SWR4-Reform


Endlich haben die Sendungen in RLP am Samstag wieder andere Namen als z.B. 6 Stunden "Samstag Nachmittag" ;)
Zitat von http://www.dwdl.de/radioupdate/53163/alsterradio_sieht_sich_bedroht_bravo_macht_radio/:
SWR4 Rheinland-Pfalz führt am 31. Oktober ein neues Sendekonzept am Samstag ein. "SWR4 Am Morgen" wird um eine Stunde verlängert und bleibt somit bis 10 Uhr auf Sendung. Um eine auf dann zwei Stunden wird auch die "SWR4-Sprechstunde" verlängert, die dann von 10 bis 12 Uhr auf Sendung bleibt. Darin werden Fragen zu den Themen Garten, Gesundheit, Tier und Kochen beantwortet. In "SWR4 Freizeit" geht's dann zwischen 13 und 16 Uhr um "interessante Menschen aus Rheinland-Pfalz und ihre Hobbys" und eine ganz breite Palette von Multimedia-Tipps bis Haushalts-Tipps, die von Silvia Frank vorgetragen werden. Um Promis geht's dann zwischen 16 und 19 Uhr in "SWR4-Prominent", inklusive Studiobesuchen. In der Sendung widmet man sich auch der Bundesliga, wofür man auf die Expertise von Reiner Calmund zurückgreifen wird.
 
Interessant, bei hr4 wurden Ende letzten Jahres die Sendungsnamen enfernt, es sei denn man sieht "Die besten Schlager und Oldies" als Dauersendungsname, und bei SWR 4 RP werden sie wieder eingeführt. Aus der "hr4 Freizeit" wird bei den Kollegen also dann eine "SWR 4 Freizeit". Soso.
 
Unterdessen wird in Baden-Württemberg wohl die Entregionalisierung (v.a. des Morgenprogramms) vorbereitet, und zwar häppchenweise Studio für Studio. Wenn ich nichts verpasst habe, machte den Anfang diese Woche das Schwaben Radio in Ulm. Zwar haben die regionalen Sendungen bis jetzt noch Bestand, der Nachrichtenblock um halb wurde allerdings radikal umgebaut.
Wurden die Regionalnachrichten bislang ruhig-solide nach alter Schule gestaltet, erinnerten sie seit dieser Woche an die modernsten News-Shows der Privaten. Folgender Aufbau: fulminanter Opener, Schlagzeilenüberblick (wie bei den Weltnachrichten zur vollen Stunde), zwei groß gehaltene Themen im Magazincharakter mit O-Tönen und kleinen Beiträgen, dann drei oder vier Kurzmeldungen, unterbrochen jeweils durch einen überaus großzügig bemessenen Trenner, hinten raus noch der Wetterbericht. Letzterer jedoch musste oft schnell in zwei oder drei Sätzen "hingerotzt" werden. Denn länger als dreieinhalb Minuten durfte die komplette Schose ja nicht dauern, interessanterweise auch während der eigenen Regionalmagazine nicht.

Wieso durfte? Weil seit heute Morgen vorerst wieder alles beim Alten ist. Ich habe diese befristete Neuorientierung auch nur bei den Ulmern wahrgenommen. Stuttgart, Tübingen und Friedrichshafen (die anderen konnte ich nicht prüfen) haben an ihrer regionalen Berichterstattung noch nicht herumgespielt. Wenn das so ab 2016 Regelbetrieb werden sollte, müsste man die aufgeblähte Verpackung meiner Ansicht nach noch etwas zurückschrauben. Die Fokussierung auf zwei Kernthemen pro Nachrichtenblock gefiel mir hingegen gar nicht schlecht, da diese regelmäßig ausgetauscht wurden. Besonders bei längerem Zuhören bekommt man dann nicht immer stündlich einen beinahe identischen Infoblock präsentiert.

Im Nachhinein erweckt alles ein wenig den Anschein, als hätte Ulm schon mal heimlich ein paar neue Verordnungen von oben umgesetzt, die eigentlich erst später gelten sollten, und dann von Stuttgart schnell eins auf den Deckel bekommen...
 
Die Ulmer haben da wohl schon für den Ernstfall geprobt. Fakt ist, dass die regionalen Frühmagazine ab 2016 eingestellt werden und die Frühsendung zentral aus Stuttgart gefahren wird. Stattdessen werden die Regionalnachrichten aufgemotzt. Die hätten eigentlich schon in diesem Jahr kommen sollen... aber die Form soll nicht ausgereift gewesen sein.
SDR-Indendant Hans Bausch wird sich wohl im Grab umdrehen. Da hat der SDR vor dem Bundesverfassungsgericht seine regionale Berichterstattung erstritten und nun opfern die Enkel diese Errungenschaften dem Sparstift. Die regionale Berichterstattung wird im Gesamten nicht besser wenn allein schon bei Lokalzeitungen die Axt angesetzt wird und nun der ö-r Rundfunk da grad mitmacht. Und wie berichtet wurde, hätte sich Herr Boudgoust schon darüber beschwert, dass er in einem Frühmagazin nur noch ARD-Berichterstatung gehört hätte... muß wohl früh morgen auf Dienstreise gewesen sein.
Und vor einer guten Woche habe ich einen EBU-Menschen aus Genf gehört, der meinte, die Sender sollen in ihre Inhalte investieren, wenn sie im digitalen Zeitalter weiterbestehen wollen. Da wirste echt kirre.

Ich wollte noch was hinterherschieben zum SWR4BW-Sendeloch, das ihr im Juli diskutiert habt. Da das ARD-Radiofestival lief, quasi ein sommerliches Sparporgramm, könnte es auch sein, dass keine 5-Minuten explizit "in Auftrag" gegeben wurden.
In Stuttgart nimmt i.Ü. der Techniker punkt 0 Uhr den Finder vom Mischpult, wenn keine ARD-Nachtversorgung aus Stuttgart kommt. Wie die Nachrichten wird dann die Nachtversorgung "durchgeschossen". Da die Mainzer nicht fusionsgeschädigt sind, könnte da der letzte Techniker der Schicht noch beherzt eingegriffen haben...
Aber das nur so am Rande.
 
Bis dahin ist SWR3 voll privatisiert und die Baden-Badener Liegenschaft an die Bavaria verkauft worden, weil die Produktionskosten mit eigenem Personal zu teuer sind. Oder die machens wie die Bundeswehr. Erst alles schön renovieren, und wenn die Bauarbeiten fertig sind: abstoßen. Wer will aber ein Teil eines anthroposophisches Funkhauses in Stuttgart, wo SWR4 drin haust...?
 
Was der SWR zu viel hat ist eine Landeswelle. Keine andere Anstalt leistet sich zwei Landesprogramme für ein Bundesland.

Und muss der SWR wirklich über drei große Funkhäuser verfügen?
Den ersten Satz unterschreibe ich sofort, den zweiten nur sehr bedingt. Es gibt zwei Landesfunkhäuser und eine Zentrale. Das gleiche haben NDR und MDR auch, nur dass die Landesfunkhäuser beim SWR größere Rechte haben. Der MDR hat sogar zusätzlich zur Zentrale in Leipzig ein eigenes Radiohaus in Halle.

Andererseits: Scheißegal wieviel der SWR zuviel hat. Genießt die Vielfalt solange ihr noch könnt. ;)
 
Was der SWR zu viel hat ist eine Landeswelle. Keine andere Anstalt leistet sich zwei Landesprogramme für ein Bundesland.
Radio Bremen hat derer drei, der SR hat derer vier, der WDR fünf, der HR sechs, der BR sieben.

Und muss der SWR wirklich über drei große Funkhäuser verfügen?
NDR und MDR haben derer fünf. In der Sache wäre es aber tatsächlich sinnvoller gewesen, Baden-Baden bei der Fusion von einem Funkhaus zu einem Produktionsstandort umzubauen.
 
Ich glaube schon zu wissen, was Du meinst. ;) Den Vergleich aber künstlich auf die anderen Mehrländeranstalten zu beschränken und die reinen Landessender außen vor zu lassen, finde ich aber willkürlich. Würden beispielsweise SR und/oder HR im SWR aufgehen und der vergrößerte SWR immer noch zwei Landesprogramme pro Bundesland produzieren, und vielleicht sogar das von @RadioHead ersehnte zweite Kulturprogramm, wäre das doch immer noch effizienter als die heutige Situation, oder?
 
Richtig. Noch ist der Inhalt der SWR-Wellen besser als der der Wellen von WDR, NDR und MDR. Ob das Streichen regionaler Elemente da allerdings vorteilhaft ist? Denn schließlich ist man mit immer gut gefahren mit dem hohen Anteil an regionalen Schaltungen.
Zudem sind Baden-Württemberger nicht gleich Baden-Württemberger. Man legt halt sehr viel Wert auf die regionale Identität. Wahrscheinlich ist auch das ein Grund für den Erfolg von S4, bzw. SWR4 BW.
 
Die Begründung für die Zusammenlegung der SWR4-Morgenprogramme in BaWü ist im Prinzip die gleiche wie für die vor ein paar Jahren vollzogene Zusammenschaltung von SWR4 BW und RP schon um 18 Uhr (statt zuvor 19:30 Uhr). Man könne aus Spargründen nicht mehr soviel lokale bzw. regionale Inhalte produzieren, und die gesparten Ressourcen durch die zusammenschalteten Sendungen kämen den Inhalten zugute.
 
Noch ist der Inhalt der SWR-Wellen besser als der der Wellen von WDR, NDR und MDR.
Woran macht ihr das eigentlich fest? Nur an der Schlagermusik, die hier noch kommt und dort nicht mehr? Fakt ist doch, dass der Abend von WDR4 noch wesentlich vielfältiger ist als der von SWR4 oder gar hr4, wo seit jeher abends nur nonstop Musik dudelt. Ebenso sieht es mit WDR2 und NDR2 und ihren Musikspezialsendungen aus im Vergleich zum täglich gleichen Musikprogramm von hr3 und SWR3. Der ''Popshop'' ist als Musikspezialsendung doch nur noch ein schlechter Witz. Selbst das heutige 1LIVE lässt youfm wie ein totales Sparprogramm erscheinen, von früher ganz zu schweigen. Liegt es wirklich am Propheten im eigenen Land, dass ihr Nordlichter die Programme von SWR und hr besser findet, während ich schon immer die von WDR und NDR interessanter fand und auch heute noch finde? Über die Tagesprogramme rede ich hier garnicht, da dudelt es hier wie da jeden Tag gleich. Egal ob SWR oder NDR. Ich würde gerne öfter SWR3 hören wegen den tollen Moderatoren aus meiner Jugend, schaffe es aber nicht wegen der ewig gleichen Musik. Selbst abends passiert da inhaltlich nicht viel. Da lobe ich mir doch die ganzen Musikspezialsendungen der nördlichen Sender, von Bremen Vier bis radioeins. Denn genau das geht dem Süden doch ziemlich ab. Auch ''Absolut Musik'' von SR1 ist, soweit ich weiß, nichts besonderes. Die ersten beiden Stunden gehen drauf für Wunschmusik zu einem speziellen Thema, ähnlich wie bei hr3 ab 22 Uhr. Bleiben in beiden Programmen noch je drei Stunden am Tag für tiefergehende musikjournalistische Inhalte. Aber die fehlen meiner Meinung nach besonders bei hr3 völlig, was bei WDR2 noch anders aussieht.
 
Auch in Heilbronn werden die Regionalnachrichten in der neuen Form präsentiert.
Und mit Schlagzeilen und Kurzwetter gibt es zukünftig weniger Nachrichten als bisher und ich dachte, es sollen mehr Informationen kommen.
Dazu kommt die Kürzung auf 3,5 min. In HN waren die Nachrichten morgens oft deutlich länger. Oder gibt es morgens 2016 ein längeres Nachrichtenmagazin um halb? Außerdem werden die Hörer scheibchenweise vom Namen des Regionalprogramms entwöhnt, fast nie mehr Frankenradio, sondern fast nur noch "aus dem Studio Heilbronn".

Der Sparkommisar wacht halt über allem bei SWR4, deshalb dieses Jahr in SWR4BW kein Hitmarathon, kein Regionenspiel, keine Bodenseeaktion im Sommer, kein Hörerfest (wurde übernommen vom SWR-TV), ganz selten Assenheimers Talkrunde ...

Bin mal gespannt, wieviel Regionalberichte 2016 in SWR1, 2 und 3 mehr kommen. Vermutlich sollte man sich rechtzeitig vorher eine Lupe besorgen, um diese im Programm zu finden. Womöglich fliegen dafür andere Beiträge raus, denn dass der Wortanteil erhöht wird, glaubt ja niemand.
 
Ich dachte eigentlich, dass der Rundfunkrat sich gegen die Abschaffung der Eigennamen der Regionalprogramme ausgesprochen hat. Aber nachdem die eigenen Signets (grafisch gemeint) vor Jahren schon verschwunden ist, ist das wohl die logische Folge. Merkt ja keiner, wenn alles so weichgespült gleich klingt.
 
Unterdessen wird in Baden-Württemberg wohl die Entregionalisierung (v.a. des Morgenprogramms) vorbereitet, und zwar häppchenweise Studio für Studio. Wenn ich nichts verpasst habe, machte den Anfang diese Woche das Schwaben Radio in Ulm.
Das ist interessant! Gibt es eine Mitschnitt dazu?
Ich hörte nämlich andeutungsweise auch von einem beliebten Programm von einem Sender etwas weiter nördlich, daß in Sachen Regionalprogramm etwas geplant ist.
 
@RadioHead:
Du magst mit dem höheren Angebot an Musikspezialsendungen Recht haben, klammerst das Tagesprogramm aber bewusst aus. Und gerade hier ist jedenfalls der SWR noch etwas kreativer: Da wäre um 10 Uhr auf SWR1 BW die Talksendung "Leute", die Infoschwerpunkte um 12 und 17 Uhr (SWR1) bzw. 12, 16 und 17 Uhr (SWR4), um 19.30 Uhr das "Thema heute", wiederum im ersten. Vor 19 oder 20 Uhr ist hingegen in den Massenunterhaltungsprogrammen von WDR und NDR in der Regel nicht sehr viel los. Klar: Du könntest argumentieren, dass im Westen und Norden andere Radioprogramme dem journalistischen Infoauftrag nachkommen. Aber das tut der SWR in SWR2 quasi zusätzlich noch nebenher.

Was die Zukunft bringen wird, wissen wir freilich noch nicht genau. Und vermutlich wird es auch im Südwesten eher bergab als bergauf gehen.
 
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