD laut Anmeldung für 2017-2020 bei 211 Mio EUR. Nimm da mal grob die Hälfte weg (SD-Abschaltung) - das wären 105 Mio EUR in 4 Jahren, also 26 Mio EUR pro Jahr. Schon das ist lächerlich gegen die 400 Mio EUR, die die Beitragssteigerung jährlich grob in die Kasse spült.

Es ist nur noch unverschämt wie hier Ursache und Wirkung verkannt werden. Je mehr gespart wird, um so schlechter wird das Programm und um so mehr steigen komischerweise die Gebühren!
Die Gebühren steigen aus anderen Gründen. Unter anderem laut 22. KEF-Bericht

Die Kommission hat die Neuregelung der Altersversorgung bei den Rundfunkanstalten mit
Unterstützung eines externen Gutachters geprüft. Sie bewertet insbesondere die Begren
zung der laufenden Steigerungen bei den Rentenzahlungen und die Vereinbarung eines
neuen Beitragstarifvertrags positiv und hat die mit dem 20. Bericht verhängten Sperren bei
ARD, ZDF und Deutschlandradio mit Ausnahme der Sperre beim HR aufgehoben.


Die Beiträge der Anstalten an die Pensionskassen steigen wegen der auch dort wirkenden
niedrigen Zinssätze überproportional an. Der Mehraufwand kann aber im Gesamtaufwand
für die Altersversorgung durch Entlastungen an anderer Stelle aufgefangen werden.


Mit den alten Tarifverträgen TVA/VO sowie den VTV-Tarifverträgen garantieren die Anstalten
den Beschäftigten bestimmte Versorgungsleistungen. Risiken, die insbesondere aus verän-
derten Zinsentwicklungen, aber auch aus anderen Faktoren wie veränderten biometrischen
Daten entstehen, sind von den Anstalten zu tragen.


Demgegenüber liegen diese Risiken beim neuen BTVA/VTV2015 nicht mehr bei den Anstalten:
Sie sichern keine bestimmten Versorgungsleistungen mehr zu, sondern führen lediglich die
Beiträge – als Prozentsatz des Einkommens – an die Pensionskasse ab. Die endgültige Höhe
der Versorgung hängt im Wesentlichen von den erzielten Ergebnissen der Kapitalanlage ab.


https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/22._Bericht.pdf

Wir sehen hier im Kleinen das gleiche wie bei der Rente im Großen - letztlich handelt es sich böse gesagt um sowas wie ein Schneeballsystem, das aufgrund sich völlig "ungeplant" entwickelnder sozialer Grundgrößen am Kollabieren ist.

Und das ist nur ein Punkt der Kostensteigerung.

Zur Disziplin kann man das Fass ohne Boden ARD+ZDF nur zwingen, indem man die Gebühren SENKT!
Das tut die KEF bereits, und zwar für die Anstalten sehr schmerzhaft. Schau Dir im Bericht an, was da alles nicht bewilligt wird.
Und weg mit der Werbung bei DAS ERSTE und allen ARD Hörfunkwellen.
Das fände ich auch schön, nur fehlen dann weitere Einnahmen:

Die Kommission stellt für 2021 bis 2024 finanzbedarfswirksame Erträge aus Werbung von
1.064,6 Mio. € fest. Davon entfallen auf die ARD 429,6 Mio. € und auf das ZDF 635,0 Mio. €.


1 Milliarde auf 4 Jahre sind 250 Mio. EUR im Jahr. Da können wir den Rundfunkbeitrag gleich nochmal um 50 Cent zusätzlich erhöhen.
 
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#44
86 Cent klingt zunächst nicht sehr viel. Das ist ein Überraschungsei. Oder zwei Teigwaren vom Billigbäcker. Oder eine Flasche billiges Bier. Nicht ganz eine Tüte Milch. Wenn ich aber den Gesamtbetrag von rund 18 Euro sehe denke ich auch an die jenigen Menschen unter uns, die am Steakhouse vorbei gehen und dort das billigste Gericht auf der Karte lesen für die selbe Summe, mit knurrendem Magen. Was hat die Zwangsvollstreckung von hart erwirtschafeten Einnahmen für einen maroden, angepassten, harmlosen ÖR noch mit Solidarität und Allgemeingut zu tun?

Es sollte jeder selber entscheiden können, ob und für was er sein Geld ausgibt. Wenn die ARD so wichtig und so unverzichtbar ist, wie sie sich selber gerne darstellt, wird es genug freiwillige Unterstützer finden, die auch bereit sind, weit mehr als diese 18 Euro zu spenden. Wenn nicht, ist es kein Verlust. Ein ÖR der keinen Rückhalt einer breiten Bevölkerungsgruppe hat, ist schwach und angreifbar.

Die ARD verschleudert lieber weiter ihr Geld für unnütze Programme wie MDR SPUTNIK / MDR TWEENS und NJOY obvwohl es beides in identischer Form doppelt gibt (MDR JUMP und NDR 2 ). Wieviel Geld würde man sparen, wenn man ein paar dieser sinnlosen Popwellen einstellt? Oder das ZDF in einen privatrechtlichen Sender umwandelt? Das würde der Zuschauer nicht einmal merken.
 
#45
Ich bin da in vielen Punkten bei Dir, @s.matze . Mit dem vor einigen Jahren mühsam gefundenen neuen Beitragsmodell bin ich auch nicht glücklich. Ich sähe da lieber ein Modell, das die tatsächliche "Finanzkraft" eines jeden Menschen zur Bemessung heranzieht. Das empfände ich als wesentlich solidarischer.

Aber wie machen? Am aktuellen Einkommen bemessen? Dann wäre es eine Steuer - und das wollte man um jeden Preis vermeiden, denn Steuern sind letztlich staatliche Einnahmen und den Verdacht, es handele sich um "Staatsfunk", den will man ja nicht unbedingt noch weiter befördern.

Es gab dazu viele Diskussionen (gewiss auch hier, ich mag jetzt nicht danach suchen). Auch über die irren Doppelungen / mehr-als-Doppelungen nahezu identischer Angebote einer Anstalt wurde viel diskutiert. Die fetten Brocken sind das aber auch nicht. Es sind letztlich alles kleine, beinahe vernachlässigbare Posten, die sich dann zu einer stattlichen Summe addieren. Ein bißchen wie der Witz aus meiner Kinderzeit, "Herr Tankwart, wieviel kostet denn ein Tropfen Benzin?"- "Ach, ein Tropfen Benzin kostet nichts." - "Gut, dann tropfen Sie bitte mal meinen Tank voll."

Am Beispiel des MDR (Tweens war da noch nicht dabei):

https://www.mdr.de/unternehmen/info...rundfunkbeitrag-download-100-downloadFile.pdf

Die Schlagerwelt kostet letztlich fast gar nichts, ebenso MDR Klassik. Überrascht war ich, dass MDR Sachsen mehr kostet als MDR Kultur. Der ganze Hörfunk (was zählt da alles rein?) kostet gerade mal 1,91 EUR im Monat. Verbreitung (Senderkosten, also auch Sat) ist aber extra gelistet und nicht nach Radio und TV aufgetrennt.

33 Cent gehen an die Landesmedienanstalten, wovon die u.a. wiederum Offene Kanäle / Ausbildungskanäle / Medienpädagogische Arbeit etc. finanzieren.

Die Deutschlandradios bekommen lächerliche 50 Cent im Monat für 2 rappelvolle, aufwendige Programme und DLF Nova ist zwar nicht mein Ding, aber auch nicht gerade eine Billigproduktion. Der kleine Betrag täuscht freilich: den bekommt das DRadio von allen Gebührenhaushalten, nicht nur aus denen im MDR-Gebiet.

Üppig mutet mir das ZDF an, aber das sind auch mehrere Programme. Da man aber bundesweit Geld bekommt, ist das schon heftig.

Beim MDR-Fernsehen geht das meiste in Politik/Gesellschaft - gerade die Ländermagazine um 19 Uhr gehören für mich zu den hochwertigsten Angeboten dieser Art in der ARD. Ich kenne nur das Thüringer wirklich besser (alte Heimat) und empfand es als weitaus solider als z.B. das "Nordmagazin" des NDR MeckPomm. Es ist viel mehr Politik drin, zumindest war das mein Gefühl vor Jahren, als ich es noch als Gast bei meinen Eltern ab und an zu sehen bekam.

Die Radiowellen fallen jedenfalls kaum auf in diesen Beträgen. Dennoch hätte ich da lieber weniger, aber dafür bessere.

Auch interessant ist der Blick über den Tellerrand, selbst wenn einige der Informationen nicht mehr auf aktuellem Stand sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkabgabe
 
#47
Das sorbische Programm ist eine Art Co-Produktion mit dem rbb. Beim rbb wird es über die Cottbuser Frequenz vom Inforadio ausgestrahlt, beim mdr über die Frequenz von mdr Sachsen vom Sender Hoyerswerda. Das Frühprogramm bestreitet dabei der mdr (9-12 Uhr) und mittags ist der rbb dran (12-13 Uhr). Am Abend (ab 19 Uhr) gibts zudem diverse Spezialprogramme, u.a. eine Jugendsendung.
Der mdr hat das Sorbische Programm als Extra-Kanal in seinem DAB+-Angebot mit drin. Das kann dort also quasi sachsenweit empfangen werden. Der rbb leider nicht.
 
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#48
Erfreulich sachliche Diskussion, auch wenn ihr vom Ausgangsthema abgekommen seid.
Was beim Rundfunkbeitrag unbedingt erwähnt sein muss: diese Erhöhung ist die erste seit 12 (!) Jahren.
Bei der Umstellung auf die Haushaltsabgabe wurde der Beitrag 2015 sogar von 17,98 auf 17,50 gesenkt, weil das neue Beitragsmodell Mehreinnahmen verursachte. Diese Mehreinnahmen durften die Rundfunkanstalten nach einer Sperrzeit dann aufbrauchen um den Beitrag trotz allgemeiner Verbraucherpreissteigerung so lang konstant zu halten - das Budget mit dem die Anstalten in dieser Zeit gehaushaltet haben ergibt heruntergebrochen einen Betrag von 18,35 monatlich. Kein Scherz. Die Erhöhung beträgt also genau einen Cent.

Wie hoch ist die allgemeine Inflation von 2009 bis heute?
 
#49
das Budget mit dem die Anstalten in dieser Zeit gehaushaltet haben ergibt heruntergebrochen einen Betrag von 18,35 monatlich. Kein Scherz. Die Erhöhung beträgt also genau einen Cent.
Interessant. Da bin ich mal gespannt, ob diese Rechnung, an deren Richtigkeit - wenn schon von @Funkminister aufgemacht - keinen Zweifel habe, in der kommenden Diskussion über die "Erhöhung" seitens der ÖRs ins Feld geführt wird.
 
#50
Ich habe dazu leider keine Veröffentlichung der ARD gefunden, interne Quellen kann ich logischerweise nicht hier zitieren, verbürge mich aber für die Richtigkeit dieser Rechnung.
Der NDR veranstaltet ja nicht aus Daffke Einsparbemühungen von € 60 Mio jährlich für die nächsten vier Jahre. Das geht gerade richtig ans Eingemachte.
 
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