SWR1: Großes Radio mit Macken


Auch wenn ich nicht angesprochen war, möchte ich mich zu den Moderatoren bei SWR1 RP äußern. Schön auch, dass es mal verstärkt um SWR1 Rheinland-Pfalz geht. Insgesamt machen die Leute da nämlich einen guten Job und verdienen es nicht, dass oft nur über BW gesprochen wird, wenn es um SWR1 geht.

@Picknicker, was hast Du an Lueg auszusetzen? Für mich noch einer der besten Mods bei SWR1 RP, aber gut, alles Geschmackssache.
Für mich ist das ein Selbstdarsteller vor dem Herrn. Da find ich z.B. Steffi Vitt viel besser, aber wie gesagt Geschmackssache. Ich hör RP auch nicht so oft, aber wenn Lueg moderiert, schalt ich ab. Früher war halt mehr Lametta, gilt auch hier wie überall. Die Guten werden nicht mehr.
Ich sehe es nicht so schlimm wie der Picknicker. Michael Lueg ist in Ordnung, aber man merkt schon, dass er sich gerne als den Grand Senior sieht, der durchs Programm führt. Kein Wunder, man hat ihn auch lange nach Außen so verkauft. Für eine Nachmittags- und/oder Abendsendung ist das auch okay, aber ich möchte ihn z. B. nicht morgens hören. Das passt einfach nicht. Da sehe ich andere.

Bei den Doppelmoderationen der Hitparade konnte man schön beobachten, welch gutes Duo Frank Jenschar und Hanns Lohmann zusammen sind. Da fliegen die Frotzeleien nur so hin und her, ohne, dass es gekünstelt, abgesprochen oder aufgesetzt wird. Man hört, dass es hier eine authentische Hassliebe zwischen den Beiden gibt und es macht wirklich Spaß den Beiden zuzuhören.

Die angesprochene Steffi Vitt fällt mir ebenfalls immer wieder positiv auf, da sie echte Sympathie rüberbringen kann. Auch Dörte Tebben hat eine angenehme, unaufgeregte Art zu moderieren.

Veit Berthold, der früher bei SWR3 war, hat für mich bei SWR1 RP richtig Personality entwickelt.

Allgemein habe ich das Gefühl, dass SWR1 RP etwas befreiter agieren kann als BW, weil hier nicht die ganze Zeit der Schatten von SDR3 und Personen wie Thomas Schmidt und co. über dem Sender hängt. Und an einigen Punkten nutzt man dies auch. Andererseits bleibt man auch an anderen Stellen hinter den Möglichkeiten zurück und wirkt manchmal unnötig mutlos.
 
Andererseits bleibt man auch an anderen Stellen hinter den Möglichkeiten zurück und wirkt manchmal unnötig mutlos.
Diese Aussage trifft es ziemlich genau. Mir fehlt da mehr Offensive, Intuitiv ranzugehen, neue Sachen auszuprobieren. Mit der Sendung (Memory Lane) die Schmidti und Neelmeier machten gings doch auch. Mehr solche Sachen werden gebraucht. Und einen größerer Pool und zwar dringend!!!
 
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Diese Aussage trifft es ziemlich genau. Mir fehlt da mehr Offensive, Intuitiv ranzugehen, neue Sachen auszuprobieren.
Manchmal würde es vielleicht auch helfen alte Sendungen aus der Versenkung zu holen mit etwas abgeändertem Konzept wieder auferstehen zu lassen. So etwas war (!) Schmidt's Samstag als es noch von Thomas Schmidt moderiert wurde. Aber gut: wahrscheinlich traut sich das keiner mehr, weil ja sonst die Flottenstrategie über den Haufen geworfen würde.

Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln! :wall:
 
Ich kann Picknicker und Radiofreak01 nur zustimmen. In meiner Jugend habe ich mich auf spezielle Sendungen innerhalb des Programms gefreut, ihnen entgegengefiebert. Bei mir war es z. B. der Musikreport auf Bayern 3, in dem neu erschienene Platten vorgestellt wurden. Oder Pop nach Acht mit Th. Gottschalk oder der Club 15 (ich glaube, so hieß er) mit Fritz Egner und Jürgen Herrmann. Man achtete auf die Moderation, die Interviews, die Songs. Später gab es die legendäre Sendungsübergabe zwischen Gottschalk und Jauch auf Bayern 3, die man hören musste!

Heute gibt's nur noch Brei. Pardon, Formatradio. Irgendjemand moderiert schon irgendwie, irgendwelche allergrößten Hits laufen auch, dazu die banalen Popschlager dieser Tage. Ich erlebe mich nur noch beim Umschalten von SWR1 BW zum Schwarzwaldradio zu Bayern 5 aktuell zu Bayern Klassik zu ego FM zu CDs zu iTunes etc. pp. DEN Haussender, den man als erstes immer einschaltet, gibt es nicht mehr - es ist vorbei. Solange SWR1 BW es nicht kapiert, dass der Musikpool kräftig erweitert werden sollte und die Sendungen differenzierter angelegt werden müssen, weiß ich nicht, wohin die Reise noch geht. Habt den Mut, euren Beratern in die Suppe zu spucken - die Hörer danken es euch!
 
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Danke, Mannis Fan, sehr witziges Video zu den Senderkennungen bzw. der Eigenwerbung alle paar Minuten. Ist nur ein bißchen übertrieben ;). Aber es bleibt bei der berechtigten Frage, warum die ÖR (die ich für sehr wichtig halte) mit Bayern1/SWR1/Bayern3/SWR3 etc. die Privaten zu überbieten versuchen. Wahrscheinlich ist es schlicht unmöglich, einen ÖR-Besitzstand, wie diese Massenprogramme, aufzugeben. Sie bringen Werbeeinnahmen und sorgen für Bekanntheit. Das Argument ist, dass dadurch hochwertige Programme wie Bayern 2/Klassik/B5 etc. subventioniert werden. Schon klar, aber kann man dann die Programme nicht etwas ambitionierter gestalten? Es sind ja Gebühreneinnahmen bzw. Haushaltsabgaben, die sie den Sendern überhaupt ermöglichen!
 
Früher stand der öffentliche Rundfunk mal für Qualität und der Privatfunk hatte eher einen miesen Ruf. Inzwischen kann man beide fast nicht mehr unterscheiden. Warum hat es der SWR nötig, Events und Gewinnspiele zu veranstalten?
 
Und Gewinnspiele binden Hörer.
Immerhin. Aber wenn in Guten Morgen BW jemand eine Langspielplatte gewinnt und der sich darüber ergehende „Freudenjubel“ des Anrufers die nächsten drei Tage mehrmals pro Stunde in den nachfolgenden Sendungen „wiederholt“ wird, dann fängt es irgendwann an, nervig zu werden,

Und wenn dann noch falsche Lösungen als richtig durchgelassen werden, dann wird es richtig peinlich. Beispiel aus dem letzten Jahr: Es ging um Phil Collins. Es wurde kurz der (überhaupt nicht totgedudelte) Titel „Dance Into The Light“ angespielt und der Hörer musste ihn erraten. Als Lösung präsentierte der sich im Vorgespräch selbst als „leidenschaftlicher Phil-Collins-Fan“ bezeichnende Hörer dann: „Dancing in the Light“. Und der Moderator (Stöckle, natürlich) lies es als richtig durchgehen. Dann natürlich noch die abschließende Frage, was er denn mit den Tickets mache (aufs Konzert gehen, was sonst?). Der Jubel des Hörers über Akzeptanz seiner falschen Antwort wurde natürlich standesgemäß auf Konserve gezogen und war wohl zwei Wochen später noch in Leute der Woche zu hören.

Leider konnte ich meine Blutdrucktabletten so schnell nicht finden und war die ganze Zeit versucht, mir den Titel „Dance Into The Dark“ vom Boss über Mail ins Studio zu wünschen. Es ist unfassbar.
 
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Das mag sein, aber allein der Hörer merkt es nicht und fühlt sich trotzdem an seine Welle gebunden, "die da wo mich zu Phil Collins geschickt hat, obwohl ich in der Aufregung leicht an der richtigen Antwort vorbeigeschrammt bin, der Moderator aber Gnade vor Recht ergehen ließ. Seitdem liebe ich den Jochen Stöckle ganz doll. Und SWF1 sowieso!"
 
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Nachdem ich eine Weile das Gefühl hatte, der Sender würde sich vielleicht etwas bessern, sind wir jetzt wieder im absoluten Niemandsland angekommen. Ich mach das Radio an, es läuft Mist, ich mach's wieder aus. Ich mach das Radio an, es läuft Mist, ich mach's wieder aus. Ich mach das Radio an, es läuft Mist, ich mach's wieder aus. So wiederholt sich das immer wieder. SWR1 ist einfach kaputt :( :cry:

Die Wahl zwischen Rock-Rakete und Disco-Kracher am Silvesterabend zeigte mal wieder ganz deutlich, wo die SWR1-Hörerschaft steht und welche Moderatoren das nicht wahrhaben wollen. Wenn man dann noch bedenkt, was für Songs teilweise in die Hitparade gewählt werden, die ansonsten in der gesamten ARD-Familie keinerlei Platz haben (Iron Maiden usw.), wäre doch die einzig richtige Schlussfolgerung, mehr Rock zu wagen. Aber nein, SWR1 spielt weiterhin die belanglosesten Hits aller Zeiten.

Aber ich will SWR1 noch nicht ganz aufgeben. Es gab immer wieder mal Lichtblicke - z.B. "Humble Stance" von Saga, "Lucretia Mac Evil" (Blood, Sweat & Tears) oder "From Now On" und "Hide in Your Shell" von Supertramp, wunderbare Songs, die ansonsten nie laufen. Oder mal Vaya Con Dios; Robert Palmer mit "Looking for Clues". Auch dass man es endlich geschafft hat, den 80er-Remix von ZZ Tops "La Grange" (mit halliger Drum-Machine) durch den rockigen Originalmix zu ersetzen, rechne ich der Redaktion hoch an. Oder wenn mal unerwartet die LP-Version von Ram Jams "Black Betty" läuft; klasse! Dafür bringt es der Sender aber nicht fertig, in derselben Sendung auch "Smoke on the Water" in voller Länge zu spielen (während HR1 kurz darauf sogar mit der Liveversion auftrumpfen kann).

Manchmal ist auch leider eine gewisse Ignoranz spürbar... wenn Stefanie Anhalt z.B. nach einer Pink-Floyd-Nummer verkündet, so etwas (Konzeptalben) gäbe es heute gar nicht mehr. Jeden Monat kann man im eclipsed-Magazin nachlesen (und auf dem Sampler-CDs hören), dass dem nicht so ist. Progressive Rock lebt - ist aber eben nicht mehr Mainstream, sondern Underground. Früher hat man sich noch ab und zu rangewagt und mal einen Song von Spock's Beard (von Frau Pollok gewohnt kompetent als "Spock's Bird" ausgesprochen) gespielt; die deutschen Pink-Floyd-Nachfolger RPWL habe ich sogar durch SWR1 kennengelernt (ihr humorvolles "This is not a Prog Song"-Medley ist mir immer noch im Ohr!). Im Kopfhörer war für solch hochqualitative, ernsthafte Musik noch Platz. Und eigentlich erwarte ich auch von einer Musikredaktion, dass sie nach solchen Perlen taucht, selbst ein bisschen auf die Suche geht, und eben nicht nur das spielt, was die großen Plattenfirmen ihr vorsetzen - bzw. auch einfach mal den Schrott als solchen bezeichnet und weglässt.

Ich fand es schon erstaunlich genug, dass Steven Wilson es mit "To the Bone" überhaupt mal ins Mainstream-Radio geschafft hat. Aber er hat ja "Permanating" auch als sein Trojanisches Pferd bezeichnet - ich glaube nicht, dass SWR1 diesem Künstler noch irgendwann mal Beachtung schenken wird. Klar, Nico Santos und Max Giesinger haben ja so viel mehr drauf, deswegen muss man sie ja auch andauernd spielen :-/

Man könnte sich ja beim Sender auch mal überlegen, was "Schmidts Samstag" so erfolgreich gemacht hat. Klar, die Stimme und die guten Moderationen, aber die machen m.E. noch keine gute Sendung. Ich habe auch den von ihm moderierten "Der Tag"-Sendungen nichts mehr abgewinnen können und sie nicht mehr ertragen. Was nützt der beste Moderator, wenn die Musik grottig ist? (In SWR4 moderiert seit einiger Zeit Michael Saunders... aber auch der bringt mich nicht dazu, Helene Fischer und Andrea Berg zu hören!) Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass Schmiddi das selbst sonderlich toll gefunden hat, der qualitative Unterschied zu seiner Samstagssendung war ja teilweise himmelweit.

In den Tagen nach der Schreckensnachricht klang SWR1 plötzlich wieder wie SWR1, wie DAS SWR1, das ich mal geliebt habe. Plötzlich musste ich nicht andauernd aufspringen und entnervt den Sender wechseln. Das hat schon einiges gesagt.

Man muss einfach mal laut sagen: Thomas hatte einen guten Musikgeschmack. Und dass man ihm erlaubt hat, diesen auch einzubringen, war eine gute Idee. Nun müsste man mal die entsprechenden Talente bei den übrigen Moderatoren fördern - ich denke da speziell an Patrick Neelmeier und Annett Lorisz, die beide definitiv Ahnung von Musik haben. Klar, als Moderator ist man nicht automatisch als Musikredakteur qualifiziert (Adrian Beric ist da für mich das beste Gegenbeispiel...), aber wenn man diese Persönlichkeiten nicht aufbaut, dann kann man den Laden auch gleich dichtmachen. Mit Frank Laufenberg, Otto Meyer, Günter Schneidewind und Mathias Holtmann sind der Station ja schon vier altersbedingt abhandengekommen...
 

Diacetyl

Gesperrter Benutzer
Günther Schneidewind beim SWR ist für mich legendär. Er hatte es sogar mal gewagt, das atmosphärische Dunkelheit von Burzum zu spielen mit der launigen Ankündigung, es sei typische norwegische Volksmusik. Damit hat er sich bei mir unsterblich gemacht.
Er hat einfach Ahnung von guter Musik.
Außerdem kannte ich schon Günther Schneidewind zu seiner Zeit bei DT64.
 
Danke Perfectionist für Deinen Beitrag. Du hast viel Richtiges angesprochen. Auch ich wechsle ständig den Sender und werde nirgendwo mehr wirklich heimisch. Vielleicht ist die Zeit der Lieblingssender auch einfach vorbei - oder ich zu alt für so was :rolleyes: ...

In den frühen 10er-Jahren waren es die ständigen Wiederholungen der allergrößten Hits aller Zeiten, die mich immer mehr genervt haben (Radio Ga Ga / Walk Of Life / Walking On Sunshine / The Look / etc. pp), aber seit ein paar Jahren sind es die aktuellen Popschlager, die mich vergraulen - bestenfalls mach ich mal leiser, wenn Forster / Giesinger / Santos / Bieber oder Capaldis Gebrüll gespielt werden, meistens aber schalte ich um - oder aus. Schon oft gesagt: Wozu gibt es SWR3 :mad: ???

Vielleicht wäre es hilfreich, eine zeitliche Grenze einzuziehen, wie es sie beim Schwarzwaldradio gibt. SWR1 sollte vielleicht bei Veröffentlichungsterminen nach 2010 Schluß machen, alles andere wird von den Kollegen von SWR3 gespielt.

Mehr Konturen in den Sendungen, wie schon mehrfach angesprochen, sollten ebenfalls möglich sein - weniger durchgehendes Format, mehr Moderatoren-Profil und eigene Shows. Es wäre so viel möglich - aber es geschieht einfach nicht. Wo sind die Sendungen nur mit Live-Musik, nur mit Singer-Songwritern, nur mit Rock, nur mit was-weiß-ich? Ist die 24-Stunden-Dauersülze das Ende der Radio-Entwicklung nach 100 Jahren ?? Das kann doch nicht sein :wall: !!

Ich glaube auch, dass Thomas Schmidt bei der Musikauswahl, die er fahren musste, manchmal die Haare zu Berge gestanden sind; dabei war er sehr loyal zu seinem Sender. Untertöne kamen nur selten rüber, aber man konnte sie durchaus erkennen. Und ja, er fehlt so sehr :cry:.

Auf einem Geburtstagsfest habe ich gestern einfach mal ins Blaue gefragt, wer noch Radio hört und wenn ja welchen Sender. Die Antwort war bei einer 17-jährigen und ihrem Vater die gleiche: Radio ??? Nein, Spotify !! Heißt es also nach 100 Jahren: "Streaming Killed The Radio Star" :eek: ??
 
Das Musikhören ist anders geworden. Früher konnte man nur über das Radio an Inspiration für Plattenkäufe kommen, heute gibt es Spotify und Co, da muss man gar nicht kaufen und hat Auswahl ohne Ende. Radio hat heute eine andere Aufgabe, es soll nebenbei unterhalten oder aber informieren. Beides zusammen darf es dabei auch nicht mehr geben, weshalb es Infowellen bzw Wortprogramme wie WDR5 gibt. Von daher wird das Radio nicht gekillt, es bekommt nur andere Zielrichtungen. Als Quelle für neue und begeisternde Musik hat es schon länger ausgedient.
 
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