Urteil zum Rundfunkbeitrag


Ich zitiere mal aus dem Fazit des Artikels der Nachdenkseiten (www.nachdenkseiten.de):

... "Freilich: Auch an den Öffentlich-Rechtlichen und an mancher Sendung gibt es einiges zu kritisieren, freilich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Auch ihre Glaubwürdigkeit hat gelitten (siehe Rainer Mausfeld, „Warum schweigen die Lämmer?“). Aber sie sind derzeit einige der wenigen Medien, in denen einem breiten Publikum auch Kritisches, Aufklärerisches geboten wird. Bei ARD und ZDF hat der Zuschauer noch am ehesten die Chance, kritisch zu hinterfragen. Die Öffentlich-Rechtlichen sind noch am wenigsten „durch die Besitzverhältnisse in ökonomische Machtstrukturen eingebunden“ (Mausfeld), sind folglich noch am ehesten frei. Die Öffentlich-Rechtlichen kann man – so man will – als letzten Strohhalm sehen… und es spricht angesichts der medialen Gesamtshow nichts dagegen, nach ihm zu greifen.
Das in Deutschland verankerte öffentlich-rechtliche System ist ein wesentliches Element unserer Demokratie. Diese Struktur kann gar nicht überschätzt werden – und sollte deshalb verteidigt werden. Wir müssen auf der Hut sein – gerade weil die De-Montage-Trupps auf leisen Sohlen und zwielichtigen Argumenten daherkommen.
Statt sich in Bescheidenheit zu üben: Es ist an der Zeit, dass sich alle Öffentlich-Rechtlichen dazu aufraffen, mehr Werbung für ihre ureigenste Sache zu machen: „Wachhunde des öffentlichen Interesses gegenüber den Zentren der Macht“ zu sein, nicht deren „Schutzhunde“. Wenn es die Politik versäumt oder gar verhindern will, dieses Kernelement der Demokratie für seine Aufgaben zu befähigen, spätestens dann sind die Träger des Auftrags aufgerufen, für ihre Sache zu streiten: Hörbar! Sichtbar! Zusammen mit den Rundfunkräten, den Journalisten-Organisationen, mit den Gewerkschaften und nicht zuletzt allen Menschen, die an einer unabhängigen Presse interessiert sind, müsste es doch möglich sein, für eine freie Presse einen Erfolg zu erzielen, ihre Zukunft zu sichern. – Was ist die Alternative?"

Besser hätte man es nicht zusammen fassen können.
Ich bin für eine inhaltskritische Auseinandersetzung mit dem ÖR. Und damit meine ich primär Inhalte und nicht Formate.
Kampfbegriffe wie z.B. "Zwangsgebühr" sind in der Diskussion über den ÖR genauso wenig hilfreich, wie "Kopftuchmädchen" und "Messermänner" in der Asylpolitik. Solche Begriffe sind reine Polemik und stoßen mich ab.
Also lasst uns über Inhalte sprechen!
 
@92_4 Mhz
Na, Mausfeld ist schon ziemlich umstritten: Ich zitiere mal Wiki:

"Mausfelds Beiträge zu medien- und kapitalismuskritischen Themen weisen nach Ansicht des Amerikanisten und Verschwörungstheorie-Forschers Michael Butter „stark populistische und mitunter auch verschwörungstheoretische Züge“ auf. Von seinem Fachgebiet her fehle Mausfeld die Kompetenz, sich über politische Themen zu äußern, er werde aber wegen seines Professorentitels als Autorität dazu wahrgenommen."

Noch was zum Thema Gebühren, es ist schon ziemlich steil, das selbst Medienverweigerer Gebühren zahlen müssen. Aus der Kirche kann man austreten, den Kriegsdienst kann man verweigern, aber die Öffis kassieren immer und im Zweifelsfall auch einmal rabiat. Aber, das Thema ist durch.
 
Kampfbegriffe wie z.B. "Zwangsgebühr"
Sorry, aber eine Gebühr, die zu entrichten ich gezwungen werde, ist eine Zwangsgebühr. Das hat mit "Kampfbegriffen" gar nichts zu tun. Last uns die Dinge beim Namen nennen und dann nüchtern das Für und Wider des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks diskutieren. Man kann das Grundprinzip richtig, gut und dringend nötig finden (so wie ich), es aber in der heutigen Ausgestaltung trotzdem kritisieren (so wie ich). Man ist kein Gegner von ÖR, nur wenn man mal hinterfagt, ob dort alle Ausgaben, Programme und Strukturen richtig sind. Und @count down
Nicht jeder, der kritisch die heutige Ausformung von ÖR hinterfragt, ist deshalb gleich automatisch ein "Freund privater Rundfunkveranstalter".
 
Und @count down
Nicht jeder, der kritisch die heutige Ausformung von ÖR hinterfragt, ist deshalb gleich automatisch ein "Freund privater Rundfunkveranstalter".
Diese Kaulisatät habe ich nicht aufgemacht. Ich habe in #229 an Freunde privater Rundfunkveranstalter adressiert, sich darüber im Klaren zu sein, dass.... siehe oben. Über die Richtigkeit von Ausformungen, Programmen und Strukturen habe ich an dieser Stelle nichts gesagt.
 
Zwangseinkommenssteuer und Zwangsmehrwertsteuer?
Äpfel mit Birnen verglichen. Die Einkommensteuer, die ich bezahle, hat etwas mit der Höhe meines Einkommens zu tun. Viel Einkommen = höhere Steuer, weniger Einkommen = niedrige Steuer. Dito verhält es sich bei der Mehrwertsteuer. Es wird nur versteuert, was ich konsumiere. Ich kann es auch lassen. Kein Zwang!
Bei der Rundfunkgebühr kann ich es weder lassen, noch kann ich durch mein Verhalten die Höhe der Gebühr beeinflussen. Ich bin ausgeliefert! Es handelt sich um Zwang.
 
Und gleiches Argument wirst du sicherlich auch für deine Zwangskrankenversicherungsbeiträge finden, richtig Mannis Fan?

Wenn du das Grundprinzip richtig, gut und dringend nötig findest, wie du schreibst, wie soll denn die Finanzierung deiner Meinung nach aussehen? Einkommensgebunden, verstehe ich deinen Vorschlag richtig? Das Gebrüll hört also dann auf, wenn die gutverdienenden Berufstätigen durch ihre höheren Beiträge den Arbeitslosen die „Volle Kanne“ bezahlen?
 
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Nach der ZwangsAnmeldung hier darf ich schreiben: Der Zwang zur Steuerzahlung ist der zur Rundfunkgebühr sehr ähnlich: irgendwann kommt der Gerichtsvollzieher. Die ZwangsMehrwehrtsteuer ist übrigens einkommensunabhängig.

Für sagen was ist, bin ich zu haben. Gerne nüchtern und sachlich, also mit verbaler Abrüstung.
 
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@92_4 Mhz
Na, Mausfeld ist schon ziemlich umstritten: Ich zitiere mal Wiki:

"Mausfelds Beiträge zu medien- und kapitalismuskritischen Themen weisen nach Ansicht des Amerikanisten und Verschwörungstheorie-Forschers Michael Butter „stark populistische und mitunter auch verschwörungstheoretische Züge“ auf. Von seinem Fachgebiet her fehle Mausfeld die Kompetenz, sich über politische Themen zu äußern, er werde aber wegen seines Professorentitels als Autorität dazu wahrgenommen."

Noch was zum Thema Gebühren, es ist schon ziemlich steil, das selbst Medienverweigerer Gebühren zahlen müssen. Aus der Kirche kann man austreten, den Kriegsdienst kann man verweigern, aber die Öffis kassieren immer und im Zweifelsfall auch einmal rabiat. Aber, das Thema ist durch.
Der Artikel stammt nicht von Mausfeld, sondern von Hermann Zoller
 
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Die Finanzierung von ÖR ist ein Nebenkriegsschauplatz. Es ist doch nicht meine Erfindung, dass das von vielen Menschen als Zwang, als unfair, zum Teil auch als Einladung zur Selbsbedienung der Anstalten wahrgenommen wird. Wenn man will, dass sich an dieser Wahrnehmung etwas ändert - denn davon hängt am Ende die Akzeptanz des Systems ab -, dann sollte man die Kritiker ernst nehmen und nicht verächtlich machen.
Nach der Frage der Finanzierung kommt nämlich die viel wesentlichere Frage: Was machen die Anstalten mit dem Geld? Und auch hier machen sie sich ohne Not angreifbar, zum Beispiel, wenn sie in Wettstreit mit den privaten Anbietern treten, oder wenn sie Strukturen und Programme doppelt und dreifach und in ihren Inhalten nahezu redundant in die Welt setzen. Und kommt mir nicht mit Föderalismus und Länderzuständigkeit. Kein Gesetz der Welt verlangt, dass jedes Bundesland eine eigene öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt haben muss, die jeweils mindestens drei Radio- und ein eigenes 24 Stunden-Fernsehprogramm abliefern muss. Das "Niveau", von dem Intendant Thomas Bellut weiter oben spricht, hat doch nichts mit der Masse von Programmen zu tun, muss also auch nicht leiden, wenn dort mal couragiert ausgemistet werden würde.
In dieser Diskussion helfen ganz sicher auch keine Schlaumeiereien a la:
Die ZwangsMehrwehrtsteuer ist übrigens einkommensunabhängig.
Ich kann nämlich durch Art und Umfang meines Konsums beeinflussen, wieviel Mehrwertsteuer ich bezahle. Im Theoriemodell: Null Konsum = Null Mehrwertsteuer.
Wie ist es mit Null-Radio/Fernsehkonsum und Rundfunkgebühr?
 
Gebühren sind immer Zwang. Niemand kann sich einer Straßenreinigungsgebühr entziehen, oder einer Gebühr für die Erstellung von Dokumenten usw.

Und noch etwas anderes: Es gab ja nun zahlreiche, demokratische Urteile zum Thema Rundfunkgebühr. Man kann (und darf) die Rundfunkgebühr natürlich subjektiv als ungerecht empfinden. Aber sollte man den Blick nicht endlich mal weiten? Ist es nötig, immer wieder zu betonen, dass man die Rundfunkgebühr für ungerecht hält? Also reden wir bitte ohne Polemik über "die Rundfunkgebühr" und was man damit anfangen sollte, damit nicht jedes Mal die Diskussion dadurch unterbrochen wird, weil man das Thema immer gerade rücken muss. Ok? :)

Leider ist es hier so, dass es so gut wie gar keine konstruktive Beiträge in diesem Thread gibt. Immer nur die gleiche Leier in verschiedenen Variationen. Vielleicht sollten wir uns alle mal Gedanken machen, was das Grundgesetz will/wollte und davon ableiten und in diesem Rahmen eine Diskussion führen.

Ich lese in vielen Theads nur die Enttäuschung darüber, dass sich die Zeiten geändert haben und ihr Rundfunkprogramm nicht so geblieben ist, wie es früher war. Und zugegeben: Auch ich neige zuweilen dazu, denn Radio hören war schon immer mein großes Bedürfnis. Aber immer nur nach hinten schauen, hilft im Leben gar nicht weiter.

Also was soll mit 17,50 Euro oder meinetwegen im Jahr 2025 mit 20,00 Euro finanziert/nicht (mehr) finanziert, erhalten, erneuert, umgebaut, ... werden?
 
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Die Finanzierung von ÖR ist ein Nebenkriegsschauplatz. Es ist doch nicht meine Erfindung, dass das von vielen Menschen als Zwang, als unfair, zum Teil auch als Einladung zur Selbsbedienung der Anstalten wahrgenommen wird. Wenn man will, dass sich an dieser Wahrnehmung etwas ändert - denn davon hängt am Ende die Akzeptanz des Systems ab -, dann sollte man die Kritiker ernst nehmen und nicht verächtlich machen.
Nach der Frage der Finanzierung kommt nämlich die viel wesentlichere Frage: Was machen die Anstalten mit dem Geld? Und auch hier machen sie sich ohne Not angreifbar, zum Beispiel, wenn sie in Wettstreit mit den privaten Anbietern treten, oder wenn sie Strukturen und Programme doppelt und dreifach und in ihren Inhalten nahezu redundant in die Welt setzen. Und kommt mir nicht mit Föderalismus und Länderzuständigkeit. Kein Gesetz der Welt verlangt, dass jedes Bundesland eine eigene öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt haben muss, die jeweils mindestens drei Radio- und ein eigenes 24 Stunden-Fernsehprogramm abliefern muss. Das "Niveau", von dem Intendant Thomas Bellut weiter oben spricht, hat doch nichts mit der Masse von Programmen zu tun, muss also auch nicht leiden, wenn dort mal couragiert ausgemistet werden würde.
In dieser Diskussion helfen ganz sicher auch keine Schlaumeiereien a la:

Ich kann nämlich durch Art und Umfang meines Konsums beeinflussen, wieviel Mehrwertsteuer ich bezahle. Im Theoriemodell: Null Konsum = Null Mehrwertsteuer.
Wie ist es mit Null-Radio/Fernsehkonsum und Rundfunkgebühr?
Gut, dass du das Wort „Erfindung“ direkt in den Mund nimmst. Die interessante Frage lautet nämlich, woher kommt eigentlich diese Wahrnehmung bezüglich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland? Warum gibt es diese sehr hysterische Diskussion bezüglich einer solidarisch finanzierten öffentlich-rechtlichen Einrichtung überhaupt nur in Bezug auf Medien? Wer hat die eigentlich angefangen und aus welchen Motiven? Wer schürt die Wahrnehmung, die du beschreibst, und welche Interessen stecken dahinter? Warum gibt es nicht im Ansatz eine ähnliche Diskussion über vergleichbare Ausgaben in irgendeinem anderen öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Sektor? Könnte das etwa daran liegen, dass in allen anderen Bereichen die entsprechendenden Lobbygruppen nicht gleichzeitig über so viel mediale Macht verfügen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen? Ist es nicht sowieso ein riesiger Fehler, dass private Anbieter sich seit zwei Jahrzehnten in einem Wettstreit mit den öffentlich-rechtlichen Anbietern wähnen?
 
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Demnach zahlst du offenbar auch Zwangseinkommenssteuer und Zwangsmehrwertsteuer? Selbstverständlich ist das ein hochpopulistischer Kampfbegriff, den du dir da zu eigen machst.
Unsinn, bei der Mehrwertsteuer zahle ich nur für Produkte/Dienstleistungen die ich kaufe. Kein oder wenig Konsum - keine oder wenig MwSt.. Die Einkommenssteuer richtet sich nach meinem Einkommen und vorhandenen Entlastungsmöglichkeiten. Die Rundfunkgebühren sind mit einer Substanzsteuer zu vergleichen, sie fallen unabhängig von der Nutzung an. Es wird auch nicht nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit unterschieden. Das sind ganz beträchtliche Unterschiede.

Doch das Thema ist mit BVG-Urteil durch. Nur das Danaergeschenk ist jetzt wie werden die Einnahmen und für was verwandt. Da gibt es zwar die redaktionelle Freiheit, aber nicht nur. Denn eine Gesellschaft kann zurecht fragen, gehören teure Bundesligarechte zum Programm-Auftrag? Muss eine alleinerziehende Krankenschwester, die gerade mal so über die Runden kommt, indirekt das vergoldete Steak von Herrn Ribéry via Sportrechte mitfinanzieren? Selbst als Werbeträger sind der Verein und die Spieler interessant, weil sie ein hohe TV- und Medienpräsenz garantieren. Das ist eine politische gesellschaftliche Frage. Wenn ein Popstar einen exzessiven Lebensstil lebt, ist es seine Sache, denn er lebt hauptsächlich von Konzert- und Tonträgereinnahmen.

Hier scheut das System ganz klar die Debatte. Denn viel zu viele Mittel gehen in die Verwaltung, Mehrfachstrukturen, üppige Altersversorung und für überteuerte Sportrechte. Gespart wird eher im kreativen und redaktionellen Bereich. Also beim eigentlichen Produkt. Aber der Apparat ist auf Mittelmaß ausgerichtet, denn damit produziert man keine Widerstände. Das es auch anders geht, zeigt z.B. die BBC, der es immer wieder gelingt stilbildende Formate, Stoffe und Serien zu entwickeln. Sage doch bitte keiner Engländer können das, Deutsche nicht.
 
Ich sehe schon den ein oder anderen konstruktiven Beitrag zu diesem Thema.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk entstand auf Grund der Erfahrungen im Dritten Reich. Ein staatsferner, unabhängiger Rundfunk sollte entstehen. Die Lösung waren die Landesrundfunkanstalten. Der Föderalismus sorgte für die dezentrale "Organisation" der Institutionen. Kontrolle dieser Anstalten sollte über binnenplurale Gremien erfolgen. Nun ist das Ganze fast 70 Jahre her. Was hat sich getan, insbesondere in den letzten 20 Jahren, denn in den ersten 50 Jahren war die Entwicklung eher verhalten (von Mittelwelle zu UKW, Einführung von Fernsehen, Einführung von Privat-TV und Hörfunk Anfang der 80, Verkabelung der Republik u.s.w.). Eine verkürzte, simple Darstellung - ich denke, wir wissen alle hier, warum und wieso es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt.

Die Entwicklungen der letzten Jahre sind aber so signifikant, dass dringend Reformen der Öffis erforderlich sind. Punkt. Das ist übrigens auch Konsens, sogar bei Gremlins und Intendanten sowie der Politik.

Die ursprünglich relevanten Gruppen in den Gremien sind schon länger nicht mehr repräsentativ, denn die Strukturen in der Gesellschaft haben sich verändert und fragmentiert. Eine Lösung für einen Ersatz? Schwierig. Aber wie lange kann ein Establishment noch glaubwürdig die Kontrolle von öffentlich-rechtlichen Medien ausüben. Hier hängt, bei aller Schwierigkeit, ein Verfallsdatum dran. Zugleich hat die Politik immer versucht, doch Einfluß über die Gremien auszuüben. Auch wenn das BVG mt dem ZDF-Fernsehratsbeschluss Einhalt gebieten wollte, er findet nach wie vor statt. Der Glaubwürdigkeit der Öffis hilft das leider nun mal nicht wirklich.

Und es geht um die Frage, ich wiederhole mich gerne, dass das veränderte Mediennutzungsverhalten eine Reform erfordert. Dies verbunden mit der Frage, ob und welche Aufgaben der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig wahrnimmt. Hier sehe ich in der Diskussion nur Leere. Sorry, der Artikel von Zoller ist aus meiner Sicht organisiertes Blabla auf der philosophischen Metabene, hilft dummerweise bei der Lösung der Probleme nicht einen Zentimeter weiter.

Wenn es um die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten geht, geht es nicht primär um das "Ob" (die Anstalten hierüber finanziert werden), sondern um das "WIE" (und damit auch in welcher Höhe). Über das "OB" dürfte ein weitreichender Konsens im Establishment und der Gesellschaft bestehen. Und dies hängt einerseits mit den künftigen Aufgaben zusammen (für die es, wie gesagt, bislang keine konkreten Aussagen gibt) und mit der Organisation und Struktur, die einerseits aus den Anforderungen und Aufgaben resultieren und andererseits aus Kostengründen Sinn machen.

Sicherlich mag man die Finanzierung als Nebenkriegsschauplatz betrachten, jedoch birgt dieses Thema enorme Sprengkraft. Die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist in der Gesellschaft, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen, extrem gesunken. Ein "Weiter-so" der Intendanten ist daher außerordentlich dumm, denn an diesem Nebenkriegsschauplatz kann sich bei einer eskalierenden Stimmungslage in der Bevölkerung eine grundsätzliche Frage anschließen. Nicht heute, nicht morgen aber evt. übermorgen. Und dann geht es nicht mehr um das "WIE", sondern auch um das "OB".
 
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https://www.heise.de/tp/features/AR...EUR-hoeher-als-bei-DAX-Konzernen-4260410.html

Persönliche Anmerkung: Ich habe schon vor ein paar Jahren (nach der "Flüchtlingskrise") geschrieben, daß man beim Lesen der Kommentare im Telepolis-Forum und deren jeweiliger Bewertung (rot/grün) sehr deutlich merkte, wie sich die vertretene Meinung der dortigen User nach rechts verschoben hat. Das vormals eher links angehauchte Telepolis-Forum ist aber auch nur ein Spiegel der sich wandelnden Gesellschaft.

Und bitte beachten - wer etwas gegen den immer weiter ausufernden ÖR-Rundfunk in DE hat, ist noch lange kein Nazi!
 
Leider ist nicht in Erfahrung zu bingen, wer dieser Viktor Heese ist, der sich als Autor für diesen größtenteils unausgegorenen und mutmaßlich bewußt mit irreführenden Behauptungen durchsetzten Artikel verantwortlich zeichnet. Nur mal so als Info: Schon seit Jahren veröffentlichen alle einzelnen Landesrundfunkanstalten Wirtschaftsberichte, welche auf ihren Homepages einsehbar sind. Darin sind die Einnahmen, Ausgaben, Gewinne und Verluste, und selbstverständlich auch die Summen welche für die Vergütungen draufgehen mit aufgeführt. Von Intransparentz kann also überhaupt keine Rede sein. Der Mann hätte mal anständig recherchieren sollen. Obwohl, dann würde es vermutlich niemand mehr lesen.
Besonders belustigend sind übrigens auch die Vergleiche mit dem Privatfunk. Während die ÖRs ein weltweites Korrespondentennetz unterhalten, greifen die Privaten natürlich auf die Leute in den Verlagshäusern zurück, denen der Sender gehört. Bei Pro7 war man sich im vergangenen Jahr bekanntlich nicht zu schade, die durchaus etablierte Marke N24 in Welt umzubenennen, weil von da die Nachrichten kommen, was in den Statistiken so natürlich nicht auftaucht. ...also nur um mal ein Beispiel zu nennen aus diesem skurillen Artikel, der zu großen Teil einfach Quatsch ist, den man teils sogar ohne großen Aufwand widerlegen kann. Artikel wie diese sind für die Lösung des Problems leider nicht hilfreich.
 
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Ich kann nämlich durch Art und Umfang meines Konsums beeinflussen, wieviel Mehrwertsteuer ich bezahle. Im Theoriemodell: Null Konsum = Null Mehrwertsteuer.
Das ist ein Witz, oder? Null atmen = Null Sauerstoffverbrauch.
Kann ich völlig frei entscheiden, hey, klar.

Ich fände es übrigens schön, wenn man als "Zwangsgebührenzahler" zumindest frei entscheiden dürfte, welcher Anstalt und welchem Programm der Beitrag zugeteilt wird.
So profitiert leider in meinem Fall der MDR von meinen Beiträgen, den ich persönlich für den absoluten Minderleister der gesamten ARD halte (allerdings mit nur wenig Abstand zum NDR, der im TV wenigstens noch ganz okay ist, im Radio aber unerträglich unterirdische Programme verantwortet).

Andererseits produziert das ständig zur Disposition stehende Radio Bremen eine Perle nach der anderen und wird vermutlich zu den allerersten Sendern gehören, die mit viel Krawall abgewickelt werden. Weil jemand, deinem weisen Rat folgend, mal so "richtig ausgemistet" hat.

Währenddessen bereitet man beim MDR schon leise kichernd x weitere Kanäle vor, u.a. 3 neue Kinderradios und "Lebensverlierer TV" für alle, denen "Brisant", "Markt" und "Fakt" zu lebensbejahend sind.
 
Ich denke die ganze Zeit nach, wie man dieses Thema hier produktiv bearbeiten kann. Folgende Frage möchte ich an die stellen, die die Rundfunkgebühr als Zwangsgebühr empfinden:

Gesetzt den Fall, der Beitrag bleibt bei 17,50 bis 20,00 Euro (scheint mir eine realistische Annahme) - was müsste euch der ÖRR bieten, damit ihr diese Gebühr halbwegs akzeptiert?
(und bitte nicht so viel Polemik)
 
@Radiokult
Hmm, den meintest du nicht? http://bankundversicherungsbilanzen.de/wp/?page_id=92

@DelToro
Simples VWL im Grundstudium. Verbrauchsabhängige Steuern besteuern den Verbrauch. Seinen Verbrauch kann jeder durch individuelle Konsumentscheidungen durchaus steuern, z.B. Tabak, Alkohol, Mineralöl selbst bei Lebensmitteln, man kann ja auch eigenes Gemüse züchten oder Fleisch erzeugen oder statt Steak, Hummer und Kaviar, Sojabohnenschrot oder Ölsardinen verputzen. Geht also, ob es für den einzelnen sinnvoll ist, ist eine ganz andere Sache.

@92_4
Es geht weniger darum was man persönlich erwartet. Da hat gerade hier in diesem Forum seine ganz persönliche Likes und Dislikes. Es geht auch nicht darum wir stellen uns mal das Lieblingsessen aller zusammen. Es geht um die Struktur, Strategie und ein Gesamtkonzept. Doch ganz ehrlich, wir können uns hier die Finger wundschreiben. Erstens interessiert es die Macher und Entscheider nicht, zweitens lesen sie hier kaum im Forum. Ich glaube definitiv nicht an die Innovationskraft von Medien. Da wird lieber Beamten-Mikado gespielt. Wir schon ein paarmal gesagt, erst unter den Druck der Verhältnisse wird es Änderungen geben.
 
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