Todesfahrt über Berliner Weihnachtsmarkt


Warum bloß, lieber Manni, fallen mir zu Deiner letzten Bemerkung über das Verhalten von einem Gefragten spontan die Begriffe "Sendungsbewußtsein" und "Besserwisserei" ein?

Das nennt man rhetorische Frage übrigens.

Heinzgen: Nein, es gibt keine blöden Fragen. Auch keine dummen. Es gibt rhetorische Fragen. Und offene Fragen. Und geschlossene Fragen. Die Intention, eine Frage blöd oder dumm zu bezeichnen ist indes Indiz für die Ansicht des Interpreten. Besserwisserei ist niemals angebracht, selbst wenn man etwas sogar besser weiß. Fragen kann man beantworten. Oder links rauslegen und ausgären lassen. Aber sie als blöde abtun ist billig. Und einfach. So kommt man in keinen Diskurs. Außer man will ihn eben einfach nicht.
 
Die Rückkehr der Hunderttausenden wird nicht einmal erwogen; die Politik hat sich damit abgefunden, diese bis an ihr Lebensende aus Steuermitteln zu alimentieren.
Woher nimmst Du diese Ansicht?

Die Politik reagiert seit etwas mehr als einem Jahr sehr konkret darauf, Asylsuchende in die bundesdeutsche Gesellschaft zu integrieren. Es wurden immense Mittel freigegeben und Integrationsmaßnahmen geschaffen, die dazu beitragen sollen, Menschen in erster Linie die sprachlichen Möglichkeiten zu verschaffen, sich in dieser Gesellschaft einzufinden. Darüberhinaus gibt es enorme Bemühungen, eben jene in die Möglichkeit zu versetzen, ihren Lebensunterhalt selber zu erwirtschaften. Und dass wir uns auf der Basis der Asylgesetzgebung bewegen erklärt den Sachverhalt intrinsisch. Um es dennoch klar zu formulieren: Niemand sagt, dass man davon ausgeht, langjährig Menschen zu alimentieren, die für eine wie auch immer geartete Zeitdauer hier Asyl gewährt bekommen.

Dass sich bei den zugezogenen Asylbewerbern auch Straftätige, Straffällige, Kriminelle darunter finden werden war doch von Anfang an klar. Die gibt es in jeder Gesellschaft. In jedem Land. Natürlich.

Zu den Asylbewerbern.
Die Menschen vermissen ihre Heimat. Das sei nur mal nebenbei erwähnt. Mir ist auch noch keiner "doof gekommen" in Sachen Demokratie, Gleichberechtigung oder in dem unfassbar unverständlichen Bemühen, sich in einer fremden Welt zurechtfinden zu müssen. Die Menschen wollen Frieden. Und der Frieden und das Land hier sind vermutlich ungefähr genauso ähnlich, als würden wir morgen auf dem Mars ankommen und durch die Gegend stolpern. Das macht Diskussionen nicht einfach, selbst wenn man sich sprachlich verständigen kann. Aber dazu frage auch ich Dich: würdest Du nicht auch nach Schweden gehen?

Warum sich Attentäter wie derjenige, der den LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt gefahren hat, hier trotz aller bekannten Auffälligkeiten und 14 Nationalitäten, mit denen er sich durch das Land bewegt hat, so frei bewegen können, ist mir ein Rätsel. Genauso eines, wie vermeintlich wohllebende, in Deutschland Geborene, ihre Kinder abschlachten. Genauso, wie jeder Gewaltverbrecher, der sich bewegen kann, obwohl es im Nachgang immer genug Hinweise auf die Tat gab.

Es gibt keine Möglichkeiten, eine hundertprozentige Sicherheit zu gewährleisten.
Und es gibt keine Möglichkeiten, für jede begangene Straftat immer einen Verantwortlichen zu finden, der sie hätte verhindern können.

Es gibt aber die Möglichkeit zu akzeptieren, dass man Gewaltverbrechen eben nicht jedes Mal kausal erklären kann.

Und wir sind in einer globalisierten Welt unterwegs. Wir haben eben genau deswegen diesen unfassbaren Reichtum in Deutschland. Und solange Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur auf der Welt bleibt habe ich keinerlei Probleme, irgendwelchen dämlichen Populisten zu erklären, dass die größte Problematik an der Asylsuche sicher nicht die Asylsuchenden sind, die vor Terror und Krieg fliehen und in Flip Flops tausende von Kilometern nach Europa wandern oder ihr Leben auf Schiffen riskieren und zu Tausenden ertrinken. Und ich lasse mich hier ganz sicher nicht in meinem demokratischen Verständnis irritieren, weil mir irgendwer den starken Mann und die Vollbeschäftigung der 70er Jahre zurückzuerobern verspricht.

Das ist mir zu billig.

Das heilt nicht die Wunden. Nicht derer, die geliebte Menschen verloren haben in Berlin. Und nicht derer, die in welchem Land auch immer den Krieg zu Anlass nahmen, ihre Heimat zu verlassen. Und nicht meine, die den demokratischen Diskurs hier im freien Fall sieht, weil es mal wieder so einfach scheint, auf die schwächsten Glieder der Gesellschaft zu kloppen. Das finde ich, mit Verlaub gesagt, zum kotzen.

Sie sind nicht schuld, die Asylbewerber. Die Menschen sind vor genau diesem Horror geflohen, den Attentäter wie in Berlin zur Realität machten.
 
Leicht OT, aber nur leicht...

Zwischen @HeavyRotation25 und mir gibt es bekanntlich gewisse Differenzen bezüglich der Wahrnehmung von Grenzkontrollen innerhalb der EU bzw. des Schengenraums. Kurzum: Ich sage immer: "Da ist nix. Alles wirklich nicht der Rede wert." Meine Einschätzung entspricht einfach meiner Erfahrung. Und genau darum schreibe ich solche Texte:

Wer sagt das? Ich habe schon oft geschrieben, daß die Franzosen kaum an der Grenze stehen. Außerdem fällt er als Tunesier in Frankreich nicht weiter auf. Er wird auch nicht in einen Schnellzug nach Paris gefahren sein, sondern hat einen x-beliebigen Regionalzug benutzt. Pendler usw. Da kontrolliert keine Sau - das geht einfach nicht. Kurzum - es ist kein Problem von DE über F nach I zu gelangen.

Wer am Mittwoch gegen 0845 auf der Autobahn bei Telfs in Tirol in Richtung Innsbruck unterwegs war, weiß jetzt wie es aussieht, wenn die Polizei wirklich mal "ausrückt" und massiv Präsenz zeigt. (Ich rede von Maschienenpistolen, Schußwesten, Verkehrskontrollen - das volle Programm! Aber das sollte ich erst etwas später am Brenner sehen.) Mehrere dunkle zivile Kleinbusse mit Blaulicht kamen mir mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn entgegen, fuhren in Richtung Westen, also von Innsbruck weg! Und dann standen auch noch normale Polizeifahrzeuge an den Autobahnanschlußstellen mit Blaulicht rum. Aber immer nur in der Richtung von Innsbruck weg! Mmm. "Was ist denn hier los?", dachte ich mir. Ehrlich gesagt, ich dachte u. a. an einen "Staatsgast" der in Innsbruck gelandet ist und die normale "Streckensicherung" für die Fahrt an sein Ziel - wie das halt so läuft...

Nee, nee: Die ganze Aktion der Polizei in Tirol beginnt eigentlich hiermit:
http://tirol.orf.at/news/stories/2819233/

Aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen...

Gegen 0920 komme ich in Richtung Italien über die Europabrücke und sehe schon den LKW-Stau vor der Mautstelle Schönberg auf der rechten Spur. "Ist sicher wieder 'ne Panne", denke ich. Falsch - diesmal nicht. Die Anzahl der Mautschalter war schon begrenzt. Ich fahre trotzdem links - Videomaut. Das half aber nur wenig, denn hinter der Mautstelle wurde der Verkehr durch Pylone auf eine Spur zusammengedrängt. Und dann standen schon die ersten Polizisten mit Maschinenpistolen. Polizeikontrolle, aber keine "normale".

Mich hat die Polizei diesmal auch rausgewunken - reine Routine: Fahrerlaubnis + Personalausweis + mal kurz ins Auto schauen. Nach nicht einmal einer Minute konnte ich weiterfahren...

Um genau 0930 berichtete Ö3 in den "Österreich-Schlagzeilen" von dieser Aktion und den Hintergründen. Es wäre schön, wenn wir diesen Aircheck hier hören könnten... @DigiAndi: Bitte such die Stelle mal raus...


@Tonband: Hinweis: LKW wurden nicht kontrolliert. Warum auch? Wer benutzt schon einen LKW für einen Bankraub? Oder anders gesagt: Wie gelangt man möglichst unerkannt von Italien nach Österreich?

Ich zeig euch gleich ein Video vom Brenner...


OT? Ich ich sehe das anders.
 
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@Tonband: [...]Wie gelangt man möglichst unerkannt von Italien nach Österreich?

Ich zeig euch gleich ein Video vom Brenner...
So... Punkt.

Man sieht auch die (wetterfesten) Kontrollpunkte, die Österreich vor einiger Zeit extra am Brennerpass aufgebaut hat. Glaubt mir, ich hab dort noch nie eine Kontrolle gesehen.

@TerrorAbwehr: Der "Kämpfer" ist jetzt schon in Österreich.


PS: Die schlechte Videoqualität ist der 8MB-Grenze beim Upload hier im Forum geschuldet.
 

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Nächste Hürde: Die Mautstelle Schönberg. Wirklich? Nicht doch. Die "Kämpfer" haben längst die Vidomaut übers Internet bestellt. Da fällt man nicht so auf und kann einfach durchfahren.

Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber in 99% der Fälle.

Willkommen in Österreich!
 

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...wir durch den Grenztunnel Füssen nach Bayern fahren. War da nicht was mit angesagten und verschärften Kontrollen vor ein paar Wochen? Ich habs vergessen...

Willkommen in Deutschland!


Das Wetter war gestern im Süden von DE etwas trüb. Aber man kann nicht alles haben.



@HeavyRotation25: Italien - Österreich -Deutschland in ein paar Stunden und ohne Kontrollen. Selbstverständlich kann man das auch wieder wie vor 30-40 Jahren lösen und an jeder Grenze kontrollieren. Aber wer will das wirklich? Wer kann das überhaupt, wenn Amri auch in der Schweiz gewesen sein soll? Mich persönlich wundert das nicht...

Ich habe auch keine "richtige" Antwort.

Ansonsten alles klar?
 

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Selbstverständlich kann man das auch wieder wie vor 30-40 Jahren lösen und an jeder Grenze kontrollieren. Aber wer will das wirklich?
Ich war im Sommer in den BeNeLux-Ländern unterwegs. Die Grenzen nimmt
man kaum noch wahr. Das nenne ich entspanntes Reisen. Die Maut wäre da
auch nur lästig und ist so überflüssig wie ein Kropf. Mir wäre wichtig, dass
sich die Polizei öfter, und dann nicht zur Abzocke, auf der Straße zeigt.
 
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Ich fahre regelmäßig nach Luxemburg tanken, bin ja in 15 Minuten über die Grenze. Wenn dort mal kontrolliert wird, dann eher in Richtung große Bargeldsummen (Geldwäsche/Schwarzgeld) oder Lkw.

Im Sommer der umgekehrte Fall: In Flensburg an der Grenze Richtung Dänemark über 1 Stunde Wartezeit. Dort standen schwere Poller und Zoll-Lkw, welche die Autobahnspuren minimierten auf eine Spur. In diesem Nadelöhr standen Zöllner und schauten sich jeden Autoinsasse an, bei Bedarf wurden auch Autos links gemacht.
 
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YouGov-Umfrage für die dpa: "Mehrheit der Deutschen für stärkeren Kampf gegen IS": (Quelle: FAZ, 28.12.2016)
Soll sich Deutschland am Kampf gegen IS beteiligen?, nach Paris 2015: .... 37% dafür /46% dagegen
Soll sich Deutschland am Kampf gegen IS beteiligen?, nach Berlin 2016: .... 53% dafür /30% dagegen

Soll die Bundeswehr IS-Stellungen in Syrien und Irak bombardieren dürfen?, 2015: .... 33% dafür /48% dagegen
Soll die Bundeswehr IS-Stellungen in Syrien und Irak bombardieren dürfen?, 2016: .... unverändert
Noch 'ne Frage:
Wieviele Anschläge sind in Deutschland noch "nötig" bis die Bundeswehr endlich für die NATO in Syrien mitbomben darf?

( Und wer ist YouGov ? bzw. wozu dienen unsere Meinungsdaten?)
 
was mich richtig ankotzt ist, wie beleidigt die Politiker, vor allem aus den Reihen der Grünen, Linkspartei und SPD heute auf Trumps Kritik zu Merkels Flüchtlingspolitik reagiert haben. Dabei hat der doch nur seine Meinung gesagt. Es ist schon atemberaubend, dass Merkel, die ja im “Zentrum“ der Kritik steht, noch relativ gelassen reagiert hat.
 
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Die Dämonisierung Trumps läuft auf vollen Touren und in Deutschland versteht man (noch) nicht, dass man mit teils hohlen, aber lauten Parolen viele Stimmen fangen kann. Trump hat zum Glück einen Senat um sich herum, der auch mitbestimmt.

Er sagte auch für Deutschland Unbequemes aus, zum Beispiel die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Nato-Mitgliedsländer. Trump verlangt einfach mehr Eigeninitiative und Verantwortung der EU, vielleicht fehlt der EU auch einfach nur das Selbstbewusstsein. Wünschenswert wäre eine wachsende Zusammenarbeit der EU-Staaten während der Regierungszeit Trumps. Vermutlich wird es so kommen, bzw. es muss so kommen.

Auch die gewünschte Annäherung Trumps in Richtung Putin kann von Vorteil sein, vor allem für den Weltfrieden.

Noch ist Trump nicht gewählt, noch regiert er nicht. Mal abwarten, ob seine Amtszeit tatsächlich so schlimm wird, wie vorausgesagt. Die EU und Deutschland müssen aber wohl oder übel aus ihrer Komfortzone heraus, die schützende Hand der USA wird kleiner.
 
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Ihr beide habt ganz offensichtlich den falschen Faden gezogen. :rolleyes:
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Zurück zum Thema:
Merkwürdigkeiten und Widersprüchlichkeiten noch und noch ...

Vorgestern behauptete der Telegraph Amri wäre während der Todesfahrt mit "Ecstasy und Kokain" zugedröhnt gewesen.
Wie wäre das denn mit der IS-"Ethik" verinbar?
 
Vorgestern behauptete der Telegraph Amri wäre während der Todesfahrt mit "Ecstasy und Kokain" zugedröhnt gewesen.
Wenn man ganz genau liest, liegt eher die Vermutung nahe, dass das eher steile Interpretation der Zeitung ist. Eine eigene Quelle nennt der Telegraph ja nicht und verlinkt nur auf den WELT-Bericht, der aussagt, dass er Drogenkonsument war. Eine Aussage, ob der Anschlag im Drogenrausch verübt wurde, wird aber darin gar nicht getroffen.

Wie wäre das denn mit der IS-"Ethik" verinbar?
Schon länger geht die Runde, dass Amri sich widersprüchlich verhalten hat. Einerseits Sympathien für islamistisches Gedankengut, andererseits steht auch im aktuellen Bericht, dass er sich nicht besonders religiös verhalten hat. Möglicherweise war letzteres eines der Indizien, dass zur Fehleinschätzung geführt hat, ihm sei ein Anschlag nicht zuzutrauen.
 
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Wenn man ganz genau liest, liegt eher die Vermutung nahe, dass das eher steile Interpretation der Zeitung ist.
Soviel zur Seriösität von Leitmedien.
.. dass Amri sich widersprüchlich verhalten hat. (..) dass zur Fehleinschätzung geführt hat, ihm sei ein Anschlag nicht zuzutrauen.
Ja @Beyme, mit widersprüchlichem Verhalten lässt sich Vieles erklären, solche Wankelmütigkeit passt aber m.E. irgendwie nicht zu "Turbo-Radikalisierung" und "IS-Kämpfer" wie uns von offizieller Seite erklärt wird. Dazu schrieb der Spiegel gestern nachmittag:
Zitat von SPON 15.01.16 15:52:
berichtete etwa ein V-Mann (..) nach den Anschlägen von Brüssel im März 2016, dass Amri diese gutheiße. (..) Er habe angedeutet, möglicherweise selbst einen Selbstmordanschlag mit einem Sprengstoffgürtel begehen zu wollen.
(..)
Am 21. September beendeten die Behörden seine Überwachung. (..) Umso überraschender ist, dass Amri knapp drei Wochen später,

am 13. Oktober 2016, in der bundesweiten Polizeidatenbank Inpol plötzlich als "Foreign Fighter" erfasst und diese Einschätzung an alle Schengenstaaten übermittelt wurde. Wer die europaweite Warnung veranlasst hat, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Ist das alles mit "Schlamperei" zu erklären?

Mit "IS"-lamisierung und "Turboradikalisierung" von jeglichem Terror der letzten Jahre wird m.E. krampfhaft penetrant versucht Erklärungen zu generieren. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dafür zusätzlich "Beweise" generiert werden um das Ganze passend zu machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja @Beyme, mit widersprüchlichem Verhalten lässt sich Vieles erklären, solche Wankelmütigkeit passt aber m.E. irgendwie nicht zu "Turbo-Radikalisierung" und "IS-Kämpfer" wie uns von offizieller Seite erklärt wird. ..
Mit "IS"-lamisierung und "Turboradikalisierung" von jeglichem Terror der letzten Jahre wird m.E. krampfhaft penetrant versucht Erklärungen zu generieren. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dafür zusätzlich "Beweise" generiert werden um das Ganze passend zu machen.
Vor Turbo-Radikalisierung wird öfter gewarnt, aber als eine zusätzliche (!) Bedrohung neben den klassisch begangenen Taten, auf die man eben AUCH achten muss. Das stimmt doch gar nicht, dass uns das immer und bei jedem Anschlag als Erklärung präsentiert wird.

Im Fall Amri hat doch auch niemand eine Turbo-Radikalisierung behauptet.
Oder die Anschläge in Paris und Brüssel waren doch im Gegenteil von Tätern aus einem Milieu, in dem sie sich sehr lange radikalisiert haben.

Turbo-Radikalisierung finde ich bei Google sehr oft im Zusammenhang mit Anschlägen von Rechtsextremen.
 
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Eine Aussage, ob der Anschlag im Drogenrausch verübt wurde, wird aber darin gar nicht getroffen.
Das spielt eigentlich keine Rolle, oder. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand total stoned einen fremden Lkw durch halb Berlin bewegt und am Ende das Terrorziel noch "trifft".

Angst macht mir die Tatsache, dass diese Art der Anschläge Schule machen. Ich verbringe dieses Jahr noch einige Zeit in Berlin und Paris und jetzt werden die Aufenthalte in der Öffentlichkeit vermutlich nicht mehr ganz so unbekümmert sein.
 
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... Turbo-Radikalisierung (..) stimmt doch gar nicht, dass uns das immer und bei jedem Anschlag als Erklärung präsentiert wird.
Die Welt 11.01.2015: Brüder Kouachi ... die Mörder von Paris
"Cherif Kouachi, algerischstämmiges Waisenkind, Fitnesstrainer, radikalisiert unter den Augen der Geheimdienste"

SPON 17.07.2016: Attentäter von Nizza
"Die französische Regierung geht davon aus, dass sich der Attentäter von Nizza sehr schnell radikalisiert hat."

Tagesspiegel 18.07.2016: Der Attentäter von Nizza
"Nach dem Anschlag in Nizza halten es auch deutsche Sicherheitskreise für denkbar, dass der Täter in einer „Blitzradikalisierung“ zum militanten Islamisten mutiert sei. „Das ist grundsätzlich plausibel“, sagte ein hochrangiger Experte .."

FAZ 09.07.2016: Axt-Angriff bei Würzburg
"Die Rekrutierer dieser turboradikalisierten Einzelgänger haben, (..) anscheinend leichtes Spiel. "

Berliner Morgenpost 18.08.2016: Würzburger Axt-Angriff
"Riaz A. – so die Ermittler – habe sich "turboradikalisiert".

SPON 21.09.2016: Köln: Festgenommener Flüchtling plante Sprengstoffanschlag
"Becker sprach in diesem Zusammenhang von einer "Turbo-Radikalisierung"

Focus 22.09.2016: In Köln: Nach Festnahme von jungem Syrer
"Stephan Becker von der Kölner Polizei (.) sprach im Fall des 16-Jährigen von einer „Turbo-Radikalisierung“.

Berner Zeitung 22.12.2016: Parallelen zwischen den Attentaten von Berlin und von Nizza
Ein Jihadist war er, falls die von den Behörden behauptete "Turboradikalisierung zutrifft."

SPON 09.01.2016: LKW-Attentat Jerusalem
"Der Täter war laut Israels Premier IS-Unterstützer"

SPON 17.01.2016: Anschlag in Istanbul
"Die Terrormiliz "Islamische Staat" hatte die Tat für sich reklamiert."

usw ...

Hauptstadtbrief Berlin 30.09.2016: „Turbo-Radikalisierung“ lautet die neueste Diagnose für mordende Attentäter."
 
Die Welt 11.01.2015: Brüder Kouachi ... die Mörder von Paris
"Cherif Kouachi, algerischstämmiges Waisenkind, Fitnesstrainer, radikalisiert unter den Augen der Geheimdienste"
Keine Rede von Turbo-Radikalisierung.

Dann hast Du drei Links zu Blitzradikaliserung des Attentäters von Nizza, aber das bleibt halt ein Fall, egal wieviele andere Links Du zu Nizza zusammenträgst.
Zwei Links zu Würzburg, und zwei zu Köln.

Also drei Fälle.

Mal ist es so, mal ist es anders.

Die Bataclan-Attentäter haben sich über eine lange Zeit radikalisiert und Amris Tendenzen waren auch schon seit Jahren bekannt.

Hauptstadtbrief Berlin 30.09.2016: „Turbo-Radikalisierung“ lautet die neueste Diagnose für mordende Attentäter."
Hat keinen konkreten Fallbezug.

SPON 09.01.2016: LKW-Attentat Jerusalem
"Der Täter war laut Israels Premier IS-Unterstützer"
SPON 17.01.2016: Anschlag in Istanbul
"Die Terrormiliz "Islamische Staat" hatte die Tat für sich reklamiert."
Weiß nicht, was Du damit sagen willst. Nach meinem Eindruck ist das richtig, dass Ermittler differenziert hinschauen, ob es tatsächliche Verbindungen zum IS gibt, gegenseitigen Kontakt oder nur bloße Sympathie oder ob der IS gar nur behauptet, die Tat gehe auf sein Konto. Solche Unterschiede muss man aber auch wahrnehmen wollen.
 
Egal, wie viele. Warum wird so ein Blödsinn überhaupt gesagt? Was wollen uns die Verfasser mit ihrer Blitzradikalisierungstheorie eigentlich suggerieren? Daß die betreffenden Gewalttäter als mental unbefleckte Jungfrauen hierher kamen und die "plötzliche" Bereitschaft, Menschen niederzumetzeln, nur durch Blitzradikalierung und Turbogehirnwäsche zu erklären ist? Dann ließe sich zumindest auch erklären, warum bei der Einreise nicht genauer hingeschaut wurde.

So schnell radikalisiert man sich nicht. Von "nicht oder wenig radikal" bis zur Radikalität mit Bereitschaft zu Attentaten auf Menschen ist's ein langer Weg. Das ist ein Prozeß langfristiger Sozialisierung. Für mich hatten die Attentäter bei ihrer Einreise bereits eine Grundradikalität. Unter den Immigranten gibt es mindestens soviel Radikale wie unter den Einheimischen, tendenziell aber eher mehr. Gesellschaften oder Religionen, die gutheißen, daß Männer ihre Frauen körperlich züchtigen, unterstelle ich eine andere Grundhaltung zur Anwendung von Gewalt.
 
So schnell radikalisiert man sich nicht. Von "nicht oder wenig radikal" bis zur Radikalität mit Bereitschaft zu Attentaten auf Menschen ist's ein langer Weg. Das ist ein Prozeß langfristiger Sozialisierung. Für mich hatten die Attentäter bei ihrer Einreise bereits eine Grundradikalität.
Erster bis dritter Satz - volle Zustimmung. Letzter Satz - na ja. Kommt drauf an.
Ich sag's mal so: dieses Wort "Turbo-" oder "Blitzradikalisierung" halte ich an sich für Blödsinn. Von null auf hundert wird nicht funktionieren. Eigentlich. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, daß jemand langsam aufgebaut wird, um dann sehr schnell für eine radikale Tat "bereit gemacht" zu werden. Und ich kann mir gut vorstellen, daß jemand so sehr unter Druck gesetzt wird, daß er eine radikale Tat begeht, ohne im Kern religiös zu sein - und daß seine Tat im Nachgang genauso von irgendeiner Gruppe zurechtvergewaltigt wird wie die Religion, für die sie zu stehen vorgibt. Ein Problem bei Selbstmordattentätern ist, daß sie nach erfolgreicher Tat für eine Befragung nicht mehr zur Verfügung stehen; da isses natürlich leicht für radikale Gruppen, diese Taten mitsamt Täter posthum zu vereinnahmen.
Wo der Aufbau eines Radikalen anfängt - keine Ahnung. Aber auch eine vollständige Radikalisierung in Deutschland kann und will ich absolut nicht ausschließen.

Gesellschaften oder Religionen, die gutheißen, daß Männer ihre Frauen körperlich züchtigen, unterstelle ich eine andere Grundhaltung zur Anwendung von Gewalt.
Na ja, zwangsläufig. Allerdings wäre ich vorsichtig, tatsächlich Gewalttätige und Personen, deren Gesellschaft die Gewalt an Frauen gestattet, über einen Kamm zu scheren.

Gruß
Skywise
 
Zuletzt bearbeitet:
Daß die betreffenden Gewalttäter als mental unbefleckte Jungfrauen hierher kamen und die "plötzliche" Bereitschaft, Menschen niederzumetzeln, nur durch Blitzradikalierung und Turbogehirnwäsche zu erklären ist? Dann ließe sich zumindest auch erklären, warum bei der Einreise nicht genauer hingeschaut wurde.
Ich weiß nicht recht. Selbst wenn man noch so genau hinschaut: man kann doch in die Köpfe der Leute nicht hinein schauen. Wenn da jemand unauffällig ist und sich auch nichts Konkretes aus der Vergangenheit der Person nachweisen lässt, was will man da machen? An welchen Merkmalen will man fest machen, dass jemand im Kopf vielleicht schon deutlich weiter ist als in seinem Handeln? Es sind ja nicht selten gerade nicht die ständig böse und grimmig dreinschauenden Typen, sondern vordergründig nette und sympathische Leute, die solche Taten begehen. "So etwas hätte ich ihm nie zugetraut."
Drogendealer, Kleinkriminelle, organisierte Banden, Antänzer, die fallen vielleicht bei der Einreise auf, weil die immer wieder auffällig werden und vielleicht schon bekannt sind. Aber einer, der bis zu seiner Tat unauffällig bleibt, allenfalls über seine Kontakte zu anderen vielleicht heraus sticht?

Das ist ungefähr so wie im Fragebogen der Amis, wo man dann "Haben Sie vor, einen Anschlag zu begehen?' ankreuzen kann. Wieviele werden das wohl mit "Ja" beantworten?
 
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