Staatsaffäre Böhmermann


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#27
Da fehlt allerdings der Rahmen, in dem Jan Böhmermann das Ganze vorgetragen hat. Das Gedicht allein hilft einem bei der Bewertung des Falles nicht weiter.
Hm, also ich findeh das Böhmermann hier wirklich hart an, vielleicht sogar schon über, die Grenzen des guten Geschmacks gegangen ist. Was das jetzt noch mit Satire zu haben soll erschliesst sich mir nicht. Ich verstehe da wohl etwas anderes drunter.
 
#28
Das Gedicht hat gar nix mit Satire zu tun, fertig. Sehr wohl aber der Rahmen, in dem es präsentiert wurde.
Jan Böhmermann hat im Vorfeld und im Nachgang des Gedichts deutlich darauf hingewiesen, daß er anhand eines praktischen Beispiels - siehe Machwerk - verdeutlichen wolle, wo der Unterschied zwischen straffreier Satire und Schmähkritik liege. Er meinte, daß man so etwas wie das Vortragen des Gedichtes nicht machen dürfe und daß die öffentliche Aufführung des Gedichts in Deutschland unter Strafe stünde.
In eben diesem Widerspruch liegt die Satire, nicht in dem Gedicht. Das ist hier nur Mittel zum Zweck.

Gruß
Skywise
 
#29
Das eigentliche Problem hat Kanzlerin Merkel am Hals, nicht Böhmermann.
Böhmermann wird vielleicht (was schon ein Skandal wäre) vielleicht zu einer Geldstrafe verurteilt, das kann er aber locker verschmerzen, denn er hat seinen Ruhm gemehrt, wie es besser nicht gehen kann.

Aber Angela Merkel muss aufpassen, dass man sie nicht bezichtigt, die Presse- und Meinungsfreiheit gegen den Flüchtlingsdeal mit der Türkei geopfert zu haben. Wenn dieses Bild stehen bleibt, dann wird sie die nächste Wahl nicht mehr gewinnen.
 

matsche

Gesperrter Benutzer
#30
Da musst du nicht mal die nächste Wahl abwarten . Für mich ist sie bereits weg, in Praguay oder so, so munkelt das Netz. Sicher ein Thema für die Journalisten, vor allem in NRW, die sicherlich diesem Wink mit dem Zaunpfahl ab morgen
nachgehen werden. Und Samstag ist Veröffentlichung, gelle ? Oder seid ihr etwa Populisten ?
In den Foren fordert man bereits das Bundesverdienstkreuz für Böhmermann, wenn er es zu verantworten hat,
dass endlich diese Reichtagsfrau geht.

Ich wünschte mir mehr Hallervordens.
Und bitte : nicht mehr die geltenden Gesetze verlinken oder zitiern. Das machte eine blaue Partei bereits und wurde mit dem Stempel "Rechtspopulisten" von den steinewerfenden Hetzern betitelt. Auf das Niveau der Steinewerfer-Medien sollte kein Mensch absinken !
 
Zuletzt bearbeitet:
#31
In den Foren fordert man bereits das Bundesverdienstkreuz für Böhmermann, wenn er es zu verantworten hat, dass endlich diese Reichtagsfrau geht.
Ganz ehrlich - für so eine Auszeichnung wäre mir der Kollateralschaden zu groß. Hey, mal eben einen internationalen Skandal ausgelöst und ordentlich Mitbürger mit türkischen Wurzeln gegen sich aufgebracht, keiner gangbaren Lösung zum Thema Flüchtlingskrise den Weg geebnet, eher im Gegenteil, aber - hey, wenigstens ist Merkel weg ... dolle Leistung.

Aber okay, ich bin auch kein Maßstab. So manchen Namen, der in der Liste der Friedensnobelpreisträger steht, verstehe ich ja auch nicht. Und einige, die ans Bundesverdienstkreuz geschlagen oder mit Ehrenbürgerschaften gezüchtigt wurden (Spruch angelehnt an Gisbert Haefs), hätte ich auch lieber geteert, gefedert, gevierteilt und im tiefen Brunnen versenkt gesehen.

Gruß
Skywise
 
#34
>>Die Produktionsfirma btf GmbH und Jan Böhmermann haben entschieden, die für Donnerstag geplante nächste Ausgabe von Neo Magazin Royale nicht zu produzieren. Grund ist die massive Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator. Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit dem ZDF.<< (Quelle: btf)
Ausserdem gibt es (wie auch schon letzte Woche) keine neue Ausgabe von "Sanft & Sorgfältig" mit Böhmermann und Olli Schulz am Sonntag Nachmittag auf Radio1.
 
#35
Und das ist wieder mal die falsche Entscheidung. Immer wenns ganz eng wird, kneifen unsere Medien nämlich. Warum denn? Das ist doch endlich mal ein Aufreger im sonst so politisch drögen Geschäft! Ok, für mich nicht....
 
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#37
Falls es ihm nicht gut geht, würde mir Böhmermann sogar leid tun. Das aber nur am Rande. Der Bursche ist ein Neuzeit-Provokateur und Selbstdarsteller. Als solcher hatte er schon vor der Affäre mehr Aufmerksamkeit (und Kohle?) als ihm meiner Ansicht nach gebührt. Okay, das mit der Einbettung des Gedichts in einen Kontext ist clever. Aber insgesamt ist das Ding eine kalkulierte Geschmacklosigkeit. Ein Bezug zu realen Gegebenheiten fehlt mir. Manchmal oder auch oft mag das für solche Typen ja gehen, das man einfach auf einen Zug aufspringt, dass man dem Publikum gibt, was es gerne nimmt usw. Dieses Mal ging`s für mich zu weit. Ich will ihn nicht im Gefängnis sehen, und es möge ihm auch niemand etwas antun. Aber wenn er nun ein wenig in sich geht (während er vor den nächsten Aufgaben "kneift") und wenn er am Ende einen Dämpfer bekäme, ich könnte damit leben. Vielleicht kommt ein Teil seines Geldes in (andere?) GUTE HÄNDE ...
 
#39
Jan Böhmermann hat im Vorfeld und im Nachgang des Gedichts deutlich darauf hingewiesen, daß er anhand eines praktischen Beispiels - siehe Machwerk - verdeutlichen wolle, wo der Unterschied zwischen straffreier Satire und Schmähkritik liege.
Nach der gleichen Logik könnte man einer missliebigen Person zurufen: "Wenn es nicht verboten wäre würde ich Sie einen dreckigen Schweinehund mit Segelohren nennen, aber ich tue es nicht weil es nun mal verboten ist".

Nach meinem Rechtsverständnis erfüllt das Spottlied Böhmermanns alle Kriterien der Schmähkritik und muss, wenn der Buchstabe des Strafgesetzbuches noch etwas zählt, auf jeden Fall geahndet werden, meinetwegen mit einer geringen Geldstrafe (es stehen ja zwei Klagen im Raum, eine nach dem Paragraphen 103 und eine von Erdogan persönlich eingebrachte). Nach Entgegennahme eines milden Urteils darf er sich ja als Opfer des Despoten vom Bosporus inszenieren und den Märtyrer der Entrechteten geben. Würde er unbehelligt davonkommen würde sein Beispiel Schule machen und die Hemmschwelle der Berufszyniker sänke unter ein erträgliches Maß.

Mit Verbalexzessen wie dem zur Verhandlung stehenden spielt Böhmermann dem machtberauschten Egomanen aus Ankara geradewegs in die Hände, und ausgetickte Edelfedern wie Döpfner beweisen wie wenig sie im Zweifelsfall vom Rechtsstaat und der Unverletzlichkeit der persönlichen Würde als hoch einzuschätzendem Rechtsgut halten.
 
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#40
Mir fällt dazu nur der hier ein:

Zitat von http://www.radioszene.de/67766/olli-schulz-und-jan-boehmermann-senden-bundesweit.html:
„Den Hass der Hörer nach den ersten Sendungen werden wir nie vergessen!“ – Als 2012 Schulz und Böhmermann am Sonntagnachmittag auf radioeins starteten, beschwerten sich viele Hörer.
Das war damals auch einer der Sargnägel für mich auf dem Programm von Radio Eins: Nun gut, ich bins ja gewohnt, nicht mehrheitsfähig zu sein. Hat Böhmermann also noch solange weitermachen dürfen, bis richtig viel Schaden entstanden ist. Offenbar brauchen wir als deutsches Volk das genau so. Und noch viel mehr.

Ginge es nach mir, gäbe es keine Plattform für solche Leute in den gebührenfinanzierten Medien. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: aus Angst, daß die deutsche Bevölkerung die öffentlich-rechtlichen Medien komplett fallenläßt, werden Leute wie Böhmermann hofiert und als große Hoffnung gefeiert - inkl. Grimmepreis. Von außen betrachtet eine skurrile Szene!

Was mir wirklich sehr viel Angst bereitet: für einen geschmacklosen Pöbler wie Böhmermann finden sich in Deutschland um Faktor 10 mehr Unterstützer als für Flüchtlinge, deren Leben real bedroht ist und für die jeder Hauch von Menschenwürde in unerreichbare Ferne gerückt ist. So ein Typ, der den Wunsch der Bevölkerungsmehrheit (?) nach "wir sitzen immer obendrauf" unterstützt, ist halt besser verdaulich als die Realität dieses Planeten, die auch trotz "Schutzzäunen" und maßgeblich von Deutschland ausgehandelten schäbigen Abkommen (mit der Türkei!) weiterhin mehr als nur an unsere Tür klopfen wird.

Die Deutschen wirken auf mich seit mindestens einem Jahr, als wären sie im Glauben, es gäbe ein Grundrecht auf Besserstellung gegenüber dem Rest der Welt und dieses Grundrecht würde ihnen von ihrer volksverräterischen Regierung vorenthalten, also müßten sie nun dafür in den Krieg ziehen. Diese Beobachtung deckt sich mit dem, was mir aus einem Krankenhaus (randalierende Patienten, die gegen Ärzte, Pflegepersonal und andere Patienten vorgehen und Sonderrechte verlangen, sind eine in diesem Umfang neue Erscheinung) berichtet wurde, sie deckt sich mit dem, was ich in der Nachbarschaft in meiner Heimatstadt erlebe (wo der Servicemitarbeiter eines Kabelnetzbetreibers nicht mehr zu Wartungsarbeiten an den seit 3 Jahrzehnten in einem Gebäude installierten Verstärker gelassen wird, weil sich der Hauseigentümer gut dabei fühlt, jemandem anderen schaden zu können), was ich auf der Straße erlebe: nur gefrustete Hackfressen, materiell mit allem erdenklichen Wohlstand ausgestattet, aber seelisch komplett verarmt und verwarlost.

Das ist das eigentliche Problem der Deutschen - und es wird, wenn nicht schleunigst ein Wunder geschieht, zum tödlichen Problem für das deutsche Volk werden. Nur: völlig entseelten und vom Kontakt mit dem Universum entfremdeten Menschen hilft auch keine vermeintliche "Satire" eines Herrn Böhmermann. Und die, die helfen könnten, bekommen weder den Grimmepreis noch bekommen sie Sendezeit. Zumindest nicht außerhalb von Bayern 2, arte und vielleicht noch ein paar ähnlichen Nischenprogrammen, die nutzungsmäßig irrelevant sind.

Die große Herausforderung dürfte darin bestehen, daß im Falle Böhmermann zwei Dinge ganz klar getrennt werden müssen im Bewußtsein der Bevölkerung: die "künstlerische Freiheit" muß gewährleistet und verteidigt werden. Aber sie hat auch ihre Grenzen, die bereits grob im Art. 1 GG verankert ist: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Da muß man gar nicht erst in umfangreicheren Gesetzestexten nach Ausschmückungen blättern. Letztlich schützt bereits Art. 1 GG Abs. 1 sowohl Kunst und Künstler als auch Opfer von "Kunst", die keine Kunst mehr ist.

Doch das wird nicht ankommen bei einem Volk, das nur dann mal friedlich ist, wenn es entweder gerade Begrüßungsgeld abgreifen konnte oder gestern Fußball-Weltmeister geworden ist. Zumal dem deutschen Volk, speziell offenbar dem ostdeutschen, der nachfolgende Abs. 2, Art. 1 GG sowieso am Arsch vorbeigeht und das ganze GG nicht zu existieren scheint. Die Nachrichten sind täglich voll mit dem Beweis dafür, daß dem so ist.

Und deshalb sehe ich nicht allzu optimistisch in die Zukunft dieses Landes. Die Bevölkerungsmehrheit ist inzwischen dermaßen kriegsgeil und im Rausch, die kann unmöglich erkennen, daß man die Freiheit von Kunst, Kultur und persönlicher Meinung nicht verteidigt, indem man Böhmermann verteidigt. Meinetwegen kann Böhmermann dauerhaft aus den Medien verschwinden - solange man die Sendezeit mit Inhalten füllt, die zu einer Gesundung der Welt beitragen können. Ich hätte paar Filmtips, die da gut passen könnten. Aber die sind ja nicht mehrheitstauglich, weil sich das "wir sind die Größten"-Gefühl nicht einstellen mag.
 
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#41
Seit Beginn der Diskussion vermisse ich ein eindeutiges Bekenntnis:
"Je suis Boehmermann."

Wer Ironie findet darf sie behalten.

Übrigens ganz egal was Merkel macht, sie hat schlechte Karten, weil sie die angebliche Satire politisiert hat. Und sie scheint nicht zu merke(l)n, dass Erdogan sie und damit Deutschland wie einen Tanzbären mit Nasenring durch die Manege schleift.
Wie sieht es denn mit der internationalen Presse aus, gibt es da wenigstens irgendwelche Unterstützung? Oder wird diese "Affaire" als berühmter Sack Reis aus Mainz in die Annalen eingehen?

2Stain
 
#42
Nach der gleichen Logik könnte man einer missliebigen Person zurufen: "Wenn es nicht verboten wäre würde ich Sie einen dreckigen Schweinehund mit Segelohren nennen, aber ich tue es nicht weil es nun mal verboten ist".
Hmnja-hein ... is' so wie überall: es kommt drauf an. Ich hatte und habe absolut keine Probleme damit, wenn sich aus der Darstellung oder dem entsprechenden Rahmen ergibt, daß es nicht so gemeint sein kann, wie es gesagt wird. Wenn ein Serdar Somuncu - bleiben wir mal bei ihm, wenn er sich hier schon zu Wort meldet - aus Hitlers "Mein Kampf" liest und dann in seinen überspitzten Kommentaren Sätze anbringt, die für sich genommen eindeutig volksverhetzenden oder beleidigenden Charakter haben, dann ist das völlig in Ordnung, weil - kann man sich ja an zwei Fingern abzählen, daß das von ihm gar nicht ernst gemeint sein kann, sondern daß er durch drastische Äußerungen eine bestimmte Wirkung erzielen möchte, um sein Publikum zum Nachdenken zu zwingen.

Nach meinem Rechtsverständnis erfüllt das Spottlied Böhmermanns alle Kriterien der Schmähkritik und muss, wenn der Buchstabe des Strafgesetzbuches noch etwas zählt, auf jeden Fall geahndet werden, meinetwegen mit einer geringen Geldstrafe (es stehen ja zwei Klagen im Raum, eine nach dem Paragraphen 103 und eine von Erdogan persönlich eingebrachte).
Da halte ich mich lieber zurück, denn das, was Böhmermann hier gebracht hat, ist mehr oder weniger ein Wembley-Tor der Satire: keiner weiß so richtig, ob das noch Satire ist oder nicht, weil es einfach extrem knapp an der Grenze abläuft. Gegen die verwendete Methode von Herrn Böhmermann kann ich schlecht was sagen, wenn ich schon Volker Pispers oder Hans Söllner beklatscht habe, wenn sie ihrem Publikum mehr oder weniger direkt Aussagen vermittelt haben, für die sie bereits anwältliche Post erhalten oder sogar vor Gericht gestanden haben. Aber mir gefällt im Fall Böhmermann nicht der Umfang des Holzhammers - hätte er's bei einem Zweizeiler belassen und wäre nicht so genüßlich auf seiner Idee rumgeritten, oder hätte er wenigstens zwischendrin nochmal ein Augenzwinkern untergebracht, wär' die Aufregung nicht mal halb so groß - und ziemlich große Magenschmerzen hatte ich gestern beim erneuten Ansehen der Szene mit den türkischen Untertiteln, die sich nur auf das Schmähgedicht beziehen, nicht aber auf die Ansage Böhmermanns. Wie die Summe aus diesen Einzelteilen ausschaut und wie man das juristisch werten soll(te) - keine Ahnung.

Mit Verbalexzessen wie dem zur Verhandlung stehenden spielt Böhmermann dem machtberauschten Egomanen aus Ankara geradewegs in die Hände
Wenn ich ehrlich bin - daß so etwas in dieser Art passieren würde, hatte ich eigentlich erwartet. Erdoğan wittert gerade Oberwasser und einen weiteren politischen Erfolg, indem er der EU, vorrangig Deutschland, einen großen, überaus humanen Dienst erweist, der sich auch in Deutschland politisch irre gut verkaufen läßt (Moment, Frühstück rebelliert gerade ... So. Besser.). Auch in Deutschland sitzen seine Anhänger oder Familien seiner Anhänger ... insofern konnte man damit rechnen, daß irgendwann mal der Versuch kommen würde, in Deutschland schon mal ein wenig zu üben, ehe man auf Europa-Ebene ein paar Takte mitredet. Ich hätte nur nicht damit gerechnet, daß es so schnell und vor allem so medienwirksam passieren würde.

Gruß
Skywise
 
#43
@Radiowaves
Manchmal finde ich deine Schwarzmalerei schon sehr fasziniernd. Damit spielst du übrigens (mutmaßlich unbewußt) genau denen super in die Hände, die tatsächlich die Welt gern so schön schwarz-weiß hätten, damit sie im zweistelligen Prozentbereich in Länderparlamente einziehen können...
Ich unterstelle dir mal, bisher keine einzige Ausgabe des Neo Magazin royale von Böhmermann gesehen zu haben, denn mit deinem Verriss machst du es dir ein wenig zu einfach. Aus meiner Sicht bräuchte vor allem der ÖR-Funk noch viel mehr Böhmermanns, die mal mehr mal weniger rotzfrech, mit Sarkasmus und Ironie den Finger in die Wunde legen. Und das bitte zur besten Sendezeit! Dass das mit der Ironie so eine Sache ist und auch nicht immer jeder Gag klappt, mitunter sogar schwer daneben geht, ist unbestritten. Was sowas unter Umständen bewirken kann, sieht man ja nun im aktuellen Fall.
Aber lassen wir doch mal bitte die Kirche im Dorf! Das eigentliche Problem in der Causa Böhmermann ist doch überhaupt nicht (mehr) das Schmähgedicht selbst. Das Problem sind die Medien, die sich seit Tagen geradezu überwerfen damit, etwas neu durchzukauen und zu sezieren, was längst durchgekaut ist. Früher hätte man das damit abgetan, dass sich sowas versendet. Heute wird aus einem Pups eine Staatsaffäre gemacht, weil sich Medien wie die Aasgeier darauf stürzen und tagelang offenbar nichts anderes passiert. Ergebnis des Ganzen: Böhmermann steht dem Vernehmen nach aktuell unter Polizeischutz. Wo leben wir eigentlich? Wann hatten wir derartig skurilles zum letzten Mal? Ich schätze mal 1987 als Rudi Carrell sich über den Ajatollah lustig gemacht hat. Das ist 30 Jahre her.
Deinen skurillen Vergleich mit den Flüchtlingen finde ich übrigens gelinde gesagt geschmacklos und beschämend. Und ich halte ihn schlicht für falsch! Die meisten Flüchtlingshelfer machen einfach ihre Arbeit und betreiben ihre Unterstützung meist im Stillen. Die meisten wollen überhaupt nicht die Aufmerksamkeit, weil sie das was sie tun, für eine Selbstverständlichkeit halten. Und das es davon mehr gibt als die laut gröhlenden Pöbler, dürften die letzten Monate mehr als genug bewiesen haben. Nur weil sich Medien lieber auf gröhlende Mengen stürzen, welche Buse mit Asylantenkindern bepöblen, heißt das noch lange nicht, dass die Meute die Mehrheit darstellt! Das Problem ist nämlich immer öfteren nicht "das Voilk", sondern eher die Darstellung desselbigen in den Medien. Dieses wiederum trägt nicht unerheblich zur allgmeinen Meinungsbildung bei.
Womit wir dann übrigens wieder bei Böhmermann sind. Der Mann kann sehr wohl sehr durchdachte, bissige Gesellschaftskritik anbringen und hat das auch schon mehrfach bewiesen. Gemeint ist damit vorrangig die TV-Show. Dass seine Radiosendung des öfteren ins, na sagen wir mal peinliche abgleitet, ist eine andere Baustelle, schon dehalb, weil er im TV halt was völlig anderes macht als Sonntag Nachmittag bei Radio1.
Ich könnte jetzt noch mehr aus deinem Posting auseinander nehmen, aber leider fehlt mir im Moment dafür die Zeit. Ausserdem wären dafür auch etwas weite Ausschweifungen nötig, die mit dem eigentlichen Thema nicht mehr allzuviel zu tun hat. Vielleicht nur eins: Wenn man nur noch "gefrustete Hackfressen, materiell mit allem erdenklichen Wohlstand ausgestattet, aber seelisch komplett verarmt und verwarlost" auf der Straße sehen will, dann sieht man dort auch nur noch solche. Woran machst du das eigentlich fest? Kennst du die alle persönlich, dass du die so durch die Bank weg beurteilen kannst? Machst du mit deiner oberflächlichen Analyse von Menschen anhand vermeintlich optischer Merkmale nicht genau daselbe, wie du es den Wutbürgern (zu Recht) vorwirfst, anhand von optischen Oberflächlichkeiten Dinge zu beurteilen? Es soll übrigens auch "völlig entseelte und vom Kontakt mit dem Universum entfremdete Menschen" geben, die so sind, weil sie so sein wollen. Eine Form von Protest oder wie auch immer man das definieren möchte. Früher waren es Hippies die sich abgrenzten, heute sind es halt solche Leute. Es gibt im Umkehrschluß bei denen genauso Leute, die man mit den logischsten Argumenten nicht begegnen kann, weil bei denen genauso nicht sein kann, was nicht sein darf.
 
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#44
Habt Ihr schon das Deckblatt vom neuesten "Spiegel" gesehen? Eigentlich müsste der arme Erdo doch jetzt eine weitere Anzeige nachschieben und verlangen, dass alle Printausgaben vernichtet und digitale Abbilder gelöscht werden. Ich meine, das wäre ja wohl das mindeste...
 
#46
Und bitte : nicht mehr die geltenden Gesetze verlinken oder zitiern. Das machte eine blaue Partei bereits und wurde mit dem Stempel "Rechtspopulisten" von den steinewerfenden Hetzern betitelt. Auf das Niveau der Steinewerfer-Medien sollte kein Mensch absinken !
Wer auf geltende Gesetze hinweist, sie gar zitiert oder verlinkt, ist also ein Rechtspopulist und Quasisteinewerfer?

Mir scheint, nicht nur Herrn Böhmermann sind gewaltig die Maßstäbe verrutscht...
 
#47
Jetzt tun alle so, als hätte es diese beleidigende Qualität von "Satire" (oder was das nun letztendlich auf welcher Meta-Ebene auch immer war) zum ersten mal gegeben. Ich bin mir sicher, dass ein 1:1 gleichwertiges Gedicht, wäre es auf jemand anderen gemünzt gewesen, kaum Aufsehen erregt hätte, in der Mediathek geblieben wäre und danach sang- und klanglos im Mediatheken-Orkus verschwunden wäre, zusammen mit Pinkelpäpsten, Adolf-Hitler-Merkeln und anderen skurrilen Dingen, die mehr oder weniger gelungene Satire so hervor bringt. Vielleicht hätte es sogar einen Prozess wegen Beleidigung gegeben, das hätte aber keine Sau interessiert, so wie die vielen vielen anderen Prozesse, die gegen Kabarettisten, Satiremagazine oder dergleichen geführt werden, auch völlig am allgemeinen Medieninteresse vorbei gehen. Mal das "Schmährkelgedicht" gelesen, das die Titanic nachgelegt hat? Scheint überhaupt niemanden zu interessieren, ist aber nicht minder "beleidigend".

Noch vor einigen Monaten haben alle "Je Suis Charlie" gerufen, weil die Reaktion der Islamisten auf die Inhalte dieses Magazins - sagen wir mal - etwas übertriebener war als die von Erdogan. Aber wer sich die Inhalte dieses Magazins (oder alternativ auch der Titanic) mal genauer anschaut, stellt fest, dass da genügend Sachen dabei sind, die man in erster Linie als beleidigend auslegen kann und denen man eine tiefere Meta-Ebene auch absprechen kann.
 
#48
Noch vor einigen Monaten haben alle "Je Suis Charlie" gerufen, weil die Reaktion der Islamisten auf die Inhalte dieses Magazins - sagen wir mal - etwas übertriebener war als die von Erdogan. Aber wer sich die Inhalte dieses Magazins (oder alternativ auch der Titanic) mal genauer anschaut, stellt fest, dass da genügend Sachen dabei sind, die man in erster Linie als beleidigend auslegen kann und denen man eine tiefere Meta-Ebene auch absprechen kann.
Keine sonderlich intelligente Analogie: Man kann die Ermordung von Leuten, die Schund fabrizieren, rundherum ablehnen, ohne damit den von ihnen fabrizierten Schund gutzuheißen.
 
#49
Keine sonderlich intelligente Analogie: Man kann die Ermordung von Leuten, die Schund fabrizieren, rundherum ablehnen, ohne damit den von ihnen fabrizierten Schund gutzuheißen.
Keine sonderlich intelligente Antwort, da ich nichts Gegenteiliges behauptet habe. Eine Ermordung von Menschen ist immer abzulehnen (selbst wenn sie keinen Schund produzieren).

Ich habe die Analogie zu Charlie Hebdo gezogen, weil das in meiner Erinnerung das letzte mal war, dass es eine breite öffentliche Diskussion gab, was Satire darf und was nicht.

Und diese Diskussion war damals (vermutlich unter dem Eindruck der Morde) eine ganz andere. Weit weniger aufgeblasen, und mit weit weniger vermeintlichen Einschränkungen. Galt Tucholskys Satz damals mehr als jetzt, dass Satire alles darf?
 
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