Sprachkompetenz Mega - super - geil


#1
Ebenso beliebt wie fantasielos sind bei nahezu allen Sendern die sogenannten "Danach - wie war`s?"-Umfragen. Nach dem (vom Sender gesponserten) Popkonzert: Wie war`s? Nach der Eisaktion auf dem Firmenparkplatz: Wie war`s? Nach der Kinopremiere: Wie war`s? Die Antworten, die dann als 1.30er zusammengeschnitten präsentiert werden, bewegen sich - meistens noch gebrüllt oder gelallt - in der Preisklasse zwischen "mega", "super geil", "gigantisch" oder "einfach toll, super" etc. Sie sind in aller Regel ein erschreckendes Zeugnis sprachlicher Verarmung und völlig degenerierter Ausdrucksfähigkeit. Ein wirklich differenziertes Urteil, einen ganzen Satz oder eine inhaltliche Beschreibung, die dem Hörer weiterhelfen würde, sucht man in solchen Umfragen vergeblich. Warum machen die Sender das überhaupt noch? Merken die Redaktionen nicht, was sie da ihren Hörern für einen Müll vorsetzen? Werden die Praktikanten, die in der Regel solche Umfragen machen müssen, nicht vorher gebrieft, wie sie zu fragen haben, damit etwas Vernünftiges herauskommt? Ich sammle ja stetig neue Abschaltimpulse, denen ich auch konsequent folge. Nach ellenlangem Verkehrsfunk, Gewinnspiel, Claimgewitter und besonders infantilen Comedys kommen nun also auch noch Umfragen hinzu. Bald bin ich ganz weg.
 
#2
Sie sind in aller Regel ein erschreckendes Zeugnis sprachlicher Verarmung und völlig degenerierter Ausdrucksfähigkeit. Ein wirklich differenziertes Urteil, einen ganzen Satz oder eine inhaltliche Beschreibung, die dem Hörer weiterhelfen würde, sucht man in solchen Umfragen vergeblich.
Das wäre zuviel Wort, das nervt, der Hörer muss auf den nächsten Superhit zu lange warten und überhaupt - hatte der Hörer Gequatsche zwischen den Superhits bestellt?

Ich saß vor einigen Tagen im Wartezimmer des HNO-Arztes. Alle paar Jahre meldet sich mein linkes Ohr mit leichten Schmerzen und verlangt eine tiefergehende Reinigung des Gehörganges. Ich wartete lange, zusammen mit ca. einem Dutzend Senioren. Die einzigen jüngeren waren eine hochschwangere Frau mit ca. 6-jährigem Jungen. Die Frau saß und daddelte die ganze Zeit auf ihrem Smartphone. Der Junge begann nach und nach alle Eskalationsstufen der Verhaltensauffälligkeit durchzutesten, um Mutters Aufmerksamkeit zu erregen. Außer einem "nööö" kam aber nie etwas, dann war Mutter wieder mit dem Smartphone beschäftigt. Der Junge, offenbar wird er in wenigen Wochen eingeschult, konnte auch keinen zusammenhängenden Satz artikulieren und was er akustisch absonderte, war nur schwer zu verstehen.

Das gibt in einigen Jahren wieder Hörerzuwachs beim "megageil war's"-Radio. Nennt man das nicht auch "leichte Sprache"?

Den Mut, die Frau zu fragen, ob das ihr Sohn sei, um auf Bejaung dann nachzuschieben, warum sie sich gerade ein zweites Kind zulege, wo ihr das erste doch schon lästig ist, konnte ich nicht aufbringen. Der zugehörige Samenspender, so sie mit ihm noch liiert sein sollte, ist sicherlich deutlich kräftiger als ich.

Wieso eigentlich nicht "bin seit Jahren schon ganz weg"? Ich bewundere soviel Masochismus.
 
Zuletzt bearbeitet:
#4
Die Post-Event-Jubel-Arien dienen der Promo, das ist genau so gewollt. Wenn nicht alle vor Entzücken halb in Ohnmacht fallen, war's keine erfolgreiche Veranstaltung. Wahrscheinlich angelehnt an die amerikanische Kultur, in der sich auch in den schrillsten Tönen gegenseitig überboten wird, wenn es darum geht den eigenen Gemütszustand auszudrücken.
Mit Programm hat die Dauer-Eigenwerbung schon lange nichts mehr zu tun.
Ich plädiere für ein akustisches Dauerwerbesendungssignal.
 
#6
Ja, manchmal wünscht man sich auch für Radiofrequenzen eine getrennte Müllsammlung. Ich bin mir nur noch nicht sicher, in welche Tonne dieses kakophone Gestammel sturzbesoffener Interviewpartner gehört. Mir sagte mal ein (ab-)gehobener Radioredakteur: "Mit so etwas bedienen wir die EMO-Schiene". Manni, setzen wir uns auf einen Felsen und weinen gemeinsam...
 
#7
Genau so schlimm ist sprachlich das weggeschnoddere in den Deutschpopsongs. Wortendungen? Fehlanzeige: "Es is wie's is", "Mama, ich kannnich mehr leeem". Sarah Connor ist da ganz groß, ich spendiere ne Tüte "Haribo Konsonanten". Irgendwann frage ich mal VAT, ob er mir den Text von Vincent in ordentlicher Manier auf's Playback spricht. Soweit... die Meldungen.
 
#8
Ich mag sowas auch nicht. Mit ein Grund, warum ich Bayern3 z. B. nur noch vielleicht ein Mal im Monat höre, wenn überhaupt. Bei denen ist alles auch nur noch mega, cool, hip und geil. Events gibts auch, anstatt man es einfach Konzert nennt.... Wahrscheinlich ist es eine Zeitercheinung, trotzdem finde ich es nicht gut, dass die jungen "ARD-Anstalten" auf diesen Zug aufspringen.

Noch bescheuerter ist PULS vom BR. So steht in der Programmbeschreibung zu einer Sendung: "Wir verfolgen Trends und Memes". Memes? Was ist das? Noch nie gehört!

Bayern3, um mal beim BR zu bleiben, hat noch ne Angewohnheit. Im Verkehrsservice heißt es nicht "Staus und stockender Verkehr", sondern "Verkehrs-Update" oder "Stau-Update".

Aber was ich wirklich noch nervtötdender finde, dass bei SWR3 z. B, unter vielen Moderationen (nicht bei allen) ein Musikbett liegt. Muss nicht sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
#9
Bayern3, um mal beim BR zu bleiben, hat noch ne Angewohnheit. Im Verkehrsservice heißt es nicht "Staus und stockender Verkehr", sondern "Verkehrs-Update" oder "Stau-Update".
Kronehit in Österreich nennts noch bekloppter. Dort heisst es der "Kronehit-Verkehrscheck" oder der "Kronehit-NewsBeat" (wenn damit das laute Gewummer des Musik betts gemeint ist, dann gute Nacht)
 
#11
In den Verkehrsdurchsagen bei der ARD Standard, diese Zeitangabe vor der Staulänge. Finde ich ganz gut, denn so hat man eine grobe Vorstellung, wie lange man aufgehalten wird. Hat man wohl von den Navis übernommen.
 
#13
Doch, das kann man. Die Verkehrsdienste benutzen dazu die Handydaten von Vodafone. Wenn der Verkehr läuft, lässt sich aus den anonymen Daten in einem Abschnitt die Passierdauer eines Abschnitts ermitteln. Wenn es zum Stau kommt, verringert sich die Geschwindigkeit und die Zeitdauer erhöht sich zum normalen Flow, was dann in den Verkehrsmeldungen als x Minuten plus ausgewiesen wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
#15
Doch, das kann man. Die Verkehrsdienste benutzen dazu die Handydaten von Vodafone.
Sie können sehen, wie schnell es geht. Sie können aber nicht wissen, wie schnell ich bräuchte, wenn ich mit meiner mir eigenen Geschwindigkeit, schnell oder langsam, führe. Also können sie mir auch lediglich eine geschätzte, auf Durchschnittswerten beruhende Differenz mitteilen, die mir persönlich aus o. g. Gründen überhaupt nichts bringt.

Auch Dir nicht, Guess! :)
 
Zuletzt bearbeitet:
#16
Wieso eigentlich nicht "bin seit Jahren schon ganz weg"?
Weil ich an Radio und seine Zukunft glaube. Weil ich immer noch die Potenziale dieses Mediums sehe, das alle anderen Kanäle um Längen schlagen kann, wenn es sich nur endlich auf seine Stärken besinnen würde. Weil ich auf den Prinz hoffe, der dieses Dornröschen wachküsst. Weil ich weiß, dass viele Gleichdenkende und Gleichhoffende genau so ticken, dass es also viele Verbündete gibt. Weil man eine Perle nicht kampflos den Säuen überlassen sollte.

Wahrscheinlich angelehnt an die amerikanische Kultur,
Fehlt nur noch, dass anstelle des Musikbettes (das für sich schon gräßlich genug ist) künftig künstliche Lacher unterlegt werden.
Das ist auch kein ganzer Satz!;)
 
Zuletzt bearbeitet:
#17
Gut, wenn eine Durchschnittsgeschwindigkeit zugrunde gelegt wird, die sich aus der Schnelligkeit der sich bewegenden Elemente in einem Bereich ergibt und ich fahre normalerweise schneller oder langsamer, kann ich mit der Zeitangabe dennoch den Verzug überblicken. Das machen Navis auch, indem sie zeitlich unterschiedliche Routen vorschlagen.
 
#20
Fehlt nur noch, dass anstelle des Musikbettes (das für sich schon gräßlich genug ist) künftig künstliche Lacher unterlegt werden.
Da sind wir doch gar nicht so weit von entfernt. Bei Comedy-Outros habe ich das schon oft gehört. Damit man auch wirklich weiß, dass es gerade witzig war.

Zu den Musikbetten: Einen Vorteil haben die Dinger. Mit Musikbett hab sogar ich professionell geklungen :D Hat den Gehalt meiner Sendungen aber auch nicht angehoben.
Ich hätte einfach machen sollen, was ich will, bis man mich rausschmeißt. Das Ergebnis wäre das gleiche gewesen, aber ich hätte dabei Spaß gehabt und es hätte vielleicht eine gute Sendung von mir auf dem Sender gegeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
#22
Beim Deutschlandfunk höre ich neuerdings in den Nachrichten und anderen Beiträgen ständig das Verb 'schmeißen'.

Da werden bei Demonstrationen 'Steine geschmissen' (ich dachte immer, die Leute, die so etwas tun, hießen Steinewerfer), jemand wird irgendwo 'hinausgeschmissen' usw.

Bin ich überempfindlich oder ist das kein ordentliches Schriftdeutsch?

Ralf
 
#25
Wär bei mir sicher auch eine Frage der Routine gewesen. Aber das, was dieser Sender unter professionell versteht, wollte ich mir nie aneignen. Ist in den letzten Jahren auch wahrlich nicht besser geworden. Und für einen besseren Sender hat es dann knapp nicht mehr gereicht. Fraglich zudem, dass es woanders bedeutend besser gewesen wäre.
Und damit schlage ich den Bogen zurück zum Ausgangsposting: Man kann noch so sehr einen auf gute Laune und Spaß machen, die meisten Mitarbeiter haben den längst verloren. Darüber kann dann auch kein Mega-Super-Hammer-O-Ton hinweg täuschen. Der Hörer kann den Unterschied eher nicht benennen, aber unterbewusst wirkt es doch.
Mir schien zuletzt selbst Kai Karsten recht lustlos, als ich jüngst mal wieder einschaltete.
Meine eigenen Sendungen haben mir beim Privatradio exakt nie Spaß gemacht. Erbärmlich, wenn man bedenkt, dass Radio Jahre lang mein Leben war.
 
Oben