[SV-3700 DAT-Recorder] Was ist/macht "das"?


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#1
Hallo!

Ich konnte gerade einen guten, alten Panasonic SV-3700 DAT-Recorder sehr günstig ergattern. Mit 2300 Kopfstunden (laut Hour-Meter auf der Rückseite und auch im Testmode auf dem Display) sollte der Recorder eigentlich tadellos funktionieren, macht er aber nicht. Bespielte Bänder sollte er erkennen und wenigstens die "Absolutzeit" anzeigen. Macht er nicht. Analoge Eigenaufnahmen kann er nach dem Zurückspulen ebenfalls nicht lesen. Gar nicht gut.

Okay, erstmal entspannen und lockerbleiben, Service-Manual besorgen (Danke "Internet", dafür liebe ich Dich!) und die Kiste aufschrauben... Alles wirklich sehr sauber - das Gerät war in einem Studio in einem Rack eingebaut.

Zunächst habe ich "das" gar nicht bemerkt, da "das" wirklich sehr professionell aussieht. Nach einem Blick ins SM war aber klar, daß "das" irgendein "Modding" sein muß. Dieses Modding muß, anhand des Produktionsdatums auf den Chips, etwa 1994 stattgefunden haben. Warum?

Der Quarz am µ-Controller schwingt munter mit 4MHz. Eine Reaktion der LED (grün) an der Fronseite bekommt man nur im Testmode, wenn man sich die Fehlerrate der Köpfe A+B oder A anzeigen lässt, die im Moment übrigens bei den Maximalwerten liegt. Außerdem gibt es noch einen Beeper (nicht in den Bildern zu sehen), der sich z. B. beim Einschalten des Gerätes kurz meldet. An der Buchse an der Rückseite des Gerätes konnte ich bisher kein Signal feststellen.

Bitte schaut euch mal die Bilder an und sagt mir was "das" ist/macht. Welcher alte DAT-Guru kennt dieses Modding?
 

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#2
Tja... wenn man nur wüßte, was dem PIC eingeschrieben wurde.

die im Moment übrigens bei den Maximalwerten liegt
Also schlechtestmöglich?

Keine Ahnung, ob bei Panasonic auch das Problem auftritt, was bei Sony bekannt ist: die Kondensatoren im Kopfverstärker verrotten. Am Ende mit ätzendem Ejakulat, das die Leiterplatten mit der Zeit zersetzt. Symptome zu Beginn: stotternde Wiedergabe, später gar keine Wiedergabe mehr. Wirkt wie "Köpfe kaputt". Sind aber nur die Kondensatoren.

Können natürlich auch andere Fehler sein, z.B. schlechter Bandlauf durch verhärtete Andruckrolle etc.

Die zusätzliche Schaltung kann ja keine Abtastratenumschaltung 44.1 / 48 sein, das hat er ja sowieso. Vielleicht eine externe Sync-Schaltung? Oder ein Maschinenfernstart, der ein eigenes Protokoll verwendet und mehr ist als eine "rausgeführte" Pausentaste?

Was sagt denn Herr Mickeleit dazu?
https://web.facebook.com/MCS-Mickel...vice-767447099983687/about/?ref=page_internal
 
#3
Wie Radiowaves schon schreibt - wenn man nur wüsste, was in dem PIC steckt. Ich kenne es von den großen Sony (PCM-7010 bis 7050), dass es Zusatzboards für "Memory Start" gab. Aber ich habe mich damit noch nie beschäftigt. Keine Ahnung, was das tut und ob man das in den Panasonic hätte reinbauen können.
 
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#4
Hallo Waver!

Vielen Dank erstmal für deine Anteilnahme. ;) Ich komme, wie Du evt. weißt, aus der "SONY DTC-57-ES"-Ecke, bin also total "abgehärtet" was DAT (Wortspiel!) betrifft. Ich kenne den SV-3700 natürlich auch seit 1994, habe aber bis vor wenigen Tagen echt nicht gewußt, daß das Gerät auch 32kHz-Aufnahmen abspielen (und über SPDIF auch aufnehmen) kann. (Fast) Rein zufällig habe ich mir die BDA durchgelesen und habe dann sofort zugschlagen. Ich will nämlich endlich mal meine alten DAT-Bänder "digitalisieren" - sprich - 1:1 auf Festplatte kopieren. Dabei wird sich auch ein Programm als Audiotrack (wie bei einer Datasette) finden, welches einen C64 in ein Steuergerät für eine 8-Kanal Lichtorgel verwandelt...


Ich habe mir das Servicemanual erst heute gesaugt und erstmal nur quergelesen. Ich habe mit der Tastspitze noch nicht rumgestochert und die HF von der Kopftrommel gesucht. Aber wenn der Recorder praktisch taub ist, dann ist das erstmal kein gutes Zeichen.

Was sagt denn Herr Mickeleit dazu?
Auf eBay schreibt er zumindest: "Bitte beachten Sie, dass der Serienzustand des Gerätes vorhanden sein muss, d.h. das Gerät ist unverbastelt, es sind keine baulichen Veränderungen erfolgt. Sonst bitte vorher melden." Daher dachte ich mir: "Frag besser erstmal hier nach."

Ansonsten kümmere ich mich am Wochenende um den 3700. Hauptsache die Kopftrommel ist in Ordnung. Das ist wichtig zu wissen, bevor ich das Gerät zur Reparatur schicke. Ich habe nämlich keinen Bock (mehr) an dem Ding rumzubasteln. Bei mir bleiben am Ende sowieso immer ein paar Schrauben übrig... ;)

BTW: Die Schrift auf den Leiterplatten ist aber verdammt klein geworden in den letzten 25 Jahren... :D Wo ist die verdammte Lupe? *Scheiße, man wird alt*
 
#7
Wirklich LP auf dem 3700er? Laut technischer Daten im Service Manual unterstützt das Laufwerk 8,15 mm/s und 12,225 mm/s. Letzteres ist für industrieell vorbespielte Bänder (ich kenne keine). Dieser Modus bringt auf einer 60-Meter-Kassette ("120er") nur noch 81 Minuten. Von LP sehe ich nichts. Dagegen spricht auch die Kopfdrehzahl von 2000 UpM. LP hätte 1000 UpM. Man kann freilich auch in SP mit 32 kHz aufnehmen (DSR auf DAT-SP beispielsweise), so etwas kann er wohl wiedergeben.

Auf eBay schreibt er zumindest: "Bitte beachten Sie, dass der Serienzustand des Gerätes vorhanden sein muss, d.h. das Gerät ist unverbastelt, es sind keine baulichen Veränderungen erfolgt. Sonst bitte vorher melden."
Mein 57ES war/ist auch verbastelt. Aber nicht im Laufwerk, sondern ein "Skalpell-Eingriff" in der Elektronik. Das Gerät weiß deshalb nicht mehr, was SCMS ist und nimmt analog mit 44,1 kHz auf, man kann es auf 48 kHz umschalten. Das hatte ich zu einer Zeit einbauen lassen, als der SCMC-Knacker von Hucht noch nicht verboten war. Herr Mickeleit hat das Gerät dennoch gewartet (Kopfverstärker und Laufwerk).

"Verbastelt" meint bei Herrn Mickeleit vor allem die lausigen "Servicemaßnahmen" in Kopfverstärkern, die manche Pfuscher als Dienstleistung anbieten:

https://www.facebook.com/7674470999...447099983687/1318248204903571/?type=3&theater

https://www.facebook.com/7674470999...447099983687/1173317986063261/?type=3&theater

Es gibt auch derbe Mechanik-Verbastelungen, zerbrochene Gewindebolzen, brutal gelängte Federn...
 
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#8
Um kurz nach 10 die "Wasserstände und Tauchtiefen"...

Ich hatte noch keine Zeit für Tastspitze und Co. Auf ein paar Tage kommt es heute auch nicht mehr an. Ich habe mir aber sagen lassen, daß sich DAT-Recorder auch "kaputtstehen", wenn sie lange nicht benutzt werden. Das betrifft auch Runfunkanstalten, in denen man seit weit über 10 Jahren nicht mehr ernsthaft mit DAT arbeitet. Nach langer Zeit "mal schnell in ein Band reinhören" kann das Band fressen...


Der 3700 kann definitiv kein "Longplay". Siehe dazu minidisc.org unter "DAT-Heads-FAQ". Schade eigentlich, aber kein Beinbruch.

Ich konnte mit jemanden sprechen, der mit diesem Recorder um 1994 herum zu tun hatte. Die Schaltung dient der Herstellung der "Interoperabilität", um das mal so auszudrücken. Die Buchse ist praktisch ein zweiter Coax-Eingang zum Anschluß von Consumer-Geräten, wobei gewisse Bits im Datenstrom ausgeblendet werden, damit der 3700 diesen Datenstrom auch auf Consumer-Ebene aufzeichnen kann.

That's all
 
#9
Nach langer Zeit "mal schnell in ein Band reinhören" kann das Band fressen...
Ja. Reicht ein hart oder weich gewordener Laderiemen, so im Laufwerk sowas drin ist. Wird dann nicht richtig eingefädelt, macht Ärger, versucht dann auszufädeln, knittert dabei das Band. Große Freude. Oder halt verhärtete Andruckrolle, dejustierter bandlauf - das Band läuft schräg an der Andruckrolle weg und knittert. Aber das schaffte Sony auch bei fabrikneuen Geräten (im 3-Motoren-Laufwerk).

Oder wie Nikolaus Löwe vom RBB im Feature "Das Radio als Welterzähler - Ein Nachruf auf die Magnetbandzeit" von Helmut Kopetzky schon feststellte:

"Es gibt digital zwei Zustände: "heil" und "kaputt". Das Band – das fängt dann irgendwann an --- klingt 'n bisschen dumpf, rauscht 'n bisschen mehr, vielleicht leiert es auch – aber ich kann es abspielen. Die DAT-Kassette ist entweder spielbar oder ich muss sie wegwerfen ! Es gibt keine Vorwarnzeit!"
 

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#10
Na ja, DAT verwendet Metallband. Das ist schon robust und haltbar. Vor ein paar Jahren habe ich mir mal die HF von Kassetten angesehen, die ich 1992 aufgenommen habe. Bis auf leichte Dropouts (man sieht dann leichte "Signaleinbrüche" im Osszi durchs Bild laufen) im Bereich von Indexmarken, gibt es selbst nach über 20 Jahren nix zu meckern. Diese Fehler muß man nicht unbedingt hören.

Und eine "Vorwarnzeit" gibt es schon - zunächst völlig unhörbar, weil die Fehlerkorrektur die Lesefehler noch komplett ausbügeln kann. Wünschenswert ist es daher immer, wenn ein Gerät (z.B. der SV-3700) die Fehlerraten bei der Wiedergabe anzeigen kann. Im Auge behalten und handeln...

Natürlich, wenn der Recorder anfängt zu Interpolieren ist das Ende einer störungfreien Wiedergabe nah. Das muß aber nicht unbedingt am Band liegen.
 
#11
Vor ein paar Jahren habe ich mir mal die HF von Kassetten angesehen, die ich 1992 aufgenommen habe.
Um bei der Wahrheit zu bleiben - das war im Mai 2007, ist also auch schon fast 10 Jahre her. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Gut, damit war das Band und die Aufnahme darauf damals halt nur 15 Jahre alt, nicht 20. Die HF "steht" aber trotzdem. Notfalls muß man die Spur etwas nachstellen, um auch Fremdbänder perfekt abspielen zu können.

Ich sehe daher kein grundsätzliches Problem bei der Haltbarkeit von DAT-Bändern. Man (Rundfunkanstalten) kann die Original-Bänder (als Gegenstand) natürlich archivieren. Das wird wohl auch gemacht. Normalerweise ist der Inhalt der Bänder (die darauf gespeicherte Information) aber längst (schon vor über 10 Jahren!) 1:1 auf der Festplatte gelandet. DAT ist aber kein analoges Tonband, welches mit den Jahren (Kopiereffekt) und von einer Kopiergeneration auf die nächste, immer schlechter wird. Wenn man rechtzeitig handelt - und das dürfte heute der Fall sein - ist die digitale Information längst 1:1 kopiert, bevor der Träger "zerfällt." Gleiches gilt natürlich auch für CD(-R) und Co.


BTW: Ein Kumpel hat noch eine 10er-Packung "Fuji"-DAT-Kassetten vom MDR. Natürlich original eingeschweißt. Praktisch wie neu. Er hebt sie auf. Kommt Zeit - kommt ebay;)
 

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