SWR1: Großes Radio mit Macken


Heute Nachmittag/Abend wieder Memory-Lane? Auf jedenfall moderieren Neelmeier und Schmidt ab 17 Uhr!
Kein Memory-Lane.

Stattdessen ein siebenstündiger Hitparadenrückblick der letzten dreißig Jahre.
DigiAndi ist übrigens ebenfalls in der siebenstündigen Sendung kräftig involviert. Da er sämtliche Hitparaden aufgezeichnet hat, soll er bestimmte Wünsche erfüllen. Dabei handelt es sich nicht nur um Musikwünsche, sondern auch um spezielle Anmoderationen oder Aktionen, die während der alten Hitparaden stattfanden.
 
Was die Musikauswahl bei der Hitparade angeht...ich hatte mich schon einmal gefragt, ob die Hitparade musikalisch anders aussehen würde, wenn sie z.B. im Frühling oder Sommer laufen würde. Denn eine gewisse Rolle spielt das Wetter und Lebensgefühl bei den akuten Musikvorlieben ja schon und mir fällt auf, dass die Hitparade durch den Überhang an ProgRock-Hymnen schon bisweilen eher "melancholisch" wirkt in der Anmutung der Musikabfolge...das passt im Spätherbst ja auch ganz gut zur Stimmung. Was meint ihr, spielt das eine Rolle?
 
...das passt im Spätherbst ja auch ganz gut zur Stimmung. Was meint ihr, spielt das eine Rolle?
Interessanter Gedanke. Man könnte unter diesem Gesichtspunkt mal die Listen von RP (gelaufen Mitte September) und BW (wird Ende Oktober laufen) vergleichen. Wenn die Theorie stimmt, müßte es in BW ja melancholischer zugehen als in RP, weil wir uns dann mitten im Herbst befinden.
 
Ach was, das bildet Ihr Euch nur ein, "Stairway to heaven" war schon zu SDR3-Zeiten DIE Hymne, und diese legendäre Hitparade fand bekanntlich im Spätsommer statt.

Was ich eher vermute: Die Hörer sind geneigt, immer wieder die gleichen Titel in die Spitzengruppe zu wählen, weil sie seit Jahren nix anderes gewohnt sind. Bekanntlich beschäftigen sich die "etwas älteren" Leute eher weniger mit aktueller Chart-Mucke (ich zähle mich zu dieser Generation, kenne mich da mittlerweile nicht mehr wirklich mit aus, aber macht nix) und wählen dann eher die Klassiker.
 
@grün: Stairway to heaven kam damals für das SDR3-Team total überraschend, das hatte keiner erwartet. Der eigentlich nicht besonders Mainstream-Radio-taugliche Song war damals aber auch erst 18 Jahre alt, vergleichbar heute mit einem komplexeren Titel aus dem Jahre 2001.
Ein "Kultsong" der Massen wurde dann erst über die Jahre daraus. Interessant, dass dies dann weit über die Hörerschaft des Wilden Südens hinausging. Man könnte sagen, Stairway to heaven hat sich verselbständigt.

Wer aber mal die SWR1-Hitparaden der letzten Jahre mit den Hitparaden bei SDR3 (1989, 1990 und 1994) vergleicht, erkennt markante Unterschiede, was natürlich auch in der unterschiedlichen Zielgruppe der Programme liegt. SDR3 war ja das junge Popprogramm, das auch noch viele Leute im mittleren Alter einschalteten, da SDR1 doch wesentlich älter war (ungefähr wie SWR4 heute) und folglich fanden sich in den SDR3-Hitparaden sehr viele damals aktuelle Songs, auch mehr dancelastiges, Hiphop, Punk etc.
Sooo Prog- und Classicrock-lastig waren die damals gar nicht. Viele dieser Titel kamen erst über die Jahre aus den hinteren und mittleren Plätzen immer mehr nach vorne und sind seitdem kaum mehr aus der Hitparade wegzudenken.

Ich denke aber schon, dass neben diesem Gewohnheits-Effekt auch die jahreszeitliche Stimmung eine Rolle spielt. Oder hört Ihr alle das ganze Jahr durch bei jedem Wetter immer dieselbe Musik?
 
Ein "Kultsong" der Massen wurde dann erst über die Jahre daraus.
Bitte nochmal ganz genau auf der Zunge zergehen lassen und dann die Unlogik erkennen.
Er wäre nicht auf Platz 1 gelandet, wenn er SO unbekannt gewesen wäre. Es trifft wohl eher zu, dass der Song aus unbekannten Gründen (vielleicht die Länge, vielleicht, weil er in new-wavige Popradio nicht passte und ignoriert wurde), aber in einschlägigen Kreisen war der Song immer ein Klassiker, was dann in der immer wieder gerne gesehen Szene aus "Wayne's World" ihre Bestätigung und gleichzeitigen Höhepunkt fand.

Natrürlich gab es dann nach dem ersten, zweiten, dritten Sieg einen Gewöhnungseffekt, weil der Song einfach in die Hitparade gehört. Aber wie schon im letzten Jahr ausgeführt: Es findet ein langsamer Hörer-/Generationenwechsel bei SWR1 statt und der Song kann sich in den kommenden Jahren seiner Spitzenpositionen nicht mehr ganz so sicher sein.
 
Ich überlege schon, bevor ich schreibe und es gibt keine Unlogik, die Du Dir einbildest. Ich schrob daselbst: "Kultsong der Massen". Ich habe 1989 auch schon 14 Jahre gelebt und Stairway to heaven war vor der Too 1000X unter Garantie KEIN Kultsong der Massen. Dafür verwette ich den ganzen Sheba-Bestand auf Gottes Erde! In einschlägigen Kreisen (Stichwort Filterblase) womöglich schon. Interessant ist ja das Phänomen, dass er eigentlich erst nachdem er durch diese Hitparaden "Kult" wurde, auch in anderen Programmen in der Tagesrotation auftauchte, dann aber oft seines genialen Intros beraubt. Nicht zuletzt deshalb zeigt er mittlerweile deutliche Abnutzungstendenzen. Es ist auch einfach ein Song, den man nicht morgens beim Butterbrotschmieren oder in der Alltagshetze hören möchte, sondern den man bewusst mit geschlossenen Augen genießen sollte, damit er überhaupt richtig rüber kommt. Die Dynamikreduktion des Soundprocessings zerstört ihn im UKW-Radio sowieso völlig.
A propos "new-waviges Popradio", das war SDR3 nie. Im Gegenteil: Südfunk 3 oder Radio 3, wie es bis 1988 hieß, war eigentlich eher rocklastig, wie Du auch noch anhand im Netz verfügbarer alter Tagesplaylisten unschwer erkennen kannst. (sdr-3history.de). Erst die Programmreform zum Wilden Süden durch Archner und Holtmann stellte auch das Musikformat um, da wurde es dann poppiger, chartslastiger und auch über den Tag weg einheitlicher. Die Entscheidung war goldrichtig, da man so den gerade wie die Pilze aus dem Boden schießenden Privatsendern Paroli bieten konnte und diese sich anfangs ziemlich schwer taten, Fuß zu fassen. Selbst auf den Plakatwänden prangte der Wilde Süden allerorten, dazu noch originelle Kinospots...aber jetzt werden wir arg off topic.

Zurück zu SWR1: Es hat ja einige Jahre gedauert, bis das erste Programm sein von den Vorgängern noch etwas angestaubtes Image als Rentnerwelle abstreifen konnte. Mittlerweile steht man im nächsten Transferprozess: Die Hörer der Beat und Progrockäras sind mittlerweile 60+ und man steht vor der Aufgabe, die nächsten Hörergenerationen zu erschließen. Bislang ist man da im SWR noch einigermassen mutlos. SWR3 dudelt immer noch die üblichen 80er-Samplerhits von Eurythmics und Co, SWR1 traut sich bei den 80ern und 90ern nicht an die progressiveren Sachen heran und SWR4 ist nach wie vor schlagerlastig, auch wenn mittlerweile vier nicht-deutsche Soft-Oldies pro Stunde laufen. Also irgendwie entsteht da ein recht großer Gap in der Senderfamilie. Diesen Gap haben aber die anderen Anstalten auch, der BR sogar noch mehr zwischen B1 und B3.

Interessant, dass viele das ganze Jahr rund um die Uhr dasselbe hören. Ich bin eben anfälliger für Stimmungen, und damit ganz sicher nicht alleine.
 
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Wenn es genug Postkarten für einen Platz 1 gibt, handelt es sich einfach nicht um eine "Randgruppe", die da abgestimmt hat.

Das war kein Dalbello-Fanclub, der die Sender mit Postkarten für die wöchentliche Hitparadensendung bombardiert hat.
 
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