Soundprocessing – Der Klang der Sender


Da wäre ja erstmal generell zu klären, was "gleicher Pegel" bei UKW und DAB technisch bedeuten soll. Da liegt nahe, die regelung mit den 40 kHz FM-Hub und den -9 dBFS bei 400 Hz herzunehmen. Gibt es dazu Vereinbarungen mit den Autoradio-Herstellern (bzw. den Chipsatz-Herstellern)?

UKW krankt ja als anloger Weg an der nicht-Eindeutigkeit von Ausgangspegeln an z.B. UKW-Tunern. Da kann jeder machen was er will. Es gibt seit den Bemühungen zur Umsetzung von R128 im ARD-Hörfunk Messungen dazu, die wurden bei den üblichen Kalibrierungen an den (digitalen) Ausgangsleitungen Richtung UKW-Sender vorgenommen. Demnach sind -18 LUFS in etwas das, was zu 0 dBr MPX-Leistung führt. Wenn man also UKW nahe an der Grenze des Machbaren fährt und DAB (zumindest bei Pop-Wellen) auf -18 LUFS bringt, sollte das hoffentlich weitgehend harmonisch sein, entsprechend konforme Signalpegel in den Empfangsgeräten vorausgesetzt. Kulturprograme schaffen den Spitzenhub eher als die MPX-Leistung, da gehts dann eher in Richtung -20 ... -23 LUFS auf den digitalen Wegen.

In Norwegen hatten sich mal der öffentlich-rechtliche NRK und die Privaten zusammengesetzt, um eine gemeinsame Pegel-Richtlinie auf die Beine zu stellen. Dort wurden es brutale -15 LUFS. Warum? Weil man den deutsch-braven UKW-Grenzwert der MPX-Leistung nicht einhält in Norwegen. Man ist auf UKW 3 dB lauter, also macht man auch DAB 3 dB lauter als es in Deutschland vorgesehen ist.

https://tech.ebu.ch/docs/techreview/trev_2012-Q1_dab-loudness_aarseth.pdf

Wenn deutsches DAB also verglichen mit UKW wild losbrüllt, war irgendwer auf Anbieterseite einfach nur erfreut, ohne MPX-Limitierung auf Kante fahren zu können - und hat die DAB/UKW-Wechselhörer vergessen.
 
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Die BLM stellt zu diesem Thema in DAB-Ausschreibungen für gewöhnlich folgende Passage bereit:
https://www.blm.de/files/pdf1/anlage_1_kapazitaetsstufen.pdf

Zitat von BLM:
Lautstärke-Niveau bei DAB
In Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk als Vertreter der öffentlich-rechtlichen Rund-
funkanstalten hat sich die Bayerische Landeszentrale für neue Medien das Ziel gesetzt, alle
DAB-Programme auf ein einheitliches Lautstärke-Niveau nach der EBU-Empfehlung R128
anzugleichen. Da jedoch auf absehbare Zeit noch der analoge Hörrundfunk (UKW) mit dem
digitalen DAB-System parallel bzw. simulcast (gleicher Inhalt) betrieben wird, sollten für den
Endkonsumenten DAB-Programme gleich laut wie die UKW-Programme sein. Untersu-
chungen haben gezeigt, dass statt dem EBU-Richtwert – 23 LUFS ein Richtwert von -18 LUFS
zu einem guten Umschaltverhalten zwischen UKW und DAB führt.
 
Ah, danke, da wissen welche offenbar, wie es geht. Und offenbar sind die Empfangsgeräte tatsächlich (fast) alle so kinstruiert, daß es dann auch passt.
 
UKW krankt ja als anloger Weg an der nicht-Eindeutigkeit von Ausgangspegeln an z.B. UKW-Tunern.
Nun ja, die lassen sich durch sog. Anpassverstärker kalibrieren. Für wesentlich halte ich, dass die Programme an einem Gerät zueinander passen.
Gibt es dazu Vereinbarungen mit den Autoradio-Herstellern (bzw. den Chipsatz-Herstellern)?
Ich erinnere mich an eine ARD-Richtline zu Zeiten des DAB-Versuchsbetriebes, die auch den Geräteherstellern empfohlen wurde. Bei einigen Geräten funktionierte dann auch die Umschaltung DAB/FM ohne Loudnesssprünge. Leider nicht bei allen.
 
Ich wohne im €inzugsbereich des HR. Alle Programme laden die Musikdateien vom gleichen Server hoch.

Aber:

HR1 klingt super, wenn auch oft zu viel Präsenzen drin, offensichtlich sehr gut programmierter Optimood.
HR3 kann man qualitativ vergessen, erinnert mich an FFH oder diese Untersparte BOB, den niemand braucht. Zur analogen Zeit war der Optimood ausgeschaltet und die Fader stets am am oberen Anschlag (mehrfach von mir beobachtet).
Der damalige Senderleiter ging mir aus dem Weg, ihn interessiere das nicht so sein Komentar.
HR4 hat schon mal gut geklungen, aber die Titel laufen ab wie von CD; grell, kaum Dynamik und fehlender Tieftonanteil.

Also bleibt mir nur übrig, "Feindsender" aus'm Osten zu hören was schade ist, da das redaktionelle Programm mit Moderation auf HR1 Spitzenklasse ist!
 
Hallo zusammen,

vielleicht kann ich zusammenfassend nochmal zur Erhellung beitragen?

- nach R128 produziertes Signal liefert eine durchschnittliche Loudness von -23 LUFS und Truepeaks bis zu -1 dBfs (dieses Signal kann so digital 1:1 übertragen werden)
- auf UKW sind technisch im Durchschnitt -18 LUFS möglich

Will man also beide Signale innerhalb eines Empfänders gleich laut haben, und betrachtet das UKW Signal als Referenz, dann muss man das nach R128 produzierte Signal um 5 dB lauter (Peaks beachten) machen. Leider wird im Hörfunk jedoch innerhalb der Produktionskette meist gar nicht nach Loudness produziert. Um diese lästigen Loudnessunterschiede zu "verhindern" glaubt man ja schon lange den Versprechungen von Orban und co, und benutzt deren Geräte dann auch für beide Verbreitungswege.

Wenn das DAB Signal deutlich lauter als das UKW Signal ist, kann das nach meiner Vorstellung folgende Ursache haben. Die Spitzen werden für mögliche -18LUFS auf UKW oft bei -9 bis -7 dBfs digital limitiert. Dieses Signal kann man somit um 8 bis 6 dB anheben, um noch 1 dB bis fullscale zu lassen. Wenn man sich in der Produktion an aktuellen CD Mastern orientiert, die bei -23 LUFS nur noch Peaks bis ca -15 dBfs erreichen, dann könnte man also sogar um 14 dBfs anheben. Der Loudnesslevel dieses DAB Programms zu seinem UKW Pendant läge also nicht bei -18 LUFS sondern bei -4 LUFS!!! Spätestens diese Differenz sollte man deutlich wahrnehmen können.

Mit R128 hat das alles natürlich nur am Rande zu tun ;)

Beste Grüße, Björn
 
- nach R128 produziertes Signal liefert eine durchschnittliche Loudness von -23 LUFS und Truepeaks bis zu -1 dBfs (dieses Signal kann so digital 1:1 übertragen werden)
- auf UKW sind technisch im Durchschnitt -18 LUFS möglich
UKW steuert man aber bei -9 dB FS aus. Das heißt, man käme auf -14 LUFS. Vorrausgesetzt die MPX Lesitung lässt es zu. BS 412 ist da auch noch zu beachten!
 
Das sagte ich ja, vielleicht nicht deutlich genug. Wegen der MPX Leistungsbegrenzung sind durchchnittlich dort nur -18LUFS möglich, bei gemessenen TP Spitzen von -9 bis -7dBfs.

Beste Grüße, Björn
 
Vielleicht hilft das:

https://www.radioforen.de/index.php...-radios-gleich-laut-machen.39494/#post-706118

Der entscheidende Punkt müsste Folgender sein:

Und was gibt es da am Ende nach all dem Aufwand mit neuen Lautheitsmeßgeräten und filebasierter Lautheitsangleichung im Sendesystem? Richtig: den fetten Optimod. Der ist immer noch drin im Konzept.
Und solange das der Fall ist, können wir auf ein
im Studio getrost pfeiffen.

Was bringt ein im Studio nach Lautheit ausgesteuertes Programm, wenn der Soundprocessor im Endeffekt, durch brachiale Kompression, doch wieder alles zunichte macht?

Grüße

Nachtrag, da ich es gerade erst gelesen habe:
Wenn das DAB Signal deutlich lauter als das UKW Signal ist, kann das nach meiner Vorstellung folgende Ursache haben.
Keine. Denn die meisten Sender, die ich kenne, geben einfach das für UKW bearbeitete Signal auf DAB+.
Man überprüfe einfach mal die obere Grenzfrequenz des DAB+ Signals. Liegt diese bei 15kHz - 16kHz, ist die Sache klar. ;)
Sind beide Signale gleich, kann man sie durch eine entsprechende Pegelung locker aneinander angleichen.
 
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UKW steuert man aber bei -9 dB FS aus. Das heißt, man käme auf -14 LUFS.
Nein. Das alte Verwirrspiel. Wenn gemäß Björn für ein hypothetisches Programmsignal gilt

nach R128 produziertes Signal liefert eine durchschnittliche Loudness von -23 LUFS und Truepeaks bis zu -1 dBfs
dann wäre der Weg zu UKW mit - 9 dBFS nicht "8 dB mehr Pegel" (und damit -23 + 8 = -15 LUFS), sondern in erster Näherung "8 dB weniger Pegel", also -23 - 8 = -31 LUFS. Das ist dann auf dem Niveau von Dolby-Dialogpegel und im UKW-Radio nicht mehr zu hören. ;)

Genaugenommen stimmt ja auch diese Überschlagsrechnung nicht. -1 dBTP nach R128 (genauer als "samplegenau", also nach Upsampling inkl. Zwischenwertberechnung entsprechend der Hüllkurve des quasianalogen Signals) wären ja je nach Programmaterial vielleicht -3 ... -6 dBFS auf einer 10-ms-Anzeige. Diese Anzeigen hatten in der üblichen alten "analogen Skala" bei Sinus-Kalibrierung die 0 dBr bei -9 dBFS liegen. Damit käme man etwa auf Aussteuerungen von maximal +3 ... +6 dBr - alles über +5 dBr wäre nicht mehr unterscheidbares "Over" der Anzeige gewesen.

Man merkt hier schon: da wollen zwei Welten nicht ganz zueinanderpassen. UKW-Lautheit von -18 LUFS erreicht man mit Programmsignal der Marke "Björn" (sieht nach dynamischer Fernsehtonmischung aus und nicht nach Popmusik aktualler Machart) nicht ohne Kompression oder Peak Limiting.

Eine Aussteuerung auf -9 dBFS auf UKW kann so pauschal auch nicht stehenbleiben. Die mir bekannte Kalibrierung ist bei Frequenzen unterhalb der Einsatzschwelle der Preemphasis (z.B. 400 Hz) "-9 dBFS = 40 kHz Hub bei ausgeschaltetem RDS und ausgeschaltetem Stereo-Hilfsträgersystem". Da sind Reserven nach oben. Und wieder machen die Unterschiede von dBFS und dBTP Probleme beim Vergleich: die von der ARD 2012 durchgeführten Messungen nach R128 an UKW-Modulationsleitungen zeigten TruePeak-Spitzenpegel bis -2,7 dBTP (B5 aktuell), -3,2 dBTP (N-Joy), -3,7 dBTP (SR 3), -2,4 dBTP (SWR 3). Die zugehörigen dBFS-Werte kennen wir ebensowenig wie die zugehörigen Werte einer 10-ms-Pegelanzeige. Sie wären allesamt programmabhängig und nicht nachträglich aus den dBTP-Werten auszurechnen.

Auffällig war damals bei den Messungen nur, wie sklavisch sich der RBB bei Radio Eins und Antenne Brandenburg an -9,1 dBTP gehalten hat und dabei jeweils -18,2 LUFS erreichte. Das weitgehend "human" bearbeitete Bayern 2 erreichte bei diesen Messungen ebenfalls -18,2 LUFS (auch über einen ganzen Tag), aber einen Peak von -5,6 dBTP. Man kann die Lautheit der RBB-Wellen also auch bei anhörbar klingendem Processing erreichen.

Setzt man die DVB-S-Versionen von Radio Eins und Bayern 2 mal 1:1 auf UKW um bei identischer Pegelkalibrierung des Umsetzers, findet man so etwas:

Radio Eins via DVB-S Blankom NF-Korrektur 0 dB.png

Bayern 2 via DVB-S Blankom NF-Korrektur 0 dB.png

Das ist jeweils eine Stunde Programm und damit schon Willkür, es ist ja nicht identisches Programm.

Man sieht: beide haben in dieser Stunde die gleiche MPX-Leistung (Mittelwert knapp unter -3 dBr, Maximum -2,4 dBr. Bayern 2 ist auf ca. 52 kHz Spitzenhub limitiert, Radio Eins trotz aller im Signal übel hörbarer Plattmacherei hat einzelne Spitzen bis 60 kHz Hub, hängt aber die meiste Zeit bei etwa 40 kHz Hub herum. Man erreicht also die gleiche Lautheit mit ca. 10 kHz weniger Hub als bei Bayern 2 - ein Indikator für derbere Kompression.

Diese Werte laufen so natürlich nicht im Kabelnetz. Bayern 2 ist z.B. um 1,5 dB aufgedreht, Reserven hat es genug, warum also S/N verschenken?

Real sieht Radio Eins auf echtem UKW natürlich anders aus. Niemand hat 3 dBr MPX-Leistung zu verschenken, auch Radio Eins nicht. Hier der Verlauf von 95,8 Berlin:

Radio Eins Berlin 95_8.png

Immerhin -1,18 dBr mittlere MPX-Leistung. Da geht noch was, lieber RBB. Die Kollegen von 104.6 RTL hatte ich seinerzeit mit 0,0 dBr maximaler MPX-Leistung und -0,34 dBr mittlerer MPX-Leistung gemessen. Vermutlich klingt es bei denen dennoch nicht so kaputt. Zu einem solchen Bild gehören laut ARD-Messung also in etwa -18 LUFS und -9 dBTP. Letzterer Wert und die in der Messung schon punktuell erreichten 75 kHz Spitzenhub wollen für mich erstmal nicht so recht zusammenpassen. Eventuell sind diese einzelnen Peaks auch Artefakte der Messung.
 
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Auffällig war damals bei den Messungen nur, wie sklavisch sich der RBB bei Radio Eins und Antenne Brandenburg an -9,1 dBTP gehalten hat und dabei jeweils -18,2 LUFS erreichte. Das weitgehend "human" bearbeitete Bayern 2 erreichte bei diesen Messungen ebenfalls -18,2 LUFS (auch über einen ganzen Tag), aber einen Peak von -5,6 dBTP. Man kann die Lautheit der RBB-Wellen also auch bei anhörbar klingendem Processing erreichen.
Ist auch in den Online Streams so. Der rbb könnte durchweg noch lauter sein, wenn man diesen fiesen, energielastigen Untertonmulm mal reduzieren würde. Der fällt mir zumindest im Auto bei Fritz immer besonders auf. Nun sind die durchweg mit Geithain Lautsprechern ausgestattet, die das auch perfekt Abbilden. Aber keiner macht was draus.
 
Der entscheidende Punkt müsste Folgender sein:
Und was gibt es da am Ende nach all dem Aufwand mit neuen Lautheitsmeßgeräten und filebasierter Lautheitsangleichung im Sendesystem? Richtig: den fetten Optimod. ...
Der bräuchte gar nicht so "fett" eingestellt sein. Leistungsbegrenzung kann der sicher auch "fettfrei". Es ist halt eine - bezüglich sauberem Klang - dumme Maschine wie andere auch.
Und solange das der Fall ist, können wir auf ein
- nach R128 produziertes Signal ...
im Studio getrost pfeiffen.​
Aber nein, um des Himmels Willen! Dann hätten wir ja nicht mal mehr im Archiv etwas vernünftig Produziertes.
Irgendwann kommt man an der Entscheidung zur Trennung von UKW und Digitalradio eh' nicht mehr vorbei:

- Erstens spielt im PKW die notwendige Umschaltung DAB/UKW kaum noch eine Rolle *)
- und Zweitens könnte endlich vernünftiges Digitalradio gefahren werden.
mfg. TB.
____________________________
*) Hierzu fordere ich die Autoradio-Hersteller auf einen Balance-Steller (evtl. programmbezogen) einzubauen!
. (so wie das für die Lautstärke von Verkehrsdurchsagen auch funktioniert)

Hier nochmal grafisch die Einschränkung der UKW-Aussteuerung (rot :: single sine mono) im Vergleich zum Digitalradio (post)
 
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Teilweise die, die es nirgendwo auf UKW gibt. U.a. Bayern plus, BR Heimat, MDR Klassik, offenbar auch SWR 2 und WDR 3. Das sind die Programme, die mir beim Umsetzen auf Kabel-UKW bissl Stress machen, den man freilich durch etwas niedrigere Aussteuerung in den Griff bekommt. "Kein UKW-Processing" muß aber nicht zwingend "kein Processing" heißen. Es fehlt dann halt der UKW-Transientenlimiter, der die Preemphasis berücksichtigt. Auch DLF Nova ist so ein Kandidat. Das Thema wird sich mit dem UKW-Aus in den kabelnetzen aber sowieso bald komplett erledigen.

Und dann gibt es freilich auch Programme, die mit dem UKW-Processing arbeiten, aber sauber sind. Bayern 2, BR Klassik, hr2 sind solche Kandidaten.
 
Senden auf dem ARD-Hörfunktransponder über ASTRA 19,2° Ost noch Sender ohne UKW-Soundprocessing?
Nach meinem Kentnisstand sollte WDR 3 auf DVB-S völlig trocken laufen, quasi Pultausgang - eine schöne Referenz, aber mit den damit verbundenen Kollateralschäden. Die da beispielsweise einzelne übersteuerte Samples wären, wenn bei Sprache der „Schutzbegrenzer“ im Mikrofonweg (insofern überhaupt eingetastet) nicht schnell genug anspricht und dann noch die datenreduktionsimmanente Pegelerhöhung durch die Wandlung auf 384 kbps MP1 Layer 2 für DVB-S dazukommt.
Dafür hört man aber, was wirklich aus der Zuspielquelle kommt und kann sich am Klang trockener U87Ai erfreuen.

Post bearbeitet: Passage mit der Ansprechzeit des Lawo-internen Limiters gestrichen, da absolut nicht sicher, wie schnell die Ansprechzeit in der Praxis ist.
 
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die Wandlung auf 384 kbps MP1 Layer 2 für DVB-S dazukommt
Ich weiß, Du weißt es selbst: der Sat-Weg hat 320 kbps abzüglich Zusatzdaten (RDS).

und kann sich am Klang trockener U87Ai erfreuen
Was nutzen inzwischen eigentlich die "Nachrichten"? Da waren einst soweit ich mich erinnere Gefell M930 installiert, von denen eines dann ohne Vorwarnung 6 dB im Pegel absackte (ein Defekt, der mir auch schon von woanders berichtet wurde).
 
Ich weiß, Du weißt es selbst: der Sat-Weg hat 320 kbps abzüglich Zusatzdaten (RDS).
Ja. Schlauchsteher. Zu viele verschiedene Formate und Übertrgungsstandards im Kopf

Was nutzen inzwischen eigentlich die "Nachrichten"? Da waren einst soweit ich mich erinnere Gefell M930 installiert, von denen eines dann ohne Vorwarnung 6 dB im Pegel absackte (ein Defekt, der mir auch schon von woanders berichtet wurde).
Sehr wahrscheinlich TLM102 - ggf. auch das reparierte Gefell.
Es gab wohl mal vor langer Zeit eine Testrunde mit Nachrichtenleuten und dem Sprecherensemble, bei denen die M930 sehr gut abschnitten, dann wurden einige auf Wunsch derer, deren unmittelbares Arbeitswerkzeug das ist angeschafft, findet man daher auch in diversen Produktionsstudios - oder die Nemänner in kleineren Studios wurden durch Gefell ersetzt, wenn man irgendwo eine große Anzahl identischer Mikrofone brauchte und nicht genügend Gefell hatte.
Später hat man sich dann wieder für Neumann entschieden, leider auch weil das in der Tat wohl nicht das erste Gefell war, das spontan nicht mehr wollte.
Als die günstigeren TLM102 rauskamen wurden die sehr beliebt, nicht nur im WDR. Die belgische RTBF z. B. stattet Studios auch damit aus, wenn neu beschafft werden muss. Leicht höhenlastiger als die bekannten Kandidaten U87/U89/TLM103, aber generell kein schlechtes Mikrofon.

Mikrofone können ja eh eine lange Zeit von Studio zu Studio wandern, insofern bei Neubauten genügend des gleichen Typs vorhanden

Irgendwann aber... habe auch noch diverse MD 421 im Einsatz (daher nicht ganz vergleichbar), Farbe Schlagersängerweiß, die sehr alt aber immernoch gut sind, man aber doch einen alterungsbedingten Unterschied zu neueren 421ern (nicht Baureihe II, die war wohl eh ein bisschen anders) hört.[/QUOTE]
 
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Und dann gibt es freilich auch Programme, die mit dem UKW-Processing arbeiten, aber sauber sind. Bayern 2, BR Klassik, hr2 sind solche Kandidaten.
Hallo @Radiowaves, bei meinem Haussender Bayern2 ist das Sendeprozessing weiterhin ok.
  • Zum Gehörproblem wird dort zeitweise/zunehmend aber die Lästigkeit von plattproduzierten Musikkonserven (CDs) der Neuzeit, die zu LAUT abgespielt werden. Ausgerechnet bei denen ist das Gehör wenig tolerant. Zuweilen fangen die Stücke "leise" und gut klingend an und steigern sich dann bei lauten Passagen zu unerträglichem Matsch *).
  • Oder Eigenproduktionen mit lästig laut unterlegten Klangteppichen. Besonders übel wirken zu laute (und zu allem Überfluss dynamikkomprimierte) Klavieranschläge mitten im Sprachverständlichkeitsfrequenzbereich oder sonstiges nerviges Gebimmel das sich inzwischen überall auszubreiten scheint (s. Filmton).
Nach meiner Meinung wäre zur Loudness-Kontrolle (R.128) schon bei der Produktion zusätzlich eine Lästigkeitserfassung notwendig.

Ich weiß, Du weißt es selbst: der Sat-Weg hat 320 kbps abzüglich Zusatzdaten (RDS).
Die 320 kbps (mp2 OHNE Joint, minus Metadaten) (hinter einem Oversampling-ADC) stellten nach meiner Erfahrung weder für die Klangqualität noch für Übersteuerungen (Hüllkurvenverzerrungen) ein Problem dar.
mfg. TB
________________
P.S.: *) Das wird besonders für Hörer im fortgeschrittenen Alter zum Problem wo das Auflösungsvermögen für Klangkomponenten im Gehör naturgemäß nachlässt. Vielleicht kann das mal Jemand von der Produktion prüfen (sofern er überhaupt Interesse hat).
 
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Ohne UKW-Processing sind auf jeden Fall:

WDR 3
SWR2
SR 1 Europawelle
SR 2 KulturRadio
SR 3 Saarlandwelle
Deutschlandfunk Kultur
NDR Plus
BR Heimat
BR-KLASSIK (AC3)
Andere AC3-Spuren vermutlich auch, aber das kann ich auswendig nicht sicher sagen.
 
Klasse Diskussion, gefällt mir so gut dass ich nach längerer Absenz doch mal wieder mitmachen mag. Zumal das Lautheitsthema im Hörfunk gerade wieder oben auf dem Stapel liegt, was meinen Brötchengeber betrifft.

Folgendes kann ich ergänzen:

NDR 1 Radio MV wird digital ebenfalls ohne UKW-Vorbehandlung verbreitet. Und das seit dem letzten technischen Umbau, der auch schon mehrere Jahre her ist.
Der Optimod hält insgesamt 3 unterschiedlich bearbeitete Signale bereit:
- UKW-processiert
- für Digitale Verbreitung
- Low-Latency Abhörweg für die Kopfhörer der Moderatoren
Letzterer ist notwendig weil die Latenz des echten Sendesignals hinter Optimod zu groß ist, um es beim Moderieren auf den Ohren zu haben. Damit aber hörbar ist was man am Pult fabriziert, wird ein zweites prozessiertes Signal gebildet das keine bzw. keine wahrnehmbare Latenz hat, aber so ähnlich klingt. Würde man nur nach Pultsumme fahren, käme das einer Nebelfahrt mit verbundenen Augen gleich...

Wenn es interessiert, so funktioniert die „Gemischbildung“:

Innerhalb des Sendepultes gibt es 3 Summen - Mikrofonsumme, Wortsumme (Zuspiel Wortbeiträge aus der SAST und Leitungen) und Musiksumme.
Mikrofon- und Wortsumme werden pultintern summiert, diese Wortsumme dann wiederum extern mit der Musiksumme. Externe Summierung deshalb, weil die Musiksumme noch einen halbwegs exotischen Röhren-EQ eingeschliffen bekommt, und um Wort- und Musikanteile getrennt aufzeichnen und abgeben zu können, z.B. beim Nachtprogramm.
Nach der Summierung geht es in den Optimod und danach noch in einen separaten MPX Begrenzer, sofern es sich um eine UKW Zuführung handelt.

Als Mikrofon dient mittlerweile durchgängig der neuzeitliche Einheitsduschkopf BCM104 mit eingeschaltetem Trittschallfilter, vorverstärkt, zusätzlich trittschallgefiltert und digital gemacht vermittels Jünger v02 mit einer dezenten Delle bei 200Hz um die allgegenwärtige Nahbesprechung noch etwas abzumildern.
Im DHD Pult wird pro Mikrofonkanal expandiert und (Notbrems)limitiert, letzteres um den Mikrofonsummenbus nicht zu überfahren. In selbigem wird dann erstmals komprimiert mit 4:1 bei moderatem Arbeitspunkt und etwas Aufholverstärkung. Fertig.

Die Wortsumme hat soweit ich das erinnere nur einen Begrenzer und vorweg eine zahme AGC, um einerseits eigene vorproduzierte Beiträge nicht doppelt zu bearbeiten, andererseits aber zu schwachen Pegel auf ankommenden Leitungen anzuheben. Bei korrekt produzierten Beiträgen greift keins von beidem ein.

Die Musiksumme wird pultintern nicht bearbeitet.

Damit liesse sich zunächstmal ein gut klingendes Programm mit angemessener Dynamik fahren, sofern das beabsichtigt wäre. Der Optimod macht derartige Bemühungen allerdings zuverlässig hinfällig.

Zum Gefell M930 fällt mir ein, das hatten wir früher für die Nachrichtensprecher auch. Leider hatten alle Exemplare den schon angesprochenen Pegelabfall, und wurden ausgemustert. Verantwortlich war laut unserer Messtechnik ein Konstruktionsfehler der erst durch die jahrelang ununterbrochen anliegende Phantomspeisung seine Wirkung entfaltete. Die Studios wurden ja niemals ausgeschaltet.

Da auch der Fernsehton angesprochen wurde - dieser ist gänzlich frei von fixen „optimierenden“ Processings. Lediglich in der zentralen Sendeabwicklung gibt es im Audioweg einen Begrenzer der die Einhaltung der -1dBTP sicherstellt. Ansonsten liegt die Klanggestaltung in den Händen der mischenden und sendenden Kollegen.
Lautheit und Dynamik werden daher weitaus sorgsamer behandelt, darüber hinaus gilt aber natürlich auch hier: Shit in=Shit out ;)

Es grüßt,
Sebastian
 
Danke, @Funkminister!

Sehr tolle Einblicke, die man "von außen" durch bloßes Reinhören ins Programm ja nie bekommen kann. Ok, ich hätte MDR Radio MV mal via Sat hören/messen können, auf diese Idee bin ich freilich nie gekommen. Gerade mal gemacht: 9 Minuten gegen 20:30. Die NF geht bis ca. 16 kHz, teils mal kurz bis knapp 17 kHz. Das ist auch bei Sprache so (und eben nicht bis ca. 20 kHz), kann aber sein, dass die aktuelle Sendung (Radio Pomerania) in Gänze vorproduziert ist (habe spontan einen schlecht geschnittenen Atmer in der "Live"-Moderation gefunden) und bereits durch anderweitige Begrenzungen und einmal 384 kbps MPEG 1 Layer 2 gelaufen ist. Auffällig dynamisch wirkt das Gehörte für mich auch nicht, es zieht eine AGC fies leise Stellen hoch (Audio 1 im Anhang, Phil Collins rauscht derbe auf) und sehr "dichte" Stellen gehen angestrengt in die Verzerrung (Audio 2 im Anhang). Ich hätte da kaum auf den "HD-Pfad" des Optimod getippt.

Nach Deinen Beschreibungen ist dem aber so. Demnach hat man offenbar einen Optimod FM8600 und den "HD"-Weg des Optimod für die digitalen Wege genutzt, da fehlen laut Orban nicht nur die MPX-Limitierungen, das ist ein komplett eigener Pfad mit voller NF-Bandbreite (warum merke ich davon auf Sat nichts?), eigenem 5-Band-EQ etc. Man kann also formal anderen Sound einstellen, also weitergehend als bloß das FM-Clipping nicht drin zu haben und bei "Volldampf" keine Höhen zu verlieren.

Gibt es auffällige Klang-Unterschiede zwischen UKW und DAB? Das ist ja das, was man immer vermeiden möchte, wodurch oft der DAB-Sound identisch zum UKW-Sound wird und dann die Spektralbandreplikation spinnt, offenbar weil sie mit dem Multibandprocessing nicht gut klar kommt.

Ich müsste das Sat-Signal mal auf UKW modulieren und schauen, ob es spuckt. Das ist immer ein Indiz für fehlendes UKW-Processing. Mein Bauchgefühl sagt: wäre hier wohl kaum der Fall, das Signal wirkt absolut "postfromm" vom Anhören und Ansehen her.

Würde man nur nach Pultsumme fahren, käme das einer Nebelfahrt mit verbundenen Augen gleich...
Aussage vor Jahren von einem Moderator von MDR Radio Sachsen: man kann bei diesem Processing nicht blenden. Die haben dann, soweit ich mich erinnere, auch etwas zurückgeschraubt. Im gemeinsamen Nachtprogramm der drei MDR-Landeswellen lief Sachsen auf UKW dann eine lange Zeit lang (bis heute?) ohne auffälliges Processing. Das war sehr erstaunlich. MDR Sachsen-Anhalt lief auf Sat mal absolut sauber, es war eine Freude. Wurde nach einiger Zeit gegen eines der räudigsten Processings überhaupt gewechselt. Man erzählte sich, die Wellenleitung wollte es so und die Technik hatte es so umzusetzen. Später übernahm MDR Thüringen den Wanderpokal für den beschissensten Sound, nach ihrer Studio-Renovierung (Umbau Lawo Diamond -> Lawo Sapphire), dort Optimod 8600: http://mci.de/portfolio-item/mcs-thueringen-erneuerung-selbstfahrerstudio/ . Mein Vater, damals noch stündlicher Nachrichten-Hörer, beschwerte sich bei mir, das Radio wäre defekt, es würde verzerren und wummern, dass er nichts mehr verstehen würde. Ein kleiner Dreh zum DLF und das Thema war erledigt.

Wortsumme (Zuspiel Wortbeiträge aus der SAST und Leitungen) und Musiksumme
Also schon mal unterschiedliche Player im dira! für Musik und Beiträge, damit man auf unterschiedliche Pult-Kanäle kommt?

Externe Summierung deshalb, weil die Musiksumme noch einen halbwegs exotischen Röhren-EQ eingeschliffen bekommt
Ach wie fein... noch sein ein Kandidat. Ich erinnere mich an ein Gestell in einem Privatfunk-Radiozentrum, in dem ein Avalon Vt 747sp in einem der Signalwege saß.

und um Wort- und Musikanteile getrennt aufzeichnen und abgeben zu können, z.B. beim Nachtprogramm
Da verteilt man Musik und Wort getrennt? Wozu das denn?

Nach der Summierung geht es in den Optimod und danach noch in einen separaten MPX Begrenzer, sofern es sich um eine UKW Zuführung handelt.
Dann wohl ein Jünger, entweder der klassische d07 oder einer der neuen D*AP4 mit FM-Option?

zusätzlich trittschallgefiltert und digital gemacht vermittels Jünger v02 mit einer dezenten Delle bei 200Hz
Warum noch mit outboard-Equipment? Andere Anstalten bearbeiten die Mikrofone inzwischen komplett mit den Tools des Mischpultes, der BR macht das meines Wissens z.B. so. Sollte doch auch in den 52er DHD möglich sein? Oder hat man da bewusst keine Mic-In oder gar generell keine analog-In verbaut?

In selbigem wird dann erstmals komprimiert mit 4:1 bei moderatem Arbeitspunkt und etwas Aufholverstärkung.
Heftig, aber der Dichte des bei Radio MV gefahrenen Musikprogramms gewiss angemessen. Ist ja kein Klassik- oder Jazzprogramm...

Zum Gefell M930 fällt mir ein, das hatten wir früher für die Nachrichtensprecher auch. Leider hatten alle Exemplare den schon angesprochenen Pegelabfall, und wurden ausgemustert. Verantwortlich war laut unserer Messtechnik ein Konstruktionsfehler der erst durch die jahrelang ununterbrochen anliegende Phantomspeisung seine Wirkung entfaltete. Die Studios wurden ja niemals ausgeschaltet.
Aua! Also doch eine Sollbruchstelle. Ich hatte die Story vom WDR-Nachrichtenstudio vernommen und ein Schweizer Privatsender hatte die gleiche Erfahrung gemacht. Bietet Gefell dazu keine Modifikation an, dürfte sich ja vermutlich um ein Schaltungsproblem handeln im Bereich des Impedanzwandlers? Angesichts der (Preis)klasse dieses Mikrofons sollte doch so etwas selbstverständlich sein, oder?
 

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Die getrennte Summierung von Wort und Gesamtsumme ist auch beim rbb normal. Im Radiohaus Potsdam gehen die Stimmen aus den dort überall installierten U87 in je einen Vip Digital und dann in die Mandozzi Pulte. Dort gibt es je eine Summe für Wort und alles zusammen.
Jede Summe wird aufgezeichnet. Die Aufzeichnung der Wortsumme beginnt mit Mikroöffnung und endet mit dem Schließen und wird automatisch mit Zeiten in der Datenbank abgelegt. Somit kann ich mir z.B genau die Mod vom 17.12. um 11:47 ziehen. Macht sich prima für Airchecks oder die Produktion, wenn man die Stimme z.B, für einen Backseller, freistehend braucht.
Die Gesamtsumme geht dann in den HSR. Von da aus geht das Signal in die Regionalstudios. Die können sich dann bei den Regionalsendungen draufschalten. Aus den Regionalstudios geht es wieder zurück nach Potsdam in den HSR. Wir haben also jetzt für die Landeswelle das Hauptsignal aus Potsdam und 4 ankommende aus den Regionalstudios. Dann folgen für jede Strecke ein Optimod 8200 und ein Jünger D07 für MPX Limiting. Jetzt gehen die Signale zu den Ausstrahlungsorten in die entsprechenden Regionen. Was für ein Leitungsgewusel...
 
Oh, danke!
Was für ein Leitungsgewusel...
Es gab dereinst bei Radio Eins im Treppenhaus noch einen weiteren Strick...

Radio Eins 2003-10-04.jpg

Dann folgen für jede Strecke ein Optimod 8200 und ein Jünger D07 für MPX Limiting.
Ach, ich dachte, es sind da alle Optimods in Reihe geschaltet. So klingt es ja dort. Dabei hätte man also das passende Gerät für UKW-konformen anständigen Sound (den d07) sogar schon vorrätig. Manche Dinge muss man nicht verstehen.

Aussage eines dort des öfteren noch als Studiogast agierenden Menschen: auch auf dem einst sauberen Abhörpunkt (War das "Welle" oder "Radio"? Es war doch gewiss "Welle"?) würde er heute bereits fiese Kompression wahrnehmen. Wird beim RBB Babelsberg bereits im Pult eine Summe komprimiert oder läuft die Dynamik komplett über das Optimod-Geraffel?
 
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