SWR 2


Olé93

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Hallo zusammen,

seit einiger Zeit schalte ich gerne mal regelmäßig SWR2 ein. Der Informationsgehalt über das politische Zeitgeschehen ist im Gegensatz zu bspw. WDR 3 recht hoch. Das gefällt mir gut. Zudem gibt es auch mal nicht-klassische Musik, zumindest zwischen 16 und 17 Uhr in der Wissenssendung "Impuls", was für Abwechslung sorgt. Das Programm hält m.E. mehr Überraschungen als andere Kulturradios bereit. Bin auf Eure Einschätzung gespannt.
 

freiwild

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SWR2 bietet mehr Popkultur als andere Kulturwellen, weil Popkultur aus dem populären Wellen des SWR fast völlig verdrängt wurde. SWR2 bietet mehr Information als andere Kulturwellen, weil geschlossene Informationsformate in den populären Wellen des SWR vollständig abgeschafft wurden und SWR-Aktuell ein peinliche, auf Kostenvermeidung hin optimierte Alibiveranstaltung darstellt. Dadurch ist SWR2 nach Bayern 2 das vielfältigste und interessanteste Kulturprogramm der Landesrundfunkanstalten. Das ändert aber nichts daran, dass der SWR-Hörfunk sowohl im Bereich Popkultur als auch im Bereich Information deutlich weniger anbietet als die meisten anderen Landesrundfunkanstalten.

Was den konkreten Vergleich mit WDR 3 betrifft: die dort bis vor wenigen Jahren beheimateten Informations- und Hintergrundsendungen sind dort ja deshalb eingestellt worden, weil man sich beim WDR ein WDR 5 leistet, das in der Summe mehr Inhalte bietet als die meisten Hörfunkflotten der anderen Landesrundfunkanstalten (mit ihren im Stundentakt rotierenden Infowellen) insgesamt.
 
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Mannis Fan

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Die qualifizierte Berichterstattung zum 75. Geburtstag von Udo Lindenberg habe ich z.B. weder auf SWR1 und schon gar nicht auf SWR3 gehört, sondern auf SWR2. Mein morgendlicher Leckerbissen ist immer die Kulturmedienschau. Ich höre es lieber als DLF, weil eben nicht nur Wort stattfindet. Da stört es mich nicht, dass die Musikrotation bis ins 17. Jahrhundert zuurückreicht.
 

stereo

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Reichhaltig, von den Themen her eine Wundertüte, abwechslungsreich, meistens seriös, wird selten langweilig. Also ich mag den Sender. Programmlich vielleicht eher mit Österreich 1 verwandt als mit deutschen Kultursendern. Apropos... "Kultur neu entdecken" ist ein merkwürdiger Slogan. Einen Großteil des Programms würde ich zumindest nicht als Kultur einordnen.
 

Radiocat

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Richtig. Wundertüte war auch der Begriff, der mir in den Sinn kam. Angenehm unformatiert, divers, vielschichtig und tiefgründig. Meines Erachtens die einzige ARD-Kulturwelle, die nicht entweder zum Klassikdudler oder zum LatteMacchiato-Programm mit Songwriterpop verkommen ist. Freilich muss da auch vieles aufgegriffen werden, was eigentlich Bestandteil des ersten (hintergründige Information und Debatten) oder dritten (Popkultur) sein sollte.
 

s.matze

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SWR2 würde ich am Ehesten als hochwertiges Einschaltradio bezeichnen.
Ich höre dort nur ausgewählte Sendungen, die ich ganz gezielt herausfiltere.
Z.B. https://www.swr.de/swr2/programm/mu...wird-80-swr2-pop-und-jazz-2021-05-24-100.html

Meist Themen rund um Popkultur, Persönlichkeiten oder Gesellschaft.

Mit Bayern 2 (mehr Wort aber bei der Musik keine Klassik wegen Bayern 4) ist das nur bedingt vergleichbar. Das kann ich auch schon mal für eine Magazinsendung mit Musik darin 3 Stunden am Stück hören.
SWR 2 schalte ich gezielt ein.

WDR 5 war für meinen Geschmack (auch wegen der fehlenden klassischen Musik) noch anspruchsvoller und musikalisch leichter verdaulich, leider hat man das Programm zunehmend entkernt. Das Abnudeln der Infonacht und das Ende wertvoller, lieb gewonnener Sendungen zum aktuellen Tagesgeschehen war da nur der Wassertropfen im Weinfass.

Damit halten Bayern 2 und SWR 2 jetzt die Fahnen der Qualität aufrecht.

SWR 2 bietet tagsüber natürlich auch mehr Musikanteil als der Deutschlandfunk.
 
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schneeschmelze

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Das bedeutsamste scheint mir zu sein, dass das Programmschema von SWR2 in den großen Zügen schon seit Jahrzehnten ziemlich gleich geblieben ist. Das Abendprogramm beginnt bereits um 19 Uhr, und am späten Abend gibt es ab 22 Uhr eine Einschaltzeit für hochwertiges Wortprogramm (das „kulturelle Wort“), das man bei den Sendern im geografischen Umfeld zu dieser Uhrzeit vermisst: Radiofeature, Hörspiel, sie senden sogar noch einen wöchentlichen Essay und eine ausführliche vertiefende Literatursendung samt Bestenliste. Keine Wiederholungen und auch keine Dampfplauderei wie bei Bayern2 zu dieser Zeit.

Ich kann mich aber auch noch daran erinnern, dass schon in den 1980er Jahren Hörer aus Südwest den Deutschlandfunk einschalten mussten, um mal etwas ausführlichere Nachrichten zu bekommen. Insoweit waren schon SWF und SDR schlecht aufgestellt. Mehr als das, was man auf SWR2 findet, gibts in der Gegend nicht über Antenne. Zumal das „Feigenblatt“ SWR aktuell nur digital zu empfangen ist.

Übrigens kann ich die Lobreden auf Bayern2, die immer wieder in der Diskussion anklingen, nicht nachvollziehen. Bayern2 ist ein ziemlich provinzielles Programm geblieben, das durch seine Dialektsprache und die Volksmusikeinblendungen immer wieder zurückfällt in eine regionale Nabelschau, die man bei keinem anderen Programm im deutschen Radio so findet. Als Frankfurter kann ich ohne weiteres den NDR oder den SR hören, ohne dass ich mich ausgeschlossen fühle. Auch BR-Klassik sendet einfach gute klassische und Jazz-Musik. Bayern2 wendet sich aber klar an bayerische Hörer, die über den eigenen Tellerrand nicht wesentlich hinausblicken (wollen?). Hinzu kommt natürlich auch die regierungsfreundliche Ausrichtung der Nachrichtensendungen. Insoweit bleibt Bayern2 weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
 
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Ukulele

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Bayern2 ist ein ziemlich provinzielles Programm geblieben, das durch seine Dialektsprache und die Volksmusikeinblendungen immer wieder zurückfällt in eine regionale Nabelschau, die man bei keinem anderen Programm im deutschen Radio so findet.
Kann man so sehen. Man kann es aber ebenso gut als großen Pluspunkt für Bayern 2 werten, dass dort Dinge stattfinden, die bundesweit einmalig sind. Man könnte aus solchen Sendungen, die eben nur in einer bestimmten Regionen funktionieren, sogar die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland mit seiner föderalen Strukur ableiten.
 

schneeschmelze

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Ja. Aber Provinzialität als Alleinstellungsmerkmal zieht m.E. nicht, wenn es sich um das einzige kulturelle Wortangebot einer Anstalt handelt.
 

Radiocat

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Der (Ober)bayer hat halt doch immer noch seine Lederhose an, selbst am Laptop. Und macht sich auf die Pirsch nach Problembären. Mia san mia und ois ondere is wuarscht. [Polemik Ende, zornesrotgeschwollene Gamsbärte bitte in den Abklingmaßkrug eintauchen] Aber wir waren ja bei SWR2. Das von schneeschmelze geschrobene traf aber allfällig auf den SWF zu. Der SDR hatte sehr ausführliche Informationssendungen (fast ohne Musik) in seinem ersten Programm. SWR 2 hat m.E. im deutschsprachigen Raum nur ein Pendant, das noch höher angesiedelt ist: Österreich 1 respektive Ö1. Die schaffen es, das hohe Niveau noch mit einer Portion ostösterreichischer Nonchalance zu würzen. Ich habe dort schon hervorragend satirische Beiträge gehört.
 
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stereo

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. Bayern2 ist ein ziemlich provinzielles Programm geblieben, das durch seine Dialektsprache und die Volksmusikeinblendungen immer wieder zurückfällt in eine regionale Nabelschau.
Nehme ich anders wahr. Dialekt und Volksmusik höre ich dort (zu) selten. Mal bayrische Musik oder ein leichter Akzent. Dass die Unterdrückung von Dialekten für Weltoffenheit steht, halte ich auch eher für einen Trugschluss. Ein Schwachpunkt auch bei SWR 2.
 

schneeschmelze

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Das von schneeschmelze geschrobene traf aber allfällig auf den SWF zu. Der SDR hatte sehr ausführliche Informationssendungen (fast ohne Musik) in seinem ersten Programm.
Das mag sein! Danke für den Hinweis! Den SDR hatte ich nie gehört, weil er bei uns nicht zu empfangen war. Ich kann mir aber erinnern, dass sich damals auch Hörer aus dem Sendegebiet (des SWF, des SDR?) im DLF über die schlechte Berichterstattung beklagten und betonten, sie seien nur deswegen zum Deutschlandfunk gekommen.
 

DigiAndi

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Übrigens kann ich die Lobreden auf Bayern2, die immer wieder in der Diskussion anklingen, nicht nachvollziehen. Bayern2 ist ein ziemlich provinzielles Programm geblieben, das durch seine Dialektsprache und die Volksmusikeinblendungen immer wieder zurückfällt in eine regionale Nabelschau, die man bei keinem anderen Programm im deutschen Radio so findet. Als Frankfurter kann ich ohne weiteres den NDR oder den SR hören, ohne dass ich mich ausgeschlossen fühle. Auch BR-Klassik sendet einfach gute klassische und Jazz-Musik. Bayern2 wendet sich aber klar an bayerische Hörer, die über den eigenen Tellerrand nicht wesentlich hinausblicken (wollen?).
Wo genau hörst in Bayern 2 "Volksmusikeinblendungen" (außer während der Übernahme der einen Stunde BR Heimat von 5 bis 6 Uhr)? Und wo genau findest du "Dialektsprache" in einem übermäßigen Umfang? Bitte Beispiele. Oder soll der BR seine regionale Identität, die ihn von anderen Programmanbietern (wie z. B. dem Deutschlandfunk) abhebt, aufgeben? Das wäre ziemlich dumm. Oder soll man vielleicht auch noch O-Ton-Geber bitten, Hochdeutsch zu sprechen, weil man es sonst nicht senden kann?

Bayern2 wendet sich aber klar an bayerische Hörer, die über den eigenen Tellerrand nicht wesentlich hinausblicken (wollen?).

D. h. eine Sendung wie die radioWelt, die sogar Sondersendungen zur US-Wahl macht oder in der Ausgabe nach den Landtagswahlen in BW und RP diese ebenfalls als Schwerpunkt behandelt, blickt nicht über den Tellerrand hinaus? Und das ist nur ein Beispiel.

Hinzu kommt natürlich auch die regierungsfreundliche Ausrichtung der Nachrichtensendungen.
Nachrichten und andere journalistische Inhalte, vor allem aber Nachrichten, haben abseits ihrere speziellen Formen wie des Kommentars neutral zu sein und weder "regierungsfreundlich" noch "regierunsfeindlich". Dass das beim BR anders ist als bei anderen Rundfunkanstalten in Deutschland halte ich für ein Gerücht.
 
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Sieber

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Oder soll der BR seine regionale Identität, die ihn von anderen Programmanbietern (wie z. B. dem Deutschlandfunk) abhebt, aufgeben? Das wäre ziemlich dumm. Oder soll man vielleicht auch noch O-Ton-Geber bitten, Hochdeutsch zu sprechen, weil man es sonst nicht senden kann?
Na ja. Dialekt zählt jetzt nicht unbedingt als die Bildung schlechthin.
Hardcore-Dialektler gelten nach wie vor als eher nicht weltoffen, provinziel und als eher, na ja, unbegabt.
Nachrichten und andere journalistische Inhalte, vor allem aber Nachrichten, haben abseits ihrere speziellen Formen wie des Kommentars neutral zu sein und weder "regierungsfreundlich" noch "regierunsfeindlich". Dass das beim BR anders ist als bei anderen Rundfunkanstalten in Deutschland halte ich für ein Gerücht.
Der BR hat leider in all seinen Programmen eine eher gestrige konservative CSU-freundliche Anbiederungs-Grundhaltung.
 

EMC

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Der BR hat leider in all seinen Programmen eine eher gestrige konservative CSU-freundliche Anbiederungs-Grundhaltung.
Da staune ich etwas. Hat sich Bayern 5, der einzige BR-Sender, dessen tagespolitische Sendungen ich vor Jahren eine Zeitlang relativ regelmäßig hörte, so sehr geändert? Ich erinnere mich, daß ich damals mit einer gewissen "CSU-Kritiklosigkeit" gerechnet hatte, aber angenehm überrascht war, wie ausführlich bei manchen polarisierenden Themen "beide Seiten" zu Wort kamen und sachlich dargestellt wurden.

Wie und ob eine besondere "CSU-freundliche Anbiederungs-Grundhaltung" in den anderen BR-Wellen vorhanden war oder ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Aber vielleicht ist es am besten:
Ach, lassen wir das
 

Radiocat

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Ich konnte das auch noch nie raushören, was Sieber da anprangert...und ich finde eine regionale Sprachfärbung bei einem regionalen Programm durchaus angebracht und angenehm. Beim SWR würde ich es mir häufiger wünschen, wenngleich nicht zwingend im Kulturprogramm, um das es in diesem Faden ja eigentlich geht.
 

Kreisel

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Ich mag Bayern 2 sehr und mich stört die Sprachfärbung dieses Programms in keinster Weise. In Bayern gelebt habe ich übrigens nie. Das für mich als rheinland-pfälzer zuständige SWR 2 höre ich zwar auch, aber ganz klar seltener als Bayern 2. Beide zeichnet aber aus, dass sie sehr interessante Einschaltprogramme sind und sie beweisen,, dass Radio zum Glück auch heute noch mehr ist als Hits, Hits Hits.
 
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