Tschechische Langwelle Topolna macht dicht


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#1
Wie gestern der 3sat-Videotext vermeldete, wird der Langwellen-Großsender Topolna, der auf 270 KHZ mit zuletzt noch 350 KW Leistung das Programm CRo "Radiozurnal" ausstrahlte, zum 28.02 2014 seinen Betrieb einstellen, da die Kosten der Ausstrahlung in keinem Verhältnis zur angespannten Finanzlage des tschechischen Staatsfunk stehen.

Der Euro-African medium wave guide (www.emwg.info) berücksichtigt diesen Umstand ebenfalls schon in seiner aktuellen Frequenzliste.

Allmählich geht den Rundfunkanstalten immer mehr das Licht auf, dass leistungsstarke, teure AM-Sender überflüssig sind, da sie empfangsseitig nicht mehr genutzt werden. In Deutschland ist man bekanntlich ebenfalls dieser Meinung und möchte daher die Langwellensender des DLF Ende 2014 schließen.

Nur Frankreich scheint irgendwie das "gallische Dorf" des Langwellenrundfunks zu sein. France Inter auf 162, Europe 1 auf 183 (der Sender steht in Felsberg/Saarland, was historische Gründe hat), Radio Monte Carlo auf 216 und RTL France auf 234 KHZ (via Luxemburg) haben jedenfalls noch keine Schließungsabsichten verlauten lassen.

Was meint ihr: Ist Rundfunk auf Langwelle in der heutigen Zeit ein aus Kosten- und Umweltgründen ein No-go, oder hat er auch in Zeilen von UKW, DAB (plus, plusplus etc.), DRM und Internet noch immer seine Berechtigung?
 
#2
Der AM Funk hat den Vorteil, das mit relativ wenig Sendern große Flächen versorgt werden können. Der Sender Topolna deckt ein Gebiet von Schottland bis in die Türkei und von Spanien bis Moskau ab. Ist somit Tags über in Deutschland ohne Probleme zu empfangen. Auf Grund der zurück gehenden Nutzung dieser Frequenzen werden speziell in Europa viele Sender stillgelegt. Warum die Franzosen an der Langwelle festhalten weiß ich auch nicht. Über das Gleichwellennetz auf 198 kHz auf Britischen Insel ist ja auch noch nicht entschieden. Im den dünn besiedelten Weiten Russlands macht die Langwelle ja sogar noch Sinn.
 
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#3
Stimmt. In Deutschland macht man sich diesen Effekt mit dem DLF ja auch zu Nutze: Zwei Sender (153 und 207) genügen für das gesamte deutschsprachige Europa. In Russland wurde die Nutzung der Langwelle bereits eingestellt, soviel ich weiß.
 
#5
In Frankreich wird ausserhalb der Metrolen tatsächlich noch die Langwelle gehört, in französischen Autos fehlt die Langwelle ebenfalls nicht. Ich wäre auch sehr vorsichtig mit der Behauptung, dass hierzulande keiner mehr dort zuhört. Belastbare Quoten gibt es nämlich nicht, man will eben Kosten sparen um jeden Preis.

Auf der Empfängerseite hat sich vieles getan dank der IC's von Silicon Lab in z.B. Tecsun Radios (neuestes Modell PL-880). Das Argument, zusätzlich MW/LW in einem Empfänger zu integrieren wäre zu teuer zieht nicht mehr. Langwelle weist selten Fading auf, örtliche Störungen sind auf Mittelwelle eher als auf Langwelle anzutreffen. Der Prüf- und Messdienst der Bundesnetzagentur sucht auch inzwischen häufiger nach den Quellen, seitdem die Telekom sensibilisiert ist, dass diese Störquellen den DSL-Datendurchsatz einschränkt.

Der Kostenaufwand der deutschen Langwellen ist nur deswegen zu hoch, weil dank Wellenplan bestimmte Richtungen ausgeblendet werden müssen, d.h. es werden 1-2 weitere Antennenmasten notwendig. Aus diesem Grund kann man selten über Diplexer die Fernwirkdienste unterhalb 145 kHz über die gleiche Antenne nutzen. Diese Dienste werden auch auf lange Sicht Bestand haben.

Der Altholminger Sender beispielsweise verdankt seine Existenz nur der Nullstelle Brasov/Rumänien des Senders Donebach 153 kHz, der ansonsten für Deutschland ausreichen würde.
Interessante Infos und Bilder kann man über die Webseite http://www.waniewski.de beziehen.

Meine persönliche Nutzung der Zehlendorfer 177 kHz wird ab Mitte Januar wieder täglich stattfinden, wenn ich für 2 Wochen im Elternhaus meiner polnischen Frau in Wierzbno/Polen verweilen werde. Dort gibt es kein DSL, kein ASTRA sondern Hotbird. Habt ihr eine Idee, wie teuer mich das Streamen via Smartphone kosten würde? Das könnt ihr vergessen!
 
#7
Mit einer polnischen SIM-Karte kann man die Roaminggebühren umgehen. Man kann sich ja im Vorfeld über entsprechende Angebote via Internet informieren. Wenn weiterhin Erreichbarkeit über die eigene Nummer gewährleistet sein soll, ist ein zweites Einfach-Handy nützlich.
 
#8
Wie bei http://www.dxaktuell.de/ zu lesen ist, entscheidet es sich morgen am 27.02.2014, ob die tschechische Langwelle 270 kHz nicht doch auf unbestimmte Zeit erhalten bleibt. Diese Chancen werden auf 90% eingeschätzt.
Bezeichnenderweise tausche ich gerade mein VW-alpha Autoradio gegen ein JVC KD-DB53ATE ein, das neben DAB+ und UKW sogar LW empfängt. Vielleicht sollte der DLF/DR sein Abschaltszenario auch noch einmal überdenken.
 
#9
Nun ist es raus: Topolna 270 kHz bleibt für 3 weitere Jahre erhalten. Es soll bei nächster Gelegenheit ein 50kW-Transistorsender (vermutlich Transradio TRAM50) angeschafft werden, um Stromkosten zu sparen. Für die Inlandsversorgung wird es reichen.
 
#10
Immerhin mal ein erfreulicher Fingerzeig. Downsizing statt Abschaltung - offenbar haben in diesem Falle Hörerproteste etwas bewirkt. Das lässt für das deutsche Szenario zumindest etwas hoffen.
 
#18
Ja, kommt oft auf 1062 kHz durch, besonders während der Dämmerung. Allerdings ist Country nicht so meine Musikrichtung. Auch Radio Dechovka kommt auf der 1233 kHz recht gut durch.
 
#22
Während meines Osteraufenthaltes in Polen habe ich mir die tschechische Langwelle im Autoradio angehört und muss sagen, dass sie momentan ein trauriges Bild abgibt: Der Sender ist untermoduliert und die Modulation ohne tiefe Frequenzen, quäkig eben und eine Zumutung-.
 
#23
Radio Impuls kriegt man auf der 102,9 bis Linz rein...
Der Sender geht oder ging sogar in der Steiermark im Gesäuse stellenweise außergewöhnlich gut rein und das ist UKW-versorgungstechnisch eines der schwierigsten Gebiete in Österreich.

Ich kann mich noch erinnern, als ich vor einigen Jahren berufsbedingt öfters dort durchgefahren bin und unterwegs den Sendersuchlauf bemüht habe, weil nicht mal Ö1 zufriedenstellend ging, empfing das Audi Symphony CD/Kassetten-Werksradio plötzlich einen Sender, den ich noch nicht kannte in guter Qualität und gleich draufhin stand auch schon IMPULS im Display. Besonders im Bereich Gstatterboden kam der Sender ziemlich stark rein, ging aber lange vor Admont im Rauschen unter und kam nicht wieder.
Ob es allerdings die Frequenz 102,9 war weiß ich nicht mehr; wenn ja, dürfte der Empfang inzwischen schwierig werden, da Radio Freequenns seit einiger Zeit auf 103,0 im Gesäuse sendet.
 
#24
Mole Kül, das kann stimmen, weil ich in Schneizlreuth (Lkr. Berchtesgadener Land) auch schon CR3, CR1 besser reinbekommen hab als bspw. den ORF.

Übrigens: bei gutem Wetter kann man Radio Egrensis auf der 92,5 ziemlich weit Richtung Ostbayern hören.

Der CR ist quasi zweiter Heimatsender mancher Ostbayern geworden. Die tschechischen Frequenzen lassen sich stereo noch auf dem Linzer Hauptplatz empfangen.
 
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